Per Anhalter nach Sofia: Reisebericht

Mit den ersten Sonnenstrahlen sattelte ich meinen Rucksack. Wirklich fitt fühle ich mich nicht, nach einer durchgemachten Nacht. Ich verriegelte die Türen und legte einen Zettel hinter die Windschutzscheibe: „If there are some problemes with my truck, pleace E Mail to: myhomeismycar@exampel.com“ Auch wenn ich Sebo und seinen Freunden vertraue, ein ungutes Gefühl bleibt. Was ist, wenn doch die Bullen Ärger machen? Oder bei einem Waldbrand? Ich kann nur hoffen. Kurz vor 5 Uhr erreichte ich die Bucht in deren Nähe ich geparkt hatte. Hier mündet ein kleiner Bach ins Meer und ich habe von hier immer mein Brauchwasser geholt. Heute brauche ich kein Wasser, dafür genieße ich kurz den Sonnenaufgang.

Es ist noch ruhig auf den Straßen. Vielleicht 5 oder 6 Autos die mich bis jetzt überholt haben. Jedem zeigte ich meinen Daumen doch niemand hat angehalten. Doch Auto Nummer 15, oder Nummer 20 stoppte kurz vor mir. Ein uraltes Vehicle mit Anhänger. Rückbank und Kofferraum waren mit Plastiktüten mit undefinierbarem Inhalt voll gestopft. Anhänger und Beifahrersitz waren leer. Ich schmiss meinen Rucksack auf den Hänger, nahm auf dem Beifahrersitz Platz und hob Scheki auf meinen Schoss. Der Fahrer drehte am Zündschlüssel, sein Fahrzeug gab eigenartige, schnarrende Laute von sich und ohne länger zu probieren stieg er aus, um sein KFZ anzuschieben. Ich öffnete die Türe, Scheki sprang aus dem rollenden Wagen und ich half beim schieben. Mit einer lauten Fehlzündung startete der Motor. Wir fuhren keine 5 Minuten als der Motor auf einer leichten Steigung anfing zu stottern. „Problema?“ fragte ich. „Gasoline!“ Antwortete mein Fahrer. Als wir den Gipfel des kleinen Berges erreicht hatten starb der Motor vollends ab. Wir rollten bergab bis zur nächsten Tankstelle.

Nachdem wir das Fahrzeug ein zweites Mal angeschoben hatten, fuhr es wie ein Neuwagen. Mein Fahrer will heute noch bis nach Russland. In 3 Tagen möchte er bei ein paar Freunden in der Nähe von Ufa sein, entnahm ich unserer Handzeichenkonversation. Leider ist Ufa nicht mein Ziel, ich will zur Deutschen Botschaft nach Sofia. Bis Burgas haben wir den gleichen Weg. Also werde ich bis Burgas mitgenommen. Wir fahren die Küstenstrasse entlang. Immer wieder sieht man das Meer. Als wir um eine Kurve fahren sehe ich Burgas. Ganz weit weg, fast schon am Horizont, erheben sich unzählige Hochhäuser aus der See. Gut 30 Minuten später biegt mein Taxi rechts ab. Ich hingegen möchte geradeaus. Mein Fahrer hält auf dem Seitenstreifen und ich stehe mitten auf der Autobahn.

Ich stelle Scheki ein Schüsselchen Wasser vor die Nase und halte meinen Daumen in die Luft. Es dauert 20 Minuten, oder eine halbe Stunde bis ein blauer Golf 3 anhält. Ein topp gepflegtes Fahrzeug mit einem jungen englischsprachigen Fahrer. Ich schäme mich fast mit meinen Hund einzusteigen. „Pleace not at the seats“ Lautet die Bedingung meines Fahrers mein Tier mitzunehmen. Scheki, der noch vor wenigen Monaten ängstlich den Schwanz eingekniffen und das Weite gesucht hat wenn er in ein Auto einsteigen sollte, verhält sich großartig. Brav steigt er ein und macht es sich im Fußraum gemütlich. Wir fahren ab. Nach einer kurzen Unterhaltung finde ich heraus dass mein Taxi direkt nach Sofia fährt. Habe ich ein Glück. Mein Fahrer bemerkt dass ich Deutscher bin und so verdiene ich mir meine Reise als Übersetzer. Die rund 5stündige Fahrt verbringe ich damit ungezählte Rammstein Songs ins Englische zu übersetzen. Ich erhalte die Fernbedienung des Autoradios und bekomme gezeigt wo die Pause Taste ist. Jetzt lasse ich den Song ein oder 2 Sätze lang laufen, drücke dann auf Pause, übersetze die Worte um danach das Radio die nächsten 2 Sätze abspielen zu lassen. Wie im Flug vergeht die Zeit. Um 11 Uhr und 36 Minuten werde ich unmittelbar vor der Deutschen Botschaft herausgelassen.

36 Minuten zu spät. Die Botschaft schließt um 11. Während der Fahrt hat mein Taxifahrer einen Freund angerufen, dieser hat im Internet die Adresse der Botschaft herausgefunden und ihn zurückgerufen. Nach nur 6 Stunden Reisezeit hatte ich mein Ziel erreicht. Mit meinem eigenen Auto hätte ich mindestens 10 Stunden gebraucht. Mit meinem eigenen Auto hätte ich jetzt allerdings auch einen Schlafplatz. Dummerweise ist mein Auto Luftlinie knapp 400 km von mir entfernt, und ich muss hier die Nacht verbringen da die Beamten der Botschaft nachmittags nur Pässe aushändigen, beantragen kann man sie nur bis 11 Uhr am Vormittag.
Ich mache mich auf, um ein Münztelefon zu suchen. Von dort möchte ich meine Freunde anrufen. Zwar war mein Aufbruch recht überstürzt, aber vor ungefähr 2 Wochen hatte ich ihnen geschrieben, dass ich sie anrufe wenn ich in Sofia bin und sie hatten geantwortet, dass sie `nen Pennplatz für mich hätten. Leider gibt es in Sofia keine Münztelefone. Wie schön waren doch die Zeiten als man noch nicht für 5 Euro eine Telefonkarte kaufen musste um für 30 Cent ein Gespräch zu führen. Ich betrete eine Postbank und frage nach einem Telefon welches man in bar bezahlen kann. Ungläubig schaut mich die Mitarbeiterin an. Das sei hier eine Bank. Irre ich, oder kann man bei einer Postbank in Deutschland nicht auch telefonieren? Ein Kunde hört das Gespräch und bietet mir sein Handy an. Ich wähle und erhalte eine Ansage die wohl soviel wie: „Kein Anschluss unter dieser Nummer“ bedeutet. Scheiße!
Entschieden einfacher als ein Münztelefon zu finden ist es, sich ins Internet einzuloggen. Ich verlasse die Postbank, setze mich auf einen Blumenkübel, schalte den Rechner ein und bin auch gleich online. Die Telefonnummer die ich gewählt habe, stimmt mit der überein, die ich per E Mail erhalten habe. Was nun? Ich stehe mitten in einer Großstadt, mittlerweile ist es 2 Uhr und ich habe nicht die leiseste Ahnung wo ich die Nacht verbringen soll. Ich nutze couchsurfing.com. Ich habe schon so viele Leute beherbergt, jetzt ist es an der Zeit, dass ich das System auch mal für mich selber nutze. Ich schreibe einen kleinen Text in dem ich mich vorstelle und den Grund für meine Reise kurz erkläre und bitte um einen Schlafplatz für mich und meinen Hund. Rund 1,5 Stunden sitze ich vor meinem Rechner und schicke diesen Text mehr oder weniger panisch an bestimmt 150 Mitglieder der Community in Sofia. Dann erhalte ich die ersten Rückmeldungen. „Sorry, my cat´s are not good friends whith doog´s. Of course I can host you, just call me. Feel welcomme.” usw. Bis 8 Uhr am Abend hatte ich rund 30 Zusagen von Menschen die mich beherbergen wollten. Wahnsinn! Ich brauch doch nur einen Pennplatz. Die erste Zusage kam von einem jungen Mädchen Namens Zani. Sie hieß mich nicht nur in ihrer Wohnung willkommen, sondern sandte gleich noch eine Anfahrtsbeschreibung, eine Landkarte und ihre Telefonnummer sowie die Nr. Ihres Freundes mit. Ihre Wohnung lag nur rund 3 km von der Botschaft entfernt, für mich ein idealer Pennplatz. Um 19 Uhr hat sie Feierabend und um 20 Uhr wollen wir uns vor ihrer Wohnung treffen. Ich mache mich auf, diesen Ort zu suchen. Schnell habe ich ihn gefunden. Die Wartezeit bis 8 Uhr verbringe ich im Internet. Schließlich muss ich mich bei allen für ihre Schlafplatzangebote bedanken und mich entschuldigen, dass ich dann doch nicht komme. Es sah nach Regen aus, die Stadt war so groß und zubetoniert. In meiner aufkommenden Panik habe ich wohl ein paar viele Menschen angeschrieben. Ich konnte ja nicht ahnen, dass das so gut klappt.
So gegen 20 Minuten nach 8 kam dann Zani um die Ecke. Im Schlepptau hatte sie Thomas. Einen weiteren Couchsurfer aus Polen. Wir stellten unsere Rucksäcke ab und bekamen die Wohnung gezeigt: „Das ist das Wohnzimmer, hier könnt ihr pennen. Dusche und Toilette findet ihr hier, und wenn ihr was kochen wollt, hier ist die Küche, könnt ihr alles benutzen. Das hier ist der Raum von mir und meinem Freund.“ Die Türe blieb geschlossen. Kurze Zeit später machten wir uns auf, Sofia zu entdecken. Unter einheimischer Führung ging es durch große Parks ins Stadtzentrum. Vor dem Nationalen Theater ließen wir uns mit einigen Bier nieder. Mit Zani und ihren Freunden saßen wir bis spät in der Nacht an diesem Ort. Irgendwann kam ein Schwede mit dickem Rucksack der uns nach einer preisgünstigen Unterkunft fragte. So erhöhte sich die Zahl derer mit denen ich Zanis Wohnzimmer teilen musste um eine weitere Person. Yvonne, eine Deutsche, die 3 Monate in einer Vogelstation in Burgas gearbeitet hatte, lehnte unser Schlafplatzangebot ab. Ihr Flieger ging um 9 Uhr am nächsten Morgen und sie wollt die Nacht am Flughafen verbringen. Ganz rechts, in knallig bunten Klamotten steht Zani, unsere Gastgeberin. Hinter mir steht Thomas. Das Mädel links daneben ist Yvonne. Der Typ neben ihr ist Zanis Freund und noch daneben, ganz links sozusagen steht der Schwede.

Am nächsten Morgen sattelte ich meinen Rucksack. Im Park hatte ich einen Kinderspielplatz entdeckt. Hier gab es einige überdachte Häuschen eines großen Klettergerüstes in denen man wohl pennen könnte. Bei aller Gastfreundschaft, aber man will das ja auch nicht ausnutzen. Thomas war schon um 6 Uhr in der Früh abgereist. Er möchte 2 Tage lang auf den Berg hinter Sofia wandern und hat einen Großteil seiner Sachen bei Zani zurückgelassen. Ich verließ die Wohnung mit den Anderen zusammen gegen 9 Uhr und machte mich auf, Richtung Botschaft. Die Botschaft liegt direkt neben Sofias Alternativfughafen. Man möge mir meinen sarkastischen Humor verzeihen aber ich finde es einfach maßlos arrogant ein Gebäude „Welt Handels Zentrum“ zu nennen.

Nach einer kurzen Diskussion mit dem Sicherheitsbeamten der Deutschen Botschaft durfte mein Hund angebunden im Schatten hinter dem Zaun warten. Mein Rucksack musste draußen bleiben und mein Taschenmesser wurde mir abgenommen. Rund 40 Minuten musste ich warten. Dann sprach ich mit der Frau mit der ich schon unzählige E Mails geschrieben hatte. Sie erklärte mir den Weg zum Passfoto Laden. Kurz darauf verlies ich das Botschaftsgelände. Für 15 Leva, umgerechnet 7,5 Euro lies ich 4 Passbilder anfertigen. Das ist es, mein neues Verbrecherfoto:

Eine halbe Stunde später stand ich wieder in der Botschaft und füllte das Formular zur Passbeantragung aus. Familienname, Geburtsname, ob ich noch weitere Staatsbürgerschaften besitze, und ob ich freiwilligen Dienst in ausländischen Streitkräften getätigt habe, und was die nicht alles von mir wissen wollen. Anschließend muss ich meine Zeigefinger auf ein grün leuchtendes Glas legen. Es piepst 3 Mal, dann sind meine Fingerabdrücke elektronisch gespeichert und für jeden Hacker abrufbar. Lieber Deutscher Staat, schikaniere deine Bürger doch noch ein bisschen mehr und füge ein Feld zur Penisgröße in das Antragsformular ein. Auf Rat der Botschaftsmitarbeiterin trage ich Sofia als aktuellen Wohnsitz ein. Am Ende muss ich den Krempel unterzeichen und mit meiner Unterschrift bestätigen, dass die getätigten Angaben der Wahrheit entsprechen. Was soll ich tun? Ich muss lügen, wenn ich mein in der Verfassung verankertes Recht auf Reisefreiheit wahrnehmen möchte, denn ohne Wohnsitz keinen Reisepass. Am Ende zahle ich noch 147 Leva, in etwa ein halber bulgarischer Monatslohn, für die Beantragung meines Dokumentes. Ich könnte kotzen! Ich erhalte meine Geburtsurkunde die meine Mutter in Deutschland beantragt und auch bezahlt hat und verlasse das Botschaftsgebäude mit der Zusage eine E Mail zu erhalten wenn mein Pass eingetroffen ist. Ja, zur Passbeantragung braucht man eine Geburtsurkunde. Ich hatte diese Tatsache Zani und ihren Freunden erzählt. Da ich nicht wusste was Geburtsurkunde auf English heißt habe ich es mit den Worten: „Dokument that I am born“ übersetzt. Ich wurde augenblicklich von jedem verstanden. Diese Übersetzung lässt auch sehr gut die Ironie der Sache erkennen, Dokument dass ich geboren wurde, Staatsmitarbeiter des Jahres 2010 könnten ohne dieses wichtige Dokument ja auch davon ausgehen dass mich der Storch gebracht hätte.

Ich besitze einen gültigen Pass, warum kann ich mit dem Teil nicht einfach `nen neuen beantragen? Warum müssen die das so kompliziert machen? In 5 bis 6 Wochen muss ich jedenfalls noch einmal nach Sofia reisen um meinen Pass abzuholen. Mir das Teil postlagernd nach Tzavero zu senden ist selbst gegen Aufpreis nicht zulässig. Kurz vor 11 verlasse ich die Botschaft. In der letzten Stunde habe ich mehr Geld ausgegeben als in den vergangenen 5 Wochen. Geld, das jetzt mein Heimatland dazu nutzt einige Atomkraftgegner verprügeln zu lassen. Ich schäme mich.
Ich gehe mir die Stadt anschauen, im Gegensatz zur Passbeantragung eine wirklich schöne Sache. Ich spaziere durch die weiträumigen Parkanlagen die ich schon gestern in der Dunkelheit besucht hatte und beobachte eine geraume Zeit einige Kinder die in aufblasbaren Bällen spielen.

1,5 Leva kostet dieser Spaß entnehme ich einem Schild. Nach der teuren Passbeantragung beschließe ich dieses Geld auch noch zu haben. Ich finde die Idee lustig und will auch in einen Ball. Aber der Geschäftsinhaber gibt mir zu verstehen, dass ich zu groß sei. Ich darf nicht! Schade eigentlich. Ich gehe die Stadt rauf und runter und schaue mich um, es ist hier gar nicht so hässlich wie ich es immer erzählt bekommen habe.

Am Nachmittag nutze ich eine Unterführung um eine Hauptstrasse zu unterqueren. Noch eine Etage tiefer fährt die U Bahn. Hier ist es klimatisiert, einfach herrlich. Ich kaufe mir eine Cola in einem Supermarkt der sich hier unter der Stadt befindet. Etwas kaltes zu trinken, das brauchte ich. Ich setzte mich vor das Geschäft, lehne mich gegen meinen Rucksack, stelle meinem Hund ein wenig Wasser und Futter vor die Nase und beschließe hier in der klimatisierten U Bahn Station eine kleine Rast zu machen.

Ich sitze etwa 20 Minuten als vor mir eine Frau stehen bleibt. Sie wühlt in Ihrer Handtasche und überreicht mir kurz darauf einen 2 Leva Schein und plappert irgendetwas auf bulgarisch. „Excuse me, you speack englisch?“ „Only for the dog“ antwortet meine Gönnerin. Ich bin total überrumpelt, da hätte ich jetzt nicht mit gerechnet. „Oh, I am not so poor. I am travler. Look my dog has a lot of food, more I can not carry.” Ich gebe die Banknote zurück und die Frau entschuldigt sich vielmals für die Verwechslung. Als sie gegangen ist sammle ich meine Gedanken. Mir hat gerade jemand Geld geschenkt und ich habe es abgelehnt. Da stimmt doch irgendetwas nicht. Ich wollte das eh immer mal ausprobieren, hier ist ein guter Platz, hier kennt mich keiner, und ich habe auch nicht vor hier länger zu verweilen. Aus der Mülltonne des nahen MC Donalds Restaurants entwende ich die Pappverpackung eines Hamburgers, reiße die obere Hälfte ab und werfe in die untere einige Münzen. Dieses Pappschälchen stelle ich nun vor mich und setze mich wieder. Es dauert nicht lange bis die ersten Münzen in mein Schälchen wandern. Wie ich es im Fernsehen gesehen habe bedanke ich mich mit den Worten: „Good bless you!“ Als die ersten 5 Leva zusammen gekommen sind nehme ich sie heraus, weise Scheki an brav zu warten und betrete ein zweites Mal das Geschäft. Ich kaufe ein Brot und ein Stückchen Schafskäse. Als ich wieder bei meinem Rucksack ankomme, hat nicht etwa jemand meine kleine Münzsammlung gestohlen, nein, ganz im Gegenteil, ich finde einen 2 Leva Schein der vorher noch nicht da war. Alles in allem saß ich wohl eine Stunde vor dem Geschäft. In dieser Zeit habe ich 18 Leva, etwa 9 Euro „verdient“. Ein ziemlich einträgliches Geschäft. Ich weiß warum ich selber nie auch nur einen Cent für Bettler übrig habe. Es war echt eine Erfahrung das einmal auszuprobieren, aber ich denke nicht, dass betteln in Zukunft zu meiner Reisefinanzierung beitragen wird. Ich betrachte diese Aktion mehr als wissenschaftliches Experiment und nicht als Einnahmequelle. Obgleich es gut ist zu wissen, dass es geht, sollten mal alle Stricke reißen.
Am frühen Abend setzte ich mich mit einem kalten Bier auf die Stufen des „National Theater“ dorthin wo ich schon den gestrigen Abend verbracht hatte. Hier versammelten sich viele junge Leute und die Stelle machte auf mich den Eindruck hier auch alleine einen schönen Abend verbringen zu können. Ich saß noch nicht lange als Zani an mir vorbeiradelte und verwundert anhielt. „I thought you leaved Sofia in the morning!“ Ich erklärte, ihre Gastfreundschaft nicht ausnutzen zu wollen, und dass ich vorhabe auf einem Kinderspielplatz zu nächtigen. Zani gab mir zu verstehen, dass ich total bescheuert sei. 5 Minuten später hatte ich ihren Wohnungsschlüssel und ihr Mobiltelefon in der Tasche. Sie hätte es eilig, da sie auf einen Geburtstag eingeladen sei. Ich solle meinen Rucksack bei ihr abstellen, und danach ihren Freund anrufen. Dann käme sie vorbei um mich abzuholen, dann könne ich mitfeiern. Zum zweiten Mal am Tag bin ich ein wenig überrumpelt. Wie mir aufgetragen wurde brachte ich meinen Rucksack weg, nahm eine Dusche und dann nutze ich das Telefon. 10 Minuten später folgte ich Zani zu einer nahen Gaststätte in welcher gefeiert wurde. Unterwegs stoppte ich an einem Kiosk und kaufte eine Flasche Bier. Irgendein Geschenk braucht man ja schließlich wenn man auf einen Geburtstag eingeladen ist. Dann nahm ich in der Gesellschaft von rund 30 Sofianern Platz. Bis etwa 2 Uhr Nachts saßen wir zusammen, tranken Bier und aßen frittierte Hühnerhaut. Eine sehr leckere Spezialität aus Sofia wie ich erklärt bekam. Frittierte Hühnerhaut mochte ich, bei einer weitern Spezialität die ich angeboten bekam drehte sich mir allerdings der Magen um. Die mixen hier Rakia mit Jogurt! Kein Scheiß, in der einen Hand halten die Menschen ein Glas Rakia, und in der anderen ein Glas Jogurt mit Gurkenstückchen, viel Salz und anderem, für mich undefinierbarem grünen Inhalt. Im Gegensatz zu dem Raki ist der Jogurt eigentlich ganz lecker, aber das so unmittelbar hintereinander zu trinken ist echt widerlich. Zitieren würde ich auch gerne ein Gespräch, das meine Tischnachbarn auf bulgarisch führten. Ich weiß nicht genau worum es ging, schließlich bin ich dieser eigenartigen Sprache nicht mächtig, aber es war lustig. Das sagt doch der Eine zu dem Anderen: „blab die dap die dum Isolierband dum die blab“ Isolierband, ein ganz normales Bulgarisches Wort!
Überhaupt ist die bulgarische Sprache lustig. Vor allem wenn man aus Griechenland kommt. Wenn der Grieche „da“ sagt und mit dem Kopf schüttelt, dann meint er nein. Wenn der Bulgare „da“ sagt und mit dem Kopf schüttelt, dann meint er ja. Diese zwei Nationen verwenden nicht nur dasselbe Wort für eine absolut gegensätzliche Sache, sie haben auch eine andere Körpersprache. Das sorgt für Verwirrung. Eine dumme Idee ist es auch sein Bierglas zu heben und zu seinem Kumpel „Prost“ zu sagen. Prost heißt im Bulgarischen Nastrovje, das Wort Prost gibt es auch, es bedeutet so viel wie Vollidiot!
Ich behalte Zanis Schlüssel und ihr Mobiltelefon. Sie sei morgen den ganzen Tag nicht zu Hause, ich solle es mir einfach gemütlich machen. Als ich gegen halb 10 erwache bin ich alleine in der Wohnung. Ich gebe Zanis Katzen neues Wasser, Scheki hatte dass ihrige gestohlen, mit den Tieren verträgt er sich allerdings prima, ich verriegle die Türe wie es mir aufgetragen wurde und setze meine Stadtbesichtigung fort.

Heute muss ich keinen Rucksack tragen, sehr angenehm. Ich besuche einen Markt hinter einer Kirche. Hier werden nicht nur unzählige Heiligenbildchen angeboten,

sondern auch unzählige mit Hakenkreuzen verzierte Gegenstände. Ob Messer, Säbel oder Helme aus der Zeit des Deutschen Nationalsozialismus oder billige Plastikimitate ebensolcher Dinge. Auch Bücher mit Titeln wie: „Die Deutsche Wehrmacht“ oder „Mein Kampf“ kann man hier scheinbar ganz legal erwerben.
Hinter dem National Theater befinden sich einige Tische auf deren Oberfläche ein Schachfeld eingelassen ist. Gegen einen geringen Wetteinsatz kann man hier sein Glück herausfordern. Gespielt wird gegen die Uhr. Jeder Spieler hat 5 Minuten Bedenkzeit. Blitzschach also. Ich beobachte einige Spiele

und beschließe gegen diese professionellen Spieler einfach keine Chance zu haben. Gegen 8 Uhr entriegle ich Zanis Wohnung. Ich bin alleine. Ich nutze ihre unverschlüsselte Internetverbindung mit meinem eigenen Rechner und betrete kurz vor 9 meinen Chatraum. Bis kurz nach 11 bleibe ich dort. Dann kommen meine Gastgeber nach Hause und ich verabschiede mich fluchtartig, da ich es einfach unhöflich finde vor dem Computer zu sitzen wenn meine Gastgeber zu Hause sind.
Am nächsten Morgen verlasse ich mit meinen neuen Freunden zusammen deren Wohnung. Schlüssel und Mobiltelefon habe ich zurückgegeben, auf meinem Rücken befindet sich mein Rucksack. Laut Zanis Waage wiegt er rund 9 Kilo nebst 2 Liter Wasser. Ich will zurück zu meinem Wagen, will sehen, ob noch alles in Ordnung ist. Bis zur Autobahnauffahrt sind es etwa 15 Kilometer. Bis dahin werde ich wohl laufen müssen. Gegen halb 10 setze ich mich in Bewegung. Rund 3 Stunden später erreiche ich die Autobahnauffahrt. An einem Fast Food Tempel kaufe ich mir ein Mittagessen. Dort treffe ich 2 bulgarische Traveller mit dicken Rucksäcken die ebenfalls vom Hunger geplagt hier eingekehrt sind. Sie erzählen mir von der alten Hauptstrasse zwischen Burgas und Sofia. Sie beginne nur weniger hundert Meter hinter der Autobahn und wenn ich etwas Zeit hätte sei es auf jeden Fall die landschaftlich reizvollere Strecke. Da ich auf dem Hinweg so viel Glück beim Trampen hatte beschließe ich auf den Ratschlag der beiden zu hören. Ich werde vielleicht einige Stunden länger brauchen, vielleicht sogar ein oder zwei mal unter freiem Himmel übernachten müssen, aber so sehe ich wenigstens was vom Land. Kurz nach 1Uhr bin ich auf der richtigen Strasse und halte zum ersten Mal an diesem Tag meinen Daumen in die Höhe.

In rund einer Stunde Marsch lege ich keine 4 km zurück. Mann kommt halt langsam voran wenn man rückwärts geht bzw. sich bei jedem Auto umdreht um dessen Fahrer sein hübsches Gesicht zu zeigen. Dann hält ein Wagen. Leider biegt er nach knapp 5 Kilometern links ab, und ich will geradeaus. An einer Tankstelle kaufe ich ein kaltes Bier. Es steigt mir dermaßen ins Hirn, dass ich beschließe in der Hitze nicht weiterzulaufen. An einem schattigen Platz mit guter Haltemöglichkeit stelle ich den Rucksack neben mich, schreibe ein Schild „Burgas“ und halte den Daumen in die Höhe.

Nach kurzer Zeit wird mir selbst stehen zu anstrengend, ich lehne mich gegen den Rucksack, mein Gesicht in Richtung der entgegenkommenden Fahrzeuge und vertraue auf mein Schild. Nach gut und gerne 50 Minuten, mir geht es schon wieder etwas besser, hält tatsächlich ein Auto. Bis unter das Dach ist es voll gestapelt mit Wassermelonen. Für das gute Dutzend Melonen die sich im Beifahrerfußraum stapeln findet der Fahrer tatsächlich noch einen Platz auf der Rückbank, mein Rucksack kommt auf den Dachgepäckträger, und Scheki und ich nehmen Platz. Mein Fahrer erzählt irgendetwas von „trouser“ und „Zip“, dann öffnet er den Reisverschluss seiner Hose. Er greift zu mir herüber und will das Gleiche auch bei mir tun. Ich schlage ihm mehr oder weniger energisch auf seine Hand. Vielleicht sollte ich mir mal die langen Haare abschneiden, ich kann es mir nicht anders erklären, aber die scheinen Schwuchteln magisch anzuziehen. Ich bin ganz froh, als das Fahrzeug nach keinen 10 Minuten anhält und ich hinausgeschmissen werde. Bis zum Einbruch der Dunkelheit laufe ich weiter. Irgendwann am späten Nachmittag hält noch mal ein Wagen. Ich beginne zu rennen, öffne die Türe, frage den Fahrer „Forward Burgas?“ und er nickt. Ich schließe die Beifahrertüre damit Scheki nicht einsteigt und ich in Ruhe meinen Rucksack auf die Rückbank legen kann. In diesem Moment fährt das Fahrzeug ab. Ich denke es handelt sich um ein klares Missverständnis.
Am nächsten Morgen erwache ich auf einer Wiese unweit der Hauptstrasse.

Auf die Mitnahme eines Zeltes hatte ich aus Gewichtsgründen verzichtet. Alle verfügbaren Textilien hatte ich am Abend in die Hülle meiner Isomatte gestopft und auf diese Weise ein recht akzeptables Kopfkissen hergestellt. Ob man es nun glaubt oder nicht, aber gegen 3 Uhr in der Früh habe ich alle verfügbaren Textilien wieder aus dieser Hülle herausgezerrt und angezogen weil mir unter meiner dünnen Decke saukalt war. Von da an war es vorbei mit Kopfkissen. Ein erholsamer Schlaf ist irgendwie anders. Mir tut jeder Knochen weh. Durch wunderschöne Landschaft setzte ich meinen Weg fort.

2 verschiedene Autos beförderten mich rund 70 km in die richtige Richtung. Am Nachmittag stoppte ich dann eine Pferdekutsche. Eine sehr langsame, aber eine sehr schöne Mitfahrgelegenheit.

Eine gute halbe Stunde saß ich auf einem Stapel Heu und ließ die Welt langsam an mir vorüberziehen. Als meine Kutsche abbog und ich aussteigen musste konnte ich einem Schild entnehmen wie weit ich gekommen war: 122 km bis Sofia und 251km bis Burgas.

Diese Kutsche sollte meine letzte Mitfahrgelegenheit an diesem Tag sein. Bereits nach Einbuch der Dunkelheit erreichte ich Vasil Levski. Hier füllte ich meine Wasserreserven auf und kaufte ein Brot bevor ich die Hauptstrasse verließ um mir einen Schlafplatz zu suchen.
Hier war es wärmer, so dass ich die ganze Nacht über ein Kopfkissen verfügte und bei weitem besser schlief. Am nächsten Morgen weckte mich das Gebell von Scheki. Mein braver Hund verteidigte gerade unser Nachtlager und jagte einem Mann der mit seiner Sense angereist war um ein wenig Heu zu schneiden einen ordentlichen Schrecken ein. Bereits wenige Minuten nach meinem Aufbruch stoppt ein Fahrzeug. Ein fabrikneuer Citrön. Ich schaue auf den Tacho, exakt 34 km nimmt er mich mit. Kurz darauf sitze ich auf dem Anhänger eines Traktors.

Ein wenig schneller als eine Pferdekutsche, dafür auch nicht ganz so romantisch. Gegen 2 wird es mir zu heiß zum laufen. Ich mache Rast im Schatten einer Brücke.

Hier hält ein Soldat der mich rund 15 Kilometer weit mitnimmt. In einem kleinen Ort verlasse ich das Fahrzeug. Hier gibt es eine Wasserstelle, die ich dazu nutze mein T-Shirt auszuwaschen. Da es sehr heiß ist beschließe ich das nasse Shirt anzuziehen und auf meinem Körper trocknen zu lassen. Kurz darauf stoppt ein Fahrzeug mit Klimaanlage welche der Fahrer auf angenehme 17 Grad eingestellt hat. Ich wäre beinahe erfroren. Am späten Nachmittag stoppe ich noch einmal eine Pferdekutsche auf welcher gerade eine ganze Großfamilie befördert wird und gegen 19 Uhr einen Ford Transit. Dessen Fahrer ist gerade auf dem Weg nach Italien um einen defekten Kompressor auszutauschen, auf dem Rückweg fährt er rasch an München vorbei um ein Auto zu kaufen. Wenn ich wollen würde, könnte ich in 3 Tagen in Deutschland sein. Dieses Fahrzeug nimmt mich mit bis Gurkovo, wo ich alles für die Nacht einkaufe. Stolz spielt mir der Fahrer die Worte Adolf Hitlers auf seinem Mobiltelefon vor. „Wollt Ihr den totalen Krieg?“ heißt es dort. Auch ein Taschenmesser mit Hakenkreuz nennt er sein Eigentum. Wahrscheinlich war er hinter der Kirche in Sofia einkaufen. Da soll mal einer sagen Deutschland hätte ein Problem mit Neonazis. Mein Nachtlager schlage ich zwischen verwilderten Weinreben auf. Hier noch ein paar Bilder des Tages:

Gegen 6 Uhr in der Früh berühren mich Regentropfen. Panisch stopfe ich mein Hab und gut in den Rucksack und renne unter eine unweit entfernte Brücke. Als ich diese erreiche hört es auf zu regnen. Ein Schild weist mir den Weg, noch 149 km bis Burgas. Ich setze mich in Bewegung. Es hat erst kürzlich aufgehört zu regnen, viel Regen war das nicht, aber er reichte aus, um die Strassen nass, und somit meinen Hund saudreckig zu machen. Ich halte erst gar nicht meinen Daumen in die Höhe. Nach 10 km Marsch sind die Strassen wieder trocken und mein Hund wieder sauber. Ich versuche mein Glück. Bald darauf hält ein ähnlich altes Fahrzeug wie das meiner ersten Mitfahrgelegenheit auf dieser Tour. Auf der Rückbank stapeln sich Eimer und Döschen mit Blau- und Brombeeren. Anscheinend kamen die Jungs gerade aus dem Wald und hatten diese gesammelt um sie auf dem Markt zu verkaufen. Rund 10 km fuhr ich mit den freundlichen Beerensammlern und futterte mich durch ihre Funde. Gegen Mittag, ich hielt ständig meinen Daumen in die Höhe und ärgerte mich darüber das niemand anhielt, näherte ich mich einem geparkten LKW. Ich schenkte ihm keine besondere Aufmerksamkeit, da geparkte LKW auf Landstraßen ja irgendwie normal sind. Der Fahrer kam gerade von einem Truck Stopp auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Als er mich sah rief er mir irgendetwas zu. Sprachschwierigkeiten hin oder her, aber der scheint mich mitnehmen zu wollen. Ich wechselte in den Laufschritt. „Burgas?“ Mein neuer Fahrer schüttelte den Kopf, was hier so viel wie „Ja“ bedeutet. Ich öffnete die Beifahrertüre. Ein Berg alter Zeitungen, Jogurtbecher und anderem Müll fiel mir entgegen. Der LKW Fahrer nickte, was hier so viel wie „Nein“ bedeutet. Er öffnete mir die Fahrertür und ich hob Rucksack und Hund in die Fahrerkabine eines 40Tonners.

Da die Beifahrerseite vollständig zugemüllt war nahm ich auf dem Bett des Truckers Platz. Scheki begann augenblicklich einen festen Hundeschlaf zu schlafen und ich genoss die Fahrt in einem Wagen der noch höher über der Fahrbahn liegt als der meinige. Aus dem Ablagefach der Fahrertüre holte mein Taxidriver eine kalte Flasche Bier hervor aus welcher er sich während der Fahrt immer wieder erfrischte und sie brüderlich mit mir teilte. Stolz zeigte er auf die Verkehrsschilder die eindeutig das befahren dieser Strasse für LKW verboten. Rund 10 Mal während unserer gemeinsamen Fahrt schnallte er sich an und wieder ab. Er hatte einen verteufelt guten Blick für Polizeikontrollen entwickelt und entdeckte diese anscheinend noch bevor sie überhaupt zu sehen waren. Unbehelligt von der Staatsgewalt rollten wir Richtung Burgas. Nach etwa 2stündiger Fahrt wurde ich vor dem Hafen, dem Ziel meines Fahrers, herausgelassen. Ich schaltete meinen Photoapparat ein und schaute auf die Bilder die ich vor Abreise von meiner Landkarte geschossen hatte.

Ich muss dem Küstenverlauf nach rechts folgen wenn ich nach Carevo gelangen möchte. Das tat ich. Dummerweise übersah ich, dass es unzählige Buchten in und um Burgas herum gab, und dass nach rechts nicht immer unbedingt gleichbedeutend mit der richtigen Richtung ist. Ich lief durch das Industriegebiet, zu meiner rechten Seite das Wasser und zu meiner Linken Fernwärmerohre die in abenteuerlichen Konstruktionen um imaginäre Hindernisse herumführten.

Gegen 15 Uhr erreichte ich einen Plus Markt wo ich mir mein Mittagessen kaufte. Gegen 16 Uhr bemerkte ich, in die falsche Richtung gelaufen zu sein. Ich schaltete das GPS ein und ließ mich elektronisch führen. Verhältnismäßig schnell erreichte ich das Stadtzentrum welches ich durchkreuzen musste. Am Strand gab es verlassene Hotelbauten. Verfallene Baracken welche auf den ersten Blick zum Verweilen einluden. Leider war deren Inneres von Vandalen dermaßen versaut, und von Touristen häufig als Toilette benutzt worden, dass ich mich nach einem anderen Schlafplatz umsah. Dieses Hausboot schien mir geeignet.

Leider war es verschlossen. Bis weit nach Einbruch der Dunkelheit lief ich stadtauswärts. Irgendwann errichtete ich mein Nachtlager auf einer fahrbaren Arbeitsbühne die unter einem der unzähligen Fernwärmerohre montiert war.

Was hier so idyllisch ausschaut befand sich keine 50m neben einer stark befahrenden Straße deren Lärm mich sehr früh am Morgen weckte. Ich machte mich auf den Weg. Keine halbe Stunde später saß ich in dem Fahrzeug eines Rennfahrers. Mit über 180 km/h bewegte ich mich meinem Ziel entgegen. Leider nicht sehr lange, dann bog mein Freund in die falsche Richtung ab. Ich ging wieder zu Fuß. Irgendwann stoppte eine Renault Großraumlimousine. Papa, Mama und ein Kind im Kindersitz. Dass so Leute Anhalter mitnehmen verwundert mich doch sehr. Scheki spielte mit dem Nachwuchs „Küsschengeben“, sehr zur Freude aller Anwesenden und ich erzählte den Grund meiner Reise. Nach rund 30 Minuten Fahrt wurde ich herausgelassen, unsre Wege trennten sich. Etwa 2 Stunden lief ich durch die Hitze. Das Meer müsste sich in unmittelbarer Nähe befinden, aber gesehen habe ich es noch nicht. An einem Supermarkt kaufe ich einen Liter gut gekühlte Milch. Sie ist bei weitem besser als Bier wenn man noch laufen möchte, und sie ist nicht der erste Liter den ich auf dieser Tour zu mir nehme. Dann hupt es freundlich hinter mir. Ich drehe mich um und erblicke eine Renault Großraumlimousine. Meine Fahrer von vor wenigen Stunden. Sie nehmen mich ein zweites Mal mit. Mit ihnen verlasse ich die Hauptstrasse nach Tzavero (Tzavero und Carevo, das sind die gleichen Orte. Die Jungs die Landkarten und Verkehrsschilder drucken sind sich über die Schreibweise in lateinischen Buchstaben selber nicht so ganz einig), sie wollen die alte Landstrasse nehmen, diese führe direkt am Meer vorbei, sie sei ein wenig länger, aber sie können mich noch rund 15 km weit mitnehmen. Ich stimme zu. Als ich aussteige sehe ich ein Schild, Tzavero 28 km. Egal was passiert, heute Nacht werde ich auf meiner weichen Matratze schlafen. Ich passiere einen herrlichen Sandsrand mit knapp 1 Meter hohen Wellen und beschließe, mich hier durch ein Bad zu reinigen.

Seit ungefähr 5 Tagen hat meine Haut kein Wasser mehr gesehen, dabei habe ich geschwitzt wie Sau, und wie Sau muss ich auch stinken. Auch wenn ich es selbst nicht wahrnehme. Nach einer knappen Stunde verlasse ich meinen Strand und wandere weiter Süd - Ostwärts. Ich verlasse die von Autos befahrene Straße und wähle eine verkehrsfreie Route hinter einem Hotel - Resort welche ich rund eine weitere Stunde bewandere. Dann treffe ich wieder auf die Straße. Ich hebe meinen Daumen und werde auch recht bald mitgenommen. Gegen 15 Uhr verlasse ich den Wagen meiner Fahrer in Tzarevo. Von hier sind noch ca. 10 km bis zu meinem Wohnmobil, 10 km die ich bereits mehrfach gegangen bin. Nach dem Genuss eines Brotes mit Lutejnitza, der bulgarischen Version des kroatischen Ajvars, setze ich meinen Weg fort. Ich kenne ihn gut und beschließe kein weiteres Mal an diesem Tag meinen Daumen in die Höhe zu halten. Bald darauf beginnt eine Sintflut. Zusammen mit zwei Touristen aus Großbritannien suche ich Unterschlupf unter dem Dach des Deutsch-Bulgarischen Centers für professionelles Training, was auch immer das sein mag. Nach etwa 30 Minuten werden wir von einem Sicherheitsbeamten vertrieben und suchen Obdach in einer Bushaltestelle. Rund 2 Stunden stehen wir uns hier die Beine in den Bauch und teilen uns eine 2 Liter Vorratsflasche Bier die meine neuen Freunde in ihrem Rucksack spazieren trugen. Gegen 19 Uhr erreiche ich meine Parkfläche auf der ich so lange verweilt hatte. Scheki erkennt die Gegend und rennt freudig auf diesen Platz. Verzweifelt sucht er unser Auto. Es kostet mich ein wenig Mühe ihn zum weitergehen zu überreden. Wir überqueren das Bächlein, an dem ich immer Brauchwasser holen war, und folgen der Küste Richtung Ziel. Einige hundert Meter vor mir läuft ein Pärchen. Er trägt dread looks bis zum Arsch, und auch sie schaut irgendwie interessant aus. Ich beschleunige meinen Schritt, ich will die Beiden kennen lernen. Kurz darauf habe ich sie eingeholt. Es handelt sich um Jens und Eva, zwei Deutsche die mit ihrem Wohnmobil auf dem Weg nach Indien sind. Nach einem kurzen Plausch lassen wir uns vor deren MB207 nieder und trinken bulgarischen Pfefferminzschnaps mit Limo.
Gegen 23 Uhr erreiche ich endlich meinen Wagen. Sebo, mein Fahrzeugbewacher schläft bereits. Auf 2 Liegestühlen vor seinem Wohnwagen schlafen 2 seiner Kumpels. Scheki begrüßt sie mit einem freundlichen Hundeschmatzer. „I am Stefan, that´s my truck. I am back from Sofia“ erkläre ich den zwei verschlafenen Gestalten und erhalte keine Antwort. Ich gehe um meinen Truck, alles sieht so weit OK aus. Ich entriegele die Schlösser, deaktiviere das Alarmsystem, schmeiße den Rucksack in die Ecke und falle ins Bett.

Am Ende des Reiseberichtes meiner 7tägigen Anhalter Tour durch halb Bulgarien noch eine Packliste meines Rucksacks.

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