In den Bunkern Varna´s

Am 9. Oktober standen wir Ausgerüstet mit 6 Taschenlampen, einem Stück Kreide um den Weg zu markieren, Kerzen, Wasser und Nahrung für 2 Tage, warmen Klamotten, Klapspaten, Seil und diversem anderen Kleinkram um kurz nach 3 vor dem Eingang zu der Bunkeranlage.

Zee hatte einigen Freunden erzählt was wir vor haben und mit Ihnen vereinbart dass sie Polizei und Rettungsdienst verständigen wenn sie bis 10 Uhr am Abend nix von uns gehört hätten. Von der Besichtigung eines alten Salzbergwerks wusste ich das die Mienenarbeiter immer eine Grubenlampe bei sich hatten. Wenn der Sauerstoffgehalt unter Tage absinkt, erlischt zu erst die offene Flamme bevor es für den Menschen gefährlich wird. Deshalb entzündeten wir ein Teelicht und stellten es in ein altes Einmachglas. Unser persönlicher "Sauerstoffindikator". Des weitern vereinbarten wir, das wir auf den 7. Sinn meines Hundes hören. Wenn sich das Tier weigere weiterzugehen wollten auch wir umkehren. So ausgerüstet stiegen wir unzählige Stufen hinab in ein unterirdisches System alter Bunkeranlagen die es zu erforschen galt.

Anfänglich lag noch Unrat in dem gut erreichbaren Schacht der Augenscheinlich für große Menschenmassen erbaut war. Doch bald schon wurde es sauberer und sauberer. Anscheinend verirren sich tatsächlich nicht viele Menschen hier her. Unsre Vorfreude auf geheime Gänge, verborgene Waffenkammern, umherliegend Skelette und derrelei gleichen Steigerte sich ins unermessliche als wir plötzlich vor einer Wand standen. Eine solide Ziegelwand! Wir hätten keinen Klapspaten, sondern einen Presslufthammer mitnehmen sollen. Hier geht es definitiv nicht weiter. Soll das alles gewesen sein? Haben wir den ganzen Scheiß hier her getragen um einer gut begehbaren Steintreppe rund 70 Meter in die Tiefe zu folgen? Dafür braucht doch kein Mensch 6 Taschenlampen, das geh ich im Licht eines Feuerzeuges! Enttäuscht machen wir uns auf den Rückweg. Aber so schnell geben wir nicht auf! Akribisch suchen wir die Umgebung nach einem zweiten Eingang ab und werden irgendwann auch fündig.

Schon auf den ersten Blick sieht dieser Eingang viel versprechender aus. Unter einer soliden Eisentüre haben Menschen eine Mulde ausgehoben. Es bleiben einem kaum 30cm Platz um seinen Körper durch den Schlitz zu schieben. Zee geht als erstes. "Bingo, come in!" Ruft er mir entgegen. Ich schiebe unser Equipment durch den Schlitz und Zee nimmt es entgegen. Dann schicke ich Scheki hinein. Problemlos kriecht er angstfrei unter der Türe hindurch. Jetzt klettere auch ich ins Innere unsres Abenteuers. Das Licht das durch den Türschlitz einfällt verliert sich nach wenigen Metern. Es ist stock Dunkel! Im Schein der Taschenlampe erkennen wir ein Gangsystem. Es geht nach links, nach rechts und geradeaus. Wir wählen den rechten Weg. Mit der Kreide malen wir unübersehbare Pfeile die Richtung Ausgang weisen. Uns hier zu verlaufen, könnte den Tod bedeuten. Ein Bunkersystem, groß genug für 300000 Mann hat Zee erzählt, das muss gigantische Ausmaße haben. Kurze Zeit später befinden wir uns in einem Maschinenraum.

Ein großer Dieselmotor ist verbunden mit einem Gebläse. Von hier führen eiserne Belüftungsrohre in alle möglichen Richtungen.

Leider endet der Gang hier. Wir gehen zurück und wählen eine andere Abzweigung. Gewissenhaft markieren wir den Weg. Wir laufen durch lange, nahezu Kreisrunde Tunnel. Im Abstand von rund 50 Metern führen weitere Röhren in Ovale Säle. Hier und da erblicken wir heruntergekommene Sanitäre Einrichtungen. Wir gehen weiter. Kabelkanäle baumeln lose von der Decke, wir zwängen uns durch eine kleine Türe und erreichen einen weiteren Raum in welchem sich ein Tank befindet. War er einstmals für Wasser oder für Kraftstoff erbaut worden? Wir finden eine alte Tageszeitung. 1974 steht darauf zu lesen. Dann sehen wir einen von uns gemalten Pfeil der Richtung Ausgang weist. Hier waren wir schon, wir gehen in eine andere Richtung. Nur Minuten später ein erneuter Pfeil. War das alles? Wir laufen noch ein bisschen hin und her. Überall sind Pfeile. Enttäuscht suchen wir einen Lüftungsschacht den wir bereits vor einiger Zeit entdeckt hatten. Schnell haben wir Ihn gefunden. Ein Kreisrunder Schacht führt senkrecht nach oben. Verrostete Eisensprossen ermöglichen einen Aufstieg in dem Loch mit rund 80cm Durchmesser. Selbst im Blitzlicht des Fotoapparates ist das Ende nicht zu erkennen.

Zee setzt sich meine Stirnlampe auf und beginnt das Rohr zu erklimmen. Ich warte mit meinem Hund. Hier kann er nun wirklich nicht mitkommen. Schon bald ist mein Freund völlig in der Dunkelheit verschwunden und ich sehe nur noch den Schein seiner Lampe. Nach einigen Minuten betritt er, von Spinnenweben übersäht, wieder festen Boden. Keine weiteren Gänge berichtet er. Irgendwo nach 15 oder 20 Metern fehlen so viele Sprossen das ein weiterer Aufstieg unmöglich wäre. Enttäuscht verlassen wir nach knapp 1,5 Stunden das Bunkersystem. Auch wenn sich der Größte Teil des Abenteuers in unsren Köpfen abgespielt hat, in der Vorfreude und den Erwartungen - und das eigentlich entdeckte doch nicht ganz so spektakulär war, möchte ich diese Erfahrung nicht missen. Es war Kultur pur, und allemal bei weitem interessanter und aufregender als ein kostenpflichtiger, schnöder Museumsbesuch bei dem ich schon im Vorhinein weiß das nichts aufregendes passiert.
Wir verwenden noch einige Zeit um einen dritten Eingang zu suchen, allerdings Erfolglos. Dann beschließen wir noch einmal die Aussicht vom "Dach" des Monumentes zu genießen und dessen Innenleben etwas genauer unter die Lupe zu nehmen als beim letzten Mal.

Zee ruft seine Kumpels an und erzählt ihnen das wir wohl auf sind und ich Filme eine Rundumsicht auf Varna. Da es bewölkt ist und ein leichter Nieselregen niedergeht, komme ich einige Tage später bei besserem Wetter zurück um die Aufnahmen für dieses Video zu machen. Die Tonspur die ich unter das Video gemischt habe stammt übrigens aus meinem VIP-Bereich.

Hier war einmal ein schönes Video. Leider ist es einem Datenverlust zum Opfer gefallen :-(


Gegen 10 Uhr erreichen wir nass und durchgefroren meinen Wagen. Das Innenraumthermometer zeigt unanangenehme 13 Grad und ich entfache zum ersten Mal in diesem Winter meinen Kamin.

Auch am nächsten Tag regnet es. Ich setze mich vor den PC. Am Nachmittag drehe ich, wie bereits seit einigen Tagen meine Runde durch diverse Secound Hand Läden. Secound Hand Läden gibt es hier an jeder Ecke. Allein das angeblich Humanitäre Hilfswerk "Humana" betreibt hier mindestens 3 Kommerziell arbeitende Filialen. Ja, wer glaubt ein gutes Werk zu tun wenn er seine gebrauchte Bekleidung in den Altkleidersack mit dem Humanalogo wirft geht recht in dieser Annahme. Seine Dinge werden später von armen deutschen Langzeitreisenden in Bulgarien erstanden. Mittlerweile habe ich ein Lederhemd gekauft; Kostenpunkt 4 Euro. Ein absolutes Luxusprodukt. Eigentlich wollte ich Schuhe kaufen, aber das Ding hat mir so gut gefallen und, na ja 4 Euro, das ist viel Geld. Aber man muss sich auch mal was gönnen. Langfristig werde ich den Betrag an Waschmittel einsparen. Einen Tag später habe ich dann auch Schuhe gefunden, überknöchelhohe Beamtentreter. Eigentlich wollte ich Bergsteigerstiefel erstehen. Aber die Dinger haben ein GoreTex Aufdruck, sind somit Wasserdicht und ihr Preis betrug 5 Euro. Ich brauch halt Schuhe und Wasserdichte Beamtentreter sind besser als die undichten Turnschuhe die ich in Burgas zu einem weitaus höheren Preis gekauft habe und die in der Qualität mit Sicherheit minderwertiger sind. Auch eine neue Lederhose hab ich gefunden. Sie war mit 16 Leva ausgezeichnet, also 8 Euro. Ich wendete sie einige Male in meinen Händen und überlegte daran ob sich diese Investition lohnt. Schließlich habe ich dank meinem freundlichen Leser Hanno, der mir eine Solche zu Weihnachten geschenkt hat wieder eine Lederhose. Aber ich weiß wie scheiße es ohne ist und ich habe mir geschworen eine zu kaufen sobald ich eine unter 30 Euro finde. Diese passt wie angegossen und sie ist bei weitem billiger als 30 Euro. Also greife ich zu. An der Kasse zahle ich dann 8 Leva statt 16. Lederwaren sind um 50% Reduziert erklärt mir der ehrliche, deutschsprachige Verkäufer. Ein guter Deal! Im Grunde habe ich alles was ich brauche, nur noch Schuhe. Nicht irgendwelche, irgendwelche habe ich auch. Ich suche Hochalpinschuhe mit einem Wasserdichten Membran. Bis ich die gefunden habe betrete ich jeden Tag diese Secound Hand Märkte. Hier gibt es Mengen davon und es ist erstaunlich wie schnell die Ihr Angebot wechseln. Interessant ist auch, das man die Schuhe die man heute in Markt A gesehen hat, morgen zu einem höheren Preis in Markt B wieder finden kann. Überhaupt sind die Preise in Secound Hand Läden höchst unterschiedlich. Die meisten Betreiber wissen dass sie gebrauchten Ramsch verkaufen. Ihre Ware liegt auf Wühltischen und ist per Kilogramm ausgezeichnet. Andere Shopbetreiber betrachten sich als hochwertige Modeboutique. Sie dekorieren den Plunder auf Schaufensterpuppen und scheuen sich nicht an eine ähnliche Hose wie ich sie für 8 Leva erstanden habe 120 Leva zu schreiben. Diese Läden sollte man meiden! Am 11. Oktober treffen vereinzelte Sonnenstrahlen auf meine Solarzellen. Das war auch dringend nötig. Ich habe noch viel an meinem PC zu tun, und die Zeit drängt. Das ich immer alles auf den letzten Drücker tun muss. Eine schlechte Angewohnheit. Mit Zee ziehe ich in der Nacht zu einem Fotoshotin los.

Auch Zee ist finanziell ziemlich abgebrannt. Er hilft mir die leeren Flaschen die Kaufland nicht angenommen hat gegen volle zu tauschen. 6 leere gleich eine volle. Ein guter Tausch! Am 13. schieße ich ein paar Bilder vom Museum für Massenmörderequipment. Vor seinen Pforten stehen zwei große grüne eiserne Fußbälle. Das sind Wassermienen erzählt mir Zee. Die vor dem Zaun sind harmlos, aber von denen die hinter dem Zaun ausgestellt sind, weiß man nicht so genau ob da noch Sprengstoff drin ist. Deshalb hat man einfach die Zünder, also diese Pinne die bei Kontakt die Bombe zünden sollen herausgeschraubt. Keine Zünder gleich keine Gefahr, so einfach sei das in Bulgarien erzählt er mir. Ich fühle mich irgendwie auf den Arm genommen.

Später besichtigen wir dann gemeinsam die so genante "Feuerleiter". Eine extrem steile und schwer zu meisternde Treppe die vom See Garten zum Strand hinunterführt.

An einigen Stellen fehlt das Geländer und Scheki weigert sich dieses Konstrukt hinunterzulaufen. Winselnd und bellend steht er auf der dritten Stufe und traut sich nicht weiter hinunter. Einige Minuten rede ich beruhigend auf ihn ein. Aber er will nicht. Schließlich gehe ich zurück, hebe das Tier auf meinen Arm und trage es hinunter. Ohne Zee´s helfende Hand, die er mir hier und da entgegenstreckt wenn wieder einmal das Geländer durchgerostet ist, wäre mir ein Abstieg mit meinem Tier auf den Schultern unmöglich gewesen. Die nächsten 3 Tage habe ich Muskelkater in den Oberschenkeln.
Am Abend des 14. Oktobers lasse ich Scheki im Wagen. Zusammen mit Zee geht es zum Bahnhof. Hier gibt es kostenloses W - lan Internet. Die Wartehalle ist trocken und beheizt. Außerdem verfügt sie über eine Steckdose. Ich lade die Arbeit der vergangenen Tage auf meinen Server und Zee spielt Schach auf Schach.com. Nach 3 Stunden surfen sind beide Laptopakkus wieder voll.

In der Nacht komme ich nicht in den Schlaf. Unruhig wälze ich mich von einer Seite auf die andere. Irgendwann habe ich die Schnauze voll, stehe auf und beschließe ein Bad zu nehmen. Shampoo, Handtuch, frische Klamotten. Alles wandert in meinen Rucksack. Dann wandere ich bei einer Außentemperatur von 11 Grad Richtung Thermalquelle. Es ist Menschenleer, eine Badewanne mit gigantischen Ausmaßen gehört nur mir alleine. Ich entkleide mich und stecke einen Fuß ins Wasser. Aua! Das ist ja kochend heiß! Langsam gewöhne ich meinen Körper an die Hitze. Der Teil der sich im Wasser befinden wird beinahe verbrüht und auf dem restlichen bildet sich vor lauter Kälte eine Gänsehaut. Nach einigen Minuten kann ich gänzlich im heißen Nass untertauchen.

Sehr angenehm und entspannend für meine vom Treppensteigen geschundene Muskulatur. Rund 30 Minuten verbringe ich in dem warmen Wasser, dann nehme ich eine Dusche und mache mich auf den Heimweg. Zurück am Wagen falle ich augenblicklich in einen festen und erholsamen Schlaf aus dem ich erst am späten Nachmittag erwache als Zee an meine Türe klopft. Nach einem gemütlichen Frühstückskaffe geht es mit Scheki in den Park. Hier darf er sich nach Herzenslust für einige Stunden austoben bevor er alleine bleiben muss. Schließlich werde ich morgen scheintot, also 30. Ein runder Geburtstag, so etwas hat man nicht sehr häufig im Leben, da möchte ich reinfeiern und zwar in irgendeiner Kneipe. Gegen 9 Uhr geht es los. Wir ziehen von einem Laden in den nächsten. Ich habe nicht mitgezählt, aber wir haben mindestens 9 oder 10 verschiedene Gaststätten betreten. Durch jede drehten wir eine Runde und Zee hielt vergeblich Ausschau nach Bekannten. Ohne ein Getränk zu uns zu nehmen, und somit etwas bezahlen zu müssen verlassen wir die Lokalitäten wieder. Für das Leibliche Wohl sorgt eine preisgünstige Flasche aus dem Supermarkt die ich in meinem Rucksack spazieren trage und aus der wir uns zwischen den Kneipenbesuchen immer wieder stärken. Kurz vor Mitternacht steigen wir die Treppen zu einer Mettel Bar mit dem Namen Katara hinunter. "Stopp mean! I have Birthday in a coupel of minutes, lets have a beer!" Ich bestelle 2 Flaschen an der Theke. Pünktlich zu meinem runden stoßen wir an.

Kurz darauf spiel der DJ Rammstein, mein Alkohol Pegel dürfte bereits die zwei Promille Grenze ankratzen und ich singe mit. Da ich seit meiner Annhalter Tour weiß das Bulgaren ein gesteigertes Interesse daran haben die Texte übersetzt zu bekommen tue ich das auf Englisch: " One her comes the Sun; two here comes the sun … she is the most shining star of all and will never fal from the sky … " Es dauert nicht lange bis sich eine Gruppe Zuhörer um mich und meinen Freund gesellt hat. Auch der DJ bemerkt das allgemeine Interesse und spielt einen weiteren Ramstein Song: "Now dear kids, keep Atentione. I am the voice out of the Pillo. I broght something for you, have ruptured out of my breast ... " nach meiner kleinen Darbietung hatte ich ungezählte neue Freunde denen ich erklären musste was ich hier tue. Die Antwort war einfach: "Ich feiere meinen 30. Geburtstag!" Mein Reisepass, der mich als waschechten Sofianer ausgibt, bestätigte meine Worte. Binnen von Sekunden standen einige neue Bierflaschen vor uns, Geburtstagsgeschenke meiner neuen Freunde. Nastrovje hier - Nastrovje da, rund 30 Minuten später wurde mir ganz komisch. Ich verschränkte meine Arme auf dem Tresen, bettete meinen Kopf darauf und viel in ein komaähnliches Schläfchen. Irgendwann faste mich Zee unter den Schultern und forderte mich auf: "Lets go!" Widerstandslos lies ich mich von Ihm hinauszerren. Die frische Luft gab mir den Rest. Einige Straßenhunde die ich als brauchbare Kopfkissen ausgemacht hatte, wollten einfach nicht still halten. Deswegen nutzte ich meinen Rucksack. Zee ließ es sich nicht nehmen dieses Ereignis mit der Kammara seines Mobiltelefons aufzunehmen und einige Tage später bei Youtube Hochzuladen.

Mir wird ja immer wieder vorgeworfen dass ich nahe am Alkoholismus lebe, und mit diesem Video möchte ich ein wenig Öl ins Feuer gießen.
Vielleicht sollte ich in Zukunft über alle Tage schreiben an denen ich nicht trinke, aber das ist bei weitem nicht so lustig. An den Heimweg kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern. Dennoch, 30 wird man nur einmal im Leben und da sollte man nicht nur rein, sondern auch raus feiern. Deswegen ging es am Abend des 16. Oktobers ins Bolla.

Hier lernte ich dann Kascha, Polly, Ihre Freundin und noch einige andere kennen. Da mir immer noch der Schädel vom Vorabend dröhnte und ich zwei Leva für ne Flasche Bier hier in Bulgarien recht teuer finde habe ich beschlossen den Abend auf Low Budget Art zu verbringen. Beim Betreten des Lokals kaufte ich ein kleines Bierchen. Kaum hatte ich es leer getrunken, wollte es auch irgendwie wieder heraus. Eine prima Gelegenheit die Flasche am Waschbecken auf Toilette wieder aufzufüllen. Fünf oder sechs Flaschen Wasser trank ich in dieser Nacht und am frühen Morgen ging ich kerzengerade nach Hause. Am frühen Nachmittag des 17. weckten mich Klopflaute an meinem Fahrzeug. Draußen stand Polly. Ich hatte Ihr beschrieben wo ich parke und sie herzlich eingeladen vorbeizukommen. Jetzt war sie da. Verschlafen öffnete ich die Türe und setzte erst einmal ne Kanne Kaffe auf. Danach ging es ein wenig spazieren. Irgendwann trafen wir uns dann noch mit den anderen vom Vorabend. Ob Ihr es glaubt oder nicht, aber die hatten Bier dabei! Zu siebt ging es dann zu mir. Ich bin selber immer wieder erstaunt darüber wie viele Menschen in mein Auto passen und dennoch bleibt noch Platz zum Tanzen.

Ja, das war am 18. Oktober um 1 Uhr und 21 Minuten in der Nacht. Was schätzt ihr was sich mehr oder weniger exakt 24 Stunden später zugetragen hat? Richtig, fast die Gleichen Leute sitzen gemütlich bei einem Bier zusammen in meinem Wohnzimmer.

Mann wird nur einmal 30. Es war ein schreckliches Erlebnis. 30!!! Mich packten in diesen Tagen erhebliche Selbstzweifel. Nahezu alle meiner alten Freunde haben mittlerweile eine Familie, einige haben sich gar ein Haus gekauft. Und was habe ich erreicht? Objektiv gesehen hab ich immer noch den gleichen fahrenden Schrothaufen den ich schon mit 21 hatte. Der spießbürgerliche Durchschnittsdeutsche würde mich wohl als "Looser" bezeichnen. Aber der spießbürgerliche Durchschnitsdeutsche geht mir so was von am Allerwertesten vorbei. Das was ich erreicht habe nennt sich Freiheit. Freiheit! Andere werden einhundert und erleben nicht so viel wie ich in den letzten 10 Jahren erlebt habe. Auch wenn ich einige Literchen Gerstensaft benötigt habe um den aufkommenden Frust hinunterzuspülen muss ich sagen: "Mann ist so jung wie man sich fühlt, und wie 30 fühle ich mich nun wirklich nicht!" Deswegen bewege ich nach dem erwachen meine alten Knochen noch einmal zu dem Monument wo sich der Eingang zu den Bunkeranlagen befindet die ich noch im alten Lebensjahr erkundete. Die Sonne scheint, der Himmel ist kristallklar und von hier oben hat man eine hervorragende Aussicht auf eine Stadt in der ich schon über 2 Wochen verweile und von der ich noch viel zu wenig gesehen habe.

Als ich die aufgebrochene Türe hinter dem Monument erreiche parken dort zwei Polizeifahrzeuge und einige uniformierte machen gerade Mittagspause. Ich grüsse mit einem freundlichen "Dobre den" und betrete das innere des Betonklotzes. Niemand hält mich auf. Rund 30 Minuten genieße ich die Aussicht und nehme das Video auf das ich schon vor einigen Tagen gezeigt habe. Auf dem Rückweg beginnt es dann zu regnen. Ich suche Unterschlupf unter dem Vordach eines Kreditinstitutes. Binnen von Minuten leeren sich die Straßen und ich nehme ein Bild auf das ich "Rainbow over Varna" nenne.

Nach dem Schauer gehe ich heim. Es dämmert bereits und ich beschließe meine 7 Sachen zusammenzupacken. Ich wartete auf einen Tag mit gutem Wetter und klarer Sicht um ein paar hübsche Aufnahmen machen zu können. Den hatte ich jetzt, es zieht mich weiter. Spülen, Aufräumen, durchwischen usw. Den Vormittag des 20. verwende ich dazu noch einige Kleinigkeiten zu besorgen. Wer weiß wann ich wieder ein Geschäft finde. Am Abend klopfen dann Zee, Kascha und Ihre Freunde. Im Schlepptau haben sie Ge-ändert, dieser Deutsche Langzeitreisende ist seit über einem Jahr unterwegs und mag weder sein Gesicht noch seinen Namen im Netz haben. Er erzählt mir eine Geschichte aus Kolumbien; oder war es Frankreich?? Ich kann mich nicht mehr erinnern. Auf jeden Fall ging er über die Straße und Menschen riefen Ihm seinen Facebook Namen zu. Im Anschluss kam es beinahe zu einer Prügelei. Sein Gesicht ist auch total uninteressant, viel interessanter sind seine Füße. Diese sind nämlich nicht mit Schuhen bekleidet und zwar so gut wie immer. Als wir uns niedersetzten und er begann sein Digeridoo, ein freakiges Instrument der Aborigines, das einer transportablen Version des Albhorns gleichkommt, zu spielen konnte ich es mir nicht verkneifen ein Schild: "Donation for shoes" Anzufertigen.

Ge-ändert hatte lustige Geschichten zu erzählen. Mehr als einmal hat er Schuhe geschenkt bekommen. Anfänglich hat er noch versucht den Menschen zu erklären dass er keine haben will, irgendwann hat er das aber aufgehört. Es ist jedenfalls total lustig mit dem Kerl durch die Stadt zu laufen, weil sich jeder, aber wirklich ausnahmslos jeder nach Ihm umdreht. Später trafen wir dann noch einige andere Musiker mit denen wir durch die Stadt gezogen sind. Zee ließ es sich nicht nehmen, dieses Ereignis zu filmen.

Vom 21. auf den 22. schlief Ge-ändert dann bei mir. Kascha hatte keine Zeit ihn zu beherbergen, und so fragte sie mich ob ich nicht Lust hätte auf ihn aufzupassen. "Aber klar doch, geb mir nur ne Leine" scherzte ich.
Gegen 14 Uhr brachte sie mir Ihren couchsurfer vorbei, jetzt war es meiner. Couchsurfing, die moderne Art des Leibeigentums *gg. Ohne Schuhe machten wir die Stadt unsicher. Von seinen letzten 2 Leva kaufte Ge-ändert Tutmanek, ein dreieckiges Gebäck mit Schafskäsefüllung das man hier ab 70 Stotinki kaufen kann. Am Abend wohnten wir einer Probe von einheimischen Feuerspuckern bei und danach ging es baden. Es war so gegen Mitternacht als wir den öffentlichen Pool mit warmem Wasser erreichten. Einige Menschen entspannten sich noch im warmen Nass. Auch wir hatten unsre Körper schnell an die Hitze gewöhnt und tauchten unter. Wir saßen 2 oder 3 Minuten auf den Unterwasserliegenden Steintreppen die in den Pool hinab führen als wir angesprochen wurden. "Äh, sorry. Englisch? German? Tourist!" "You need some Condoms?" Wurden wir gefragt. Ich schaute mich um: "No thanks, no girls here!" Antwortete ich. Bei unsrem Gesprächspartner handelte es sich um einen Sozialarbeiter. Er war mit seinem Bus und einem Kollegen hier und lud uns auf einen kostenlosen Aids schnelltest ein, den wir allerdings ablehnten. Einen Vorratspack Kondome erhielten wir trotzdem. Rote, grüne, gelbe, blaue. Und eine ausführliche Bedienungsanleitung dazu. "This are strong, if you want realy long, this are for blow job and this here are buildet for anal." Jetzt waren wir schlauer. Kurz darauf verschwand unser Sozialarbeiter. Jetzt waren wir, zwei heterosexuelle Langzeitreisende, alleine mit einer Gruppe Männer die allen Anschein nach eine homosexuelle Ader hat. Was soll´s , man ist ja tolerant. Wir unterhielten uns noch über dieses Ereignis als sich einer der andersartigen neben die Umkleidekabine stellte, uns anstarte seine Hose hinunterzog und begann …. Nein, das bleibt hier jugendfrei. "He start´s wanking." Wer alt genug ist das zu übersetzen, ist auch alt genug das zu verstehen. Jedenfalls hatten wir es mit einem waschechten Wichser zu tun. Irgendwo endet dann die Toleranz. Ich schaute meinen Freund an und sagte: "Lass uns abhauen, sofort!" "Warum, was ist los?" "Schau mal da rüber." Durch eine Nickbewegung deutete ich in Richtung wanker. "Ok, lass uns abhauen, sofort." Stimmte mir mein Couchsurfer zu. Ohne mich abzutrocknen schlüpfte ich nebst nasser Badebekleidung in meine Lederjans. Minuten später waren wir verschwunden. Klar dass dieses Erlebnis auf dem Heimweg für Gesprächsstoff sorgte. "Ich hab nix gegen Schwule, ich kenne einige persönlich, und die sind eigentlich alle ganz OK. Aber das ist echt ekelig." Ge-ändert brachte es auf den Punkt: "Ob Schwul oder hetero, Sex in die Öffentlichkeit zu tragen ist immer irgendwie ekelig." Recht hat er, besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können.
Am nächsten Tag war dann abschied nehmen angesagt. Kaschas Zeit in Varna war vorüber. Sie hatte 3 Monate über ein Europäisches Austauschprogramm in einem Kinderheim gearbeitet und fuhr nun zurück nach Polen. Zee und ich begleiteten Ge-ändert bis zur Autobahnauffahrt. Von hier wollte er nach Sofia trampen.

Sein Gepäck ist ebenso erstaunlich wie seine Fußbekleidung. Er trägt ein Diderjdoo, eine Gitarre und eine Trompete. Ansonsten hat er so gut wie gar nichts. Wir redeten verzweifelt auf ihn ein er solle doch ein wenig in der Stadt spielen um wenigstens ein paar Leva für die Reise zu haben. Aber Ge-ändert hatte es eilig. Eigentlich hätte er vor 3 Tagen zurück in Deutschland sein müssen da sein Studium beginnt, jetzt müsse er los, Geld brauche er keins. Viel Glück Kollege.
Abermals räumte ich mein Fahrzeug auf um Varna verlassen zu können. In der Nacht zum 25. sollte es losgehen. Abermals kaufte ich neue Eier und abermals musste ich meine Planung durch zufällige Ereignisse verwerfen. Am späten Nachmittag klopfte Zee. "Don´t leave! I found some peopel for doing a new Grafitti on your truck. They are in the see Garden, come whith me!" Ich folgte meinem Freund und wenige Minuten später dolmetschte er unser Gespräch. Kurz darauf gingen wir zu meinem Truck. "Jo, das machen sie." Meinten meine neuen Freunde als ich ihnen die zerstörte rechte Seite meines Wagens zeigte. Wir einigten uns darauf dass ich 3 oder 4 Tage benötige um den Untergrund vorzubereiten und sie dann beginnen können.
Wie geplant startete ich in der Nacht des 25. Oktobers meinen Motor. Allerdings verließ ich nicht die Stadt, sondern nur meinen Parkplatz. Hier, gegenüber einer Sporthalle die sich so ähnlich wie "Sport Nassala" schimpft, auf dem Parkplatz eines Tennisplatzes der Tagsüber so überfüllt ist das ein wegfahren mit meinem Auto undenkbar ist und der 24 Stunden am Tag von einem Security Officer bewacht wird, dabei dennoch kostenlos ist, ist weiß goot kein guter Ort um meinen Wagen neu zu lackieren. Ich fuhr an eine einsame Stelle hinunter zum Strand. Kaum öffnete ich die Wagentüre rannte Scheki ans Wasser und bellte wie ein blöder. Mein Hund hatte einen toten, angespülten Delphin gefunden.


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