Wohnmobil Reisebericht Burgas (Bulgarien)

Ich muss hier aufräumen. In meiner Dusche stapeln sich Schlauchboote und Hängematten. Mein Fußboden ist schlammig, meine Wasservorräte sind erschöpft. Zwar habe ich neues Gas, aber ich habe Gas in deutschen, bzw. kroatischen Flaschen. Das nützt mir nix, solange ich den passenden Druckminderer nicht finde. Campingstühle und Klapptisch liegen vor der Küche anstatt in dem eigens dazu gebauten Stauraum. Dort wo sie hingehören stapeln sich Pfandflaschen und Müll meines langen Aufenthaltes. Zu allem Überfluss liegt mein Pass in Sofia anstatt in meiner Schublade. Ich parke am Flughafen Burgas, ein denkbar schlechter Ort um Campingutensilien vor das Fahrzeug zu räumen und Ordnung zu schaffen. Obendrein benötige ich eine sichere Abstellfläche für mein momentan eher weniger schönes Wohnmobil um nach Sofia zu trampen. Und das in einer Stadt in der ich niemanden kenne. Kurz und knapp: Ich bin mit meiner derzeitigen Lage alles andere als zufrieden!
Der Reihe nach. Vom Meckern passiert nix! Ich packe einige Kanister in meinen Rucksack und hole Wasser. Dann schaffe ich Ordnung und Sauberkeit. Die Dusche bleibt so wie sie ist, duschen muss ich jetzt nicht, ich war gestern schwimmen. Ein großer Teil der Unordnung wandert auf meine Beifahrerseite, schließlich ist die fast immer zugemüllt. Dann suche ich den Druckminderer. Nach rund 2 Stunden werde ich fündig. Er befand sich im linken Unterflurkoffer. In dem Koffer der seit meiner albanischen Schlammschlacht völlig zerstört ist und sich nur noch mit dem Schraubenzieher öffnen läst. Ich kann wieder kochen. Ich setze eine Kanne Kaffee auf, schalte den Rechner an und schreibe diese Zeilen. Parkplatz - ich brauche einen sicheren Parkplatz. Couchsurfing.com! Couchsurfing wird mir sicher helfen. Ich habe Glück, mein Wagen parkt im Einflussbereich eines W Lan Netzes. Ich versende 43 E Mails mit dem Betreff: „Can you host my truck?!“ Aber nicht nur ich will etwas von der couchsurfing community, Jonas will morgen vorbeikommen. Ein Traveler aus der Schweiz. Wir verabreden uns für morgen Abend an meinem derzeitigen Parkplatz. Mittlerweile ist auch eine Mail angekommen, dass meine Mutter gut gelandet ist. Beruhigt mache ich mich auf zum nahen Strand. Ich blicke ein wenig über das Wasser und denke über die vergangenen 2 Wochen nach. Es war schön! Ich denke auch über die Zukunft nach. Pass abholen, und dann?? Dann habe ich einen Pass, aber immer noch kein Visa. Weder die syrische Botschaft noch die Visaagentur hat mir geantwortet. Nicht so viel denken, ich mach das schon. Eins nach dem anderen. Schließlich habe ich Zeit.
Den 2.9 verbringe ich damit vor meinem PC zu sitzen. Internet im Auto ist schon etwas anderes als wenn man irgendwo auf der Straße sitzt. Hauptsächlich lese ich die Seite des Auswärtigen Amtes. Irgendwie muss es ja schließlich weitergehen. Burgas ist ja wohl nicht Endstation.
Also, ich würde gerne nach Indien fahren. Die Betonung liegt auf „würde gerne“, denn eigentlich reicht es mir unterwegs zu sein. Aber Indien hört sich so toll an. Ich befinde mich derzeit in Bulgarien. Wenn ich auf die Landkarte blicke, ist der naheliegendste Weg: Türkei, Iran, Pakistan, Indien. Wenn ich die Einreisebedingungen dieser Länder betrachte, ist dieser Weg aber alles andere als naheliegend. Vergessen wir einmal die Tatsache, dass ich ab dem Iran mal eben 3500 Teuronen für ein Carnet aufbringen muss, und betrachten nur die mir zugestandenen Aufenthaltszeiten. Türkei = 3 Monate; Iran = 1 Monat; Pakistan = 3 Monate; Indien = 6 Monate. Sprich in etwas über einem Jahr stände ich mit einem abgelaufenen Visa in Indien. Ok, da kann man zick - zack fahren. Nepal, Malaysia, vielleicht kommt man bis dahin sogar nach China ohne Millionär sein zu müssen. Aber … diese Länder sind alle riesengroß. Selbst wenn ich überall 6 Monate bleiben darf, müsste ich so viel hin und her fahren das ich in spätestens 3 Jahren restlos pleite wäre. Ich würde aber gerne noch 30 Jahre oder mehr unterwegs sein. Eine andere Alternative wäre die Wegstrecke: Rumänien, Ukraine, Russland, Georgien, Türkei, Iran …. . Der Weg führt auch nach Indien. Zugegeben, das Problem mit den kurzen Aufenthaltszeiten wäre dann nicht gelöst sondern nur aufgeschoben. Aber wer weiß, vielleicht hab ich ja bis dahin 500 VIP Leser. Dann kann ich es mir leisten. Außerdem, laut dem Maja Kalender soll ja eh im Jahr 2012 die Welt untergehen, bzw. besser ausgedrückt es soll der Beginn einer neuen Weltordnung kommen. Wenn ich an den Schwachsinn glauben würde, wäre Möglichkeit 2 ja ideal. Neue Weltordnung = keine Staaten, keine Staaten = keine befristeten Aufenthaltserlaubnisse, keine befristeten Aufenthaltserlaubnisse = ungehindertes Reisen. Ich muss da echt noch einmal drüber nachdenken. Jetzt weiß ich, was die Alle meinen, wenn die von einer „unerlässlichen Reiseplanung“ sprechen. Ich weiß aber auch dass die Leute alle im Stress sind die so unerlässlich geplant haben.
Wie gut dass ich am Abend Besuch bekomme der mich von meinen Problemen ablenkt. Jonas ist ein echt sympathischer Zeitgenosse. Kaum ist er angekommen, unterbreitet er den Vorschlag ein Bier trinken zu gehen. Das tun wir dann auch, und zwar in einem Laden mit Billardtisch.

Billard, das hab ich ewig nicht mehr gespielt. Aber ich bekomme es noch hin, so halbwegs zumindest. Drücken wir es so aus, ich treffe mit dem Queue die weiße Kugel.
Am nächsten Morgen starte ich den Motor und wir fahren gemeinsam ins Stadtzentrum. Schnell habe ich einen zentrumsnahen Parkplatz gefunden, und wir brechen auf die Stadt zu entdecken.

Am Nachmittag werde ich auf eine kühle Erfrischung in einem Gartenlokal eingeladen. Kaum hatten wir unsere Erfrischung ausgetrunken kommen wir mit einem Deutschen ins Gespräch. Dieser verbringt seinen Urlaub bei seiner bulgarischen Freundin. Wir werden auf eine weitere Erfrischung und auf Zatza eingeladen.

Irgendwie komme ich von den Restaurantbesuchen nicht weg. Dauernd werde ich eingeladen. Erst meine Mutter, dann Couchsurfer und jetzt irgendwelche vollkommen fremde Menschen. Es ist hier aber auch wahnsinnig billig. Ich hab mal auf die Preisliste geschaut. So ein Bier kostet 1,2 Leva und die Zatza im Vordergrund kosten 2. Satt, und nicht mehr durstig, in einem Restaurant für sage und schreibe 1,7 Euro!
Unsre neuen Freunde würden gerne mein Auto anschauen. Ein LKW in dem einer wohnt, das können sie sich nicht vorstellen. Also machen wir uns zu 4., oder besser zu 6. (Scheki und der putzige Rehpinscher unserer Bekannten zählen ja auch) auf den Weg zu meinem Vehicle. Der gut angetrunkene männliche Part unsrer neuen Freunde stöhnt über die weite Wegstrecke. Rund 10 Minuten rasten wir bei mir, dann bestellt der Mann ein Taxi und sagt: „Kommt Jungs, wir fahren zu uns. Wir haben noch kaltes Bier. Und pack Dir ein bisserl dreckige Wäsche ein, wir haben ´ne Waschmaschine mit integriertem Trockner.“ Kurz darauf besteigen wir ein Taxi das uns durch die halbe Stadt kutschiert. Die Waschmaschine wird beladen, ein Bier wird geöffnet und na ja, was soll ich da groß erzählen? Es bleibt nicht bei dem einen Bier, unsre Gespräche sind lustig aber sinnlos, die Stimmung ist ausgelassen der Abend ist schön. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt wo wir aufbrechen wollen. Wir lassen uns noch grob den Weg erklären und dann gehen wir hinaus in den strömenden Regen. Irgendwann finden wir tatsächlich mein Auto und schlafen sehr schnell ein.
Nach dem Erwachen machen wir uns auf, dem Strand in Richtung Flughafen zu folgen. Er muss wahnsinnig lang sein, so weit wir gucken können, überall ist Strand.

Wir folgen ihm bis zu einem ekelig stinkenden Abwasserrohr.

Bei der braunen, stinkenden und schäumenden Brühe handelt es sich angeblich um Meerwasser welches eine Meerwasserentsalzungsanlage zurück ins Meer pumpt. Ich kann es mir kaum vorstellen. Stinkt entsalztes Meerwasser nach Fäkalien? Egal was es ist, wir wollen da nicht durchwaten und machen uns deshalb auf den Rückweg.
Am 5.09.2010 werde ich dann auch schon wieder verlassen. Ich mache alleine die Stadt unsicher und tue etwas das ich schon vor Monaten hätte tun sollen. Ich kaufe mir neue Schuhe. Richtig, ich kaufe Schuhe. Ich finde sie nicht am Strand, ich lasse sie mir nicht schenken ich kaufe sie in einem Geschäft. Schuhe in meiner Größe die ich vorher anprobiert habe. Sechs Schuhgeschäfte betrete ich und vergleiche Preise und Qualität bevor ich mich für ein Paar für 25 Leva entscheide.

Fragt mich jetzt bloß nicht warum ich meine teure Errungenschaft kurz nach Mitternacht fotografieren muss. Am 7. entdecke ich eine Sandskulpturenausstellung. Der Eintritt war mir mit 3 Leva zu teuer, die Bilder habe ich hinter der Absperrung aufgenommen.

Mittlerweile sind auch die ersten Rückmeldungen meiner „Can you host my truck?“ Aktion eingetroffen. Niemand kann mir helfen. Dafür hat der ein oder andere Lust sich mit mir zu treffen. So kam es das wir am Abend des 7.9.2010 eine kleine couchsurfing Party veranstalteten.

Petja, ganz links im Bild, kannte ich bereits aus Varvara. Sie war mit Slavi unterwegs. Als ich Ihr meinen kleinen Text schickte in dem ich mich kurz vorstellte und um eine Bleibe für mein Wohnmobil bat, schrieb sie zurück ich bräuchte nicht erklären wer ich sei, sie kenne mich und wir müssten uns unbedingt auf ein Bier treffen. Da sitzen wir nun.
Am 8. wandere ich die Strandpromenade auf und ab. Ich denke nach. Keiner hat `ne Bleibe für mein Auto. Egal wie ich mich entscheide, ob ich zurück in die Türkei fahre oder ob ich den Weg über Rumänien wähle. Nach Sofia zu fahren bedeutet knapp 1000km Umweg. Knapp 1000km bedeuten rund 200 Euro Dieselkosten. 200 Euro die ich nicht habe. Ich muss da ohne mein Auto hin, ich brauch `nen Parkplatz. Vielleicht sollte ich Burgas verlassen. Im ländlicheren Bereich hab ich sicher eher Glück. Aber das Starten meines Wagens kostet in diesem Land mit seiner dämlichen Straßensteuer jedes Mal 7 Euro. 7 Euro um ins Ungewisse zu fahren? Für 7 Euro kann ich mir `nen Schuh kaufen und ein Bier trinken. Ich setzte mich auf eine Bank um meine Gedanken besser ordnen zu können. Ein freundlicher Herr kommt aus einer Strandbar und bringt meinem Hund ein Schälchen Wasser. Wir kommen ins Gespräch. Woher? Wohin? Das Übliche eben. Mein Gesprächspartner spricht deutsch. Ich erzähle auf der Suche nach `nem Parkplatz zu sein um einige Tage ohne meinen Wagen verreisen zu können. „Ach, kein Problem. Ich wohne etwa 25km weg von hier, da ist so viel Platz, da kannste deine Karre hinstellen, da tut dem keiner was.“ Während eines rund 2stündigen Gespräches vereinbaren wir, dass wir uns am Freitag um Mitternacht hier treffen. Dann hat mein neuer Freund Feierabend und ich kann ihm einfach hinterherfahren. Gesagt getan, ich treffe mich noch einmal mit Petja und folge Freitagnacht meinem neuen Bekannten. Nach knapp 30 Minuten Fahrzeit erreichen wir das Ziel. Ein einsames Gehöft, eine gute halbe Stunde Fußweg von der nächsten Bebauung entfernt. Im Erdgeschoß befinden sich Fremdenzimmer, in der ersten Etage wohnt mein Fahrzeugbewacher mit seiner Familie. „Wenn du morgen früh um 9 Uhr wach bist, kann ich dich bis Burgas mitnehmen, dann haste schon die ersten 25km hinter Dir.“ Sagt mein Freund. Ich stimme zu.

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Bild: Danke
Bei meinem Freund Felix der mich ein Stück weit in Kroatien begleitete. Nicht nur für die tolle Zeit die wir hatten, sondern auch für die Verlinkung meiner Reiseberichte von seiner Seite. Der ist auch immer noch unterwegs der Junge.


Kleine Häuser auf Rädern, auf dem Wasser und in Bäumen.



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