Passbeantragung im Ausland

Pünktlich um neun stehe ich mit meinem gepackten Rucksack vor dem Wagen. Kurz darauf kommen 4 Polizeifahrzeuge die Sackgasse hinunter. Sie parken und die Polizisten bewegen sich selbstsicher auf das Grundstück meines Freundes. Einer klopft. Was geht hier vor sich?? Mein Freund öffnet und begrüßt die Staatsdiener mit Handschlag. Kurz darauf kommt seine Frau mit einer Kanne Kaffee und belegten Broten. „Ich bin Inspektor, meine Kollegen kommen hier schon mal frühstücken,“ klärt mich mein Freund auf. Auch ich trinke eine Tasse Kaffee und stärke mich mit einem Sandwich. Dann steigen wir in den klapprigen Lada Niva meines Taxifahrers und fahren Richtung Burgas.
Kaum hatte ich das Auto verlassen, beginnt es zu regnen. Ein guter Auftakt für eine Anhaltertour. Der Himmel ist wolkenverhangen und grau. Es gießt nicht wie aus Eimern, aber es kommt deutlich feucht von oben. Geraume Zeit suche ich Schutz in einer Unterführung. Das Wetter bessert sich nicht und es sieht auch nicht so aus als ob es das in Bälde täte. Ich tue das wozu mir eh jeder geraten hat, ich gehe zum Bahnhof.
Die Frau am Ticketschalter spricht weder Englisch noch Deutsch. „Sofia with dog! How meney?“ Ich reibe Daumen und Zeigefinger aneinander. Die Ticketverkäuferin notiert auf einem Blatt Papier:
Burgas 14,30 Uhr – Sofia 22,30 Uhr --- 17,20 Leva
Burgas 15,00 Uhr – Sofia 21,30 Uhr --- 26,40 Leva
Ich entscheide mich für Variante 1. „and dog?“ Ich halte die Leine hoch und sage: „Wau - wau.“ Die Frau versteht und schreibt die Zahlenkombination 8,60 neben Variante 1. „OK“ ich zeige auf die ausgewählte Ruhte. „Passport“ Ich überreiche meinen Pass. Ohne mein Ausweispapier auch nur eines Blickes zu würdigen erhalte ich es zurück. „Passport Wau -wau“ fordert mich die Dame auf. Kein Scheiß, um in Bulgarien ein Zugticket mit Hund zu kaufen braucht man anscheinend einen Impfausweis. Penibel wird das Dokument betrachtet. Und da kann ich froh sein, dass ich es dabei habe. Hätte ich nicht vor meinen Hund in Sofia impfen zu lassen, läge dieses Papier genau wie beim letzten Mal in meinem Auto. Kurz darauf erhalte ich meine Tickets.
Noch über 2 Stunden bis mein Zug fährt. Ich setze mich auf eine Bank, schalte den Computer an und nutze das kostenlose Internet des Bahnhofs. 7 E-Mails versende ich an Freunde die ich während meines Aufenthalts in Varvara kennen gelernt habe. „Hey Leute, bin heute Abend um 22.30 Uhr in Sofia, bleibe übers Wochenende, wenn ihr Lust habt können wir uns treffen.“
Gegen 20 nach 2 betrete ich den Zug. Ich nehme auf so einer 4er Kombination Platz die aus zwei sich gegenüberliegenden Bänken besteht. „Ist his the train to Sofia?“ frage ich einen Herren mir gegenüber. “Yes it is,” erhalte ich als Antwort. Augenblicklich war ich in ein Gespräch verwickelt. Wenig später wechsele ich meinen Sitzplatz und nehme neben dem Mann Platz der mit seinem Sohn aus dem Sommerurlaub zurückfährt.

Eine 8stündige Zugfahrt mit einem englischsprachigen Banknachbarn könne den schulischen Leistungen seines Kurzen ja nicht schaden erklärt mir der Mann. In der Tat, sein Sohn spricht englisch. Nicht perfekt, nein, noch nicht einmal gut, aber er spricht und er hat keine Scheu seine Kenntnisse anzuwenden. Wir unterhalten uns über vieles, besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein rund 30minütiges Gespräch über die geschmacklichen Unterschiede zwischen gelben und grünen Papierservierten in die die Zwei ihre Sandwichs eingepackt haben, und deren Reste beim Auspacken nun daran hängen bleiben. Ich bin froh die Beiden getroffen zu haben. Die Unterhaltungen mit ihnen verkürzt die Fahrzeit immens. Pünktlich fahren wir in den Bahnhof Sofia ein. Meine neuen Freunde nehmen mich in ihrem Auto mit ins Stadtzentrum. Gegen 10 vor 11 sitze ich vor dem Nationalen Theater. Ich klappe den Rechner auf und gehe online. Bis jetzt nur eine Antwort auf meine ganzen E-Mails: „Ruf mich an!“ Ich rufe gar keinen an! Ich mach auch nicht wieder so ein Theater über couchsurfing wie beim letzten Mal. Die Stadt hat unzählige Parkanlagen, ich werde schon irgendwo `nen Platz für die Nacht finden. Ich gehe weiter, kurz darauf spricht mich eine junge Frau an. Es geht um Scheki: „Welche Rasse? Wie alt?“ usw. Ich erteile bereitwillig Auskunft. Dann werde ich gefragt: „You like a beer?“ Jetzt kann sich sicher jeder denken, dass ich nicht nein gesagt habe. Wir setzten uns also in einen Biergarten und unser Gesprächsthema wechselte vom Hund auf andere Dinge. „Wie, Du willst im Park schlafen? Warte mal, das muss ich mit meinem Freund absprechen.“ Dummerweise fand der Freund meiner neuen Bekannten die Idee nicht so gut. Ich kann es gar nicht verstehen.
Wir saßen noch eine Weile als ich erneut angesprochen wurde. Diesmal war es ein Mann. „Hey men, Stefan?! You remember me from Varvara?“ Das gibt es nicht, kaum ist man 2 Monate im Land kennt einen Gott und die Welt. Ich wurde eingeladen meiner Bekanntschaft und deren Freunde in eine Diskothek zu folgen, aber wo soll ich Scheki in der Zeit lassen? Deshalb lehnte ich ab. Bald darauf verabschiedete sich auch meine beinahe Gastgeberin und ich machte mich auf, einen Schlafplatz für die Nacht zu suchen.

Am nächsten Morgen erwachte ich unter einer großen Weide,

in einem von Sofias ungezählten Parks. So schaut die ganze Sache von weitem aus:

Von meinen Freunden hatte noch immer niemand geantwortet, also packte ich meinen Krempel zusammen und ging in die Stadt. Bei Bila kaufte ich Frühstück und am Nachmittag wohnte ich einer volkstümlichen Tanzveranstaltung auf einer von Sofias Freilichtbühnen bei.

Die bulgarische Kopie des bayrischen Schuhplattlers. Später übte ich mit meinem Hund Rolltreppe fahren in einer von Sofias U-Bahn Stationen und am Abend ging ich wieder zum National Theater. Hier war eine Bühne aufgebaut und es spielten unzählige live bands bulgarische und internationale Musik. Ein gutes Dutzend Kameraleute war damit beschäftigt die ganze Sache fürs Fernsehen zu filmen. Muss was Tolles gewesen sein. Mir wurde irgendwann langweilig und ich ging weiter. Plötzlich war Scheki verschwunden. Ich rief ihn, doch niemand kam. Ich ging einige Meter den Weg zurück den ich gekommen war und entdeckte meinen Hund auf der Terrasse eines Restaurants. Scheki hatte seinen Hundenapf satt, er wollte endlich einmal anständig und zivilisiert mit Messer und Gabel essen.

Kein Wunder dass der nicht gekommen ist. Wenig später fing es dann an zu regnen. Unter dem Sonnenschirm eines geschlossenen Restaurants wartete ich den heftigen Schauer ab. Als es nachließ begab ich mich zu einem Dach nahe der Skatebahn wo ich die Nacht verbrachte.

Am nächsten Morgen wurde ich zeitig geweckt. Ein Polizist stubste mich an. „What a beuatifull morning, you think it´s time to go?“ begrüßte ich den Ordnungshüter. In aller Ruhe durfte ich meine Sachen zusammenpacken. Der Polizist hatte wahrscheinlich noch nie einen Penner vertrieben der der bulgarischen Sprache nicht mächtig war. Insgeheim war ich stock sauer auf Scheki. Der Bulle stößt mich an und mein Hund sagt keinen Ton. Wozu hab ich den Kerl??
Ich habe ja schon bei meiner letzten Tour von dem Markt berichtet wo es all diesen Hakenkreuz Krempel zu kaufen gibt. Diesmal hab ich die Sachen fotografiert.

Ich hoffe mit der Veröffentlichung des Bildes nicht gegen deutsches Recht zu verstoßen, und wenn dann ist es mir sch… egal. Gegen Mittag traf ich dann Marion und Julien. Die beiden Radfahrer waren von Frankreich unterwegs nach Neuseeland und hatten es sich zur Aufgabe gemacht während ihrer Reise Werbung für das Blutspenden zu machen. Neugierig entfaltete ich eine der Fahnen die an ihren Rädern befestigt waren und kam so mit den Beiden ins Gespräch.

Diese Nacht würden sie in einer Station des Bulgarischen roten Kreuzes übernachten erfuhr ich und am darauf folgenden Tag hätten sie irgendein Event mit Infoständen zum Thema Blutspende. Wer französisch kann, oder sich mit englischen Texten zufrieden gibt die Google translation erstellt hat, kann ja mal bei www.voyage-grand-coeur.org vorbeischauen.
Ein Bild das ich auch unbedingt zeigen muss, ist dieses hier:

Diese kleinen Kiosk - Läden, deren Verkaufsfenster in einer Höhe angebracht sind, dass man meinen könnte der Laden sei für Hunde und Katzen gemacht, gibt es hier an jeder Ecke.
Am Abend mache ich mich auf Richtung Botschaft. Schräg gegenüber von Zanis Wohnung, in der ich beim letzten Mal übernachtet habe, gibt es diesen Kinderspielplatz mit dem verlassenen Haus.

Dort verbringe ich eine trockene und erholsame Nacht. Am Morgen erfreue ich mich an dem Kaffeeautomat. Kaffeeautomaten gibt es in Bulgarien an jeder Ecke. Für Rucksackreisende eine echt praktische Erfindung.
Gegen 11 Uhr stehe ich vor der Botschaft. Aber …, hätte ich meine eigenen Reiseberichte gelesen, hätte ich es gewusst, meinen Pass abholen kann ich zu den bürgerfreundlichen Geschäftszeiten zwischen 15 Uhr und 15,30 Uhr. Am Vormittag kann ich die Dinger nur beantragen. Es ist also warten angesagt. Punkt 3 betrete ich die Botschaft. Der Sicherheitsbeamte durchwühlt meinen Rucksack und überprüft ob ich zwischen schmutziger Unterwäsche, Schlafsack und Pullovern eventuell ein wenig Plastiksprengstoff versteckt habe. Mein Taschenmesser wird beschlagnahmt, dann darf ich eintreten. Ich warte 5 Minuten, dann erscheint die Frau hinter ihrem Schalter mit der ich schon beim letzten Mal gesprochen habe. Ich überreiche meinen alten Pass und warte abermals 5 Minuten. Dann bekomme ich ein Dokument vorgelegt welches ich unterschreiben soll. Ich lese den Text und ärger mich dass ich nicht doch ein wenig Sprengstoff im Rucksack versteckt habe. Ich könnte den Laden in die Luft sprengen. Hinter dem Panzerglas steht die Botschaftsmitarbeiterin. In einer Hand hält sie meinen alten Pass. Deutlich erkenne ich die abgeschnittene Ecke. Der Pass ist entwertet. Um meinen neuen zu erhalten, muss ich dieses Dokument unterschreiben. Weigere ich mich, weil ich mit den Konditionen nicht einverstanden bin, stehe ich hier ohne Ausweis. Wo bleibt meine Entscheidungsfreiheit? Das ist Nötigung! Um meinen Pass zu erhalten muss ich unterschreiben, dass ich alle Kosten für die An- und Abreise, einer eventuell notwendigen Neubeantragung selbst trage, sollte ich auf dem neuen Dokument einen Druckfehler bemerken. Alleine die Beantragung des Passes kostet einen halben bulgarischen Monatslohn. Mit An- und Abreise auch locker einen Ganzen. Und wenn Vater Staat zu dämlich ist meinen Namen richtig auf das Papier zu drucken, trage ich das Risiko. So etwas sollte man sich mal in der freien Wirtschaft vorstellen. Zum Beispiel auf der Garantiekarte eines technischen Gerätes.
„Lieber Kunde, wir freuen uns, dass sie sich für ein Produkt aus unserem Hause entschieden haben. Sollte dieses Produkt auf Grund von Fabrikationsfehlern kaputt gehen, bringen sie es doch bitte persönlich zu unserem Werk in Thailand. Sie erhalten umgehend kostenlosen Ersatz. Die Reisekosten gehen zu Ihren Lasten.“
Ich wette in Deutschland gibt es Gesetze gegen solche Garantiebedingungen. Aber der Staat, der darf das. Als ich diesen Knebelvertrag fotografieren möchte um mich beim Schreiben dieser Zeilen an den genauen Wortlaut erinnern zu können, wird mir dieses untersagt. Notgedrungen unterschreibe ich. Ich möchte aber ausdrücklich erwähnen, dass ich dies nicht freiwillig getan habe. Ich wurde durch meinen Staat zu dieser Unterschrift gezwungen. Genauso wie ich vor einigen Wochen dazu gezwungen wurde ein Dokument zu unterschreiben das Sofia als meinen Wohnsitz angibt. Ich wollte das nicht, ich wollte OfW (Ohne festen Wohnsitz) in meinem Pass stehen haben, aber das geht angeblich nicht. Sauerei! Ich könnte kotzen.
Nach der Unterschrift erhalte ich meinen Pass. Abgesehen von meinem Wohnort ist er ohne Druckfehler. Ich blättere ihn durch. Ganz hinten, auf der letzten Seite lese ich die Zeilen die einen erneuten Brechreiz in mir auslösen: „Dieser Reisepass enthält sensible Elektronik und sollte mit der gleichen Sorgfalt behandelt werden wie andere elektronische Geräte. Zur Erhaltung der Funktionalität insbesondere daher bitte nicht biegen, perforieren oder extremen Temperaturen oder extremer Feuchtigkeit aussetzen.“
Nicht nur das es mir verborgen bleibt welche meiner Daten in der „sensiblen Elektronik“ gespeichert sind, nein im Grunde steht da nix anderes als dass ich, wenn ich durch die Sahara wandern will, auf ausreichende Wasserreserven verzichten muss weil mein Rucksack schon mit dem Kühlschrank für meinen Reisepass überfüllt ist und für Wasser kein Platz mehr bleibt. Ob die meinen Reisepass nun mittels Satelliten orten können? Wie lange mag es noch dauern bis man Neugeborenen einen Mikrochip implantiert? So weit hergeholt ist der Gedanke gar nicht, mein Hund hat schon so etwas. Das nennt sich Transponder. Tierschützer finden das meist super toll und ich bin absolut dagegen. Aber ohne das Teil komm ich legal mit dem Tier über keine Grenze.
Um halb 4 verlasse ich mit hochrotem Kopf die Deutsche Botschaft Sofia. Die Sonne scheint, diesmal fahre ich nicht mit der Bahn. Auch wenn ein Bahnticket durch halb Bulgarien preisgünstiger ist als eine Fahrkarte von Düsseldorf nach Köln mit der Deutschen Bundesbahn. Bahn fahren geht gegen mein Ego. Ich bin Low Budget Reisender, ich gehe zu Fuß. Also, Daumen raus und ab Marsch Richtung Burgas. Noch 400 km und ich bin da. Bevor ich das Ortsausgangsschild erreiche möchte ich euch aber noch einige Bilder aus Sofia zeigen die ich während meines Aufenthalts geknipst habe:

Zügigen Schrittes wandere ich meinem Fahrzeug entgegen. Langsam verfliegt die Wut in meinem Bauch. Laufen tut gut. Es ist nicht mehr so heiß wie beim letzten Mal. Der Rucksack liegt nicht schwer und schweißtreibend auf meinem Rücken, nein diesmal passt er sich meinem Körper an und wird quasi ein Teil von mir. Nach ca. 2 Stunden stoppt ein Auto. „Richtung Burgas?“ „Around 150 km, come in.“ Der fährt 150 km in meine Richtung, was für ein Glück! Die ideale Mitfahrgelegenheit. Mein Fahrer spricht fließendes Englisch. Mit ein paar Kumpels hat er eine Art Zirkus eröffnet, mit Clowns und Feuerjonglage. Häufig sind die 4 auf Tournee, Anhalter nimmt er eigentlich immer mit lässt er mich wissen. Mich hätte er im letzten Moment bemerkt. Eigentlich sei er schon an mir vorbei gewesen, aber er habe sich gedacht dass mich mit dem Hund niemand anderes mitnehme und deshalb habe er gewendet um mich aufzusammeln. Er fahre aber nicht die Autobahn, sondern eine Nebenstraße, das sei genauso weit, allerdings sei dort nicht so viel Verkehr. Ich erkläre die Gegend schon zu kennen weil es bereits meine zweite Tour auf dieser Strecke sei. Wir unterhalten uns über dies und das, bald wird es dunkel. Im Licht der Fahrzeugscheinwerfer fahren wir meinem Ziel noch ein gutes Stück entgegen. Dann holt mein Fahrer sein Handy aus der Tasche und führt ein Gespräch. Er redet Englisch, ich kann ihm folgen: „I have a hitchhiker whith a dog, can he join us?“ Nach dem Telefonat erklärt mir mein Fahrer das einige Engländer in seinem Ort ein Haus gekauft hätten. Er habe sich mit ihnen angefreundet und sei auf dem Weg zu ihnen. Da einige von ihnen morgen zurück nach England fliegen ist heute große Abschiedsparty. Ich seihe herzlich eingeladen wenn ich wollte. Ich wollte! Kurz darauf saß ich mit der Gruppe am Lagerfeuer.

Die Jungs die nicht zu der Zirkusclique gehören finanzieren ihren Lebensunterhalt als Parasailing Lehrer. Seit ich die Rucksäcke in denen diese neumodischen Fallschirme verpackt sind in Slowenien gesehen habe, und realisiert hab, dass man so ein Teil locker mit Muskelkraft auf einen Berg tragen kann, spiele ich mit dem Gedanken mir so ein Teil anzuschaffen. Auf einen Berg wandern und zurück zum Auto fliegen, das hört sich doch toll an. Allerdings hab ich keine Ahnung wie man so ein Teil fliegt, der Anschaffungspreis übersteigt mit Sicherheit mein Budget und ich bin mir auch nicht sicher ob ich damit einfach nach Hause fliegen darf oder ob mich die Luftwaffe vom Himmel schießt weil sie glaubt ich wolle mein Fluggerät zu terroristischen Zwecken verwenden. Aber hier hab ich die Jungs die ich danach fragen kann. So einen Schirm kann man angeblich ab 3000 Euro kaufen, fliegen darf man den theoretisch fast überall und ne Flugstunde koste bei ihnen 60 Euro. Ich erkläre meine finanzielle Lage und werde für den Folgetag zu einem kostenlosen Tandemsprung eingeladen.
Die Nacht verbringe ich bei meinem Taxifahrer. Viel Schlaf finde ich nicht, ich werde morgen mit ein paar Kordeln an `nen Stofflappen angeschnürt und fliege mit der Konstruktion durch die Luft. Ich weiß nicht ob ich mich freuen oder doch eher Angst haben soll.
Der Tag beginnt mit einer Dusche und einem guten Frühstück. Dann telefoniert mein Gastgeber. Der Wind wehe von Norden, da könne man nicht starten erfahre ich. 3 Stunden warten wir auf einen Wechsel der Windrichtung. Vergebens! Dann fährt mich der freundliche Zirkusakrobat zurück zur Hauptstrasse. Burgas – 244 km lese ich auf einem Schild. Ich verabschiede mich, halte meinen Daumen in den Wind und beginne zu marschieren. Kein Fahlschirmfliegen, schade! Ich hätte auf besseres Wetter gewartet, wenn’s sein muss ne ganze Woche. Aber man will ja nicht unhöflich sein. Wer weiß was die Jungs da gestern nach ein paar Bier erzählt haben was sie heute irgendwie wieder rückgängig machen wollen. Ich hatte mich so gefreut, schade aber auch.
Eine gute Stunde laufe ich meinem Ziel entgegen, dann stoppe ich eine Pferdekutsche. Schon bald quält sich das arme Tier einen steilen Berg hinauf. Mir tut das Pferd leid und ich bereue es meinen Daumen raus gehalten zu haben. Aber die Aussicht von der Passstraße ist toll.

Auf dem Gipfel des Berges biegt mein Öko-Taxi links ab. Ich verabschiede mich und gehe zu Fuß weiter. Burgas – 227 km.
Schier endlose Straßen liegen vor mir.

Kein Auto hält an. Im monotonen Rhythmus meiner Schritte wandere ich weiter. Um 10 nach sechs passiere ich ein Schild: Burgas – 212 km. Irgendetwas kann da nicht stimmen. Ich kann nicht glauben dass ich in knapp 5 Stunden nur 15 km gelaufen sein soll. Mit dem Einsetzen der Dämmerung entdecke ich einen alten Werkzeugschuppen. Die Türe steht sperrangelweit offen, im Inneren befinden sich eine Bank, ein Tisch und ein verlassenen Vogelnest nebst den Ausscheidungen dieser Tiere. Hier hat seit Ewigkeiten keiner mehr sauber gemacht. In einer Ecke steht ein Handfeger. Ich kehre durch, schüttele die Wolldecke aus die eigentlich als Tischdecke diente, breite sie auf dem Boden aus und habe eine komfortable Bleibe für die Nacht.
Dank der zuziehbaren Vorhänge schlafe ich lange. Erst gegen halb 11 befinde ich mich wieder auf der Straße und werfe einen letzten Blick zurück auf mein Haus.

Kurz darauf sitze ich in einem Auto. Verständigung gleich Null. Nach exakt 17 km werde ich an einer Tankstelle herausgelassen. Ich laufe weiter. Mir kommen zwei schwer bepackte Fahrräder entgegen an deren Gepäckträgern kleine Schweizer Fähnchen angebracht sind. Ich rufe: „Stopp! Woher? Wohin?“ Doch niemand hält an. Ein LKW Fahrer, den ich durch das Heraushalten meines Daumens freundlich frage ob ich mitfahren darf, zeigt mir einen Vogel. Ich ärgere mich. Gegen 20 nach 1 erreiche ich ein Schild: Burgas – 178 km.
Ich passiere die Zigeunersiedlung an der ich schon beim letzten Mal vorbeigelaufen bin. Ein Junge posiert für ein Foto. Ich gehe weiter, einen Fuß vor den anderen. Wie in Trance, ein völlig automatisierter Bewegungsablauf. Ich mag dieses Gefühl. Ich bin auf irgendeiner körpereigenen Droge. Endorphine, Dopamine, Adrenalin, keine Ahnung wie der Stoff heißt den der Körper ausschüttet wenn er über lange Zeiten den gleichen Bewegungsablauf ausführt. Ich halte erst gar nicht mehr meinen Daumen in die Höhe. Es hält eh niemand an und dieser ungewohnte Bewegungsablauf, das Heben meines Armes, bringt mich aus meinem Rhythmus. Gegen halb fünf ein Schild: Burgas – 167 km

Ich glaub das nicht, auf den Schildern stehen Schätzwerte. In einer Ortschaft kaufe ich ein Brot und eine Büchse Leberwurst. Freundschaftlich teile ich mein Mahl mit Scheki und einer ausgehungerten Straßenhündin. Es geht weiter, mich überholt ein Zug. Der ist in etwa 3 Stunden da wo ich hin will. Aber Zugfahren ist was für Neckermann Touristen. Ich halte wieder meinen Daumen in die Höhe – erfolglos. Es schaut nach Regen aus. Nicht mehr lange und die Sonne versinkt hinter einem Berg.

Ich halte Ausschau nach einem trockenen Schlafplatz. Links neben der Hauptstrasse sehe ich ein verlassenes Bauwerk. Ich kämpfe mich durch Dickicht und Morast. Der Boden des Hauses steht gut 20cm unter Wasser. Ich gehe weiter. Schon bald ist es stockdunkel. Ein altes Weichenstellerhäuschen neben der Gleisanlage ist zwar vollkommen leer geräumt aber verschlossen. Ich überlege es aufzubrechen, entscheide mich allerdings dagegen. Ein baufälliges Haus auf der rechten Straßenseite ist übersäht mit Glasscherben und anderem Unrat. Ich erreiche eine Tankstelle. Es ist stockdunkel und ich bin hundemüde. Im Moment regnet es nicht. Vielleicht habe ich Glück. Ich rolle meinen Schlafsack auf einer Wiese hinter dem Kassenhäuschen aus und hoffe auf eine erholsame Nacht.
Am Morgen weckt mich der Tankstellenpächter indem er demonstrativ und lautstark einige leere Getränkekisten neben meinem Schlafplatz stapelt. Ich packe zusammen und gehe los. Burgas – 155 km. 30 Minuten später passiere ich die Stelle an der ich vor rund 2 Monaten meine letzte Nacht vor Burgas verbracht habe. Ob ich es von hier wieder an einem Tag schaffe? Burgas – 149 km. Diesmal regnet es nicht und ich genieße die Aussicht.

Ich erinnere mich an den Weg, hier ist nix. Weit und breit keine Ortschaft. Viele Stunden bin ich beim letzten Mal marschiert ohne ein Geschäft zu passieren. Dann hat mich der Trucker mitgenommen. Ich habe zwar Wasser, aber nix zu essen bei mir und ich habe Hunger. Gegen halb 11 passiere ich einen Truck Stopp. Es duftet verführerisch nach Grillfleisch. Ich schaue mich um. Ein schrottreifer Lieferwagen wurde zur Kantine umgebaut, Wasser plätschert von einem großen Plastikkübel in den nächsten. Im Wasser schwimmen Cola und Bierflaschen. Der Kühlschrank! Zwischen den Tischen laufen Hühner. Ein alter Mann steht vor einem Holzkohlegrill und wendet hausgemachte Frikadellen. Ich bestelle zwei dieser Fleischbällchen und setze mich.

Dazu wird mir ein Korb Brot gereicht und ein riesiges Glas Lutenitza. Während ich esse wird es voll. Ein ganzes Geschwader Traktoren hält vor der Imbissbude. Ich werde auf ein Bier eingeladen. Nach gut und gerne 1 Stunde möchte ich bezahlen. Acht Leva siebzig schreibt der Mann auf einen Zettel. 4 Euro 50 für 2 Frikadellen! Das ist selbst in Deutschland teuer. Ich zeige ihm einen Vogel, lege 5 Leva auf die Theke und gehe. Im Nachhinein ärgere ich mich. 5 Leva ist mindestens das Doppelte von dem was ein Bulgare hätte zahlen müssen.
Ich wandere weiter. Ein Obsthändler der am Straßenrand seinen Stand aufgebaut hat schenkt mir einige Weintrauben. Hier und da findet es ein LKW Fahrer total spaßig genau in meiner Höhe auf seine Hupe zu drücken. Scheki erschreckt sich jedes Mal. Mein Tramperdaumen bringt mir kein Glück, aber wer soll hier auch anhalten?

Kurz vor 4 erreiche ich Sliven. Rechts befindet sich eine Tankstelle des Unternehmens LUK Oil. Angeblich haben die alle unverschlüsseltes W Lan. Ich setze mich, wenige Minuten später bin ich online. Gut eine Stunde verbringe ich im Internet, dann gehe ich weiter. Burgas – 102 km. Ich bin noch keine 5 Minuten unterwegs als ein Auto stoppt. Ein vornehmer Mann mit Anzug und Krawatte steigt aus und räumt sein Reservehemd von der Rückbank. Hundehaare an einem weißen Hemd wären nicht so toll lässt er mich wissen. Dann steige ich ein. Auf der Beifahrerseite sitzt ein Typ der, genau wie ich, rein optisch nicht in dieses Auto passt. Zerschlissene Jeans, ein mit Farbspritzern verziertes Oberteil. Mein Fahrer spricht deutsch, 6 Jahre habe er Deutsch studiert, aber das sei ewig her und er habe es nie wieder angewendet. Er ist Vertreter für alternative Medizin und der Typ auf der Beifahrerseite ist ein Anhalter. Er hält fast immer an, lässt er mich wissen. Ich hätte Glück, normal sei er schon voll aber der Hund hätte so lieb geschaut, außerdem sei er neugierig gewesen wer da mit Hund auf Anhalter Tour gehe. Mein Fahrer ist auf dem Weg nach Hause, er wohnt in Burgas. Burgas, heute Abend ein weiches Bett. Kurz darauf verlassen wir die Hauptstrasse, ich schaue etwas misstrauisch. „Ist ne Nebenstrecke, da kann ich den Kollegen hier direkt nach Hause bringen.“ Erfahre ich. Bei einem Tankstopp bitte ich meinen Fahrer doch einmal nachzufragen ob ich heute eine Eintagesvignette kaufen kann und die Löcher die den Gültigkeitstag markieren selbst hineinstanzen darf. Dort wo mein Fahrzeug parkt ist weit und breit nix, wie soll ich da eine gültige Vignette kaufen? Leider ist das selber Lochen der Vignetten nicht statthaft. Tja Bulgarien, da haste wohl Pech, dann werde ich einfach ohne fahren. Nach Einbruch der Dunkelheit erreichen wir Burgas. Ich werde noch der Frau und der Tochter meines Fahrers vorgestellt und dann mache ich mich auf zu der Strandbar in welcher mein Fahrzeugbewacher arbeitet. Kurz nach 8 erreiche ich diese. Sie hat geschlossen.
Mir rutscht das Herz in die Hose. Bis zu meinem Wagen sind es noch gut und gerne 25km. Ich hatte mich so auf ein weiches Bet gefreut. Außerdem kenne ich den Weg nicht. Ich habe zwar die GPS Daten meines Fahrzeugs gespeichert aber den Straßenverlauf habe ich mir nicht eingeprägt. Ich gehe zu der Stelle an der mein Freund das letzte Mal geparkt hat. Da steht er, sein grüner Lada Niva. Ich setze mich daneben und stehe nicht mehr auf. Nach einer guten Stunde trifft mein Freund ein. „Ach, schau mal wer da ist.“ Begrüßt er mich. Ich steige in das Auto und liege 30 Minuten später tatsächlich in meinem weichen Bett.

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