Wohnmobil Neulakierung - oder Graffiti in Varna

Mein Wohnmobil wird neu lackiert, ich erhalte ein Graffiti. So unerwartet können solche Dinge geschehen. Basierend auf Zufällen. Die Kiste schaut aber auch wirklich schlimm aus, da muss dringend etwas geschehen.

Zuerst muss der Untergrund vorbereitet werden, die Jungs auf die abfallende Tapete sprühen zu lassen, ist wirklich keine gute Idee. Im KFZ Zubehörladen kaufte ich 1,5 Kilo Aluminium Spachtelmasse für sage und schreibe lediglich 13 Leva! Dann riss ich die Tapete in großen Bahnen vom Wagen.

Die Spachtelmasse die ich vor rund 8 Jahren auf den Koffer aufgetragen hatte platzte an den meisten Stellen ab oder war eingerissen.

Mit Spachtel und Schraubenzieher entfernte ich die Teile die keinen Kontakt mehr zum Untergrund hatten.

Es schaut viel schlimmer aus als ich befürchtet hatte. Rost wird mit Winkelschleifer und Schrubscheibe entfernt und eine Grundierung aufgetragen.

Leider finde ich keinen Pinsel in meinem Werkzeugkasten so dass ich mir aus einem alten Spülschwamm, einem Schraubenzieher und einem bisschen Draht einen selber bauen muss.

Mit 40er Sandpapier und Schwingschleifer werden Kleisterrückstände und andere Verschmutzungen entfernt.

Deutlich erkennt man wo ich bereits geschliffen habe, und wo meine Leiter zu kurz war. Dann beginne ich zu spachteln.

In 3 Arbeitschritten erzeuge ich eine glatte Oberfläche.

Am Abend des 27. gehe ich mit Zee zum Praktiker Baumarkt. Ich benötige eine Farbrolle, neues Schmirgelpapier, Grundierung und eigentlich auch ein neues Rauchrohr. Hoffentlich führt Praktiker die benötigten Teile. Zee wünscht sich hingegen eine Badewanne.

Mein erster Weg führt mich Richtung Rauchrohr. Seit Montenegro ist meine horizontale Rauchgasführung mit Silberpapier repariert. Das eigentliche Rohr ist quasi gar nicht mehr existent. Schon seit langem suche ich ein neues, aber Rauchrohr in einer Dimension von 150mm ist schwer erhältlich, 130er finde ich an jeder Ecke. Auch Praktiker führt kein 150er Rohr. Dafür hat er eine Reduzierung in seinem Programm. Ok, dann bekomme ich halt ein 130er Rohr. Bestimmt eine viertel Stunde drehe und wende ich einen Konvektor in meinen Händen. So ein Rauchgasrohr das sich in 5 Stränge splitet um somit seine Oberfläche zu vergrößern und mehr Wärme abgeben zu können. Dann beschließe ich dass die 30 Leva gut angelegt sind. Eine neue Wanddurchführung für 3 Leva, ein Meter Rohr für 9 Leva, ein Bogen für 6 Leva und der Konvektor. Eine Farbrolle, Sandpapier und 1,5 Liter Grundierung für 28 Leva. Dann verlasse ich den Baumarkt rund 40 Euro ärmer. Hinter der Kasse versuchen wir die Einkäufe in meinem Rucksack zu verstauen. Ein unmögliches Unterfangen. Rauchrohr und Konvektor müssen wir in den Händen tragen. Neben dem Packtisch befindet sich so ein Behälter zur Batterieentsorgung. Obenauf liegen einige hochwertige Markenbatterien. Diese Batterien werden meist in Fotoapparaten oder anderen Produkten eingesetzt die eine hohe Spannung benötigen. Aus Erfahrung weis ich dass eine entsorgte, hochwertige Einwegbatterie in meiner LED Taschenlampe noch einige Wochen Ihre Dienste leisten kann da diese Lampe nur eine sehr geringe Stromaufnahme hat. Der Betrieb mit Akkus hingegen ist nicht zu empfehlen, da Akkus in der Lampe Tiefenentladen werden und sehr schnell kaputt gehen. Deswegen betreibe ich meine Lampe ausschließlich mit Einwegbatterien die ich im Müll finde. Ich finde das nicht nur ökonomisch sondern auch sehr ökologisch. Schließlich sind Batterien Problemmüll, nicht umsonst gibt es diese Annahmestellen. Bis zum heutigen Tag hab ich für meinen beherzten Griff in den Batteriemülleimer auch noch nie Ärger bekommen. Bis zum heutigen Tag! Kaum hatte ich die von Kunden entsorgten Batterien an mich genommen und in meinen Rucksack gesteckt näherte sich ein Sicherheitsbeamter. Zee übersetze er würde mir nun versuchten Diebstahl unterstellen. Ich solle die Batterien augenblicklich zurück in den Mülleimer legen. "Thats wasting from Natural Resorts!" Ich weigerte mich. "Call your Boss" forderte ich den Sicherheitsbeamten auf. Zee übersetzte meine Einstellung zu der Sache. Das ich nicht stehlen würde sondern Abfall recycle, das ich dies aus einer inneren ökologischen Überzeugung heraus tue und ich es einfach nicht einsehen könnte das ich das nicht darf. Das ich aus dem Verbot eine verantwortungslose Profitgier des Marktinhabers rückleite da ich ihm ja nur indirekt Schaden zuführe da ich keine neuen Batterien in seinem Laden kaufe. Meinen Worten wurde kein Gehör geschenkt. Mein Rucksack wurde auf weiteres "Diebesgut" untersucht und sein vollständiger Inhalt mit meinem Kassenbon verglichen, die Batterien musste ich zurück in den Müll werfen, wo sie nun - noch vor dem endgültigen Ende ihrer Nutzbarkeit - unser Ökosystem als Sondermüll belasten und erst danach durfte ich das Geschäft verlassen. Würde ich in Varna einen weiteren Baumarkt kennen, hätte ich augenblicklich meinen gesamten Einkauf umgetauscht. Aber ich kenne keinen und so beiße ich meine Zähne zusammen. Allerdings habe ich diesen Text, bereits einige Monate vor Veröffentlichung mit der Bitte um eine Stellungnahme an die E - Mail Adresse von Praktiker geschickt. Sollte ich eine Antwort erhalten, werde ich sie hier veröffentlichen.
Am nächsten Tag war also erst einmal der Einbau eines neuen Abgassystems für meinen hübschen Holzofen angesagt. Ein Bogen Zeitungspapier diente mir als Schablone um die Stelle gerade zu markieren an welcher ich das Rohr auf Maß schneiden wollte.

Beim Sägen selbst, schütze ein altes Handtuch das emalierte Rohr vor Kratzern.

Das alte Rohr wurde ausgebaut, die Wanddurchführung an 4 Stellen durchbohrt und mit Selbstschneidendenblechschrauben an der Karosse fixiert. Wie bereits bei meinem letzten Einbau verwendete ich eine große Menge Hochtemperatursilikon zur Abdichtung der Wanddurchführung. Die knapp 30cm horizontale Rauchgasführung verschraubte ich mit der Durchführung so dass sie sicher an der Fahrzeugwand hält.

Jetzt isolierte ich den "Durchbruch" wieder mit nicht brennbaren Steinwollplatten

und schraubte letzten Endes wieder das Blechstück auf die Öffnung das schon vorher dort angebracht war.

Noch rasch die beiden Rohre mit einem Bogen verbinden, und fertig ist mein neues Abgasrohr.
Am nächsten Tag war mein Fahrzeug somit bereit für eine Grundierung. Noch schnell Fenster und andere Stellen die keine Farbe erhalten sollten abkleben und kurze Zeit später erstrahlt mein Wohnmobil in neuem Glanz.

Am nächsten Morgen war ich früh auf den Beinen. Um 11 Uhr war ich mit meinen Graffiti Künstlern bei McDreck verabredet. Von dort ging es zu einem freakigen Laden der Spraydosen für Graffiti führt.

Abermals griff ich tief in meinen Geldbeutel und kaufte 5 Dosen zu je 7 Leva. Meine Freunde hatten noch ein gutes Dutzend weitere, angebrochene Dosen dabei die sie von anderen Projekten übrig hatten. Auf dem Weg zu meinem Wagen passierten wir eines ihrer Kunstwerke das sie mir nicht ganz ohne Stolz zeigten.

Gegen 1 erreichten wir meinen Wagen. Ich hatte meinen Freunden bei der Auswahl des Motivs freie Hand gelassen und sie begannen augenblicklich mit der Arbeit. Ich stellte Stühle und Tisch nach draußen um eine gemütliche Zuschauertribüne zu schaffen und kochte Kaffe und Pfannkuchen für das leibliche Wohl. Der PKW eines Freundes der Sprayer wurde als Leiter verwendet

und mein Fahrzeug erhielt meine persönliche Wunschbeschriftung. Mit Einbruch der Dämmerung sah mein Wagen dann so aus:

Noch nicht fertig, aber schon ganz hübsch. Deutlich erkennt man meine Lautsprecher die ich zu Musikalischen Beschallung nach draußen geräumt hatte. Schließlich soll die Arbeit ja auch Spaß machen. Erwähnenswert wäre vielleicht noch die Polizeikontrolle in die wir an diesem Tag geraten sind. Die Jungs waren vielleicht seit 2 Stunden am sprühen als ein Polizeiwagen auf meinen Parkplatz einbog. Glücklicherweise sprachen die Jungs English. "Was geht hier ab?" wurde ich gefragt und ich antwortete dass mein Wagen eine Neulackierung erhält. Nachdem ich Fahrzeugpapiere und grüne Versicherungskarte sowie meinen Pass vorgezeigt hatte verschwanden die Jungs ohne eine weitere Person zu kontrollieren. Find ich OK, schließlich ist das die Polizei. Das ist ja denen Ihr Job auf mein Auto aufzupassen. Irgendwie müssen sie ja kontrollieren ob das tatsächlich mein Auto ist.
Am nächsten Morgen wartete ich lange auf die Jungs. Zwar kamen sie nur mit rund 20 Minuten Verspätung, aber in der Nacht wurde die Zeit umgestellt was ich natürlich nicht wusste so das ich ein wenig nervös wurde. Aber dann ging es augenblicklich los. Auch an diesem Tag schafften die Künstler es nicht während des Tageslichtes Ihr Werk zu beenden, deswegen ging es im Flutlicht meines 500Watt Strahlers bei Generatorstom weiter.

Kurz vor 8 posierten wir, so wie es sich für Sprayer gehört mit unkenntlich gemachten Gesichtern für ein Abschiedsfoto vor meinem Wagen.

Wirklich nett geworden:

Während der Sprayarbeiten habe ich meine Kammara auf ein Stativ gestellt und im Abstand von wenigen Minuten weit über 500 Bilder geschossen. Diese Bilder habe ich zu einem Video zusammen geschnitten in welchem man den Jungs quasi bei der Arbeit zuschauen kann. Von dem vielen an und ausschalten ist leider meine Kammara kaputt gegangen. Am Ende stellte sie sich nur noch bei vollem zoom scharf ein. Deswegen gibt es einige "Schnittstellen" die nicht so ganz ins Video passen. Wer mag, kann es sich aber dennoch anschauen.


Ganz zum Schluß, vielleicht noch einige weitere Bilder:

Mein neuer Anstrich musste natürlich gefeiert werden. 16 leere Bierflaschen tauschten Zee und ich gegen eine volle Vorratspulle. Mit der ging es in die Stadt. Nahe der Bank vor dem Galaxy Bowling Center, einem Platz mit Wi Fi auf dem ich sonst häufig sitze, befand sich eine größere Gruppe Menschen. Es wurde Bulgarisch und Englisch gesprochen. "Chies, were are you from?" Schon waren wir im Gespräch. Eine Gruppe Reisender aus aller Herren Ländern die sich hier zufällig getroffen hatte und es obendrein auch noch geschafft hat ein paar einheimische Freunde zu finden. Wir gesellten uns dazu. Später ging es dann in eine private Wohnung.

Die Inneneinrichtung war spärlich, aber die Dimensionen sehr großzügig. Auf dem gesamten Boden lag, sehr zur Freude meines Hundes, zertretenes Popcorn herum. Anscheinend muss es hier kurz vor unserem Eintreffen so etwas wie eine Popcornschlacht gegeben haben. Wir amüsierten uns großartig.
Am nächsten Morgen war ich sehr Müde. Ein leichter Kater dröhnte in meinem Schädel und ich beschloss mich noch einmal umzudrehen um an meinem Kopfkissen zu lauschen. Gegen 1 Uhr weckte mich dann wildes Klopfen. Draußen standen meine Künstler. Sie waren mit Fotoapparat und ein paar Freunden angereist um ihr Werk digital festhalten und zeigen zu können. Ich zeigte Ihnen das Heck meines Wagens. "Wenn Ihr wollt, könnt Ihr das auch sprühen. Aber …. Ich weiß genau was ich da drauf haben will. Einen Globus, deutlich als Erdkugel zu erkennen und darüber die Worte: "my home is my car" und darunter: "and my garden ist he world". Meine Freunde beratschlagten sich. Ich zeigte Ihnen meine Weltkarte als Motivvorlage. Die bunte Schreibtischunterlage mit dem Antlitz unsres Planeten und die verspiegelte schwarz weiß Darstellung die eingerahmt an meinem Bett befestigt ist und einstmals sogar blau leuchten konnte. Nach einem kurzen bulgarischen Gespräch erhielt ich die Antwort die ich hören wollte: "Jo, machen wir! Aber vor dem nächsten Wochenende wird das nix. Wir müssen zur Schule bzw. Arbeiten und haben auch noch was für ein Restaurant zu tun." Ich erklärte mich einverstanden.
Am Nachmittag machte ich mich dann auf einen neuen Fotoapparat zu kaufen. Ich bin hier nicht im kleinen griechischen Nikiti, hier bin ich in Varna. Einer großen Stadt die vor secound Hand Geschäften nur so strotzt. Bereits vor einiger Zeit hatte ich ein viertel Entdeckt, in welchem sich Gebrauchtwarenhändler für Mobiltelefone, Kammaras und derrelei gleichen aneinanderrein wie Perlen auf einer Kette. Quasi seit ich meine Kammara in Nikiti gekauft habe, verspüre ich den Wunsch mir eine andere anzuschaffen. Wirklich zufrieden war ich mit dem 12MegaPixel Teil noch nie. Was nützen Pixel, wenn die Optik sch…ße ist? Ich suche eine Kammara die so klein ist das ich sie ständig bei mir tragen kann, also keine Spiegel Reflex. Sie sollte eine möglichst große Linse haben um viel Licht einlassen zu können. Ich wollte einen an aus Schalter der so angebracht ist das er nicht versehentlich in der Tasche bedient werden kann. Denn auf diesen Konstruktionsfehler der Photoapparate führe ich den Exitus meiner beiden letzten Kammaras zurück. Darüber hinaus sollte das Teil ein Weitwinkel haben, die Betonung liegt dabei auf Weit. Ein wenig Zoom wäre auch nicht verkehrt, und optischer Zoom ist mir auf alle Fälle mehr wert als ein paar Millionen Pixel. Ich ging also von Geschäft zu Geschäft und betrachtete die Schaufenster. 12X optischer Zoom, 2 Mio Pixel 40 Leva. 40 Leva! Das sind 20 Euro, Ok, die Kiste ist auch uralt, aber zu Ihrer Zeit war es mal das Beste vom Besten. Leider ist das Ding riesengroß, keine Spiegel Reflex, aber doch entschieden zu klobig um an meinem Gürtel zu baumeln. Ich gehe weiter. Cannon Cyber shot, 7 Mio Pixel 280 Leva. Aha! Ich gehe weiter. Cannon Cyber shot, 7 Mio Pixel, die gleiche Kammara 200 Leva. Da! Medion, die Aldi Marke 5 Mio Pixel 30 Leva. Ich überlegte, die Medion ist mit Sicherheit nicht besser als meine kaputte Polaroid. Aber sie passt in die Tasche, wenn sie geklaut wird oder in die See fällt wäre es finanziell kein Beinbruch und Bilder macht die wohl auch. Wenn ich noch die dicke 2 Mio Pixel Kammara kaufe hab ich ne Klick und Weg für immer dabei, und was mit ner gescheiten Optik wenn ich mal losziehe um Fotos zu machen. Zusammen würde mich der Spass nur 35 Euro kosten, obendrein hätte ich immer ne Kiste in Reserve. Ich betrat das Geschäft: "Can I take a look to this cam??" Der Ladeninhaber kramte nach seinem Schlüssel, entriegelte den gläsernen Ausstellungskasten und reichte mir die Kammara. Als Stromquelle dienen zwei normale AA Batterien und als Speichermedium gibt sich das Gerät mit einer ganz gewöhnlichen und preisgünstigen SD Karte zufrieden. Zwei weitere wichtige Entscheidungskriterien. Ich will nix mit Gerätespezifischem Akku den man nirgendwo nachkaufen kann und ich will ne richtige SD Karte, so eine die ohne Adapter auch in meinen PC passt. Ich lege meine Speicherkarte und meine Batterien ein und schieße Photos. Mit Blitz, ohne Blitz. Mit Zoom, ohne Zoom. Im Ladeninneren und durch die Türe hinaus auf die Strasse. Ich gebe die Kammara zurück und betrachte die Bilder auf meinem Rechner. Mittelmäßig, aber OK. Nicht schlechter als meine alte. Ohne das Gerät zu kaufen verabschiede ich mich freundlich und gehe mir das 2 Mio Pixel Gerät anschauen. Gleich 4 Batterien gleichzeitig will das stromhungriege Gerät. Dafür kommt es aber auch mit einer SD Karte klar. Auch hier belästigt mich kein Verkäufer beim Testen der Kammara. Ausgiebig fahre ich das monströse Objektiv ein und aus, schieße Bilder, drücke auf Knöpfe und Teste die Funktionen. Dann möchte ich mir die Aufgenommen Bilder gerne auf meinem Laptopp anschauen. 2 Mio Pixel, ist ja vielleicht doch ein bisschen wenig. Andererseits, die Kammara mit der ich zu dieser Reise aufbrach, hatte auch nur drei und sie war die Beste die ich je besessen habe. Ich entnehme die SD Karte und schiebe sie in meinen Rechner. Der Rechner rechnet und findet Dateien. Ich klicke eine an und mein PC gibt mir die Fehlermeldung: "von dem Datenträger kann nicht gelesen werden". Hä? Eben gings doch noch. Ich versuche es noch einmal. Nichts. Ich schiebe die Karte zurück in die Kammara, auch sie kann Ihre eigenen Bilder nicht mehr lesen. Jetzt weiß ich nicht ob rein zufällig genau in diesem Moment meine Speicherkarte Ihren Geist aufgegeben hat oder ob die Kammara einen technischen defekt besitzt der Speicherkarten zerstört. Jedenfalls wollte mir der Ladeninhaber keine seiner Karten zu Testzwecken zur Verfügung stellen und auch ich hatte keine Lust alle meine Karten zu ruinieren. Wie gut das ich meine Bilder schon gesichert hatte. Frustriert ging ich nach Hause.
Am nächsten Morgen zog ich wieder los. Ich hatte eine neue Karte dabei, diesmal eine alte ausrangierte mit nur 250MB Speicherplatz. Man lernt ja dazu. Ich Teste die Cannon für 200 Leva. Eine gute Kamera, allerdings bin ich mit dem Preis nicht einverstanden. 100 Euro für ein Gebrauchtgerät ohne Garantie finde ich ein wenig überzogen. Ich lege 120 Leva auf die Theke und frage: "Ok? You want sell it?" Wutentbrannt entreißt mir der Verkäufer die Kammara und schmeißt mich aus dem Laden. Ich Teste ein anderes Angebot. Panasonic Lumix, 6 fach optischer Zoom, 3X mehr als die Cannon, ebenfals 7Mio Pixel. Preis laut Preisschild: 160 Leva. Wieder lege ich 120 auf die Theke und frage: "OK?" Der Verkäufer ist nicht ganz so pampig, verweist allerdings mit Nachdruck auf das Preisschild. Schade, ich gehe. In den nächsten 3 oder 4 Stunden halte ich bestimmt 10 oder 12 verschiedene Kammaras in meinen Händen. Aber keine kommt vom Preis Leistungs- Verhältnis so nahe an meine Vorstellungen heran wie die Pannasonic für 160 Leva. Ich überlegte bereits daran einen Freund zu schicken um das Modell zum geforderten Preis zu kaufen da ich mir selbst nie die Blöse geben würde nach einem gescheiterten Versuch ein Produkt herunterzuhandeln es zum geforderten Preis zu erwerben als ich erneut das Geschäft passierte. Ich steckte meinen Kopf zur Türe hinein, wedelte mit 120 Leva in meinen Händen und fragte: "You want sell this cam or you want ceep it?" Der Verkäufer suggerierte mir einzutreten und Minuten später hielt ich meinen neuen Photoapparat in den Händen. 120 Leva, 60 Euro - ziemlich genau die Hälfte von dem was ich für meine letzte bezahlt habe.
Die nächsten 3 Tage verbrachte ich damit meine neue Errungenschaft zu testen. Ich knipste Bilder von der Innenstadt,

Dem See Garten,

Dem Strand

Und einige andere.

Ich bin davon überzeugt mit meinem tollen neuen Zoom das Beste Foto von dem Hochzeitspärchen geschossen zu haben. Schade dass ich die Leute nicht kenne um Ihnen das Bild geben zu können.
Am 5. November beschloss ich mich den wichtigen Dingen zu widmen. Ich schlüpfte in meinen Arbeitsanzug, baute mein kleines Gerüst aus Benzinkanistern, Brettern und Werkzeugkisten vor dem Heck meines Wagens auf, schmiss den Stromgenerator an und begann meinen hübschen Graffiti Alien abzuschleifen. Ich hatte gerade die erste Schicht neuen Spachtel aufgetragen als ich bemerkte dass mein Hund einigen Gästen der nahen Beach Bar beinahe auf den Teller sabberte. Ich rief das Tier, doch es wollte nicht hören. Verärgert ging ich es einfangen. "Ich wusste doch dass ich den Hund irgendwo her kenne." Sprach mich die junge Frau an die Scheki gerade anbettelte. Sie hatte ich vor wenigen Tagen im Park getroffen und unsre Hunde hatten ausgelassen miteinander gespielt. Währenddessen genossen wir Halter es jemanden zu haben der unsrer Muttersprache mächtig ist. Ich packte meinen Krempel zusammen, wechselte den Blaumann gegen etwas althagstaugliches und folgte der Einladung der freundlichen Deutschen. Als wir unser Beisammensitzen beendeten, dämmerte es bereits. Ich bewegte mich Richtung Stadtzentrum. Dort traf ich auf eine Gruppe Bulgaren aus Sofia. Sie waren für das Wochenende mit dem Zug angereist um mal eine andere Location für ihren Straßenzirkus zu haben. Jetzt saßen sie musizierend zusammen und ich gesellte mich dazu.

In der netten Gemeinschaft wurde es mal wieder ziemlich spät. Am darauf folgenden Tag werkelte ich nicht an meinem Wagen. Schließlich war ich eingeladen die Show meiner neuen Freunde zu bewundern. Zunächst einmal wurde ich allerdings Zeuge einer HipHop BreackDance Darbietung. Die Musik die aus dem Dezibelstarken Radio erklang war gräuselig, dafür waren die Tanzeinlagen um so faszinierender.

Erstaunt bemerkte ich dass ich einige der Akrobaten kannte. Es handelte sich um die gleichen Leute die mein Auto bemalt hatten. Ich bestaunte Ihre Show und erkundigte mich wann sie Sprayen kommen möchten. "Dieses Wochenende nicht" erfuhr ich. "Es ist so gutes Wetter, da sind viele Leute unterwegs, da müssen wir noch ein paar Shows machen und etwas Geld verdienen. Anfang nächster Woche sind wir da." Wurde ich vertröstet. Für solche Situationen hab ich natürlich Verständnis. Geld geht vor. Ich finde es immer wieder erstaunlich wie viele Menschen Ihren Lebensunterhalt durch nicht ganz alltägliche, selbstbestimmte Jobs erwirtschaften. In Deutschland kannte ich nicht einen einzigen der auf diese oder ähnliche Weise gelebt hätte. Seit ich reisend unterwegs bin, treffe ich die irgendwie andauernd. An diesem Tag gleich zwei verschiedene Gruppen, denn nur wenige Minuten später applaudierte ich für meine Freunde vom Vorabend die gerade ihre Keulen und Messerjonglage auf Einrädern beendeten.

Da ich meine Graffiti Leute nicht fand, und die versprochene E Mail bei mir nicht einging, verbrachte ich die Nächsten Tage im See Garten. Nahe meines alten Parkplatzes, an einem hässlichen Betonmunament das allen Anschein nach zu ehren eines Massenmörders errichtet wurde - zumindest hält der Kerl ne Pistole in der Hand - treffen sich quasi zu jeder Tages und Nachtzeit Hundehalter um ihre Tiere spielen zu lassen. Hier gibt es nicht nur große Wiesen um die Tiere toben zu lassen, sondern obendrein noch einige öffentliche Sitzmöbel auf denen man sich niederlassen kann um seinem Hund beim spielen zuzuschauen. Ein idealer Platz um darauf zu warten dass meine Maler mir mitteilen wann sie zu kommen gedenken. Scheki ist eh ein wenig ängstlich fremden Artgenossen gegenüber, das hier ist ein prima Ort um ihm diese Angst zu nehmen. Traurig stimmt mich nur das fast jeder einen Rassehund besitzt. Kaum ein Halter bietet einem Straßenhund ein Zuhause, und das wo es hier solche Mengen davon gibt. Aber nein, der Mensch braucht einen Cocker, einen Jack Russel, einen Pitt Bull oder Staff selbst so entstellte und überzüchtetet Hunde wie Möpse sind hier schwer in Mode. Wenn ich die Menschen frage wo sie Ihren Hund denn her haben, bekomme ich nicht etwa eine Antwort wie: "Vom Züchter. Aus dem Tierheim, oder auf der Straße gefunden." Nein Ganz unverblümt Antworten mir diese Menschen: "Den hab ich im Geschäft gekauft." Ich habe solche Geschäfte gesehen und auch Fotografiert.

In jedem dieser "Aquarien" befindet sich ein kleiner, in Einzelhaft eingesperrter Welpe. Es gibt unzählige dieser "Geschäfte" hier in Varna. Manche Tiere wirken auf den ersten Blick viel zu jung um von der Mutter getrennt zu leben, andere sind schon gut und gerne 3 Monate. Es ist mir bis jetzt noch nicht gelungen herauszufinden was mit den Tieren geschieht die nicht verkauft werden. Wahrscheinlich kann man sie nachts hinter dem Laden Containern. Wenn man sich dabei allerdings erwischen lässt, wird einem Diebstahl unterstellt. Mir vergeht jedenfalls die Lust mich mit einem dieser "Tierfreunde" zu unterhalten nachdem er mir mitteilte dass er seinen Hund im Geschäft gekauft habe.
Deswegen beschließe ich am 13. November den Industriehafen unsicher zu machen. Neben einer Werkshalle, auf nicht eingefriedetem Gelände, stehen einige Ölfässer herum. Ich bin entsetzt! Die Meisten der Fässer sind nicht verschlossen, Regen kann sich ungehindert mit dem Altöl vermischen. Irgendwann läuft das Fass dann über, da Öl leichter ist als Wasser, das Öl zuerst. Mehr oder weniger nahtlos geht unversiegeltes Erdreich in eine geschlossene Teerdecke über.

Wie viele Liter Grundwasser verseucht ein Tropfen Öl gleich Noch mal? 10 000?? 100 000?? Ein Wunder das Varna überhaupt noch über Trinkwasser für seine Bevölkerung verfügt! Jeder kann diese Sauerei sehen, und niemand unternimmt etwas dagegen. Auch wenn ich ständig gegen Deutschland lästere, aber an dieser Stelle muss ich einmal bemerken das Regeln und Freiheitseinschränkungen auch etwas gutes mit sich bringen. In Deutschland würde das A..loch das dafür verantwortlich ist in den Knast wandern. Und das ist verdammt noch mal auch richtig so!
Ich gehe weiter und erhasche wenig später einen Blick der beinahe üdjlisch wirkt. Ich betrachte die Wasseroberfläche: Es sind keine Ölschlieren sichtbar.

Mein Weg endet an einem Hafenbecken, hinter einer Eingezäunten Ölraffinerie. Ich möchte nicht wissen welche ökologischen Verbrechen sich hinter dem Zaun der Anlage abspielen. Deshalb genieße ich die Aussicht in die andere Richtung.

Am Abend, ich bewege mich gerade mit einem Tutmanek in den Händen in die Richtung eines öffentlichen Sitzmöbels begegnet Scheki Siggi. Siggi ist ein 7 Monate alter Jack Russel Rüde der sich nicht so recht entscheiden kann ob es gerade interessanter ist meinen Scheki zum spielen aufzufordern oder den Boden nach Nahrungsmitteln abzusuchen. Noch während die beiden sich beschnüffeln werde ich angesprochen. "Sorry, English? German?" "That´s your one? Where are you from? Take a look to my doog, I want to by some lunch." Noch bevor ich antworten kann verschwindet mein Gesprächspartner in einer Dönerbude und ich habe 2 Hunde. Fünf oder acht Minuten später steht der Kerl wieder neben mir. "Were is my dog?" "Äh … somewhere over there. He is not listening to me." "Were do you stay?" werde ich gefragt und ich antworte in meinem Wohnmobil. Die nächste Frage lautete: "You like to see some hostel?" Ich erklärte kein Hostel zu benötigen, da ich ein hübsches Wohnmobil besitze, aber mein Gesprächspartner gab mir zu verstehen dass man sich Hostels auch anschauen kann wenn man nicht darin schlafen möchte. Da ich nichts Besseres vor hatte folgte ich meinem neuen Bekannten.

Weiter gehts als Hostel Gast.

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Bei PartyBlazer für den netten Blogartikel über meine Reise. Danke!


Kleine Häuser auf Rädern, auf dem Wasser und in Bäumen.



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"Wohnmobil Neulakierung - oder Graffiti in Varna"
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