Mein Wohnmobil wird neu lackiert, ich erhalte ein Graffiti. So
unerwartet können solche Dinge geschehen. Basierend auf Zufällen. Die
Kiste schaut aber auch wirklich schlimm aus, da muss dringend etwas
geschehen.
Zuerst muss der Untergrund vorbereitet werden, die Jungs auf die
abfallende Tapete sprühen zu lassen, ist wirklich keine gute Idee. Im
KFZ Zubehörladen kaufte ich 1,5 Kilo Aluminium Spachtelmasse für sage
und schreibe lediglich 13 Leva! Dann riss ich die Tapete in großen
Bahnen vom Wagen.
Die Spachtelmasse die ich vor rund 8 Jahren auf den Koffer aufgetragen
hatte platzte an den meisten Stellen ab oder war eingerissen.
Mit Spachtel und Schraubenzieher entfernte ich die Teile die keinen
Kontakt mehr zum Untergrund hatten.
Es schaut viel schlimmer aus als ich befürchtet hatte. Rost wird mit
Winkelschleifer und Schrubscheibe entfernt und eine Grundierung
aufgetragen.
Leider finde ich keinen Pinsel in meinem Werkzeugkasten so dass ich
mir aus einem alten Spülschwamm, einem Schraubenzieher und einem
bisschen Draht einen selber bauen muss.
Mit 40er Sandpapier und Schwingschleifer werden Kleisterrückstände und
andere Verschmutzungen entfernt.
Deutlich erkennt man wo ich bereits geschliffen habe, und wo meine
Leiter zu kurz war. Dann beginne ich zu spachteln.
In 3 Arbeitschritten erzeuge ich eine glatte Oberfläche.
Am Abend des 27. gehe ich mit Zee zum Praktiker Baumarkt. Ich benötige
eine Farbrolle, neues Schmirgelpapier, Grundierung und eigentlich auch
ein neues Rauchrohr. Hoffentlich führt Praktiker die benötigten Teile.
Zee wünscht sich hingegen eine Badewanne.
Beim Sägen selbst, schütze ein altes Handtuch das emalierte Rohr vor Kratzern.
Das alte Rohr wurde ausgebaut, die Wanddurchführung an 4 Stellen
durchbohrt und mit Selbstschneidendenblechschrauben an der Karosse
fixiert. Wie bereits bei meinem letzten Einbau verwendete ich eine
große Menge Hochtemperatursilikon zur Abdichtung der Wanddurchführung.
Die knapp 30cm horizontale Rauchgasführung verschraubte ich mit der
Durchführung so dass sie sicher an der Fahrzeugwand hält.
Jetzt isolierte ich den "Durchbruch" wieder mit nicht brennbaren
Steinwollplatten
und schraubte letzten Endes wieder das Blechstück auf die Öffnung das
schon vorher dort angebracht war.
Noch rasch die beiden Rohre mit einem Bogen verbinden, und fertig ist
mein neues Abgasrohr.
Am nächsten Tag war mein Fahrzeug somit bereit für eine Grundierung.
Noch schnell Fenster und andere Stellen die keine Farbe erhalten
sollten abkleben und kurze Zeit später erstrahlt mein Wohnmobil in
neuem Glanz.
Am nächsten Morgen war ich früh auf den Beinen. Um 11 Uhr war ich mit
meinen Graffiti Künstlern bei McDreck verabredet. Von dort ging es zu
einem freakigen Laden der Spraydosen für Graffiti führt.
Abermals griff ich tief in meinen Geldbeutel und kaufte 5 Dosen zu je
7 Leva. Meine Freunde hatten noch ein gutes Dutzend weitere,
angebrochene Dosen dabei die sie von anderen Projekten übrig hatten.
Auf dem Weg zu meinem Wagen passierten wir eines ihrer Kunstwerke das
sie mir nicht ganz ohne Stolz zeigten.
Gegen 1 erreichten wir meinen Wagen. Ich hatte meinen Freunden bei der
Auswahl des Motivs freie Hand gelassen und sie begannen augenblicklich
mit der Arbeit. Ich stellte Stühle und Tisch nach draußen um eine
gemütliche Zuschauertribüne zu schaffen und kochte Kaffe und
Pfannkuchen für das leibliche Wohl. Der PKW eines Freundes der Sprayer
wurde als Leiter verwendet
und mein Fahrzeug erhielt meine persönliche Wunschbeschriftung. Mit
Einbruch der Dämmerung sah mein Wagen dann so aus:
Noch nicht fertig, aber schon ganz hübsch. Deutlich erkennt man meine
Lautsprecher die ich zu Musikalischen Beschallung nach draußen geräumt
hatte. Schließlich soll die Arbeit ja auch Spaß machen. Erwähnenswert
wäre vielleicht noch die Polizeikontrolle in die wir an diesem Tag
geraten sind. Die Jungs waren vielleicht seit 2 Stunden am sprühen als
ein Polizeiwagen auf meinen Parkplatz einbog. Glücklicherweise
sprachen die Jungs English. "Was geht hier ab?" wurde ich gefragt und
ich antwortete dass mein Wagen eine Neulackierung erhält. Nachdem ich
Fahrzeugpapiere und grüne Versicherungskarte sowie meinen Pass
vorgezeigt hatte verschwanden die Jungs ohne eine weitere Person zu
kontrollieren. Find ich OK, schließlich ist das die Polizei. Das ist
ja denen Ihr Job auf mein Auto aufzupassen. Irgendwie müssen sie ja
kontrollieren ob das tatsächlich mein Auto ist.
Am nächsten Morgen wartete ich lange auf die Jungs. Zwar kamen sie nur
mit rund 20 Minuten Verspätung, aber in der Nacht wurde die Zeit
umgestellt was ich natürlich nicht wusste so das ich ein wenig nervös
wurde. Aber dann ging es augenblicklich los. Auch an diesem Tag
schafften die Künstler es nicht während des Tageslichtes Ihr Werk zu
beenden, deswegen ging es im Flutlicht meines 500Watt Strahlers bei
Generatorstom weiter.
Kurz vor 8 posierten wir, so wie es sich für Sprayer gehört mit
unkenntlich gemachten Gesichtern für ein Abschiedsfoto vor meinem
Wagen.
Wirklich nett geworden:
Während der Sprayarbeiten habe ich meine Kammara auf ein Stativ
gestellt und im Abstand von wenigen Minuten weit über 500 Bilder
geschossen. Diese Bilder habe ich zu einem Video zusammen geschnitten
in welchem man den Jungs quasi bei der Arbeit zuschauen kann. Von dem
vielen an und ausschalten ist leider meine Kammara kaputt gegangen. Am
Ende stellte sie sich nur noch bei vollem zoom scharf ein. Deswegen
gibt es einige "Schnittstellen" die nicht so ganz ins Video passen.
Wer mag, kann es sich aber dennoch anschauen.
Ganz zum Schluß, vielleicht noch einige weitere Bilder:
Mein neuer Anstrich musste natürlich gefeiert werden. 16 leere
Bierflaschen tauschten Zee und ich gegen eine volle Vorratspulle. Mit
der ging es in die Stadt. Nahe der Bank vor dem Galaxy Bowling Center,
einem Platz mit Wi Fi auf dem ich sonst häufig sitze, befand sich eine
größere Gruppe Menschen. Es wurde Bulgarisch und Englisch gesprochen.
"Chies, were are you from?" Schon waren wir im Gespräch. Eine Gruppe
Reisender aus aller Herren Ländern die sich hier zufällig getroffen
hatte und es obendrein auch noch geschafft hat ein paar einheimische
Freunde zu finden. Wir gesellten uns dazu. Später ging es dann in eine
private Wohnung.
Die Inneneinrichtung war spärlich, aber die Dimensionen sehr
großzügig. Auf dem gesamten Boden lag, sehr zur Freude meines Hundes,
zertretenes Popcorn herum. Anscheinend muss es hier kurz vor unserem
Eintreffen so etwas wie eine Popcornschlacht gegeben haben. Wir
amüsierten uns großartig.
Am nächsten Morgen war ich sehr Müde. Ein leichter Kater dröhnte in
meinem Schädel und ich beschloss mich noch einmal umzudrehen um an
meinem Kopfkissen zu lauschen. Gegen 1 Uhr weckte mich dann wildes
Klopfen. Draußen standen meine Künstler. Sie waren mit Fotoapparat und
ein paar Freunden angereist um ihr Werk digital festhalten und zeigen
zu können. Ich zeigte Ihnen das Heck meines Wagens. "Wenn Ihr wollt,
könnt Ihr das auch sprühen. Aber …. Ich weiß genau was ich da drauf
haben will. Einen Globus, deutlich als Erdkugel zu erkennen und
darüber die Worte: "my home is my car" und darunter: "and my garden
ist he world". Meine Freunde beratschlagten sich. Ich zeigte Ihnen
meine Weltkarte als Motivvorlage. Die bunte Schreibtischunterlage mit
dem Antlitz unsres Planeten und die verspiegelte schwarz weiß
Darstellung die eingerahmt an meinem Bett befestigt ist und einstmals
sogar blau leuchten konnte. Nach einem kurzen bulgarischen Gespräch
erhielt ich die Antwort die ich hören wollte: "Jo, machen wir! Aber
vor dem nächsten Wochenende wird das nix. Wir müssen zur Schule bzw.
Arbeiten und haben auch noch was für ein Restaurant zu tun." Ich
erklärte mich einverstanden.
Am Nachmittag machte ich mich dann auf einen neuen Fotoapparat zu
kaufen. Ich bin hier nicht im kleinen griechischen Nikiti, hier bin
ich in Varna. Einer großen Stadt die vor secound Hand Geschäften nur
so strotzt. Bereits vor einiger Zeit hatte ich ein viertel Entdeckt,
in welchem sich Gebrauchtwarenhändler für Mobiltelefone, Kammaras und
derrelei gleichen aneinanderrein wie Perlen auf einer Kette. Quasi
seit ich meine Kammara in Nikiti gekauft habe, verspüre ich den Wunsch
mir eine andere anzuschaffen. Wirklich zufrieden war ich mit dem
12MegaPixel Teil noch nie. Was nützen Pixel, wenn die Optik sch…ße
ist? Ich suche eine Kammara die so klein ist das ich sie ständig bei
mir tragen kann, also keine Spiegel Reflex. Sie sollte eine möglichst
große Linse haben um viel Licht einlassen zu können. Ich wollte einen
an aus Schalter der so angebracht ist das er nicht versehentlich in
der Tasche bedient werden kann. Denn auf diesen Konstruktionsfehler
der Photoapparate führe ich den Exitus meiner beiden letzten Kammaras
zurück. Darüber hinaus sollte das Teil ein Weitwinkel haben, die
Betonung liegt dabei auf Weit. Ein wenig Zoom wäre auch nicht
verkehrt, und optischer Zoom ist mir auf alle Fälle mehr wert als ein
paar Millionen Pixel. Ich ging also von Geschäft zu Geschäft und
betrachtete die Schaufenster. 12X optischer Zoom, 2 Mio Pixel 40 Leva.
40 Leva! Das sind 20 Euro, Ok, die Kiste ist auch uralt, aber zu Ihrer
Zeit war es mal das Beste vom Besten. Leider ist das Ding riesengroß,
keine Spiegel Reflex, aber doch entschieden zu klobig um an meinem
Gürtel zu baumeln. Ich gehe weiter. Cannon Cyber shot, 7 Mio Pixel 280
Leva. Aha! Ich gehe weiter. Cannon Cyber shot, 7 Mio Pixel, die
gleiche Kammara 200 Leva. Da! Medion, die Aldi Marke 5 Mio Pixel 30
Leva. Ich überlegte, die Medion ist mit Sicherheit nicht besser als
meine kaputte Polaroid. Aber sie passt in die Tasche, wenn sie geklaut
wird oder in die See fällt wäre es finanziell kein Beinbruch und
Bilder macht die wohl auch. Wenn ich noch die dicke 2 Mio Pixel
Kammara kaufe hab ich ne Klick und Weg für immer dabei, und was mit
ner gescheiten Optik wenn ich mal losziehe um Fotos zu machen.
Zusammen würde mich der Spass nur 35 Euro kosten, obendrein hätte ich
immer ne Kiste in Reserve. Ich betrat das Geschäft: "Can I take a look
to this cam??" Der Ladeninhaber kramte nach seinem Schlüssel,
entriegelte den gläsernen Ausstellungskasten und reichte mir die
Kammara. Als Stromquelle dienen zwei normale AA Batterien und als
Speichermedium gibt sich das Gerät mit einer ganz gewöhnlichen und
preisgünstigen SD Karte zufrieden. Zwei weitere wichtige
Entscheidungskriterien. Ich will nix mit Gerätespezifischem Akku den
man nirgendwo nachkaufen kann und ich will ne richtige SD Karte, so
eine die ohne Adapter auch in meinen PC passt. Ich lege meine
Speicherkarte und meine Batterien ein und schieße Photos. Mit Blitz,
ohne Blitz. Mit Zoom, ohne Zoom. Im Ladeninneren und durch die Türe
hinaus auf die Strasse. Ich gebe die Kammara zurück und betrachte die
Bilder auf meinem Rechner. Mittelmäßig, aber OK. Nicht schlechter als
meine alte. Ohne das Gerät zu kaufen verabschiede ich mich freundlich
und gehe mir das 2 Mio Pixel Gerät anschauen. Gleich 4 Batterien
gleichzeitig will das stromhungriege Gerät. Dafür kommt es aber auch
mit einer SD Karte klar. Auch hier belästigt mich kein Verkäufer beim
Testen der Kammara. Ausgiebig fahre ich das monströse Objektiv ein und
aus, schieße Bilder, drücke auf Knöpfe und Teste die Funktionen. Dann
möchte ich mir die Aufgenommen Bilder gerne auf meinem Laptopp
anschauen. 2 Mio Pixel, ist ja vielleicht doch ein bisschen wenig.
Andererseits, die Kammara mit der ich zu dieser Reise aufbrach, hatte
auch nur drei und sie war die Beste die ich je besessen habe. Ich
entnehme die SD Karte und schiebe sie in meinen Rechner. Der Rechner
rechnet und findet Dateien. Ich klicke eine an und mein PC gibt mir
die Fehlermeldung: "von dem Datenträger kann nicht gelesen werden".
Hä? Eben gings doch noch. Ich versuche es noch einmal. Nichts. Ich
schiebe die Karte zurück in die Kammara, auch sie kann Ihre eigenen
Bilder nicht mehr lesen. Jetzt weiß ich nicht ob rein zufällig genau
in diesem Moment meine Speicherkarte Ihren Geist aufgegeben hat oder
ob die Kammara einen technischen defekt besitzt der Speicherkarten
zerstört. Jedenfalls wollte mir der Ladeninhaber keine seiner Karten
zu Testzwecken zur Verfügung stellen und auch ich hatte keine Lust
alle meine Karten zu ruinieren. Wie gut das ich meine Bilder schon
gesichert hatte. Frustriert ging ich nach Hause.
Am nächsten Morgen zog ich wieder los. Ich hatte eine neue Karte
dabei, diesmal eine alte ausrangierte mit nur 250MB Speicherplatz. Man
lernt ja dazu. Ich Teste die Cannon für 200 Leva. Eine gute Kamera,
allerdings bin ich mit dem Preis nicht einverstanden. 100 Euro für ein
Gebrauchtgerät ohne Garantie finde ich ein wenig überzogen. Ich lege
120 Leva auf die Theke und frage: "Ok? You want sell it?" Wutentbrannt
entreißt mir der Verkäufer die Kammara und schmeißt mich aus dem
Laden. Ich Teste ein anderes Angebot. Panasonic Lumix, 6 fach
optischer Zoom, 3X mehr als die Cannon, ebenfals 7Mio Pixel. Preis
laut Preisschild: 160 Leva. Wieder lege ich 120 auf die Theke und
frage: "OK?" Der Verkäufer ist nicht ganz so pampig, verweist
allerdings mit Nachdruck auf das Preisschild. Schade, ich gehe. In den
nächsten 3 oder 4 Stunden halte ich bestimmt 10 oder 12 verschiedene
Kammaras in meinen Händen. Aber keine kommt vom Preis Leistungs-
Verhältnis so nahe an meine Vorstellungen heran wie die Pannasonic für
160 Leva. Ich überlegte bereits daran einen Freund zu schicken um das
Modell zum geforderten Preis zu kaufen da ich mir selbst nie die Blöse
geben würde nach einem gescheiterten Versuch ein Produkt
herunterzuhandeln es zum geforderten Preis zu erwerben als ich erneut
das Geschäft passierte. Ich steckte meinen Kopf zur Türe hinein,
wedelte mit 120 Leva in meinen Händen und fragte: "You want sell this
cam or you want ceep it?" Der Verkäufer suggerierte mir einzutreten
und Minuten später hielt ich meinen neuen Photoapparat in den Händen.
120 Leva, 60 Euro - ziemlich genau die Hälfte von dem was ich für
meine letzte bezahlt habe.
Die nächsten 3 Tage verbrachte ich damit meine neue Errungenschaft zu
testen. Ich knipste Bilder von der Innenstadt,
Dem See Garten,
Dem Strand
Und einige andere.
Ich bin davon überzeugt mit meinem tollen neuen Zoom das Beste Foto
von dem Hochzeitspärchen geschossen zu haben. Schade dass ich die
Leute nicht kenne um Ihnen das Bild geben zu können.
Am 5. November beschloss ich mich den wichtigen Dingen zu widmen. Ich
schlüpfte in meinen Arbeitsanzug, baute mein kleines Gerüst aus
Benzinkanistern, Brettern und Werkzeugkisten vor dem Heck meines
Wagens auf, schmiss den Stromgenerator an und begann meinen hübschen
Graffiti Alien abzuschleifen. Ich hatte gerade die erste Schicht neuen
Spachtel aufgetragen als ich bemerkte dass mein Hund einigen Gästen
der nahen Beach Bar beinahe auf den Teller sabberte. Ich rief das
Tier, doch es wollte nicht hören. Verärgert ging ich es einfangen.
"Ich wusste doch dass ich den Hund irgendwo her kenne." Sprach mich
die junge Frau an die Scheki gerade anbettelte. Sie hatte ich vor
wenigen Tagen im Park getroffen und unsre Hunde hatten ausgelassen
miteinander gespielt. Währenddessen genossen wir Halter es jemanden zu
haben der unsrer Muttersprache mächtig ist. Ich packte meinen Krempel
zusammen, wechselte den Blaumann gegen etwas althagstaugliches und
folgte der Einladung der freundlichen Deutschen. Als wir unser
Beisammensitzen beendeten, dämmerte es bereits. Ich bewegte mich
Richtung Stadtzentrum. Dort traf ich auf eine Gruppe Bulgaren aus
Sofia. Sie waren für das Wochenende mit dem Zug angereist um mal eine
andere Location für ihren Straßenzirkus zu haben. Jetzt saßen sie
musizierend zusammen und ich gesellte mich dazu.
In der netten Gemeinschaft wurde es mal wieder ziemlich spät. Am
darauf folgenden Tag werkelte ich nicht an meinem Wagen. Schließlich
war ich eingeladen die Show meiner neuen Freunde zu bewundern.
Zunächst einmal wurde ich allerdings Zeuge einer HipHop BreackDance
Darbietung. Die Musik die aus dem Dezibelstarken Radio erklang war
gräuselig, dafür waren die Tanzeinlagen um so faszinierender.
Erstaunt bemerkte ich dass ich einige der Akrobaten kannte. Es
handelte sich um die gleichen Leute die mein Auto bemalt hatten. Ich
bestaunte Ihre Show und erkundigte mich wann sie Sprayen kommen
möchten. "Dieses Wochenende nicht" erfuhr ich. "Es ist so gutes
Wetter, da sind viele Leute unterwegs, da müssen wir noch ein paar
Shows machen und etwas Geld verdienen. Anfang nächster Woche sind wir
da." Wurde ich vertröstet. Für solche Situationen hab ich natürlich
Verständnis. Geld geht vor. Ich finde es immer wieder erstaunlich wie
viele Menschen Ihren Lebensunterhalt durch nicht ganz alltägliche,
selbstbestimmte Jobs erwirtschaften. In Deutschland kannte ich nicht
einen einzigen der auf diese oder ähnliche Weise gelebt hätte. Seit
ich reisend unterwegs bin, treffe ich die irgendwie andauernd. An
diesem Tag gleich zwei verschiedene Gruppen, denn nur wenige Minuten
später applaudierte ich für meine Freunde vom Vorabend die gerade ihre
Keulen und Messerjonglage auf Einrädern beendeten.
Da ich meine Graffiti Leute nicht fand, und die versprochene E Mail
bei mir nicht einging, verbrachte ich die Nächsten Tage im See Garten.
Nahe meines alten Parkplatzes, an einem hässlichen Betonmunament das
allen Anschein nach zu ehren eines Massenmörders errichtet wurde -
zumindest hält der Kerl ne Pistole in der Hand - treffen sich quasi zu
jeder Tages und Nachtzeit Hundehalter um ihre Tiere spielen zu lassen.
Hier gibt es nicht nur große Wiesen um die Tiere toben zu lassen,
sondern obendrein noch einige öffentliche Sitzmöbel auf denen man sich
niederlassen kann um seinem Hund beim spielen zuzuschauen. Ein idealer
Platz um darauf zu warten dass meine Maler mir mitteilen wann sie zu
kommen gedenken. Scheki ist eh ein wenig ängstlich fremden Artgenossen
gegenüber, das hier ist ein prima Ort um ihm diese Angst zu nehmen.
Traurig stimmt mich nur das fast jeder einen Rassehund besitzt. Kaum
ein Halter bietet einem Straßenhund ein Zuhause, und das wo es hier
solche Mengen davon gibt. Aber nein, der Mensch braucht einen Cocker,
einen Jack Russel, einen Pitt Bull oder Staff selbst so entstellte und
überzüchtetet Hunde wie Möpse sind hier schwer in Mode. Wenn ich die
Menschen frage wo sie Ihren Hund denn her haben, bekomme ich nicht
etwa eine Antwort wie: "Vom Züchter. Aus dem Tierheim, oder auf der
Straße gefunden." Nein Ganz unverblümt Antworten mir diese Menschen:
"Den hab ich im Geschäft gekauft." Ich habe solche Geschäfte gesehen
und auch Fotografiert.
In jedem dieser "Aquarien" befindet sich ein kleiner, in Einzelhaft
eingesperrter Welpe. Es gibt unzählige dieser "Geschäfte" hier in
Varna. Manche Tiere wirken auf den ersten Blick viel zu jung um von
der Mutter getrennt zu leben, andere sind schon gut und gerne 3
Monate. Es ist mir bis jetzt noch nicht gelungen herauszufinden was
mit den Tieren geschieht die nicht verkauft werden. Wahrscheinlich
kann man sie nachts hinter dem Laden Containern. Wenn man sich dabei
allerdings erwischen lässt, wird einem Diebstahl unterstellt. Mir
vergeht jedenfalls die Lust mich mit einem dieser "Tierfreunde" zu
unterhalten nachdem er mir mitteilte dass er seinen Hund im Geschäft
gekauft habe.
Deswegen beschließe ich am 13. November den Industriehafen unsicher zu
machen. Neben einer Werkshalle, auf nicht eingefriedetem Gelände,
stehen einige Ölfässer herum. Ich bin entsetzt! Die Meisten der Fässer
sind nicht verschlossen, Regen kann sich ungehindert mit dem Altöl
vermischen. Irgendwann läuft das Fass dann über, da Öl leichter ist
als Wasser, das Öl zuerst. Mehr oder weniger nahtlos geht
unversiegeltes Erdreich in eine geschlossene Teerdecke über.
Wie viele Liter Grundwasser verseucht ein Tropfen Öl gleich Noch mal?
10 000?? 100 000?? Ein Wunder das Varna überhaupt noch über
Trinkwasser für seine Bevölkerung verfügt! Jeder kann diese Sauerei
sehen, und niemand unternimmt etwas dagegen. Auch wenn ich ständig
gegen Deutschland lästere, aber an dieser Stelle muss ich einmal
bemerken das Regeln und Freiheitseinschränkungen auch etwas gutes mit
sich bringen. In Deutschland würde das A..loch das dafür
verantwortlich ist in den Knast wandern. Und das ist verdammt noch mal
auch richtig so!
Ich gehe weiter und erhasche wenig später einen Blick der beinahe
üdjlisch wirkt. Ich betrachte die Wasseroberfläche: Es sind keine
Ölschlieren sichtbar.
Mein Weg endet an einem Hafenbecken, hinter einer Eingezäunten
Ölraffinerie. Ich möchte nicht wissen welche ökologischen Verbrechen
sich hinter dem Zaun der Anlage abspielen. Deshalb genieße ich die
Aussicht in die andere Richtung.
Am Abend, ich bewege mich gerade mit einem Tutmanek in den Händen in
die Richtung eines öffentlichen Sitzmöbels begegnet Scheki Siggi.
Siggi ist ein 7 Monate alter Jack Russel Rüde der sich nicht so recht
entscheiden kann ob es gerade interessanter ist meinen Scheki zum
spielen aufzufordern oder den Boden nach Nahrungsmitteln abzusuchen.
Noch während die beiden sich beschnüffeln werde ich angesprochen.
"Sorry, English? German?" "That´s your one? Where are you from? Take a
look to my doog, I want to by some lunch." Noch bevor ich antworten
kann verschwindet mein Gesprächspartner in einer Dönerbude und ich
habe 2 Hunde. Fünf oder acht Minuten später steht der Kerl wieder
neben mir. "Were is my dog?" "Äh … somewhere over there. He is not
listening to me." "Were do you stay?" werde ich gefragt und ich
antworte in meinem Wohnmobil. Die nächste Frage lautete: "You like to
see some hostel?" Ich erklärte kein Hostel zu benötigen, da ich ein
hübsches Wohnmobil besitze, aber mein Gesprächspartner gab mir zu
verstehen dass man sich Hostels auch anschauen kann wenn man nicht
darin schlafen möchte. Da ich nichts Besseres vor hatte folgte ich
meinem neuen Bekannten.