Wohnmobil Reisebericht Varna (Bulgarien)

Gegen Mittag erreichte ich die Stadtgrenze Varna. Eine Brücke führte mich über das Hafenbecken, rechts unter mir eine Bauwagensiedlung. Ich setzte den Blinker und parkte kurz darauf neben diesen Wägen. Der Blick aus meinem Fenster könnte für einen Großstadtaufenthalt nicht besser sein.

Leider waren die Bauwagen nicht bewohnt sondern einfach nur dort abgestellt. Nach einem ausgiebigen Frühstück machte ich mich am 4. Oktober auf, Varna zu erkunden. Ich folgte der Küstenlinie, durch den Industriebahnhof, vorbei an baufälligen Werkshallen,

hinein in den "See garden". Ähnlich wie Burgas hat auch Varna eine gigantisch große Parkanlage die zwischen Stadt und Strand angelegt ist. Als erstes erreichte ich das Kriegsmuseum. Unübersehbar wurden hier alte Kriegsschiffe im Park abgestellt.

Am Schiff ist eine Messingtafel angebracht, darauf steht in nahezu fehlerfreiem Deutsch zu lesen:
"Während des Balkankrieges 1912 -1913. In der Nacht zum 21. November, torpedierte das Kampfschiff "Draski" vom Geschwader der bulgarischen Torpedoboote erfolgreich den türkischen Kreutzer "Hamidie". Diese ruhmreiche Heldentat der Matrosen ist in die Kampfgeschichte der bulgarischen Seestreitkräfte eingegangen."
Gerade den letzten Teil dieses Textes würde ich aber gerne mit eigenen Worten wiedergeben. Im Grunde steht doch da nix anderes als:
"In der Nacht zum 21. November 1912 tötete die Besatzung des bulgarischen Kriegsschiffes "Draski" die Menschen auf dem türkischen Kreutzer "Hamidie". Diese ruhmreichen Mörder werden noch heute als bulgarische Volkshelden verehrt."
Krieg ist widerlich, und Soldaten sind Mör… . Nein, hier wurde die Meinungsfreiheit durch einen Gerichtsbeschluss eingeschränkt.
Ich verlasse das Museum für Massenmörder-Equipment und folge der Küstenlinie weiter nordwärts.

Kurz vor 5 Uhr erreiche ich einen öffentlichen Swimmingpool. Dampf steigt vom Wasser auf, und es riecht nach faulen Eiern. Aus einigen Duschen rieselt unaufhörlich ein heißer Wasserschwall, im Pool räkeln sich einige ältere Herrschaften im heißen Heilwasser. Nicht nur in Griechenland gibt es Thermalquellen, nein auch in Varna! Ich nutze die Treppen gegenüber des Pools. In engen "Serpentinen" winden sie sich neben einem Wasserfall dem "See Garden" entgegen.

Von hier oben hat man einen guten Überblick über die Strände von Varna.

Gemütlich schlendere ich durch die Parkanlage zurück Richtung Auto. Unzählige Hundehalter gehen hier spazieren und ebenso viele herrenlose Straßenhunde begrüßen meinen vierbeinigen Begleiter. Schecki freundet sich mal wieder mit einem dieser Tiere an und beginnt ein ausgelassenes Nachlaufen Spiel. In diesem Moment erschalt ein Ruf: "Stefan?!" Im Grunde fühle ich mich nicht angesprochen, ich bin keine 48 Stunden hier, wer sollte mich schon rufen? Dennoch drehe ich mich um. Tatsächlich, der Ruf galt mir! In einiger Entfernung steht Danny, mein Freund aus Varvara. Auch er hat seinen Hund dabei und unterhält sich gerade mit einer anderen Hundehalterin. Spontan beschließen wir unser zufälliges Wiedersehen gebührend zu feiern. Da es langsam kühl wird beschließen wir erst einmal bei meinem Freund vorbeizuschauen. Dann kann er seine mittlerweile 11-jährige Hündin daheim lassen und wir können uns etwas Warmes anziehen. Ich bekomme eine Jacke geborgt. Danach machen wir die Stadt unsicher. "There is a Second Hand shop! Let me take a look"! Rufe ich begeistert als ich das Geschäft für gebrauchte Bekleidung entdecke. Ich erkläre meinem Freund, dass ich dringend einige neue Kleidungsstücke erstehen müsse, da alles was ich besitze entweder noch von vor meiner Abreise stammt oder irgendwo am Strand gefunden wurde. Mit Danny geht es auf Shopping Tour. Auch er benötigt einige neue Dinge lässt er mich wissen. Gut und gerne acht oder neun Second Hand Läden betreten wir bevor die Geschäfte schließen und wir uns mit einer Vorratsflasche Bier im Park niederlassen. Gekauft habe ich noch nichts, aber Preise verglichen und einige Dinge ins Auge gefasst.
Am 5. Oktober wandere ich nicht am Strand entlang sondern nehme mir die Fußgängerzone vor. Abends treffe ich mich wieder mit Danny und gebe die Jacke zurück. Kurz vor Mitternacht nähere ich mich meinem Wohnmobil. Es riecht nach verbranntem Plastik, Rauch steigt auf und ich sehe Flammen. Verdammt, die Karre brennt! Ich beginne zu rennen und atme erleichtert auf als ich auf meinen Parkplatz einbiege. Mein Fahrzeug brennt nicht. Es haben sich lediglich einige Menschen über die volle Mülltonne geärgert und die bulgarisch bzw. albanische Art der Abfallentsorgung angewendet.

Noch am nächsten Morgen steigen giftige Rauchwolken aus der Mülltonne empor. Ich starte den Wagen und fahre zum nahe gelegenen Kaufland Markt. Seit Ewigkeiten war ich nicht mehr gescheit einkaufen, meine Vorratschränke sind, abgesehen von selbst eingekochtem Ketchup, leer wie die Bierflasche die ich mir gestern mit Danny geteilt habe. Ein Security Mitarbeiter verbietet mir das Parken auf dem supermarkteigenen Parkplatz. Also parke ich nur wenige hundert Meter vom Markt entfernt auf öffentlichem Gebiet. Ich hole einen Einkaufswagen und schiebe ihn Richtung Auto. Als ich die Parkfläche des Marktes verlassen will werde ich vom gleichen Sicherheitsmitarbeiter aufgehalten. Er hat Angst ich wolle den Einkaufswagen stehlen. Glücklicherweise spricht er Englisch und so kann ich ihm erklären dass ich den Wagen benötige um einige Pfandflaschen anzukarren. Wenn ich nicht auf dem Marktgelände parken darf, muss der Wagen halt vom Gelände runter. Der Mann hat Verständnis für mein Problem und lässt mich gehen. Kurz darauf kehre ich mit rund 300 Flaschen zurück. Die Rückgabe erweist sich als schwierig. Bierflasche Sorte A in Kasten Sorte A und zählen, dann Sorte B in Kasten B und wieder zählen. Für jede Sorte wird ein anderer Preis gezahlt, einige Flaschen werden erst gar nicht angenommen. Am Ende erhalte ich einen Einkaufsgutschein im Wert von 46 Leva. Ich gehe zurück zum Wagen und bringe die nicht angenommenen Flaschen zurück. Wieder muss ich dem Security Officer mein Vorhaben erklären. Dann gehe ich shop pen. Umgerechnet 60 Euro zahlte ich für meine Einkäufe. Das müsste jetzt aber auch für die nächsten 2 - 3 Monate reichen. Nach meinem Großeinkauf fuhr ich nicht zurück zu meinem alten Stellplatz, dort stinkt es mir zu sehr. Ich hatte einen ähnlich schönen Platz im Verladebahnhof entdeckt an welchem es obendrein noch offenes Internet gibt. Gegen 19 Uhr parke ich auf dieser Fläche. Nichts wie auf in die Stadt, ich bin mit Danny verabredet. Gemeinsam besuchen wir ein Open Air Festival mit guter Stimmung und grauseliger Techno- Musik im See Garden. In der Nacht, ich sitze vor dem PC und freue mich über Internet im Wohnzimmer, klopft es an meiner Türe. Draußen steht die Polizei. Hier sei es zu gefährlich belehren mich die Ordnungshüter, zu viele Zigeuner, wenn ich Pech hätte, würde ich erwachen und mir würden die Reifen fehlen. Ich solle doch die wenigen hundert Meter zurück auf den hell erleuchteten Parkplatz fahren. Da soll mal einer sagen Deutschland hätte ein Problem mit Rassismus. Hier sind selbst die Bullen Nazis. OK, das sind sie in Deutschland auch häufig, aber sie würden es nie so offen zugeben. Ich verspreche den Ordnungshütern nach dem Erwachen umzuparken und sie ziehen von dannen.
Wie versprochen parke ich am Morgen um. Jetzt ist es vorbei mit Internet im Wagen. Das Wetter ist ekelig, ein feiner Nieselregen fällt unaufhörlich vom Himmel. Ich koche eine Kanne Kaffee und mache es mir vor dem Rechner gemütlich. Schließlich habe ich auch offline etwas zu tun. In der Nacht hört es auf zu regnen, ich beschließe noch einmal mit meinem Hund vor die Türe zu gehen. Vor dem Kopernikus Observatorium,

einem beliebten Treffpunkt für junge Menschen begegne ich Zee. Ihn hatte ich bereits vor 2 Tagen kennen gelernt und einige Worte mit ihm gewechselt. Zee´s Mutter ist Bulgarien, sein Vater kommt aus Pakistan und aufgewachsen ist er in Bosten (USA). Nach den Terroranschlägen vom 11. September wurden die Visa Bedingungen für Ausländer in den USA geändert. Zee´s Aufenthalt in diesem Land wurde somit kriminalisiert. Nach Ablauf seines Visas versteckte er sich eine Zeit lang vor den Behörden, wurde irgendwann erwischt und wanderte in den Abschiebeknast. Vor etwas mehr als einem Jahr kam er mit nicht mehr als den Dingen die er am Leib trug am Flughafen Sofia an. Es verschlug ihn nach Varna wo er seitdem bei Freunden wohnt, erzählte er mir.
"Come on, I show you something. If you havens seen this, you haven't seen Varna!" Fordert er mich auf ihm zu folgen. Da ich nichts Besseres vor hatte folgte ich ihm. Gemeinsam marschierten wir durch den See Garden und durch dunkle Seitengassen. Kurz vor Mitternacht erreichten wir ein gigantisches Betonmonument. Hier ein Bild das ich zwei Tage später bei Tageslicht aufgenommen habe.

Laut Zee´s Informationen wurde es zu Zeiten des Kommunismus errichtet und verfällt heute mehr und mehr. Das Innere des gigantischen Bauwerks ist hohl, durch eine aufgebrochene Türe kann man es betreten und auf dessen Dach klettern um die Aussicht zu genießen. Genau das taten wir.

Leider war der Himmel so wolkenverhangen, dass es mir nicht möglich war ein Bild von dem Nachtpanorama aufzunehmen. Hier, an diesem Monument soll sich der Eingang zu einer Bunkeranlage befinden. Sage und schreibe 300000 Mann sollen in den Luftschutzbunkern Platz finden und es soll möglich sein durch Tunnelanlagen unter Varna bis hinunter zum Strand zu gehen. Niemand wisse so genau wo der Ausgang sei, und das Betreten sei gefährlich da sich in Teilstücken der alten Anlage irgendwelche Gase ausgebreitet haben die den Sauerstoff verdrängt haben. "Let us discover this dangerous Place"! forderte ich meinen neuen Freund auf. "Now?" "Not now, we need equipment. In two days, than I have time to charge a lot of Batteries for the flash lides." OK, I come whith you." Noch in der gleichen Nacht planten wir eine Expedition in den Untergrund von Varna die wir am 9. Oktober tatsächlich in die Tat umsetzten.
Am Morgen des 8. Oktobers klopfte es an meiner Türe. Draußen stand eine Gruppe Leute. Angeblich die Betreiber des Parkplatzes. 10 Euro Parkgebühren forderten sie von mir. Ich erklärte, dass ich mir zu 100% sicher sei, dass dieser Parkplatz gebührenfrei ist da es mir die Polizei erzählt habe und wenn ihre Forderung tatsächlich rechtsmäßig sei, sollen sie doch bitte die Polizei verständigen da ich ohne deren Anwesenheit nicht im Traum daran denke zu bezahlen. Ein Wortschwall bulgarischer Beschimpfungen drang an meine Ohren. Mit den Worten: "I know, you are criminals!" Schloss ich die Türe von innen. Kurz darauf erzitterte mein Fahrzeug unter den Fußtritten dieser Erpresser. Ich schnappte mir die Axt die neben dem Kamin lehnt und eigentlich dazu dient Brennholz zu zerlegen und sprang unter einem lauten Aufschrei: "Fucking Criminal Bastards! Run away!" Aus dem Wagen. Die Kriminellen taten das wozu ich sie aufforderte, sie rannten davon. Ich hielt es für eine dumme Idee hier meinen Wagen unbeaufsichtigt zu lassen, räumte fahrfähig und fuhr zu einem anderen Parkplatz.
Weiter geht es in den Bunkern Varna´s.

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