Wohnmobil Reisebericht Varvara (Bulgarien)

Am nächsten Morgen schlief ich lange. Nach dem Erwachen kochte ich eine Kanne Kaffee und gesellte mich zu meinen Nachbarn. Von hier betrachtete ich den Blick über Sebo´s Outdoorküche auf meinen Wagen.

Schaut irgendwie cool aus. Am späten Nachmittag startete ich den Motor und fuhr zu meiner alten Parkfläche zurück. Am Abend kaufte ich 10 Liter Bier um mich bei Sebo und seinen Freunden für die Bewachung meines Fahrzeugs zu bedanken. Mit Jens und Eva hatte ich mir gleich deutschsprachige Tischnachbarn mitgebracht.
Am späten Nachmittag des 27.07.2010 machte ich mich wie immer auf, Richtung Varvara. Ich sollte mein Ziel allerdings nicht erreichen. Auf halbem Weg kam mir ein VW Bus entgegen. Er parkte, der Fahrer sprang aus dem Fahrzeug und öffnete die Schiebetüre. Sein putziger Dackelverschnitt freundete sich mit Scheki an und ich unterhielt mich mit Slavi, dem Fahrer. Er habe ein „Sound System“ dabei und wolle hier eine Party feiern. Es kämen auch noch zwei andere Deutsche die er bereits in Varna kennen gelernt habe, erzählte er. Slavi musste mich nicht lange überzeugen bis ich ihm half seine mannshohen Lautsprecher zu tragen, die Kabeltrommel auszurollen und die Party Location zu errichten. Kurz darauf kamen dann Jens und Eva, im Schlepptau hatten sie Chris, einen Rucksackreisenden aus Österreich sowie Patja, eine junge Bulgarin aus Varna die sich dort spontan mit Slavi zusammengeschlossen hat und seitdem dauerhaft sein Fahrzeug trampt. Schlafen tut sie meist vor seinem Auto. Bis Mitternacht waren wir zu sechst, dann aber hatte es sich im Ort herum gesprochen dass hier eine Party steigt und innerhalb von wenigen Minuten erreichten uns knapp 1 Dutzend Fahrzeuge mit gut und gerne 50 Mann. Die meisten kannte ich bereits. Wir feierten bis zum Sonnenaufgang.
Die nächsten Tage verbrachte ich mit Jans, Eva, Slavi und Patja.

Wir nutzen mein Schlauchboot als Badeinsel und spielten „ins Wasser schubsen“, wir kochten gemeinsam unterhielten uns oder stimmten darüber ab wer Bier kaufen geht. Es war lustig. Um nicht jedes Mal den Generator rausstellen zu müssen koppelten wir Slavis Computer mit meinem Radio. Das bringt zwar bei weitem nicht so viel Power wie seine XXL Anlage aber für uns paar Leute reicht es voll und ganz aus. Am morgen des 1.8.2010 wollten dann alle abreisen. Am Abend feierten wir eine letzte Abschiedsparty. „Slavi, hast du alles?“ fragte ich nachdem wir Stühle und ähnliches Equipment hin und her getragen hatten. „Jo, ich denke schon“ erhielt ich als Antwort. Als ich mein Fahrzeug betrat stand auf meinem Tisch ein Computer der definitiv nicht meiner war. Um es zu verhindern am frühen Morgen geweckt zu werden weckte ich meine Freunde. Dankbar stand Slavi noch einmal auf. Dennoch wurde ich zeitig geweckt. Wie vereinbart klopften Jans und Eva. Sie wollten mich bis Tzavero mitnehmen, dort wollte ich etwas einkaufen und zu Fuß den Rückweg antreten. Doch meine Freunde brachten mich noch nach Hause, so dass ich meine tragbaren Wasserreserven auffüllen konnte. Am frühen Nachmittag wurde ich dann endgültig verlassen.

Gute Reise, und passt auf euch auf.
Mir blieben nur wenige Tage Zeit um das Chaos der Partywoche zu beseitigen. Am Nachmittag des 4.8.2010 wanderte Peter auf meinen Parkplatz. Forenleser und Chatter kennen Peter sicherlich besser als blabla.
Ich hatte ihm meine GPS Daten mitgeteilt, so dass er mich ohne größere Schwierigkeiten fand. Schnell parkten unsre Autos nebeneinander.

Die Seitenfenster von Peters Wagen waren knastartig vergittert. „Findest Du das nicht ein bisschen albern? Wenn ich da rein wollen würde, würde ich eh nicht die Glasscheiben zerdeppern, sondern mit `nem Schraubenzieher Dein Plastikfenster öffnen. Das dauert keine 5 Minuten, und da hast Du kein Gitter.“ „Das ist nicht gegen Einbrecher, aber so kann ich bei geöffnetem Fenster schlafen und mir sicher sein dass nicht plötzlich wer in meinem Wagen steht.“ Da hat er Recht, so weit hatte ich nicht nachgedacht. Nachdem dieses Missverständnis geklärt war zauberte Peter einige kalte Flaschen Bier aus seinem Kühlschrank hervor. Mit Sonnenuntergang trugen wir dann Stühle, Bier und Kerzen hinunter zum Meer wo wir bis weit nach Mitternacht sitzen blieben und uns unterhielten.
Nach einem kleinen Frühstück am nächsten Morgen fragte mich Peter nach Lötzinn. Aus der Regelung seines Ventilators war ein Kabel ausgerissen, welches er anlöten wollte. Ich konnte ihm helfen. Da ich deshalb eh noch einmal meine Hecktüre öffnen musste nutzte ich die Gelegenheit um das Hornissennest zu fotografieren, welches ich bereits entdeckte als mich Jens nach einer Fettpresse fragte.

Diese dreisten Tierchen nisten doch einfach in meinem Werkzeugschuppen. Ich habe beschlossen sie in Ruhe zu lassen, lieber ein paar Hornissen als Millionen von Mücken.
Anschließend ging es schwimmen. Was heißt es ging schwimmen? Peter geht nur planschen und dazu ist mein Strand mit felsigem Untergrund nun weniger geeignet. Aber ich sprang mit Flossen und Schnorchel ausgerüstet in die Fluten. Rund 40 Minuten später kehrte ich mit einem halben Kilo Miesmuscheln zurück. Schließlich wollte ich Peter, einen treuen Leser meiner Homepage auf ein richtiges Low Budget Essen einladen. Wir kochten die Tierchen, schälten sie aus ihren Häuschen und rührten sie in Reis welchen wir mit Suppenwürfeln würzten. „Richtig lecker, darauf wäre ich selbst nie gekommen,“ meinte Peter. Am Abend nutzen wir dann meine Internetbank in Varvara

Links im Bild erkennt man einen Straßenhund aus Varvara der seit einer guten Woche unter meinem Fahrzeug schläft und mir überall hin folgt. Auf dem Rückweg stoppten wir noch für eine Weile bei einigen meiner Freunde die im Wald ihr Lager errichtet hatten.

Am Mittag des 7.8.2010 wurde ich dann auch schon wieder alleine gelassen. Peters Vignette läuft ab und er hat keine Lust noch einmal eine Neue zu kaufen. Außerdem muss er in wenigen Tagen seine Frau am Istanbuler Flughafen abholen. Dann fährt er mit ihr zusammen 2 Wochen durch die Türkei bevor er seinen Weg nach Indien alleine fortsetzt. Ich erhielt gänzlich alle Wasserreserven die Peter an Bord hatte. Zum ersten Mal in meinem Leben verfüge ich über Wasser das mit Silberionen haltbar gemacht wurde. Vielleicht sollte ich mir so etwas auch mal kaufen, denn das Wasser in meinem Tank ist mal wieder umgekippt. Es richt faulig eklig und ich versorge mich seit meiner Rückkehr aus Sofia nur noch aus Kanistern und PET Flaschen. Nach der Umfüllaktion fuhren wir gemeinsam zum Friedhof von Varvara. Hier gibt es einen Wasserhahn um Peters Tanks wieder zu befüllen. Leider war sein Schlauch 2 Meter zu kurz so dass wir 100 Liter tragen mussten. Hätten wir doch meinen Schlauch mitgenommen. Danach ging es noch einmal kurz ins Internet, und anschließend nahm mich Peter mit nach Tzavero. Vor dem Supermarkt trennten sich unsere Wege, ich hielt es für eine dumme Idee jetzt schon einzukaufen wenn ich den Rückweg erst so gegen 19 Uhr antreten wollte.
Am Abend kreuzte ich das Camp meiner Freunde. Bereits vor 3 Tagen hatte ich versprochen meine Gitarre mitzubringen. Ich hatte sie schon wieder nicht dabei. Ich erledigte das, was ich erledigen wollte, und ich ging zurück mein Instrument zu holen. Den restlichen Abend verbrachten wir bei bulgarischer Gitarrenmusik.

Am Abend des 11.8.2010 traf ich mich mit Gabriela in Varvara. Gabriela kommt aus Tschechien und ist englisch Lehrerin. Noch bevor wir meinen Wagen erreichten wurden wir von meinen Nachbarn abgefangen. Auf der Klippe meines Strandes campt seit 3 Tagen ein etwa 50 jähriger Bulgare mit seiner sage und schreibe 78 jährigen Mutter. Eine Verständigung ist nicht möglich, dennoch lassen es sich die Beiden nicht nehmen mich, wann immer ich ihr Camp passiere, auf ein Gläschen ihres selbst gebrannten Rakias einzuladen. Die Brühe ist absolut widerlich, aber die Herzlichkeit der Beiden ist es allemal Wert das Zeugs hinunterzuwürgen. Diesmal hatte ich einen Dolmetscher dabei. Zwar war Gabriela auch nicht der bulgarischen Sprache mächtig, aber bulgarisch und tschechisch sind wohl irgendwie artverwandt so dass jeder in seiner Sprache sprechen kann und sein Gegenüber ihn bruchstückhaft versteht. Spät in der Nacht wurde das Wort Couchsurfing dann in Bootsurfing umbenannt.

Am nächsten Morgen, wir saßen gerade beim gemeinsamen Frühstück und beschlossen den Tag unweit meines Strandes an einer einsamen Bucht verbringen zu wollen, fuhr ein Auto auf meinen Parkplatz. Es war Slavi der bereits gestern zurückgekehrt war und sich nach einer seiner Partys nun auf meinem ruhigen Standplatz ausschlafen wollte. Nach einer kurzen Begrüßung und einem gemeinschaftlichen Kaffee fragte ich Slavi ob er mir nicht seine Harpune borgen wolle. Er wollte! Kurz darauf zogen wir los. Alles was wir benötigten packten wir in mein Schlauchboot und knoteten an dieses eine Hundeleine. Diese befestigte ich an meinem Brustkorb und wir sprangen ins Wasser um „unsere“ Bucht schwimmend zu erreichen. Während sich Gabriela einem Sonnenbad widmete, widmete ich mich dem Harpunenfischen.

Ich weiß nicht wie viele Male ich hier schon mit Brille, Schnorchel und Taucherflossen bewaffnet in die bizarre blaue Welt unter Wasser abgetaucht bin, aber diesmal war es anders. Ich fühlte mich so, wie sich wohl eines der Kinder fühlen muss die ich beobachte wenn ich, was selten vorkommt, ein Internetcafe betrete. Diese Kinder sitzen vor dem bläulich schimmernden Bildschirm, blicken über zwei Arme hinweg die eine Schusswaffe halten und ballern auf alles was ihnen in die Quere kommt. Auch ich befinde mich nun in einer bläulichen, mir fremden 3 dimensionalen Welt, in der ich mich nicht nur nach links und rechts, sondern auch nach oben und unten bewegen kann. In den Händen halte ich eine schussbereite Waffe über welche ich hinwegblicke und warte auf den „Feind“ oder besser auf mein Mittagessen. Ich tauche lange, vorbei an Riffen und Seeanemonen, durch kleine Schwärme grünlich phosphorisierender, aber ungiftiger Quallen und lasse mich an seichten Stellen von Seetang am Bauch kitzeln. Ich beobachte Hummer und Krebse und sehe hier und da sogar einen Fisch auf den ich schieße. Leider bin ich ein ungeübter Harpunenschütze, so dass der Pfeil sein Ziel teilweise um einen guten Meter verfehlt. Irgendwann bekomme ich Hunger, bringe die Harpune weg und sammele einige Muscheln die wir auf meinem mitgenommenen Campingkocher noch am Strand zubereiten.
Am nächsten Morgen werde ich dann auch schon wieder alleine gelassen. Ich verfalle in meinen alten Rhythmus: Programmieren, Audiodateien aufzeichnen, schwimmen gehen und in der Nacht Party feiern. Ich bin fast fertig!
Am 17.08.2010 beschließe ich nach Achtopol zu wandern. Diese Stadt ist keine 10km von meinem Parkplatz entfernt und ich habe es noch nicht geschafft sie mir anzuschauen. Begleitet werde ich dabei von Scheki und „großem Mann“. So habe ich den putzigen Schäferhundverschnitt getauft der mir seit Wochen nicht mehr von der Seite weicht. Nach knapp 3 Stunden Marsch, und gut zwei Dutzend beinahe Herzinfarkten weil „Großmann“ vor jedem Auto glaubt die Straßenseite wechseln zu müssen und jedes Mal nur um Haaresbreite einem Unfalltod entkommt, erreiche ich mein Ziel.

Genau wie Tzavero und Sarti ist auch Achtopol ein Touristenkaff. Schön ist anders, auch wenn’s auf dem Foto recht idyllisch wirkt. Aber wenigstens gibt es hier eine Wechselstube. Genau diese betrete ich, nicht weil ich Geld brauche, aber in zwei Tagen kommt meine Mutter, und ich habe ihr versprochen ihr ein wenig Kleingeld zu wechseln damit sie am Flughafen nicht die horrenden Wechselkurse zahlen muss. Noch ein kleiner Einkauf am Supermarkt und ich mache mich auf den Rückweg. Vor der Bar eines Campingplatzes steht ein mini Motorrad. Neugierig und vielleicht auch ein wenig neidisch auf dieses winzige Vehicle betrachte ich es. „Harley Davidson“ ruft es von einem Tisch. Der Mann steht auf, steckt den Schlüssel ins Zündschloss, zieht an einem Seil, ähnlich als wolle er einen Rasenmäher starten und überreicht mir die laufende Maschine. Ich nehme für eine Probefahrt Platz. Scheki und Großmann folgen mir laut bellend. Wirklich lustig das Teil, und gar nicht mal so langsam auch wenn ich unter bequem etwas anderes verstehe. Nach der Probefahrt werde ich noch auf ein Bier eingeladen. Was einem außerhalb von Deutschland nicht alles passieren kann wenn man neugierig ein Kraftfahrzeug beäugt. Für ein ähnliches Handeln hab ich mir vor einer deutschen Eisdiele mal fast `ne Tracht Prügel eingefangen. Nach dem Bier verabschiede ich mich von meinem neuen Freund, Großmann schläft einen festen Hundeschlaf. Die ideale Möglichkeit das Tier los zu werden. Aber ich bringe es nicht über das Herz und wecke den Kerl. Schließlich kennt er sich hier nicht aus. Auf dem Rückweg fotografiere ich ausnahmslos jeden Strand der sich zwischen Achtopol und Varvara befindet.

Am Abend ging ich ins Internet. Maileingang von meiner Mutter: „Mein Flieger geht planmäßig, bis morgen, ich freu mich.“ Wie bis morgen?? Ich denke die kommt übermorgen. Ich überprüfe ihr Ankunftsdatum mit dem aktuellen Wochentag. Tatsächlich, meine Mumm kommt morgen. Ich habe mich vertan. Mehr oder weniger im Laufschritt ging es zu Schopper. Bei ihm hatte ich ein Zimmer reserviert und ich wollte mich am Vorabend mit ihm treffen um zu vereinbaren wann wir losfahren um meine Mutter abzuholen. Schopper hatte lange auf mich gewartet übersetzt ein englischsprachiger Gast die Worte seiner Frau. Dann sei er zu Freunden nach Achtopel gefahren. Wir telefonieren und vereinbaren ein Treffen für sieben Uhr am nächsten Morgen. Ich gehe nach Hause und räume mein Fahrzeug auf.
Pünktlich um 7 stehe ich vor Schoppers Haus. „Hast Du Deinen Führerschein dabei? Ich hab gestern lange gefeiert und fühle mich nicht so toll, wäre klasse wenn Du fährst.“ Ich starte Schoppers MB100 und kurz darauf befinden wir uns auf der Hauptstrasse Richtung Burgas. Nach einer knappen Stunde sehe ich zwei Tramper. Ich gehe vom Gas und setzte den Blinker rechts. „Was machst Du da?“ fragt mich der Fahrzeugbesitzer. „Na die Zwei da aufsammeln, hier ist doch genug Platz.“ „Ne, fahr mal weiter, ich hab keine Lust jetzt auszusteigen und die Türen zu öffnen.“ Ich verstehe die Welt nicht mehr, das sind also Gründe warum Tramper stehengelassen werden: Zu faul die Türen zu öffnen. Ich fahre weiter. Gut 40 Minuten zu früh erreichen wir den Flughafen. Um halb zehn schritt meine Mutter aus dem Ankunftsgate.

Weiter geht´s zu zweit.

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