Yo-Ho Hoste Varna

"My Name is Stefan." Stellte sich mein neuer Freund vor während er die Eingangstüre von Yo-Ho Hostel Varna entriegelte. "I am also Stefan, nice to meet you." Mein Hund folgte Siggi ins innere der Herberge. Wir betraten den Hausflur. Wände und Decke waren von echten Künstlern zu einer Unterwasserlandschaft gestaltet worden. Ich folgte meinem Namensvetter in den zweiten Stock. Hier entriegelte er eine weitere Türe und wir betraten das innere des Hostels. Stolz zeigte mir Stefan die Räumlichkeiten "Take a Picture if you like!" wurde ich aufgefordert. "Thats ouer prices!" Stefan deutete auf eine aushängende Preisliste.

Ich fragte mich was ich hier soll. Stefan schätze ich so um die 30, er sah eigentlich nicht so aus als wenn er mich als Kunden betrachtet. Mehr als Kumpel, und jetzt zeigt der mir Hotelzimmer und das wo ich ihm ganz klar zu verstehen gegeben habe das ich ein Wohnmobil besitze. "Come whith me, my friends are upstairs in the livingroom!" Freund oder Buisness Mean? Was den nun? Ich folgte Stefan die Treppe hinauf. "By carfull, your Had!" Stefan deutete auf einen dicken Balken der genau in Kopfhöhe den Dachstuhl stützt. Ich zog meinen Kopf ein und schritt durch die niedrige Türe die vor mir lag. Dahinter erstreckte sich ein rund 2 Meter langer Tunnel. Stehhöhe, Fehlanzeige! Am Ende des Tunnels lehnt eine Lattenkonstruktion die mit Leinwand bespannt ist. Stefan hebt sie zur Seite und wir betreten den Aufenthaltsraum von Yo-Ho Hostel Varna.

Ein gutes Dutzend Leute lümmeln sich auf alten Sofas, im Hintergrund läuft ein Fernseher. Die Klimaanlage surrt leise vor sich hin, es richt nach Zigarettenrauch und Bier. "Sit down, take a beer." Stefan reicht mir eine gut gekühlte Flasche Zagorka und ich setze mich. Einige Leute kenne ich bereits aus dem See Garten. Da ist der Typ dessen Skateboard ich Probe gefahren bin und einer von den Kerlen von dem Straßenzirkus. "Nastrovje!" Ich lehne mich auf der Couch zurück und Scheki nimmt neben mir Platz. "Woher? Wohin?" Die übliche Vorstellungsprozedur. "Wie kommst du nach Yo-Ho?" "Stefan hat mich gefragt ob ich mir ein Hostel anschauen mag, und ich hab nicht nein gesagt." "Feel welcome!" Ein kurzer Regenschauer prasselt auf das Dachfenster und ich freue mich im trockenen zu sitzen. Schnell habe ich mich mit allen angefreundet. Ausnahmslos jeder spricht Englisch. Zurzeit hat Stefan nur 5 Gäste. 3 Franzosen und zwei Deutsche die auch gleich kommen müssten lässt er mich wissen. Im Sommer sei er aber meistens ausgebucht. Es erklingt eine Türglocke: "Yo-Ho Hostel!" Schreit ein anwesender in die Gegensprechanlage. Kurz darauf wird die Leinwand, auf deren Vorderseite ein Portrait von Stalin (oder so einem ähnlichen) zu sehen ist, beiseiteghoben und 3 Franzosen sowie zwei Deutsche betreten den Raum. Jetzt bin ich nicht mehr der Einzigste Ausländer. Bulgarische Gespräche verstummen, es wird nur noch Englisch gesprochen. Ich Schäme mich fast als ich einige Worte auf Deutsch wechsele weil es einfach einfacher ist. Ich fühle mich wohl in der internationalen Runde. Mein Hund ist willkommen und spielt laut knurrend "umherwelzen und Zähnezeigen" mit Siggi. Ein Bier später verlassen wir in einer Gruppe von weit mehr als 20 Leuten das Hostel. Ein kurzer Stopp am 24Stunden Laden und dann geht es zum Kopernikus Observatorium im See Garten. Unterwegs treffe ich Zee und einige andere Freunde, auch sie schließen sich uns an. Bei erfrischenden Gesprächen und berauschenden Getränken verbringen wir hier wohl 2 Stunden bevor wir zum nahen Skate Park weiterziehen. Unterwegs treffe ich noch Danny, und auch Stefan und seine Kumpels treffen dauernd auf Leute denen sie Hallo sagen müssen. Der ein oder andere schließt sich uns an, der nächste verabschiedet sich und zieht mit den anderen weiter. Wir brauchen eine knappe Stunde für eine Strecke die man locker in 10 Minuten bewältigen könnte. Ich übe noch ein wenig Skateboardfahren. Es ist erstaunlich, ich habe das noch nie gemacht aber ich bin in der Lage mit dem Board in jede gewünschte Richtung zu fahren ohne hinzufallen. Nur bremsen tue ich meistens mit dem Hintern. Gegen halb fünf in der Früh verabschiede ich mich von den übrig gebliebenen und gehe nach Hause.
Am nächsten Morgen treffe ich auf meine Graffiti Künstler. Montag wollen sie mein Heck besprühen. Sie schicken am Abend eine E Mail wann wir uns wo treffen. Ich eile nach Hause und mache mich an die Arbeit. Die Spachtelarbeiten hatte ich bereits abgeschlossen, aber Lackieren wollte ich den Wagen erst kurz bevor er besprüht wird, weil ich glaube das die Grundierung besser auf leichten Verschmutzungen hält als die Sprühfarbe. Gegen 5 Uhr ist das Heck meines Wagens ünigrau. Das hübsche Graffiti ist verschwunden, es hat Platz geschaffen für das das morgen kommt.

Nach einer Dusche bewege ich mich Richtung Yo-Ho Hostel. Mir hat es dort gestern gut gefallen, mal sehen ob sich dort noch ein schöner Abend verbringen lässt. Ich drücke auf den Klingelknopf: "Yo-Ho Hostel" dröhnt es aus dem Lautsprecher. "Stefan here, I have beer whith me!" Der Türsummer ertönt, ich bin eingeladen. Etwas schüchtern schiebe ich die Leinwand beiseite die sich hinter dem Tunnelartigen Eingang befindet. Scheki ist weniger schüchtern und beschlagnahmt in Gemeinschaftsarbeit mit Siggi gleich ein ganzes Sofa.

Umherwälzen und Zähne zeigen, oder wie sollte man das Spiel nennen das die zwei da spielen??
Heute sind nicht so viele Leute da. Stefan erzählt mir Geschichten seiner Gäste. Von einem eisigen Wintertag im letzten Jahr. Die Temperaturen lagen angeblich um die -20 Grad. Es lag Schnee. Varna war von der Außenwelt abgetrennt. Schneemassen legten Bus und Bahnverbindungen still und auch mit dem privaten PKW war ein Vortkomen nur schwerlich möglich. Niemand rechnete im Yo-Ho mit neuen Gästen. Dennoch klingelte es irgendwann an der Türe. Draußen stand ein durchgefrorener Japaner. Er hatte sein Hab und Gut in einem kleinen Wagen verstaut den er hinter sich herzog. Er brauchte keine Busse, er war von Japan hier her gelaufen.
Ein anderer Gast verweilte 3 Nächte in seinen Räumen. In dieser Zeit unternahm er Tagestouren nach Bratislava, Budapest und Sofia. Sein Reiseziel hieß: Bahnfahren, die Städte waren ihm mehr oder weniger gleichgültig, er liebte das Zugfahren.
Wieder einem anderen gefiel es so gut dass er gleich 3 Monate geblieben ist. Ich kann Ihn verstehen, ich bin ja auch schon 6 Wochen hier.
"Come on, we go upstairs! I show you the studio." Forderte mich Stefan auf ihm zu folgen. Mit ihm und einer Hand voll Leute gingen wie die Treppen hinunter bis ins Paterre. Die Türe des Hinterausgangs klemmte. Mehrere Male musste sich ein stämmiger Kollege dagegenwerfen bis sie sich endlich öffnete. Wir betraten den Hinterhof. Ein ungepflegter Platz. Unrat lag herum, die spärlich wachsenden Pflanzen waren niedergetrampelt. Auf einer Seite war das Grundstück von einem baufälligen Haus eingeschlossen. Fenster und Türen fehlten. Das Dach erweckte einen undichten Eindruck. "Das will ich noch anmieten, das bauen wir zum Hostel um. Hierher kommt eine Garage, dort einige Sitzbänke noch ein wenig Rasen und das schaut richtig nett aus." Schwärmte Stefan. Selbstverständlich wollte ich ihm gleich meine Handwerklichen Dienstleistungen zum Freundschaftspreis verkaufen, aber er meinte: "Erst nächstes Jahr, dieses Jahr hab ich kein Geld." Schade eigentlich! Wir gingen einige Stufen hinab in den Keller des Gebäudes und erreichten einen Vorraum. Über Lattenkonstruktionen waren Bretter gelegt, darunter einige cm Wasser. "Hierher bauen wir eine Toilette, dass man nicht immer hoch ins Hostel rennen muss." Schwärmte Stefan weiter. Pinkeln kannst du da jetzt schon, das ist aber mehr ein Zustand als eine Toilette.

Stefan schob eine Plastikplane beiseite deren Vorderseite einstmals einen Sportbekleidungshersteller bewarb und wir gelangten in den Partykeller. Hier waren die Bauarbeiten schon weitestgehend abgeschlossen. Das Mauerwerk des Rundbogenkellers war in liebevoller Handarbeit sauber gebürstet, auf dem Fußboden lag Teppich oder PVC. Unmittelbar hinter dem Eingang stand ein Kickertisch. Links daneben eine Sitzgruppe. Groß genug für 15 Mann. Gegenüber der Couchgarnitur eine kleine Bar. Ein Tresen grenzte rund 2m² für den Barkeeper ab. Ein gut gefüllter Kühlschrank verbarg sich darunter. Ein Lüftungsrohr das unaufhörlich frische Luft in den Keller pustete lies einige Lamettafäden flattern. Hinter einem alten Teppich der mit Drahtringen an einer überdimensionalen Gardinenstange befestigt war befand sich das "Studio".

Ein voll ausgerüsteter Bandproberaum! "Drei oder vier Mal die Woche proben hier Bands, alles Kumpels von uns." Erklärte mir Stefan. "Am Freitag geben die ein Konzert in nem privaten Club hier in Varna, wenn du möchtest bist du herzlich eingeladen."
Den Rest des Abends verbrachten wir mit Tischfußball und Playbackmusik. Auch am 15. November war ich Gast im Yo-Ho. Heute war es wieder richtig voll. Ein paar Gäste des Hostels, viele Kumpels und ne Live Band. Lauter, bulgarischer Rock drang hinter dem Teppich hervor. Die Band hatte den klangvollen Namen "The Shits". Ich machte es mir derweilen auf der Sitzgruppe gemütlich.

Am nächsten Abend ging ich nicht ins Yo-Ho. Ich war mit Roze verabredet. Sie hatte ich einige Tage zuvor im See Garten kennen gelernt. Erst haben sich unsre Hund angefreundet und dann wir. Wir verbrachten fast den ganzen Tag zusammen und für heute wurde ich zum Essen eingeladen. Eingeladen ist gut, ich musste selber zahlen. Deswegen hatte ich nur wenig Hunger und begnügte mich mit Pommes auf welche bulgarischer Weißkäse geraspelt wurde. 1,90 Leva; fast 3 Tutmanek! Aber die Atmosphäre des Lokals, das mir bereits mehrfach empfohlen worden war, und meine nette Begleitung entschädigten mich für meine Ausgaben.

Am Nachmittag des 19. Novembers, ich war auf der Suche nach meinen Graffiti sprühern, die mich mal wieder versetzt hatten, traf ich Stefan und einige seiner Kumpels. "Wir wollen mit dem Hund zum Strand, kommst du mit?" "Jo, geritzt. Wollte eh gleich bei euch vorbeischauen wegen des Konzerts." Gemeinsam ging es zum Strand und in den See Garten. Schon bald setzte die Dämmerung ein. Ich verabschiedete mich von meinen Freunden und brachte Schecki nach Hause. Noch schnell eine Kleinigkeit essen und auf geht's Richtung Yo-Ho. Pünktlich um 9 erreichte ich das Hostel. Mit gezählten 24 Mann bewegten wir uns quer durch die Stadt. Ich, ein schwedischer Gast und 22 Bulgaren. Nach einer guten Stunde Fußmarsch erreichten wir unser Ziel. Von der Hauptstraße ging es links ab auf einen Industriehof. Hier standen 50 weitere Leute die es, wärend sie warteten das die Band anfängt zu spielen, vorzogen vor dem Laden zu stehen und Suppermarkt Getränke zu trinken. Einige kannte ich, andere lernte ich kennen. Der Eingang lag versteckt, ein Typ in Lederkutte mimte den Türsteher. Wir passierten ohne Schwierigkeiten und gelangten auf einen weiteren Hof. Einige Gartenstühle, ein Planschbecken, leere Getränkekisten und ein gutes Dutzend Motorräder, einige davon zerlegt. Das Konzert fand in Varnas ersten und einzigen Motorradclub statt. Derzeit hat er stolze 7 Mitglieder erfahre ich ein wenig später vom Türsteher. Es spielen 3 Bands, The Shits, Pizza und eine weitere deren Namen ich vergessen habe. Alle drei rocken den Laden und nach einigen Fläschlein Gerstensaft stürze auch ich mich in die Pogo Tanzende Menge. Pogo ist der wahrscheinlich einzige Tanz den man ohne jedes Rytmusgefühl Tanzen kann.

Gegen 4 ist die Veranstaltung zu Ende. "Du kommst mit uns." Sagt ein Typ den ich erst seit 10 Minuten kenne. Ich folge Ihm und seinen Freunden in ein Taxi. Wir fahren quer durch die Stadt. Dann geht es in eine Privatwohnung. Dort sitzen 3 weitere Gestallten. Die "after Party" dauert bis 8 Uhr in der Früh. Gegen 10 Uhr erreiche ich glücklich meinen Wagen. Schecki freut sich wie verrückt. Wir gehen zum Strand und dann ins Bett. Der Tag ist gelaufen.
Am nächsten Morgen räume ich den Wagen auf. Ich hau hier ab! Ich warte auf keine Graffiti Leute mehr. Ich sattele den Rucksack und wandere noch einmal zum Kaufland. Mehr von dem Sojakrempel kaufen. Das Zeug ist lecker. Dann verabschiede ich mich von meinen Freunden im Yo-Ho. "Du kannst doch nicht einfach so abhauen! Das muss gefeiert werden!" Sekundenbruchteile später hatte ich ein Bier in der Hand und Stefan zeigte mir Bilder meines nächsten Zieles auf seinem PC. Am nächsten Morgen klopfte Zee. Ich hatte ihm geschrieben das ich abreise und er kam vorbei um schüß zu sagen. Gemeinsam gingen wir in die Stadt, denn ich wollte noch einen neuen Sack Hundefutter erwerben. Als ich zurückkehrte dämmerte es bereits. Aber am 23. startete ich den Wagen und fuhr neuen Zielen entgegen.

Weiter geht es mit einer kaputten Bremse!

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Bild: Danke
Bei den Miet-Wohnmobilfahrern von reisen-aus-leidenschaft.de für die Aufnahme meiner Reiseberichte in ihre Blogroll. Die 4 sind regelässig mit Mietmobilen oder dem eigenen Kastenwagen unterwegs und berichten über ihre Reisen.


Kleine Häuser auf Rädern, auf dem Wasser und in Bäumen.



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