Hi
Jetzt bin ich schon seit über 8 Monaten unterwegs, habe Deutschland bereits lange verlassen und Tschechien
durchkreuzt. Ich habe viel erlebt und auf meiner Website steht unter derzeitigem Aufenthaltsort immer noch Großraum
Düsseldorf. Ich denke es ist an der Zeit, das mal zu aktualisieren. Deshalb hier ein kurzer Bericht über den
Anfang meiner Tour über meine Erlebnisse in Deutschland. Angefangen hat eigentlich alles Mitte Februar als ich
mit meinem Wagen in eine Halle fuhr
 um ihn für die Reise fit zu machen. Hier
tauschte ich Motor-, Getriebe- und Differenzialöl, wechselte meine Bremsflüssigkeit sowie die fast 25 Jahre alten
Bremsleitungen. Ich tauschte meine Keilriemen, kämpfte gegen Rost, fettete sorgfältig jeden Schmiernippel,
prüfte das Ventilspiel, repetierte meinen Auspuff und machte weitere kleine Reparatur- und Wartungsarbeiten.
Während ich mit dieser Schrauberei beschäftigt war, amüsierte sich meine Hündin mit Rudi, dem dortigen
Hofhund.
 Eine große Hilfe bei diesen Arbeiten war mir
das Internet. Ich fragte in diversen Foren nach Rat, wenn ich selbst nicht weiter wusste oder bestellte Ersatzteile per
E-Mail. Ich saß des Öfteren ölverschmiert vor meinem Rechner.
 Anfang März fuhr ich dann zum TÜV, der
mir ohne größere Probleme für ein weiteres Jahr eine Betriebserlaubnis erteilte. Nun konnte es endlich
losgehen. Ich fuhr noch einmal zurück zu meiner Schrauberhalle und verbrachte einen letzten Abend unter neuen alten
Freunden auf dem kleinen Wagenplatz.
 Wo ich mich unter gleichgesinnten Fahrzeugbewohnern
während meiner Wartungsarbeiten wirklich wohlgefühlt habe. An dieser Stelle nochmals besten Dank an Hans, der mir
den Kontakt vermittelt hat und den anderen Platzbewohnern für die schönen Stunden, die wir abends zusammen
gemütlich in unsren Wägen verbracht haben. Besten Dank natürlich auch an Heinrich, den Besitzer des
Geländes, der mich dort kostenlos arbeiten ließ. Von hier führte mich mein Weg noch einmal zurück
zu einem meiner Stammparkplätze in meiner
Ratinger Heimat.
 Hier verabschiedete ich mich von meinen Eltern und
machte mich am nächsten Morgen auf den Weg. Die erste Nacht unterwegs verbrachte ich nur etwa 15 km von Ratingen
entfernt in
Mettmann, hier schaute ich noch mit einem Kollegen gemeinsam ein Video, bevor ich endgültig aufbrach. Hier mussten
außerdem noch meine Radmuttern nachgezogen werden.
 Mit einer Laufleistung von 469270 km
 machte ich mich also auf den Weg. Bis
Olpe nutzte ich die Autobahn, erst die A3 nach Köln und von dort weiter auf der A4 bis Olpe. Von hier aus folgte ich
dem mir gut bekannten Weg Richtung
Winterberg (Nach Winterberg fuhr ich oft, es ist von meiner Heimat aus die kürzeste Verbindung in den Schnee), um
einige km vor Winterberg einen Parkplatz anzusteuern, auf welchem ich einige Tage verbrachte.
 Bei langen Spaziergängen mit meinem Hund
machte ich mir einen Kopf darüber, wie es nun weitergehen sollte. Welche Richtung ich einschlagen werde und so weiter.
Ich schottete mich völlig von der Außenwelt ab, um mir selbst über meine weiteren Wege klar zu werden. Da kam
es mir nur gelegen, dass es auf diesem Parkplatz kein Handynetz gab. Abends, eigentlich war es schon spät in der Nacht,
verließ ich noch einmal meinen Wagen um pinkeln zu gehen. Von der Straße her vernahm ich ein leises Husten.
Neugierig ging ich nachschauen, wer oder was denn da mitten in der Nacht rumhustet. Es war Dennis (hieß der wirklich
Dennis?), der gut angetrunken von einer Party nachhause torkelte. Auch er war über meine Anwesenheit sichtlich
überrascht, fand es aber eine gute Idee, bei mir auf ein Gläschen Wein Pause zu machen.
 So, Dennis oder wie immer du auch geheißen
hast. Jetzt ist dein Bild im Netz, ich hab’s dir versprochen, hat halt nur ein wenig länger gedauert. Nach 2 oder
3 Tagen auf diesem Parkplatz berührten mich einige Schneeflocken. Schnellstens startete ich meinen Motor um auf den
Kahlen Asten zu fahren. Wenn der Schnee in diesem milden Winter irgendwo hier in der Gegend liegen blieb, dann hier auf der
höchsten Erhebung des Sauerlandes. Und tatsächlich hatte ich am nächsten Morgen einige cm Neuschnee vor meinem
Wagen.
 Ich unternahm herrliche Wanderungen durch die
verschneite Winterlandschaft und machte dabei unzählige Fotos.
 Wen es also interessiert: ich habe HIER eine Slideshow „Wandern im
Winterberger Schnee“ erstellt. Mit den Tagen, die ich hier oben verbrachte, wuchs
die Schneemenge zu meiner Freude kontinuierlich an. Ein Problem wurden die Schneemassen für mich erst zu dem Zeitpunkt,
wo es zu tauen begann und ich aufbrechen wollte.
 Wie ich hier wieder rauskomme, dabei könnt
ihr mir unter DIESEM
LINK zuschauen. Als ich mich endlich freigebudelt hatte, fuhr ich die wenigen km hinunter zu dem Wohnmobilparkplatz in
Winterberg selber.
 Weil hier der Wind auf meinem Offenrohr stand,
musste ich mir etwas einfallen lassen um ordentlich heizen zu können, wie man auf dem Bild klar erkennen kann. Ich frage
mich welches Arschloch (Schuldigung) diese dämlichen Steckdosen erfunden hat.
 Für die Dinger hat doch kein Mensch nen
Adapter und man muss lebensgefährliche Basteleien anstellen, wenn man in den Genuss von 230 Volt kommen will. Und
deshalb bin ich ja schließlich hier hin gefahren. Für Strom – um meine geschundenen Versorgerbatterien zu
laden und um mein Abwasser zu entsorgen und neues Wasser mit an Bord zu nehmen.
 Bei herrlichstem Wetter fuhr ich von hier aus
weiter zum
Edersee. Habe ich mich gestern noch mühselig aus dem Schnee ausgebuddelt so fuhr ich heute mit kurzen Ärmeln
der Sonne entgegen. Mein Motor brummte vertrauenseinflößend, die Strassen waren schmal und kurvenreich, im Radio
liefen Scorpions und Guns and Roses und ich fühlte mich so richtig frei. Verließ ich doch zum ersten Mal auf
dieser Tour bekanntes Terrain. Bisher war mir alles vertraut, erst jetzt betrat ich Neuland. Ich wählte einen Parkplatz
auf der Nordseite des Edersees und machte es mir dort augenblicklich gemütlich.
 Auch hier ging ich in
ausgedehnten Wanderungen das Umland entdecken.
 Einen Besuch wert ist auf jeden Fall die Burg
Waldeck, von hier oben hat man einen wunderschönen Blick über den See.
 Leider dämmerte es schon leicht, sodass die
Aufnahme nicht ganz so brillant ist. Am Morgen meines letzten Tages hier am See wurde ich von so einem Beamten im
grün-weißen Kostüm geweckt. Er erkannte sofort die Sachlage und meinte, ich solle mit meinem Wagen nach
Kassel fahren; dort sei ein Wagenplatz, auf welchem sich mein Fahrzeug gut einfügen würde. Diese Idee fand ich
gar nicht so schlecht, schließlich hatte ich nun sehr viel Zeit zum Nachdenken und ein wenig Gesellschaft würde
mir sicher gut tun. Also holte ich mir von der Wagendorf-Seite die genaue Adresse und Anfahrtsbeschreibung und startete
meinen Wagen um den Kassler Wagenplatz zu besuchen. Hier wurde ich so unangemeldet wie ich auftauchte herzlich empfangen und
bekam gleich eine schöne Parkfläche zugewiesen. Ich verbrachte 3 Tage in Kassel und versäumte es völlig,
von dieser Location auch nur ein einziges Foto zu machen. Da mir die Gesellschaft auf Wagenplätzen gefiel, suchte ich
mir im Internet alle verzeichneten Plätze dieser Art heraus, die auf meinem Weg gen Osten lagen und beschloss, diese
Plätze zu besuchen. Demnach war mein nächstes Ziel
Erfurt. Auch hier stand ich unangemeldet vor der Türe und auch hier wurde ich herzlich aufgenommen. Ein Punker mit rotem Iro öffnete mir die Pforte und bot mir als erstes ein Bier an,
welches ich vorerst aber ablehnte und erst trank, nachdem ich meinen Wagen auf seinen endgültigen Parkplatz
gefahren hatte. Der Erfurter Wagenplatz ist auf dem besetzten ehemaligen „Töpfe und
Söhne“-Gelände, einer Firma die im 3. Reich die Verbrennungsöfen für Auschwitz und das nahe
gelegene Buchenwald baute. Zu diesem Thema haben die Hausbesetzer eine kleine Website unter www.topf.squat.net gebastelt, die ich hiermit mal verlinken möchte. Heute wird die alte
Industiebrache von diversen Graffitikünstlern als Übungsfläche genutzt. Eine Gelegenheit, die ich mir nicht
nehmen ließ und einige der Jungs ansprach, die grade ihr eigenes Bild überpinselten um an gleicher Stelle ein
neues zu malen. Ich fragte sie, ob sie nicht Lust hätten, meinen Wagen ein wenig zu verschönern und siehe da: die
fanden die Idee super und begannen gleich mit der Arbeit.
 Als sie nach etwa einer Woche fertig waren,
sah mein Wagen dann so aus:

Ich war mit dem Ergebnis mehr als zufrieden und stolz wie Oskar auf mein kleines fahrendes bewohntes Kunstwerk. Die Jungs,
die das gemacht haben, haben übrigens auch ne kleine HP, deren Verlinkung ich versprochen habe und zu der ich mich auch
verpflichtet fühle. Also: www.onkel-dokter.com In Erfurt
verbrachte ich insgesamt 2 Wochen und hatte einen Heidenspaß dort in wirklich netter Gesellschaft. Ich wohnte dem
„6 Jahre besetzt“-Festival bei, zu welchem ich zufällig pünktlich erschienen war. Eine geile Party mit
Livebands und Videoleinwand, auf welcher ich morgens um 8 Uhr mein letztes Bier trank
 um kurz danach völlig fertig umzukippen und
eine Runde auf dem harten Betonboden zu schlafen. Ich hätte zwar nur wenige Schritte bis zu meinem weichen Bett gehabt,
aber ich war nicht mehr in der Lage, diese Schritte zu tätigen. Auch von der Party und der dazugehörigen Feuershow
habe ich unzählige Fotos geschossen, die ich HIER in einer Slideshow zusammengestellt habe. Am
Montagnachmittag, als ich den Rausch der Party ausgeschlafen hatte, startete ich den Wagen um ein Stück weiterzufahren.
Mein erster Stopp war an der KZ Gedenkstätte Buchenwald. Hier wurde ich allerdings von unsrem Freund und Helfer wegen
meines unangeleinten Hundes vertrieben. Als ich dieses Erlebnis dem Besitzer des nächsten Wagenplatzes während
eines Telefonates erzählte um mein Kommen anzukündigen, meinte dieser ziemlich treffend, „Mein Gott, in
Buchenwald ist wohl weitaus Schlimmeres passiert als ein unangeleinter Hund“. Schade, dass mir das nicht selbst
eingefallen war, als die Staatsdiener vor mir standen. In drei Tagesetappen fuhr ich also weiter nach
Böhlen. Hier stand ich vor einem menschenleeren Wagenplatz und fühlte mich irgendwie leicht verarscht. Ich
beschloss, auf einem nahe gelegenen Supermarktparkplatz zu nächtigen und mal abzuwarten, was denn da so noch passiert.
Ich versandte eine SMS mit dem Inhalt, dass ich denn nun da sei. Diese wurde spät in der Nacht beantwortet und ich war
zum Frühstück eingeladen. Was hier so enttäuschend begonnen hatte, entwickelte sich noch zu einem tollen
Erlebnis mit gemeinschaftlichem Grillen
 und vielen interessanten Gesprächen. Mein
Hund machte die Bekanntschaft mit den recht wehrhaften Gänsen
 und fand es gar nicht so lustig, sich von den Tieren
zwicken zu lassen. Hier benutze ich auch die zum Platz gehörende Waschmaschine und füllte erneut meine
Wasservorräte auf.
 Mit diesem Trecker (6km/h) wurden übrigens
die Wagen von Hamburg nach Böhlen gezogen. Das muss auch ein Abenteuer gewesen sein. So, jetzt hab ich nur noch einen
Menschen, den ich hier in Deutschland besuchen möchte. Einen Freund aus einem Internetchat, mit dem ich online viele
Stunden zusammen gechattet habe. Dieser Kollege hat mir erzählt, dass er in
Zwickau wohnt. Also fuhr ich bis kurz vor diese Stadt und nächtigte dort. Über MSN stellte ich Kontakt her um
die genaue Adresse zu erfahren. Der Wohnort war nicht Zwickau sondern ein kleines Dorf wenige km dahinter. Am nächsten
Tag machte ich mich auf um zum vereinbarten Treffpunkt zu fahren. Mein ortskundiger Freund zeigte mir mit dem Fahrrad einen
nahe gelegenen wunderschönen Parkplatz mitten im Nichts.
 Auch hier verweilte ich einige Tage.
Tagsüber unternahm ich ausgedehnte Wanderungen in das wunderschöne Erzgebirge und am Abend genoss ich es, nicht
alleine zu sein. Spät in der Nacht drehte ich mit meinem Fahrrad immer noch meine
Runde zu den vier nahe gelegen Supermärkten um die Container nach essbaren Nahrungsmitteln zu durchsuchen. Ich bin
jetzt bereits seit Kassel nahezu contan, was die Reisekosten erheblich senkt und mir somit gut in den Kram passt. Satt
geworden bin ich davon immer aber hier schwelgt man ja in einem absoluten Überfluss. Die auf meiner Küche
aufgereihten Nahrungsmittel sind das Ergebnis von etwa einer Stunde Arbeit und rund 10 km Radweg.
 Ähnliche Mengen fand ich hier jeden
Abend. Als mein Vorratsschrank überquoll und ich über 90 Konserven mit Gemüse, Fleisch und Käse selbst
eingekocht hatte, beschloss ich weiterzuziehen um das Land zu verlassen. Zu diesem Zweck fuhr ich in das nahe gelegene
Schwarzenberg, nächtigte dort auf einem Supermarktparkplatz, um am nächsten Tag meine im Ausland wertlosen,
gesammelten Pfandflaschen umzutauschen. Von dort wollte ich direkt über die nahe gelegene Grenze
Oberwiesenthal in die Tschechei einreisen. In der Nacht drehte ich noch eine letzte
Runde zu meinen mir mittlerweile gut bekannten Supermärkten. Auf diesem Weg traf ich einen jungen Mann. Er hatte genau
wie ich einen Hund bei sich, den er verzweifelt einzufangen versuchte, damit er nicht zu dem meinigen läuft. Ich rief
ihm zu „lass gut sein die können ruhig miteinander schnüffeln.“ Anscheinend hört man an meinem
Akzent, dass ich nicht aus dieser Gegend komme. Denn ich wurde gefragt, was ich hier mache. Daraufhin erzählte ich kurz,
dass ich mit nem Wohnmobil auf´m Weg nach Bulgarien bin. Augenblicklich wurde ich eingeladen, meinen Wagen doch ne
Weile vor dem besetzten Haus zu parken wo er mit einigen Freunden wohnt. Besetztes Haus? So was wie Erfurt? Ich folgte ihm
erst einmal zu Fuß um mir die Sache anzuschauen. Als ich das Häusel sah und den daran angeschlossenen kleinen
Wagenplatz, änderte ich augenblicklich meine Pläne und fuhr am nächsten Tag statt in die Tschechei erst einmal
wenige km zurück zu Unanbetbar.
 Hier
nutzte ich das Schweißgerät, welches sich Thomas, der ebenfalls in einem Wagen wohnt, erst kürzlich gekauft
hat um damit eine Schrottskulptur zu schweißen,

um eine lang gehegte Idee von mir in die Tat
umzusetzen. Ich baute einen Muskelkraft-Stromerzeuger, der auch tatsächlich funktioniert.
 Trampeln, dass ein Lämpchen leuchtet
– eine Idee, die ich mal in einem Forum zur Lösung der Arbeitslosigkeit vorgeschlagen habe und mir damit nicht
wirklich Freunde gemacht habe. Nun bin ich selber quasi arbeitslos und finde es wirklich klasse, die teueren Benzinkosten
für meinen Stromerzeuger durch ein wenig Frühsport zu ersetzen. Ich fand die Idee hier nicht alleine gut und Thomas
unterbrach die Arbeit an seiner Skulptur um erst einmal ein Hoftor mit Muskelkraft-Hofbeleuchtung zu bauen.
 Von hier unternahm ich mehrfach den Versuch
aufzubrechen, erst hinderte mich der Regen, übrigens der erste, den ich seit Beginn meiner Tour erlebe, der letzte
Niederschlag, den ich sah, war noch weiß und fest, an der Weiterfahrt, dann eine Infoveranstaltung zum G8-Gipfel, die
ich gerne sehen wollte oder ein hier stattfindendes Konzert, welches ich natürlich auch nicht verpassen wollte. Alles in
allem blieb ich hier auch 2 Wochen kleben und hatte eine schöne Zeit. Auch von hier setzte ich meine abendlichen
Einkaufstouren fort, von denen ich allerdings das meiste verschenkte weil ich selbst überhaupt nicht in der Lage war,
das alles zu essen oder einzulagern. Schließlich brach ich dennoch auf, kontrollierte noch ein letztes mal Motoröl
und Reifenluftdruck
 um mich wenig später in einem fremden Land mit
fremder Sprache wieder zu finden. Doch davon ein anderes Mal mehr.
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