Wohnmobil Reisebericht Griechenland (Kavala)

Donnerstag, 10. März 2010, 12 Uhr und 10 Minuten

Vor rund einer halben Stunde ist Craig abgereist. Wir wollen uns in der Türkei wieder treffen. 16 Tage haben wir gemeinsam verbracht! Am Morgen des 24.2.2010 habe ich Nikiti verlassen. Rund 3 Stunden dauerte die Bergungsaktion meines Fahrzeugs. Ich hasse Matsch ! Aber so weit sind wir hier noch nicht.
2 Tage später fuhr ich erst mit „meinem“ Passat zu Gerhard und anschließend mit Gerhards VW Bus zur Tierstation. Kurze Zeit später hielt ich tatsächlich zwei gültige, internationale Impfdokumente in meinen Händen. Was lange währt wird endlich gut.
Das Wetter besserte sich und gegen Mittag des 30.01.2010 stand mein Zäunchen.

Ich räumte fahrfähig und stellte mich auf eine baldige Abreise ein. Doch zu früh gefreut. Gerhard hatte neue Ideen. Was heißt Ideen? Er hatte Probleme und zwar ernsthaftige. Das griechische Bauamt hatte von seinem Eisenbahnwagon Wind bekommen und drohte ihm nun mit einer Strafe von 50000 Euro wenn das Teil nicht bis zum 24. verschwunden sei. Wir überlegten lange daran, was die beste Lösung dieses Problems sei. Doch wie lässt man einen 18 Tonnen schweren Eisenbahnwagon in rund 3 Wochen verschwinden? Die beste Lösung die uns einfiel war folgende: Mit einem Radlader wird Erdreich in eine Senke geschaufelt, dann schiebt dieser Radlader den Wagon über die Senke hinein in den Wald. Dann steht er nicht mehr auf Gerhards Grundstück und das Problem ist gelöst. Wirklich wohl war uns wohl Beiden nicht bei diesem Gedanken.
Ich hatte also noch ausreichend Zeit den Blick aus meinem Wohnzimmerfenster zu genießen.

2 Tage später lernte ich dann Traktor fahren.

Hier war einmnal ein schönes Video. Leider ist es einem Datenverlust zum Opfer gefallen :-(


Gerhards Freund mit dem Radlader ist beruflich Fernfahrer und derweilen irgendwo in Italien unterwegs. Bis er zurückkommt bauen wir halt noch eine Strasse. Dazu benötigen wir viel Schutt als Füllmatrerial. Mit Schwung ramme ich den Hecklader des Treckers in einen Bauschutthaufen. Plötzlich ruft mein Freund: „Schau mal.“ Ich drehe mich um und Gerhard hält eine Schlange in seinen Händen.

Das Tier habe ich auf dem Gewissen. Die 45 Pferdestärken des Fendt Treckers haben seinen Kopf zerquetscht. „Sorry Schlange, ich hab dich nicht gesehen.“
Als der Hänger gefüllt war parke ich den Trecker und nehme in Gerhards Mercedes Platz. Abladen müssen wir von Hand. Wir fahren zurück und unterhalten uns. „Das war die erste Treckerfahrt in meinem Leben, hab mich gar nicht so dumm angestellt oder?“ „Nö, war ganz OK aber ist ja auch nicht viel dabei.“ „Ja wenn man Auto fahren kann ist das nicht viel anders. Verdammt, hast Du Dich bei Deinen ersten Fahrversuchen auch so dämlich angestellt?“ „Ach komm hör mir auf. Ich bin zwei Mal durch die Prüfung gerasselt.“ Sekundenbruchteile nach diesem Geständnis fährt eine Erschütterung durch den Kleintransporter.

Ja Gerhard, wenn ich der Fahrprüfer wäre, wärest du jetzt auch durchgefallen. Glücklicherweise hatten wir unser Ziel bereits erreicht. Mit Schaufeln entluden wir den Hänger und hoben ihn zurück auf die Fahrbahn. Noch zwei oder drei weitere Hänger holten wir an diesem Tag. Bei weitem nicht genug. Am morgen des 3.Februars machten wir weiter. Drei oder vier Fahrzeugladungen fuhren wir an den vorgesehenen Platz. Bis – wir unterhielten uns nicht über Fahrprüfungen sondern über Faustfeuerwaffen –

Gerhard den Hänger versenkte. Ich ging zu Fuß zurück zum Trecker und schleppte meinen Freund nebst Anhänger zurück auf die Fahrbahn. Mittlerweile war auch der Radladerbesitzer zurück in Griechenland. Gerhard unterbreitete ihm unsre Idee. „Nix gut“ Eine Diskussion entbrannte. Halb deutsch, halb griechisch. Ich konnte ihr mangels Sprachkenntnissen nicht folgen. Am Ende übersetzte Gerhard für mich. „Mein Freund hat `nen Kumpel, von dem kauf ich `nen Tieflader für 1000 Euro. Da stellen wir den Wagon drauf und dann, dann ist es ein Wohnmobil.“ „Aha, wir stellen also einen 18 Tonnen schweren Eisenbahnwagon auf einen Tieflader. Ich vorne du hinten?!? Saugute Idee!“ „Ne, kein Scheiß, wir machen den leichter. Den Rest macht dann mein Freund mit dem Radlader.“ Gerhard klopfte mir freundschaftlich auf die Schulter.
Bei einer Besprechung vor Ort erfuhr ich genauerer Einzelheiten über Gerhards genialen Plan. „Den Wagon stellen wir auf Paletten. 1,4m muss der über den Erdboden. Dann passt die Schaufel vom Radlader drunter. Alles was nicht benötigt wird kommt ab. Bremsen, Räder, Puffer einfach alles. Ich hab `nen Kumpel mit `nem Schweißbrenner, der macht die großen Sachen wie Räder. Den Kleinscheiß machen wir selber ich hab `ne dicke Flex und einen 8 kw Stromgenerator. Einen 10 Tonnen Wagenheber besorg ich noch.“
Die nächsten Tage verbrachte ich damit einen Eisenbahnwagon zu zerlegen. Die Federspeicher der Bremsanlage sehen genauso aus wie die von meinem Truck; nur dass selbst Traktorreifen durchdrehen wenn man versucht die Teile an einer dicken Stahlkette wegzuziehen. Dann brachte Gerhard den versprochenen Wagenheber. Bevor ich ihn jedoch einsetzte brachte ich mein Auto in Sicherheit. Glücklicherweise hatte ich unweit des Wagons ein weiters Grundstück eingezäunt auf welchem ich nun Quartier bezog. Problemlos hob der Wagenheber den Wagon und auch die Paletten hielten. Nach wenigen Stunden Arbeit schwebten die ersten Räder in der Luft. Ich war stolz auf mich und machte mich daran weitere Kleinteile zu demontieren.

Probleme bereitete allerdings die Hinterachse. Das Betonfundament auf dem der Wagon abgestellt war gab unter dem Druck des Wagenhebers nach. Versuche es mit Holzdielen zu verstärken scheiterten. Nach unzähligen Beratungsgesprächen setzten wir den Wagenheber mittig unter die Achse. Die erste Seite hatte ich nacheinander angehoben. Erst links, dann rechts. Jetzt musste der Heber das ganze Gewicht auf einmal pumpen. Ich verlängerte den Hebel mit einem ¾ Zoll Rohr und pumpte. Der Heber ächzte und stöhnte, dann platze ein Simmering. Öl spritzte aber er hob! Am Abend schwebten alle 4 Räder in der Luft.
am 9. Februar demontierte ich noch weitere Kleinteile. Der Wagon stand zwar bereits auf Paletten, aber die Räder waren noch da wo sie hingehören. Sollten also die Paletten brechen wird nicht viel passieren. Am Abend fuhr ich Richtung Internet. Ich hatte gerade den Rechner aufgeklappt als mich erste Tropfen berührten. Ich ärgerte mich den Weg umsonst angetreten zu haben, klappte ihn wieder zu und machte mich auf den Rückweg. Mit einem heftigen Donner stoppte der Regen. Das was jetzt vom Himmel fiel waren keine Tropfen, es war eine geschlossene Wasserwand. Fluchtartig kletterte ich über einen Gartenzaun und suchte unter der Terrassenüberdachung eines Ferienhauses Schutz. Eine Sturmböe riss mir mein Basecap vom Kopf und meine Hunde kuschelten sich ängstlich an mich. Heftige Donnerschläge ließen uns im 20 Sekunden Takt erschaudern und zeitgleich erhellten Blitze die Nacht. Das Gewitter war direkt über uns. Ca. 20 Minuten standen wir dicht an die Wand gelehnt da. Dann war das Wetter vorbei. Genauso plötzlich wie es gekommen war. Auf Internet hatte ich keine Lust mehr. Ich wollte zu meinem Wagen, sehen ob alles in Ordnung ist. Schließlich parke ich auf einem Berg und mein Wagen ist so ziemlich die höchste Erhebung im Umkreis. Außerdem interessierte mich ob der Wagon nach dem Sturm noch auf seinen Paletten steht und natürlich ob mein schöner Zaun dem Unwetter standgehalten hat. Ich ging zurück und beobachtete unzählige Menschen die hektisch Pumpen und Schläuche herbei trugen um Ihre Keller leer zu pumpen. Normalerweise benutze ich eine Unterführung um die Hauptstrasse zu über- bzw. besser zu unterqueren. Bei dieser Unterführung handelt es sich um einen ganz normalen asphaltierten Fußgängerweg. Aber heute war es ein Wildwasserbach. Ich denke das Photo spricht für sich.

Mit dem Passat zurückzufahren war aussichtslos. Also ging ich zu Fuß. Zu Hause war alles in Ordnung. Selbst der Wagon stand noch so wie ich ihn aufgestellt hatte und auch mein Zaun hat seinen Härtetest überstanden. Am nächsten Tag kam Peter. Peter ist gelernter Schmied und lebt seit 3 Jahren in Nikiti. Der deutsche Staatsbürger fährt ein Auto mit bulgarischen Kennzeichen und hat hier so eine Art Hausmeister Service für in Nikiti und Umfeld lebende deutsche Frührentner, die keinen Nagel gerade in die Wand schlagen können, aufgebaut. Derzeit lautet sein Auftrag: Eisenbahnwagonräder abbrennen. Am Abend des 11. Februars war der Wagon soweit „nackig“ und stand recht wackelig auf den Paletten.

Schekie, du lebst gefährlich!
Nach langer Zeit hatte ich noch einmal einen Schweißbrenner in der Hand. Grundsätzlich müsste ich das können, ich hab sogar `nen Schweißerschein. Aber …. ich hatte son Ding weit mehr als 10 Jahre nicht mehr in den Fingern also überließ ich Peter die Arbeit. Peter ist ein lustiger Kerl mit dem ich auf Anhieb gut klarkam. „Easy going“ ein Aussteiger eben. Vor drei Jahren ist er hier angekommen, auf der Ladefläche seines Kleinbusses alles was in eine gute Schlosserwerkstatt gehört, und noch 80 Euro auf Tasche. 80 Euro, ein gutes Startkapital um sich selbstständig zu machen. Er erzählt mir seine Geschichte: Er habe hier einfach nur Urlaub gemacht, dabei kam er auf den Gedanken hier wohnen zu wollen wo andere Urlaub machen. Zurück in Deutschland hat er kurzerhand sein Werkzeug ins Auto gepackt und ist abgefahren. Getreu nach dem Motto: Wer arbeiten will der findet auch Arbeit! Peters Plan ging auf. Heute hat er ein kleines Häuschen und ist finanzkräftig genug mich auf einige Bier einzuladen. Ich folge seiner Einladung und freunde mich zuerst mit seinen Baby Ziegen an.

Danach gehen wir ins Haus und vernichten ein Bier nach dem anderen. Dabei erzählt er mir auch all die Dinge. Als ich von dieser HP berichte bat er mich doch seine Telefonnummer zu veröffentlichen. Selbstverständlich komme ich der Bitte nach. Also: Griechenland 6981 659 301 Jetzt muss ich natürlich noch erklären was Ihr mit der Telefonnummer sollt. Ganz einfach: Peter ist DER Ansprechpartner in Nikiti. Für alle Reisenden die einen Job suchen (er braucht immer wieder mal Hilfe; einfach nachfragen), und für alle Reisenden die Hilfe brauchen. Er kennt `ne ganze Menge Leute und ist im Umkreis mit Sicherheit einer der besten Ansprechpartner wenn das Auto stehen bleibt. Bestellt einfach schöne Grüsse vom Stefan, dem Typ mit dem bunten Truck mit dem er den Eisenbahnwagon auf den LKW gestellt hat. Ach ja, und nicht nach Peter fragen. Der Kerl heißt nämlich nicht so. Seine Telefonnummer wollte er Online haben, seinen Namen aber nicht. Das verstehe wer will. Also, unser Peter heißt nicht Peter sondern anders. Alles klar?
Leider habe ich viel zu früh, viel zu wenig Blut im Alkohol. Ich glaube es ist die 4. Nacht seit meiner Abreise in der ich nicht in meinem Truck schlafe.

Am Abend des 14. fahre ich wie so häufig Richtung Internet. Diesmal regnet es nicht, doch die schweren Regenfälle der vergangenen Tage sorgen noch immer dafür dass ein Teil des Weges mehr einem Bach als einer Strasse gleicht. Ich nehme Anlauf und schieße mit dem Passat durch das Bachbett. Wasser spritzt zu allen Seiten, der Wagen fällt in Schlaglöcher und ich habe das Gefühl das es die durchgerostete Karre gleich in Stücke zerreißt. Eine Lenkbewegung nach rechts und ich habe wieder festen Boden unter den Rädern. Ich hätte wirklich Rallyefahrer werden sollen. Weniger Glück habe ich auf dem Rückweg. Zwischenzeitlich hat leichter Nieselregen eingesetzt. Wie bereits erwähnt sind die Scheibenwischer defekt. Um nicht im Matsch zu versinken fahre ich halb blind aber dennoch mit Speed in das Bachbett. Wieder spritz Wasser und beeinträchtigt die Sicht noch weiter. Ich übersehe meine „Ausfahrt“ und fahre weiter im Bach anstatt auf den Weg abzubiegen. Ich komme nicht weit. Dann versinken die Räder so tief im Bachbett dass das Fahrzeug mit seinem Unterboden auf einem großen Stein „parkt“. Bis die Batterien meiner Taschenlampe vollständig versagen versuche ich mich selbst zu befreien. Dann lasse ich die Karre im Bach stehen und gehe nach Hause. Am nächsten Morgen berge ich das Teil mit Gerhard zusammen.

Hier seht Ihr weitere Bilder meiner Fahrkünste :-)
Der Wagon ist soweit für seinen Wohnmobil Umbau vorbereitet. Doch der Radladerbesitzer ist wieder mal in Italien. Aber alles halb so wild. Gerhard hat Arbeit. Erst repariere ich den Wasserkasten seiner Toilette, dann die Bremsanlage seines Mercedes.

Und zu guter Letzt baue ich noch ein neues Ausdehnungsgefäß in seine Heizungsanlage ein.
Am 17. schleppen wir dann den defekten VW Bus auf Gerhards Grundstück. Zugelassen ist der Wagen auf meinen Freund, aber er hat ihn samt Zulassung an einen Kumpel verschachert. Der ist das Teil ohne Motoröl gefahren und jetzt ist es kaputt. Ich hoffte ihn wieder reparieren zu können und mir so noch einige Euros extra zu verdienen, aber da hatte ich mich getäuscht. Um an Informationen zu gelangen fragte ich in Foren. Bei www.busfreacks.de und www.afrika-virus.de. Selbstverständlich auch in meinem Bord. Um den Schaden möglichst genau zu beschreiben produzierte ich dieses Video


das die meisten ja bereits kennen. Die Antworten die ich in den Foren erhielt lest Ihr Hier (busfreaks) und Hier (afrika-virus).
Am 20. Februar kam dann der Radlader. Wie die Jungs es geschafft haben einen Eisenbahnwagon zum Wohnmobil umzubauen schaut Ihr euch am besten in meinem Video an.

Hier war einmnal ein schönes Video. Leider ist es einem Datenverlust zum Opfer gefallen :-(


Als Foto zeige ich nur das Resultat. Es sieht einfach zu geil aus um nur in einem Video gezeigt zu werden.

Zwei weitere Tage half ich noch Gerhard 2, einem Freund von Gerhard 1, der seinen Urlaub in seiner Gartenlaube verbringt. Ein Jobangebot von Peter lehnte ich ab. Ich hatte definitiv keine Lust 2 Wochen zu warten um 3 Tage zu Arbeiten. Sonst schlage ich hier noch Wurzeln. Mit Tierstation hatte ich hier in Nikit 5 verschiedene Brötchengeber und verweilte mehr als 4 Monate. Einen sechsten Arbeitgeber brauche ich nicht, sonst gründe ich tatsächlich bald meine dritte Firma. Es reicht, ich haue ab!
Am 23. bereitete ich mein Fahrzug vor

und am Morgen des 24. startete ich den Motor. Ich fuhr rund 40 cm. Dann versank die Karre im Schlamm. Schaufel, Bretter, Wagenheber ich fuhr weitere 40 cm. In dem Matsch zu rangieren ist sinnlos. Also öffnete ich meinen Zaun um geradeaus auf trockenere Wiese fahren zu können. Nach rund 3 Stunden war ich frei.

Ich baute den Zaun wieder zusammen, steuerte mein Fahrzeug zurück auf die Hauptstrasse und ging ein letztes Mal zu meinem Freund um mich von ihm und seiner Frau zu verabschieden.

Wenn ich Hilfe brauche, könne ich mich jederzeit bei ihm melden, versicherte mir Gerhard und sollte ich noch einmal in die Gegend kommen müsse ich auf jeden Fall vorbeischauen. Wird gemacht Gerhard. Ich wage nur zu bezweifeln dass ich hier noch einmal hinkomme. Aber wenn … .
Kurze Zeit später passierte ich das Ortsausgangsschild Nikiti. Ich bin wieder „on the Road“, fahre neuen Abenteuern entgegen. Ich kenne die Strecke, fahre sie bereits zum dritten Mal. Orientierungsschwierigkeiten sind ein Fremdwort. Schade, dass ich nicht Gas geben kann. Schade, dass ich Hunde habe die das Autofahren noch nicht kennen und langsam an die Schaukelei gewöhnt werden müssen. Wie gerne würde ich non Stopp nach Kavalla fahren. Aber es kommt eh anders. Irgendwo zwischen Plana und Megali Panaja sehe ich einen Radfahrer der recht unbeholfen auf eine Landkarte schaut. Rucksack, Satteltasche, Isomatte. Ein Travler? Ich bremse, kurble mein Fenster runter: „Where do you come from?“ „Newseeland“ Ich schalte die Warnblinkanlage ein und den Motor aus. Der Radler heißt Craig. Vor 14 Jahren hat er Neuseeland verlassen. 3 Jahre Holland auf `nem Hausboot. 4 Jahre London, 6 Monate Südafrika, `ne Tour durch Nord- und Mittelamerika mehrfach Indien und jetzt sitzt er seit knapp 1,5 Jahren im Sattel. Vor 2 Monaten war er noch in Marokko. Schnell wandert sein Bike in mein Fahrzeug, und er nimmt auf meinem Beifahrersitz Platz. Wir wollen in die gleiche Richtung. „You know the Date?“ fragt er mich. „Arround the 20. is that important?“ “Yes, I need a new Paycheck” “You get a paychek for traveling?” “A bit from google.” “You make a web Page about your travel?” Craig veröffentlicht keine Reiseberichte im Internet. In London verbrachte er 2 Jahre um eine Homepage zum Thema “Sprachen lernen” zu entwickeln. Heute hat seine Page ca. 5000 Besucher täglich und er verdient rund 100 Euro die Woche. Wow, der Kerl hat das geschafft wovon ich träume. Der verdient 100 Teuronen die Woche. Ich etwa 3, 50 Euro. Eine gewaltige Differenz. Seine Page ist aber auch echt nicht schlecht, in lustigen Spielen kann man die Basis von so ziemlich jeder Sprache der Welt erlernen. Erst wählt man die Sprache aus und dann das Spiel, zum Beispiel „Vegetables“. Jetzt erscheint beispielsweise das Wort für Apfel in der zu erlernenden Sprache, gleichzeitig spricht der Computer das Wort. Unten drunter sieht man die Bilder von `nem Apfel, `ner Birne, `ner Orange und was weiß ich nicht, was alles. Klickt man auf das richtige Obst hat man gewonnen. Klickt man auf das falsche muss man es noch einmal versuchen.
Dass wir in den kommenden Tagen viel über Webseiten, Suchmaschinenoptimierung, Linkaufbau und Werbemöglichkeiten sprechen versteht sich von selbst. Ich erspare euch diese Fachsimpeleien und mache da weiter wo wir eine Riesenschildkröte finden.

Wie alt mag das Tier wohl geworden sein? Wie viele Kontinente hat es gesehen bevor es hier tot angespült wurde? 6 Tage verbrachten wir in Stratonie. Die Fische im Meerwasseraquarium sind tatsächlich tot aber mein Parkplatz vom Spätsommer hat nichts von seinem Reiz verloren. Ich zeigte Craig die traditionellen Werften und was es heißt zu Containern. Diese Sportart kannte er noch nicht, fand aber augenblicklich Gefallen daran. Zumal wir direkt bei unsrem ersten Versuch einen Volltreffer landeten. Rund 70 Päckchen Zwieback. Einen Tag darauf Kakao, Champions und Jogurt. An den Tagen gingen wir spazieren oder saßen vor meinem Wagen. An den Abenden spielten wir Backgammon und tranken Bier das Craig sponserte. Dann luden wir das Fahrrad erneut in meinen Wagen und fuhren weiter.

Vor dieser Kulisse ist schon ein Bild von mir und meinen Eltern veröffentlicht. Wir fuhren vorbei an Flitschis Insel. Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen meinen Kumpel noch einmal zu besuchen. Auch Craig hätte mich nicht davon abgehalten. Aber die See war rauh und aufgewühlt. Eine Überfahrt in meinem Gummiboot zu gefährlich. Hätte ich auf besseres Wetter warten sollen? Was hat ein totes Tier davon wenn man seine Grabstätte besucht? Ich hatte und habe Hummeln im Hintern, ich will in die Türkei! Dennoch mache ich mir irgendwie Vorwürfe nicht noch einmal zum Grab gerudert zu sein. Es war die letzte Chance. Aber … um meine Frage selbst zu beantworten: Ein totes Tier hat nichts davon wenn man seine Grabstätte besucht. Es ist tot! Mittlerweile von Würmern zerfressen und nur noch ein Skelett. Ich bin weiter gefahren – Basta!
Wir fuhren bis Stavros. Dort parkte ich den Truck an der Stelle von der ich wusste dass es Internet im Auto gab. Zwei Webmaster, zwei Computer, ein kostenloses W-Lan Netzwerk. Ich erspare euch die Einzelheiten.
Am 4.3.2010 ging es weiter. Unser Ziel hieß Kavala. Craig wollte mit seinem Fahrrad reisen und mich in Kavala wiedertreffen. Nach wenigen Kilometern Landstrasse führte mich mein Weg auf die Autobahn. Diesmal hatte ich es eilig. Ich wollte mit möglichst geringem Kraftstoffverbrauch mein Ziel erreichen. Über Land bin ich die Strecke schon einmal gefahren. Rückwirkend betrachtet würde ich sagen, es war ein fataler Fehler. Die Sicht war diesig, aber es war trocken. Ich beschleunigte nach langer Zeit noch einmal auf über 100 Stundenkilometer nach rund 90 Minuten Fahrzeit erreichte ich mein Ziel. Weitere 30 Minuten später hatte ich einen Parkplatz. Kurz darauf fing es an zu regnen. Ich musste an Craig denken. Der arme Kerl sitzt jetzt irgendwo im Zelt. Am Morgen des 5.3. klopfte es an meine Tür. Ich dachte noch: „Scheiße, keine 24 Stunden hier und schon die Bullen am Arsch.“ Vorsichtig schaute ich aus dem Fenster. Draußen stand Craig. Pitsch nass und durchgefroren. Der Kerl ist einfach so lange im Kreis gefahren bis er mich gefunden hatte. Anrufen ist auch für ihn zu teuer.
Gegen Nachmittag besserte sich das Wetter, ja, es wurde sogar sonnig. Wir gingen die Stadt entdecken. Schön ist anders. Eine Hochhaussiedlung im Plattenbaustiel. Viel Verkehr und wenig Fußgängerzone. Wir kletterten auf eine Kaimauer und folgten ihr bis zum Ende. Von Weitem schaut es echt geil aus.

Am Abend zogen wir noch einmal los, wir wollten das Nachtleben erforschen. Aber außer ein paar Pubs an der Uferpromenade scheint es in Kavala kein Nachtleben zu geben. Markt und Strassen stehn` verlassen …

Das einzig Lustige was uns wiederfahren ist, ist unser Erlebnis mit einem Bus. Dieser Bus stand mitten auf der Strasse. Eigentlich wollte er links abbiegen, kam aber nicht um die Kurve da dort ein Auto etwas ungünstig geparkt hatte. In Deutschland würde nun die Polizei gerufen und diese würde ein Abschleppunternehmen beauftragen das Fahrzeug zu entfernen. Daraus resultieren lange Wartezeiten und hohe Kosten. In Griechenland löst man dieses Problem anders. Der Bus öffnet seine Türen, alle Passagiere die nicht am Krückstock gehen steigen aus und tragen das Auto einfach weg. Herumstehende „Zivilisten“ sind keine Schaulustigen sondern packen tatkräftig mit an. Auch Craig und ich betätigten uns als Autoträger. Minuten später setzt der Bus seinen Weg fort. Aber in Deutschland gilt: „Warum einfach wenn es auch umständlich geht.“
Lustig finde ich auch diese Lösung des hier herrschenden Parkplatzproblems.

Ob der sein Auto bei Orkanwarnung auch da parkt?
Wir wollen die Burg besteigen die von so ziemlich jedem Punkt der Stadt zu sehen ist. Aber 2 Euro Eintrittsgeld lassen uns umkehren. Am Morgen des 7. März liegt Schnee. Tatsache!

Wir gehen dennoch in die Stadt. Möffi betritt den Rasen einer Parkanlage, wahrscheinlich weil sie mal pinkeln muss. Plötzlich fängt sie an zu schreien. Augenscheinlich völlig grundlos. Ich gehe zu ihr und nehme sie auf den Arm. Langsam beruhigt sich das Tier. Zwischenzeitlich ist auch Scheck auf den Rasen getreten. Auch er schreit aus Leibeskräften. Augenscheinlich völlig grundlos! Craig folgt meinem Beispiel und hebt ihn auf den Arm. Auch er beruhigt sich langsam. Was ist da los? Warum schreien 2 Hunde wenn sie einen Rasen betreten? Wir schauen genauer hin. In den Rasen sind 2 Metallstangen eingeschlagen an welchen ein Hinweisschild befestigt ist. Das Gras rund um einen der beiden Pfosten schaut so aus:

Leichter Dampf ist zu erkennen und wenn man sich mit der Hand dem Boden nähert spürt man deutlich Wärme. Wir finden nur eine Erklärung: Die Wiese steht unter Strom! Keiner von uns besitzt den Mut, bzw. keiner von uns ist so dumm den Boden oder gar den Eisenpfosten zu berühren. Also bleibt es bei einer Vermutung, einer Schlussfolgerung. Wir beschließen die Sache schnellstmöglich auf der nächsten Polizeistation zu melden. Auf dem Weg dorthin passieren wir einen Bankautomaten. Craig meint: „Warte mal eben, ich brauch neues Geld.“ Ca. 2 Minuten stehe ich mit meinen Tieren vor der Bank und warte auf meinen Freund. Kurz danach erreichen wir die Polizei. Vor der Türe ein wachhabender Uniformierter. „Do you speack English or German?“ frage ich den Polizisten. „English a bit“ Ich erkläre was wir erlebt haben und zeige Fotos des „Tatortes“. Ich hatte sie extra aufgenommen um mir komplizierte Wegerklärungen zu ersparen. Ein zweiter Polizist wird gerufen, dann ein dritter. Er spricht sehr gutes Deutsch. Ich werde aufgefordert mit in die Wache zu kommen. Craig wartet derweilen mit meinen Hunden. Ich erkläre den Sachverhalt in meiner Muttersprache und zeige die entsprechenden Fotos. Sehr freundlich erklärt mir der deutschsprachige Bulle dass er ein Problem habe. Er müsse meine Personalien aufnehmen. Ich hätte vor einer Bankfiliale gestanden und da mich niemand gekannt hätte wäre die Polizei verständigt worden. „Seid Ihr Griechen Paranoid?? Ich stand 2 Minuten vor `ner Bank und hab auf `nen Kumpel gewartet der Geld abhebt. Das ist doch wohl vollkommen normal,“ sprach ich zu dem Uniformierten. „Das schon, aber ich möchte Sie jetzt trotzdem bitten sich auszuweisen.“ Rund 10 Minuten dauerte die Überprüfung meiner Personalien, dann durfte ich gehen. Die haben mich nicht verhaftet weil ich vor `ner Bank stand und das obwohl mein Personalausweis seit Februar abgelaufen ist. Wow, das nenn ich mal kulant!
Einen Tag später kommen wir wieder an dem Park vorbei. Das Schild ist demontiert! Woher auch immer die Bullen wussten dass ich vor `ner Bank stand, ich glaube nicht dass das der Grund war warum sie meine Personalien aufgenommen haben. Ich glaube dass die glaubten ich wolle sie vollständig verarschen. Wie auch immer, das nächste Mal lasse ich die Wiese unter Strom stehen.
Bis heute (10. März) verbrachte ich meine Zeit mit Craig. Craig dürfte mittlerweile schon die ersten 50 km hinter sich haben. Er will in die Türkei, dort der Schwarzmeerküste bis Armenien folgen und sich auf seinem Rückweg durchs Landesinnere bis Istanbul durchkämpfen. Irgendwo dort wollen wir uns noch einmal treffen. Dann bekomme ich sein Fahrrad und er nimmt ein Flugzeug zurück nach London. Während seiner Reise hat er neue Audiofiles für seine HP aufgenommen die er von dort veröffentlichen möchte. Soweit der Plan.
Samstag, 19 März 2010, 21 Uhr und 43 Minuten
Ich komme gerade aus Alexandroupoli zurück. Die Stadt wurde mir als sehenswert empfohlen. Geschmäcker sind halt verschieden. Aber vielleicht finde ich die schönen Stellen ja noch. Wenigstens ist mein Auto wieder repariert. Auch Kleinigkeiten können einen nervlich ziemlich fertig machen.
Nachdem ich den 10. März mehr oder weniger vollständig vor meinem PC verbrachte, ging ich mir am 11. die Stadt anschauen. Schnell fand ich eine Möglichkeit die alte „Wasserbrücke“ zu begehen.

Dieses Kavala dominierende Bauwerk diente vor Jahrhunderten dazu Trinkwasser aus den Bergen auf die Burg zu bringen. Heute ist es neben der Burg selber eines der wenigen intakten Bauwerke das älter als 50 Jahre sein dürfte. Ich hätte wirklich gerne einen kleinen Spaziergang auf dieser Brücke unternommen. Das Zäunchen stellt ja kein wirkliches Hindernis dar. Aber im Gegensatz zu der Dubrovniker Stadtmauer läuft da oben niemand, und wenn ich es tue sieht man es von der halben Stadt. Der Ärger wäre vorprogrammiert. Dafür wanderte ich einen Tag später auf den hinter Kavala gelegenen Berg. Dort befindet sich eine kleine Kapelle und ein überdimensionales, in der Nacht beleuchtetes Gipfelkreuz. Der Aufstieg ist beschwerlich. Allerdings nur, weil ich mal wieder mit dem Kompass navigiere anstatt den ausgeschilderten Wanderweg zu nutzen. Nachdem ich mich mehrfach aus Büschen freigekämpft und meine Hunde auf Felsvorsprünge gehoben habe bin ich meinem Ziel sehr nahe. Das Erste was ich sehe ist ein Auto. Die bauen heute auch echt überall Strassen. Dafür ist die Aussicht grandios.

Mehr Photos von diesem Platz und vom Stadtzentrum selber seht Ihr in meiner Bilder Show Kavala.
Auf dem Rückweg entdecke ich dann den wahren Grund der griechischen Staatspleite. Einen Tag später, bei erneutem Tageslicht, gehe ich dorthin zurück um ein Video dieser nutzbringenden technischen Neuerung aufzunehmen.


Aber das kennen die Meisten ja auch schon. Anschließend möchte ich nur noch einige Bilder ins Netz laden um danach Kavala zu verlassen. Also setze ich mich auf eine Bank am Busbahnhof, klappe den Rechner auf und ärger mich über die langsame Verbindung. Kurze Zeit später nimmt eine junge Frau neben mir Platz. Ihr alternativer Look, sowie ihr überdimensionaler Rucksack lassen darauf schließen, dass es sich um eine Reisende handelt. Ich klappe den Rechner wieder zu und stelle meine obligatorische „Where do you come from?“ Frage. Bei der Frau, deren Namen ich vergessen habe, handelte es sich nicht um eine Reisende. Eigentlich wollte sie nur für einige Tage nach Thessaloniki fahren um dort einem Festival beizuwohnen. Nach einem rund 20 minütigen Gespräch gab meine neue Bekanntschaft ihr bereits gekauftes Ticket zurück und ich erhielt eine alternative Stadtführung. „You can not leav Kavala whithout seeing my Beach!“ Im Haus einer ihrer Freunde stellte sie ihr Gepäck ab, und wir tranken einen Kaffee. Dann marschierten wir zielstrebig quer durch die City bis zur Hauptstraße. Dieser folgten wir einige Kilometer bis wir links auf einen Trampelpfad einbogen. Abermals eine viertel Stunde später erreichten wir den besagten Strand. Sie verbringt hier nahezu die ganzen Sommerferien, bekomme ich erzählt. Einer ihrer Freunde hat ein Auto mit dem er täglich in die Stadt fährt um neue Lebensmittel sowie Wasser zu besorgen. Wir verbrachten einige Stunden an diesem romantischen Ort und beobachteten gemeinsam den Sonnenuntergang. Anschließend gingen wir zurück. Meine Bekannte kaufte sich ein neues Bus Ticket und nahm kurz darauf den Nachtbus nach Thessaloniki. Ich ging nach hause.
Am 14. März beendete ich dann meine Arbeiten im Internet, schaute mir noch ein wenig die Stadt an um am Morgen des 15. ausgeruht aufzubrechen.
Nach kurzer Fahrt erreiche ich die Autobahn. Eigentlich wollte ich über Land fahren, die Wegstrecke hinter Kavala kenne ich noch nicht und sie ist sicherlich sehr reizvoll. Aber irgendwann muss es auch mal weiter gehen. Also nutze ich die Schnellstrasse. Die Sonne scheint, das Wetter ist phantastisch. Wie immer läuft mein treues Wägelchen als sei es ein Neuwagen und ich genieße die erholsame Fahrt über die nahezu verkehrsfreie Autobahn. Es geht bergauf und bergab, durch den ersten Tunnel und dann durch den Zweiten. Dahinter ändert sich die Landschaft. Zu meiner Linken blicke ich auf Berge deren Gipfel teilweise noch Schneebedeckt sind, und zu meiner rechten Seite liegt eine schier unendliche Ebene an deren Ende sich das Meer erahnen lässt.

Schnell erreiche ich die Ausfahrt Alexandroupoli. Bei aller Eile, aber diese Stadt möchte ich mir anschauen. Ich passiere einige Tankstellen und vergleiche deren Preise. Es ist mal wieder an der Zeit für neuen Kraftstoff. 1,21 Euro; 1,19 Euro … oh Mann, vor einigen Monaten habe ich noch für 98 Cent getankt. Vielleicht geht die griechische Staatspleite doch nicht so spurlos an mir vorüber wie ich es im Video behauptet habe. Dann erblicke ich einen Kraftstoffdealer der den von meinem Truck benötigten Lebenssaft für 1 Euro 16 anbietet. Ich halte an, steige aus und falle fast tot um. Was ist mit meinem Wagen los? Er ist so schön gefahren aber seine ganze linke Seite ist ölverschmiert. Auspuff, Abwassertank, Batteriefach, Unterfahrschutz bis hin zum Schutzblech ist alles ölig.

Panisch kontrolliere ich den Ölstand. Als ich abgefahren bin war da eindeutig mehr drin, aber die Anzeige liegt immer noch weit über der Minimum Marke. Ein wenig erleichtert atme ich auf. Ich tanke für 20 Euro. Wer weiß was dran ist an dem Auto. Ein kaputtes Fahrzeug sollte man nicht voll Tanken, das ist Verschwendung.
Ich verlasse die Tankstelle und biege an der nächsten Möglichkeit rechts auf einen Sandweg ab. Er führt mich zu einer herrlichen Parkfläche direkt am Meer. Aber ich kann die Schönheit der Natur nicht genießen, nicht wenn mein Auto kaputt ist. Ich ziehe mich um und klappe das Fahrerhaus.

Schneller als ich dachte finde ich den Fehler. Ein Gummischlauch zwischen Turbolader und Motorblock hatte sich verschoben und an dieser Stelle verlor mein Fahrzeug nun größere Mengen Öl.

Schlauchschellen lösen, Schlauch demontieren, alles reinigen, wieder zusammenbauen und gut ist. Nach weniger als einer halben Stunde war ich fertig.
Obwohl der hiesige Wohnort sehr schön ist startete ich noch einmal meinen Wagen. Ich will wissen ob jetzt wirklich wieder alles okay ist, sonst mache ich die Nacht kein Auge zu. Ich durchfahre Alexandroupoli, ohne es mir anzuschauen, und erreiche etwa 20 km später ein Schild: „Thermal Springs“. Heiße Quellen, cool! Ich biege ab und parke kurz darauf nahe eines Flusslaufes unter großen Platanen. Ein kurzer Blick unter den Wagen verrät mir, dass meine Reparatur erfolgreich verlaufen ist. Kein neues Öl auf den gereinigten Teilen. Ich folge dem Flusslauf zurück Richtung Hauptstrasse und suche nach den heißen Quellen.
Bald erreiche ich ein eingezäuntes Areal. Innerhalb der Umzäunung befinden sich eine Kirche und weitere Bauwerke. Es schaut so aus wie eine Ferienanlage die jetzt geschlossen hat. Durch eine offen stehende Pforte betrete ich das Gelände. Als erstes besichtige ich eine Halle in welcher die „alten“ Griechen einige Blumentöpfe vergessen haben bevor sie gestorben sind.

Dann fallen mir zwei kuppelförmige Bauwerke auf. Sie erinnern mich an die kleinen Wehrbunkeranlagen aus Albanien im XXL Format. Ich gehe herum und suche einen Eingang den ich dann auch finde. Eine Türe gibt es nicht, aber die rund 70 cm Wasser auf dem Boden des Bauwerkes halten mich davon ab es zu betreten. Ich schaue hinein und bin mir ziemlich sicher ein altes griechisches Badehaus vor mir zu haben. Leider ist es total baufällig. Dort, wo einstmals warmes Wasser in den „Swimmingpool“ plätscherte, befindet sich heute der Anschluss eines hässlichen blauen Rohres.

Aber die Akustik dieser Räumlichkeit ist umwerfend. Ich folge dem Rohr, es führt in ein modernes Gebäude. Wahrscheinlich dem heutigen, touristischen Badehaus mit Cocktailbar und Farbfernsehen. Dieses Gebäude ist verschlossen, ich kann also nur vermuten. Unweit von dort entfernt finde ich dann auch die heiße Quelle.

Ich hatte mir das irgendwie spektakulärer vorgestellt. Es schaut ein wenig so aus wie die Abwasserleitung eines Industriekomplexes und genauso riecht es auch. Nach faulen Eiern !
Da es noch früh am Tag ist wandere ich auf einen Berg. Von dort hat man eine wunderbare Aussicht auf die Delta-ähnliche Landschaft unter einem. Ein dort aufgenommenes Bild hab ich euch bereits als eines meiner Fahrt gezeigt. Zugegeben, das war `ne Lüge, ist aber nicht weiter schlimm, da es hier überall gleich aussieht.
Die nächsten zwei Tage verbringe ich mit waschen. Bis zur türkischen Grenze sind es nur noch 20 km, und sollten mich Visa Bestimmungen dazu nötigen dieses große Land in 90 Tagen zu durchqueren, möchte ich diese Zeit nutzen um mir das Land anzuschauen, und nicht um meine Wäsche zu waschen. Außerdem hab ich hier die idealen Voraussetzungen. Warmes Wasser in Hülle und Fülle. Es riecht zwar abscheulich, muss aber unheimlich gesund sein. Das belegen die zahlreichen Griechen die hier her kommen um die Brühe direkt aus der Leitung zu trinken. Auch ich probiere das heiße Heilwasser. Es schmeckt genauso wie es riecht. Aber was andere Leute trinken soll mir zum waschen und duschen vollkommen ausreichend sein.
Am 18. März starte ich den Motor. Nein, ich fahre nicht in die Türkei. Ich fahre zurück nach Alexandroupoli. Es ist die letzte größere Stadt vor der Grenze und ich muss unbedingt noch einkaufen. Hundefutter soll im Türkenland nahezu unbezahlbar sein. Als erstes tanke ich voll. 140 Euro, puh ! Dann parke ich am Strand

und besichtige die Stadt. Wie bereits erwähnt hat sie in meinen Augen nicht sonderlich viel zu bieten. Jetzt ist es mal wieder Mitternacht und ich geh pennen. Schlaft schön Leute.
Zwei Tage verbrachte ich in Alexandroupoli. Bereits am ersten Tag machte mich die Polizei darauf aufmerksam das ich mich nicht auf einem Campingplatz befände. Ich log etwas von Restalkohol und dass ich bis am Abend des folgenden Tages verschwunden sei und hatte somit ein Bleiberecht erwirkt. Ich kaufte 50 Kilo Hundenahrung, spazierte über einen Markt und genoss das Nachtpanorama.

Am späten Nachmittag des 20. fuhr ich weiter. Fünf Kilometer vor der Grenze nächtigte ich ein letztes Mal in Griechenland. Um 14 Uhr und 8 Minuten des Folgetages überreichte ich meine Dokumente dem griechischen Zollbeamten, ein kurzer Blick in Pass und Fahrzeugpapiere und ich hatte das Land verlassen das über 365 Tage meine Heimat war.

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