Mit dem Wohnmobil in Edinet

Die Straßenbeschaffenheit war absolut zufrieden stellend. Walnussbäume säumten die Strasse auf einer Distanz von gut und gerne 40 Kilometer. Zwischen ihnen hindurch blickte man auf saftige Wiesen, kleine Hügel und dazwischen liegende Seen. Im Abstand von wenigen Kilometern saßen entweder sehr alte, oder sehr junge Menschen am Straßenrand und verkauften frisches Obst aus eigenem Anbau.
Ein eigenartiger Anblick. Mal saß ein altes Mütterchen und mal ein Kind von nicht mehr als 10 Jahren neben einem Eimer Kirschen oder Erdbeeren. Noch nicht einmal eine Waage konnte ich als Zubehör neben den „Verkaufsständen“ erblicken. Sie waren auch nie ausgeschildert. Ich erblickte sie immer erst dann wenn ich schon fast an ihnen vorbei war. Zwischen den Obstverkäufern, mehr oder weniger exakt auf halbem Weg, sichtete ich überfahrene Hunde am Straßenrand. Anscheinend der Nebeneffekt einer tadellosen Asphaltdecke.
Einen Parkplatz welcher zum verweilen einlud, den sichtete ich allerdings nicht. An einer Tankstelle ließ ich noch einmal meine Gasvorräte auffüllen. Bald kommt die Grenze zur Ukraine, und in der Ukraine schaut es erfahrungsgemäß schlecht aus mit der Gasversorgung.
Gegen 16 Uhr parkte ich mein Fahrzeug am Stadtrand von Edinet. Kleine „Pfefferhäuschen“ mit den hier üblichen Eternitdächern säumen den Anfang der Hauptstrasse. Dann wird es westlicher, richtig modern.
Sogar gleich zwei verschiedene, relativ große Supermärkte sind im Ort vorhanden. Zusätzlich die unzähligen „Magazina Alimentara“ mit den obligatorischen Sitzgelegenheiten vor ihren Eingängen welche eine Atmosphäre der Ruhe und Gemütlichkeit verbreiten. Vorsichtige Blicke ins innere dieser Geschäfte verraten mir welches über eine eigene Schankanlage verfügt. Bei einem Bier (0,5 Liter für unter 50 Cent) beobachte ich das Treiben. Danach geht es durch ein gewaltiges, bronzenes Tor in eine Parkanlage. Hinter einem Monument, der Soldatenmutter, wie ich erklärt bekomme, befindet sich ein idyllischer See. Hübsche Bänke laden zum verweilen ein. Ich setze mich. Stille! Nur der fröhliche Lärm einiger Kinder welche am andern Seeufer ein Bad nehmen und vereinzeltes Froschquacken ist zu vernehmen. Am Ende des Sees geht es über einen kleinen Damm hinein in einen weiteren Park. Er wirkt nicht so natürlich, mehr künstlich angelegt und gefällt mir weit weniger gut. Dafür ist die Fabrikbrache welche über einen Garagenhof am Ende des zweiten Teils der Parkanlage zu erreichen ist mehr als interessant. Am späten Mittag des 2. Juni 2012, als ich beschlossen hatte in Edinet alles Sehenswerte gesehen zu haben, startete ich zu einer kleinen Wanderung ins 8 Kilometer entfernte Cupcini. Mindestens ein Dutzend holländische Wohnwagengespanne überholten mich in nahen Zeitabständen auf meinem Weg. Kaum hatte ich den Ort erreicht, überraschte mich ein heftiger Regenschauer. Wie gut das es hier überall diese Magazina Alimentara mit den großen Sonnenschirmen und dem preisgünstigen Gerstensaft gibt so dass man das schlechte Wetter einfach abwarten kann.

Am nächsten Morgen waren dann einige Hausarbeiten angesagt. Spülen, getrocknete Wäsche zusammenfalten, noch mal kurz am Geschäft vorbeischauen (man muss das ja ausnutzen wenn es mal eins gibt) und dann ging es weiter.
Da ich keine Lust auf einen weitern Stadtaufenthalt hatte und sich kein wirklich toller Parkplatz finden ließ, parkte ich mein Einfamilienhäuschen mitten auf den Feldern.

Aber über Felder zu wandern macht mir irgendwie keinen Spaß. Ich war richtig froh als sich Wohnhäuser aus der Eintönigkeit der Landschaft erhoben und ich bald darauf Briceni erreichte.
Das erste Wesen mit dem ich mich in diesem Ort anfreundete war animalischer Natur.

Es war auch etwas schwierig Menschen zu treffen, denn der Ort mit seinen Märkten, Strassen und Parkanlagen wirkte wie ausgestorben.

Was mir aufgefallen ist, ist das hier in Briceni anstelle eines hässlichen Panzers ein alter Traktor als Mahnmal aufgestellt wurde.

Traktoren sind auch viel nützlicher als Panzer.
Am Morgen des 5. Junis startete ich dann abermals den Motor. Nur zwei Kilometer von meinem Parkplatz in den Feldern hatte ich einen Brunnen entdeckt. Mit dessen Hilfe konnte man gutes Trinkwasser ans Tageslicht befördern und genau das hatte ich vor. Leider kam an diesem Tag das Wasser nicht nur von unten, sondern auch von oben. So dass ich beschloss nicht weiter zuziehen und die schier endlosen Wassermassen zum waschen zu verwenden. Aber am sechsten, am sechsten ging es dann weiter. Vorbei an einer riesigen Storchkolonie

und wie gewohnt recht eintöniger Landschaft die nicht zum verweilen einlud bis wenige Kilometer vor Lipcanie. Dort parkte ich am rechten Fahrbahnrand und brach am Folgetag zu einer Wanderung auf.
Mein Weg führte mich vorbei an einem See. Dort gab es eine kleine, allem Anschein nach bewohnte Hütte.

Zumindest stand ein Fahrrad vor der Türe und kleine Rauchschwaden drangen aus dem Abgasrohr hervor. Aufgrund von mangelnden Sprachkenntnissen und einem von mir mitgeführten Gastgeschenk verzichtete ich allerdings darauf anzuklopfen.
Auch ein am See geparkter, schrottreifer LKW wirkte irgendwie bewohnt.

Richtig süß finde ich diesen Wachhasen welcher vor einem ländlichen Bauernhaus aufgepasst hat.

Es gab dort auch noch einen Wachhund. Als ich das Haus erreichte sprang der Hund auf um seiner Aufgabe nachzugehen. Vorher, so glaube ich zumindest es gesehen zu haben, lag er eng an den Hasen gekuschelt neben diesem. Der Hund bellte laut und der Hase war intelliegenter. Er muss sich wohl gedacht haben: „Ich lass meinen Kumpel mal bellen und wenn der Typ durch das Hoftor kommt, dann stehe ich auf und beiße.“
Auf dem Rückweg passierte ich noch einen Umsonstladen für Kartoffeln an dem ich mich reichlich eindeckte.

Den nächsten Tag verbrachte ich vor meinem PC und am Abend startete ich den Motor um das Stadtzentrum von Lipcanie zu erreichen. Ich parkte direkt am Stadtpark. Eine Statue von Lenin grüßt seine Genossen, anders als unser Führer seine Kameraden, nicht mit der rechten sondern mit der linken Hand.

In einem kleinen Geschäft gab ich mein letztes Geld aus. Nach dem erwachen wollte ich meinen Motor starten um erneut in die Ukraine einzureisen. So weit der Plan. Am Abend saß ich dann vor meinem Wagen (mitten im Stadtpark) und hörte leise Musik. Ich saß keine 10 Minuten als eine Gruppe junger Männer reges Interesse an meiner Person zeigte.
Drei weitere Tage sollte ich mit meinen neuen Freunden verbringen. Drei Tage absolut ohne einen Pfennig Landeswährung. Ich erklärte den Jungs das Problem und sagte dass ich kein Interesse daran hätte noch einmal zu wechseln. „No money – no problem!“ erhielt ich als Antwort und kurz darauf saßen wir bei einem Bier zusammen. Erst vor meinem Wagen, später in einer Kneipe und noch später in meinem Wagen wo ich Bratkartoffeln für die ganze Mannschaft zubereitete.
Am nächsten Morgen wurde ich früh geweckt. Einer von den Jungs klopfte bei mir an. „Morgen fahren wir schwimmen.“ Bekam ich erklärt. „Ne, morgen bin ich in der Ukraine. Heute kuriere ich meinen Rausch aus, und morgen geht es über die Grenze. Ich hab kein Geld mehr.“ „Ach was, Blödsinn! Wir gehen schwimmen. No money – no problem! Ich hab Frühstück mitgebracht.“
Vor dem Wagen sitzend dauerte unser Frühstück bis ca. 16. Uhr. Immer mehr Leute gesellten sich zu uns. Und um mir klar zu machen dass ich nun wirklich kein Geld brauche brachte jeder irgend etwas anders mit. Neue Kartoffeln, Erdbeeren, selbst eingekochte Marmelade, Brot… Ich erzählte dass ich Internet benötige und schwups saß ich in dem Opel Astra eines meiner Freunde und 20 Minuten später vor seinem privaten Internetanschluss. Dummerweise ging das alles so schnell das ich keine Daten vorbereitet hatte und mir der Internetzugang so nur wenig nützte. Am Abend, bzw. in der Nacht saßen wir dann wieder mit einigen Bier vor meinem Wagen. Ich bemerkte dass meine Batterien diese Diskolautstärke im Zusammenhang mit einem Schattenparkplatz nicht ewig durchhalten und 10 Minuten später wurde ein Stromkabel von der Steckdose zu Lenins Füßen bis zu meinem KFZ geführt.
Unglaublich! Drei Nächte haben wir mitten in der Stadt bis in die frühen Morgenstunden hinein die Anlage bis zum Maximum aufgedreht und keiner, aber wirklich überhaupt gar keiner hat sich beschwert. Dabei war die Polizeiwache nur rund 300 Meter weit entfernt. Am nächsten Tag ging es dann tatsächlich schwimmen. Unser gemeinschaftlicher Schwimmausflug entwickelte sich dann aber eher zu einer gemeinschaftlichen Auto-Wasch-Aktion. Das war auch bitter nötig nachdem wir mit vereinten Kräften den Astra aus einer Schlammpfütze befreit hatten.

Schwimmen waren wir dann aber auch. Am Abend saßen wir wieder im Stadtpark. Einer meiner Freunde welcher der englischen Sprache nicht so gut mächtig war, hatte seinen Computer nebst UMTS Surfstick mitgebracht. Eine volle Akkulaufzeit saßen wir auf einer Bank nebeneinander und unterhielten uns mittels Googel translation. Für die Übersetzung ganzer Webseiten ist Googel translation ja nur bedingt geeignet, aber für einzelne Sätze einer Unterhaltung, da klappt das echt gut. Wir konnten uns prima miteinander unterhalten und es war verdammt lusstig.
„Schön kennen gelernt haben dich, hoffe wir sehen uns wieder.“ Aber verstehen kann man es. Am nächsten Tag fuhr ich dann tatsächlich ab um die Ukrainische Grenzstation zu erreichen. Hier vielleicht noch ein paar Bilder von mir und meinen Freunden aus Lipcanie welche eigentlich in Chisianu studieren aber gerade Semesterferien hatten.

Den Weg zu Grenze kannte ich. Es ging vorbei an der verfallenen Tuberkuloseklink und dem vergitterten und schwer bewachten „Baby Alcatras“ wie mir meine Freunde erklärt hatten.
Um zwanzig nach eins erreichte ich den Moldawischen Grenzposten.

Papiere wurden kontrolliert, eine etwas rundliche Zollbeamtin stellte sich recht ungeschickt an in mein Fahrzeug zu klettern (ich hätte es echt gerne gefilmt. Die fette Kuh ist immer wieder runter gefallen und hat sich am Ende eine Leiter geholt) beschränkte sich bei der eigentlichen Durchsuchung dann aber auf das Nötigste. Es dauerte wohl knappe 20 Minuten bis ich einen Ausreisestempel im Pass hatte und dem ukrainischen Grenzposten entgegenfahren durfte.
An dieser Stelle möchte ich meinen ausführlichen Moldawien Reisebericht gerne zugunsten einer Kurzzusammenfassung beenden.
Mir wurde in Forum und Gästebuch so oft gesagt dass Menschen keinen "Mehrwert" erkennen wenn sie VIP Leser, also -Verry important Petrol Sponsor- werden das ich mich zum Handeln veranlasst fühle. Es ist schließlich unfair den Menschen, die dafür verantwortlich sind das meine Reiseberichte fortgesetzt werden können, die gleiche Leistung zu bieten als den anderen.
Nach über 5 Stunden Grenzprozedur wurde mir die Einreise gänzlich verweigert. Auch die nahe Grenze zu Rumänien durfte ich nicht passieren. Alles in allem musste ich einen Umweg von knapp 500 Kilometern fahren. Klar das ich so eine weite Strecke nicht in 3 Tagen fahren kann und so wurde Moldawien noch etwas länger als geplant meine Heimat auf Zeit. Hier einige Bilder:
Weitermachen möchte ich dann gerne im rumänischen Iasi das ich nach langwierigem Zollprozedere und einer Röntgenuntersuchung meines Fahrzeugs erreichte.
Solltest Du über Zugangsdaten zu meinem VIP Bereich verfügen, so kannst du HIER den vollständigen Bericht lesen.

Weiter geht es im rumänischen Iasi.

Derzeit im Chat :



Bild: Danke








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