Felskirchen Moldawien - Reisebericht Tipova

Unser Weg führte und hinein ins Stadtzentrum von Tipova, (man spricht es übrigens Zipova) einer grob geschätzt 300 Einwohner Gemeinde. Liebevoll bemalte Brunnenhäuser stehen im Abstand von unter 100 Metern am Straßenrand.

Nur wenige Minuten später blicken wir bei diesiger Sicht hinunter auf die Nistru, den Fluss der diese Landschaft prägt. Hier ein Bild das bei besseren Wetterbedingungen aufgenommen wurde.

Durch ein Tor betreten wir den Vorplatz einer kleinen, blau gestrichenen, Kirche. Überhaupt ist hier alles in Blautönen gestrichen. Blau scheint den Menschen hier besonders gut zu gefallen oder aber blau ist billiger als alle anderen Farben, was ich mir aber nicht vorstellen kann. Wir spazieren über den Platz und nutzen einen schmalen Weg welcher uns über in den Fels geschlagene Steintreppen hinabführt. Er endet in einem schmalen Pfad. Rechts eine meterhohe Felswand, links ein rostiges Geländer, dahinter ein Abgrund.

Abermals geht es einige Treppen hinunter, dann liegt linkerhand die erste Grotte.

Vermoderte und teils angeschimmelte Heiligenikonen stehen auf einem Sims. Billige Farbdrucke in fauligen Holzrahmen. In einer schmutzigen Plastikdose liegen Geldspenden. Ich zähle 84 Bani; etwa 5 Cent. Ein Stapel Papier und ein Stift liegen bereit. In den Vertiefungen und Spalten der schroffen Felswand mit unzähligen Löchern und Muscheleinlagerungen klemmen diese Zettel. Anscheinend ist es ein Brauch Wünsche und Nöte niederzuschreiben und diese Wünsche in die "heilige Höhle" zu klemmen.

Ungezählte Zettel liegen auf dem Boden und wirken, wie alles andere hier auch, irgendwie schmutzig. Abermals rund 70 Meter weiter die Felskirche.

Über eine Holztreppe gelangt man in die eigentliche Kirche. Wir werden vom Pfaffen eingeladen uns das anzuschauen. Belüne nimmt die Einladung an. Ich hingegen warte mit meinem Hund vor der Türe, da ich keine Lust auf Bettelmönche habe und ich es mir nicht vorstellen kann, dass wir da ohne Spendenaufforderung wieder rauskommen. Ich ziehe es vor in der Zeit die bunkerähnlichen Grüfte, unterhalb der Kirche, anzuschauen.
Unrat liegt herum. Draht, alte Autoteile, Plastik, Hausmüll. In einem Raum scheuche ich eine Fledermaus auf.
Das absolute Highlight an diesem Ort ist die Aussicht, sowie die zwei kleinen Welpen die zwischen all dem Dreck und Müll in den Grotten leben.

Ebenfalls sehenswürdig: Die heilige Scheiße des Popen die hier durch das Bodenloch eines einfach zusammengenagelten Toilettenhäuschens in die Natur plumpst.

Wir gehen zurück und werfen noch einen Blick in die Blaue Kirche.

Kaum wollen wir diese wieder verlassen kommt ein bierbäuchiger Priester und bittet um eine Spende. Belüne spendet, ich verstehe den guten Herren leider nicht. Erwähnenswert finde ich die Tatsache, dass gerade dieser bierbäuchige Gottesdiener zwei Tage später einer ganz weltlichen Beschäftigung nachgeht: Er verkauft mir eine Flasche Bier in einem der beiden winzigen Lebensmittelgeschäfte im Ort.
Am nächsten Tag regnet es Bindfäden. Ein vor die Tür gehen ist trockenen Fußes nicht möglich. Belüne und ich vertreiben uns die Zeit mit Hausarbeiten. Als Rucksackreisende die ständig ihren Standort wechselt freut sich meine Couchsurferin über einen Platz zum waschen. Der Brunnen bietet ausreichend Wasser und darüber hinaus ist er noch überdacht, so dass er selbst im Regen eine adäquate Trockenmöglichkeit bietet. Den Rest des Tages verbringen wir mit Müßiggang, Gesprächen und leckerem Essen aus meiner Wohnmobilküche.
Dafür schien am 30. September die Sonne. Belüne war früher auf den Beinen als ich, und sie nutzte die Zeit um am nahen Tante Emma Laden ein frisches Brot zu erwerben. Einem gemütlichen Outdoorfrühstück in der wärmenden Spätsommersonne stand somit nichts mehr im Wege. Bei ihrem Einkauf erfuhr sie, dass es hier einen Wasserfall geben soll. Hinunter zum Fluss, dann links und wieder links in die erste Schlucht abbiegen. Dann immer geradeaus. Das wollten wir erkunden.
Wir kletterten also die Böschung zur Nistru hinunter und bogen links ab. Schon beim Hinabsteigen boten sich uns einzigartige Panoramen. Der Fluss selbst; azurblau mit etwas das man fast als Sandstrand bezeichnen könnte. Eigenartige, kastenförmige Fischerboote sind am Ufer vertäut. Sie wirken irgendwie wie Eigenbauten. Belüne gelingt es eine Eidechse zu fangen welche wir ausgiebig betrachten müssen. Kleine weiße Schäfchenwolken treiben gemütlich am Himmel entlang. Nach kurzem Marsch erreichen wir einen kleinen Bach der in die Nistru einmündet. Kaum vorstellbar, dass dieses kleine Rinnsal das Tal geformt haben soll. Wir wandern durch die breite Ebene, über satt grünes Weideland. Ein verbrannter Baumstamm ragt wie ein Mahnmal aus der Ebene empor. Links und rechts erheben sich bewaldete Berge welche von dem herbstlichen Laub in leuchtende Farben getaucht werden. Immer wieder verlieren wir den Weg, stoßen aber recht bald wieder auf so etwas wie einen Trampelpfad. Rund eine halbe Stunde folgen wir dem Tal. Dann sehen wir linker Hand eine halbrund ausgespülte Felswand. Einige ins Erdreich gegrabene Stufen führen in diese Richtung. Wir folgen ihnen. Schon bald stehen wir vor der imposanten Wand. Zu ihrem Fuße eine ausgespülte Mulde. In ihr hat sich ein kleiner See gebildet. Hier und da fällt ein Wassertropfen von der Felswand hinab in den nahezu verlandeten See. Schade! Unser Wasserfall ist ausgetrocknet. Wir versuchen, der Wand entlang, auf die andere Seite zu klettern und gelangen dabei immer höher auf den Berg. Wir blicken auf einige grottenartige Felsvorsprünge, es gelingt und aber nicht diese zu erreichen. So etwas wie einen Weg gibt es hier nicht. Belüne findet einen Wanderstock. Ich bin ein wenig neidisch. Auf allen vieren krabbeln wir den Berg in ausreichendem Sicherheitsabstand empor. Immer wieder lösen wir mit unsren Füßen kleine Steinlawinen aus. Dann erreichen wir den Gipfel und verschnaufen bei einem Apfel, welchen wir kurz zuvor zusammen mit ungezählten anderen von einem wilden Apfelbaum gepflückt hatten. Gegen 16,30 Uhr erreichen wir wieder den Ort.
Ich schlage vor noch einmal zu den Höhlen hinunterzulaufen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir dort vorgestern nicht alles entdeckt hatten was es zu entdecken gibt. Aber Belüne hatte keine Lust. Sie zog es vor zum Wagen zurückzugehen, sich in die Sonne zu setzen und in ihrem rumänischen Sprachführer zu blättern. Also ging ich alleine.
Ich nutzte den Weg den ich schon einmal gegangen war bis hinunter zur ersten Grotte. Dort gab es ein Loch in der Absperrung. Eigentlich handelt es sich weniger um eine Absperrung, als mehr um ein Geländer, einen Handlauf. Auf jeden Fall war dieser hier unterbrochen und ein Trampelfahrt führt nahezu im 180 Grad Winkel zurück. Ich nutze diesen schmalen Stieg und befand mich Sekunden später auf einem in den Fels geschlagenem und teils überdachten Hochplateau.

Aufwendige Stufenformationen waren in den Fels gearbeitet. Teilweise stellten sie wohl Sitz- bzw. Schlafgelegenheiten dar. Teilweise war ihre terrassenförmige Anordnung für mich ein Rätsel. Ich folgte dem Plateau und gelangte in so etwas wie geschlossene Räume. Durch mehr oder weniger runde "Fenster" konnte man hinab ins Tal blicken. Einige Wände waren glatt, so wie verputzt. Möchtegernkünstler hatten sie mit ihren Namen und anderen Inschriften beschmiert. Es gab angelegte Feuerstellen, herumliegende Plastikteller zeugten davon, dass dieser Ort auch noch für andere Dinge als zum beten genutzt wird. Dann gelangte ich an ein Loch; eine Art Tunnel. 50 Zentimeter Durchmesser und ca. 50 Zentimeter lang. Ich zog meinen Rucksack aus, schob ihn vor mir her und krabbelte hindurch. Ich stand in einem kleinen Raum. An dessen Ende- ein weiterer Tunnel mit ähnlichen Dimensionen. Ich krabbelte auch durch ihn und fand mich in einem großen Saal wieder. Grob geschätzt 30 Meter lang und 15 Meter breit. Ein riesiges Panoramafenster sorgte für ausreichenden Lichteinfall. Eigentlich handelte es sich um kein Fenster. Hier fehlte eine Wand um behaupten zu können es sei ein Raum. Nur eine kleine in den Fels gearbeitete Mauer trennte den Innenraum vom Abgrund. Dann eine säulenartige Wand welche den Raum in alle Richtungen teilte. Durch einen Rundbogen gelangte man in eine weitere Grotte welche durch die Säule nur rein optisch vom großen Saal abgetrennt wird. Im hinteren Teil ein rundes Fenster.
Ich befinde mich in einer Sackgasse. Waren diese Höhlen einst eine Art Festungsanlage? Eine Fluchtmöglichkeit? Es gibt nur einen einzigen Weg in den großen Saal. Dieser führt durch zwei gut zu verteidigende Tunnel. Genug Vorräte vorausgesetzt, und ich könnte diesen Platz mit nur wenigen Menschen gegen eine ganze Invasion von Eindringlingen verteidigen. Zu schade, dass keine Informationstafel angebracht ist auf welcher man die historischen Hintergründe dieser eigenartigen Bauwerke nachlesen könnte. Kirchen waren das sicher nicht.
Ich krieche zurück durch die beiden Tunnel, gehe zurück über die Terrassen und nutze einen tiefer gelegenen Weg. Auch hier sind Höhlen. Sie sind nicht ganz so aufwendig bearbeitet, sie haben Naturwände. In ihrem Inneren stehen diese hässlichen Ikonen auf schmutzigen Teppichen. Ich erkunde noch eine Steintreppe die ins nirgendwo führt und dann gehe ich zurück zum Wagen. Belüne trifft wenige Minuten nach mir ein. Sie ist sichtlich angetrunken. Anstatt sich des Sprachstudiums zu widmen, hat sie sich von einigen Anwohnern zum Wodka Umtrunk einladen lassen. Wenigstens hat sie Bier dabei, so dass ich nachholen kann. Ich zeige ihr die Bilder und am darauf folgenden Tag zeige ich ihr meine Entdeckungen in live.
Einige Stunden verbringen wir in den Grotten welche man, objektiv betrachtet auch in 30 Minuten erforschen könnte. Dann gehen wir zurück. "Was machen wir jetzt?" "Ich wollte noch ein bisschen rumänisch lernen. Bin gestern schon nicht dazu gekommen!"
Rumänisch lernen war mir hingegen jetzt zu langweilig, also trennten sich unsre Wege abermals. Ich ging zurück zu den Höhlen. An ihnen vorbei führt ein langer schmaler Trampelpfad den ich noch nicht bis zum Ende gegangen war. Mittlerweile war eine Busladung Tagestouristen aus Chisinau eingetroffen. Die Grotten waren übervölkert. Ich kam mit einigen englischsprachigen Touristen ins Gespräch. "Hast Du schon den Wasserfall gesehen?" werde ich auf englisch gefragt. "Ja, war gestern da. Aber der ist ausgetrocknet." "Wie ausgetrocknet? Gerade eben floss da noch Wasser!" Ich lasse mir den Weg beschreiben. Wir waren zu früh links abgebogen. Bis zum Wasserfall sollen es zwei Stunden Fußmarsch sein. Ich prüfe meine Ausrüstung. Taschenlampe, GPS, Reservebatterien. Los geht's! Belüne wird schon merken, dass ich später komme. Wie kann man in seinem Urlaub in einem Sprachführer lesen? Wie kann man in einem Urlaub überhaupt lesen? Ok, ich lese auch. Ich hab aber auch den Rest meines Lebens Zeit und nicht nur ein paar Wochen! Nahezu im Laufschritt begebe ich mich hinunter zum Fluss. An der Einmündung des Bächleins links, vorbei an dem abgebrannten Baum und dann immer dem Bächlein folgen. Später im Canyon rechts halten. So weit meine Wegbeschreibung. Das Tal ist herrlich. Es geht vorbei an "little Stonehenge", einer klaren Quelle, einem riesigen Müllhaufen welcher von sommerlichen Campern zeugt, die sich nicht zu benehmen wissen, es geht über improvisierte Brücken, durch matschiges Sumpfland, durch dichte Wälder, sonnige Lichtungen und tiefe Schluchten. Immer im Laufschritt, das Tagesende naht. 2 Stunden Weg, zurück muss ich auch noch. Ich habe keine Zeit zum Verweilen.
40 Minuten später erreiche ich das Ziel.

Der Canyon endet an einer gut und gerne 20 Meter hohen Wand. Auch diese Wand beschreibt einen Halbkreis. Schon 5 Minuten bevor man den Wasserfall erreicht, spürt man, dass es deutlich kühler wird. Dann erst vernimmt man das Rauschen des Wassers und wenn man den Fall mit eigenen Augen sieht, dann steht man auch schon fast davor.
Ich war entschieden schneller als angenommen. Auf dem Rückweg nehme ich mir Zeit alles genau zu betrachten. Ich finde sogar Geld das herrenlos in einer Quelle herumschwimmt. Selbstverständlich schieße ich auch einige Bilder.
Ich hatte leider keine Zeit mehr Belüne den Wasserfall zu zeigen. In 3 Tagen muss sie in Sofia sein. Dort trifft sie sich mit einer Freundin, mit der sie noch 4 Wochen durch Bulgarien ziehen wird, bevor sie zurück in ihre französische Heimat fliegt.
Also war Aufbruch angesagt. Schade, ich wäre gerne noch geblieben. Aber das Schicksal sollte mir die Möglichkeit bieten noch einmal an diesen Ort zurückzukehren. Bei herrlichem Sonnenschein, sehr lauter deutscher Radiomusik, und bester Laune ging es zurück Richtung Chisinau. Da die "Straßen" zu diesem Ort sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg sehr abenteuerlich waren, möchte ich euch hier gerne einige Impressionen zeigen.
Nach rund 3 Stunden Fahrt erreichten wir Ohrei. Hier trennten sich unsre Wege. Wir waren zurück in der Zivilisation. Von hier konnte Belüne einen Bus nehmen. So wie sie es auf ihrer Reise bisher immer getan hat. Schwer bepackt wanderte sie zum Bankomaten um mir das vereinbarte Spritgeld aushändigen zu können.

Kurze Zeit später bestieg sie einen total überfüllten Minibus. Ich war wieder alleine und konnte tun und lassen was ich will. Und was will ich wenn ich frisch in einer Gegend angekommen bin in der ich noch nie war? Richtig! Ich möchte mir meinen Garten anschauen. Genau das tat ich. Am Rande der Stadt entdeckte ich einen See welchen es zu umwandern galt.

Auch am nächsten Tag lief ich durch Ohrei. Ich besuchte die Märkte, schaute mir die Stadt und ihre Industriegebiete an und stand ganz fasziniert vor einer kleinen Waschmaschine. Die Funktionen "Wasser rein und Wasser raus" musste man von Hand ausführen. Das Gerät wäre somit Fluss- und Seewassertauglich gewesen. Die Stromaufnahme betrug laut Typenschild 220 Watt. Von den Ausmaßen hätte das Gerät hinter meine Toilette gepasst. Der Preis lag bei umgerechnet 50 Euro.
Ich überlegte lange, kaufte das Teil dann aber nicht. Mein Handwaschverfahren ist recht ausgereift, es funktioniert seit fast einem Jahrzehnt. Den Generator anwerfen um zu waschen; ich glaube das würde ich eh nur sehr selten tun.
Gegen Mittag des 4. Oktobers startete ich den Motor. Chisinau wartet, die Hauptstadt Moldawiens.


Weiter get es in Chisinau.

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Kleine Häuser auf Rädern, auf dem Wasser und in Bäumen.


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