Begleitet von einem goethepanzer

Sylvia und Karsten von goethepanzer.de wollten bei mir vorbeischauen. Schon vor längerer Zeit hatten sie ihren Reisebericht in meinem Forum vorgestellt. Jetzt kreuzten sich unsre Wege. In "1 year off" wollen sie sich mit ihrem "Panzer" bis Kasachstan vorkämpfen.
Pünktlich auf die Minute scherte das Reisefahrzeug vor meinem Wohnmobil ein. Karsten kletterte aus der Luke und salutierte militärisch.

Nein, natürlich nicht. Bei dem goethepanzer handelt es sich um einen VW LT28 welcher auf Gas umgerüstet wurde.
Aus seinem Kanonenrohr verschießt er keine todbringenden Bleigeschosse sondern lediglich CO² haltige Verbrennungsrückstände. Viel weniger todbringend als das was meine Karre so hinten rauspustet. Einen Gasumbau wünsche ich mir auch.
Warum die Website auf welcher die beiden Ihre Erlebnisse niederschreiben goethepanzer heißt erfuhr ich beim gemütlichen Kaffeetrinken in meinem Bus. Vor vielen Jahren hat Karsten die Domäne einmal registriert um darauf "literarische Ergüsse" zu veröffentlichen. Dazu kam es allerdings nie. Kurz vor der Abfahrt standen die zwei vor dem Problem wie sie all ihre interessierten Freunde und Bekannten über den Verlauf ihrer Reise informieren sollten. E-Mails wurden als zu umständlich betrachtet und so wurde kurzerhand die alte Domäne zum Reiseberichtschreiben verwendet. Dummer, und vor allem unerwünschter Nebeneffekt sei es das nun die ganze Welt glaube die beiden würden ihr Wohnmobil auf Basis eines LT28, welches ganz nebenbei noch einen Anhänger mit BMW Motorrad durch die Weltgeschichte zieht, goethepanzer nennen.
Egal ihr Beiden, den Namen habt ihr weg. Ich saß also zusammen mit goethepanzers in meinem Bus und wir tranken einen Kaffe. Erste Reiseerlebnisse wurden ausgetauscht. Über die Hälfte ihre Auszeit haben die Zwei schon hinter sich. In Griechenland haben sie ihren niedlichen Hund Lukas adoptiert. Namensgeber des Tieres war ein kleiner Junge. Er hatte den Schnauzerverschnitt gefunden und sich um ihn gekümmert. Als seine Eltern abreisen wollten versprachen Sylvia und Karsten sich bis zu ihrer Abreise um das Tier zu kümmern. Da es draußen kalt war durfte der ca. 6 Wochen alte Lukas mit in den Bus und, na ja …am Ende durfte er dann auch mitkommen.
Herzlichen Glückwunsch Lukas! Das hast du prima gemacht. Hast dir tolle Menschen ausgesucht.
In rund 3 Wochen wollen die drei dann ich Kasachstan sein. Weit über 1000 Euro haben sie für die ganzen Visa berappt. Jetzt wollen sie da auch hin.
Nach dem Kaffeetrinken ging es auf in die Stadt.

Da die Panzerbesatzung nur wenige Tage in Moldawien verbringen würde spendierte ich erst einmal eine Runde Cvas. Ist nicht teuer das Zeug und so eine lokale Spezialität solle man mal probieren bevor man das Land verlässt.
Einmal die Fußgängerzone runter und ab in den Park mit dem Internet. Während ich mit Karsten Google Maps nach einem schönen Stellplatz für die Nacht absuchte

freundete sich Sylvia mit zwei alten Frauen an. Vor ihrer Abreise hatte sie einen Volkshochschulenkurs besucht um die russische Sprache in Ansätzen zu erlernen. Sehr hilfreich wie ich feststellen musste. Sie konnte sich verständlich machen, ich und Karsten nicht.
Als wir unsre Internetrecherche beendet hatten, ich einige Stellplatztipps nebst GPS Daten aus meinem VIP Bereich für die drei herausgesucht hatte und erklärt bekam warum googel Maps GPS Daten so ungenau sind, gesellten wir uns zu dem Trio.

Es gab rohen, eingelegten Fisch und irgendeinen hochprozentigen Schnaps. Den Fisch konnte ich glücklicherweise in unbeobachteten Augenblicken an meinen Hund verfüttern und den Schnaps, na ja: Das typische "Maschina, brum brum". Sylvia übersetzte.
Irgendwann schafften wir es uns zu verabschieden und wir männlichen Fahrer waren tatsächlich noch sturznüchtern. "Balti ist die zweitgrößte Stadt Moldawiens und du bekommst hier überall nen Parkplatz."

… meinte Karsten auf dem Rückweg zu unsren Panzern. Irgendwie hat er Recht, ist mir noch gar nicht aufgefallen.
Wahrscheinlich habe ich den dicht besiedelten Ballungsraum Deutschland schon vor zu langer Zeit verlassen um solche Kleinigkeiten überhaupt noch wahrzunehmen.
Schnell sind die Wagen fahrfähig geräumt und wir starten die Motoren. Bis zum Supermarkt fahre ich voran, danach soll der GPS navigierende goethepanzer die Führung übernehmen. Karsten war überrascht. Im Internet hatte er gelesen das es in Moldawien keine Supermärkte gibt. "Ja Kollege, du bist hier in Balti, der zweitgrößten Stadt, hier gibt es einen Supermarkt. Deck dich ein, vor Chisinau wirst du keinen mehr finden."
Nach unsrem Großeinkauf,

man beachte was Karsten in seiner rechten und ich in meiner linken Hand trage, folge ich dem goethepanzer. Nach ca. 5 Kilometern erreichen wir den See. Karsten biegt links ab, ich folge ihm. Nur einige hundert Meter später findet er einen Parkplatz. "Ne Kollege, hier nicht! Da laufen Gänse rum, da muss ich die ganze Zeit meinen Hund an der Leine halten." "Ok, dann fahre du vor."
Über schmale Pisten geht es weiter und nach einiger Herumkurverei machen wir es uns auf einem kleinen Grünstreifen welcher sich zwischen einer kilometerlangen Feigenbaumalle befindet gemütlich.

Wie man sieht widmen sich unsre Hunde einem ausgelassenen Spiel während Karsten und ich die Aussicht genießen.

Sylvia kocht derweilen Spagetti mit echter Bolognesesauce. Nach dem Essen kommt die Dunkelheit und mit ihr ein kleines Lagerfeuer und das gemütliche Zusammensitzen.
Den nächsten Morgen beginnen wir mit Apfelpfannkuchen und frischem Filterkaffe aus meiner Low Budget Küche. Danach setzen sich 3 Menschen mit 4 Computern, 2 externen Festplatten einigen USB Sticks und einem externen CD Laufwerk mitten in die Pampa und widmen sich dem Datenaustausch.
Am Nachmittag ziehe ich mit Sylvia los die Gegend zu erwandern. Karsten ruht sich derweilen im Bus aus. Pracktisch, ein Fahrzeugbewacher!
Schnell erreichen wir den Ort und in einem dieser kleinen "Magazina Alimentera" mit hübschen Stühlen im Vorgarten werde ich auf ein Bier eingeladen. Wir sind die einzigen Gäste. Im hinteren Teil des "Gartens" schwelt ein kleines Feuer und verbreitet den gesunden Duft von verbranntem Plastik. "Hast du ne Ahnung wo es hier eine Toilette gibt?" werde ich gefragt. "Ne, ich war auch noch nie hier. Aber versuch es mal an dem grauen Häuschen dahinten."
Fünf Minuten später kommt Sylvia zurück. "Das ist ein Loch im Boden, ein Plumpsklo!" "Hast du etwa nicht meine Reiseberichte gelesen? Das ist hier normal und mein Reisebericht Hincesti ist mittlerweile auch öffentlich online.
War wenigstens sauber? Oder hat wer neben das Loch geschissen?" "Ne, war sauber." Erhalte ich als Antwort.
Nur zwei Tage später sollte ich das Loch vollkommen zugekotzt erleben.
Wir begeben uns auf den Rückweg und setzen Karsten vor vollendete Tatsachen. "Wir haben Hunger und haben uns gedacht: Sylvia macht Frikadellen aus dem restlichen Hackfleisch und, da das nicht genug für alle ist, bastele ich derweilen vegetarische Frikadellen. Du machst zwischenzeitlich Feuer dass wir grillen können. Auf geht´s!"
Gesagt getan. Kurze Zeit später steht meine Bratpfanne auf dem Feuer.

Mit einem winzigen Bierchen aus dem Kühlschrank des goethepanzers

und Gin Tonic - einem Getränk, das es laut Karsten im ganzen Universum gibt - ließen wir den Tag ausklingen.
Nach einem gemeinsamen Restefrühstück und dem Tausch von wichtigen Reiseutensilien, ein Grillrost, ein Buch und ein Glas für eine Gaslampe wechselten den Besitzer, wurde ich vom Geschützrohr des goethepanzers mit CO² haltigen Verbrennungsrückständen bombardiert.
Die Panzerbesatzung steuerte Richtung Kasachstan, Tagesziel - wegen meiner Empfehlung - Tipova, und ich blieb alleine zurück.
Erst einmal aufräumen, dann noch einmal hinlegen. Ist spät geworden gestern, und dann machte ich mich auf, den auf Google Maps entdeckten See zu umwandern.
Leider scheiterte ich da sich dessen Ende in einem kilometerlangen Sumpfgebiet erstreckt. Dafür erreichte ich eine kleine Ortschaft und auf dem Rückweg passierte ich Obstplantagen. Im Gegensatz zu den Feigen und den hier wachsenden Äpfeln, welche noch ein wenig Zeit benötigen um genießbar zu werden, hingen die Kirschen reif und saftig an den Bäumen. Ich schlenderte zwischen den Plantagen entlang und pflückte die ein oder andere Kirsche um sie sogleich zu verspeisen. Eine alte Bäuerin erwischte mich bei meinen "Diebstählen". Doch anstatt Ärger zu bekommen bekam ich eine riesige Tüte Kirschen. Mindestens 3 Kilo. Ich wollte sie nicht, aber was sollte ich tun? Ich bekam sie einfach aufgedrängt. Was bitteschön soll ich mit 3 Kilo Kirschen? Marmelade kochen! Etwas anders fiel mir nicht ein. Und genau das tat ich am Abend.
Leider hatte ich keinen Gelierzucker im Haus, bzw. im Wagen so dass meine Marmelade ein wenig flüssig geworden ist. Aber um sie in den Grießbrei zu rühren ist sie perfekt.
Außerdem musste ich noch Linseneintopf kochen. Ihn hatte ich zum Abschied von Sylvia geschenkt bekommen. Eine Tasse voll Linsen, eine Zwiebel, zwei Mohrrüben und ein Stück echter Speck. Dazu noch eine Flasche Underberg. Braucht man das nach so einem Essen? Also mir hat es geschmeckt. Auch wenn ein Gericht welches 3 Stunden Einweichzeit benötigt niemals in die Liste meiner Lieblingsgerichte aufgenommen werden wird.
Am Abend des 31. Mai, ich war gerade auf dem Heimweg und passierte das kleine "Magazin Alimentara" in welchem ich schon mit Sylvia ein Bier getrunken hatte, drang laute Musik aus diesem Etablissement an meine Ohren. Rund 2 Dutzend junge Leute feierten dort irgendeine Party und ich beschloss das es bestimmt eine gute Investition sei dort 8 Lei, also etwa 50 Cent, für einen halben Liter Bier auszugeben. Eine gute Entscheidung.
Ich hatte mich mit meinem Getränk noch nicht ganz an einem freien Tisch niedergelassen als ich in Kontakt kam. Die jungen Menschen feierten ihren letzten Schultag. Einige sahen ganz normal aus, andere, vor allem die weiblichen, waren aufgebrezelt bis zum geht nicht mehr. Halbe Kinder mit Anzug und Krawatte, die Frauen in Ballkleidern und viele trugen so eine Banderole wie man sie von Miss Wahlen kennt. Jetzt kann ich mich nicht mehr genau an den Wortlaut erinnern: "Absolvent? Absolventum? Absolventa?" und dahinter die Jahreszahl 2012. Jedenfalls konnte ich es auch ohne Sprachkenntnisse lesen. Und da es sich bei den Schulabgängern ausschließlich um Menschen mit einem höheren Bildungsgrad handelte sprach jeder englisch. Eine wirklich nette Clique in die ich da hineingeraten bin.

Später am Abend hatte ich dann traditionellen Folkloretanz in live. Eine junge Frau forderte mich zum Tanzen auf. Normalerweise renne ich in solchen Situationen ganz schnell aber das Mädel war echt süß und mein Alkoholpegel ausreichend um ein Tänzchen zu wagen.
Noch schnell das Glas leeren, jedes Promille Mut wird nun benötigt, und schon gab es für mich Tanzunterricht.
Also: Man klemmt sich den linken Arm der Tanzpartnerin unter seinen linken Arm. Der eine schaut dann nach vorne und der andere nach hinten. Dann wird sich 3 Mal im Kreis gedreht, und zwar so dass jeder vorwärts läuft. Danach löst man sich aus der "Umarmung", dreht sich eineinhalb mal für sich alleine, klatscht dabei in die Hände, und nimmt seine Partnerin dann in den rechten Arm. Jetzt wird sich 3 Mal andersherum gedreht und das Spiel beginnt von vorne.
So geht es weiter bis sich der Takt der Musik ändert. Dann wird der Tanz ein kleines wenig körperbetonter.
Die Tanzstellung erinnert jetzt ein wenig an den bekannten Walzer. Irgendwie wird sich auch dabei gedreht und in einem bestimmten Rhythmus mit den Füßen gewackelt. Ich habe es nicht ganz verstanden.
Aber dann, dann wenn die traditionelle Tanzmusik von heftigen Klatschgeräuschen aus den Lautsprechern begleitet wird, dann wird man von seiner Tanzpartnerin angesprungen, sie schlägt ihre Beine um deinen Unterleib, hält sich an deinen Händen fest und lässt ihren Oberkörper nach hinten fallen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie froh ich war just an diesem Tag meine dünne Tuchhose wieder durch meine Lederjeans ersetzt zu haben.
Ja, es war ein lustiger Abend. Gegen 4 Uhr in der Früh leerten sich die Reihen und auch ich machte mich auf den Heimweg. In meiner Geldbörse die E Mail Adresse meiner Tanzpartnerin. Ich werde ihr wohl nie schreiben. In wenigen Tagen läuft mal wieder mein Visa ab und am späten Nachmittag des Folgetages startete ich den Motor und fuhr nach Edinet.

Weiter geht es mit meinem Reisebericht Edinet.

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