Wohnmobil Reisebericht Hincesti

Hincesti. Knapp eine Woche blieb ich Hincesti treu. Und das wo ich nicht behaupten würde das Hincesti irgendetwas Tolles zu bieten hat. Aber Hincesti war meine erste Stadt in Moldavien welche annähernd den Namen Stadt verdient hat.
Das Highlight von Hincesti ist mit Sicherheit eine steile, parkartig angelegte Wiese auf deren Gipfel einige Kriegshelden thronen.

Von dort oben kann man hervorragend auf die einzige Hauptstrasse der Stadt blicken und den Verkehr beobachten.

Ich bin nicht der Einzige der das weiß, und deshalb ist die Wahrscheinlichkeit recht groß in lauen Spätsommernächten dort auf einige Menschen zu treffen die auf eine ähnliche Idee gekommen sind.
Wenn man nicht wieder die Wiese hinunter Richtung Innenstadt geht, sondern den Berg auf der anderen Seite herabspaziert, gelangt man an einen hübschen See.

Als ich in Hincesti weilte waren dort wohl gerade so etwas wie "Dreck weg Tage", denn Unmengen von Schülern waren damit beschäftigt heruntergefallenes Laub und echten Unrat zusammenzuraffen und auf einige dieser bereitgestellten ultracoolen Fahrzeuge zu verladen.
Umwandert man den See, und klettert auf der anderen Seeseite den Berg wieder hinauf, befindet man sich in der alten Stadt. Leicht heruntergekommene Steintreppen

führen einen direkt auf eine Burgruine zu. Leider ist das Gelände eingezäunt.
Genau wie überall in Moldawien machen die hier vorhandenen öffentlichen Toiletten keinen sonderlich einladenden Eindruck.
Ich weiß nicht was mehr stinkt, die Toilettenanlagen oder der Rauch eines schwelenden Feuers in welchem ein Anwohner gerade seine Haushaltsabfälle verbrennt.
Ansonsten gibt es in diesem Teil der Stadt nur staubige Sandpisten,

frei laufende Hühner, verstreute Wohnhäuser und hier und da ein winziges Lebensmittelgeschäft. Zwar blickt man die ganze Zeit auf einen bewaldeten Berg, jedoch endet jeder von mir ausprobierte Weg an einem Zaun. Es scheint unmöglich zu sein diesen Wald zu betreten.
Auf der anderen Seite, im neueren, moderneren Teil der Stadt, befindet sich der Markt. Als Einkaufsmöglichkeit sicher nicht zu verachten, als touristisches Highlight weniger empfehlenswert. In unmittelbarer Nähe des Marktes sichte ich einen Fast Food Tempel. Das Werbeschild lässt mir das Wasser im Munde zusammen laufen. "Mici" steht dort geschrieben. Mici, das sind diese saftigen Chewapchichi ähnlichen Fleischröllchen die es hier überall gibt. Auf dem Bild der Werbetafel liegen 3 dieser köstlichen Röllchen neben goldgelben Pommes. Liebevoll ist das Essen auf einem Salatblatt angerichtet. Neben den Fritten, unweit der Gemüsedeko, befinden sich zwei kleine Berge auf dem Teller. Ketchup und Mayonnaise. Darunter steht ein Preis: 25 Lei, also etwa 1,5 Euro. Ich entscheide mich für Fast Food und gegen Low Budget. Ein Fehler! Denn was ich für mein Geld erhalte schaut ganz anders aus als das was auf dem Bild zu sehen war.

Jetzt mal ganz ehrlich, da fehlt ein Mici! Wo sind die Pommes? Wo die Mayo? Und überhaupt, auf dem Foto wirkte das Fleisch saftig lecker. Das was auf meinem Teller liegt erinnert mich mehr an Braunkohlebriketts die in der Mikrowelle aufgewärmt wurden. Das ist doch Betrug! Da will man sich mal was gönnen, bezahlt viel Geld und erhält etwas, das qualitativ nicht besser ist als ein trockenes Weißbrot für 20 Cent.
Enttäuscht und hungrig verlasse ich das Schnellrestaurant. Einige Stunden später finde ich ein weiteres Highlight der Stadt. Einen Schrottplatz. Auf einem weiträumigen, nicht eingezäunten Gelände häuft sich Alteisen. Zwischen dem Schrott stehen vereinzelt einige dieser coolen Fahrzeuge herum. Motorhauben sind geöffnet, Türen nicht verriegelt. Hier kann man diese Wagen nicht nur aus der Ferne beobachten. Nein, man kann sie anfassen, in sie hineinklettern, einmal hinter der Lenkrad platz nehmen, nach Herzenslust auf den Pedalen herumtrampeln und mit den zahlreichen unbeschrifteten Schaltern und Hebeln spielen deren Funktion mir weitestgehend unbekannt ist. Man kann an ihnen herumschrauben, die Technik erforschen und wenn man wollte, könnte man sich bestimmt auch das ein oder andere Souvenir abschrauben.
Bis auf einige sehr freundliche Wachhunde ist niemand hier. Niemand stört meinen Forschungsdrang. Warum fahre ich nur ein so hässliches und alltägliches Auto?
Am Abend des 26. Septembers 2011 besuchte mich Belüne. Eigentlich wollte sie schon einen Tag früher angekommen sein, aber Sie hatte unterwegs irgendwelche Probleme die sie aufgehalten haben. Also wartete ich.
Belüne ist französische Staatsbürgerin mit deutschen Sprachkenntnissen. Seit 3 Monaten befindet sie sich auf Europatour. In etwas über einer Woche trifft sie sich mit einer Freundin in Bulgarien. Dann wird sie mit ihr noch einen Monat lang Bulgarien erkunden bevor ihre Zeit als Reisende vorbeigeht. Über couchsurfing.com ist sie auf mich aufmerksam geworden und da dachte sie sich, so ein mobiler Host sei genau das Richtige für sie.
Ich zeigte ihr die wenigen Attraktionen der Stadt bevor wir gegen Mittag des nächsten Tages meine tragbaren Trinkwasserreserven an einem dieser zahlreich vorhandenen Brunnenhäuschen befüllten, deren Dächer häufig aus wunderhübschen verzierten Blechen angefertigt sind. Traditionelles Zigeunerhandwerk wie mir ein Einheimischer erklärte.

Danach startete ich den Motor um Tipova entgegenzufahren. Tipova befindet sich ca. 100 Kilometer nördlich von Chisinau. Im Grunde liegt es nicht auf meiner Wegstrecke gen Osten. Aber als wir abends gemütlich bei einem Tee zusammen saßen entfaltete Belüne eine Landkarte die sie aus irgendeinem Touristenbüro hatte. An ihrem Rand waren Bilder der touristischen Sehenswürdigkeiten in Moldova abgebildet. Auf einem Bild blickte man aus einer Grotte hinunter auf einen Fluss. "Das schaut aber hübsch aus!" sagte ich und Belüne erzählte mir, dass sie diesen Ort gerne besuchen würde, es dort aber keinerlei Möglichkeit gäbe zu übernachten.
Schnell einigten wir uns darauf, dass Belüne die Kraftstoffkosten übernimmt und ich ihr als Gegenleistung einen Schlafplatz anbieten werde. Ich hatte einen Dieselsponsor, und wenn man den Kraftstoff nicht bezahlen muss, was sind dann 200 Kilometer Umweg?
Auf geht´s! Schnell erreichten wir Chisinau und bahnten uns einen Weg durch das dort herrschende Verkehrschaos ohne diesen Ort eines näheren Blickes zu würdigen. Verhältnismäßig problemlos fanden wir die richtige Strasse. Es ging nur langsam voran. Zu schlecht war die Straßenbeschaffenheit. Zu viele Schlaglöcher und Unebenheiten peinigten meinen Truck, so dass ich mich nicht traute schneller als 40 km/h zu fahren. Doch noch befand ich mich auf guten Strassen. Mein deutsches Gehirn vermochte es nicht sich vorzustellen was mich noch erwarten sollte.
Gegen 16 Uhr stoppten wir an einem dieser kleinen, zum Gastronomiebetrieb umgebauten, Verbrauchermärkte. Während wir dort so saßen und unsre Stullen schmierten hielt vor dem Geschäft ein Lieferfahrzeug. Im Grunde nichts ungewöhnliches, irgendwo müssen die ihre Waren ja her bekommen. Ich würde das gar nicht erwähnen, wenn ich nicht rein zufällig einen Blick auf die Federblätter des Wagens geworfen hätte.

Dieses Bild ist nicht etwa auf einem Schrottplatz oder in einer KFZ Werkstatt aufgenommen worden. Nein! Der Typ fährt mit nem astreinen Federbruch Colakisten spazieren. Der Anblick hätte mich warnen sollen.
Nach ca. einer halben Stunde Rast geht es weiter. Wir gelangen auf eine schlaglochlose, frisch geteerte Straße ohne Fahrbahnmarkierung. Ich freue mich und steuere das Fahrzeug mit 90 km/h über die kurvenreiche Landstrasse. Dann sehe ich wie der Verkehr vor mir plötzlich beginnt Staub aufzuwirbeln. Sekunden später erkenne ich eine Stufe in der Fahrbahn. Hier endet das neu gemachte Stück Straße. Wir fahren in einen Baustellenbereich. Ich bremse ab auf Schrittgeschwindigkeit. Langsam fahre ich an die gut und gerne 15cm hohe Stufe heran die vom Asphalt auf einen Sandweg herabführt. Nach diesem Hindernis sollten rund 30 Kilometer Piste vor uns liegen.

Entweder man hat Angst sich im Treibsand festzufahren, oder die Fahrbahnbeschaffenheit gleicht einem Wellblechdach. Am rechten Fahrbahnrand steht ein Schild. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung. 70km/h steht darauf zu lesen. Ich schaue auf meinen Tacho. Ich bin so langsam, dass sich die Nadel gar nicht von ihrer Ruheposition hebt. Wird man von einem anderen Fahrzeug überholt nimmt einem noch Minuten später eine riesige Staubwolke die Sicht.

Irgendwann endet die Baustelle. Jetzt waren wir wieder auf einer Strasse mit Fahrbahnbelag. Zumindest stellenweise, bzw. in der Mitte der Strasse.

Das Fahren war anstrengend, da kam ein als Denkmal aufgestellter Panzer, den ich natürlich erklimmen musste, als Ablenkung nur recht.

Schon bald waren wir wieder "on the Road". Wir folgten der Kompassrose auf meinem GPS Gerät. Wie es mir im Forum beschrieben worden war hatten wir die GPS Daten unsres Zieles bei Google Maps recherchiert. Laut diesen Daten waren wir nur noch wenige Kilometer vom Ziel entfernt. Es dämmerte bereits als sich die von uns gewählte Strasse als Sackgasse entpuppte.
Nicht schlimm, wir bleiben einfach hier stehen. Keine 200 Meter vom Wagen entfernt befindet sich eine Schlucht. Über diese führt eine abenteuerliche Fußgängerbrücke welche ich noch in der Dunkelheit begehen muss.

Nach einem ausgedehnten Frühstück vor dem Wagen wandern wir in Richtung Stadt.

Wir wollen noch einmal ins Internet und nach dem Weg fragen. Belüne hat sich während ihrer Reise ausgiebig mit dem Erlernen der rumänischen Sprache beschäftigt. Doch ihr sehr begrenzter Wortschatz nütz ihr in einem Land, in welchem sich die Menschen nicht einig sind ob sie rumänisch oder russisch sprechen, nur wenig. Zumindest dann wenn sie an einen russisch sprechenden Zeitgenossen gerät. Echt wahr, hier in Moldawien wird sowohl russisch als auch rumänisch gesprochen. Die Sprachen scheinen hier im Land gleichberechtigt zu sein. Wobei es nicht so ist, dass jeder beide Sprachen beherrscht. Nein, die Moldawen haben Verständigungsschwierigkeiten in ihrem eigenen Land. Der Tourist bemerkt das am ehesten an den unterschiedlichen Beschriftungen an Geschäften und auf Konsumgütern. Mal kann er die Buchstaben lesen, und mal eben nicht.
Internet ist schnell gefunden und nach einigen Versuchen findet Belüne auch einen Menschen bei dem sie ihre erlernten Sprachkenntnisse anwenden kann.
Wir waren bereits zu weit gefahren. Der Arm des Gefragten deutete ganz eindeutig in die Richtung aus der wir gekommen sind. Diese Information stimmt allerdings nicht mit der Angabe auf meinem elektronischen Wegweiser überein. Zur Sicherheit fragen wir eine weitere Person. Auch diese deutet in die Richtung aus der wir kamen.
Also fuhren wir zurück. Vorbei an dem Panzer und hinweg über die ungezählten Schlaglöcher. Nach ca. 20 Kilometern sahen wir tatsächlich das Hinweisschild von dem wir erzählt bekamen. Hier links, und dann noch 16 Kilometer. Laut Google Maps Koordinaten waren wir rund 40 Kilometer vom Ziel entfernt! Nachdem wir diesen Ort verlassen hatten, probierte ich es noch ein paar Mal aus: Google Maps Koordinaten sind so ungenau, dass sich Google die Funktion gleich sparen könnte!
Für die 16 Kilometer benötigten wir jedenfalls weit über eine Stunde. Jeder Tracktor ist schneller. Aber ein Tracktor ist auch für diese Fahrbahnbeschaffenheiten gebaut. Dann parkten wir mein mobiles Zuhause auf einer Lichtung, unweit eines kleinen Brunnenhäuschens.

Wasser im Überfluss!
Augenblicklich machten wir uns auf, die Gegend zu entdecken. Wo sind die versprochenen Felskirchen? Die Grotten? Der Fluss der eine Art Canyon in die Landschaft gewaschen hat? Die Dinge die wir auf der Landkarte gesehen hatten?

Weiter geht es in den Felskirchen Tipova´s.

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Bild: Danke
Bei "Ochs" von wirlassendenstau-
hinteruns.de
für die Verlinkung meiner Reiseberichte aus seiner Blogroll. Er ist im Jahr 2011 6 Monate lang mit Tracktor, Bauwagen und Ehefrau von Deutschland zum Nordkap gefahren und hat darüber einen sehr netten Reisebericht geschrieben. Er wurde auch im Forum vorgestellt. Zum Forenbeitrag.




Kleine Häuser auf Rädern, auf dem Wasser und in Bäumen.



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