Von Zakopane bis Krakau mit dem WoMo

Kommen sie nach Polen - Ihr Auto ist schon da!
Das soll, so wurde mir gesagt, ein sehr bekannter Werbeslogan des polnischen Tourismusverbandes sein. Ich besitze kein Auto, ich besitze ein Wohnmobil und mein Wohnmobil hat zeitgleich mit meiner Wenigkeit die slowakisch-polnische Grenze überquert.
Was heißt Grenze? Das was einstmals die Grenze war, das liegt heute hinter einem Zaun. Niemand hat sich die Mühe gemacht die alten Zollhäuschen abzureißen. Man hat einfach eine Umgehungsstrasse darum herum gebaut und sie genau dort stehen lassen wo sie einstmals standen. Freie Fahrt für freie Bürger! Nur eine Überwachungskamera protokolliert meinen Grenzübertritt.
Polen!
312679 Quadratkilometer die unter die Räder genommen werden wollen. Im Osten grenzt Polen an die Ukraine und Weißrussland. Im Norden an Litauen und so ein kleines Stück Russland. Kalingrad liegt dort. Im Süden gibt es Grenzen zu Slowenien und Tschechien und im Westen zu D… , D…, D…, Da darf ich gar nicht drüber nachdenken! Ich werde im Osten des Landes bleiben!
Dafür ist in Polen das freie Übernachten in einem Wohnmobil erlaubt! Ja, ganz legal darf man auf öffentlichen und privaten Flächen auch mehrmalig in einem Wohnmobil nächtigen ohne den Standort wechseln zu müssen. Ganz legal ist das! Wenn ich mich an das polnische Gesetz halten will, dann brauche ich für Teile des Schnellstraßensystems jedoch ein elektronisches Mautsystem an Board meines Wohnmobils da dieses über 3,5tonnen wiegt. Aber wer fährt schon Schnellstrassen und auf den schmalen Nebenstrassen, da brauche ich so einen quatsch nicht. Immerhin darf ich hier ganz legal, an jeder Stelle die mir gefällt, solange stehen bleiben wie es mir beliebt.
So weit die Theorie!
Polen begrüßt mich mit Sonnenschein und Straßenverhältnissen die ich ganz und gar nicht als polnisch bezeichnen würde. Eine schöne Begrüßung. Sonnenschein und eine gute Strasse finde ich viel netter als einen Zöllner. Ich folge der B960 und biege nach einigen Kilometern links ab Richtung Zakopane. Noch eine ganze Weile sollte mich mein Weg über kurvenreiche Passstrassen führen und ich hielt nach einem der Parkplätze Ausschau auf denen ich ganz legal wohnen darf. Erfolglos! Schmale Nebenstrassen die in den Wald zu führen schienen waren, genau wie in der Slowakei, mit Schranken verbarrikadiert und auf den offiziellen Parkflächen standen so kleine Holzhäuser und Männer mit orangefarbenen Warnwesten spazierten über den Parkplatz und kassierten entweder Parkgebühren oder aber Eintrittsgeld um durch den Wald laufen zu dürfen.
Ich habe nicht angehalten um der Sache auf den Grund zu gehen, aber einen ganz normalen Parkplatz auf dem man einfach mal so parken kann sollte ich bis zum Ortschild Zakopane nicht finden.
Zakopane, jetzt war ich in Zakopane obwohl ich doch irgendwo in der Natur anhalten wollte. Na ja, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
In Zakopane war die Hölle los. Hunderte, nein Tausende von Menschen waren auf der Strasse. In bescheuerter Kleidung die meist in den Farben Rot und Weiß, also den Farben der polnischen Nationalflagge gehalten waren, machten sie sich kollektiv zum Affen. Sie trugen Schals und Mützen, dicke Jacken. Und das obwohl frühlingshafte Temperaturen herrschten. Sie hatten sich Nationalflaggen auf ihre Wangen gemalt und erzeugten einen schrecklichen Krach indem sie Rasseln schüttelten, in Tröten pusteten die Teils auch noch mit Druckluftflaschen ausgestattet waren um noch mehr Krach zu machen oder solche Knatterdinger am Stiel drehten wie verrückt.
Ich glaubte zunächst an ein Fußballspiel. Fußballfans verhalten sich auch so. Aber in Zakopane war kein Fußballspiel, ich war pünktlich zur Skisprungweltmeisterschaft in Zakopane aufgetaucht.

Bild: Skisprungschanze Zakopane - Polen, zur Skisprungweltmeisterschaft 2014

Schmunzelnd und kopfschüttelnd fuhr ich auf Parkplatzsuche durch die Stadt. In Zakopane gibt es Parkplätze. Auch kostenfreie Parkplätze. Aber wenn man pünktlich zu einem Megaevent wie den Skisprungweltmeisterschaften auftaucht, dann ist es verdammt schwer einen Parkplatz zu ergattern der Platz genug bietet um ein 7,5tonnen schweres Wohnmobil darauf zu parken.
Ich fand meinen Parkplatz kurz hinter dem Ortsausgangsschild.
Auf in die Stadt! Mal gucken wie Polen so ist.
Die bunten Papierzettelchen die man in Geschäften gegen Lebensmittel eintauschen kann heißen hier nicht mehr Euro sondern Sloti und man bekommt 5 solcher bunten Papierzettel und einige Münzen für einen bunten Papierzettel auf dem die Zahl 100 vor dem Euro Zeichen steht. Vier Zettelchen auf denen ebenfalls die Zahl 100 aufgedruckt ist und ein Zettelchen auf dem eine 10 steht. Ein guter Tausch wie ich finde! Jetzt habe ich viel mehr bunte Zettel als zuvor.
Diese Zettel haben obendrein auch noch viel mehr Kaufkraft. Also man braucht viel weniger dieser bunten Zettel als in Deutschland um Ein und das Gleich Produkt zu kaufen. Zumindest dann wenn man die bunten Zettelchen in einer Apotheke vertauscht und genau dort vertauschte ich meine ersten 16 Sloti.
Die Apotheke lag zufällig unmittelbar neben der Wechselstube und ich beschloss einmal nachzufragen ob die so einen Inhalierer verkaufen wie es ihn in Bulgarien 1700% günstiger gibt als in Deutschland. Und siehe da, auch in Polen ist diese Arznei rund 1700% billiger als in meiner Heimat.
Als nächstes besuchte ich einen Aldi. Nein, Aldi heißt auf Polnisch Briedonka und Briedonka heißt auf Deutsch Marienkäfer. Ich gebe zu das ist jetzt ein wenig verwirrend aber jeder der einmal nach Polen reißt und vor einem Briedonka steht, der wird verstehen was ich meine. Jedenfalls enttäuschte mich der Markt was die Kaufkraft der buntern Papierzettelchen angeht. Auch nicht billiger als Ungarn oder die Slowakei. Enttäuscht ging ich heim um dem Tumult der Sportfans zu entgehen.
Am nächsten Morgen, einem Sonntag, machte ich mich auf die Fußgängerzone zu finden. Sie hatte ich am Vortag nicht entdeckt, ich hatte aber auf einer aushängenden Karte gesehen dass es eine geben soll. Voll! Voll mit diesen Skifans die diesen schrecklichen Nationalstolz ausstrahlen. Ich stehe im Grunde auf jede Party. Der Grund warum ich feiere ist mir eigentlich völlig gleichgültig und objektiv betrachtet waren hier tausende von Menschen die alle gut drauf waren und feiern wollten. Draußen, auf der Strasse. Wie Karneval und Karneval ist eine der wenigen Dinge die ich aus Deutschland vermisse. Aber dieser Nationalstolz, dieses darauf begründete Überlegenheitsgefühl einer Nation, einem Volksstamm anzugehören das diese Menschen ausstrahlen, das kotzt mich einfach an. Es ist mir so zuwider das ich das Zentrum schnellstmöglich wieder verlasse.
Am Ende der Fußgängerzone befindet sich so eine Art Wochenmarkt.

Bild: Zakopane - Polen

OK, hauptsächlich wird touristischer Nippes angeboten aber man kann auch Obst und Gemüse kaufen. Eine alte Käseverkäuferin füttert meinen Hund mit Käse. Auch ich erhalte ein Stückchen zum probieren. Ein geräucherter, sehr würziger Käse, aus eigener Herstellung wie ich vermute, der in Zylinderform angeboten wird. Die Frau hat Geschäftssinn, ich kaufe ein Stück für 5 Sloti. Ich muss nur noch rausbekommen wie der Käse heißt. Den gibt es hier überall und man kann ihn auch grillen. Gegrillt werden kleinere Stückchen und sie kosten 1 Sloti das Stück bei meist älteren Straßenverkäufern. Ebenfalls sehr zu empfehlen.
Ein Hütchenspieler erregt meine Aufmerksamkeit und ich werde fast in eine Prügelei verwickelt. Er hatte ein glattes Holzbrett auf den Boden gelegt. Darauf 3 Plastikbecher und eine kleine Kugel. Blitzschnell wirbelte er nun die Becher herum, ließ das Kügelchen von Becher eins zu Becher 3 und wieder zurückrollen und dann nahm er von den umherstehenden Menschen Wetten an unter welchem Becher jetzt die Kugel liegt. Fasziniert beobachtete ich das Schauspiel. Auch ich wusste nie wo sich die Kugel befindet. Genau wie die anderen konnte ich nur raten. Dann kam mir die Idee ein kleines Video von der Aktion zu machen. Ich wollte damit das Forenthema "Geld verdienen auf reisen" illustrieren. Ich ging also in die Hocke und hielt meinen Fotoapparat vor mich. In diesem Moment schlug ein Mann gegen das Objektiv des Gerätes als wenn ich eine Pistole auf den Hütchenspieler gerichtet hätte.
"Are you crazy?!" Schrie ich ihn an. "No pictures!" Antwortete der Kerl auf Englsich. "This you can say friendly, this is a 300 Euro cam." Der Kerl packte mich unter den Schultern und trug mich einige Meter weit von dem Spieler fort. Ich hatte noch immer die Kammara in der Hand und befürchtete schon sie sei kaputt, so konnte ich mich nicht wirklich wehren. Und mein Hund … der blöde Köter hielt das natürlich mal wieder für ein lustiges Spiel. Meine Kammara funktionierte jedenfalls noch und da der Typ wieder zurückgegangen ist um seinen Kumpel vor Fotografen zu beschützen hielt ich es für die Beste Idee nicht zu ihm zurückzugehen und ihm in den Arsch zu treten.
Ich erzähle das hier dennoch. Für alle die Mal nach Zakopane kommen. Der Hütchenspieler da ist ein A..loch. Wettet nicht mit ihm! Auch wenn es spaßig ist.
Anschließend ging ich mir dann doch einmal die Skisprungschanze anschauen. Es interessierte mich zwar nicht, aber wenn ich einmal da bin.
15 Grad, leichter Nieselregen, abgesehen von der künstlich präparierten Schanze ist weit und breit keine Flocke Schnee zu sehen und auf den Videoleinwänden schaut das so aus als sei dickster Winter.
Zwei oder Drei Sprünge beobachte ich. Toll! Dann gehe ich Heim. Den Abend verbringe ich bei MCDreck. Die haben WiFi und eine Steckdose. Für einen Becher Cola zahle ich weit über einen Euro.

Bevor ich die Stadt verlasse um endlich eine Parkfläche in der Einsamkeit der Natur zu finden breche ich noch einmal auf um einigen Mobilfunkläden einen Besuch abzustatten. Immerhin habe ich jetzt ein Simlokfreies Mobilfunkmodem, da kann man sich ja mal schlau machen ob UMTS Internet nicht vielleicht billiger ist als Cola bei MCDreck.
Als erstes betrete ich eine Filiale des Anbieters Plus. Die junge Frau sprich hervorragendes Englisch und berät mich freundlich. 10 Sloti, rund 2,5 Euro kostet der billigste Prepaidtarif. Dafür erhalte ich 300MB Datenvolumen und wenn ich es nicht verbrauche verfällt es nach 7 Tagen. Wenn ich einen ganzen Monat in den Genuss eines Onlinezugangs kommen möchte, dann muss ich 30 Sloti bezahlen und darf danach 30 Tage lang 2GB versurfen.
Ich bedanke mich freundlich und gehe weiter zu einer Orange Filiale. Dort spricht niemand Englisch und allen Anschein nach ist auch niemand daran interessiert mir weiterzuhelfen. Pech für Orange! Auch die junge Dame die im Geschäft der polnischen Telekom arbeitet ist nicht der englischen Sprache mächtig. Aber sie erkennt das Problem und verweißt mich an einen Kollegen mit Sprachkenntnissen. Auch bei T-Mobile liegt das preisgünstigste Prepaidangebot bei 2,5Euro. Gültigkeit: 30 Tage, Datenvolumen: 1GB. 2,5 Euro, also 10 Sloti sind schon als Startguthaben auf der Karte wenn man sie neu erwirbt. Was heißt erwirbt? Die Karte gibt es quasi umsonst. Ich zahle 10 Sloti und erhalte dafür eine SIM Karte nebst Guthaben. Der freundliche Verkäufer aktiviert den Krempel auch gleich für mich so dass ich mich mit dem ganzen Firlefanz gar nicht erst auseinandersetzen muss.
Übrigens: Wenn man 20 Sloti anlegt, dann hat man 3GB Datenvolumen für 30 Tage. Und wem das immer noch nicht reicht, der kann 6GB für 30 Sloti erwerben.
Auf dem Rückweg bin ich dann an so einer jungen Frau mit schwerem Rucksack vorbei. Sie hielt ein Schild in die Luft: "Krakau". "Much luck!" wünschte ich ihr - und wir kamen ins Gespräch. Die junge Frau hieß Andrea, war 19 Jahre alt und kam aus Mexiko.
Es dauerte nicht lange bis wir uns gemeinsam zu meinem Wagen bewegten. Ein Teil der Fahrtstrecke reichte meiner neuen Bekannten wenn ein Schlafplatz inklusive ist.
Dann kamen wir in einen dicken Nebel und dann wurde es dunkel. Bei dem Versuch meinen Wagen ein Stück rückwärts zu setzen zerstörte ich dann meine Stoßstange und mein Rücklicht. Fuck Off!

Bild: Wohnmobilunfall in Polen

Der Erste Unfall seit Reiseantritt vor 7 Jahren! Es war so nebelig, man konnte kaum die Hand vor Augen sehen. Ich hatte keine Lust durch diese Suppe zu fahren und bin deswegen an der erstbesten Möglichkeit von der Hauptstrasse abgebogen. Dann wollte ich Rückwärts in so eine Haltebucht rangieren die es da gab und da lag halt so ein blöder dicker Stein.
Scheiße! Das muss irgendwie repariert werden.
Der Abend war dann recht nett und dauerte bis 6 Uhr in der Früh. Hier sitzen wir beisammen und mein mexikanischer Gast leiht mir seine spanische Stimme damit ich sie zur Erstellung eines spanischen Reisewortschatzes nutzen kann.

Bild: Couchsurfing im Wohnmobil

Bereits um 10 Uhr am nächsten Morgen zog die junge Mexikanerin weiter und nach einem gemeinsamen Frühstückskaffe beschloss ich mich noch einmal hinzulegen. Ich bin halt keine 19 mehr.
Ein Jahr Auszeit hatte sich Andrea genommen um Europa zu entdecken. Sie ist per Anhalter unterwegs und übernachtet über couchsurfing. Eigentlich hatte sie geplant mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen aber dann fuhr irgendwo kein Bus und sie hat mal das Trampen ausprobiert. Da Trampen viel billiger ist als Busfahren, und man dabei auch noch tolle Menschen kennen lernt, hat sie beschlossen auf die öffentlichen Verkehrsmittel weitestgehend zu verzichten. Rund 5 Euro/Tag benötigt sie um unterwegs sein zu können hat sie mir erzählt.
Ich muss an eine E Mail denken die ich vor noch gar nicht allzu langer Zeit erhalten hatte. Darin schilderte mir eine Mitfünfzigerin ihr Ängste und Sorgen als Frau alleine auf Tour zu gehen und erklärt mir dass ich es als Mann da doch viel einfacher hätte.
Andrea ist nicht Mitte fünfzig sondern Anfang 20. Die Wahrscheinlichkeit dass sie einem frauentypischen Verbrechen zum Opfer fällt schätze ich somit weitaus höher ein. Aber sie macht sich da keine Sorgen, sie reißt per Anhalter, lässt sich von irgendwelchen Typen in uralten Wohnmobilen mitnehmen und verbringt in diesen, am Arsch der Welt geparkten Wohnmobilen, dann auch noch gleich die Nacht.
Für den Fall der Fälle hat sie ein Pfefferspray dabei das sie mir dann auch noch als Anschauungsmaterial in die Hand drückt.
"Now I can knock you out whith your one Spray!" Sage ich. "Yes, but I trust you!" Erhalte ich als Antwort. Auch Tanja und Belüne waren alleine unterwegs und konnten mir von keinen schlechten Erfahrungen berichten.
Ich schätze es kommt immer darauf an ob man sich traut oder nicht und man sollte dass Frau sein nicht als Ausflucht nutzen etwas nicht zu tun das man eigentlich tun möchte.
Nach einem Frühstückskaffe breche ich auf mir das im Nebel liegende Polen anzuschauen.
Prädikat: Sehr nebelig!
Am nächsten Morgen, in der Nacht war Schnee gefallen, will ich die tolle Internetverbindung nutzen um einmal zu schauen ob mir jemand geschrieben hat oder ob es einen neuen Forenbeitrag gibt. Als ersts will ich mein Forum besuchen. Doch ich erreiche nicht mein Forum sondern die Meldung: "Die Domäne myhomeismycar.com wurde gesperrt"

So sah das aus!



Die Domäne wurde gesperrt?! Der Verfassungsschutz? BND? CIA? NSA? Hier stehen doch bloß Reiseberichte und man kann hier gar keine Kinderpornos runterladen, es gibt keine Anleitungen zum Bombenbau und ich rufe hier auch nicht dazu auf das Bundestagsgebäude niederzubrennen. Obwohl … Vielleicht … Achtet bitte darauf das die Putzfrau nicht im Gebäude ist, die kann nix dafür :-)
Die Domäne wurde gesperrt! Meine ganze HP ist nicht erreichbar! Überall der Gleiche Scheiß! Anstatt netter Reiseberichte und informativen Forendiskussionen erscheint überall die Meldung: "Domäne wurde gesperrt!" Panik steigt in mir auf und ich checke meine E Mails. Der E Mail Eingang funktioniert, der liegt auch glücklicherweise nicht auf meinem Server.
Siehe da, Alfahosting, der Provider bei dem meine Homepage gespeichert ist (war) hatte mir geschrieben. Ich zitiere in Auszügen:

"Sehr geehrter Herr Hack,

leider waren wir gezwungen, Ihren Account ohne Ankündigung zu deaktivieren. Dies geschah auf Grundlage unserer Allgemeinen Geschäftsbedingungen (Serverlast / Regelbetriebsverhalten).

Auszug aus den AGBs:
"Der Provider behält sich das Recht vor, Inhalte (wie z. B. Viren, Trojaner, Spyware oder andere Schadprogramme oder Programme, bei denen Sicherheitslücken bekannt sind oder werden), die das Regelbetriebsverhalten oder die Sicherheit des Servers beeinträchtigen, grundsätzlich zu sperren oder deren Betrieb im Einzelfall zu unterbinden.""

Da ist ein Virus auf meiner Seite?? Ein Trojaner? Ein Schadprogramm?? Nein, ich habe so etwas nicht aufgespielt. Hat wer die Zugangsdaten gehackt und scheiße gebaut? Aber die schreiben auch:

"Ihre Skripte verursachen, dass der Webserver selbst massenhaft scaradcontrol.php aufruft. Hierdurch wird eine zu hohe Last erzeugt."

Scaradcontrol, das ist das Skript mit dem ich Zufallseinblendungen erzeuge. Die Zufallsbilder, die Danksagung, die Werbeeinblendungen. Das ist keine Schadsoftware, das ist einfach nur ein Contentrotationssrogramm und das läuft so auf meiner Seite seit ich sie im moldawischen Chisinau umgebaut habe. Also seit etwa 1,5 Jahren. Ich habe nichts, aber rein gar nichts daran geändert. Nur die Besucherzahlen dieser Seite sind ein wenig angestiegen. Aber Besucher darf ich so viele haben wie ich will. Immerhin habe ich ein Hostingpacket mit Traffikflat gebucht.
Ich schreibe an den Support und warte. 20 Minuten, 30 Minuten, eine Stunde. Keine Antwort. Meine HP, meine einzige Einnahmequelle ist derweilen nicht zu erreichen. Wann merken es die ersten Werbepartner und springen ab? Ich bin so stolz auf mich es geschafft zu haben davon leben zu können. Wenn die Page noch länger nicht zu erreichen ist kann ich es wieder nicht mehr.
Über Skype rufe ich den Telefonsupport von Alfahosting an. Warteschleife, mein spärliches Guthaben für Festnetzanrufe wird weniger und weniger. Nach einigen Minuten dann ein Mitarbeiter: "Sie haben meine Homepage gesperrt!" "Ich verstehe sie nicht!" "Sie haben meine Homepage gesperrt, können sie die bitte wieder entsperren!" Der Typ von Alfahosting beendet das Gespräch in dem er einfach auflegt. Ich rufe den kostenlosen "Sound und Testservice" von Skype an. Die Gesprächsqualität ist mit der langsamen Internetverbindung die ich hier habe nicht die Beste, aber durchweg verständlich. Ich versuche es erneut, der Typ legt einfach auf.
Nach etwas über einer Stunde erhalte ich Antwort auf meine schriftliche Beschwerde:

"der Account wurde gesperrt, weil dieser das Regelbetriebsverhalten unseres Kundenservers negativ beeinträchtigt hat. Eine vorherige Fristsetzung war aufgrund der akuten Performance-Probleme leider nicht mehr möglich.

Ansonsten ist für dieses Projekt ein Webhosting-Tarif scheinbar nicht mehr geeignet. Den weiteren Einsatz unter diesen Gegebenheiten können wir in keinem Fall gewähren."

Die schmeißen mich aus dem Vertrag! Die bieten Hostingpackete mit Traffikflat an und sobald man mal ein paar Besucher auf der Seite hat erfinden sie irgendwelche Sachverhalte die es rechtfertigen sollen dass sie einem die Page einfach tot legen.
Ich verspreche die Contentrotation aus meiner Seite auszubauen und erhalte 27 Minuten später diese sehr hilfreiche Antwort:

"wir haben den Account nun mit den Rechten 700 für das Verzeichnis /html freigeschaltet, damit Sie die Inhalte prüfen bzw. entsprechend handeln können. Die Seite können Sie dann selbst wieder für http-Aufrufe erreichbar machen, indem Sie die Rechte von /html wieder auf 750 zurücksetzen."

Ich googel wie verrückt wie man Rechte von 700 auf 750 setzt und was die da eigentlich von mir wollen den der Support von Alfahosting hält es nicht für notwendig mir diese Frage zeitnah, also schneller als ich googeln kann, zu beantworten.
Rund 4 Stunden nachdem meine Seite gesperrt wurde ist sie, mit wenigen, kaum auffälligen Einschränkungen, wieder für meine Leser erreichbar.
Was wenn ich jetzt nicht zufällig am Vortag eine mobile Internetverbindung erworben hätte? Nun, ich kann es mir ausmahlen. Dann wäre ich 5 oder auch 10 Tage auf diesem Parkplatz stehen geblieben, hätte mir die Gegend angeschaut und offline Reiseberichte geschrieben. Somit wäre 5 oder auch 10 Tage lang meine Seite nicht erreichbar gewesen. Nach dieser Zeit hätten wohl die meisten meiner Leser aufgegeben zu versuchen meine Seite zu erreichen. Auch googel hätte die Inhalte meiner Seite nicht mehr in seinen Suchergebnissen gelistet den eine Seite von der die Suchmaschine einst glaubte das sie relevante Inhalte zu der Suchanfrage Wohnmobil Reiseberichte liefert würde ja plötzlich nur noch relevante Inhalte für die Suchanfrage "Die Domäne myhomeismycar.com wurde gesperrt" liefern. Und wer sucht schon danach?
Sprich: Nach 5 oder 10 Tagen wäre alles was ich mir in 7 Jahren Reisezeit mühsam aufgebaut habe vernichtet gewesen.
Klar dass mein Vertrauen in das Unternehmen Alfahosting zerstört war und ich begann mich nach einem neuen Anbieter umzuschauen bei dem ich meine Inhalte speichern kann.
Aber nicht an diesem Ort. Ich habe Geld dafür bezahlt ins Internet zu kommen und hier, an dieser Stelle kam ich auch ins Internet, aber nur mit Geschwindigkeiten die man als Langsammkeiten bezeichnen müsste. Irgendwo, in der Nähe einer Stadt würde das wohl ausreichend schnell arbeiten um nach Anbietern zu recherchieren und Teile meiner Page auf Testacounts laden zu können. Außerdem war der Parkplatz eh nur eine im Nebel und in der Dunkelheit gefundene Notlösung. Wirklich gefallen tat es mir an diesem Ort nicht.
Ich startete also den Motor. Nein, ich wollte den Motor starten aber meine Starterbatterien spielten mal wieder nicht mit. Also brauchte ich den Stromerzeuger um sie nachzuladen. Aber für den Stromerzeuger brauche ich Benzin und mein letztes hatte ich am Vorabend verfeuert. Also auf durch den Nebel

Bild: Polen in Schnee und Nebel

Richtung Tankstelle. Als ich mit 5 Liter Benzin im Rucksack zurückkehrte war es stockfinster. Ich lud meine Batterien und zog am nächsten Morgen, nachdem ich noch ein wenig des hier reichlich vorhandenen Brennholzes klein geschnitten und eingelagert hatte, weiter. Schnell erreichte ich das weiß verschneite Myslenice.

Bild: Ortschaft Myslenice - Polen

Die ersten 2 Tage saß ich fast nur vor dem PC und verglich Hostingangebote, V Server, managd V Server, Root Server usw.
Mag sein das es den Ein oder Anderen interessiert, aber ich schätze die Meisten interessiert es nicht und ich habe auch keine Lust darüber zu schreiben deswegen mache ich da weiter wo ich den Wagen wieder verlasse. Nordöstlich von Myslenice befindet sich ein großer See. An seinen Ufern, so mein Plan, wollte ich meinen Wohnort errichten und von dort wollte ich das mit dem Serverumzug erledigen. Aus diesem Grund folgte ich, mit meinem PC im Rucksack (man muss ja schließlich ausprobieren wie gut die Internetverbindung am ausgewählten Wohnort ist bevor man dort hinfährt) dem völlig vereisten Fluss Richtung See.

Bild: Fluss Myslenice - Polen

Einen geeigneten Wohnort fand ich als die Batterien meines Fotoapparates erschöpft waren. Aber dort wollte ich hin!
Am Abend, ich war natürlich im Internet war dann plötzlich Zwangspause angesagt. Ich hatte einige Testacounts eingerichtet und Teile meiner Seite dort aufgespielt damit der Support der Anbieter die Serverlast die durch meine Seite entsteht analysieren kann. So hatte ich recht schnell das kleine GB Datentrafik das ich erworben hatte verbraucht und mein Internet schaltete sich ohne Vorankündigung einfach ab. Also musste der Sonntag abgewartet werden und am Montag folgte ich dem Fluss dann in die andere Richtung

Bild: Myslenice Umland - Polen

und erwarb die teuren 6GB in einem Telekomladen. Außerdem kaufte ich noch einige Lebensmittel für meinen Aufenthalt in der Natur. Am nächsten Tag wollte ich weiterziehen doch den Abend verwendete ich noch dazu die Daten meiner gesamten HP einschließlich Forum und aller Datenbanken herunterzuladen und lokal zu speichern. Da ich weiß das es beim FTP Transfere gelegentlich zu Problemen kommt tat ich das 2 Mal hintereinander so das ich mir sicher sein konnte das jede Datei, jedes Foto, mindestens bei einem der beiden Versuche fehlerfrei übertragen wird. Dabei ließ ich den Stromerzeuger knattern. Rund 30 Minuten knatterte er auch so wie es sich gehörte. Dann änderte er plötzlich sein Klangbild. Er hörte sich an als hätte ich eine 3000 Watt Mikrowelle an das arme Gerät angeschlossen und mein Rechner zeigte mir an das er nicht mehr auf externem Strom läuft. Auch das Ladegerät für meine Versorger arbeitete nicht mehr. Ich maß die anliegende Spannung: 70 Volt! Hä?
Ich trug den Stromerzeuger in den warmen Wagen und untersuchte das Gerät. Im Arsch! Der hat das Zeitliche gesegnet. Ich bin kein Fachmann, aber ich hätte mal gesagt das eine Wicklung im inneren des Generators durchgeschmurgelt ist und das Gerät so kurzschloss.
Ohne Stromerzeuger kann ich einpacken. Noch sind die Batterien voll und ich kann einfach weitermachen. Aber wenn ich sie nicht nachladen kann, dann ist in spätestens 4 oder 5 Tagen Schluss. Ich brauch nen neuen Generator! Wird wohl nix mit See und so. Ich muss nach Krakow und zwar gleich morgen.
Ich wollte nach Krakow, nein ich musste nach Krakau. Aber mein Auto, mein Auto wollte nicht nach Krakau. Meine Starterbatterien waren schon wieder am Ende. Diesmal hatte ich noch nicht einmal mehr einen Stromerzeuger um mich selber überbrücken zu können. Ich hing hier fest! Ich überlegte: Klar kann ich die Batterien zu einer Steckdose tragen, dem Steckdosenbesitzer das Problem erklären und dann, nach ein oder 2 Stunden, dann kann ich auch wieder starten. Andererseits scheint es so als ob meine Batterien einfach das Ende ihrer Lebenszeit erreicht haben. Mein Wagen hatte ja in den letzten Wochen mehr als einmal Startschwierigkeiten. Am besten ich kaufe einfach neue Batterien und dann, dann ist das Problem gelöst.
Ich spazierte also wieder ins Zentrum von Myslenice und hielt nach einem Geschäft Ausschau das entweder Batterien oder aber Stromgeneratoren verkauft. Stromgeneratoren gibt es nach meiner Recherche in Myslenice gar nicht zu kaufen und das mit den Batterien war auch nicht so einfach.
Ähnlich wie ich es in Istanbul erlebt habe, wo eine Stadt in Stadteile unterteilt ist denen man die Bezeichnungen: Bäcker, Baumarkt oder Metzger geben könnte, ist es auch in Myslenice. KFZ Teile Händler gibt es nur ganz am nördlichen Rand der Stadt, dort dafür dann aber gleich ganz viele davon an ein und der gleichen Stelle.
Ich finde in einer mehr und mehr globalisierten Welt sollten wir diesen Gedanken ebenfalls globalisieren. Jeder das was er gut kann - an dem Ort wo er es gut kann. Das ist ja auch gut für den Kunden, einmal am Ort des Geschehens hat er dann wenigstens Auswahl. Also die Deutschen, die brauen Bier und bauen Autos. Na ja, vielleicht lassen wir sie noch ein bisschen Brot dazu backen. Wenn man dann Käse für das Brot will, dann fährt man halt nach Holland. Dafür gibt es da dann auch Auswahl. Die Schweizer, die sind ja nicht in der EU und stellen sich sicherlich quer. Da müssen halt Wirtschaftliche Anreize geschaffen werden. Steuerfreie einfuhr von Taschenmessern und Kräuterbonbons in das Wirtschaftgebiet der EU. Auf alles Andere eine Einfuhrsteuer. Aus Italien machen wir das Land der Pizzarien und minderwertige Möbelhäuser verbannen wir in den hohen Norden Europas. Nicht nur das der Kunde dann wirklich Auswahl hat wenn er einmal die Region erreicht hat in dem das von ihm benötigte Produkt gehandelt wird, nein eine solche Regelung würde auch Arbeitsplätze in der deutschen Automobilindustrie schaffen. Die Menschen müssten dann so viel hin und her fahren was die Autos so schnell kaputt gehen ließe, das wird den Quatsch mit der Feinstaubregelung als Wirtschaftsankurbelhilfe wieder einstellen könnten.
Was, wer denkt da an die toten Bäume im Tatragebirge? Wer braucht schon Bäume?? Wer einen gesunden Baum sehen will, der kann doch nach Kanada fliegen. Vielleicht überleben da noch ein paar bis der Baumtourismus sie daniederraft.
Nach langer Suche hatte ich jedenfalls den Stadtteil KFZ Ersatzteilhändler in Myslenice erreicht. Auf einer kleinen Nebenstrasse reihten sie sich aneinander wie Perlen auf einer Kette und jeder hatte Starterbatterien. Große, kleine, dicke, dünne. Allerdings hatte keiner 2 Starterbatterien von der gleichen Sorte. Auch dann nicht wenn man sie in 2 verschiedenen Geschäften gekauft hätte. Ich weiß das ganz sicher, denn als ich im 3. Laden nachfragte, da kannten die mich schon. Der Deutsche der 2 LKW Batterien sucht. Die hatten schon miteinander telefoniert und nachgefragt ob noch irgendwer eine baugleiche Batterie Rumstehen hat wie eine von denen für die ich mich interessierte.
Letzten Endes bestellte ich 2 Batterien die dann am Folgetag ab 15 Uhr abgeholt werden konnten. Hat auch prima geklappt und mich 520 Sloti gekostet. Dummerweise hatte ich die Größe falsch eingeschätzt, die Batterien passten nicht in meinen Rucksack.

Bild: Wohnmobil Starterbatterien kaufen in Polen

Bei dem kleinen Schlitten handelt es sich um eine Palette die hinter einem Supermarkt herumstand. Erst wollte ich die Dinger ja tragen, aber bereits nach wenigen hundert Metern wurden sie schwerer und schwerere so dass ich über den rutschigen Schnee als Transporthilfe ganz glücklich war.
So vergeht die Zeit, schon 11 Tage im Land und noch nix von Polen gesehen. Aber am nächsten Tag sollte ich die Stadt mit den Krakauer Würstchen erreichen - und beim bloßen Gedanken daran lief mir das Wasser im Mund zusammen.

Weiter geht es in Krakau.

Derzeit im Chat :



Bild: Danke








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