Mit dem Wohnmbil in Krakau

Krakau, die Stadt des Krakauerwürstchens! Hatte ich einen Hunger! Krakauer, Krakauer Würstchen. Ein Krakauerwürstchen würde das Allererste sein das ich in Krakau erwerben würde. Und gleich nachdem ich so ein Krakauerwürstchen verspeist hätte würde ich mich um einen neuen Stromerzeuger bemühen. Danach bin ich dann wohl schätzungsweise pleite und die restlichen Krakauer müssen einfach von jemandem anderen verspeist werden.
Ob Krakauer in Krakau überhaupt Krakauer heißen?? Ich meine Wiener heißen in Wien ja auch Frankfurter. Als ehemaliger Würstelbudenmann bin ich da quasi Fachkraft. Vielleicht heißen Krakauer in Krakau ja Warschauer? Oder so ähnlich. Ah, egal. Einfach draufzeigen und mit so einem bunten Papierzettel wedeln. Dann werde ich schon so ein Würstel bekommen. Ich hatte einen regelrechten Heißhunger auf Krakauer. So eine saftige Krakauer mit Senf und Semmeln in ihrem Heimatort Krakau.
Immerhin sprang mein, mit neuen Starterbatterien ausgestattetes Wohnmobil, trotz der klirrenden Kälte problemlos an. Auf geht´s, Krakau entgegen. Kurz vor Jawornik, ich war noch keine 10 Kilometer gefahren und hatte diesen Ort schon zu Fuß erreicht, war dann noch einmal Brennholzbunkern angesagt. Rund 2 Stunden sägte und stapelte ich Holzscheite und musste dabei unaufhörlich an Krakauerwürstchen denken. Dann ging es weiter. Die Europastrasse 77 die mich meinem Ziel entgegenführte war autobahnähnlich ausgebaut. Zwei Fahrspuren in jede Richtung, dazwischen eine Leitplanke. Schlaglöcher gibt es hier keine. Lange saß ich nicht hinter dem Steuer bis die Strasse talwärts führte und ich die Skyline Krakaus erblickte. Bis ich die A4 hinter mir gelassen hatte war der Verkehrsfluss einigermaßen zügig. Dann setzte nicht nur die Dunkelheit ein, sondern auch der mit dem Feierabendverkehr einhergehende Stau. Im Stopp and Go Verkehrt steuerte ich mein Fahrzeug auf Parkplatzsuche durch die engen Nebenstrassen Krakaus. Bald verlor ich gänzlich die Orientierung und als ich einen großen Parkplatz sah beschloss ich dort erst einmal quartier zu beziehen.
Auf nach Krakau, Krakauer essen! Wo mag wohl das Zentrum sein? Links oder rechts? Ich frage einen jungen Mann. A ha! Rechts runter. 10 Minuten mit der Bahn oder 40 Minuten zu Fuß. Wie gut das hier jeder englisch spricht.
Ich gehe zu Fuß und erreiche nach 30 Minuten den Hauptmarkt mit dem polnischen Namen Rynek Glówny.
Panoramaufnahme Hauptmarkt Krakau
Als ich den Markt erreichte war es natürlich stock dunkel. Aber im Hellen läst sich besser fotografieren. Als ich den Markt erreichte lagen die Temperaturen auch im zweistelligen Minusbereich, der Platz war weiß verschneit und mir war saukalt. Da kam es nur gelegen dass sich auf der Mitte des Marktplatzes die Krakauer Tuchhallen befinden. Ein großes, offenes Marktgebäude welches mich ein wenig an den Grand Basar in Istanbul erinnerte.

Bild: Hauptmarkt Krakau (Rynek Glówny) - Innen

Heute wird dort alles Mögliche gehandelt. Nur Tücher findet man dort selten. Dafür Ketten aus Baumharz (Bernstein), selbstgeschnitzte Schachspiele, Modeschmuck, Souvenirs … Eben alles was Touristen kaufen.

Bild: Hauptmarkt Krakau (Rynek Glówny) - Verkaufsstand

Wirklich aufwärmen konnte man sich in dem Gebäude allerdings nicht. Es war unbeheizt und durch die großen Eingangsportale pfiff ein eisiger Wind.
Mir war kalt und ich bewegte mich nach Hause. Rund vier Stunden war ich durch Krakau gelaufen und ich hatte nirgends eine Fast Food Bude mit Krakauerwürstchen gesehen.
Am nächsten Morgen wollte ich das ändern. Mein Plan sah folgendermaßen aus: Du läufst bis zum Stadtzentrum und suchst den Fluss der da fließt. Wenn du den gefunden hast dann folgst du seinem Ufer in irgendeine Richtung. Dabei schaust du dich nach Baumärkten, Krakauern und einem schönen Parkplatz für deinen Aufenthalt in der Stadt um.
Der Weg in die Stadt war mir ja schon bekannt und auch die Wislar, so heißt der Fluss der durch Krakau fließt, war schnell gefunden. Ob der Fluss nun wirklich Wislar heißt, da bin ich mir allerdings nicht ganz sicher. Das L in Wislar ist nämlich auf den Verkehrsschildern durchgestrichen. Vielleicht handelt es sich um einen nachträglich korrigierten Druckfehler wahrscheinlicher ist allerdings das das durchgestrichene L so ein polnischer Spezialbuchstabe ist. Genau wie das deutsche Ä, Ö, Ü oder ß. Auf Deutsch heißt der Fluss jedenfalls Weichsel. Da bin ich mir sicher.
Das Wort Fluss war ende Januar ohnehin die falsche Bezeichnung für das was sich da durch Krakau schlängelt. Schlittschuhbahn fände ich treffender.

Bild: zugefrorene Weichsel in Krakau

Im Hintergrund sieht man den Wawel, die ehemalige Residenz der polnischen Könige in Krakau.
Ich überquere die Weichsel und folge ihr ostwärts. Schon bald laufe ich vorbei an einem überdimensionalen Heliumballon für Kinder.

Bild: Fesselballon in Krakau

In Wirklichkeit ist das kein Luftballon für Kinder sondern eine Touristenattraktion. Zum günstigen Preis von 38 Sloti bzw. 45 Sloti am Wochenende darf man in den, am Ballon befestigten Korb steigen und sich Krakau von oben anschauen.

Bild: Fesselballon in Krakau fliegt

Wann immer ich den Fesselballon habe fliegen sehen hatte ich das Bedürfnis mit meinem Taschenmesser das Halteseil zu kappen an dem er zurück zum Boden gezogen wird. Das wäre sicherlich sehr lustig gewesen.
Bei den frostigen Temperaturen liegt auch die von Künstlerhand geschaffene Weichselinsel mit ihrer Spanferkelgrillstelle verlassen im Eis.

Bild: Spanferkel Kunst in der Weichsel, Krakau

Lange folge ich dem Weichselufer an diesem Tag. Zunächst durch den Innerstädtischen Bereich und dann gelange ich in ein Industriegebiet. Hohe Schornsteine, Eisenbahnlinien, kleine Häfen und Staumauern. Was ich nicht finde das ist ein Verkaufsstand für Krakauerwürstchen, einen Baumarkt zum Erwerb eines neuen Stromerzeugers und einen Parkplatz der meine Anforderungen erfüllt.
Mit Einbruch der Dunkelheit bin ich wieder im Zentrum und begebe mich auf den Rückweg. Kurz vor meinem Wagen betrete ich eine kleine Bäckerei. Der Verkäufer spricht englisch und wir kommen ins Gespräch. "Sag mal, gibt es hier keinen Baumarkt?" "Doch, klar! Da die Strasse runter. 2 Kilometer. Ein riesen Ding."
Ich lasse mein Wohnmobil links liegen und folge der Hauptstrasse. 20 Minuten später sehe ich es auf der linken Seite. Ein riesiger Konsumtempel. Real, Saturn, mehrerer Modeläden und Praktiker!
Mein armer Hund muss in der Kälte warten und ich betrete das beheizte Einkaufsparadies. Es geht vorbei an Hot Dog Ständen (keine Krakauer), mehreren Handyläden und natürlich an der Einkaufswagenvermietung die schicke Einkaufswägelchen im Sportwagenlook vermietet. Nicht das jemand meine Worte falsch versteht. Auch in Polen gibt es Einkaufswägelchen gegen einen geringen Pfandbetrag gratis. Genau wie in Deutschland. Aber eben so hässliche Drahtkörbchen. Die Einkaufswägelchen die hier von einem findigen Geschäftsmann vermietet werden haben Sportwagendesign. Darin kann der Nachwuchs bequem sitzen und sogar das Licht an- und ausschalten. Sehr zu meinem Leitwesen kann er auch hupen!
Dann stehe ich im Praktiker und was sehen meine Augen? Stromgeneratoren! Haufenweise Stromgeneratoren aus dem aktuellen Angebot. Säuberlich in ihren Kartons aufgestapelt auf einer eigens dazu vorgesehenen Angebotsfläche. Sie schauen optisch genauso aus wie mein alter Güde GS950E mit dem ich immer sehr zufrieden war, sind aber von dem Hersteller Budget und tragen die Typenbezeichnung BEG6504. Das Stück für 269 Sloti, rund 65 Euro. Nicht nur die Optik der Geräte ist gleich, nein auch die technischen Eckdaten.
Gekauft!
Aber nicht sofort. Ich hatte die Nase voll davon bleischwere Dinge kilometerweit durch die Gegend zu tragen und beschloss deswegen mein Auto zu hohlen. Kurz nach 21 Uhr, ich hatte mich noch darüber gefreut das Starterbatterien in dem großen Baumarkt teurer sind als in dem kleinen Fachgeschäft in dem ich sie erworben hatte, stand mein neuer Stromerzeuger in meinem Wagen. Kurz nach 22 Uhr, ich hatte zwischenzeitlich einen ganz akzeptablen Wohnort in der Nähe das Baumarktes gefunden, knatterte das Gerät dann unter meinem Wagen.
Problem gelöst, Tag vorüber.
Am letzten Januartag ging ich mir dann Krakau anschauen. Ich hatte bereits gesehen dass die Innenstadt nahezu vollständig von einer Stadtmauer umgeben ist.

Bild: Stadtmauer Krakau

Auf der Außenseite der Stadtmauer schließt sich ein breiter Grünstreifen an von welchem sternförmig Wege ins Zentrum führen. So schaut das auf der Landkarte aus.

Bild: Stadtplan Krakau

Ich beschloss also vom Rynek Glówny in irgendeine Richtung zu laufen bis ich auf die Stadtmauer treffe, dann links abzubiegen und bei der nächsten Möglichkeit wieder links und zurück zum Hauptmarkt. Von dort dann rechts und die nächste wieder rechts bis ich wieder an die Stadtmauer gelange. Und so weite und so fort. So wollte ich das Stadtzentrum von Krakau systematisch erkunden. Hier einige Fotos der Gegend:
Bei diesem Sternlauf kam ich selbstverständlich an Wawel vorbei und da dachte ich mir: Geh dir das doch mal anschauen!
Um die alte Königsresidenz zu besichtigen muss man keinen Eintritt zahlen. Zumindest nicht wenn man nicht in die Gebäude hinein will. Ob man die Gebäude auch betreten kann und ob das, sollte es möglich sein, dann Geld kostet und wenn ja wie viel, dazu kann ich leider nichts sagen. So weit kam ich nicht.
Ich folgte dem Touristenstrom die schräge Auffahrt hinauf und schritt durch den Torbogen in den äußeren Burghof der Wawel. Von dort warf ich zunächst einmal einen Blick hinab über die Weichsel und das dahinter liegende Krakau.

Bild: Blick über die Weichsel in Krakau. Aufgenommen von Wavel

Ich betrachtete einige Lampenbatterien mit welchen das Schloss bei Nacht angestrahlt wird. 1500 Watt je Leuchtmittel!
Dann ging ich weiter und als ich den Blick zwischen zwei Gebäuden hindurch ins Innere des Burghofes ablichtete

Bild: Wavel, Burghof

wurde ich recht unsanft durch einem Sicherheitsbeamten vom Wawelgelände entfernt. Hunde sind dort nicht willkommen!
Klar stehen am Eingang Schilder das Hunde dort verboten sind. Ich hatte sie aber ganz bewusst nicht gesehen. Dann kommt dieser Sicherheitsfutzie, zeigt auf mich, dann auf den Hund und quatscht irgendetwas in Polnisch von dem ich nur "Pies" also Hund verstehe. "Tak" antworte ich. "Scheki, dobry! You speack german or englisch?"
Ich bin mir wirklich nicht sicher ob ein solcher Gesprächsauftakt ein ausreichender Grund ist mich ohne weitere Worte an der Bekleidung vom Gelände zu zerren. Wenn Scheki jetzt nicht ein so selten dämlicher und ausgesprochen lieber Hund wäre, sondern einer der seinen Menschen auch mal verteidigt, dann hätte er sicherlich den Wachmann gebissen und dann wäre es wieder der böse Hund gewesen.
Ich weiß echt nicht was sich die Menschen denken! Mein Aufenthalt auf Wawel dauerte so ca. 5 Minuten. Deshalb kann ich euch nicht viel über diese Festung erzählen. Sorry!
Das Einzige worüber ich berichten kann sind die Lampen. Sie haben 1500 Watt je Leuchtmittel und die die ich gesehen habe bestanden aus je zwei Lampen. In einer der kommenden Nächte zählte ich die Anzahl der Lampen die Wawel anstrahlen und kam dabei auf 28. Da ich davon ausgehe das alle 28 Leuchtquellen aus einer doppelten Lampenbatterie zu je 1500 Watt bestehen kann ich errechnen, das Wawel in der Nacht mit 84000 Watt Lichtleistung angestrahlt wird. Sagen wir einmal die Lampen brennen 7 Stunden pro Nacht und das 365 Tage im Jahr. Dann sind das 214620 Kilowatt Strom die hier im Jahr verbraucht werden um ein paar alte Mauern anzuleuchten.
Jetzt kenne ich den polnischen Strompreis nicht, aber der deutsche lag laut Wikipedia im Jahr 2012 im Mittel bei 26,4Cent/kwh. Sollte der polnische Strompreis ähnlich sein, so möchte ich bemerken dass es den polnischen Steuerzahler sechsundfünfzigtausendsechshundertsechzig Euro im Jahr kostet dass die alten Mauern angeleuchtet werden. Nur die Mauern von Wawel und Wawel ist nur eines von unzähligen angestrahlten Gebäuden im Stadtzentrum von Krakau.

Bild: Krakau bei Nacht

Wenn man das alles zusammenrechnen würde, dann käme man bestimmt auf Millionenbeträge.
Aber Krakau ist eine reiche Stadt. Im Jahr 2000 war Krakau Kulturhauptstadt Europas, Krakau kann sich das leisten. So etwas wie Armut sucht man in Krakau vergeblich.

Bild: Obdachloser in Krakau

Der alte Herr hat ja alles was er braucht und wenn die Menschen so viel besitzen das sie ganze Kinderwagen mit ihrem Hab und Gut befüllen können, dann geht es der Bevölkerung so gut das sie keiner staatlichen Unterstützung bedarf und deshalb kann der Staat die Steuergelder ja auch in Strom anlegen.
Leider fehlt mir die fachliche Qualifikation um auszurechnen wie viel Gramm/Kilogramm radioaktiver Abfall durch diese Lampen entsteht. Aber ich weiß wo ein tolles Atommüllendlager ist wo man den Kram einlagern kann. In Rumänien. Ich habe es schließlich besichtigt!
Nachdem ich mir einen ersten Eindruck von meiner neuen Heimat verschafft hatte fand ich die Ruhe mich vor meinen Computer zu setzen. Noch immer schwebte das Damokles Schwert einer plötzlichen und unangekündigten Sperrung durch meinen Hostinganbieter über dieser kleinen Homepage. Einmal hatte ich es schon erlebt, ein zweites Mal wollte ich es nicht mehr erleben. Der Anbieter musste gewechselt werden und das bedeutete Arbeit. Immerhin konnte ich hier mit Turbogeschwindigkeit auf das Internet zugreifen und Stromprobleme gab es dank meines brandneuen Stromerzeugers auch keine.
Am 3. Abend meiner Anwesenheit auf dem Parkplatz im Krakauer Industriegebiet hinter der M1 Shopping Mal klopfte es an meiner Türe. Vorsichtig schaute ich aus dem Fenster. Polizei war das nicht. Dafür hatte es auch viel zu freundlich geklopft und der Typ der vor der Karre stand schaute irgendwie sympathisch aus. Also öffnete ich. "Great car!" Eröffnete der Mann das Gespräch. "Thanks, I love him!" "Are you gay?" Fragte er weiter.
Hatte der mich jetzt gefragt ob ich schwul bin?
"No, I am not gay!"
"You like to see me wanking?"
"NO!" Ich schloss die Türe von innen und der Kerl zog von dannen. Ich will niemandem beim Wixen zugucken. Noch nicht einmal mir selber. Spontan kommt mir ein Wort in den Sinn das ich in Griechenland erlernt habe: Malaka, kleiner masturbierender Junge.
Für Abwechslung in diesen Tagen sorgten nur die 3 couchsurfing Treffen die ich besuchte. Krakau hat eine sehr aktive couchsurfing Gruppe. Fast täglich finden hier Meetings und Events statt. Die beiden großen wöchentlichen Treffen sind Mittwochs und Freitags und da ich eh mehr oder weniger ununterbrochen vor meinem PC saß um die Angebote diverser Hostinganbieter miteinander zu vergleichen und auszuprobieren konnte ich auch privat in der couchsurfing Gruppe ein wenig aktiv sein und die Treffen besuchen.
Das Erste besuchte ich am 4. Februar 2014. Es begann um 19.30 Uhr und fand in einer Bluesbar im Stadtteil Podgórze statt.
Podgórze liegt auf der anderen Weichselseite. Es gibt unzählige Brücken über die Weichsel, aber nur eine Fußgängerbrücke.

Bild: Fußgängerbrücke über die Weichsel in Krakau

Über genau diese Fußgängerbrücke musste man laut Wegbeschreibung laufen und dann sollte das Blues Pup nach wenigen Metern in Sichtweite kommen - was es auch tat.
Da mir trotz wiederholter Nachfrage auf couchsurfing niemand sagen konnte ob mein Hund an diesem Ort willkommen ist oder nicht probierte ich es einfach aus und fragte den Kneipenbetreiber. "Kein Problem" meinte dieser.
Anfänglich saß ich mit Pawel, dem Veranstalter, Kasia und Kasia an einem Tisch. Kasia scheint ein weit verbreiteter polnischer Frauenname zu sein. Schon meine polnische Freundin, die ich in dem bulgarischen Varna kennen gelernt habe, hieß Kasia.
Pawel verteilte augenblicklich touristische Landkarten von Krakau und ich hatte die Möglichkeit einige Fragen zum Land zu stellen. "Gibt es hier keine Krakauer?"
"Was sind Krakauer?" Fragten meine Gesprächspartner ungläubig. "Na diese Würstchen für die die Stadt hier in Deutschland so berühmt ist. Brühwürstchen halt."
"Ja, doch, gibt es." Ich bekam auf der Landkarte eine Stelle gezeigt an welcher sich ein Lokal befinden soll das Krakauer Würstchen führt.
Vorweg: Ich habe dieses Lokal während meines Aufenthaltes in Krakau nicht einmal besucht. Wenn ich zu einem Spezialrestaurant gehen muss um eine lokale Spezialität zu verkosten, dann scheint es sich nicht wirklich um eine lokale Spezialität zu handeln und somit hatte ich mein Interesse an Krakauerwürstchen verloren.
"Und sagt mal" fragte ich weiter, "brauchen Geschäfte hier irgendeine spezielle Erlaubnis um Bier zu verkaufen?"
Mit Andrea hatte ich an zwei kleinen Läden angehalten, wir wollten uns ein Bier für den Abend kaufen aber keiner der Läden führte Alkohol und so mussten wir uns mit Fruchtsaft zufrieden geben.
"Ja!" erhielt ich als Antwort. Die Meisten Läden haben diese Erlaubnis, aber halt nicht alle. Das sei eine Steuersache, man zahlt und schon darf man. Das sei genauso wie mit dem Rauchen in Kneipen. Offiziell ist es verboten, aber wenn man zahlt dann ist es erlaubt.
Jetzt war ich schlauer. Langsam wird es voller und ich erfahre interessantes über meine Heimatstadt Düsseldorf. Düsseldorf sei berühmt für seinen Senf. Düsseldorfer Löwensenf. Das konnte ich noch bestätigen. Wenn man diesen Senf jetzt kaufen will, so erfuhr ich weiter, dann geht man mit einem Steingutbecher in ein Geschäft und lässt sich seinen Becher aus dem Fass befüllen. Das konnte ich schon nicht mehr bestätigen. "Ne, auch in Düsseldorf kauft man seinen Senf im Supermarkt und genau wie hier in Polen ist der in einem Glas oder Plastikbecher verpackt." Mein Gegenüber konnte es kaum glauben, hatte er doch im Fernsehen gesehen wie die Düsseldorfer ihren Senf im eigenen Becher im Senfgeschäft kaufen.
Selbstverständlich vertiefte ich auch meine polnischen Sprachkenntnisse. Ich war ja nicht zum ersten Mal in Polen und so konnte ich schon vor meiner Einreise auf ein verhältnismäßig großes Vokabular der Landessprache zurückgreifen. Jawohl, ich konnte schon Kawa, Herbata und Motek, also Kaffe, Tee und Hammer sagen bevor ich nach Polen eingereist bin. Weitere Worte erlernte ich recht schnell während meiner Anwesenheit. Eier heißen hier JaJa, genau wie in Kroatien. Hund heißt Pies und gut dobry. Für Ja sagt man nicht da, sondern tak. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig aber einfach. Ich vermutete ja das "tik tak" dann vielleicht heißt. Aber auf meine Frage hin bekam ich erklärt das tik tac auch in Polen den Atem 2 Stunden lang bei gerade mal 2 Kalorien erfrischt. Jetzt erlernte ich das "dobry" mit verschiedenen Tageszeiten zu kombinieren.
Dzien dobry = Guten Tag
Dobry wieczor = Guten Abend
Dobranoc = Gute Nacht
Ich erlernte auch noch Danke (dinkuye), bitte (prosheh) und natürlich "Prosheh dye me PIN kod do tvoyego sertsa" was übersetzt so viel bedeutet wie: " Bitte gebe mir den Pin Code zu deinem Herzen".
Alles sehr wichtige Worte und Redewendungen!
Gegen 1 Uhr in der Nacht leerten sich die Reihen. Es waren gut und gerne 60 Leute auf dem couchsurfing treffen. Nur Reisende waren schwer anzutreffen. Hauptsächlich wurde das Treffen von jungen Ausländern besucht die hier ein Erasmus Jahr oder ein Auslandssemester verbrachten. Mit dem einzigen Reisenden, einem jungen Amerikaner, zog ich zur Afterparty los.
"That was comerzial." Sagte er zu mir als wir der Weichsel Richtung Stadtzentrum folgten. "Ja, war es!" Pawel hat nicht nur einen Couchsurfingrabat beim Bier herausgehandelt sondern er bekommt auch noch ne Provision den Laden voll gemacht zu haben. Hast du dir die Karte angeschaut die wir geschenkt bekommen haben? Die hat nen ganz dicken "Pawelstempel" und bei den ganzen Restaurantempfehlungen auf der Rückseite steht etwas wie: "Show this map and get discount." Der bekommt ne Provision für jeden vermittelten Kunden. Jede Wette!"
Mein Gegenüber vertrat die gleiche Meinung. Wir waren uns aber einig das das nicht so schlimm ist weil ja jeder von irgendwas leben muss. Bald erreichten wir das Stadtzentrum. Und da standen wir nun, zwei ortsfremde Touristen und ein Hund um halb 2 in der Nacht mitten in Krakau. Die Meisten Kneipen hatten geschlossen. Schließlich war es sehr früher Donnerstagmorgen. Einige Diskotheken waren noch geöffnet, aber da kam der Hund nicht rein. Wir standen recht ahnungslos auf dem Hauptmarkt und überlegten was wir tun sollen als wir von 3 jungen Frauen angesprochen wurden. "Sorry, you speack englisch?" Die Frauen sprachen englisch und fragten uns wo sie um diese Zeit noch eine Party finden. "You are local, if you find one tell us!"
Zu fünft zogen wir los eine Party suchen. Minuten später wurden wir schon wieder angesprochen. Wieder waren es Frauen und diese hatten eine Party im Angebot. "Night Club, Tabel Dance." Die wollten uns in ein recht anrüchiges Etablisment schicken. "Thanks, no intrest!" Sagte ich, der solche Lokalitäten grundsätzlich weiträumig umgeht. "Why not?" "You see my beutifull companiong?!" Sagte ich und zeigte auf unsre hübsche Begleitung. Alle lachten und wir zogen weiter. Dummerweise hatte ich den Satz mit dem PIN Code noch nicht ganz verinnerlicht, sonst hätte ich ihn gleich mal ausprobiert :-)
Irgendwann verschwanden die Frauen in dem Eingang einer Disko. Mein Hund war dort, laut der Meinung des recht breitschultrigen Türstehers, nicht willkommen und so stand ich mit meinem amerikanischen Freund wieder alleine im nächtlichen Krakau. Im Zick zack zogen wir durch die Strassen, mittlerweile war es 3 Uhr am Morgen, als wir eine geöffnete Kneipe erblickten.
Das Caffe Philas! Ein älterer, vollbärtiger Barmann kam hinter der Theke hervor als wir den Laden betraten und begrüßte uns per Handschlag als seien wir alte Freunde. Und wenn ich uns sage, dann meine ich auch uns denn der Herr ging in die Hocke und spielte mit Scheki Pfötchengeben. Mein Freund bestellte zwei Bier und wir setzten uns an die Bar denn einen freien Tisch gab es nicht. Der Laden war der absolute Volltreffer! Voll gestopft mit Bücherregalen und im hinteren Teil hingen anrüchigen Gemälden an den Wänden. Das Publikum schien einen Querschnitt durch alle Bevölkerungsschichten darzustellen. Junge Menschen die zur späten Stunde ausgelassen tanzten, zwei ältere Herren spielten Schach bei einer Tasse Tee, daneben ein Sofa auf welchem es sich ein Mann gemütlich gemacht hatte der Mühe hatte die Augen offen zu halten. Er sah aus wie ein Obdachloser und er roch auch so. Anscheinend hatte er sich mit seinen erbettelten Sloti ein Aufenthaltsrecht auf diesem Sofa in form einer Bierflasche erworben die halbgefüllt vor dem fast Schlafenden stand. Auf einem weiteren Sofa, hinten rechts in der Ecke, lümmelten 3 eigenartig eingekleidete Gestallten. 2 Frauen und ein Kerl der irgendwie schwul aussah. Aber er schien nicht schwul zu sein. Der Glückliche hatte gleich 2 Frauen auf einmal und so wie die rumgemacht haben hätte es mich nicht verwundert wenn neben den Oberteilen, die schon neben dem Sofa lagen, auch noch die Hosen gefallen wären.
Ich wurde noch auf 2 oder gar 3 weitere Biere eingeladen und als wir den Laden mit Einbruch der Morgendämmerung verließen war noch immer kein Tisch frei. Der Obdachlose schlief mittlerweile felsenfest - nur ein Sofa von dem ebenfalls schlafenden Liebestrio entfernt.
Einige Tage später betrat ich den Laden noch einmal alleine. Diesmal war der Barkeeper entschieden jünger und neben dem Ausschank von alkoholhaltigen Getränken beschäftigte er sich vor allem mit Karaokegesang.

Bild: Cafe Phillo in Krakau

Mit 7 Sloti für ein Bier war mir der Schuppen aber zu teuer und ich verließ ihn recht bald mit jemandem dem er ebenfalls zu teuer war. Doch davon später mehr.
Das Nächste Couchsurfingtreffen war nur 2 Tage später und fand in einem indischen Restaurant namens Roti Roti statt. Genau wie beim letzten Mal war die Localität recht nichts sagend. Dafür aber, bis auf die Couchsurfer, Menschenleer. Im Großen und Ganzen waren die gleichen Leute anwesend wie beim letzten Treffen so dass ich meine einmal geschlossenen Freundschaften vertiefen konnte. Zur Afterhourparty, so gegen 1 Uhr in der Nacht als uns das Roti Roti herauskehrte, zogen wir diesmal in einer großen Gruppe. Sie fand in einer nahe gelegenen Privatwohnung eines französischen Erasmus Stundenten statt.

Bild: Couchsurfing Treffen in Krakau

Als ich diese Wohnung verließ war ich in Begleitung. In Begleitung von Daniel. Daniel war Österreicher und anstatt dem österreichischen Gegenstück der deutschen Bundeswehr beizutreten und so eventuell in die Verlegenheit zu kommen, zusammen mit dem Angriffs- Verteidigungsbündnis NATO, die österreichische Außengrenzen am Hindukusch zu verteidigen, hatte er sich entschlossen einfach ein Jahr lang im jüdischen Museum Auschwitz zu arbeiten. Eine Tatsache die ihn in meinen Augen sympathisch machte. Haben die Österreicher echt noch immer Wehrpflicht? In Deutschland wurde die ja glücklicherweise abgeschafft. Das hat doch dieser Typ gemacht, wie hieß er gleich noch? Na der Kerl der später seinen Hut nehmen musste weil er seine Doktorarbeit bei Wikipedia abgepinnt hat.
Daniel arbeitete jedenfalls in Auschwitz und war über das Wochenende nach Krakau gekommen um sich die Stadt anzuschauen. Dort besuchte er das Couchsurfingtreffen in der Hoffnung dort jemanden zu finden bei dem er pennen kann. Tja, und der Einzige Couchsurfer auf diesem Treffen der einen Schlafplatz im Angebot hatte, das war ich. Da kann man mal sehen was aus diesem Netzwerk geworden ist. Kommerzielle Partys aber kein Mensch der das im Angebot hat worum es sich eigentlich geht: Nämlich einen Schlafplatz.
Hier steht Daniel am nächsten Morgen beim Lebwohlsagen vor meinem Wagen.

Bild: Wohnmobilstellplatz in Krakau

Einmal früh auf den Beinen spaziere ich die Wislar entlang ins Stadtzentrum. Dort möchte ich der "Free walking Tour" beiwohnen. Irgendwie ist da auch Pawel in die Organisation involviert. Jedenfalls finden täglich kostenlose, touristische Führungen durch Krakow statt bei denen man diese tollen Landkarten geschenkt bekommt. Ich hatte die Valentinstag spezial "Lovetour" erwischt.
Pünktlich um 11 stand ich vor der Marienkirche, dem schwer zu verfehlenden Treffpunkt.

Bild: Free walking Tour Krakau

Die Marienkirche wollte ich mir schon zuvor von innen anschauen, aber da muss man 10 Sloti bezahlen und das wollte ich nicht in die Restauration von unnötigen Prunkbauten investieren.
Jetzt stand ich da in einer Gruppe aus rund 20 Touristen die irgendwie nach "Neckermännern" ausschauten und rannte wie ein Lemming der unübersehbaren Werbetafel hinterher.
Weit musste ich der Tafel nicht hinterher rennen. Zunächst einmal nur bis zu diesem gelben Haus:

Bild: Marienkirche Krakau

Über dieses Haus hatte die Führerin nämlich einiges zu berichten. Irgendwann im Jahre 1232 (oder so ähnlich) wurde der polnische Prinz August (oder so ähnlich) mit der deutschen Prinzessin Auguste (oder so ähnlich) verheiratet. Auguste war damals erst 12 (oder so ähnlich) aber die Liebe war groß und das war ein Fest! Der ganze Hofstaat war eingeladen und stand feiernd auf dem Hauptmarkt. Na ja, und am Fenster von diesem gelben Haus da stand der König und hat Goldmünzen in die Menge geworfen.
Sehr interessant!
Ähnlich interessant auch die Geschichten die wir über das Nächste und Übernächste Gebäude erzählt bekamen. Ich war ganz froh als die Gruppe in den Innenhof von Wawel spazierte und ich, mit meinem vierbeinigen Kumpel, von so einem Sicherheitsfutzi nicht hineingelassen wurde. So konnte ich der Sache prima entgehen ohne der ambitionierten Führerin ins Gesicht sagen zu müssen das mich das nen Scheißdreck interessiert.
Den Rest des Tages lief ich kreuz und quer durch die Innenstadt und angrenzende Gebiete. Ganz nebenbei hielt ich Ausschau nach einem Laden wo man eine PDF Datei ausdrucken kann. Ich hatte mich mittlerweile für einen neuen Hostinganbieter entschieden und diese HP dort aufgespielt. In der Theorie funktionierte bereits alles nur wurde die Seite noch über den alten Anbieter ausgeliefert. Um das zu ändern musste ich meinen Vertrag mit diesem Anbieter Kündigen und einen Domänumzug beantragen. Ja, und diese Kündigung musste schriftlich erfolgen, auf einen Vordruck den ich als PDF Datei, gespeichert auf einem USB Stick, bei mir trug.
Es war auch gar nicht schwierig einen Drucker aufzutreiben. Krakau ist ja ne große Stadt und da gibt es so etwas. Lustig war nur dar Gesichtsausdruck des Typen an der Kasse des Ladens. Ich hätte ihn wirklich gerne fotografiert als er: "Just one?! 5 Groschi!" zu mir sagte.
Somit war der Domänumzug vorerst einmal aus meinem Kopf und ich beschloss mir Nowa Huta anschauen zu gehen.
Nowa Huta hatte ich als Sehenswürdigkeit ans Herz gelegt bekommen. Irgendwann, zu Zeiten der Sowjetunion, wurde dort eine Eisenhütte errichtet. Im Grunde, so wurde mir erzählt, war das totaler Blödsinn weil es in der Gegend weder Eisenerz noch Kohle gab um angeliefertes Erz zu schmelzen. Aber der kommunistischen Obrigkeit war die Stadtbevölkerung Krakaus zu gebildet und dem kommunistischen System gegenüber zu kritische eingestellt und deshalb versuchte man durch die Ansiedlung eines Arbeiterviertels einen Gegenpol zu schaffen.
In Nowa Huta könne ich die Strukturen des Kommunismus noch heute spüren, so meine Information.
Nichts wie hin!
Wie es so ist, wenn man als Fremder in der Fremde einen speziellen Ort sucht, verlief auch ich mich zunächst und umwanderte diesen noch immer zugefrorenen Froschtümpel.

Bild: See in Krakau

Fragt mich jetzt bitte nicht wo das ist. Irgendwo in Krakau, da bin ich mir sicher! Alles in Allem benötigte ich über 4 Stunden um Nowa Huta zu erreichen und ca. 40 Minuten für den Rückweg. Ich muss allerdings gestehen dass ich nicht wirklich zielstrebig auf mein Ziel zusteuerte. Ich lief halt Zick Zack in der Hoffnung irgendwann dort anzukommen wo ich hin wollte. Hat dann ja auch geklappt.
Ich räumte das Feld von hinten auf. Ohne zu wissen dass ich bereits in Nowa Huta bin sichtete ich plötzlich unzählige Plattenbauten die alle mal einen neuen Anstrich vertragen könnten.

Bild: Nowa Huta, Krakau

Durch diese Wohnblocks hindurchspazierend erreichte ich den Hauptplatz Nowa Hutas.

Bild: Nowa Huta, Hauptplatz

Von der überdimensionalen Verkehrsinsel, die zu so einer Art Parkanlage umgebaut wurde, aus betrachtet wirkt Nowa Huta sogar recht hübsch.

Bild: Nowa Huta

Kommunismus noch heute spüren … Hm. Vielleicht spürt ein normalsterblicher, deutscher Tourist, in Nowa Huta noch so etwas wie Kommunismus. Ich habe es nicht getan! Vor den Wohnblocks parken hübsche Westwagen und keine Pferdefuhrwerke. Die Leute hier können sich nicht nur Coca Cola leisten, nein ich habe sie das Zeug auch trinken sehen. Kommunistisch ist hier höchstens noch der Baustiel und der ist, wenn ich die großen Parkanlagen zwischen den Häusern sowie deren massive Bauweise betrachte, gar nicht einmal so übel.
Hinter der Verkehrsinsel liegt eine große Brachfläche. Wenn man über sie hinwegblickt sieht man die Schornsteine in deren Nähe ich geparkt habe.

Bild: Felder hinter Nowa Huta, Krakua

Ich beschloss über diese Brachfläche heimwärts zu laufen was aber eine blöde Idee war da es sich teils um recht schlammiges Sumpfland handelt.
Am nächsten Tag war dann Tram fahren angesagt.

Bild: Straßenbahn Krakau

Vom Stadtzentrum aus ging es mit der Linie 52 bis zu einer Haltestelle mit dem Namen Norymberstka. Ich hatte mit der Orientierung allerdings nichts zu tun den ich war in Begleitung einer privaten Führerin. Diese hatte mir auf dem letzten Couchsurfingtreffen einige Bilder von einem See mit Steilküste gezeigt. Jeden Sommer, so sagte sie, findet an diesem See eine halbillegale Party statt. Im letzten Jahr sei einer im Suffkopf die Klippen hinabgestürzt und dabei ums Leben gekommen. Jetzt habe ganz Krakau Angst dass die Polizei in diesem Jahr die Party sprengt. Ich fand den See auf jeden Fall sehr hübsch und wollte ihn mir anschauen und als ich nach so etwas wie einer Wegbeschreibung fragte bekam ich ganz spontan eine Privatführung angeboten.
Gerne doch!
Zunächst möchte ich aber einmal den öffentlichen Personennahverkehr in Krakau loben. So einfach und übersichtlich! Nicht nur das der Fahrkartenautomat Deutsch spricht, nein auch das Tarifsystem ist sehr leicht zu verstehen. Ich kenne aus meiner Heimat "Tarifwaben". Das sind so Bezirke die irgendwo anfangen und irgendwo enden. Fährt man nur innerhalb einer Wabe, dann kann man mit dem billigen Ticket fahren. Überschreitet man die Wabengrenze, was unter Umständen der Fall sein kann wenn man nur eine einzige Station fährt, dann braucht man das teure Ticket. Hier in Krakau ist das einfacher. Man bezahlt nach Minuten. Für 2,6Sloti löste ich ein Ticket auf dem "20 minutowy" steht. Genau wie in Deutschland muss man dieses Ticket im Zug (oder Bus) abstempeln. Ab diesem Moment darf man 20 Minuten lang fahren. Das finde ich einfach, das versteht jeder ganz ohne Stadtpläne mit willkürlich festgelegten Tarifwaben zu studieren.
Nach rund 15 Minuten Fahrzeit erreichten wir die Haltestelle und spazierten die wenigen Hundert Meter zum See Zakrzowek. Der See selbst ist eingezäunt. Offiziell ist der Zutritt zu den gefährlichen Steilkippen nicht gestattet. Aber das stört die vielen Erholungssuchenden genauso wenig wie uns. Man klettert halt einfach durch eines der unzähligen Löcher im Zaun. Selbst eine gespannte Hängematte konnte ich erblicken während wir, bei den mittlerweile recht frühlingshaften Temperaturen, um den See wanderten.
Wahnsinn, mitten in der Stadt. Nur rund 3 Kilometer Luftlinie vom Stadtzentrum entfernt. Anschließend geht es dann gemeinsam auf zum nächsten Couchsurfingtreffen. Diesmal ist es nicht von Pawel organisiert und somit auch nicht kommerziell. Ein Bier kostet hier von Natur aus nur 5 Sloti, da braucht es keinen Couchsurfingrabatt. Aber es ist auch kleiner, nur 7 Leute zähle ich. 3 davon wahrhaftig Reisende.
Am nächsten Abend bin ich schon wieder über Couchsurfing verabredet. Meinen neuen Freund hatte ich noch nicht bei einem Treffen persönlich kennen gelernt sondern ich hatte in der Krakauer Gruppe von Ihm gelesen. Er hieß … jetzt habe ich es doch glatt vergessen und er kam aus … ich habe es ebenfalls vergessen. Sagen wir er hieß Peter, das ist auf alle Fälle verkehrt und er war Erdenbürger, das ist auf alle Fälle richtig. Jedenfalls hatte Peter geschrieben das er bei einer Tour mitmachen würde wo derjenige gewinnt der am längsten mit 1000 Dollar unterwegs ist. Ich antwortete das ich bereits gewonnen hätte weil ich seit 7 Jahren mit weniger als 5000 Euro unterwegs sei und, na ja, klar das wir uns treffen mussten.
Peter übernachtete nicht über Couchsurfing. Er hatte ein billiges Hostel gefunden und kannte eine Bar in der ein Bier nur 2 Sloti kostet. Diese Bar wollte ich natürlich auch kennen lernen. Am Ende zahlten wir dann 4 Sloti für 0,25Liter Bier. Das ist teurer als normal, denn für 5 Sloti ist in Krakau ein normaler Preis im unteren Segment. Aber bei diesem Bier erfuhr ich das sich Peter die Tour mit einem Kumpel zusammen selbst ausgedacht hat. Vor 4 Tagen war Tourstart und Krakau war die erste Station meiner Begleitung. An keinem Ort dürfe man sich länger als eine Woche aufhalten, so eine weitere Regel die die Beiden sich auferlegt hatten. Am Ende wollten sie über ihre Tour ein Buch schreiben. Ein zweites Bier tranken wir auf meine Anregung hin nicht. Mir war das schlicht und einfach zu teuer. Stattdessen gingen wir hinaus in die Stadt und von dort aus sahen wir diesen eigenartigen Berg der in der Nacht immer angestrahlt ist. "You know what it is?" fragte ich. Doch mein Gegenüber wusste es auch nicht. Also beschlossen wir dort hinzulaufen und nachgucken zu gehen.
Wir folgten der Hauptstrasse, überquerten die Rudwa, einen Nebenfluss der Weichsel und erreichten nach einer knappen Stunde Marsch diesen eigenartigen Ort.

Bild: Bergkirche Krakau

Was es mit diesem Ort auf sich hat konnten wir allerdings nicht herausfinden. Keine Informationstafel war in einer Sprache abgefasst die wir hätten lesen können.
Dafür war die mitternächtliche Aussicht über Krakau recht nett, ließ sich nur leider nicht fotografisch festhalten.
Nachdem wir uns voneinander verabschiedet hatten lernte ich dann diese Jungs kennen.

Bild: Official Krakau alkoholics

Geld für Bier hatte ich nicht, aber ich hatte eine Flasche Bier im Rucksack. Sie hatte ich zusammen mit Peter im Supermarkt gekauft und wir hatten sie nicht getrunken. "Official Krakau alkoholics." Liesen mich die Jungs wissen als ich die Flasche mit ihnen teilte. Ansonsten war die Verständigung eher schwer.
Am 12. machte ich mich dann auf den Zugfriedhof zu besichtigen. Justyna, die junge Frau die mir schon den See gezeigt hatte, hatte mir auch von diesem Ort Fotos gezeigt und meine private Führung sollte ich am 14. erhalten. Aber ich beschloss mir die Sache schon einmal auf eigene Faust anschauen zu gehen. Diese Unternehmung viel aber aufgrund von schlechten Sichtverhältnissen ins Wasser, bzw. in den Nebel.

Bild: Krakau im Nebel

Einen Tag später war das Wetter besser und ich stand vor den verrosteten Zügen von denen ich schon Bilder gesehen hatte.

Bild: rostige Dampflok in Krakau

Die Nacht verbrachte ich vor dem PC. Meine Kündigung des alten Webspaces wurde akzeptiert und ich hatte von Alfahosting den Auth Code zum Domäntransfer geschickt bekommen. Diesen sendete ich an den Support des neuen Anbieters und Minuten später erhielt ich eine E Mail mit einem Link. Diesen musste ich anklicken um den Transfer zu bestätigen. Dann wartete ich auf die Dinge die geschehen. Doch es geschah nichts. Ich wartete und wartete und wartete. Um 9 Uhr in der Früh, es war noch immer nichts geschehen, zog ich los. Immerhin war ich verabredet. Gegen 10 wählte ich mich in ein W lan ein und siehe da, meine Reiseberichte wurde von dem neuen Anbieter an seine Leser ausgeliefert. Ich überprüfte einige Seiten, aber alles schien zu funktionieren. Und wenn nicht, drauf geschissen! Ich bin verabredet und ich schaue mir jetzt die Züge an. Alles andere kann warten!
Pünktlich um 11 Uhr bin ich am Treffpunkt. Justyna hatte aus der Führung ein Event gemacht so dass noch 6 andere Couchsurfer zugegen waren. Rund 2 Stunden besichtigten wir die alten Züge, kletterten auf den verrosteten Loks herum, schauten uns die teils ausgebrannten Wagons von innen an und zumindest ich fummelte an diversen Schaltern und Hebeln im inneren der Züge herum.
Leider habe ich es versäumt von dem Ort einen GPS fix zu speichern. Aber ich habe einen googel maps Link. Nur für den Fall das jemand anderes auch einmal alte Loks in Krakau gucken mag.
Die Ersten aus der Gruppe verabschiedeten sich schon bevor wir alles angeschaut hatten. Als Justyna dann vorschlug auch noch den See auf der anderen Seite der Gleisanlage anzuschauen

Bild: See hinter Krakauer Bahnhof

waren wir dann nur noch zu dritt. Doch auch der Dritte im Bunde sollte uns bald verlassen. "Und, was machst du jetzt?" fragte mich Justyna. "Ich denke ich schaue mir noch das mit den Türmen an wovon du mir Fotos gezeigt hast. Ich habs mir auf der Landkarte angeschaut, das ist ja ganz hier in der Gegend."
Jetzt hatte ich wirklich einen Privatführer, denn ich musste mir das nicht alleine anschauen.
Vielleicht zunächst mal ein Paar Fotos:
Und, erkennt ihr den Ort? HIER (google maps) ist er. Auch wenn ihr noch nie da wart, das kennt man aus dem Fernsehen. Kleiner Tipp: Kinofilm mit vielen Oscars.
Das auf den Bildern ist die alte Filmkulisse von Schindlers Liste. Zugegeben, im Film war das alles noch nicht so verrostet und mit Gestrüpp überwuchert. Aber ich denke es ist wieder zu erkennen. Dieses Förderband aus der perversen Zehne mit den vielen Leichen und auch die Grabsteine die als Bürgersteigplatten Verwendung fanden. Die Drähte von den Elektrozäunen konnte wohl schon ein Schrottsammler brauchen. Aber die Zaunpfähle stehen noch.
Glücklicherweise ist hier nichts echt, das ist alles nur eine Filmkulisse. Dennoch wird mir ein wenig anders als ich auf diesem verrosteten Förderbandgestell herumklettere und über Wege laufe die mit Grabsteinen gepflastert sind.
Offiziell kann man diesen Ort in Krakau nicht besichtigen. Auch hier gibt es steile Felswände von denen man herabstürzen könnte und deshalb (vielleicht auch aus anderen Gründen) ist das Gelände eingezäunt. Aber der Zaun ist so löchrig das er kein besonders großes Hindernis darstellt.
Der verlassene Drehort ist übrigens geschichtsträchtig und eng mit den Verbrechen der NS Zeit verwoben. An dieser Stelle befand sich das KZ Plaszow. Nur wenige Hundert Meter von den alten Filmkulissen entfernt befindet sich dieses Mahnmal

Bild: Mahnmal KZ Plaszow, Krakau

das daran erinnert.
In der Gegend befindet sich auch noch so ein eigenartiger Hügel mit spiralförmigem Aufgang den wir anschließend besuchten.

Bild: Spiralhügel Krakau

Tolle Aussicht von da oben.

Bild: Blick über Krakau

Über Hauptstrassen

Bild: Hauptstrassen Krakau

geht es zurück ins Stadtzentrum oder, um genauer zu sein, in den Stadtteil Kazimierz den wir noch ein wenig unsicher machen bevor ich Justyna auf ein Bier einlade und wir den Tag für beendet erklären.
Am nächsten Tag gehe ich nicht nach Krakau. Nein, ich gehe nach Podgorze, den Stadtteil auf der anderen Weichselseite der früher, ganz früher, mal eine eigenständige Stadt war. Später wurde er dann zum jüdischen Ghetto umfunktioniert. Ich bin dort schon einige Male durchgelaufen, aber richtig angeschaut habe ich mir die Gegend dort noch nicht.
Das ist die große Kirche auf die man mehr oder weniger geradewegs zusteuert wenn man die kleine Fußgängerbrücke über die Weichsel benutzt.

Bild: Stadtteil Podgorze Krakau

An ihr bin ich geradeaus vorbei und gelangte in eine große Parkanlage. Brachfläche wäre wohl das bessere Wort. Auch hier gibt es steile Felswände

Bild: Podgorze Krakau, Felswände

aber sie sind nicht eingezäunt, von ihnen darf man offiziell hinunterstürzen. Ich folgte der Parkanlage westwärts bis zu einem großen Sendemast und von dort der Hauptstrasse zurück zum Ausgangspunkt. Von dort lief ich noch einige Stunden im Zick Zack hin und her und suchte nach Überresten des alten Ghettos. 15000 Menschen wurden hier her zwangsumgesiedelt und lebten hinter einer großen Mauer bevor sie umgebracht wurden. Aber Überreste aus dieser Zeit fand ich nicht. Zumindest keine die ich hätte deuten können.
Am nächsten Tag wollte ich mir eigentlich Kazimierz genauer anschauen gehen, der ursprüngliche jüdische Stadtteil Krakaus und heute so etwas wie die Kneipenmeile der Stadt. Aber auf dem Weg traf ich auf ein junges Paar. Genau wie ich hatten sie einen Hund dabei und unsre Tiere freundeten sich miteinander an so dass ich zu nichts anderem kam als meinen Hund spielen zu lassen.
Er war hier aus Krakau und sie, sie war aus Köln. Mit unsren Tieren verkrümelten wir uns in eine ruhige Ecke, genau an die Stelle wo die Rudawa in die Weichsel mündet.

Bild: Rudwamündung Krakau

Während sich unsre Hunde miteinander amüsierten widmeten wir uns dem Genuss einer dieser Zigaretten die so ausschauen wie eine lange, gerade "Droga" title="" die man bis zum Horizont hinabschaut. Vorne breit und hinten schmal halt. Dabei unterhielten wir uns hauptsächlich über den Unterschied zwischen Bier und Kölsch. Ok, wenn man meine Gesprächspartnerin fragen würde, so würde sie sicher behaupten das wir uns über den Unterschied zwischen Bier und Alt unterhalten hätten, aber das ist eine Fehlinterpretation der jungen Frau die sich sicherlich mit ihrer Herkunft begründen lässt.
Kazimierz musste somit einen Tag warten. Hier einige Bilder:
Der große Marktplatz in Kazimierz lässt sich auch ohne GPS Angaben nicht verfehlen. In dessen Mitte befindet sich ein rundes Gebäude. In diesem Gebäude sind mindestens ein halbes Dutzend Fast food Buden ansässig die alle das Gleiche verkaufen: Zapiekanki! Ganz im Gegensatz zu Krakauerwürstchen kann man Zapiekanki überall in Krakau kaufen. Aber nirgendwo gibt es so große und preisgünstige Zapiekanki wie auf dem Marktplatz in Kazimierz. Ein preisgünstiges Zapiekanki der Geschmacksrichtung "Krakowska" (Schnittlauch) oder "Chrupka" (Röstzwiebeln) kostet 5 Sloti. Also ca. 1,20 Euro und schaut so aus:

Bild: Zapiekanki (Nein Scheki, ist für mich!)


Das ist eine vollwertige Mahlzeit. Ein wenig Käse und noch weniger Pilze, sowie Ketchup und Majo sind Standart auf dem Baguette. Dazu kommt dann noch der Belag. In diesem Fall halt Röstzwiebeln. Wenn man da was anderes drauf haben will, wie etwa Hähnchenbrust, dann kann so ein Zapiekanki auch schon mal über 10 Sloti kosten. Aber wer wie ich knapp bei Kasse ist, aber Hunger hat, der kommt auch mit Röstzwiebeln oder Schnittlauch klar. Ich habe mehrere der dort ansässigen Zapiekankihändler ausprobiert und konnte weder Qualitäts- noch Preisunterschiede feststellen.
Mit Einbruch der Dunkelheit ging ich mich im "Singer" aufwärmen. Das Singer hat Kneipentische die so ausschauen wie die Nähmaschine von meiner Mama und gehörte einstmals Jurek. Wem der Name Jurek jetzt nichts sagt, dem empfehle ich noch einmal meine Albanien Reiseberichte zu lesen.
Ich hatte kaum die polnische Landesgrenze überquert als mir Jurek eine E Mail mit der Betreffzeile: "Willkommen in meiner Heimat" sendete. Dummerweise konnte ich ihn nicht in seiner Heimatstadt besuchen da Jurek Reisender ist und sich derzeit in Georgien aufhält. Aber mal in seiner alten Kneipe vorbeischauen, das konnte ich ja.
Ist ja ein netter Laden Jurek. Aber nehme es mir nicht übel, nach einem Bier bin ich wieder gegangen. Das ist mir zu teuer, die wollen sogar 8 Sloti für das billigste Bier.
Auf meinem Heimweg passierte ich dann zufällig das Cafe Phillo (google maps). Dort hatte ich ja einen meiner ersten Abende hier in Krakau verbracht und es hatte mir gefallen. Danach hab ich den Laden gesucht wie ein blöder und jetzt, jetzt stand ich plötzlich davor.
Hatte ich doch gerade die eine Kneipe verlassen weil mir das Bier zu teuer war so betrat ich jetzt die nächste. Aber ich betrachtete es als Recherchearbeit. Wenn ich über den Laden schreiben will, und das ich das tun würde, das war mir klar, dann muss ich ja auch wissen was dort ein Bier kostet. Beim letzten Mal war ich schließlich eingeladen. Ein Bier kostet dort 7 Sloti, aber das sagte ich ja bereits. Ich hatte meines gerade geöffnet als mir ein junger Mann seine Hand reichte und mich beim Namen nannte. Ich hatte zunächst Probleme ihn einzuordnen, aber dann viel es mir wie Schuppen von den Augen. Der Verkäufer von den gebrauchten Jeanshosen auf dem Marktplatz in Kazimierz vom Vormittag. Der mit dem kleinen Hund. "Setz dich!" forderte ich ihn auf. "Ich hab heute keine Hose verkauft, ich hab keine Kohle. Ich wollte nur mal schauen ob einer hier ist den ich kenne." "Mir ist das auch zu teuer" erwiderte ich und schon war ich in Begleitung.
Was dann geschah erinnerte mich stark an die Low Budget Kneipentour mit Zee an meinem 30. Geburtstag bei den bulgarischen Bunkern. Wir betraten unzählige Kneipen, schauten uns um, und gingen wieder. Dieser Beschäftigung widmeten wir uns bis halb 3 in der Früh. 2 Mal traf mein neuer Kollege auf irgendwelche Bekannten und schaffte es dass wir auf ein Gläschen eingeladen wurden. Ganz am Ende revanchierte ich mich dann mit einer Pulle vom Malpka Express.
Malpka Express ist so ein 24 Stunden Laden mit Lizenz zum Alkoholverkauf. Wörtlich übersetzt bedeutet es "Affen Express" aber der Sinn des Wortes ist im polnischen zweideutig. Den ein "Shott" Wodka wird ebenfalls als Malpka bezeichnet und somit bedeutet der Name auch "schneller Alkohol" (oder so ähnlich).
Der Name der kleinen Kaufhauskette ist mir eigentlich nur deshalb in Erinnerung geblieben weil die (fast) immer kostenloses W lan haben und es sie mehr oder weniger an jeder Straßenecke gibt. Jedenfalls ließen wir den Abend mit einer im öffentlichen Raum illegal konsumierten Flasche Bier ausklingen.
Hatte ich das schon erwähnt? In Polen ist der Verzehr … ne, das müsste Vertrunk heißen, von Alkohol in der Öffentlichkeit verboten. Gelegentlich soll schon ein Tourist der sich nicht daran gehalten hat in der Ausnüchterungszelle gelandet sein.
Am nächsten Tag war ich dann sehr sehr müde. Dennoch legte ich einige Male die Strecke Real Kundentoilette - Wohnmobil zurück um meine Wasserreserven aufzufrischen.
Am 19. schlenderte ich dann ein wenig durch die Außenbezirke und wohnte einer Brack Dance Aufführung bei.
Am Abend lernte ich dann Jacek Alexander Piotrowicz kennen. Alexander saß vor der Marienkirche auf einem Gitarrenverstärker und spielte Gitarre. Und zwar sehr hingebungsvoll! Hier eine kleine Hörprobe seiner Musik.

Audioplayer für VIP Leser
Das Stück Waltzing tale von dem Album Waltzing Tales. Qualitätsmäßig von mir total versaut durch on the air (Micro an Lautsprecher halten) Mono Aufnahme in total übersteuert)


Waltzing Tales nennt er sein aktuelles Album und ich lauschte ihm bestimmt eine halbe Stunde lang.
Als Alexander begann seinen Krempel zusammenzupacken fragte ich ihn wo er herkommt und ob er nicht nen Pennplatz für die Nacht brauche. Es wäre ja nicht das Erste mal das ich Straßenkünstler, deren Show mir gefallen hat, einen Schlafplatz anbiete anstatt ihnen Geld in den Hut zu werfen. Aber Alexander war nicht auf Reisen, er wohnt hier in Krakow und brauchte somit keinen Schlafplatz. Aber ich war einmal mit ihm im Gespräch und Minuten später saß ich in seinem Auto und abermals Minuten später befand ich mich in seiner Wohnung.

Bild: Alexander Piotrowicz (Mann beachte meine punkige Haarpracht :-)


Alexander spielt täglich in der Stadt. Er lebt davon und seit er CD´s in seinem Gitarrenkoffer liegen hat, die er gegen Spende abgibt, würde er nie wieder ohne CD´s auf die Strasse gehen. Erzählt er mir. Mit CD´s mache man einfach entschieden mehr Umsatz.
Länger als eine dreiviertel Stunde spielt er allerdings nie. Wenn er von der Polizei erwischt würde, was auch schon vorgekommen sei, dann müsse er so viel Straffe zahlen das er eine ganze Woche arbeiten müsse um wieder im Plusbereich zu sein. Deshalb nie länger als eine Dreiviertelstunde und immer an unterschiedlichen Orten. Alexander war auch schon auf Tournee. Er kennt genau wie ich halb Europa. Am Anfang war er nur mit Rucksack und Gitarre unterwegs. Die letzte Tour habe er aber mit seinem Nissan Primera gemacht. 6 Monate. Kroatien, Griechenland, Türkei. Eine Route die mir sehr bekannt vorkommt und dementsprechend viel hatten wir uns zu erzählen. Nur dass es keinen Sinn macht mir Gitarrenunterricht zu erteilen, das hat Alexander recht schnell verstanden.
Am nächsten Tag packte ich meine 7 Sachen zusammen. Zeit zur Abreise hatte ich beschlossen. Am übernächsten Tag hatte ich auf Autofahren aber irgendwie keine Lust deswegen beschloss ich noch einmal durch Gegenden zu spazieren wo ich vorher noch nicht war.

Bild: Krakau, Außenbezirk

Fragt mich nicht wo es ist, aber es ist vom Stadtzentrum Krakau aus in etwa 2 Stunden Fußmarsch zu erreichen und es wirkt recht verlassen.
Eigentlich bin ich ja in der Hoffnung losgezogen noch einmal Alexander zu treffen. Aber diese Hoffnung wurde nicht erfüllt.
Am Morgen des 22. Februars 2014 ließ ich dann meinen Hund vor die Türe, schüttelte ein letztes Mal an diesem Ort die Decken von meinem Sofa aus und dann, dann wollte ich tatsächlich starten. Ich wollte, der Wagen wollte auch, nur Scheki, Scheki fand die Idee wohl ziemlich blöde. Denn er war verschwunden!
Rund 2 Stunden wartete ich auf sein Erscheinen, dann ging ich ihn suchen. Die Strasse nach links, die Strasse nach rechts. Diesen Stichweg nach Osten und jenen nach Westen. Es dauerte bestimmt abermals 2 Stunden bis mir mein Tier schwanzwedelnd entgegengelaufen kam. Stocksauer nahm ich ihn an die Leine und ging zurück zum Wagen. Als mein Fahrzeug in Sichtweite kam sah ich einen Mann daneben stehen. Er stand nicht nur daneben, sondern er fummelte daran herum und, und er hatte einen Schraubenzieher in der Hand den er gerade in das Türschloss meine Fahrerseite steckte.
Ich ließ die Hundeleine fallen und wechselte in den Laufschritt.
Als ich den Kerl erreichte faste ich ihn an den Schultern, zog ihn nach hinten und stellte ihm ein Bein so dass er rücklings auf den Boden fiel. Dann tat ich alles das mit ihm von dem ich in meinem Reisebericht Cluj Napoka sprach, nachdem mir Einbrecher die Seitenscheibe meines Fahrerhauses zertrümmert hatten.
Aber er hat überlebt. Irgendwann hab ich von ihm abgelassen und meinen verdutzten Hund ins Auto gepackt. Als ich mit Werkzeug in der Hand (um den Kerl besser vermöbeln zu können) zurückkehrte, sah ich ihn nur noch davon humpeln.
Ich verzichtete darauf die Verfolgung aufzunehmen und den Typen gänzlich umzubringen sondern startete meinen Motor und verließ zügig den Ort des Geschehens. Aber ich schätze dass der Kerl noch lange an mich denken wird und nie wieder einen bunt bemalten Truck mit deutschen Nummernschildern anpackt.

Eigentlich wollte ich nach Krzeszowice. Jurek hatte mir diesen Ort empfohlen und eigentlich kannte ich auch den Weg. Aber irgendwie habe ich mich dann doch verfranst und als so eine Art Schloss in einem großen Wald vor mir auftauchte stieg ich in die Bremse noch bevor ich das Ortsausgangsschild Krakaus passiert hatte.
Das Schloss konnte man sich dann aber nicht anschauen. Es war nämlich kein Schloss sondern ein Kloster mit einer dicken Mauer drum herum. Wahrscheinlich damit Gott nicht wegläuft.

Bild: Kloster in Krakau

Enttäuscht machte ich mich auf den Heimweg und folgte am Nachmittag noch dem Lauf der Wislar bis hinein ins Stadtzentrum von Krakau.
Aber am 24., am 24. verließ ich Krakau endgültig. Den Ort den Jurek mir empfohlen hatte fand ich dann nicht. Dafür fand ich einen herrlichen Wohnort direkt am Weichselufer in der Nähe von Zator.

Bild: Wohnmobilstellplatz Zator

Genau das was ich brauchte, ein ruhiger Ort um Reiseberichte zu schreiben. Doch schon nach der ersten Nacht wurde ich von der Polizei behelligt.

Bild: Polizei an Wohnmobilstellplatz

Nachdem die Jungs meine Papiere kontrolliert hatten verschwanden sie aber wieder. Von Wegfahren haben sie nix gesagt und ich blieb diesem Standort danach noch geschlagene 8 Tage treu. In Polen ist freies stehen halt erlaubt. In Polen hat niemals ein Hitler ein Zigeunergesetz erlassen - welches in Deutschland noch immer in kraft ist - und eine immer größer werdende Zahl von Fahrzeugbewohnern kriminalisiert.
Die meiste Zeit an diesem Ort verbrachte ich vor meinem PC. Manchmal saß ich so lange vor dem Rechner und schrieb Reiseberichte das ich plötzlich überrascht feststellte das bereits die Sonne am aufgehen war.

Bild: Sonnenaufgang am Wohnmobilstellplatz Weichsel

Ich wusch aber auch ein wenig Wäsche und ging mir die herrliche Seenlandschaft in unmittelbarer Nähe meines Wohnortes anschauen.

Bild: Seenlandschaft bei Zator

An den Abenden spazierte ich häufig ins Zentrum von Zator.

Bild: Zator

Dort, auf dem zentralen Platz des Ortes gibt es ein öffentliches WiFi und meine eigene UMTS Verbindung war mittlerweile abgelaufen und ich hatte auch keine neue erworben da es ja an jeder Ecke einen W lan Zugang gibt.
Am 7. startete ich dann den Motor und fuhr zunächst einmal zum nahen Briedonka in Zator. Als ich den Supermarktparkplatz erreichte starb plötzlich mein Motor ab. Mit letztem Schwung rollte ich in eine Parkbucht.
Da hatte ich doch glatt das Tanken vergessen. Glücklicherweise hatte ich noch Unmengen Sprit in diesen Osteuropäischen Reservekanistern von meiner großen Fahrzeugpanne in der Slowakei bei mir. Ich wollte ihn schon lange umgefüllt haben aber da mein Tank so idiotisch angeordnet ist das ein Befüllen vom Kanister jedes Mal eine Herausforderung darstellt, war ich immer zu faul gewesen.
Jetzt musste ich mir was einfallen lassen und das sah so aus:

Bild: Tankstopp

Eine knappe Stunde später rollte mein Eigenheim der Gedenkstätte Auschwitz entgegen.

Weiter geht es in Auschwitz.

Derzeit im Chat :



Bild: Danke








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