Masurische Seenplatte: Teil1. Der Sprirdingsee

Die größten Seen der Masurische Seenplatte liegen im Dreieck der Städte Pisz im Süden,

Bild: Pisz Stadt an den Masuren in Polen

Mragowo im Westen

Bild: Mragowo Stadt an den Masuren in Polen

und Wegorzewo im Norden.

Bild: Wegorzewo Stadt an den Masuren in Polen

Zentral liegt die "Touristische Hauptstadt" der Masuren, Mikolajki.
Panoramaufnahme Mikolajki. Masurische Seenplatte
Die Masurische Seenplatte umfasst eine Fläche von 1700 Quadratkilometer. Rund 7% davon sind Wasserfläche.
Neben den unzähligen Seen, Wikipedia spricht von über 2700, dürfte die Wolfschanze die bekannteste touristische Sehenswürdigkeit im Gebiet der Masuren sein. Über 200000 Besucher besichtigen Jährlich das Führerhauptquartier mit den Ruinen der alten Bunkeranlagen

Bild: Wohnmobil vor der Wolfschanze (OKH Mauerwald)

und der Baracke in der Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944 das gescheiterte Attentat auf Hitler verübte.
Kaum jemand weiß allerdings dass sich nur rund 20 Kilometer von diesem Ort das OKH Mauerwald befindet, das alte Hauptquartier des Oberkommandos des Heeres und das die Bunkeranlagen dort noch intakt sind.
Was ebenfalls kaum jemand weiß, das ist das auf dem Gebiet der Masuren bis ins 19. Jahrhundert hinein Masurisch gesprochen wurde. Richtig, die hatten hier einstmals eine eigene Sprache. So eine Mischung zwischen Deutsch und Polnisch.
Mein Erster Stopp auf dem Gebiet der Masuren war in Pisz. Rund 5 Stunden verbrachte ich mehr oder weniger Non Stopp hinter dem Lenkrad meines Wohnmobils. Dann hatte ich die 200 Kilometer von Warschau nach Pisz hinter mich gebracht. Zwei Mal hatte ich auf dem Weg angehalten. Aber nach kurzen Erkundungsspaziergängen hatte ich immer wieder den Motor gestartet. Bedingt durch meine Krankheit und die Dreharbeiten für den Film Lebensweisen hatte ich so viel Zeit in der Gegend rund um Warschau verbracht, jetzt wollte ich in die Natur, wollte ich an die Masurische Seenplatte bevor der Sommer gänzlich zu Ende geht.
Nach kurzer Parkplatzsuche parkte ich mein Wohnmobil auf einem Acker unweit des "Jezioro Ros".

Bild: Wohnmobilstellplatz an der masurischen Seenplatte

Augenblicklich brach ich auf den See zu erreichen. Doch ein breiter Schilfgürtel versperrte den Weg. Nachdem ich mir im morastigen Sumpfland der Gegend pitschnasse Füße geholt hatte ging ich zurück zu meinem Wagen und dann in die Stadt. Als erstes sichtete ich einen gelben Postbus mit Hamburger Kennzeichen. Ein Wohnmobil Marke Eigenbau, fast wie das meinige nur eine Nummer kleiner parkte da auf dem Parkplatz des Biedronka Marktes. Ich beschloss nach den Besitzern des Fahrzeugs Ausschau zu halten. Kaum hatte ich den polnischen Aldi betreten sichtete ich die Fahrzeugeigner. Unverkennbarer Hippi look!
"Der gelbe Postkögel ist euer?" Quatschte ich die junge Frau an.
"Ja, sieht man das?"
"Nein, überhaupt nicht :-) Seit ihr von Zomia?"
"Wir nicht, aber der Wagen. Den haben wir uns geliehen. Kennst du da Leute?"
"Nein, ich kenne Zomia nur vom Hören sagen. War noch nie da. Aber bei der Schüssel und bei Hamburger Kennzeichen war der Gedanke halt nahe liegend."
Eigentlich schwebte mir ja vor so etwas wie eine Wagenburg zu bilden und am Abend den Grill anzuwerfen. Aber meine neuen Bekannten hatten es eilig. Sie hatten nur noch einmal zum Einkaufen angehalten. Noch an diesem Abend wollten sie über die Grenze nach Litauen.
Dennoch quatschten wir eine Weile in- und vor Biedronka.
Anschließend, ich war dabei die Stadt zu erkunden, hat mich Mica angelabert. Der Stand vor ner Spielothek rum und trank grad ein Bier.
Auf meine Frage ob er Deutsch oder Englisch könne hat er ganz freudig "Yes, I speack englisch!" geantwortet.
Seine Kindheit hat Mica in London verbracht. Jetzt war er aber schon seit knapp 20 Jahren wieder in Polen und er freute sich halb kaputt noch einmal Englisch sprechen zu können. Damit ich ihm ja nicht weglaufe hat er mich dann auf ein Bier eingeladen und … na ja, wie das so ist. Aus einem wurden 2 und aus 2 wurden 3. Gegen 2 Uhr in der Nacht war ich dann wieder daheim.
Am nächsten Morgen habe ich dann ganz enthusiastisch den Rechner angeschaltet und begonnen zu schreiben. Etwa von 10 Uhr in der Früh bis 2 Uhr am Nachmittag saß ich vor dem Rechner. Um 2 bellte dann mein Hund. Draußen stand ein Typ der irgendetwas von "Teren prywatny" laberte und jetzt ein Bier von mir haben wollte.
Hätte er ja haben können, bin ja gar nicht so. Aber die Art wie der mir rüber kam war einfach Asi. Außer "Teren prywatny" "Euro" "Piwo" und "Policja" hab ich natürlich nix verstanden. Aber erpressen lass ich mich nicht!
Der Wagen war, bis auf den PC, eh noch im Fahrmodus und da hab ich einfach den Schlüssel rumgedreht. Da hat der Typ blöd geguckt *gg
Ohne den Jezioro Ros gesehen zu haben steuerte ich mein Fahrzeug über die B63 nordwärts. Nach ca. 10km stoppte ich auf einem Rastplatz. Rund 2 Stunden erkundete ich die Gegend mit meinen Füßen. Dann hatte ich einen schönen Wohnort für mich und mein Wohnmobil gefunden.
Gegen 17 Uhr parkte mein mobiles Häuschen an den Ufern des Jezioro Sniardwy (zu deutsch: Spirdingsee), dem mit 113,8 Quadratkilometer Wasserfläche größten Sees Polen.
Wie immer wenn ich einen neuen Wohnort erreiche wollte zunächst einmal der Hund vor die Türe. Bei meinem kurzen Erkundungsgang kam ich ca. 300 Meter weit. Eben bis zu meinen Nachbarn die mich auf einen Kaffe einluden.

Bild: Wohnmobilstellplatz Masuren

Den ganzen Sommer verbringt das ältere Ehepaar hier am Seeufer in ihrem Wohnwagen. "Da hinten auf dem Campingplatz muss man bezahlen, hier ist umsonst" erklärt mir der Mann lachend mit Händen und Füßen.
Dann bekomme ich den selbst errichteten "Bootssteg" gezeigt.

Bild: Blick über den Spirdingsee

"Da hinten, da wo die Ente schwimmt, da kann man immer noch stehen." Erklärt mir der Herr indem er es mir an seiner Neoprenhose zeigt.
Bis zum Einbruch der Dunkelheit sitzen wir beisammen. Dann gehe ich Heim und schalte den Computer an. Doch ich bin Müde, habe keine Lust zum Schreiben.
An den nächsten Tagen steht für mich eine Mischung aus Waschen,

Bild: Waschtag Waschen an der masurischen Seenplatte

schreiben und kleinen Hunderunden auf dem Programm. Zum Kaffeetrinken treffe ich mich mit meinen Nachbarn. Mal sitzen wir bei Ihnen, und mal bei mir. Das kommt immer darauf an ob ich gerade zum Waschwasserschöpfen bei meinen Nachbarn vorbeikomme, oder ob diese auf dem Weg zum Pilzessuchen an meinem Wohnmobil vorbeischlendern. Egal wann wir uns über den Weg laufen, es muss immer ein Kaffe getrunken werden.
Die meinem Wohnort am nächsten gelegene Ortschaft trägt den Namen Kwik.
In Kwik gibt es genau ein Geschäft. Der Inhaber dieses Geschäftes betreibt gleichzeitig einen winzigen Campingplatz. Als ich eines schönen Morgens das Geschäft erreichte und ein Brot kaufen wollte erklärte mir der deutschsprachige Ladeninhaber dass er in der Nachsaison nur Bier und Konserven habe. Frische Waren würden sich nicht lohnen.
Kwik selbst wirkt, wie viele Dörfer hier am Ufer des Spirdingsees, wie eine Mischung zwischen Camping- und Wagenplatz. Auf jedem noch so kleinen Grundstück mit Seeblick steht ein alter Wohnwagen, und teils auch ein gigantisches Mobilheim.
Am Morgen des 18. habe ich die Schnauze voll von auf den Bildschirm starren, waschen und kleinen Hunderunden. Ich schnüre die Wanderstiefel und beschließe dem Seeufer Nordwärts zu folgen.
Das erste nennenswerte Erlebnis dieser Wanderung war die Sichtung dieser alten Ruine.

Bild: Wandern am Spirdingsee

Das Gelände ist weiträumig eingezäunt, ein unübersehbarer Schilderwald informiert: "objekt monitorwany". Aber die Überwachungskameras sind ebenso wenig zu übersehen wie die Hinweisschilder. Nur wer genau hinschaut der sieht dass ein Paar lustige Spitzbuben die Solarplatten geklaut haben, die Einstmals die Kameras mit Strom versorgten.
Kurz vor Nowe Guty wurde der unbefahrbare Trampelpfad den ich bewanderte breiter. Von Nowe Guty kommend wäre es ein leichtes die Gegend mit dem Wohnmobil zu erreichen und einige kleine Strände würden sicherlich hübsche Wohnorte abgeben.

Bild: Wohnmobilstellplatz Spirdingsee

Von diesem Ort läuft man nur rund 20 Minuten bis zu dem kostenpflichtigen Campingplatz am Ortseingang Nowe Gutys. Und wenn man noch 5 Minuten weiter läuft passiert man nicht nur einige Restaurants, Boots- und Surfbrettverleihe sondern auch ein kleines Geschäft das selbst in der Nachsaison frisches Brot führt.
Ich folge der Asphaltstrasse nordwärts. Nachdem ich den Ort verlassen hatte bietet mir die schmale Nebenstrasse nur noch selten die Möglichkeit einen Blick auf den See zu erhaschen. Wenige hundert Meter bevor mein Weg auf die B16 zwischen Orzysz und Mikolajki trifft sichtete ich zu meiner Linken einen großen bewaldeten Platz.
"Pole Biwakowe "Pod Sosnami""
Steht auf einem hölzernen Schild welches an Drahtseilen, zwischen Bäumen gespannt, so eine Art Eingangsportal bildet. Im hinteren Teil des Geländes eine Reihe heruntergekommener Plumpsklos. Ein Stück davon entfernt ein funktionierender Wasserhahn.
"Woda zdatna do", also Trinkwasser steht auf einem laminierten, an den Hahn gelehnten, Papierzettel.
Ein Kassenhäuschen ist weit und breit nicht zu sehen. Ein kostenloser Campingplatz inklusive Frischwasserversorgung und Fäkalientank Entleerungsstation. Mein nächster Wohnort!
Ein Stück weit folge ich der B16. Dann wird mir die Hauptstrasse zu blöde. Ich biege rechts ab, überquere die Alte, nicht mehr genutzte Bahntrasse und kämpfe mich schon bald weglos ostwärts. Als ich endlich Orzysz erreichte blieb mir nicht mehr viel Zeit den Ort zu entdecken. Schon bald würde die Dunkelheit über mich hereinbrechen und der Rückweg war noch weit. Was mir an diesem Tag von Orzysz in Erinnerung bleiben sollte war ein gigantischer Konvoi von Militärfahrzeugen das ostwärts fuhr.
Über unbefestigte Feldwege trat ich meinen Heimweg an.

Am nächsten Morgen war nix mit Ausschlafen. Um 9 Uhr in der Früh wurde meine Person vor dem Biergeschäft in Kwik erwartet. Rund 30 Minuten Anweg musste ich einplanen und somit hieß es für mich bereits um 8 Uhr am Morgen: "Raus aus den Federn".
Erwartet wurde ich von Kasia. Kasia kennt ihr bereits aus meinem Bulgarienreisebericht Varna. Mit ihr zusammen hatte ich meinen 30ten Geburtstag gefeiert und von ihr hatte ich den Barfuss laufenden Couchsurfer übernommen. Damals, vor fast genau 4 Jahren, hatte mir Kasia erzählt das sie in Warschau wohnt und als ich Warschau erreichte gehörte es zu einer meiner ersten Amtshandlungen Kasia eine E Mail zu schreiben. Dann dauerte es etwas über 2 Monate bis Kasia diese E Mail zur Kenntnis genommen hatte und mir somit antworten konnte. In der Antwort stand dann dass die junge Frau mittlerweile nach Lodz gezogen sei. Lodz, da war ich auch!
Kasia fragte mich wo ich sei, ich antwortete und dann entstand etwas das man wohl regen E Mail Verkehr nennen könnte. Kasia wollte mich besuchen kommen, und heute, heute war es so weit.
Mit wenigen Minuten Verspätung erreichte ich den Treffpunkt an dem ich schon erwartet wurde.
Ein kurzer "Hug", ein freundliches "Hallo" und dann fuhren wir zu meinem Wagen. Ich staunte nicht schlecht mit was für Fahrzeugen ich von meinen heutigen Freunden besucht werde. Kürzlich Jens mit seinem fetten Audi und nun Kasia, die sich von einem Freund in einem Mercedes hat herfahren lassen der so ähnlich ausschaut wie die Staatskarosse der unsre Angela vor dem Bundestag entsteigt. Verdammt, es ist doch noch gar nicht so lange her dass meine Freunde mit Fahrrädern zu mir gekommen sind. Heute fahren sie Autos die so viel kosten wie ich seit Anbeginn meiner Reise in 2007 ausgegeben habe.
"What do you think? I am slim, smart and beautiful! Or not?" Meinte Kasia zu mir als wir Kaffeetrinkenderweise vor meinem Wagen standen. Ich schaute wohl ein wenig verdutzt. "Even slimmer, smarter and more beautiful than 4 years ago!" Ergänzte sie ihre Aussage noch bevor ich dazu kam zu antworten.
"Bagging for compliments." Oder wie sagt man auf Englisch? Mir selbst ist so spontan keine gute Antwort auf Kasias Aussage eingefallen und ich möchte mich auch hier nicht dazu äußern. Macht euch selbst ein Bild.

Bild: Damenbesuch an den Masuren

Slim, smart and beautiful? Oder vielleicht doch eher: Sweet, smal and soft? Ich kann mich nicht entscheiden.
Lange debattierten wir nicht ob die drei Attribute die Kasia charakterisieren nicht vielleicht auch "ugly, stubborn, arrogant" heißen könnten den schnell waren unsre Kaffeebecher gelehrt und unsere Frühstückspfannkuchen verspeist. Also fuhren wir mit dem schweren Mercedes die rund 20km zurück nach Pisz. Dort gab es einen Kaufland wo wir alles kauften was wir für einen schönen Abend zu Dritt benötigen.
Also Bier und Kartoffelchips und Bier und Grillgut und Bier und Ketchup und ... Hatte ich schon Bier erwähnt? Wir kauften natürlich auch Bier.
Zurück am Jezioro Sniardwy beschlossen wir schwimmen zu gehen. Fläschken Bier in die Hand und rein in das Wasser. Da man zu Dritt selten sportlich schwimmt sondern eher mehr planscht brauchten wir natürlich auch noch passendes Wasserspielzeug. Und was eignet sich da besser als ein Boot?
Die Attribute "slim" und "beautiful" charakterisierten uns Jungs mit Sicherheit nicht. Aber smart, das passt zu unsren männlichen Charakteren. Deshalb überließen wir den anstrengenden "blow job" dem beautifulen Geschlecht.

Bild: Blow Job an den Masuren

Wir schwammen, wir ruderten, wir tranken Bier, wir quatschten, wir hatten Spaß und dann, dann stellten wir fest das wir bei Kaufland vergessen hatten Bier zu kaufen.
Also nein, wir hatten nicht vergessen Bier zu kaufen, wir hatten vergessen wie durstig wir sind. Unsre Vorräte neigten sich bereits dem Ende und es war noch keine 15 Uhr. Also Boot wegbringen, Fläschken Bier als Wegzehrung in die Flossen und noch 2 Weitere pro Person in den Rucksack und dann wanderten wir nach Kwik. Bier gibt es ja in dem Laden. Nur kein Brot.
Es war ein sehr lustiger Spaziergang. Was wohl vor allem daran lag das wir selber sehr lustig drauf waren.

Bild: Angetrunken an der Masurischen Seenplatte

Dann erreichten wir den kleinen Laden und meine polnischen Freunde kauften etwas zu trinken.
Viel weiter hätte der Weg auch nicht sein dürfen, denn als wir den Laden erreichten standen wir alle Drei kurz vor dem Verdursten. Die erste Büchse wurde direkt vor Ort geköpft und dann ging es zurück.
Es war bereits dunkel als wir meinen Bus erreichten. Rasch ein wenig Brennholz gesammelt, ein Feuer entfacht und die Glut in den kleinen Grill geschaufelt den ich noch von der Zeit mit Robert mein Eigen nannte.
Irgendwann, es muss so gegen Mitternacht gewesen sein, bemerkten wir das wir von den ganzen isotonischen Durstlöschern müde geworden waren. Ich räumte die übrig gebliebene halbe Palette Bier vom Fußboden meines Wohnmobils und schaffte somit Platz für meine Gäste.
Wir schliefen lange am nächsten Morgen. Als wir dann dennoch erwachten grillten wir das übrig gebliebene Grillgut in meiner Bratpfanne. Ein schnelles Katerfrühstück und dann, dann war auch schon Lebwohlsagen angesagt.
All the best to you. You slim, smart and beautiful girl!

Diesen und den nächsten Tag verbrachte ich mit "Kopfschmerzen haben".
Aber dann, dann wurde ich fleißig. Meine Wäsche war mittlerweile sauber. Davor endlich einmal meinen Bericht über meinen Krankenhausaufenthalt zu schreiben hatte ich mich erfolgreich gedrückt und auch am 22. sollte mir noch eine prima Ausrede einfallen. Unweit meines Wagens stand ein Apfelbaum. Die Äpfel waren klein und sauer, aber sie waren reif und zahlreich vorhanden. Was liegt da näher als die Idee sie zu leckerem Apfelkompott zu verarbeiten.

Bild: Kochen und backen im Wohnmobil: Apfelkompott

Ich hatte extra 5 Kilo Zucker von Kaufland mitgebracht als ich mit Kasia und ihrem Freund dort war. Eine Weile überlegte ich ob ich einige Gläser des Kompotts noch mit ein wenig Fliegenpilz anreichern solle. Fliegenpilze wachsen hier in Unmengen. Meine Mama hat mir als Kind zwar immer gesagt Fliegenpilze seien giftig, aber heute weiß ich dass das gar nicht stimmt. Fliegenpilze sind nicht giftig, sie haben eine halluzinogene Wirkung! Dummerweise fand ich in den Weiten des Internets kein Rezept für mit Fliegenpilzen angereichertes Apfelkompott.
Am Abend stellte ich dann fest das es scheiße kalt ist in meinem Wagen. Also heizte ich zum ersten Mal nach dem Sommer meinen Ofen ein.
In den darauf folgenden Tagen verzichtete ich dann aber wieder auf das Heizen. Ich hatte einen Trick herausgefunden wie man den Beginn der Heizsaison noch um einige Wochen herauszögern kann. Ja, man darf nicht bis abends um 9 bei geöffneter Türe vor dem Wagen sitzen um dann festzustellen: Scheiße, ist ja kalt! Sondern man muss die Türe um 5 Uhr einfach zu machen. Dann ist es um 9 auch nicht kalt im Wagen.
Am 23. Trug ich meinen Computer zum Strand und tat endlich das unvermeidbare, ich schrieb die Erlebnisse während meiner Krankheit nieder. Es fiel mir schwer über Todesängste und Krankenhausbesuche zu schreiben. Über Partys, lange Wanderungen und "slim, smart and beautiful girls" schreibe ich viel lieber. Erst am Abend des 28., also 6 Tage später hatte ich den Bericht fertig geschrieben. Alles in allem habe ich bestimmt 50 Stunden daran gearbeitet. Mindestens! Ich unterbrach meine Arbeit nur für kleine Hunderunden, die aber gelegentlich auch schon mal 10 oder 15km lang gewesen sein können und um mit Petra und Klaus einen Kaffee zu trinken.

Bild: Mit Petra und Klaus an den Masuren

Petra und Klaus sind beide Deutsche. Sie waren mit ihrem PKW angereist und hatten sich in Nowe Guty ein Zimmer genommen. Am frühen Nachmittag des 26. radelten die Beiden jedenfalls an meinem Wagen vorbei. Scheki, der unter meinem Auto lag während ich drinnen vor dem PC saß, begrüßte die Beiden durch ein freundliches "Wuff". Normal kam an meinem Wohnort nie jemand vorbei und wenn ich an so Einsammen Orten parke, dann bellt mein Hund wenn halt doch einmal jemand kommt. Petra und Klaus hatten auch keine Angst. Scheki tut ja nix, wenn ich mich recht entsinne hat er sich noch nicht einmal die Mühe gemacht unter dem WoMo hervor zu kriechen. Aber ich sprang halt aus dem Wagen um nachzusehen was da los ist und so kam ich mit den beiden Radlern ins Gespräch. Da wir uns so prima unterhalten konnten lud ich die Zwei halt auf einen Kaffee ein.
Am 28. schrieb ich die letzte Zeile meines Krankenhausberichtes, genau bis zu dem Punkt an dem mich Johannes besuchen kam um bei seinem 2. Drehtermin Aufnahmen für den Kinofilm "Lebensweisen" aufzunehmen und am 29., am 29. schnürte ich die Wanderschuhe um endlich einmal bis zu dieser Halbinsel rund 10 Kilometer südlich von meinem Standort vorzudringen.
Der Annweg war verhältnismäßig nichts sagend. Außerdem kannte ich weite Stücke des Weges bereits.
Über unbefestigte Sandwege ging es durch kleine Dörfer, durch Felder und Wälder.

Bild: Wanderwege Masuren

Im Grunde ist die Gegend hier lustig. Hier sind überall Seen. Überall ist Wasser. Aber diejenigen die die Wege angelegt haben, haben anscheinend sehr lange darüber nachgedacht wie sie die Wege so bauen das man es nicht bemerkt am Wasser lang zu gehen. Im Verhältnis zu den Wasserflächen an denen ich hier vorbei gelaufen bin, waren die Aussichten die ich über diese Wasserflächen genießen konnte, kaum erwähnenswert. Mann bemerkt es einfach nicht, das Wasser der Masuren.
Erst als ich den schmalen Landstreifen bewandere der auf die Halbinsel hinaufführt sehe ich es, das Wasser des Sprirdingsees.

Bild: Halbinsel im Spridingsee

Ein herrlicher Wohnort oder nicht? Ich folge dem Fahrweg noch einige hundert Meter und biege dann rechts ab. Mein Stichweg endet an einem elektrischen Weidezaun über den ich hinwegklettere. Über eine riesige Weidefläche, auf der gelegentlich sogar einige Rinder grasen, gelange ich zum nördlichsten Ende der Halbinsel. Dort treffe ich wieder auf einen Fahrweg den ich nutze. Dieser Fahrweg führt durch die Einfriedung des Weidegeländes hindurch. Ich klettere wieder über den Zaun und dann, dann beginnt es richtig interessant zu werden.
Ich spaziere vorbei an verlassenen Zeltplätzen. Das Gras ist noch platt gedrückt, die Feuerstellen beinahe noch warm.

Bild: Campingplatz Spridingsee

Wenn man sich die Gegend genauer anschaut, dann entdeckt man liebevoll errichtete Toilettenhäuschen. Ein wenig Abseits der Zeltplätze, versteckt im Bewuchs der Halbinsel. Einige der Häuschen betrachte ich näher. Im Winterhalbjahr dienen sie dazu ein wenig Equipment der Camper zu beherbergen.

Bild: Sanitaere Anlagen Campingplatz Spridingsee

Aber auch Picknickbänke nebst Tischen wurden von den sommerlichen Campern hier angelegt und stehen nun ungenutzt und verlassen in der Landschaft herum. Von einer kleinen Anhöhe blicke ich über das Areal.

Bild: Blick über den Campingplatz Spridingsee

Ja, hier lässt sich aushalten!
Ich will feststellen ob eine Zufahrt zu diesem Ort mit einem Wohnmobil in der Größe wie ich es besitze möglich ist und folge dem Fahrweg zurück Richtung süd-osten. Schon bald sichte ich zu meiner Rechten einen Wohnwagen. Die Türe steht offen.

Bild: Camper auf dem Campingplatz am Spridingsee

"Gin dobre! Hello! Someone here?" Ich schaue mich um. Der Wohnwagen ist verlassen, die Reifen sind platt. Das Türschloss ist aufgebrochen, doch der Innenraum des Wagens wirkt aufgeräumt und ordentlich. In den Schränken finden sich einige Teller, eine Fliegenfalle und eine Grillzange. Unter den Sitzbänken liegt, verborgen unter ein wenig Unrat ein Vorzelt für den Wagen.
Ich schließe die Türe und lehne einen schweren Ast dagegen den ich auf der Wiese finde. Dann gehe ich weiter.
Jawohl! Mann kann diesen Ort mit Wohnmobilen in der 7,5tonnen Klasse erreichen. Aber nur dann wenn man bereit ist sich einige Kratzer einzufangen. Teilweise ragen Bäume und Sträucher so weit in den Weg hinein dass man dort nur mit "schieben" weiterkommt.
Ich verlasse die Halbinsel und dort wo ich auf dem Hinweg den ersten schönen Wohnort gesichtet hatte sehe ich jetzt, da ich von der anderen Seite komme, so eine Art Schiffsmast durch die Bäume hindurchschimmern.
Ich folge einem schmalen Trampelpfad in diese Richtung und stehe schon bald vor einigen schrottreifen Segel- und Motorbooten die am Ufer eines separaten Minnisees herumliegen. An Land finden sich abgewrackte Wohnwagen und einige verlassenen Schuppen. Ich folge dem Fahrweg und stelle fest dass ich mich hinter einem Tor befinde. Ich klettere über das Tor, begehe also einen Ausbruch, keinen Einbruch und dann mache ich mich im Bogen auf den Heimweg.
Wer will kann sich diese Strecke einmal auf der Landkarte anschauen. Besondere Punkte sind markiert.

In der Nacht war bei mir dann die Hölle los. Der bedrohliche Lärm, das Licht der in den Himmel aufsteigenden Flakgeschütze ... all das bewegte mich so das ich, als ich dann endlich wusste was dort geschehen ist, mich augenblicklich hinsetzte um dieses Erlebnis als kurze Statusmeldung mit meinen VIP Lesern zu teilen. Jetzt, hier und an dieser Stelle mag ich diese Statusmeldung einfach mal in Auszügen zitieren:
Etwa Mitternacht, plötzlich ein Heiden Krach. Normal ist das lauteste was man hier hört das Husten eines Schmetterlings. Hier ist nix, aber gar nix weit und breit. Aber plötzlich ein Heiden Krach. Ich gehe raus und gucke. Kommt irgendwie von oben, aber gesehen hab ich nix.
Dann …. Als Silhouette im Mondschein. Die Umrisse von mindestens 20 Kampfhubschraubern. Ich kenne mich echt nicht gut aus mit diesen Dingern, aber die runden Röhren die die an den Seiten hatten waren keine Schwimmkörper damit die auf dem Wasser landen können. Kein Licht an den Dingern, nix. Stockfinstre Nacht, nur die Silhouetten im Mondlicht. Ich schaue den Teilen nach und frag mich noch was das soll als ich so rote Leuchtspurmunition in dem Himmel aufsteigen sehe. "Bamm, bamm, bamm!" Voll die Lichtblitze, voll die Explosionen. Irgendwelche Skat Raketen oder was weiß der Henker.
Ich hab mir auf jeden Fall vor Angst fast in die Hose gemacht. Ich hab geglaubt die Russen kommen.
Jetzt hatte ich glücklicherweise das Trainingsgelände der polnischen Bundeswehr schon ein Paar Tage früher entdeckt.

Bild: Militaerisches Sperrgebiet am Spirdingsee

Aber das die da auf Hubschrauber schießen, das konnte ich mir so nicht vorstellen.
Völlig panisch hab ich erst mal die Nachrichten geschaut. Aber von den Russen haben die da nix erzählt. Das hat mich beruhigt. Trotz aller Vorwürfe die ich denen mache einseitig zu berichten, aber wenn irgendwer Polen angreift, das würden die schon erzählen.
Na ja, heute hab ich dann rausbekommen worum es ging. Ich war mal bis zum Laden, mein Zucker war alle. Vom ganzen Apfelkompott kochen. Ihr habt das Bild in der Vipcam gesehen. Auf dem Rückweg ist mir so ein Beagleverschnitt hinterher. Als ich dann am Bus war, da war der immer noch da. Also ich noch mal ins Dorf den Hund zurückbringen. Und der Chef vom Hund, also sein Mensch, war voll im Tarnanzug. Ein polnischer Mörder also. Ich habe den dann al gefragt was das war und, ja es war ein Training.
Aber …. Die Trainieren derzeit viel. Manöver, oben an der Ostsee. Vor allem in Grenznähe. Meinte der getarnte.
Säbelrasseln?!

So etwas hatte ich noch nie erlebt. Mindestens 20 unbeleuchtete Kampfhubschrauber die im Tiefflug über meinen Wagen geflogen sind. Geschätzte 2 oder 3 Kilometer von meinem Wohnort entfernt steigt dann irgendwelche Leuchtspurmunition in den Himmel. Im diffusen Mondlicht wirkt es so als würde auf die Hubschrauber geschossen. Ich hatte seit Tagen keine Nachrichten mehr geschaut, wusste nicht was los war. Das letzte was ich mitbekommen hatte waren Kämpfe in der Ukraine und die Truppenbewegungen die ich hier vor ein Paar Tagen in live beobachten konnte. Ich hatte Panik und hab augenblicklich 30MB meines teuer eingekauften UMTS Traffics dazu verwendet die Nachrichten zu schauen.
Aber es war nur eine Übung! Dummerweise hatte mir das vorher keiner gesagt.
Auch am 2. Oktober verbrauchte ich verhältnismäßig viel von meinem UMTS Traffic. Ich telefonierte mit dem Presseamt der Stadt Freiburg. Zu diesem Zweck ging ich zunächst hinab zum See. Dort gab es prima Empfang und eine tolle Aussicht.

Bild: Telefonieren am Spirdingsee der masurischen Seenplatte.

Und dann, dann wählte ich zunächst die Nummer des Freiburger Bürgermeisteramtes.
Was war geschehen? Im Forum zu dieser Webseite hatte ich gelesen das die Stadt Freiburg damit drohte 11 Wohnfahrzeuge, die sie vor 6 Monaten beschlagnahmt hatte zu verschrotten.
Ich konnte mir das so nicht richtig vorstellen. Als Wagenbewohner war ich in Deutschland zwar selbst Opfer politischer Verfolgung geworden, mein Fahrzeug wurde willkürlich durchsucht, ich wurde Inhaftiert, jegliche geschäftliche und private Handlungsfähigkeit wurde mir als Obdachloser entzogen. Aber meinen Wagen beschlagnahmt, das haben sie nie!
Um ein wenig Licht in das Dunkle der Informationspolitik zu bringen beschloss ich einfach in Freiburg anzurufen und mir Informationen von der Gegenseite geben zu lassen. Eine Mitschrift dieses Gespräches veröffentlichte ich noch am gleichen Tag unter dem Titel

Ich fasse es nicht dass sich so etwas Rechtsstaat nennen darf. Aber vielleicht wird das Wort Rechtsstaat ja nicht von Recht abgeleitet.
Noch einmal schnürte ich die Wanderstiefel um Richtung Süden aufzubrechen. Dabei begegnete ich bissigen Wachkühen

Bild: Wachkühe am Spirdingsee der masurischen Seenplatte in Polen

Und beobachtete einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Bild: Sonnenuntergang am Spirdingsee der masurischen Seenplatte in Polen

Dann sollte es weiter gehen.

Morgen geht es weiter.
VIP Leser sind allerdings schon heute informiert.

Derzeit im Chat :



Bild: Danke








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