Teil3: mit dem Wohnmobil in Bytom

Bytom kündigte sich durch den Schein eines hellen Feuers an. Hier, kurz vor dem Ortseingangsschild, rechtsseitig der B88 befindet sich ein Zechengelände auf welchem austretendes Erdgas abgefackelt wird. Ein bizarrer Anblick in der frühen Dunkelheit des Spätwinterabends. Ich parkte linksseitig der Wroclawska, der Hauptstrasse die nach Bytom hineinführt. Zwischen einer großen Parkanlage und dem Fußballstadion.
Halt dich fern von dem Stadtteil Bobrek "it´s a bandent place" warnte mich Rafel. Augenblicklich machte ich mich auf Bobrek zu finden, was mir in der Dunkelheit allerdings nicht gelang. Am nächsten Morgen zog ich erst einmal los das Stadtzentrum zu entdecken. So schaut es aus:
Viel interessanter als das Stadtzentrum, seine Hinterhöfe, Hausflure und Außenbezirke ist allerdings der Stadtteil Bobrek und seine teils halbverlassenen Industriegebäude. Dort kann man über zurückgelassene Kohleberge klettern (und sich vielleicht das ein oder andere Stück Steinkohle für den nächsten Winter in den Rucksack stecken) unzählige Fördertürme betrachten, durch verfallene Industriekomplexe spazieren und sich von Sicherheitsmitarbeitern in schwarzen Kampfanzügen vertreiben lassen wenn man bei seinen Erkundungen den Anlagen zu nahe kommt die noch in Betrieb sind.
Interessant sind auch die Wohnbezirke der Arbeiter. Sie sind authentisch, nicht so aufgeräumt und Museenhaft aufgearbeitet wie die Anlagen die ich in Katowice betrachtet habe. Hier hängt Wäsche zum trocknen auf Leinen, Menschen sitzen vor den Häusern. Es herrscht Leben. Bewohnte Häuser und verlassene Bauten deren Fenster zugemauert wurden wechseln sich in scheinbarer Willkürlichkeit miteinander ab.
Ich blieb Bytom nur 2 Tage bzw. 3 Nächte lang treu. Wie bereits erwähnt hatte ich es eilig. Außerdem wünschte ich mir einen abgelegenen Wohnort. Einen Wohnort ohne tönende Alarmanlagen, Verkehrslärm, Martinshörnern …. Einen Wohnort im Wald.
Ich umfuhr die A1. Hielt mich ostwärts, folgte der B94 Richtung Bedzin. Dort bog ich nach Norden ab und befuhr die B86 die mich auf die B1 führen sollte. Es ging durch große Waldgebiete. Doch die Strasse war mal wieder Autobahnähnlich ausgebaut. Das Einzige was sie von einer richtigen Autobahn unterschied war das gelegentliche und unvorhersehbare Auftauchen einer Ampelanlage. Schmale Seitenwege die in den Wald hineinführen gab es nicht. Und wenn es dann doch mal einen gab, dann hatte ich ihn zu spät erblickt. Die Mittelleitplanke machte einen Wendevorgang unmöglich und so steuerte ich mein fahrendes Eigenheim mit 90 km/h nordwärts. Über Siewierz ging es nach Kozieglowy und von dort weiter Richtung Czestochowa. Kurz vor diesem Ort bog ich rechts ab. Ich wechselte auf die B46 Richtung Szczekociny (wer das aussprechen kann ohne sich die Zunge zu verknoten, der ist sicherlich Pole :-) S Z C Z das kann echt kein Mensch sprechen). Dort wollte ich zwar nicht hin doch würde mich die Strasse nach wenigen Kilometern in ein großes Waldgebiet führen. Sie hatte keine Mittelleitplanke so dass ich, nach längerer Suche mit meinen Füßen, der Wagen parkte derweilen auf einem hässlichen Truckerratsplatz am Straßenrand, einen Wohnort fand der meinen Anforderungen entsprach.

Bild: Wohnmobil Stellplatz Bytom

Ich stellte den Motor ab und lauschte. Ja, so hört sie sich an: Ruhe! Ich entließ meinen Hund ins Freie, setzte mich auf einen umgestürzten Baumstamm und blieb dort erst einmal sitzen.
Als ich aufstand kochte ich eine Tasse Kaffe um mich mit Ihr in der Hand wieder hinzusetzen. Ruhe! Keine Menschen, kein Motorenlärm, keine scheppernden Fahrzeugtüren, keine Rufe, keine Martinshörner, keine Alarmanlagen. Nur gelegentliches Vogelzwitschern und das rascheln des jungen Laubes im Wind. Ruhe! Ein Eichhörnchen springt von Baum zu Baum. Jetzt war es vorbei mit der Ruhe den Scheki steht bellend auf dem Boden und blickt in den Himmel. "HALTS MAUL! Es war so schön ruhig hier." Fahre ich ihn an. Außer dem Hund hört mich niemand. Doch der Hund hört nicht und bellt weiter.
Der Wald ist groß, aber nicht besonders schön. Für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrte, schnurrgrade Fahrwege durchschneiden ihn. Wie mit dem Lineal gezogen teilen sie den Wald in rechteckige Sektoren. Verlaufen ist hier unmöglich. Zunächst erwandere ich den kleinen Teil des Waldes welcher nördlich der B46 liegt. Nach 19 Kilometern kehre ich Heim ohne ein einziges Foto aufgenommen zu haben.
Interessanter wurden meine Entdeckungen erst als ich von meinem Wohnmobil aus gesehen einige Schritte zurück Richtung Hauptstrasse ging und mich an der nächsten Weggabelung links hielt und der B46 somit auf einem Parallelpfad ostwärts folgte. Zwar war der Waldweg auch eine schnurgerade Linie und sein seitlicher Bewuchs wechselte zwischen Nadelgehölz und Birke - Birke und Nadelgehölz aber nach einigen Kilometern führte er mich in eine Ortschaft.
Olsztyn heißt dieser Ort laut Ortsschild und als ich die Deckung des Waldes verließ blickte ich über den Ort hinweg auf einen kleinen Hügel auf dessen Gipfel so etwas wie eine Burgruine stand.

Bild: Blick über Olsztyn

Nichts wie rauf da.

Bild: Burgruine in Olsztyn

Kaum hatte ich den Gipfel erreicht, und eine winzige Höhle unterhalb des großen Turmes erkundet, zogen sich graue Gewitterwolken am Firmament zusammen. Ich versuchte noch herauszufinden welchem Zweck diese alten Gebäude einstmals gedient haben, aber ohne Kenntnisse der Polnischen Sprache konnte ich es nicht ergründen. Vielleicht hätte mir ein Handscanner geholfen. Ich weiß nur dass es sich um eine Touristenattraktion handelt. Denn rund um die Ruinen gibt es unzählige Gaststätten, Kaffeehäuser und kostenpflichtige Reisebusparkplätze. Außerdem hatte ich den Eindruck dass hier, je nach Besucheraufkommen, Eintrittsgelder erhoben werden. Immerhin war das Gelände eingezäunt und es gab etwas das ich als Kassenhäuschen gedeutet hätte. Heute war es allerdings nicht besetzt und die Türe des Haupttores stand sperrangelweit offen.
Auf dem Rückweg geriet ich in einen heftigen Aprilregen der sich auch am Folgetag noch nicht ausgeregnet hatte.
Noch 2 weitere Tage blieb ich meinem Waldparkplatz treu. Zwei Tage an welchen es überwiegend regnete. Erst am 11. schien wieder die Sonne und ich überlegte daran ob ich zu Fuß aufbrechen solle um Czestochowa zu erreichen oder ob ich den Wagen starte und einfach fahre. Letzten Endes entschied ich mich führ Fahren.

Weiter geht es in Czestochowa.

Derzeit im Chat :



Bild: Danke








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