Teil2: mit dem Wohnmobil in Gliwice

Im Gegensatz zu Katowice gibt es in Gliwice keine Fußgängerzone. Der Teil der Stadt der für den Autoverkehr gesperrt ist beschränkt sich auf einen großen Platz in dessen Zentrum eine Kirche errichtet ist. Rund um den Platz herum gibt es kleine Geschäfte und Kneipen. Die eigentliche Hauptsrasse erstickt im Fahrzeugverkehr. Hier gibt es ebenfalls Geschäfte und Wohnhäuser mit diesen umständlich errichteten Zwiebelturm Dächern. Durch das gesamte Stadtgebiet von Gliwice erstreckt sich, von Ost nach West, eine riesige Baustelle. Alle Proteste der Bewohner erwiesen sich als Nutzlos, die Obrigkeit setzt ihren Willen durch und baut, quer durch das Stadtzentrum, eine neue Hauptstrasse. Außerdem gibt es unzählige Parkanlagen, Kirchen, restaurierte und heruntergekommene Fassaden, eine große Brachfläche die danach schreit von einem Wagenplatz bevölkert zu werden (Sie wurde vor einigen Jahren von einem ausländischen Investor gekauft der kurz darauf in Konkurs ging, wurde mir erzählt, und nun könne die Stadtverwaltung nichts gegen diesen "Schandfleck" unternehmen da er nicht mehr in ihrem Besitz sei) und natürlich Lombards.
Lombard ist Polnisch und bedeutet auf Deutsch Pfandleiher. Schon in Krakau erlernte ich dieses Wort und seit dem zählt es zu meinen Hobbys die Angebote dieser Secound Hand Anbieter zu betrachten. Viele haben sich spezialisiert. Der Eine führt High Tech wie Mobiltelefone, Laptops und Digitalkameras, der Nächste hat Kinderwegen und Fahrräder im Angebot und der Übernächste Schmuck oder hochwertige Kaffeeservice.
Von vielen Punkten im Stadtzentrum blickt man auf einen hohen Turm. Ich ging in diese Richtung und als ich ihn erreichte hatte ich nur eine einzige Assoziation:

Bild: Sendeturm von Radio Gliwice

"Das sollten die den Franzosen zurückgeben!"
Ich könnte euch jetzt viel über diesen Turm erzählen. Ich könnte erzählen dass es sich um den Sendeturm von Radio Gliwice handelt. Einen 111 Meter hohen Holzturm, das höchste aus Holz errichtete Bauwerk der Welt. Ich könnte erzählen dass dieser Turm einstmals durch Deutsche Architekten errichtet wurde um dem deutschen Radiosender "Schlesische Funkstunde" als Sendeturm zu dienen. Ich könnte euch erzählen das dieser Turm unter dem Stichwort "Gliwice Provokation" in die Geschichte eingegangen ist. Ich könnte euch sogar erzählen was es mit dieser Gliwice Provokation auf sich hat. Damals, im Jahre 1939, haben sich nämlich deutsche Soldaten als polnische Soldaten verkleidet und ihren eigenen Sendeturm angegriffen. Danach stürmten sie das Sendezentrum und schickten die berühmte Gliwice Provokation in den Äther. Was die als polnische Soldaten verkleideten deutschen Soldaten nicht wussten, das war dass das eigentliche Sendezentrum einige Kilometer von diesem Turm entfernt liegt. Sie stürmten lediglich eine Notsendevorrichtung die bereits nach kurzer Zeit ihre Funktion einstellte. Ich könnte euch erzählen dass Hitler diese Provokation zum Anlass nahm Polen den Krieg zu erklären und dass hier, am Sendeturm von Radio Gliwice, der zweite Weltkrieg begann. Aber all das weiß ich gar nicht. Ich konnte es leider nicht in Erfahrung bringen den als ich diesen Turm erreichte hatte ich meinen Scanner daheim vergessen.

Bild: QR Code am Sendeturm von Radio Gliwice

Ihr habt es da besser, ihr sitzt Zuhause vor eurem PC und könnt rasch euren Monitor unter den Scanner legen. Dann erfahrt ihr all das und wahrscheinlich noch viel mehr.
Mir bleibt leider nichts anderes übrig als dämliche Vorurteile zu schüren und zu behaupten: Die Polen haben den Pariser Eifelturm geklaut!
Die Meiste Zeit verbrachte ich allerdings nicht im Stadtzentrum von Gliwice sondern im Garten von Rafel. Zusammen mit Ihm, seiner Frau, seiner Familie und seinen Freunden. Ich hatte kaum Hallo gesagt, da wurde ich auch schon zum Arbeiten eingeteilt.

Bild: Rafels Schrebergarten in Gliwice

Rafel hatte eine Zwischenwand im Gartenhäuschen herausgerissen und jetzt war ein Freund von ihm mit einem großen PKW Anhänger gekommen um den Schutt abzutransportieren. Er baute gerade ein Haus und wollte den Kram im Fundament seiner werdenden Bleibe verbauen. Mindestens 4, wenn nicht sogar 5 oder gar 6 Schubkarren voll Bauschutt rollte ich über eine Distanz von grob geschätzten 70 Metern. Harte Arbeit für einen geringen Lohn in Form von ein wenig Grillgut und Bier.
Jawohl, Bier. Leckeres, selbstgebrautes Bier. Am Abend, als alle anderen bereits gegangen waren folgte ich Rafel in seine Wohnung. Eigentlich wollten wir von dort zu so einer Art Kneipentour losziehen. Aber wir versumpften bei einigen Flaschen Eigenbräu die Rafels Frau auf der Waschmaschine im Badezimmer der Beiden herstellte.

Bild: Eigenbrau - Bierbrauen auf der Waschmaschine in Gliwice

Die Zutaten bestellen sie über das Internet. Eine Flasche Selbstgebrautes kostet, so ihre Aussage, rund 30 Groschi. Also etwa 8 Cent.
Ich fällte aber auch Bäume

Bild: Baum fällen - Gartenarbeiten im Schrebergarten Gliwice

und setzte elektrische Verteilerdosen in Rafels Gartenhaus.

Bild: Elektroarbeiten im Schrebergarten Gliwice

Als Gegenleistung gab es Eigenbräu, Grillfleisch und eine Waschmaschine. Also nicht die Maschine selber, nur deren Benutzung. Ich brachte schmutzige Wäsche und erhielt sie 2 Tage später sauber, trocken, und ich glaube sogar gebügelt, aber auf jeden Fall gefaltet, zurück. Die Zeit verging wie im Flug. Schon bald war wieder Wochenende und für mich war es an der Zeit Lebwohl zu sagen.
"Ich hau ab, bin schon eine Woche hier. Wir haben uns zur falschen Zeit getroffen. Ich hab nicht unbegrenzt Zeit. In knapp 4 Wochen muss ich in Lodz sein. Termine! Da liegen noch rund 200km Polen vor mir und ich mag da nicht nur durchrasen sondern mir auch was anschauen."
"Es ist Wochenende, morgen ist all you can eat im Surf Club. Das solltest du nicht verpassen." Entgegnete Rafel.
"OK, morgen Abschiedsfressen und dann bin ich weg."
Wir trafen uns im Garten. Quatschten eine Runde und gegen 16 Uhr fuhren wir gemeinsam zum Surf Club. Einem unscheinbaren Flachbau der so eine art Kantine beherbergt. Irgendwo in einem Außenbezirk von Gliwice. Einige LKW parkten vor dem Gebäude. Ortskundige Trucker die am Wochenende, dann wenn der Surf Club "all you can eat" anbietet, die Autobahn verlassen um sich hier den Bauch voll zu schlagen.
Das "all you can eat" entpuppte sich dann zu einem "all you can schaufel on your Teller". Aber man konnte Berge bauen. Riesige Berge.

Bild: all you can eat in Gliwice

10 Sloti, umgerechnet knapp 2,5 Euro kostet es sich den Teller so voll zu schaufeln wie man kann. Dabei hat man die freie Auswahl was man isst. In diesen Edelstahlbehältern, wie sie Kantinen benutzen und die im Wasserbad liegen damit deren Inhalt warm bleibt, liegt so alles Mögliche herum. Beilagen, halbe Hühnchen, Suppen, Koteletts, Pfannkuchen, Hot Dogs … Wir griffen zu und bauten Türme.
Lecker!
Essen kann man hier jeden Tag. Aber normal wird der Teller gewogen und am Ende zahlt man nach Gewicht. Nur am Wochenende gibt es "all you can schaufel on your Teller" und am Wochenende kochen Rafel und seine Frau nie. Das lohne sich nicht bekomme ich erzählt.
Als wir unsre Teller leer gegessen hatten zahlten wir abermals 10 Sloti. Für die Mitnahmeportion. "Fleisch für die ganze Woche." Meinte Rafel. Beilagen kochen wir selber.
Anschließend gab es noch einen Abschiedstee in Rafels Wohnung und gegen 18 Uhr 30 startete ich tatsächlich den Motor.
Ich fuhr wieder auf die A4, nahm den Mautzettel entgegen und wechselte am Kreuz Gliwice auf die A1. Ich nahm die erste Ausfahrt, gab den Mautzettel ab ohne etwas bezahlen zu müssen, und wechselte auf die B88 Richtung Nordosten und somit Richtung Bytom.

Weiter geht es in Bytom.

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Bild: Danke
Bei eisenzelt.de für die Verlinkung meiner Reiseberichte. Eisenzelt: Ein anderes Wort für Wohnmobil.



Kleine Häuser auf Rädern, auf dem Wasser und in Bäumen.



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