Teil1: Tychy und Katowice

Schlesien. Schlesien ist eigentlich eine Landschaft. Ähnlich wie die Eifel oder der Schwarzwald. Im lateinischen heißt Schlesien Silesia und das ist auch der Name den die Polen bevorzugt für den Teil Schlesiens benutzen, den ich bereist habe. Für den Teil Schlesiens den ich bereist habe währe Ruhrgebiet auch der bessere Vergleich als Eifel oder Schwarzwald. Den Silesia in Polen ist: "Die grüne Oase zwischen Kohle und Stahl."
Zugegeben, man muss schon sehr heimatverbunden sein um diese Ansammlung industriell geprägter Großstädte als "grüne Oase" zu bezeichnen. Aber deutsche Schlagersänger bezeichnen "Ihren Ruhrpott" ja auch so und deshalb möchte ich diese Bezeichnung auch für das polnische Gegenstück verwenden.
Im Deutschen heißen sie Bochum, Essen und Dortmund … die Städte des Potts - und in Polen heißen sie Tychy, Katowice, Gliwice, Bytom und Czestochowa um nur die Städte aufzuzählen die ich besucht habe.
Die Ähnlichkeit ist dabei frappierend.

Bild: Die Zeche Katowice, eine von vielen in Schlesien

Nein, das Foto zeigt nicht den Förderturm der Zeche Zollverein in Essen. Es ist im polnischen Katowice aufgenommen worden.

Es war 18 Uhr am Abend und somit stock dunkel als mich die Polizei von dem Parkplatz vor der Gedenkstätte Auschwitz vertrieb. Außerdem regnete es wie aus Eimern.
Den Weg zur Ausfallstrasse aus Oswiecim kannte ich. Dann lag Neuland vor mir. Die Strasse die mich dem polnischen Ruhrpott entgegenführen sollte trug die Nummer B44. Sie war autobahnähnlich ausgebaut aber nicht beleuchtet. Meine Scheibenwischer ächzten unter den Wassermassen die sie zu wischen hatten. Die Windschutzscheibe war beschlagen und die Beleuchtung meines Fahrzeugs ist ohnehin nicht die Beste. Kurz und knapp: Die Sicht war mehr als dürftig. Bis zum Kreuz Tychy, hier trifft die B44 auf die A1, fuhr ich dennoch ohne Probleme. Wer muss auf einer Autobahn schon etwas gucken können? Die Rücklichter des vorausfahrenden Wagens waren ja zu erkennen. Am Kreuz Tychy gelangte ich in einen Baustellenbereich. Ich sah nicht nur nicht viel, sondern verlor schon bald gänzlich die Orientierung. Links und rechts meines Wagens rot-weiße Barken. Eine Spurbreite von maximal 2,8 Metern. Im Schleichgang durchfuhr ich die Baustelle. Immer auf der Suche nach so etwas wie einer Abfahrt von der verfluchten Autobahn - die am Ende ja nur eine Bundesstrasse war. Die Erste Abfahrt verfehlte ich um Haaresbreite. Sie war nicht ausgeschildert und als ich sie sah war ich schon an ihr vorbei. Die Zweite erwischte ich. Vielleicht war die Zweite aber auch die Dritte. Das kann ich nicht so genau sagen weil ich mehr oder weniger im Blindflug fuhr. Gegen 20 Uhr parkte ich mein Wohnmobil hinter einem 40tonner. Auf den wenigen Metern um meinen Wagen herum, auf dem Weg vom Führerhaus bis zur Eingangstüre, durchdrang der Regen vollständig meine Bekleidung. Das war kein Regen, das war eine Sintflut!
Einmal nass bis auf die Knochen stellte ich noch den Stromerzeuger unter den Wagen und einige Eimer in die Traufkannte des Wohnkoffers. Regenwasser für die nächste Dusche!
Drei Nächte verbrachte ich an diesem, objektiv betrachtet, eher weniger schönen Ort. Ich hatte mitten in einem riesigen Industriegebiet quartier bezogen. Hier gab es unzählige Firmen. Aber hinter meinem Wagen befand sich immerhin ein kleines Wäldchen. In diesem Wäldchen standen einige bewohnte Hütten. Hinter dem Wäldchen befand sich eine riesige Mülldeponie von welcher allem Anschein nach das Material stammte, aus dem die Hütten errichtet waren. Selbstgebaute Obdachlosenunterkünfte!
Zwei Mal nahm ich Anlauf die Innenstadt von Tychy zu finden. Zweimal scheiterte ich aufgrund von einsetzendem Regen. Das Einzige Foto das ich von Tychy habe ist dieses hier:

Bild: Moderne Kirche im schlesischen Tychy

Ich hatte diese Türme gesehen und mich gefragt was das wohl ist. Als ich dann davor stand hab ich es gesehen, ne ganz ordinäre Kirche.
Erzählenswert finde ich eine kleine, zwischenmenschliche Begegnung die ich in Tychy hatte. Ich spazierte über eine Strasse in dem Gewerbegebiet in dem ich parkte, als mir ein Fahrrad entgegen kam. Der Radler bremste neben mir und sprach mich an. "Sorry, english or german?" erwiderte ich. "Jes, Englisch! I have a job!"
Der Radler lies sein Gefährt in den Graben fallen, nahm mich in den Arm und begann um mich herumzutanzen. Dabei wiederholte er immer wieder dass er einen Job habe. Über ein halbes Jahr sei er arbeitslos gewesen. Unzählige Bewerbungen habe er geschrieben. Vor zwei Stunden hätte sein Telefon geklingelt und er sei gleich los und durch den strömenden Regen zu einem Vorstellungsgespräch geradelt und morgen Früh könne er anfangen.
Heute, Wochen später, wo ich dieses Erlebnis niederschreibe zaubert es noch immer ein Lächeln in mein Gesicht. Genau so war es! Eine völlig fremde Person hält neben mir, nimmt mich in den Arm, und freut sich das sie endlich einen Job gefunden hat. Ich finde das irgendwie cool.
Ansonsten ist mir Tychy als ein verregnetes Industriegebiet mit unzähligen Lärmschutzwänden in Erinnerung geblieben. Überhaupt scheinen die Polen eine Vorliebe für Lärmschutzwände zu haben. Lärmschutzwände gibt es hier überall. Nicht nur zwischen Strasse und Wohngebiet, nein, manchmal gibt es sogar Lärmschutzwände zwischen Fahrbahn und Gegenfahrbahn.

Bild: Lärmschutzwand in Schlesien

Ob diese Lärmschutzwand jetzt angelegt wurde damit der Verkehr der Richtung Norden fährt nicht von dem Lärm des Verkehrs der Richtung Süden fährt gestört wird, oder damit an Ihr eine Überwachungskammara angebracht werden kann, konnte ich allerdings nicht ergründen.

Am frühen Nachmittag des 19. März 2014 erreichte ich Katowice. Katowice, ein wahres Low Budget Eldorado. Doch das sollte ich erst zwei Tage später erfahren.
Meinen Wohnort bezog ich auf einer riesigen Brachfläche unmittelbar neben der Silesia Shopping Mal.

Bild: Wohnmobilstellplatz in Katowice

Ein gigantischer Konsumtempel der sich hervorragend als Einnahmemöglichkeit für finanziell minderbemittelte Reisende eignet. In seinem Inneren ist eine künstliche Welt angelegt. Unzählige Geschäfte offerieren Waren. Meist Bekleidung im schicken "Sackdesign". Während ich von Firmen wie Lacoste oder Dolce & Gabbana schon einmal etwas gehört habe, und von anderen, wie etwa Deichmann, sogar schon selber einmal Kunde war, gibt es hier hauptsächlich Geschäfte hochwertiger Modesackhersteller von denen ich noch nie etwas gehört habe, die aber T-Shirts anbieten die um die 100 Euro kosten. Echte Schnäppchen würde ich das nennen und ich frage mich ob der Funkenflug eines Lagerfeuers keine Brandlöcher in dieser hochwertigen Bekleidung hinterlässt.
Diese Geschäfte eignen sich als Einnahmemöglichkeit allerdings nicht. Auch wenn an diesem Ort sicherlich unzählige hochwertige Lebensmittel entsorgt werden, so kann man seine Reisekasse auch nicht durch Dumpster diving schonen. Aber unter dem gigantischen Dach der Shopping Mal gibt es auch künstliche Seen. Mindestens 2 Stück. Sie sind von kleinen Marmormauern eingefasst auf die man sich niederlassen kann um z.B. die kostenlose W lan Anbindung der Mal zu nutzen. Und in diesen Seen liegt Geld. Das erste Mal berichte ich ja in meinem Kroatienreisebericht vom Geldangeln. Was hab ich damals für einen Aufstand betrieben für einige wenige verrostete Münzen. Magnete, Schnur, nasse Füße … Hier greift man nur hinter sich und kratzt das zusammen was auf dem glatt polierten Seegrund (ebenfalls aus Marmor) herumliegt. Dabei bekommt man saubere Finger (was ja den Wasserverbrauch im Wohnmobil senkt) und genügend Kleingeld für seine Lebensmittel und ein Bier im TEORIA. Dank Selbstbedienungskassen im Tesco, die Teile haben so kleine Trichter wo man sein Geschräppel nur hineinzuwerfen braucht, muss man die ganzen Münzen noch nicht einmal zählen.
Während meines 8 tägigen Aufenthaltes in Katowice habe ich weniger als 10 Sloti, also 2,5 Euro ausgegeben. Also nein, ich habe sehr gut gelebt. Aber alles was ich brauchte habe ich aus den Seen im inneren der Shoping Mal geangelt. Abends, mit dem Computer auf dem Schoß und dem Hund im Auto. In nur ca. 40 Minuten inklusive Lebensmitteleinkauf bei Tesco.
Doch zunächst einmal machte ich mich auf das Stadtzentrum von Katowice zu suchen. Ich folgte der Hauptstrasse zurück, zurück in die Richtung aus der ich gekommen war.
Verspiegelte Bürobauten säumten die Hauptstrasse.

Bild: Die Hauptstrasse nach Katowice

Dann bog ich rechts ins Fußgängerparadies ab und blickte die Partymeile hinab auf die Marienkirche.
Idyllisch schlängelt sich die Rawa ihren Weg durch ihr natürlich belassenes Bett.

Bild: Der Fluss Rawa im Stadtzentrum von Katowice

Gelegentlich wurde das Flussufer durch aufwendige Kunstobjekte verziert.

Bild: Strassenkunst in Katowitce: I dont need you - I have Internet

Wer jetzt den Eindruck gewinnt bei Katowice handle es sich um eine hässliche Stadt die ihrer Zeit hinterherhinkt, der irrt sich gewaltig. Katowice ist eine moderne Metropole die ihrer Zeit um Jahrzehnte voraus ist!
Katowice hat einen Weltraumbahnhof, einen UFO Landeplatz!

Bild: Das UFO; Stadthalle von Katowice

Ich habe es landen sehen. Wirklich! Ich hatte nur nicht schnell genug den Fotoapparat startklar.
Der Begriff UFO stammt übrigens nicht von mir. Auch die Leute aus Katowice nennen ihre Universalhalle, in der während meines Aufenthaltes eine "Dog Show" stattfand, liebevoll UFO.
Die Liebe zum All, der Wunsch nach den Sternen zu greifen, erkennt man in Katowice nicht nur an der Bauform der Stadthalle, sondern auch an der ökologischen Straßenbeleuchtung der Hochhausblocks, die man erkennt wenn man versucht einen nächtlichen Spaziergang durch die Katowicer Zeche Zollverein zu unternehmen und sich, wegen seines vierbeinigen Freundes, von Sicherheitsmitarbeitern verscheuchen lassen muss.

Bild: Katowice bei Nacht

Hilfreicher war mein Hund bei der Kontaktaufnahme zu jungen Einheimischen. Während Offizielle in Uniform grundsätzlich etwas gegen Hunde einzuwenden haben, werden diese Tiere von der Zivilbevölkerung geliebt.
Ich hatte die Partymeile besichtigt, einen Blick vom Eingang des Hauptbahnhofes auf die Glasfassade eines weiteren Einkaufszentrums geworfen,

Bild: Das Stadtzentrum von Katowice

war ein wenig durch die Innenstadt geschlendert,

Bild: Die Innenstadt von Katowice

und hatte natürlich auch einen Blick hinter den Bahnhof von Katowice geworfen um die modernen, einfahrenden Züge vor der rückseitigen Kulisse der pompösen Vorderseite zu beobachten

Bild: Bahnhof Katowice; Rückseite

als mein Hund durch freundliches Schnüffeln dafür sorgte das ich meinen Abend nicht alleine verbringen musste.
Mein Hund schnüffelte, wurde hinter dem Ohr gekrault und ich wurde angesprochen. Diese Ansprache konnte ich mangels Sprachkenntnis leider nicht erwidern und um mehr Zeit für die umständliche Handzeichenkonversation zu haben bekam ich erst einmal das Bier gereicht das die jungen Straßenmusiker gerade tranken.
Das "Woher?" und "Wohin?" war auch ohne Sprache schnell geklärt und dann zogen wir zum Musizieren in eine nahe gelegene Unterführung. An den Wänden unzählige Graffitis die, wenn ich alles richtig verstanden habe, in aufwendigen Arbeiten über die historischen Hintergründe der Region berichten.

Bild: Graffiti im Stadtzentrum von Katowice

Woher und Wohin, das konnten wir noch mit Handzeichen klären, den Erklärungen und pantomimisch dargestellten Übersetzungen der Texte neben den Bildern konnte ich dann leider nicht mehr folgen.
Gegen 3 Uhr am Morgen war ich daheim.
Nach dem Erwachen und dem Vertrunk eines koffeinhaltigen Heißgetränkes aus meiner Wohnmobilküche wanderte ich nicht Richtung Stadtzentrum sondern folgte der Hauptstrasse einige hundert Meter in die andere Richtung. Dann bog ich links ab, dann rechts, dann wieder links. Oder so ähnlich. Jedenfalls gelangte ich auf eine alte, nicht mehr genutzte Gleistrasse die ich unter die Füße nahm.

Bild: stillgelegte Gleistrasse in Katowice

Die Gleise waren schon vor einiger Zeit entfernt worden. Ein Zug konnte hier nicht mehr fahren und so blieb ein recht eigenartiger Fußweg als stiller Zeitzeuge einer vergangenen, industriellen Nutzung dieses Gebietes zurück.
Er führte mich zur Zeche "Kopalnia Wvjex".

Bild: Die Zeche Kopalnia Wvjex in Katowice

Ein mächtiges Betonkreuz, niedergelegte Kränze und brennende Kerzen erinnerten allem Anschein nach an ein Grubenunglück das sich hier in der Vergangenheit ereignet haben muss und vielen Kumpels das Leben kostete. Lesen konnte ich die Inschriften leider nicht und deswegen kann ich nur vermuten.
Das es sich bei diesen kleinen Einfamilienhäuschen hinter dem Zechengelände

Bild: Zechengelände in Katowice

um die Wohnhäuser der Mienenarbeiter handelt, kann ich ebenfalls nur vermuten. Aber diese Vermutung ist aus meiner Sicht sehr nahe liegend.
Lange schlenderte ich durch die Arbeitersiedlung und vermeintlich unbedeutende Außenbezirke von Katowice bevor ich wieder das Zentrum erreichte. Am Abend entdeckte ich dann die Geldseen in der Silesia Shoping Mal und anschließend, da mir langweilig war, zog ich noch einmal in die Stadt um das Nachtleben zu erforschen.
Meine Freunde vom Vorabend traf ich kein zweites Mal. Dafür sichtete ich unzählige, alternativ dreinschauende Gestallten, kam aber mit niemandem ins Gespräch. Es muss so gegen Mitternacht gewesen sein, und eigentlich hatte ich gerade beschlossen nach Hause zu gehen, als ich an einer größeren Gruppe junger Leute vorbeilief. Sie trugen nicht nur Musikinstrumente, sondern auch einen Geist. Einen Geist auf einem Besenstiel. Gebastelt aus unzähligen Metern hochwertigem Toilettenpapier.
Ich blieb stehen und betrachtete den Geist sowie die darum versammelten Menschen. Niemand sprach mich an. "Come on Schek, this are Ghost Busters!" Forderte ich meinen Hund auf und wollte gerade weiter gehen als ich angesprochen wurde. "Where are you from?" "Planet Earth! Born in a Country called germany." erwiderte ich. Mein Gegenüber schmunzelte. "and what are you doing here?" "Nothing spezial. Passing by by having a look to my Planet and decide to stopp."
Mein Gegenüber reichte mir ein alkoholhaltiges Mischgetränk in einer Coca Cola Flasche. Rund 20 Minuten später folgte ich den jungen Leuten ins TEORIA.
Das TEORIA wäre gerne eine Teestube. Ich hatte allerdings den Eindruck dass dort bei weitem mehr Bier als Tee getrunken wird. Im Grunde ist das TEORIA eine ganz normale, öffentliche Gaststätte. Aber der normal sterbliche Tourist wird Schwierigkeiten haben diese Lokalität als eine Solche zu erkennen. An normalen Gaststätten hängt ein Schild "Pup", man kann durch ihre Fenster ins Innere schauen, man erkennt sie von weitem. Nicht so das TEORIA. Es befindet sich auf der ersten Etage eines ganz normalen Wohnhauses irgendwo zwischen Marienkirche und Hauptbahnhof. Das einzige Anzeichen das sich im Inneren dieses Hauses eine Gaststätte befindet ist ein unscheinbares Messingschild, das von ortsfremden nur schwer zu deuten sein dürfte.

Bild: Das TEORIA, Kneipe in Katowice

Ich folge der Gruppe die Treppe hinauf. Links der Eingang zu einer Anwaltskanzlei, einer Kunstgalerie und einigen normalen Wohnungen. Dann geht es durch eine Glastüre und wir betreten das TEORIA. Einige wenige Tische befinden sich im Inneren. An ihnen werden Gesellschaftsspiele gespielt, sich unterhalten oder jemand nutzt die Internetverbindung des Lokals. Links führt eine kleine Treppe hinauf zum Tresen. Davor ein Balkonartiger Vorsprung mit 3 Barhockern. Hinten rechts im Lokal - ein Matratzenlager. Ein erhöhtes Podest von ca. 5 X 3 Metern ist mit Matratzen ausgepolstert. Davor zieht man sich die Schuhe aus, und dann kann man sich dort irgendwie hinlümmeln. Oft sitzen dort Musiker die das Lokal mit Livemusik beschallen. So auch heute, ich hatte mit ihnen das Lokal betreten.
Mein Hund war dort ein gern gesehener Gast und eine Portion frisch gezapftes kostet Einen Sloti pro 100ml - was für Polen im unteren Preissegment liegt.
Als ich den Laden verließ war es 5 Uhr 30 am frühen Morgen. Als ich meinen Wagen erreichte war es kurz nach 6 und als ich erwachte war es früher Nachmittag. Ich schlenderte ein wenig durch die Stadt und mit Einbruch der Dämmerung fischte ich einige Münzen aus den künstlichen Gewässern der Silesia Shoping Mal. Diese vertauschte ich gegen ein Brot und einen Becher neue Margarine. Während meines Abendbrotes zählte ich die verbleibenden Münzen. Knapp über 7 Sloti. Genug für ein kleines Bierchen im TEORIA :-)
Am nächsten Morgen weckten mich zaghafte Klopflaute an meiner Türe. Draußen stand die Polizei. Was ich hier mache wurde ich gefragt. "Bin Tourist, wollte mir mal Katowice anschauen." Meine Papiere wurden kontrolliert und dann wünschte mir die Polizei einen schönen Urlaub.
Ich blickte aus dem Fenster. Graue Regenwolken verdunkelten den Himmel. Noch bevor mein Kaffeewasser kochte fielen die ersten Tropfen. Ich schaltete den PC an und beschloss an diesem Tag daheim zu bleiben. Am Abend klopfte dann die Polizei. Nein, die Polizei hatte am Morgen geklopft. Am Abend klopften Uniformträger die sich "Milizia" oder so ähnlich nennen. Auch so eine Art Polizei. Sie wollten aber noch nicht einmal meine Fahrzeugpapiere sehen sondern wünschten mir gleich einen angenehmen Aufenthalt.
Auch am nächsten Tag war das Wetter nicht gerade sommerlich. Dennoch beschloss ich mir die Gegend anschauen zu gehen. Ich hielt mich westwärts, an der Straßengabelung rechts und dann abermals rechts. Hier befindet sich der "Gornoslaki Park". Eine riesige Grünfläche die nicht nur einige Seen und einen Zoo beherbergte, sondern auch einen Praterähnlichen Vergnügungspark.

Bild: Der Gornoslaki Park in Katowice

Einige Stunden schlenderte ich durch den riesigen Park und als ich einen Hundehalter fragte wie ich den zurück ins Zentrum komme, fragte er mich in welches Zentrum ich wolle. Katowice, Chorzow oder Bytkow.
Am Morgen des 24. 3. 2014 musste ich zum Krankenhaus. Ich hatte mir den Weg auf google maps angeschaut und hoffte ihn zu finden. Das Ligota Szpital liegt am südlichen Rand von Katowice. Am anderen Ende der Stadt.
Ich folgte meiner tragbaren, elektronischen Landkarte. Lief ein Stück über die Gleistrasse zum Hauptbahnhof und warf einen Blick von dort hinab Richtung Stadt.

Bild: Katowice, Panorama

Dann überquerte ich die Gleise und folgte einer langen Baustelle Südwärts.

Bild: Großbaustelle in Katowice

Es ging vorbei an einer großen Parkanlage und heruntergekommenen Wohnbezirken. Dann erreichte ich den Stadtteil Ligota.

Bild: Kirche im Katowicer Stadtteil Ligota

Gegen 14 Uhr erreichte ich das Krankenhaus und setze einen GPS Fix. Meinen eigentlichen Termin an diesem Ort hatte ich erst 2 Tage später um 10 Uhr in der Früh.
Auf dem Rückweg folgte ich der Kompassrose meines GPS Gerätes. Sie führte mich quer Feld ein durch ein großes Waldgebiet, vorbei an einem illegal errichteten Paintball Spielfeld. Dann erreichte ich wieder Asphalt. Die kleine Strasse führte mich direkt auf die Autobahn. In einem weiten Bogen umlief ich die für Fußgänger gesperrte Route bis ich eine Brücke erreichte. Nach 23 Kilometern war ich wieder daheim. Das Geld das ich am Abend aus den Marmorseen fischte reichte leidern nicht mehr um dem TEORIA einen Besuch abzustatten.
Am nächsten Tag war Warten angesagt. Warten auf meinen morgendlichen Termin am Katowicer Krankenhaus um 10 Uhr in der Früh des 26. März 2014.
Um 8 Uhr am Morgen brach ich auf. Ich folgte dem GPS und versuchte den großen Bogen, den ich um die Autobahn habe laufen müssen, abzukürzen. Schon bald stand ich vor großflächigen Mangrovensümpfen.

Bild: Sumpfland bei Katowice

Glücklicherweise führte eine Brücke über sie hinweg so dass ich pünktlich um 10 das Krankenhaus erreichte.
Wenige Augenblicke später traf auch Rafel am Treffpunkt ein. Rafel ist ein Freund von Jurek. Jurek wollte ich schon in seiner Heimatstadt Krakau besuchen, aber er weilte derzeit nicht daheim sondern in Georgien. Wem der Name Jurek jetzt nichts sagt, dem empfehle ich noch einmal meine Albanien Reiseberichte zu lesen. Rafel ist jedenfalls ein Freund von Jurek und wenn ich Jurek nicht persönlich Widertreffen kann, dann treffe ich eben seine Freunde. Rafel wohnt in Gliwice und seine Frau hatte kürzlich eine schwierige Augenoperation und musste zu einer Nachsorgeuntersuchung ins Ligota Szpital.
Nach einem kurzen "Hallo" zogen wir los noch einen weiteren Kumpel von Rafel zu treffen. Er hatte am Folgetag ein Flugticket nach Helsinki von wo aus er sich auf eigene Faust durchs Land kämpfen wollte um einen Job zu finden. Noch war er aber hier und wir zogen ein wenig durch die Wälder hinter dem Krankenhaus. Gegen 14 Uhr verabschiedeten wir uns und kurz danach lernte ich dann Rafels Frau kennen. Ihre Untersuchung war abgeschlossen und gemeinsam gingen wir noch einmal in den Wald um zu grillen.

Bild: Privates Grillfest im Wald bei Katowice

Ich wurde eingeladen die Beiden in Gliwice zu besuchen und da Sie mir sympathisch waren nahm ich diese Einladung an. Ob ich die Bergarbeitersiedlung in Katowice gesehen habe wurde ich gefragt. "Ja klar!" Antwortete ich und zeigte das bereits weiter oben veröffentlichte Foto. "Nein, nicht die. Die andere." Wenig später fuhren wir zu Dritt in Rafels Skoda durch die Stadt um die Siedlung zu erreichen.

Bild: Bergarbeitersiedlung bei Katowice

Wie mit dem Lineal ausgerichtet stehen hier symmetrisch angeordnete Backsteingebäude die mich leicht an die Bauten der Gedenkstätte Auschwitz erinnern und das nicht nur wegen der absolut ungewohnten Sauberkeit dieses Ortes. "Look, Big Brother is watching you!" Rafel deutet auf eine Überwachungskammara an einer Hauswand. "Ah, Fuck you Big Brother!" Schwungvoll streckte ich der Kammara meinen Mittelfinger entgegen. Ein Junger Mann der uns entgegenkam war allem Anschein nach der englischen Sprache mächtig den er lachte und half mir beim Mittelfinger zeigen.
Bei einer Tasse Kaffe in meinem Wagen, ich wurde nach Hause gefahren, ließen wir den Tag ausklingen. Am Folgetag, so der Plan, wollte ich den Motor starten um Rafels Heimat Gliwice zu erreichen.
Um kurz vor 10 wurde ich alleine gelassen. Noch einige Minuten blieben mir um nachzuschauen wie viele Münzen sich finden lassen. Es waren mehr als genug um im TEORIA "Lebwohl" zu sagen.
Ich verweilte lange im TEORIA und als ich am nächsten Morgen erwachte brummte mein Schädel. Ich schrieb eine E Mail und informierte Rafel das sich meine Ankunft um einen Tag verzögern würde.
Mit einem Tag Verspätung verließ ich Katowice.
Mein Weg führte mich auf die A4. Gliwice entgegen. Hier im Schlesischen Ruhrpott muss man keine Autobahngebühren bezahlen. Zwar würde ich eine Mautstation passieren wo ich ein Ticket erhalte, an welcher Stelle ich auf die Bahn aufgefahren sei, aber wenn ich die Bahn in Gliwice verlasse, dann würde ich dieses Ticket bei der Abfahrt nur vorzeigen müssen ohne einen finanziellen Obolus zu zahlen, hatte mir Rafel erzählt. Und genau so war es. 40 Minuten nach meiner Abfahrt parkte meine Wohnung hinter der Schrebergartensiedlung in welcher meine Freunde einen Garten ihr Eigen nennen.

Weiter geht es in Gliwice.


Bild: Danke








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