Auge in Auge mit einer Bärenfamilie

Bären in Rumänien, gibt es sie wirklich? Und wie gefährlich sind sie für den Wanderer? In den folgenden Sätzen möchte ich von meiner Begegnung mit einer rumänischen Bärenfamilie im Nationalpark Calimani berichten.
Es muss so gegen halb neun am Abend gewesen sein. Ich hatte meine Wegstrecke mal wieder völlig falsch eingeschätzt und war so gezwungen den Heimweg meiner Wanderung im Dunkeln anzutreten. Ein ungutes Gefühl hatte ich vom ersten Moment an, aber ich wollte ja unbedingt nach Hause und habe die nette Übernachtungsmöglichkeit nicht genutzt.
Scheki, mein Hund, den ich mit einsetzender Dämmerung vorsorglich an die Leine genommen hatte, änderte plötzlich seine Gangart, kam bei Fuß und begann leise aber energisch zu knurren. Ich richtete meinen Blick nach vorne und sah im hellen Mondlicht schemenhaft 3 Gestallten auf mich zukommen. "Salut." Grüßte ich freundlich und erhielt keine Antwort. Die Gestallten blieben stehen. Auch ich stoppte und leuchtete mit meiner Taschenlampe. Der Mond stand vor mir, so dass ich nur die Siluette der Tiere erkennen konnte, im Schein meiner Lampe sah ich aber ganz deutlich zwei reflektierende Augenpaare.
Ich war beruhigt, die Augen waren viel zu dicht über der Bodenoberfläche, es handelte sich also nicht um Bären sondern um Hunde. Vor Hunden habe ich keine Angst, Hunde sind meine Freunde. "Kommt mal her ihr süßen. Ihr seid sicher lange nicht mehr hinter dem Ohr gekrault worden." Ich ging in die Hocke um die Tiere anzulocken … und sie kamen. Als die Silluetten nur noch rund 20 Meter von mir entfernt waren erkannte ich deutlich ihre Umrisse. Der gedrungene Körper, die runden Ohren. Das waren keine Hunde, das waren Bären!
Bärenbabys! Scheiße! Meine Stimmung schlug um, ich hatte Angst. Ich hatte verdammte Angst. Wo Bärenbabys sind, da kann die Bärenmama nicht weit sein und die hat zwei hungrige Babybärenmäuler zu füttern. Scheiße Bären! Hätte ich doch in der Hütte übernachtet. Jetzt stand ich hier, meilenweit vom nächsten menschlichen Bauwerk entfernt, mir gegenüber eine Bärenfamilie.
Ich stand wie gelähmt auf dem unbefestigten Fahrweg; irgendwo mitten im Wald. Ich tat nichts, ich stand nur da und hatte Angst. Der einzige der richtig reagiert hat war mein Hund. Denn just in dem Moment als ich erkannte das es sich um Bären handelte erkannte dieser meine Angst, stellte sich aufrecht in die Leine und kläffte was das Zeug hält. Die Bären stoppten ihren Gang und verschwanden langsam, in keiner Weise fluchtartig, im Unterholz. Ich stand bestimmt noch 10 Minuten regungslos an dieser Stelle, aber die Bären waren verschwunden.
Meinen restlichen Heimweg, immerhin noch eine knappe Stunde Marsch durch die Einsamkeit, legte ich mit dem aufgeklappten und sorgfältig verriegelten Taschenmesser in meiner rechten und Hundeleine und Taschenlampe in meiner linken Hand zurück. Dabei sang ich Lieder, zählte Lautstark meine Schritte und trat auf jeden Ast den ich fand und der so ausschaute als ob er unter meinem Gewicht bricht und dabei einen für Bären bedrohlichen Klang von sich gibt.
Ich war heilfroh als ich meinen Wagen erreichte, die Türe entriegelte und mich in Sicherheit wusste.
Die Nacht schlief ich nicht, ich dachte nach. Wie gefährlich sind sie, diese Bären?
Rückwirkend betrachtet war das ja ein tolles Naturerlebnis. Ich meiner wer ist schon einmal einer Bärenfamilie in freier Wildbahn begegnet? Und wie viele von denen die schutzlos einem Bären begegnet sind leben heute noch?
Ich dachte lange, und dann kam ich zu dem Entschluss: Bären sind vollkommen harmlos! Zu diesem Ergebnis meiner Nachdenkerei kam ich nicht nur weil die Bären in keiner Weise versucht hatten mir irgendetwas zu leide zu tun. Im Grunde war die Begegnung ja absolut unspektakulär. Ich meine hier leben Bären. Jeder weiß das, und ich hab halt welche davon gesehen. Es soll viel Glück dazugehören einem Bären zu begegnen wurde mir gesagt. Ich hoffte immer dass ich dieses Glück nicht haben würde. Aber ich hatte es.
Nein, ausschlaggebend für meine Rückfolgerung war meine Lehrzeit und meine Zeit als Fernfahrer. Beide zusammen immerhin knappe 5 Jahre. In dieser Zeit habe ich täglich die Bild Zeitung gelesen. Nicht ein einziges Mal sah ich die Schlagzeile:
"Deutscher Wanderer in den rumänischen Kaparten von Bären zerfleischt."
Wenn die Bildzeitung das nicht titelt, dann ist es in diesen 5 Jahren auch nicht geschehen! Somit gibt es nur zwei Möglichkeiten.
  1. Bären mögen keine Deutschen. Ich kann mir allerdings nur schwerlich vorstellen das Bären ihre Nahrungsmittel nach Nationalitäten aussuchen.
  2. Menschen stehen nicht in der Beuteliste von Bären und sie rennen weg wenn sie einen Menschen sehen. So habe ja auch ich es erlebt. Bären stehen nicht auf Wanderer. Die mögen Rehe, Füchse, Knospen und Triebe. Aber Menschen stehen nicht auf deren Speisezettel.
Dennoch, das nächste Mal möchte ich keinen Bären sondern Wölfen begegnen. Wölfe sind Hunde, und Hunde sind meine Freunde.
Von der ganzen Nachdenkerei war ich am nächsten Morgen sehr müde. Ich denke wer sich eine ganze Nacht mit solch schwierigen Denksportaufgaben herumschlägt der hat es auch verdient am Tage auszuspannen und dem beruhigenden Plätschern des Gebirgsbaches zuzuhören. Außerdem bemerkte ich dass ich mich am Vortag wohl irgendwo vertreten haben musste. Mein linkes Knie schmerzte beim gehen. Da ist es wohl das Beste sich zu schonen. Mit diesem Schonen verbrachte ich noch 2 weitere Tage.
Da mir mein Naturfernsehprogramm "plätschernder Gebirgsbach" auf Dauer jedoch langweilig wurde und eine frische Brise für meinen Windgenerator immer noch nicht aufgekommen war, bastelte ich mir eine Steinschleuder,

probierte einige unterschiedliche Gummis aus und beschloss am Ende dass das Gummiband einer alten Gepäckspinne wohl die meiste Power bringt.
Ich übte natürlich auch gleich ein wenig schießen mit dem Gerät. Rundgewaschene Flusskiesel als Munition hatte ich hier ja ausreichend zur Verfügung. Auf Rund 15 Meter Entfernung treffe ich eine leere 2,5 Liter Bierflasche. Wenn ich sie oft genug treffe geht sie sogar kaputt. Ich glaube allerdings dass meine neue Waffe zur Bärenabwehr nur bedingt zu gebrauchen ist.
Außerdem nutzte ich die vorhandene Wasserkraft zum waschen. Da mein Wäschekorb, in den ich einen Stein gelegt hatte damit er brav unter Wasser bleibt, in der Strömung des Baches immer hin und herkippelte und ich Angst hatte das es mir meine teuren Socken über Board spült, versah ich ihn mit zwei Schwimmkörpern und bastelte mir so eine selbstschwimmende Naturwaschmaschine.

Im 60 Minuten Takt unternahm ich dann gesunde Kneipkuren mit meinen neuen Badelatschen in den kühlen Bach um meine Wäsche durchzurühren.
Abgesehen von meiner Bärenbegegnung waren es wohl nicht die Erlebnisreichsten Tage meiner Reise die ich hier im rumänischen Nationalpark Calimani verbrachte. Aber sie waren anstrengend. Hatte ich doch viel Nachzudenken und war darüber hinaus ständig mit Atmen beschäftigt. Bei diesem umfangreichen und komplexen Aufgabenpensum das ich zu bewältigen hatte fand ich noch nicht einmal Zeit den Computer anzuschalten oder anständig zu kochen. Ich hatte mich beim letzten Kaufland besuch mit Knäckebrot und Marmelade eingedeckt und ob man es glaubt oder nicht, aber davon scheint man leben zu können.
Da mir immer noch mein linkes Knie Probleme bereitete beschloss ich am späten Mittag des 2. Septembers das Weite zu suchen. Ich hatte gerade die letzten getrockneten Socken weggeräumt und meinen Wagen in den Fahrmodus umgebaut als ich realisierte das sich meine Abfahrt wohl um einige Minuten verzögern würde. Ein Schäfer trieb seine Schafsherde über den kleinen Bach. Begleitet wurde die Herde nicht nur von einem guten Dutzend Hunden sondern darüber hinaus auch noch von einigen Packeseln die das Hab und Gut des Schäfers trugen.

Ich betrachtete das Schauspiel und beneidete den Schäfer um seinen Job. Irgendwann war die Schafsherde vorüber gezogen und für mich die Strasse geräumt.
Die 6 Kilometer Waldweg die ich zu befahren hatte nutze ich um meinen Windegenerator aus dem Fenster zu halten. Ganz ohne Anlaufhilfe begann er bei etwa 12 km/h zu rotieren. Bei 14 km/h konnte man schon deutlich erkennen dass das kleine Glühbirnchen der Faradlampe glimmte. Bei 20 km/h leuchtete es hell wie man es von schnellen Bergabfahrten gewöhnt ist. Als ich den Asphalt erreichte konnte ich Gas geben. Der Repeller rotierte immer schneller an meinem kleinen Windrad dabei hatte ich noch immer nicht die 30 km/h Marke erreicht. Ich bemerkte deutlich dass er doch nicht ganz ausgewuchtet war. Heftig schlug der Dynamo in meiner Hand hin und her und ich ging vom Gas um meine Konstruktion nicht zu sehr zu belasten.
Zu spät, denn der Dynamo hatte bei einem Fahrtwind von rund 28km/h eine Überspannung produziert die mein kleines Lämpchen durchbrennen ließ. Ich werde ihn noch einmal auswuchten, ein neues Birnchen einsetzen (schließlich habe ich ja noch ein Rücklicht) und auf natürlichen Wind warten.
Dann bezog ich meinen neuen Wohnort am Ortsausgang von Lunca Bradului. Nur rund 8 Kilometer von meinem alten Wohnort entfernt und bei weitem nicht so schön.
Ich hatte Sehnsucht nach einer Internetanbindung und genau diese ging ich suchen. Ich lief gerade mit dem aufgeklappten Laptop durch Lunca Bradului als ich von Nico angesprochen wurde. Nico und 3 seiner Freunde hatten einmal für 5 Monate auf einer deutschen Baustelle in der Nähe von Stuttgart gearbeitet und dort Deutsch gelernt. Deutsch gelernt ist vielleicht ein wenig übertrieben. Aber sie konnten "mauern, Steine, Wasserwaage, Zement" und ähnliches sagen. Es ist wirklich erstaunlich welche komplexen Unterhaltungen man mit so einem eingeschränkten Vokabular führen kann wenn nur die passende Menge Alkohol dazu kommt.
Nico lud mich in eine kleine Kneipe ein. Dort warteten seine Freunde schon auf ihn. Mit Worten wie "mauern, Steine, Wasserwaage und Zement" hat er mir dann erklärt das er am Samstag heiraten werde, das er eigentlich in einem Ort 50 Kilometer von hier entfernt wohnt und nur hier ist um seine alte Großmutter zu pflegen und das er dabei halt die große Liebe getroffen hat.
Außerdem brachten die Jungs mir noch etwas Neues bei. Nämlich wie meinen Lieblingssport in dieser Region traditionell richtig ausführt wird. Ich hätte ja nicht gedacht dass es möglich wäre mir im Bezug auf "Bier trinken" etwas Neues beizubringen. Ich hielt mich in dieser sportlichen Trinkdisziplin immer für sehr erfahren. Aber ich irrte mich. In diesem Teil Rumäniens stehen kleine Schüsselchen auf den Kneipentischen. Sie sind mit Salz gefüllt. Es ist in dieser Region absolut normal eine Priese Salz zwischen die Finger zu nehmen, sie gekonnt (und das auch noch mit 3 Promille) auf dem angefeuchteten Glasrand zu platzieren und dann erst sein gesalzenes Bier zu konsumieren.
Ich habe es ausprobiert. Nach dem dritten Bier ist die Idee noch nicht einmal schlecht. Bringt mal etwas rumänische Kultur in eure Wohnzimmer und stellt euch den Salzstreuer neben euer Bier.
Als ich in meinen Wagen stolperte muss es so gegen Mitternacht gewesen sein. Im Internet war ich immer noch nicht.
Am nächsten Morgen erwachte ich sehr Zeitig. Es muss so gegen 5 Uhr in der Früh gewesen sein. Das Bier vom gestrigen Abend wollte wieder heraus. Wirklich wohl fühlte ich mich noch nicht und bei dem Versuch mich wieder hinzulegen drehte sich mein Wagen im Uhrzeigersinn. Also kochte ich einen stärkenden Kaffee, schaltete den Rechner an und tat das unvermeidbare. Ich schrieb meine Bärenerlebnisse nieder. Gegen 4 Uhr am Nachmittag war ich fertig. Gegen 5 hatte ich einen Internetzugang gefunden, gegen 9 war ich wieder daheim. Diesmal lag es nicht an schwierigen Denksportaufgaben und dieser anstrengenden Atmerei das ich drei weitere Tage an meinem Wohnort verweilte. Es lag daran das ich eine Internetverbindung benötigte. Nicht nur das Forum war während meiner Abwesenheit in den Welten des www explosionsartig gewachsen sondern auch in meinem E Mail Postfach stapelte sich die ein oder andere Mail die bearbeitet werden wollte. So gab ich zum Beispiel ein Interview für das E book "leben ohne Chef", diskutierte mit einem Webmaster darüber welche meiner Bilder er für die Vorstellung meiner Seite auf seinem Blog verwenden darf und schrieb einige recht ungewöhnliche Mails mit einem recht ungewöhnlichen Menschen.
Dieser Mensch hat recht ungewöhnliche Träume und alleine nicht die Traute diese Träume zu realisieren. Dafür verfügt er wohl über die nötigen Finanzmittel um diese Träume zu zweit realisieren zu können. Nun ja, ich mag nicht über ungelegte Eier schreiben, aber wer mich kennt der dürfte wissen dass ich ein Freund von ungewöhnlichen Dingen und Durchgeknallten Ideen bin. Wenn sie wer anderes bezahlt dann ist das noch viel besser. Last but not least wurde ich zum ersten Mal in meinem Leben selber Amazon Kunde. Werbung für den Laden mache ich ja schon lange, jetzt hab ich da mal eingekauft. Zum einen verfügte ich über einen 10 Euro Amazon Gutschein den mir die Teilnahme am Blogaward eingebracht hat und zum anderen werde ich in wenigen Wochen meinen Vater treffen und habe so die Möglichkeit mir ein Carepaket einfliegen zu lassen.
Ein neuer Laptopakku, meiner ist wirklich in die Jahre gekommen, ein neues Diktiergerät, meines wurde mir ja gestohlen und endlich neue Lampendochte für meine Petroleumlampe. Alles zusammen 62 Euro. Abzüglich des Gutscheins bleiben noch 52 Euro übrig. 90 Cent davon für die Lampendochte, den Rest betrachte ich als Berufsausgabe.
Tja, gekauft ist so etwas schnell. Aber wenn man bewusst einkaufen mag, dann dauert das so seine Weile. Schließlich musste ich Produktdaten vergleichen und nach Erfahrungsberichten auf unabhängigen Portalen googeln. Wenn ich so viel Geld ausgebe möchte ich schließlich auch Qualität erwerben. Ein paar Schuhe, ich hätte noch ein paar Schuhe bestellen sollen, aber so viele neue VIP´s hatte ich diesen Monat einfach noch nicht.
Ich saß natürlich nicht nur vor dem PC. Wie auch, mein Akku ist ziemlich nieder. Nach 2 Stunden ist Zwangspause angesagt. Dafür scheint aber die Sonne und man kann morgens und abends 2 Stunden online sein. Nach dem abendlichen Onlinegang salzte ich meist mein Bier mit Nico und seinen Freunden. Die Tage ließen mir noch ausreichend Zeit für kleinere Entdeckungswanderungen. Zum Beispiel zu dieser sehr abenteuerlichen Brücke.

Sie sieht nicht nur sehr wackelig aus, sie wackelt sogar. Allerdings wird sie rege von Fußgängern genutzt und auch ich wagte mich auf die morschen Holzdielen. Auf der anderen Seite der Brücke sah ich dann ein Wanderzeichen. Ein blaues Kreuz, Laufzeit 6 - 7 Stunden.
Meinem Knie ging es mittlerweile wieder gut und so stand für mich fest was ich am Folgetag machen würde. Dummerweise traf ich am Abend auf Nico und den kleinen Salzbecher in dem Glas Bier Geschäft. Bei einem Preis von 47 Cent für 0,5Liter frisch gezapfte, isotonische Gerstenkaltschale kann selbst ich nur schwer an einer solchen Lokalität vorbeigehen. Als ich am nächsten Tag erwachte war es bereits halb 12. Also verschob ich meine Wanderung. Aber am 6. am 6. trat ich sie an.
Die Rund 2 Kilometer Hauptstrasse bis zu der wackeligen Brücke hatte ich schnell hinter mich gebracht. Nur ein Schafskonvoi verursachte einen kleinen Stau der mich als Fußgänger nur wenig störte.

Auch diesmal schwankte die Brücke besorgniserregend, aber sie trug mein Gewicht. Ich folgte dem Wanderzeichen über einen staubigen Fahrweg. Anfänglich lagen noch vereinzelte Wohnhäuser und Ferienunterkünfte links und rechtsseitig des Weges aber dann hatte ich die Zivilisation hinter mir gelassen und befand mich in unberührter Natur.

Auslaufende Waschmitteltenside verbreiteten den Duft von "frischer Bergfrühling" und das im Spätsommer. 40 Minuten später, zwischenzeitlich hatten mich mindestens 3 Holztransporter überholt und ich war von oben bis unten eingestaubt, erreichte ich ein weiteres Wanderzeichen. Es deutete nach rechts und ein blauer Punkt soll mich in 3 - 3,5 Stunden nach Vf. Salasel führen.
Ich beschloss dass eine Wanderzeit von 3 - 3,5 Stunden sicher ausreichend ist, schließlich liegt ja auch noch ein Rückweg vor mir und ich hatte keine große Lust darauf noch einmal in der Dunkelheit einer Bärenfamilie in die Arme zu laufen. Also bog ich dort rechts ab.
Abermals eine Stunde später hatte ich den Fahrweg verlassen und mein Wanderweg schaute endlich so aus wie ein Wanderweg ausschauen sollte. Leider konnte ich diesem Weg nicht sehr lange folgen. Den abermals 30 Minuten Später hatte ich Vf. Salasel erreicht. Zumindest glaube ich diesen Ort erreicht zu haben. Schließlich befand ich mich an einer Wegkreuzung und mein Wanderzeichen endete hier. Es gab nur ein Schild welches in die Richtung wies aus der ich kam.
Ich schaltete das GPS an und folgte einem roten Kreuz nach rechts. Es führte mich durch schattige Buchenmischwälder und über eine große Almwiese hinweg talwärts. Irgendwann erreichte ich ein Gebiet welches von tiefen Spurrillen durchzogen war. Aus allen möglichen Himmelsrichtungen drangen Geräusche zu mir herüber die eindeutig von Motorsägen stammten. Die Bäume die dem Wanderer einstmals gut erkennbare Wanderzeichen präsentierten lagen nun auf dem Boden oder waren bereits in hübschen Häufchen am "Wegrand" gestapelt. Das was einstmals der Wanderweg war, war nicht mehr zu erkennen.
Mit Hilfe meines elektronischen Wegweisers bahnte ich mir einen Weg durch das Schlachtfeld. Irgendwann erreichte ich wieder so etwas wie einen Fahrweg. Er war matschig und von schweren Fahrzeugen aufgewühlt. Aber ich folgte ihm. Schon bald traf ich auf Arbeiter die meinen Weg stoppten. An Unterarm dicken Stahlseilen welche zwischen zwei Bergen gespannt waren "flogen" im 5 Minuten Takt gewaltige Baumstämme über den Weg. Unter Zuhilfenahme eines Funkgerätes, in das der mich aufhaltende Arbeiter einen Schwall mir unverständlicher Anweisungen brüllte, wurde der Transport koordiniert. "Weiter, weiter, noch ein bisschen … fallen lassen" Oder so ähnlich. Dann schaffte ein Bulldozer die Stämme beiseite. Meine Zwangspause dauerte rund 30 Minuten. Ich passierte noch den Pausenraum der Arbeiter mit seiner Udylischen Außenküche der mich stark an meine verschmähte, bärensichere, Unterkunft im Calamani Nationalpark erinnerte und dann beschrieb der Weg einen weiten Bogen der in die falsche Richtung führte. Glücklicherweise fuhr gerade ein Zug vorbei so dass ich wusste dass die Gleise nicht weit von mir entfernt sein können. Also kletterte ich den Abhang hinab und nutzte die Gleistrasse als weiteren Weg.
Irgendwann erblickte ich linksseitig einige Zelte. Ihre Bewohner waren ein paar junge Kerle die hier ein verlängertes Wochenende verbringen wollten. Das waren echt nette Kerle die weit mehr Wodka dabei hatten als sie selbst trinken konnten und so endete meine Wanderung in einem feucht fröhlichen Saufgelage mit gemeinsamer Grillparty.
Wie ich es den Jungs versprochen hatte startete ich am nächsten Nachmittag meinen Motor um meinen Wohnort neben meine Freunde zu verlagern. Doch als ich den schmalen Weg mit schlechter Oberflächenbeschaffenheit hinter mich gebracht hatte, musste ich feststellen dass meine Kollegen bereits abgereist waren.
Nicht schlimm, ich komme ja sonst auch ganz gut alleine klar.
Ich nutze die Einsamkeit meines neuen Wohnortes dazu das Chaos welches sich in den vergangenen Tagen in meinem Wohnraum ausgebreitet hatte zu beseitigen und nahm ein ausgedehntes Bad in der Hauseigenen Thermalquelle.
Ja, kein Quatsch! Diese Stelle ist bei Wildcampern so beliebt weil sich hier warmes Wasser vulkanischen Ursprungs in ein altes Betonbecken ergießt. Schon am nächsten Tag konnte ich den Badespass mit neuen Freunden teilen.

Sie waren irgendwann in der Nacht angekommen, ich hatte es nicht bemerkt. Aber als ich am Morgen mit einer Tasse Kaffe aus meinem Wagen kletterte hatte ich gleich jemanden mit dem ich diese Tasse teilen konnte.
Meine neuen Freunde kamen mehr oder weniger direkt aus Deutschland. Dort hatten sie sich nicht nur ein Auto gekauft, sondern gleich noch einen passenden Wohnwagen dazu den sie jetzt ausprobierten. Auf allen Fahrzeugen waren noch deutsche Überführungskennzeichen montiert die mit einem bisschen guten Willen sogar noch Gültigkeit besaßen. Was sind schon 3 Tage? Auch diese Jungs hatten viel Alkohol und noch mehr Grillgut an Board.
So ergab es sich das ich mich auch am 8. September mehr dem Trinksport als dem Laufsport widmete.
Am späten Nachmittag des 9. ging es mir dann wieder gut. Meine Freunde waren bereits am frühen Morgen abgereist und gegen 18 Uhr startete auch ich den Wagen. Ich fuhr die wenigen Kilometer bis Rastolita und parkte dort am rechten Straßenrand. Meine tschechischen Freunde die ich in Gheorgheni getroffen hatte haben mir irgendetwas von einem verlassenen Dorf am Ende eines Schienenstrangs im Calamani Nationalpark erzählt. Diesen Ort wollte ich unbedingt finden. Laut der Landkarte die mir die anderen Tschechen zeigten, die die ich auf dem Berggipfel im Nationalpark traf, führt von hier eine Gleistrasse in den Park. Sie teilt sich in 3 Ausläufer und ein jeder endet mitten im nichts. So ein Schienenstrang muss sich doch finden lassen oder?
Die Suche begann ich am nächsten Morgen.
Der Wegweiser zum Nationalpark befindet sich mitten im Dorfzentrum von Rastolita. Ich folgte den unzähligen Wanderzeichen Richtung Park. Auch hier musste ich mich über einen staubigen Fahrweg bewegen.
Wald oder gar Nationalpark ist wirklich die falsche Bezeichnung für die Gegend die ich durchwanderte. Im 5 Minuten Takt kamen große LKW an mir vorbei die mich kräftig Staub schlucken ließen. Diesmal hatten sie kein Holz sondern Kies und Schotter geladen. Schon bald passierte ich die großen Tagebauten mit ihren Förderbändern und Verladerampen. Ich fühlte mich fast wie daheim im Ruhrgebiet.
Dann geht es steil bergan. Große Baumaschinen haben PKW große Geröllbrocken zu einem künstlichen Berg aufgeschichtet. In Serpentinen schlängelt sich die Baustrasse dem Gipfel entgegen. Wenn man all die Baumaschinen, den Krach und den Schmutz verdrängt ist die Aussicht von dem künstlich geschaffenen Berg recht hübsch.

Schnell realisiere ich das ich wohl einer der letzten Touristen sein werde dem sich die Gelegenheit bietet durch dieses hübsche Tal zu wandern. Hier entsteht ein Stausee! Der See ist noch nicht da, aber am werdenden Ufer befindet sich schon ein Hotelkomplex im Bau. Dort wird man dann gegen kleines Entgelt im Nationalpark übernachten dürfen.
Selbstverständlich wurden die Baumaßnahmen im Einklang mit der Natur vorgenommen. Das Hotel wird an die Kanalisation angeschlossen sein so das kein böser Wildcamper dazu gezwungen wird seine Notdurft ökologisch unverträglich in der Natur zu verrichten. Die neue, förderungswürdige Art des Ökotourismuses! Wenn jemand daran verdient, dann ist es gut.
Den rötlichen, übel riechenden Schlamm der aus einem Rohr austritt und ungeklärt in den Gebirgsbach geleitet wird nehme ich bei so viel Verantwortungsbewusstsein, das mein Gastland hier unserem grünen Planeten gegenüber beweißt, nur aus dem Augenwinkel wahr. Wo gehobelt wird da fallen Späne. Das weiß jeder und hier wird ja schließlich im Namen des Naturschutzes ein Ferienparadies für ökologisch vertretbaren Pauschaltourismus gebaut.
Etwa 40 Minuten später bin ich so weit in das bald überflutete Tal vorgedrungen das ich selbst den Lärm der Baumaschinen nicht mehr hören kann. Üdjlisch liegt die Landschaft vor mir und ich bahne mir mit meinem Hund meinen Weg im Zick Zack durch eine Herde von mindestens 500 Schafen und Ziegen.
Gegen 15 Uhr schaue ich auf das GPS Gerät. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich permanent von meinem Wagen entfernt. Ein Rundweg war nicht ausfindig zu machen und auch die gesuchten Gleise habe ich nicht gefunden. Also gehe ich denselben Weg heim den ich schon hergelaufen war. Hier noch ein paar Bilder:
Gegen 20 Uhr erreiche ich nach 25 Kilometern mein Wohnmobil. Schon die letzte Stunde laufe ich sehr vorsichtig. Die Schuhsohle meines rechten Schuhs hatte sich gelöst und hielt nur noch im hinteren drittel mit dem Schuh zusammen. Scheiße! Das war es dann mal wieder mit Schuhen in denen ich halbwegs laufen kann. Wie lange haben die Dinger gehalten? Ich müsste es nachlesen. 6 Wochen?
Am nächsten Morgen zog ich meine Fundschuhe an und folgte der Hauptstrasse westwärts. Irgendwo muss sie doch sein, die Gleißtrasse die zu dem verlassenen Ort führt. Laut der kleinen Landkarte die ich besitze führt sie kurz hinter Rastolita über die Hauptstrasse und von dort hinein in den Park.
Einmal glaubte ich sogar sie gefunden zu haben, doch beim Näher kommen entpuppte sich meine Eisenbahnbrücke als Fußgängerweg.

Ich folgte der Strasse bis Galaoaia. Ergebnislos! Mit schmerzenden Füßen ging ich enttäuscht zurück, startete den Wagen und suchte das Weite.
Weit kam ich leider nicht.
Kurz hinter Galaoaia, den Ort bis zu dem ich schon ohne Wagen vorgedrungen war hatte mein Motor plötzlich so eigenartige Aussetzer. Mal nahm er Gas an, dann mal wieder nicht. Immer wenn er nicht wollte setzte ich den Blinker rechts und wurde langsamer dabei trat ich im Ausgekuppelten Zustand auf das Gas. Nach Zwei oder Dreimal drauf treten wollte er dann wieder -mein Motor- und ich setzte die Fahrt fort. Dieses Spiel wiederholte ich mindestens 5 Mal auf einer Strecke von nur rund 1500 Metern. Dann fand ich glücklich eine Parkbucht.
Ich hatte meinen Wagen kaum zum stehen gebracht als ein Polizeifahrzeug neben mir hielt. "Führerschein, Fahrzeugpapiere. Pusten sie mal bitte in das Röhrchen" "Problem maschina. Nu Bere!" Ich pustete und der Alkoholtester zeigte 0,0Promille. Der Polizist war zufrieden und warf den kleinen Kunststoffaufsatz in den ich hineingepustet hatte achtlos in den Grünstreifen am Fahrbahnrand. Die Polizeikontrolle war vorüber. Mal wieder hatte mich niemand nach der Mautvignette gefragt. Ich ging um mein Fahrzeug um den Fehler zu suchen. Mein erster Weg führte mich Richtung Tank. Der kann eigentlich nicht leer sein, aber irgendwie deuten die Probleme die mein Wagen macht dann doch auf einen leeren Tank hin. Ein kurzer Blick genügte um das Problem zu erkennen.

Da fehlt der Tankdeckel! Irgend so ein Arschloch hat mir MEINEN Diesel geklaut. "Officer! Kriminal! Zap zarap!" Rief ich dem Polizisten entgegen der gerade dabei war sein Fahrzeug zu wenden. Ein Fingerzeig auf meinen Tank und die Gestik von "an einem Schlauch saugen" erklärte mein Problem auch ohne Worte. "Zap zarap!" Eine junge Frau die der englischen Sprache mächtig war dolmetschte zwischen mir und dem Polizisten. Er könne nichts machen wurde mir übersetzt. Aber er verständige die lokale Polizei die sich hier auskenne, die könnten mir sicher helfen.
10 Minuten später kam dann ein anders Polizeifahrzeug. Wer jetzt glaubt der Polizist darin sei der englischen Sprache mächtig gewesen, der irrt sich. Auch derjenige der glaubt er hätte ohne Sprachkentnisse versucht von mir zu erfahren wo und wann mir denn der Sprit gestohlen worden sei der irrt. Die Hilfsbereitschaft der rumänischen Polizei schaut hier ganz anders aus. Der freundliche Polizist zauberte einen 20 Liter Kanister aus seinem Kofferraum und deutete mir an in sein Polizeiauto zu steigen. Ich nahm also zwischen Radarpistole und Funkgerät auf dem Beifahrersitz des Streifenwagens platz und dann ging es mit 120km/h durch die geschlossene Ortschaft einer Tankstelle entgegen. Dort füllten wir 20 Liter Diesel in den Kanister des Wachmeisters (ich musste bezahlen, so weit reicht die Hilfsbereitschaft dann wohl nicht) und dann ging es zurück zu meinem Wagen. Kaum war der Lebenssaft in meinem Tank startete mein Wagen zuverlässig und ich konnte meine Fahrt fortsetzen. Ohne Tankdeckel versteht sich.
Am späten Nachmittag erreichte ich ohne weitere Zwischenfälle Reghin. Viel tat ich dort nicht, ich konnte nicht laufen. Die Blase an meiner Verse hatte Ausmaße erreicht die selbst das Laufen in Sandalen zu einer Tortur werden ließ.

Dafür hatte ich Internet im Wagen. Die ungelegten Eier von denen ich noch nicht berichten wollte drangen im Geburtskanal immer weiter Richtung Ausgang vor. Bereits in unter 48 Stunden würden sie gelegte Eier sein.
Am Nachmittag des nächsten Tages, ich war gerade dabei meinen Wagen in den Fahrmodus zu räumen roch es plötzlich sehr verbrannt in meinem Fahrzeug. Was ist das? Mein Auto fängt doch nicht plötzlich an zu brennen. Jeder Stromkreis ist einzeln abgesichert, da kann nix anfangen zu brennen.
Ich versuchte der Sache auf den Grund zu gehen und als ich aus meinem Badezimmer herauskam sah ich sie schon, die kleinen grauen Rauchwolken die sich ihren Weg durch meine Türdichtungen suchten. Ein Blick aus dem Fenster verriet die Ursache, ich parkte mitten in einem Waldbrand.

Das schaut auf dem Bild jetzt entschieden harmloser aus als es war. Als ich aus dem Fenster schaute loderten die Flammen noch genau vor meinem Wagen. Panisch zog ich mir etwas an, schmiss alles was noch lose herumstand einfach auf den Boden und sprang aus dem Wagen. Ich hab das alles in sehr großer Eile getan, aber es wird wohl dennoch 5 Minuten Zeit in Anspruch genommen haben. Als ich jedenfalls aus der Tür sprang war das Feuer schon weiter gezogen und die unmittelbare Gefahr war vorüber so dass ich beschloss noch rasch ein Foto zu schießen bevor ich den Motor starte.
Am frühen Abend erreichte ich Targu Mures. Gegen 11 Uhr hatte ich eine E Mail im Posteingang das mein Freund gerade angekommen sei und sich eine Pension genommen habe. Gegen Mitternacht trafen wir uns bei MC Dreck im Stadtzentrum.
Genau an dieser Stelle geschieht etwas das einmalig ist für meine Reise. So etwas gab es noch nie. Nein, ich spreche hier nicht von einem Big Mac den ich bei diesem amerikanischen Fast Food Tempel verspeist habe, das wäre auch einmalig, aber ich hatte keinen. Ich spreche davon dass ich über die nächsten Tage NICHT berichten werde. Ich werde euch einfach nicht erzählen was wir wo und warum getan haben und was wir dabei erlebt haben. Mein Freund, bzw. Kunde der mich als alternativen Reiseführer angagiert hatte möchte das nicht. Ich habe lange darüber nachgedacht wie ich etwas schreibe so das er für seine Verwandten, Freunde und Bekanten unkentlich bleibt. Mir ist keine Lösung eingefallen. Entweder ich erzähle die Wahrheit, dann dürfte es für Bekannte und Freunde meines "Kunden" recht leicht möglich sein meine Berichte mit seiner Person zu asozieieren, oder ich erfinde eine Lügengeschichte oder … ja oder ich schreibe eben gar nicht von dieser Zeit.
Um wenigstens irgendetwas zu schreiben ist mir folgende Lösung eingefallen: Ich schreibe einen Testbericht über den neuen Volkswagen Jetta. Ich habe noch nie einen Testbericht über einen PKW geschrieben und ich denke dass ich da Gefallen dran finden könnte. Außerdem halte ich mich nach weit über 1000 Kilometern die ich dieses Fahrzeug steuerte für qualifiziert so einen Testbericht zu schreiben.

Weiter geht es also mit einem VW Jetta Testbericht.

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Bild: Danke
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Kleine Häuser auf Rädern, auf dem Wasser und in Bäumen.



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