und Wanderwege rund um den Canyon

Einige Stunden verbrachte ich im Stadtpark von Bicaz und nutzte die dortige W lan Verbindung. Eigentlich wollte ich zum online gehen in die Stadt laufen aber die zwei niedlichen Parkplatzhunde mit denen ich mich beim Berichte schreiben angefreundet hatte folgten mir auf Schritt und Tritt. Leider nicht "bei Fuß" sondern irgendwie im Zick Zack kreuz und quer über die Strasse. Ungeachtet des fließenden Verkehrs. Das haben meine Nerven einfach nicht verkraftet und deshalb nahm ich zwei Kaltstarts an einem Tag in Kauf.
Irgendwann gegen halb 5 zog ich endgültig los. Nach kurzer Fahrt sichtete ich eine Wandertafel. Bremsen!
Sie beschrieb den durch ein blaues Kreuz markierten Wanderweg hinauf zur Cabana Dochia welcher in Sat Neagra beginnt und für welchen man angeblich 7 Stunden benötigen soll.
Ich kannte diesen Weg zwar noch nicht, aber ich hatte auch keine Lust auf eine weitere 14 Stunden Tour die mich auf einen Berggipfel führt welchen ich schon 3 Mal bestiegen hatte. Außerdem erkannte ich keine Möglichkeit die Tour zu einem Rundweg umzubauen. Selbst dann nicht wenn man eine 18 Stunden Tour in kauf nehmen würde.
Also warf ich einen Blick durch das Tal

und zog weiter.
Keine Zwei Minuten später ein erneuter Stopp. Die rote Kelle eines Polizeibeamten zwang mich dazu. "Führerschein, Fahrzeugpapiere! Was haben sie geladen?" "Nix, ist ein Wohnmobil, ich mache Urlaub!"
Nach einem flüchtigen Blick auf meine Dokumente wünschte mir der Ordnungshüter "Drum Bun" also eine gute Fahrt.
Nach dem Papierzettel der bestätigt Straßenmaut gezahlt zu haben fragte er nicht. Glück gehabt!
Nur rund 20 Minuten Fahrzeit später erhob sich eine steile Felswand vor meiner Windschutzscheibe.

Hier musste sie irgendwo sein, die Schlucht, der Canyone von dem mir die Deutschen berichtet hatten. Er soll sehr schön sein und es fände sich nirgends eine kostenlose Parkmöglichkeit. So meine Information.
Also parkte ich an der nächstbesten Einbuchtung und ging zu Fuß schauen.
Senkrechte Felswände ragen beidseitig der Hauptsrasse teils hunderte von Metern in die Höhe. Das kleine Bächlein muss diesen Canyon im laufe von Jahrtausenden ausgespült haben. Außer dem kleinen, klaren Gebirgsbach der friedlich durch den Canyon gurgelt drängt sich heute eine schier endlose Blechlawine zwischen den Felswänden entlang. Wo die Natur noch einen halben Meter Platz gelassen hat befindet sich ein Andenkengeschäft. Handtücher, Hemden, Felle, Holzschüsseln, Kochlöffel, Ferngläser aus fernost … . Haufenweise Plunder den kein Mensch braucht.
Ich betrachte das Angebot der Souvenirläden in der Hoffnung so etwas wie eine Wanderkarte zu finden auf die ich mal einen Blick werfen könnte. Aber ich hoffe vergebens! Wanderstöcke mit integrierter LED Beleuchtung. Ja, die kann ich dort kaufen. Genauso wie kleine Magneten mit Rumänienlogo oder dem Abbild eines hier heimischen Berges. Bälle, Taschenmesser wo die Klinge schon im Heft wackelt wenn ich die Teile nur Anschaue, Steinschleudern, Armbrustnachbauten und andere Dinge die einem ukrainische Zollbeamte bestimmt wieder wegnehmen, Schaukelpferde, ja, selbst ein Schwenkgrill ist hier käuflich zu erwerben. Nur keine Wanderkarte der Region!
Ich wandere hinauf bis hinter einen Tunnel. Dort kehre ich um.
Es ist immer noch hell als ich meinen Wagen erreiche und irgendwie hat die Gegend etwas das mich zum laufen animiert.
Also lasse ich meinen Wagen links liegen und wandere die Hauptstrasse tiefer hinab bis ins "Zentrum" von P. Bicaz. Dort finde ich nicht nur den Beginn eines Wanderweges, sondern auch ein preisgünstiges Glasbiergeschäft. Das Ende meiner heutigen Entdeckungstour.
Doch am nächsten Morgen geht es zeitig los.

Ich folge der Hauptstrasse bergab und erreiche nach 20 Minuten den Wanderweg.

"Reservatia Naturala Cheile Sugaului - Munticelu" kann man auf dem Torbogen lesen.
Für alle Wohnmobilfahrer und auch für andere Menschen mit Schmutzwäsche ist es vielleicht noch interessant dass die Natur hier von Menschenhand zu einem kostenlosen Waschsaloon umgearbeitet wurde.

Eine Haltemöglichkeit gibt es dort ebenfalls und wie man sieht wissen Menschen in anderen Ländern dass schon lange was ich in meiner kleinen Anleitung "Waschen im Wohnmobil - Waschen ohne Waschmaschine" beschreibe und wofür ich von deutschsprachigen Lesern so oft belächelt werde. Hier gibt es den in teuren Hie-Tec Waschmitteln eingebauten Aktivsauerstoff vollkommen gratis und total Öko, da vollkommen ohne Tenside.
Ich durchschreite den Torbogen und sehe bald darauf ein auf den Fels gemaltes rotes Viereck. Ein Wanderzeichen! Es ist eindeutig so angebracht dass es die Schlucht, welche vom kleinen Waschmaschinenbach ausgespült wurde, als Wanderweg markiert. Das war er wohl auch einstmals, heute sind die künstlich angebrachten Gehsteige so marode das ich mich ein Betreten nicht wage.

Egal, ich folge dem gut sichtbaren und mit Handläufen gesicherten Weg bergauf. Bald erreiche ich eine kleine Hütte.
Eine Wanderkarte ist in luftiger Höhe angebracht und hätte dort eine Leiter gestanden, ich hätte wirklich gerne mal einen Blick darauf geworfen. Leider gab es keine Leiter und so versuchte ich ohne Blick auf eine Karte herauszufinden wohin mich der gelbe Punkt auf weißem Grund führt den ich dort fand.
Ich folgte dem gut sichtbaren Weg den der Punkt zu markieren schien. Er führte mich durch so eine Art Gartenpforte. Dahinter wurde der Weg schmaler und der Punkt war nicht mehr ausfindig zu machen. Es ging bergab. Schon bald erreichte ich wieder das Bachbett. Auch das rote Viereck konnte ich nirgends entdecken. Dafür sah ich eine kleine Steintreppe welche zu einer Art Tropfsteinhöhle ohne Tropfsteine hinaufführte. Leider war die Höhle versperrt so dass ich nur über das Tor schauen konnte. Dafür war der Canyone welcher vom Bach ausgewaschen wurde sehenswert. Es störte nur ein wenig das Stromkabel. Auch die spärlich bewachsenen Felswände welche sich hier überall erheben beeindruckten mich sehr.
Ich folgte dem ausgetretenen Pfad über den Bach hinweg und erreichte so etwas wie eine Siedlung. Scheinbar fern ab von jeder Strasse standen hier einige Hütten. Einige waren verfallen, andere augenscheinlich bewohnt. Vor einer, mein Wanderpfad führte genau durch ihren eingezäunten Vorgarten, saßen Menschen beim gemeinsamen Frühstück. "Walking?!" "Da." Ein Finger deutete durch den Garten und ich kletterte über den Zaun. Kurz darauf sah ich wieder dieses rote Viereck. Leider das Letzte Mal an diesem Tag.
Keine 10 Minuten später war ich in einem weiten Bogen auf eine befahrbare Route gelangt. Dort parkte das Auto der Frühstücker und ein schmaler Trampelpfad führte zu ihrem Haus. Von dort genoss ich die Aussicht auf die Felswände und hinunter nach P. Bicaz wohin mich diese Piste zurückführte und das ich nach einer guten Stunde Spaziergang erreichte.
Ich nahm neuen Anlauf, vorbei an der Hütte hin zu dem gelben Wanderzeichen.
Diesmal nutzte ich nicht die Gartenpforte sondern einen sehr schmalen Weg von welchem ich anfänglich glaubte er würde nur zu einer Picknickbank führen. Hier war er, der gelbe Punkt. Anfänglich gab es ihn noch im 50 Meter Abstand und er führte über kleine Pfade und ausgetretene Schotterstreifen bergan. Dann verlor sich mein Wanderzeichen irgendwo in den Tiefen eines Nadelwaldes. Immer wieder erkannte ich ausgetretene Wege. Aber diese Wege gabelten sich so häufig das sie sich nach kurzer Zeit immer wieder verliefen. Mein Wanderweg war weg, ein weiterer Aufstieg unmöglich und ich hatte keine Lust dem gleichen Weg zurückzufolgen den ich schon empor geklettert war. Also nutzte ich einen dieser Wildwechsel talwärts. Dummerweise endete er in einer Schlucht der ich auf einer Skala von 1 - 10 den Schwierigkeitsgrad 12 für unbeseiltes Absteigen geben würde. Dennoch gelang es mir. Über herrliche Almwiesen - auf welchen Männern das Heu noch mit der Sense ernteten - gelangte ich zurück nach P. Bicaz. Da ich es beim besten Willen nicht schaffe mich zu entscheiden welche 18, der unzähligen aufgenommenen Bilder ich zeigen möchte, hier einige Impressionen des Tages als unkommentierte "Weiterblätterngalerie".
Am nächsten Morgen folgte ich dem schmalen Fahrweg welcher unmittelbar an meinem Parkplatz beginnt. Auch hier ist so etwas wie eine Wanderkarte angebracht. Auch hier hängt sie in luftiger Höhe und ist darüber hinaus noch so unscharf gedruckt dass ich sie als vollkommen nutzlos betrachte.
Da ich von endenden Wegen und querfeldein Touren durch gefährliche Schluchten die Nase voll hatte entschied ich mich keinen der abgehenden schmalen Pfade zu nutzen sondern der breiten Fahrroute bis zu deren Ende zu folgen. Nur ein einziges Mal sichtete ich ein rotes Viereck welches plötzlich und unverhofft am Wegrand auftauchte und das irgendwie von nirgends zu kommen und nach nirgends zu führen schien.
Der Weg führte mich größtenteils über sonnige Almwiesen und die kleinen Hütten welche dort in unregelmäßigem Abstand auftauchten weckten in mir irgendwie das Gefühl nach "sesshaft werden". Einige gerodete Waldstücke die ich passierte ließen mich an nachhaltige Forstwirtschaft denken und in einer kleinen Kapelle mit hauseigener Quelle welche eiskaltes und frisches Trinkwasser aus dem Erdboden hervorsprudeln lies, und neben der eine alte Kaffeetasse mit abgebrochenem Henkel hing, nahm ich mein Mittagessen ein.
Irgendwann endete der Fahrweg. Zugegeben, es führten einige mit Spezialfahrzeugen befahrbare und zu Fuß mit Leichtigkeit begehbare, Pisten von dort hinweg, aber ich entschied mich an dieser Stelle umzukehren um dem Gleichen Weg zurückzufolgen den ich schon hinaufgewandert war.
Heute fällt es mir entschieden leichter 18 Bilder auszuwählen die ich euch zeigen kann.
Am nächsten Tag startete ich meinen Motor. Laut Tacho fuhr ich geschlagene Drei Kilometer! Ich steuerte mein Fahrzeug durch den Canyon hinauf bis zu dem Tunnel. Um genau zu sein gibt es an dieser Stelle zwei Tunnel.
Einmal den großen in Beton eingefassten, durch welchen die Bundesstrasse führt, und einmal den alten, ein schmales in den Fels gemeißeltes Loch. Gerade einmal groß genug für einen Kleinbus. Er erinnerte mich stark an meine Tunnelerfahrungen in Albanien. Nur das dieser Tunnel nicht mehr in Betrieb war.
Sein inneres war durch einen aufgeschütteten Erdhügel für jegliche Fortbewegungsmittel mit Rädern blockiert. Die alte Zufahrtsstrasse zu dieser Örtlichkeit wählte ich als meine Heimat für die nächsten Tage.

Ca. 10 Minuten benötigte ich um durch die Schlucht zurück bis zu der Stelle vorzudringen an welcher ich bei meinem ersten Erkundungsgang ein Wanderzeichen entdeckt hatte. Diesen Wanderweg habe ich, dank meines computergesteuerten Navigationssinns und einem glücklichen Zufall durch die Kombination mit einem zweiten ausgeschilderten Wanderweg den ich unterwegs entdeckte zu einem etwa zweieinhalb stündigen Rundweg umgebaut.
Wer virtuell mitwandern will, oder eventuell auch vor hat diesen Weg selber einmal zu laufen, bitte, hier die reich bebilderte, dokumentierte und mit GPS Angaben ausgestattete Fotogalerie:

Ich hatte mir kaum etwas Trockenes angezogen als es aufhörte zu regnen. Meine gefundenen Stiefel müssen ja auch mal eingelaufen werden oder? Also, reinschlüpfen in die Dinger und auf nach Lacu Rosu, zu Deutsch: dem roten See.

Weiter geht es in Lasu Rosu.

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Bild: Danke
Bei dem User "mitleser" für das hinzufügen meiner Reiseberichte in die sehr ausführliche Linkliste über Fahrzeugreisende in der Allrad-LKW_Gemeinschaft.



Kleine Häuser auf Rädern, auf dem Wasser und in Bäumen.



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"Der Bicaz Canyon in Rumänien und seine Wanderwege"
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