Wohnmobil Reisebericht Schloss Bran (Dracula)

Schnell waren die wenigen Kilometer bis Bran gefahren. Das der Heimatort von Dracula Bran heißt, das weiß nun wirklich kein Mensch. Und warum nennen die das „Schloss Bran“ und nicht „Schloss Dracula?“ Ist ja auch egal, jetzt bin ich jedenfalls hier.
Die Parkplatzsuche erwies sich als schwierig. Im weiten Umkreis der Burg ist jede Parkmöglichkeit kostenpflichtig. Eifrig eilen Parkgeldkassierer hin und her. Ich zahle kein Parkgeld, ich parke etwas außerhalb. Hinter der Polizeiwache führt ein kleiner Waldweg ins Nichts. Ich parke ein wenig in der Botanik und folge diesem Weg.

Leider findet sich kein schöner Aufenthaltsort für mich und meinen Truck. Ich erkunde das nähre Umfeld auf der Suche nach einem kostenlosen Parkplatz. Dabei werfe ich auch einen ersten Blick auf Schloss Dracula.

Wenige Augenblicke später stehe ich vor dem Haupteingang des Schlosses. Ich weiß selbst nicht so genau was ich erwartet habe. Eine alte Ruine mit Graffiti an den Wänden? Modrig riechende Gewölbekeller in denen man mit der Taschenlampe umhergeistern kann? Türmchen mit halb verfallenen Holztreppen die man mit viel Mut besteigen kann um die Aussicht zu genießen?
Wahrscheinlich nichts von dem. Aber was ich hier sehe auch nicht. Es ist grauenhaft! Vor dem einstmaligen Dracula Schloss ist so eine Art Kirmes aufgebaut. Eigentlich eher ein Weihnachtsmarkt. Selbstgeflochtene Körbchen, T-Shirts mit aufgedruckten, bluttriefenden Draculagebissen, Säbel, Kinderspielzeug, Käse, Fleisch und Wurstwaren, Tontöpfe, Kochlöffel, Häkeldeckchen, Handtaschen, Angelruten, Sammlermünzen, Bauklötze … Hier gibt es alles was nichts mit Dracula zu tun hat.

Vor allem kostet hier alles ein bisschen mehr als überall anders. Ein bisschen ist gut. Ich möchte ein Brot kaufen, und betrete einen dieser kleinen Tante Emma Läden. Ein Preisschild klebt an dem Regal mit den Broten: 3 Lai! Dafür zahle ich normalerweise 1 Leu!
Erschaudern lässt mich die Tafel mit den Eintrittspreisen:

5 Euro für Erwachsene, genauso viel wie einer der kostenpflichtigen Parkplätze. 5 Euro scheint so ein Standartpreis zu sein, denn die Videokamera zahlt abermals 5 Euro Eintritt.
Eintritt! Genau, einen Tritt in ihren Allerwertesten verpasse ich denen, da gehe ich nicht rein! Auch wenn die Fotografiesteuer im Eintrittspreis enthalten gewesen wäre. Unmittelbar neben dem Haupteingang das Stadtmuseum der Stadt Bran. Eintritt lediglich 5 Lai. Ich war über 10 Tage in Bran, ich weiß nicht was die da in dem Museum ausstellen. Bran besteht ausschließlich aus Hotels und Restaurants die sich irgendwie um das Dracula Schloss angesiedelt haben. Ein Stück weit davor eine Halle. Hier wird hochwertiger Schrott versilbert. Ein CD Geschäft übernimmt die Beschallung, daneben ein Fast Food Tempel. Die Preise liegen etwa 300% höher als der rumänische Durchschnitt. Am Ende der Halle der Eingang zur Gruft Dracula. Eine 10 bis 15 Minuten dauernde Tour führt mich durch 12 Räume. Jeder wurde eigens dazu dekoriert mir Angst zu machen. Darüber hinaus verfügt jeder Raum über ein eignes Sound und Lichtsystem mit speziellem Charakter. Hier treffe ich nicht nur Dracula, sondern auch Dr. Frankenstein und am Ende der Tour, sozusagen als absoluten Höhepunkt, auch noch Satan persönlich. All das wurde nur errichtet um mich an meinen Aufenthalt in Transsilvanien, dem Land das von Vampiren und Geistern gejagt wird, zu erinnern, entnehme ich einem englischsprachigen Schild. Ich schätze die lügen! All das wurde doch nur errichtet um mir abermals 15 Lai aus der Tasche zu ziehen. Danke, ich verzichte. Ich schaue die Nachrichten, das ist kostenlos und macht mir auch Angst.
Ich verlasse die Touristenzone und folge der Hauptstrasse stadtauswärts. Nach etwa 2 Kilometern finde ich einen kostenlosen Parkplatz auf welchen ich umziehe.
Am frühen Morgen des 7. mache ich mich auf den Weg einen Berg zu besteigen den ich bereits gestern gesehen hatte.

Ich laufe vorbei an der touristischen Hochburg und biege unmittelbar dahinter rechts ab. Eine lange schmale Straße führt mich meinem Ziel entgegen. Nach etwa 40 Minuten Marsch erreiche ich eine weitere Ortschaft. Siehe da, hier gibt es wieder Brot für 25, statt für 75 Cent. Bald endet die Straße an einem großen Parkplatz. Ungezählte Wanderwege beginnen hier. Ich entscheide mich für einen Rundweg der 6 Stunden dauern soll. Weit komme ich nicht mehr bis dunkle Wolken die Sonne verdecken und mich erste Regentropfen berühren. Im Laufschritt begebe ich mich auf den Rückweg, fest entschlossen mit meinem Wagen hier her umzuziehen um all diese Wege zu begehen. Als ich mein Fahrzeug erreichte, war ich nass bis auf die Knochen.
Die nächsten Tage regnete es sich ein. Ein regelrechtes Sauwetter. Ich verbrachte viel Zeit vor dem PC. Zwar klärte sich der Himmel immer mal wieder auf, aber um eine ausgedehnte Tour zu unternehmen, war es einfach zu unbeständig. Also entdeckte ich den kleinen Berg direkt hinter meinem Wagen und das nähere Umland. Mehrfach kehrte ich durchnässt heim.
Erst für den 13. Mai war beständiger Sonnenschein angesagt und als ich am Morgen erwachte, sah es tatsächlich so aus als ob die Meteorologen Recht behalten sollten. Nix wie los! Schnell erreichte ich den Parkplatz, zu dem ich dann doch nicht umgezogen war. Diesmal entschied ich mich für einen anderen Weg. Er führte mich mit Holzbrettern abgestützte Stufen hinauf. Bald darauf fand ich mich auf einer Skipiste wieder. Ich folgte dem Skilift. Auf einem der Masten war ein Schild angebracht: „Besteigen verboten“ und dafür fahre ich bis Rumänien. Besteigen verboten steht auch an deutschen Skiliften. Am Ende der Piste führt der Weg nach rechts in einen Wald. Er wird schmaler und ist bald nur noch durch die blau-weißen Wandermarkierungen zu erkennen. Zwei Männer fällen einen Baum. Als ich die Kamera zücke, werden sie recht unfreundlich. Anscheinend fällen sie illegal. Ich gehe weiter. Schon bald führt der Weg bergab anstatt bergauf. Irgendetwas ist hier falsch. Ich gehe zurück und suche die Stelle an der ich mich verfranst habe. Vergeblich! Irgendwann erreiche ich so eine Art Almhütte an der ich Pause mache. Danach folge ich einem schmalen Trampelpfad talwärts. 2 Hunde kommen mir entgegen. Ich wundere mich. Hunde gibt es in der Nähe menschlicher Siedlungen und nicht hier im Wald. Kurz darauf rieche ich Feuer und weitere Hunde begrüßen mich laut bellend. Einige Rumänen hatten hier einen alten Bauwagen abgestellt. Allem Anschein nach wohnten sie hier. Aus dünnen Baumstämmen war das Gerüst einer Scheune errichtet. Dieses Gerüst war mit Folie umspannt. Im Inneren standen 2 Pferde die sich an einem Heuballen gütlich taten. Weiter hinten im Wald, ein kleines Häuschen das wohl die Latrine darstellte. Leider konnte ich mich mit niemandem verständigen.
Am nächsten Morgen regnete es wieder Bindfäden. Auch an den zwei weiteren Tagen die ich noch wartete kam die Sonne nur recht selten zum Vorschein. Gegen Mittag des 17. Mai verließ ich Bran und sein bekanntes Dracula Schloss.
Mein Weg sollte mich zurück nach Brasov führen. Einkaufen, tanken und dann sollte es weiter gehen.
Wie nach jeder längeren Standzeit meines Wagens kontrollierte ich den Ölstand. Da könnte etwas mehr rein! Während ich das Schmiermittel einfüllte freundete sich Scheki mit einem anderen Hund an. Auch ich streichelte das Tier. Als ich sein Ohr berührte schrie es auf als wolle ich es töten. Ich betrachtete das Ohr. Der Hund trug einen Ohrring. So eine Plastikmarke die ihn als kastriert ausweist. Diese Marken sind mit einer Spitze ausgerüstet. Mit Hilfe einer speziellen Zange wird diese Kunststoffspitze durch die Haut des Ohres gestoßen und verhakt sich auf der anderen Seite im Gegenstück des Plastiks. Anschließend wird die Spitze abgeschnitten. Die Leute die diesen Ohrchip gesetzt hatten, hatten das Abschneiden der Spitze jedenfalls vergessen. Sie hatte die andere Ohrseite wund gescheuert. Ja, fast ein zweites Loch hinein gerieben. Die wunde Stelle eiterte und tat dem Tier weh. Ich zückte mein Taschenmesser und wollte die Spitze abschneiden. Der Hund schrie, und die Leute schauten mich an als ob sie glaubten ich schlachte mir gerade mein Mittagessen. Schließlich gelang mir die Notoperation, aber nicht ohne mir mein Messer in den Daumen zu rammen. Jetzt schrie ich.
Danach ging es endgültig los. Nach wenigen Kilometern ein rund 3 stündiger Stopp an einem Parkplatz mit W lan Anbindung und schon war ich wieder unterwegs. Der nächste Stopp war unfreiwillig. Vor mir schloss sich eine Schranke.

Nach einigen Minuten kam der Zug. Als er vorbeigefahren war kam ein Mann aus dem Bahnwärterhäuschen, ging zu einer Kurbel und kurbelte die Schranke nach oben. Nix Elektromotor! Hier in Rumänien gibt es noch Arbeitsplätze.
Als ich Brasov erreichte war es bereits dunkel. Ich hatte keine Lust den Kauflandmarkt im Dunkeln zu suchen, also parkte ich einfach irgendwo. Am nächsten Tag war der Markt schnell gefunden. Der Wechselkurs der integrierten Wechselstube war mir zu schlecht, also ging es erst einmal auf in die Stadt. Eine ganz andere Gegend von Brasov, hier kannte ich mich gar nicht aus. Danach war schnell eingekauft. Besonders erwähnenswert finde ich das Angebot der „Reduziert Ecke“. Was hier verkauft wird, halb ausgelaufene Colaflaschen, zerstörte Päckchen Mehl, Zucker und Kaffee die provisorisch in eine Plastiktüte eingewickelt werden, solche Dinge findet man wo anders im Abfall. Hier nicht.

Praktischerweise stellte mir Kaufland auch gleich sein W Lan zur Verfügung, so dass ich auf eine feucht fröhliche Chatrunde einfach dort nächtigte.
Nach einem gemütlichen Frühstück zog ich weiter. Gegen Nachmittag parkte ich meine Wohnung auf dem Gipfel eines kleinen Berges.

Genau da wo ich auch heute (4 Tage später) noch parke. Ich traue mich nicht hier weg zu fahren. Ich hätte unterwegs irgendwo tanken sollen, aber irgendwie lag keine Tankstelle auf meinem Weg. Ich hoffe mir bleibt der Karren nicht stehen. Ob ich mich morgen wagen sollte? Im Grunde gibt es keinen Grund mehr hier zu bleiben und ich wollte ja etwas schneller werden um noch im Sommer die Küste zu erreichen. Es gibt zwei Hauptrichtungen in die man wandern kann. Einmal nach Westen, und einmal nach Osten. Nach Osten wanderte ich gleich am ersten Tag meiner Anwesenheit. Herrliche Buchenmischwälder, und das junge, frische Grün des Frühlings. Die Berge sind eher mehr nur Hügel. Wenn ich irgendwo hoch will, dann ist das auch problemlos möglich. Keine Felswände, Gletscherspalten oder Abgründe. Höchstens mal ne sumpfige Wiese.
Gleich einen Tag nach meiner Ankunft wanderte ich los. Ich nutzte den kleinen Weg der an meinem Wagen vorbeiführt. Nach wenigen hundert Metern passierte ich ein einsames Gehöft, kurz darauf befand ich mich im in einem sonnendurchfluteten Buchenwald. Ich wanderte kreuz und quer, mal hier links mal da rechts. Immer den Weg nutzend der mir irgendwie hübscher aussah. Schon bald endete der Buchenwald zu Gunsten eines Nadelwaldes. Ich folgte einer ausgewaschenen Schlucht bergab. Sie endete auf einem kleinen Hügel. Er war Grasbewachsen und lies einen Blick ins Tal zu. Dort lag eine kleine Siedlung. Keine die Natur verschandelnden Betonbauten. Nein, hübsche kleine Holzhütten die sich perfekt in die Landschaft einfügten. Aus den Schornsteinen quoll Rauch der Kochfeuer, Wäsche hing zum trocknen über den Zäunen, Kinder tobten mit Hunden und Hühnern um die Wette. Ich setzte mich und beobachtete das Treiben eine Zeit lang aus meinem „Hinterhalt“. Dann kletterte ich die steile Wiese hinab. Rund 20 Minuten brauchte ich um die Hüttensiedlung zu passieren. Leider kam ich mit niemandem ins Gespräch. Über ausgedehnte Weideflächen ging es weiter. Schon bald erreichte ich Buzaului. Durch die Ortschaft folgte ich der Hauptstraße. Dann bog ich irgendwo links ab. Ich war mir sicher mich rechts halten zu müssen um zurück zum Wagen zu gelangen, dennoch schaltete ich das GPS ein. Eine gute Entscheidung, denn ich musste mich links halten. Eine Quer-Feld-Ein GPS Rallye begann, wer braucht schon Wege? Laut GPS war ich nur noch 250 m von meinem Fahrzeug entfernt. In der Realität befand ich mich in einem Wirrwarr aus jungen, brusthohen Buchen. Ich folgte dem Pfeil der Kompassrose, und tatsächlich, nach weiteren 100 oder 150 Metern trat ich aus dem dichten Unterholz und sah meinen Wagen direkt vor mir.
Am 21. Mai räumte ich Tisch und Stühle vor den Wagen, brühte eine Kanne Kaffee auf und ließ mich von der herrlichen Umgebung beim Reisebericht schreiben inspirieren. Auch den Morgen des 22. verbrachte ich mit dieser Tätigkeit. Irgendwann wurde mir das auf den Bildschirm gucken aber zu langweilig. Deswegen zog ich meine Wanderschuhe an und machte mich auf den Weg. Diesmal bewanderte ich die Piste neben meinem Wagen in die andere Richtung. Schnell über die Hauptstraße, und schon war ich auf dem Weg einen anderen Berggipfel zu besteigen. Nach einer knappen Stunde erreichte ich den Gipfel. 2 Hunde kamen mir entgegen. Ich bog um die nächste Kurve und ein weiteres Dutzend Hunde begrüßte uns laut bellend. Einige Schäfer hatten ihre Tiere gerade auf die eingezäunte Weide getrieben und machten es sich nun mit einem Feierabendbier im Schatten einer improvisierten Laube gemütlich. Ein paar der Hunde folgten uns noch gut und gerne 3 Kilometer bevor sie beidrehten und nachhause liefen. Die Wegstrecke war nicht ganz so abwechslungsreich. Meist führte sie über sonnige Weideflächen. Dichte Wälder gab es auf dieser Seite der Landstrasse nicht. Am frühen Abend erreichte ich Teliu. Von dort nutzte ich die Hauptstraße. Als ich mein Wohnmobil erreichte waren 3 befreundete Familien damit beschäftigt unmittelbar hinter meinem Fahrzeug eine Grillparty zu feiern. Schneller als ich gucken konnte hatte ich ein Kotelettbrötchen und eine Flasche Bier in meinen Händen. Zwei Erwachsene sprachen deutsch und die Sprösslinge waren der englischen Sprache mächtig. Wieder mal eine sehr lustige drei Sprachen Konversation. Gegen 10 Uhr war der Grill ausgebrannt und die Habseligkeiten in den Kofferräumen verstaut. Der deutschsprachige Mann fasste seine schätzungsweise 16 jährige Tochter an den Schultern, schob sie vor sich und fragte mich: „Willst du nix haben diese hübsche Frau für heiraten?“ Das arme Mädchen wand sich in Schamesröte aus dem Griff ihres Vaters und verschwand im PKW der Familie.
Auch den 23. Mai verbrachte ich vor dem PC. Am Morgen des 24. dachte ich bei einem Frühstückskaffee darüber nach, ob es Zeit sei abzureisen. Nach reiflichem Nachdenken entschied ich mich dagegen, packte meinen Rucksack und lief los.
In der Ferne sah ich es regnen. Aber es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Außerdem sollte es trocken bleiben. Mal wieder warnten mich einige Hunde vor, dass ich gleich auf eine Schafsherde stoßen würde, so blieb mir noch ausreichend Zeit meinen Schek an die Leine zu nehmen. Die Schafe schliefen friedlich im Schatten einiger Bäume. Als sie uns erblickten standen sie auf und beschnüffelten uns neugierig. Mein vierbeiniger Großwildjäger suchte ängstlich Schutz zwischen meinen Beinen. Ein Schäfer kam herbeigeeilt um seine Herde zurückzurufen. „Tourist von Schafherde gefressen!“ Das wäre ja auch mal eine Schlagzeile. Kurze Zeit später passierte ich die Behausung der Schäferfamilie. Mitten in den Bergen, fern ab von Elektrizität, einem Wasseranschluss oder einer mit PKW oder Motorrad befahrbarer Straße hatten sie ihr Domizil errichtet. Eine kleine Holzhütte mit Kamin und Außenkochstelle. Mindestens 6 Personen wohnten dort. Schäfer und Schäferin sowie 4 Kinder. Vom Säugling bis zum Halbwüchsigen war die ganze Alterspalette vertreten. Ich hätte gerne gewusst wie die das mit der Schulpflicht handhaben, aber eine Verständigung war nicht möglich.
Es ging bergab. Irgendwann erreichte ich den Bahnhof von Teliu. Ich folgte den Gleisen und spazierte kurz darauf über die Eisenbahnbrücke unter welcher ich vor 2 Tagen hergelaufen war. Nach wenigen Kilometern bog ich vom Schienenstrang ab. Ein Stück weit folgte ich einem kleinen Bach durch einen Buchenwald. Meine Schuhe lösten sich in ihre Bestandteile auf, aber sie sollten mich noch bis nach Hause bringen. Im großen Bogen ging es zurück nach Teliu. Auf einem Markt erstand ich 2 Mettwürstchen für sage und schreibe nur 75 Cent. Mit meinem Mittagessen im Gepäck ging es wieder in den Wald. Auf einer Lichtung machte ich Rast. Ich schaltete das GPS ein um mir den Heimweg zeigen zu lassen. Es führte mich erst einen Berg hinauf um mich diesen dann auf der anderen Seite hinab zu führen. Eine Zeitlang beschäftigte ich mich als Zahnarzt und rupfte einige Backenzähne aus dem Totenschädel einer Kuh. Dann erreichte ich die Hauptstraße, zum dritten Mal an diesem Tag war ich in Teliu. Ich schaltete das GPS aus und nutzte die Teeroute. Am Abend entfachte ich ein Feuerchen um mir stielgerecht einige Folienkartoffeln zu garen und kostenfrei mein Duschwasser zu erhitzen. Scheki jagte derweilen mit beachtlicher Ausdauer Maikäfer.
Am 25. ging es dann endgültig weiter. Am frühen Nachmittag startete ich den Motor. Bereits nach wenigen Kilometern passierte ich eine Tankstelle. Gott sei Dank! Ich tankte 40 Liter. 200 Kilometer weit komme ich damit mindestens, und ab da werde ich akribisch die Dieselfüllmenge in meinem Tank begutachten. Gar nicht so einfach bei einer defekten Tankanzeige, aber in Moldawien soll der Diesel nur rund 70 Cent Pro Liter kosten. Eins steht fest, in dieses Land reise ich mit nicht mehr als 5 Liter Kraftstoff im Tank ein und weit ist es bis dorthin nicht mehr.
Ich folge dem Fluss Buzau in Richtung der gleichnamigen Stadt. Links und rechts der Hauptstrasse erstrecken sich wunderbare Wälder. Kleine verträumte Dörfer liegen verstreut am Flussufer. Es hätte bestimmt irgendwo einen schönen Parkplatz gegeben, aber die Sonne schien, das Radio spielte so hübsche Musik, und irgendwie verspürte ich gar keine Lust anzuhalten. Fahren macht ja auch Spaß. Dennoch, rückwirkend betrachtet würde ich sagen es war ein Fehler nicht für einige Tage am Ufer dieses Stausees zu halten den die Buzau hier bildet.

Am frühen Abend parkte ich mein Wohnmobil in der Nähe des Bahnhofs Buzau. Nix wie auf in die Stadt.

Ich spazierte lange durch die winzige, menschenleere Fußgängerzone und die wenig belebten Seitenstraßen bevor ich den Tag für beendet erklärte.
Am nächsten Morgen unternahm ich einen neuen Versuch die Reize Buzaus zu finden. Während in Bran und Brasov alles für den Tourismus ausgelegt ist, ist Buzau eine Stadt für Rumänen. Für ganz normale Leute die hier eben wohnen. Klar findet man vereinzelt Hotels oder Restaurants, aber hier gibt es auch Wochenmärkte wie ich sie aus Rumänien kenne und nicht nur überteuerte Touristenboutiquen. Mehr oder weniger zwischenfalllos schaue ich mir alles an.
Am Abend lausche ich eine geraume Zeit dem Froschkonzert im nahen Park. Ich parke unmittelbar neben dem „Parcul Marghiloman,“ dem „young people park“ wie er auch genant wird, weil er am Wochenende von jungem Partyvolk belebt werden soll. Heute allerdings ist er bis auf ein paar frisch verliebte Pärchen menschenleer.
Den kommenden Tag startete ich in eben diesem Park. Hier steht eine alte Kirche, eigentlich soll es ein Schloss sein, erzählten mir zwei Mitarbeiter einer Security Firma die den ganzen Tag nichts Besseres zu tun haben als im Park Patrouille zu gehen. (Ein Wahnsinns-Job, den hätte ich auch gerne für ne Weile!) Für mich schaut das Ding aber eher aus wie eine Kirche. Um genau zu sein noch nicht einmal wie eine alte Kirche, sondern eher wie eine neue an der das Weiterbauen vergessen wurde. Schließlich sind alle Böden aus gegossenem Beton. Wie dem auch sei, ich musste da natürlich rein.

Ansonsten tat ich das Gleiche wie am Vortag. Einziger Unterschied das ich mit einem 55 jährigen Priester ins Gespräch kam. Der schwer übergewichtige Mann kletterte gerade ölverschmiert unter seinem Mercedes hervor als ich mit meinem Hund vorbeiging. Er sprach mich an. „Sorry, Englisch? German?“ Der Herr sprach gebrochenes Englisch und erkundigte sich nach der Rasse meines Hundes. Schon waren wir im Gespräch und ich erfuhr, dass er eigentlich orthodoxer Priester sei. Autoschrauben sei nur sein Hobby. Über 60 Fahrzeuge habe er in den vergangenen 25 Jahren besessen, alles Mercedes. Für ihn gibt es nur zwei Sorten Autos, Mercedes und die Anderen. Er kauft schrottreife Fahrzeuge an, schraubt solange dran herum bis sie wieder funktionieren und verkauft sie weiter. Zur Zeit repariere er die Stoßdämpfer. Ein Satz neue Dämpfer würde über 2000 Euro kosten erzählt er mir, deshalb schiebe er einfach eine zweite, dünnere Feder in die Originale und montiert diesen Eigenbau wieder am Fahrzeug. Das sei so gut wie neu beteuert er. Ich frage mich wie er dieses Konstrukt über das eigentliche Federbein geschoben bekommt, aber ich denke er hat sich da Gedanken drüber gemacht. Dann bekomme ich noch den Unterschied zwischen Demokratie und Kommunismus erklärt. Damals, unter Chauchesku habe es etwa 100 Man im Regierungsumfeld gegeben die sich die Taschen voll gestopft hätten. Heute, in der ach so tollen Demokratie gäbe es 1000 Leute die sich bereichern. Ansonsten hätte sich nix verändert weiß mein Gesprächspartner zu berichten. Bevor wir uns voneinander verabschieden bekomme ich noch einige hundert absolut grässlich kitschige Heiligenbildchen gezeigt die er zu seiner Berufsausübung benötigt.
Später lerne ich dann einen jungen Mann kennen. Er zeigt mir einen weiteren Park

und dann werde ich auf ein Bier in einer Rocker-Bar eingeladen.
Heute, äh gestern, es ist schon wieder 4 Uhr in der Früh, habe ich mich nicht weiter als 50 Meter von meinem Fahrzeug entfernt. Ich schlummerte noch in tiefsten Träumen als ein kindliches „Hello! what´s your Name?“ zu meinem geöffneten Fenster hereindrang. Ich blickte hinaus, dort standen 3 Mädchen. Die Älteste war 12 Jahre alt wie ich später erfuhr. Ich zog mich an und öffnete die Türe. Im Grunde war es eh viel zu warm um zu schlafen. Die Sprachkenntnisse der Kinder waren entschieden geringer als ihre Neugier. Zwei Mädchen wurde zur Bewachung bei mir zurückgelassen, damit ich auch ja nicht weglaufe, und das Dritte rannte nach Hause und holte ihre Schulhefte aus dem Englischunterricht. Deutlich erkannte man an den Eselsohren, den eingerissenen Seiten und den selbstgemalten Kunstwerken im Heft das Interesse des Kindes an der englischen Sprache. Es dürfte wohl gen Null tendieren. Aber jetzt, wo dieses komische Auto auf dem Parkplatz ihres Wohnblocks stand, war das Interesse englisch zu sprechen immens hoch, war es doch die einzige Verständigungsmöglichkeit mit dem komischen Kerl der da darin zu wohnen schien. Neugierig wurde ich ausgefragt, was den Kleinen auch erstaunlich gut gelang. Ich bin mir nur nicht schlüssig darüber ob sie auch meinen Antworten folgen konnten. Irgendwann verabschiedete sich das Trio.
Bereits eine halbe Stunde später, ich saß grade auf dem Klo, rief eine kindliche Stimme meinen Namen. Diesmal hatten die 3 ihren großen Bruder als Dolmetscher mitgebracht. Großer Bruder ist gut, älter als 14 war der wohl auch nicht. Aber sein Englisch war dann doch ein wenig besser, wenn auch nicht viel. Wir setzten uns in den Schatten meines Wagens und ich bekam rumänisch Unterricht mit einer kindlichen Unbefangenheit von der sich jeder Lehrer etwas abschauen kann. Ich erwiderte die rumänischen Lektionen meinerseits mit Englischnachhilfe. Nach ca. 3 Stunden wirklich lustigem Unterricht kann ich nun voller Stolz von mir behaupten auf rumänisch nicht nur bis 2 sondern bis 5 zählen zu können. Außerdem kann ich „verpiss dich“ sagen, was „marsch“ bedeutet. Immer wieder kamen andere Kinder vorbei, die mir alle als bester Freund oder beste Freundin vorgestellt wurden. Bald saßen wir mit 7; Mann wäre wirklich der falsche Ausdruck, aber eben mit 6 Kindern im Alter zwischen 8 und 14 Jahren vor meinem Wagen. Dann kam ein weiterer Junge vorbei. Er trug einen Fußball. Ich wurde zum Mitspielen aufgefordert.

Die Spielregen wechselten ständig. Die Grundregeln hingegen waren immer gleich. Man bildete so etwas wie einen Kreis, und dann wurde der Ball hin- und her gekickt. Mal mit den Füßen, mal mit den Händen, dieses Spiel wurde Volley genant. Wahrscheinlich bedeutet es wörtlich übersetzt Volleyball. Scheki fand das großartig, er war immer in der Mitte und rannte wie ein Wilder hin und her. Es gab auch ein Spiel das mir als „Icecream“ vorgestellt wurde. Man braucht wahrscheinlich viel kindliche Phantasie um den Zusammenhang zwischen Eiscreme und diesem Ballspiel zu erkennen, aber wer den Ball auf den Boden kommen lässt, der friert halt ein. Ich muss gestehen in meinem ganzen Leben noch nie so viel Zeit mit einem dämlichen Fußball verbracht zu haben wie heu… äh gestern.
Irgendwann wurde das Ballspiel langweilig und ich bekam ein rumänisches Spiel mit „Tradition“ erklärt. Ich frage mich zwar wie ein Spiel in dem Einweg PET Flaschen vorkommen Tradition haben kann, aber belassen wir es einfach dabei. Die Grundregeln sind gänzlich einfach: Man nehme eine alte PET Flasche, fülle sie mit Wasser und steche ein Loch in den Deckel. Wenn man jetzt auf die Flasche drückt, dann hat man so etwas wie eine Wasserpistole und was man mit einer Wasserpistole macht, das brauche ich ja wohl nicht zu erklären.
Ich kann Kinder nicht leiden. Wenn sie schreien und kreischen platz mir die Hutschnur. Aber wenn sie lachen und fröhlich sind, dann sind sie im Grunde gar nicht so übel und ich kann Spaß mit ihnen haben. Die Erfahrung habe ich schon öfter gemacht. Und für eine Wasserschlacht an einem warmen Tag ist man doch nie zu alt, oder? Ich jedenfalls nicht! Um halb 10 am Abend versammelten wir uns für ein Abschiedsfoto.

Ich verbrachte einen ganzen Tag mit irgendwelchen Kindern mit denen ich noch nicht einmal richtig sprechen konnte und ich muss sagen: Es hat richtig Spaß gemacht! Die offene und kindliche Art ließen Sprachschwierigkeiten vollkommen in den Hintergrund rutschen. Eine sehr schöne Erfahrung.
Mittlerweile ist es 5 Uhr in der Früh. Draußen dämmert es bereits. Noch fühle ich mich nicht müde und glaube daran in wenigen Stunden meinen Motor zu starten und aufzubrechen. Wie ich darüber nach dem Frühstück denke weiß ich noch nicht.
Gegen 10 Uhr am Morgen mache ich mich ein letztes Mal auf den Weg Richtung Buzau Zentrum. Ich möchte noch einmal ins Internet bevor ich in unbekanntes Gebiet aufbreche. Doch Scheki humpelt. Er zieht seinen rechten Hinterlauf nach. Ich betrachte das Pfötchen und kann nichts Auffälliges feststellen. Wahrscheinlich hat er gestern einen hart getretenen Ball vor die Flanke bekommen und hat nun Schmerzen vermute ich.
Ich bringe das Tier zum Wagen und gehe alleine. Nach meinem Morgenspaziergang ist jegliche Müdigkeit verflogen und ich starte mein Fahrzeug.


Weiter geht es in Braila und Galati.

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Bild: Danke
Für die Vorstellung meiner Reiseberichte in einem Blogartikel auf Mylius on Tour.
Auch wenn Du nicht meine Ansichten zu Staat und Politik teilst wünsche ich dir alles Gute :-)




Kleine Häuser auf Rädern, auf dem Wasser und in Bäumen.


Denk an mich bei deinem nächsten Amazon Einkauf.

5% deines Einkaufs fließen in meine Reisekasse und ermöglichen es mir auch morgen und übermorgen noch unterwegs zu sein.
Danke!


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© myhomeismycar Wohnmobil Reiseberichte