Wohnmobil Reisebericht Braila und Galati

Über schlaglochlose Straßen fahre ich Braila entgegen. Im Abstand von ca. 10 Kilometern eine Radarkontrolle. Arbeitsbeschaffungsmaßnahme! Die Rumänen lernen von uns. Auf den schlaglochreichen Pisten in den Karpaten hab ich nie einen Polizisten gesehen der die Radarpistole auf mich gerichtet hätte. Schlaglöcher hin, Schlaglöcher her, mein Wagen ist eh nicht zum zu schnell fahren gebaut, deshalb sind mir die Geschwindigkeitswächter gleichgültig. Die Landschaft ist eintönig, monoton. Links und rechts der alleenartigen Landstraße befinden sich Felder. So weit man sehen kann sieht man Felder im gleißenden Sonnenlicht auf einer Fläche die so eben ist, dass man meinen könnte sie sei von einer Dampfwalze eingeebnet worden.

Gegen 4 Uhr erreiche ich Braila. Ein Schild verbietet Fahrzeugen größer als 3,5 Tonnen die Weiterfahrt. Ich biege rechts ab und parke kurz darauf in einer Wohnsiedlung. Trotz Humpelpfote springt mir Scheki freudig entgegen. Er scheint genauso gespannt darauf zu sein die neue Heimat zu entdecken wie ich. Gegen 20 nach 4 Uhr sitzen wir am Donauufer.

Kurz darauf freundet sich Scheki mit einem Irisch Setter an. Während sich die beiden Tiere augenblicklich gut verstehen haben wir Halter so unsre Kommunikationsprobleme. Ich erfrage den Weg Richtung Stadtzentrum, und meine neue Bekanntschaft fordert mich auf ihm zu folgen. Vor seinem Wohnhaus angekommen erklärt er mir den Weg. Geradeaus und am Ende rechts und schon sei ich im Zentrum des Zentrums lässt er mich wissen. Bevor ich weitergehen darf werde ich allerdings noch auf einen Wein eingeladen.
Als ich den hübschen Innenhof meines neuen Freundes verließ, war es bereits nach 8 Uhr, und der Wein sorgte dafür dass ich Braila gleich doppelt wahrnahm. Ich schlenderte noch kurz durch die wie ausgestorben wirkende Fußgängerzone und kehrte dann zum Donauufer zurück um den Heimweg anzutreten.
Kurz bevor ich mein Fahrzeug erreiche, treffe ich auf eine riesige Menschenansammlung. Restaurants und Kneipen waren gut besucht, Grills waren aufgebaut und es duftete nach Mici, der rumänischen Version der kroatischen Chevapchichi. Nach einem besondern Straßenfest sah es hier irgendwie nicht aus, mehr nach einer alltäglichen Partymeile unten am Donauufer. Aber mir war es egal, ich hatte die Nacht nicht geschlafen und viel zu viel Wein getrunken.
Wer glaubt, dass ich am nächsten Morgen wenigstens hätte ausschlafen können, der irrt sich. In aller Herrgottsfrühe weckte mich die Polizei. Ich parke vor dem Haus einer alleinstehenden Dame, lässt sie mich wissen. Diese hätte sie angerufen weil ich doch ein wenig eigenartig ausschaue und sie ein ungutes Gefühl hätte. Hier könne ich nicht stehen bleiben wurde ich belehrt. Aber am nahe gelegenen Carfour Supermarkt sei Platz genug für mich. Ich versprach schnellstmöglich zu verschwinden und auch die Polizei verschwand. Auf Supermarktparkplatz hatte ich allerdings keine Lust, deshalb ignorierte ich das „Durchfahrt verboten“ Verkehrsschild und fuhr zu einem großen zentrumsnahen Platz direkt am Donauufer. Kaum hatte ich geparkt verfiel ich in einen festen Schlaf. Scheki schlief unter dem Wagen, denn das schließen der Türe hatte ich glatt vergessen. Erst am frühen Nachmittag zog ich los die Gegend weiter zu erkunden. Mit Ausnahme einer Einladung zum Essen von meinem neuen Freund und Namensverwandten mit dem Irisch Setter, den ich zufällig wieder traf, geschah die nächsten 3 Tage nicht sehr viel erzählenswertes. Ich ging viel spazieren, besichtigte einige Schiffswracks, genoss die Aussicht aus meinem Fenster, meinen kleinen Privatstrand und den herrlichen Stellplatz.
Erst am Mittag des 2. Juni beschloss ich etwas Außergewöhnliches zu tun. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt das Donaudelta mit meinem Schlauchboot zu erkunden. Über Couchsurfing hatte ich bereits den vergeblichen Versuch unternommen eine Bleibe für mein Wohnmobil zu finden. Auch wenn ich noch keinen sichern Ort für meinen fahrenden Wohnsitz hatte, so wollte ich dennoch zu einer Probefahrt aufbrechen. Kurz nach Mittag stach ich in See.

Mit der Strömung der Donau beschleunigte ich auf gute 6 km/h. Am Ufer standen Angler und Schweine.

Leider begann es schon bald zu regnen, so dass ich unter meinem Boot Schutz suchen musste.

Nach ca. 2 Sunden Wartezeit ging es weiter. In Sichtweite lag eine Insel. Diese wollte ich noch umrunden bevor ich mich auf den Rückweg machen würde.

Fischer feierten eine kleine Party auf dem Island, Rauch stieg von einem Lagefeuer empor, traditionelle Livemusik schallte über das Wasser. Ich ruderte näher an das Ufer heran und wurde freundlich gegrüßt. Leider nicht eingeladen. Um 17 Uhr und 31 Minuten hatte ich das Ende der Insel erreicht.

Von jetzt an war das Rudern schwieriger. Irgendwie hatte ich dann wohl doch die Strömung der Donau unterschätzt. Selbst mit größter Anstrengung ließ sich keine höhere Geschwindigkeit als 3 km/h erreichen. Mehr oder weniger pausenlos kämpfte ich mich Meter für Meter voran. Wenn ich die Ruderei auch nur für wenige Augenblicke unterbrach, trieb mich die Strömung in die entgegen gesetzte Richtung fort. Völlig erschöpft erreichte ich gegen halb 12 Nachts meinen Wagen. Ich schob das Boot unter das Fahrzeug, futterte noch das Päckchen Kekse, das ich mitgenommen, aber nicht gegessen hatte und fiel ins Bett.
Am nächsten Morgen erwachte ich spät. Ich räkelte meine schmerzenden Glieder, setze einen Kaffee auf und verließ mit ihm in der Hand meinen Wagen. Mein Boot war verschwunden, gestohlen! Weder mein Hund hatte gebellt noch hatte ich es selbst bemerkt als die Diebe es unter meinem Auto vorzerrten. Ich suchte die nähere Umgebung ab. Vielleicht konnten sie es ja nicht gleich transportieren und haben es irgendwo zum Luftentleeren versteckt. Aber ich wurde nirgends fündig. Dann blickte ich mit dem Fernglas auf das gegenüberliegende Donauufer. Da, hinter einem Baum, da liegt doch was gelbes. Ich dachte nicht lange nach, zog mich aus, sperrte Scheki in den Wagen und sprang in die Donau. Nach rund 40 Minuten erreichte ich einige hundert Meter unterhalb des anvisierten Punktes das gegenüberliegende Ufer. Ich folgte dem herrlichen Sandstrand zu Fuß zurück zu der Stelle die ich mit dem Fernglas gesehen hatte. Es handelte sich nicht um mein Boot, sondern um den gelblich schimmernden Stamm eines gefällten Baumriesen. Scheiße! Boot geklaut!
Deprimiert schwimme ich zurück und schlendere anschließend noch einmal zum Fähranleger an welchem ich gestern vorbeigerudert war.

Von meiner Parkfläche aus blickt man nicht etwa auf Festland, sondern auf eine angeblich mehrere 100 km² große Insel welche beidseitig von Donauarmen umspült wird. Sie soll hauptsächlich aus Sumpfgebieten bestehen und bei Hochwasser größtenteils überflutet werden wie mir erzählt wurde. Eigentlich wollte ich dieses Gebiet zumindest in Teilen entdecken, jetzt ist mir dies mangels Boot nicht mehr möglich.
Am 4. Juni zog ich auf der Suche nach einem Praktiker Baumarkt, dieser soll Schlauchboote im Angebot haben, in eine andere Richtung als gewohnt los. Noch bevor ich den Baumarkt fand, erblickte ich einen eigenartigen Turm.

Ich ging darauf zu und warf einen Blick durch eingeschlagene Fensterscheiben ins Turminnere. Schieber, Hähne, Rohre, Kessel in der Mitte etwas das ich als überdimensionale Feuerstelle ausmachen würde. Mitten in einem Wohngebiet steht hier ein altes Blockheizkraftwerk. Zumindest komme ich zu keinem anderen Schluss. Ich gehe weiter und finde Praktiker. 160 Lai, 40 Euro, kostet ein neues Boot. Es ist ein bisschen kleiner als mein Altes, allerdings wohl ausreichend. Lange stehe ich vor dem Pappkarton im klimatisierten Baumarkt und denke nach. Am Ende gehe ich ohne das Boot erworben zu haben. Mein letztes habe ich am Strand gefunden, vielleicht würde ich wieder eins finden. Derzeit habe ich keinen sichern Parkplatz für meinen Wagen, also brauche ich kein Boot.
Am späten Nachmittag wurde ich auf der gesperrten Hauptstraße welche parallel zur Donau führt Zeuge eines Radrennens. In 20 Minuten Abstand raste ein kleiner Pulk von Radfahrern unter dem Zielbogen hindurch.

Mir war das Schauspiel zu langweilig. Da kommen 10 oder 15 Radfahrer, dann passiert 20 Minuten gar nix und dann kommen die nächsten 10. Irgendwann fand an dieser Stelle wohl auch so etwas wie eine Siegerehrung statt, aber ich zog es vor weiterzuziehen da mir niemand sagen konnte wie lange das noch dauert. Irgendjemand erzählte mir es handele sich um die „Tour de France“ aber das glaube ich jetzt nun weniger, eher ist das die „Tour de Rumania“.
Den 5. Juni ließ ich ruhig angehen. Als erstes besichtigte ich die zerfallenen Hallen der Fabrikbrache in deren unmittelbaren Umgebung ich parkte und die ich noch nie von näherem betrachtet hatte. Es gab allerdings auch nichts zu entdecken. Eingestürzte Häuser und Hallen, Schutt und Unrat. Eine Brache welche langsam aber sicher von der Natur zurückerobert wird. Zwei Männer, anscheinend Vater und Sohn, waren mit Hammer und Meißel beschäftigt einzelne Steine vom Putz zu befreien um sie recyceln zu können. Sie stapelten Ihre Beute sauber am Straßenrand von wo sie eine mit Bollerwagen ausgestattete Frau abholte, um sie keine Ahnung wie weit, zu einem neuen Bauplatz zu transportieren.

Danach setzte ich mich mit einer Angel bewaffnet vor meinen Wagen. Schon bald lernte ich meinen Nachbarn kennen. Auch er war mit einer Angel ausgestattet. Er wohnte in einem kleinen Häuschen, keine 30 Meter von meinem Wagen entfernt. Ich hätte gedacht, dass es sich um einen Werkzeugschuppen oder ähnliches, aber nicht um ein Wohnhaus handeln würde. Die Kommunikation war bruchstückhaft, aber als mir mein neuer Freund sein Eigenheim zeigte war mein ursprünglicher Gedanke „Werkzeugschuppen“ bestätigt. Ich glaube, das Einzige was ihm an diesem Bauwerk gehörte war das Vorhängeschloss an der Türe. Ich hatte einen Blick in dieses Haus geworfen als ich mein Boot suchte und bemerkt das es mit einem Bett ausgestattet war, aber dass hier jemand wohnt, das hatte ich nicht bemerkt.
Ein faulig modriger Geruch schlug mir entgegen als mein neuer Freund die Türe öffnete. Der Putz blätterte von den Wänden, deutlich war Nässeeinbruch und Schimmel auszumachen. Ein Pappkarton diente als Nachttisch, darauf ein batteriebetriebenes Radio, ein Aschenbecher und eine Flasche Schnaps. Daneben das Bett und nahe der Türe ein alter heruntergekommener Sessel. In einer Ecke stand eine große Holztruhe auf Kanthölzern, wahrscheinlich um sie vor Bodenfeuchtigkeit zu schützen, aus welcher mein Gastgeber einen kleinen Propangaskocher, eine Pfanne und einige Gewürze hervorkramte um unsren Fang direkt am Strand zubereiten zu können. Jedes auch noch so kleine Fischlein wurde einzeln gebraten und sein Geschmack in den höchsten Tönen gelobt. Jeder einzelne Bissen wurde mit einem Schlückchen aus der Schnapsflasche heruntergespült. Wenn der Fisch als solches tatsächlich lecker war, so verging mir der Appetit wenn ich die Flasche mit dem widerlichen, scharf brennenden Alkohol angeboten bekam. Hatte der kein Bier? Ne, scheinbar nicht. Ich hatte auch keins. Nur Wasser, Kaffee und Tee. Dafür hatte ich einige gekochte Kartoffeln, Salz und Butter als Beilage zu den kleinen Fischen im Angebot, so dass man von dem Essen tatsächlich auch satt werden konnte. Am späten Nachmittag verabschiedeten wir uns voneinander und ich zog noch einmal alleine in die Stadt.
Am nächsten Morgen putzte und polierte ich mein Fahrzeug auf Hochglanz. Ich hatte beschlossen Braila zu verlassen um weiter zu ziehen. Am Nachmittag startete ich den Motor. Bereits nach 200 Metern mein erster Stopp. Wassertanken in Braila.

Nach ca. 30 Minuten Fahrzeit und rund einer Stunde um den Block kurven hatte ich eine brauchbare, wenn auch keine schöne Parkfläche in Galati gefunden. Sie lag direkt an der eingehenden, von Braila kommenden Hauptstraße die ich auch mit meinem Truck hätte befahren dürfen. Leider habe ich sie bei der Anfahrt Richtung Galati nicht gefunden so dass ich mich mal wieder über die Gewichtsbegrenzung hinwegsetzen musste. Schräg gegenüber ein Bila Markt und W-lan inklusive, was ich eher zufällig bemerkte. Nun gut, es hätte schlimmer kommen können.
Als erstes verfasste ich eine E Mail an Catalin. Catalin wohnt hier in Galati und er hat mich angeschrieben nachdem er mein „Can you host my truck“ Posting auf Couchsurfing gesehen hatte. Helfen könne er mir zwar nicht, aber treffen wolle er sich gerne. Ich schrieb ihm, dass ich vor wenigen Minuten angekommen sei, und einem Treffen somit nichts mehr im Wege stünde. Dann kaufte ich mir ein kaltes Bier. Als ich zurück kam hatte ich bereits eine Antwort im Postkasten. Heute Abend 8 Uhr am Papadie Springbrunnen? Inklusive Google Maps Link und einem Photo vom Treffpunkt. Ich antwortete: „Geht klar,“ und machte mich auf, den Treffpunkt zu suchen. Dabei bemerkte ich, dass ich doch einige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt geparkt hatte. Über stark befahrene Hauptstrassen lief ich orientierungslos durch die Gegend. Letztendlich fand ich den Brunnen dennoch rechtzeitig.

Mit wenigen Minuten Verspätung traf auch Catalin ein. Wir zogen los, er wollte mir die Stadt zeigen. Es ging bergab, etwa 10 Minuten später erreichten wir das Donauufer. Wir bogen links ab und abermals 10 Minuten später wurde ich auf ein sündhaft teures Bier in einer Gaststätte eingeladen. Anschließend ging es in einem großen Bogen zurück zu meinem Fahrzeug, denn Catalin war neugierig auf mein Wohnmobil. Erst saßen wir vor meinem Wagen, später darin. Es war bereits spät in der Nacht als wir uns voneinander verabschiedeten. Wer glaubt ich kenne jetzt Galati, der irrt sich. Aber es war ein schöner Abend und der nächste Tag ist auch noch ein Tag.
Nach einem ausgiebigen Frühstück nutzte ich die Straße die ich bereits am Vortag gelaufen war. Bald darauf erblickte ich die Donau.

Ich schlenderte die Promenade entlang

und erfreute mich an den vielen andern Hunden mit denen mein Scheki Freundschaft schloss. Irgendwann bog ich links ab und benutzte die Stufen die in die City zu führen schienen. Durch eine rund 200 Meter lange Fußgängerzone ohne Geschäfte oder sonstige Attraktionen erreichte ich das eigentliche Zentrum.

Diese Allee ist rund 100 Meter lang. Es gibt einige Kaffeehäuser und kleinere Geschäfte. An ihrem Ende wird der Blick auf die hässlichen Plattenbauten durch einen Springbrunnen versüßt.

Ich bin enttäuscht. In meinem ADAC Reiseatlas wird Galati als touristisch sehenswürdig gekennzeichnet. Wo bitte sind die Highlights? Verzweifelt suche ich so etwas wie ein Zentrum, aber das scheint es nicht zu geben. Zumindest nicht in dem Sinne eines autofreien Bereichs. Ich gehe zurück zur Donau und folge ihr weiter stromabwärts.

Hier sehe ich es, mein erstes Haus in Galati das mich nicht an Plattenbau erinnert.

Rund 20 Minuten folge ich der Uferpromenade. Dann endet diese an einem Zaun. Rechts die Donau, links ein baufälliges Haus welches ich natürlich erkunden muss.

Ich gehe zurück ins „Stadtzentrum“ von Galati und folge einer breiten Hauptstraße die ich noch nicht gegangen bin. Hier stehen sie, die Highlights aus meinem ADAC Atlas.
Wahnsinn! Ich bin begeistert! Echt sehenswert, gut das ich angehalten habe. Aber dann, dann finde ich etwas das mich wirklich interessiert und das ich mindestens 30 Minuten lang von allen Seiten sehr gründlich und ausgiebig betrachte. Ein echtes osteuropäisches Auto des Herstellers Eigenbau:

Ist es nicht geil? Also damit würde ich auch gerne mal ne Runde drehen. Besser als jeder Ferrari. Zu schade dass es nicht fährt! Das Vehikel parkt in einem kleinen Park vor dem Kunstmuseum. Der Auspuff ist nur Zierde, im Inneren der bleischweren Konstruktion befinden sich die Pedale eines Fahrrades. Die Technik schaut so aus, als wenn man das Gefährt tatsächlich einstmals mit Muskelkraft fortbewegen konnte. Aber heute sind die stümperhaften Schweißnähte gebrochen, so dass die Antriebsaggregate lose herumbaumeln.
Auf der anderen Seite des Museumseingangs der Pendant des Autos. Ein Motorrad. Nicht halb so geil.
Ich überquere die Hauptstrasse und gelange in einen großen Park.

Ich raste eine Weile im Schatten großer Bäume bevor ich ans Parkende gelange und über einen Industriebahnhof hinweg auf die Donau blicke. Über kleine unauffällige Nebenstrassen gelange ich im Zick- Zack- Kurs zurück ins „Zentrum“. Ich wähle eine zweite Hauptsraße die, wie ich heute weiß, geradewegs auf den Springbrunnen Papadie zuführt. Links und rechts sehe ich überall diese wunderschönen Legebatterien … äh nein, Plattenbauten wollte ich sagen und in der Mitte eine achtspurige Hauptstraße. Galati hat wirklich einen besondern Flair.
Da so viel laufen hungrig macht, betrete ich ein kleines Geschäft und kaufe mir nach reiflichem überlegen eine Biskuitrolle für umgerechnet 50 Cent. Mit ihr setze ich mich in einen kleinen Park … äh sorry, auf einen Grünstreifen mit Bäumen neben der Hauptstrasse. Da alle Sitzbänke im Schatten belegt sind entscheide ich mich für ein Stückchen grüne Wiese als Picknickplatz. Mit meinem Taschenmesser öffne ich die Folie des Kuchens und zerschneide ihn in handliche Teile. Ich hatte gerade das erste oder vielleicht auch das zweite Stückchen verspeist als ich angesprochen wurde. Hinter mir standen zwei Polizeibeamte. „You speak englisch or german?“ „It is forbidden to eat her. This is a publick place and here is not Germany. Your knife is also forbidden. To Big!” Antwortete der Polizist auf meine Frage. Ich konnte mir das Lachen kaum verkneifen. „Es ist also verboten in rumänischen Parks einen Kuchen zu essen?“ Fragte ich den Polizisten mit den englischen Sprachkenntnissen. „You park your Truck near Bila?! Show me your Passport.“ Jetzt verging mir das Lachen und zwar deftig. Woher weiß der wo ich parke? Ich bin noch keine 48 Stunden hier und mindestens 6 oder 7 Kilometer von meinem Auto entfernt. Hab ich die Stasi am Arsch? Geheimpolizei? Steuerfahndung? „I saw you last evening whit a friend.“ Antwortete der Polizist auf meine Frage woher er wüsste wo ich parke und erklärte mir weiterhin, dass er in der Gegend wohnen würde. Nachdem ich versprach meinen Kuchen wo anders zu essen wurde ich laufen gelassen. Kein Gefängnis und keine Geldstrafe wegen unerlaubter Nahrungsaufnahme oder verbotenem Waffenbesitzes bzw. wegen heimtückischen Meuchelmordes an einem wehrlosen Kuchen mit einem viel zu großen Taschenmesser.
Ich ging weiter und aß meine Speise hinter der nächsten Ecke beim Gehen weiter. Ein eigenartiges Ereignis.
Kurze Zeit später erreichte ich Papadie. Rechts geht es zu meinem Wagen, dort wollte ich nicht hin. Also ging ich links, zurück zur Donau. Diesmal folgte ich ihr stromaufwärts.

Bald darauf passierte ich den Fähranleger. Hier endet die Uferpromenade, die Asphaltstraße biegt rechts ab. Geradeaus ein Parkstreifen der von einem gürtelhohen Zaun abgegrenzt wird. Deutlich erkennt man die Stelle an der die Menschen über den Zaun klettern. Auch der dahinter liegende, breit ausgetretene Trampelpfad ist deutlich zu erkennen. Auch ich klettre über den Zaun und folge der Donau weiter. In einem weiten Bogen führt mich der Weg um etwas herum das ich als das leere Becken einer Kläranlage gedeutet hätte. Dann habe ich rechter Hand wieder eine Asphaltstrasse neben mir. Ich bleibe am Donauufer und verlasse dieses erst als mich eine eingezäunte Sandfläche dazu zwingt. Ein künstlich angelegter Strand! Menschen liegen auf Handtüchern herum und holen sich Hautkrebs, spielen Beachvolleyball oder sitzen an einer kleinen Cocktailbar. Die Donau ist nicht zu sehen. Zwischen künstlichem Strand und natürlichem Ufer ein ca. 30m breiter Grünstreifen mit Bäumen. Auf der anderen Seite der Asphaltstraße ein Freibad. Ich begehe die nahezu autofreie Straße. Nach einigen hundert Metern sehe ich rechter Hand einen Treppenaufgang der zu einem Funkturm zu führen scheint. Ich beschließe dort hinaufzulaufen. Auf halbem Weg ein Kassenhäuschen. In meine Wegrichtung habe ich freie Fahrt, bzw. freien Gang. Aber wer in die andere Richtung möchte, muss Eintritt bezahlen. Ohne es zu wollen habe ich herausgefunden wie man kostenlos in Galatis Freibad kommt und wenn ich meine Worte noch einmal lese, hab ich es auch mal wieder geschafft dieses Wissen zu verbreiten. Das Freibad von Galati gehört der Stadt, Eintrittsgelder gehen an die gleiche Institution die die Menschen bezahlt, die mir das Essen verbieten. Ich tue nix böses! Da bin ich mir sicher.
Die Treppen enden in einem Park. Von hier hat man eine phantastische Fernsicht über die Donau.

Ich schalte das GPS ein und folge dem roten Pfeil der permanent auf mein Auto zeigt über eine weitere von Plattenbauten verzierte Hauptstrasse. Nach etwa 6 Kilometern erreiche ich mein Heim. Wenige Minuten zu spät um mir im nahen Bila ein kaltes Bier kaufen zu können.
Am 8. inspizierte ich mehr oder weniger noch einmal genau die gleiche Gegend wie am Tag zuvor. Ich verweilte lange am Donauufer, dem wahrscheinlich einzigen wirklich schönen Platz in Galati und begutachtete noch einige Seitenstaraßen die ich mir am Tag zuvor noch nicht angeschaut hatte, konnte aber nichts Aufregendes entdecken. Menschen die ich traf fragte ich nach einer sicheren Bleibe für einen LKW dessen Besitzer die Donau hinunterrudern möchte, aber niemand konnte mir helfen. Gegen 9 Uhr am Abend kehrte ich zu meinem Wagen zurück. Schräg gegenüber meiner Wohnstädte stand ein kleiner roter Dacia. Türen und Kofferraum standen offen, Musik drang aus dem Inneren. 7 oder 8 junge Leute standen um das Fahrzeug versammelt tranken ein Bier und unterhielten sich. Ein Typ in legerer Jogginghose sprach mich an: „You remember me?“ Gleichzeitig bot er mir einen Schluck Bier an. Ich betrachtete den Kerl gründlich und erwiderte dann, dass ich keine Ahnung habe wer er sei. Er sei der Polizist mit dem Kuchen erwiderte der sympathisch dreinschauende Kerl der gerade Alkohol auf einem öffentlichen, rumänischen Gelände trank, was mit Sicherheit verboten ist. Genau darauf machte ich ihn aufmerksam. „Schon richtig“ antwortete er schlaksig, „aber ich bin grad nicht im Dienst.“ Er prostete mir zu und nahm einen tiefen Schluck.
In T-shirt und Jogginghose, mit einem Bier in der Hand war mir der Kerl viel sympathischer als in seiner hässlichen Uniform. Deshalb beschloss ich ein wenig mehr über das seltsame Kuchenessverbot in Erfahrung zu bringen. Aber mein Polizist in Zivil gab mir nicht viele Informationen. „Es sei nun einmal verboten, und er würde dafür bezahlt dieses Verbot durchzusetzen. Im Grunde sei es ihm scheiß egal und er hätte dieses Gesetz nicht erlassen.“ Mehr brachte ich nicht in Erfahrung. Ach ja doch, das Gehalt eines rumänischen Streifenpolizisten erfuhr ich ganz beiläufig 350 Euro! Armes Schwein. Dafür muss der Kuchenesser vertreiben. Ich verdiene mit dieser Homepage nur rund 150 Euro weniger und kann tun und lassen was ich will.
Wirklich aufregend wurde es am nächsten Tag. Da überschlugen sich nämlich die Ereignisse. Gegen 12 Uhr Mittags verließ ich eine Wechselstube. Ich brauchte mal wieder ein bisschen neue Landeswährung. Kaum hatte ich den Laden verlassen wurde ich angesprochen. Schnell einigten wir uns auf Englisch. Als mein Gegenüber bemerkte, dass ich Deutscher war, erzählte er mir, einmal 3 Monate in Deutschland gelebt zu haben und zwar im Squat Erfurth. Im Squat Erfurth war ich auch, und tatsächlich mein neuer Freund, dessen Namen ich leider vergessen habe, kannte die gleichen Leute die ich auch kannte. So klein ist die Welt!
Ich wurde eingeladen ihm zu folgen. Er müsse zu einem Spielkasino am anderen Ende der Stadt in welchem seine Freundin arbeitet um ihr das Handy zu bringen das sie am Morgen hat liegenlassen. Es sei ein weiter Weg, aber da könne er mir gleich ein wenig Galats zeigen. Da ich eh nichts anderes vor hatte als durch die Stadt zu laufen nahm ich die Einladung an. Wir unterhielten uns über Gott und die Welt. Über absurde Modezwänge und Menschen die sich ihnen bedingungslos unterwerfen. Meine Socken seien der Grund dafür, dass er mich angesprochen habe, gestand mein neuer Freund. Ich schaute an mir hinab. Ungeputzte, knöchelhohe Lederschuhe deren Obermaterial brüchig geworden ist und links und rechts der Sohle ungewollte Belüftungslöcher bildet. Oben heraus schauen rot weiß gestreifte Ringelsocken die sich bis zur Kniekehle erstrecken. Dann ca. 20cm nackte Haut bevor eine abgeschnittene, schwarze Jeanshose beginnt deren linke Gesäßtasche vom Vorbesitzer herausgeschnitten wurde. (Also kein Loch in der Hose, nur ein Loch in der Tasche) Noch darüber ein rotes Adidas T-shirt. Auf der Vorderseite hat es ungezählte Löcher weil ich es ständig im Reisverschluss meiner Hose einklemme, hinten hat es ungezählte Löcher weil mein Rucksack es gegen die scharfkantige Taschenlampe drückt die ich ständig am Gürtel trage und der Kragen ist durchgescheuert weil das Ding einfach uralt ist. Wie jemand der sich Modezwängen unterwirft sah ich nun wirklich nicht aus, das muss ich zugeben. Auch meine Begleitung wirkte eher alternativ mit seiner Glatze, dem freien Oberkörper, ungezählten, eher schlecht gestochenen Tattoos, der abgeschnittenen Tarnfleckhose und den 2 Euro Sandalen. „Menschen schauen immer auf Äußerlichkeiten, dabei würden doch innere Werte viel mehr zählen“ meinte mein Gegenüber und ich musste ihm recht geben. „Aber in Deutschland sei das noch schlimmer, selbst die Leute aus dem Squat die sich selbst keinen Zwängen unterwerfen urteilten nach Äußerlichkeiten. Er habe so viele Skins als Freunde gehabt in Deutschland, aber im Squat seien die alle als Nazis abgestempelt worden was totaler Blödsinn sei.“ Ich musste meinem neuen Freund recht geben und erzählte von den Diskussionen die ich wegen meiner Böhse Onkelz Aufkleber am Wagen an diversen alternativen Plätzen gehabt hätte. Ich musste nichts erklären, mein Freund kannte die Band. Er verstand zwar nicht die Texte, fand aber den Sound geil und wusste, dass sie bei vielen als Nazi Band verschrien ist. „Diese Klassifizierungen sind schrecklich. Skins, Hippies, Punks, Emos … Warum gibt es nicht einfach mehr Leute die diesen Scheiß nicht mitmachen und einfach von sich behaupten sie seien sie selbst? Jeder versucht sich irgendeiner Gruppe zuzuordnen, selbst die, die sich das nicht eingestehen und unterwirft sich somit einem Gruppenzwang. Selbst wenn der Gruppenzwang 10cm hochgegeelte grün-gelbe Haare heißt.“ Wir waren uns einig, und auf diese Einigkeit mussten wir mit einem Bier anstoßen. Dann verschwand mein Freund für 10 Minuten in dem Spielsalon um das Handy zu übergeben. Auf dem Rückweg nutzen wir die Straßenbahn. Ich erzählte eine Geschichte meiner Reise die sich auf das Straßenbahn fahren bezog. Um ehrlich zu sein, hab ich diese Geschichte noch nicht einmal auf dieser HP erwähnt. Es war spät in der Nacht in Zagreb. Eine Gruppe junger Leute lud mich ein mit ihnen eine kleine Stadtrundfahrt in der Straßenbahn zu unternehmen. Dort könne man sich gut unterhalten und es sei warm. Ich willigte ein. An irgendeiner Haltestelle fand mein Hund die Idee auszusteigen sehr gut, während ich sitzen blieb. Die Türen schlossen sich, die Bahn fuhr ab, der Hund war draußen und ich war drinnen. Ich bekam die Panik, doch mein einheimischer Freund zog beherzt die Notbremse und einige Augenblicke später war mein Tier wieder bei mir. „Pass auf, dass dir das nicht hier passiert,“ erwiderte mein Freund „In Galats sind die Notbremsen demontiert; zu hohe Missbrauchsrate,“ lässt er mich wissen. Tatsächlich, er hat Recht.

Mein Freund wollte kurz zu sich nach Hause um seine eigenen Hunde zu holen, danach wollten wir uns in einen Park setzen und die Tiere spielen lassen. Soweit der Plan. Doch schon bald gerieten wir in ein urplötzlich einsetzendes, sintflutartiges Gewitter vor welchem wir pitschnass im Eingang eines Plattenbaus Schutz suchten.

Rund eine Stunde warteten wir dort zusammen mit einem jungen Mädchen und einem alten Herrn darauf, dass sich das Wetter besserte. Dann zogen wir weiter. Mein Freund traf einige andere Freunde die sich uns anschlossen. Glücklicherweise lag mein Wagen eh mehr oder weniger auf dem Weg, so dass es keinem etwas ausmachte einen kleinen Abstecher zu unternehmen damit ich mich trocken anziehen kann. Dann ließen wir uns tatsächlich in einem Park nieder. Es wurde immer voller. Freunde meines Freundes. Freunde von Freunden. Schon bald saßen wir dort mit über 30 Mann. Gegen 22 Uhr verabschiedeten wir uns voneinander und vereinbarten, dass morgen, gegen 12 Uhr Mittags, einer von den Typen bei meinem Truck vorbeischaut um mich abzuholen.
Alleine ging ich heimwärts. Ich passierte gerade die Mülltonnen einer Plattenbausiedlung an denen mich mein GPS vorbeiführte, als ich kläglich wimmernde Laute vernahm. Ich schaute mich um. Hinter einem Busch versteckt ein Pappkarton, darin ein einsames, trauriges Welpenkind.

Ein Junge, 3,4 oder auch 5 Wochen alt. Alleine nicht überlebensfähig. Kein Futter, kein Wasser. Rund 90 Minuten wartete ich ob sich irgendwer oder irgendetwas des Kleinen annimmt. Vergebens! Das letzte Mal als ich so etwas sah, bin ich einfach weggerannt um es nicht mehr sehen zu müssen. Wie oft hat mich dieses Erlebnis während meiner weiteren Reise verfolgt. Diesmal würde ich helfen. Irgendwie! Ich hob den Winzling in meine Hände und trug ihn nach Hause.
Verdammt! Du hast nen zweiten Hund. Du willst keinen zweiten Hund! Das Viech muss weg. Ganz schnell bevor du ihn nicht mehr hergeben kannst. Bis spät in der Nacht saß ich auf der Suche nach Lösungen erfolglos vor meinem PC. Aber welcher Couchsurfer sitzt schon nachts um halb 2 vor seinem Rechner und wartet darauf das ich ihn frage wo ein Tierheim ist oder ob er nicht nen Welpen braucht. Google hilft mir auch nicht weiter. Sucheingaben wie „Tierheim Galats“, „Tierschutzverein Braila“ und dergleichen verlaufen erfolglos.
Während ich verzweifele, fühlt sich mein Schützling in seinem neuen Zuhause mit seiner seit 2 Jahren abgelaufenen Welpenmilch, die noch von Flitschis Babys übrig geblieben ist und die der kroatische Grenzbeamte unbedingt öffnen musste, pudelwohl.

Irgendwann gab ich auf und ging zu Bett. Klägliches Winseln weckte mich zeitig. Mein Winzling hatte aufgegessen und war nun hungrig. Wie gut das ich noch viel von diesem Milchpulver habe. Kaum war die Raubtierfütterung beendet, klopfte es an meine Türe. „Galati Police“ erschallte ein Ruf von draußen. Verdammt, was wollen die den von mir? Ich öffnete die Türe. 4 Nichtuniformierte hielten mir Ihre Polizeiausweise entgegen. Ohne sich vorzustellen, oder mir einen guten Morgen zu wünschen lautete ihr erster Satz: „Wer waren die Leute mit denen du gestern hier warst?“ Langsam glaube ich echt die Gestapo am Arsch zu haben. Werde ich hier rund um die Uhr beobachtet? Woher wissen die dass ich hier gestern mit Leuten war, und vor allem was interessiert die das? Ich erklärte, dass es sich um Einheimische handle die ich zufällig kennen gelernt habe und mit denen ich mich spontan angefreundet hätte. Wo ich die Leute kennen gelernt hätte wollte die Polizisten wissen. Wahrheitsgemäß antwortete ich vor einer Wechselstube. Vor welcher? Ihre nächste Frage. Och was weiß ich, die dahinten. Moment … da haste die Wechselquittung. Exakt vor der! Was wir gemacht hätten? Wie die Leute hießen? Wo sie wohnen? Und was die nicht alles wissen wollten. Ich antwortete wahrheitsgemäß. Wahrheitsgemäß gab ich auch an, mich an die Namen nicht mehr erinnern zu können, da es sich um ganz eigenartige, rumänische Buchstabenkombinationen gehandelt habe die in meinen Ohren nicht unbedingt nach einem Namen klingen. Auch der Wohnort sei mir unbekannt, log ich. Ich solle niemandem mit hier her bringen sagten mir die Beamten. Mein Wagen sei schneller aufgebrochen als ich gucken könne wenn erst Leute wüssten wie er von innen aussähe. Mit diesen Worten verabschiedeten sich die Vier. Ich fragte noch ob es hier ein Tierheim oder ähnliches gäbe, aber die Gesetzeshüter meinten „Nein“ und machten auch keine Anstalten etwas Gegenteiliges in Erfahrung zu bringen. Mir war dieser Parkplatz unheimlich, ich beschloss schnellstmöglich das Weite zu suchen. Aber erst einmal hatte ich einem Welpen zu helfen. Ich schaltete den PC an, und siehe da, Couchsurfing brachte die erforderlichen Informationen.

Galats hat ein Tierheim! Ich habe Telefonnummer, Anschrift und den Vereinsnahmen. Leider besitze ich kein Telefon, deshalb gab ich den Namen des Vereins bei Google ein. Sekunden später nutze ich die Suchmaschinen eigene Übersetzungsfunktion und abermals ein paar Sekunden später hatte ich die E Mail Adresse des Clubs. Ich schrieb wo ich den Welpen her hatte, und dass ich ihn gerne abgeben würde. Dann wartete ich. Es wurde 12, es wurde 1. Meine Freunde von gestern, die ich nach ihrem Telefon fragen wollte kamen nicht. Dann lies ich mir die Adresse auf einer Landkarte anzeigen und den Weg berechnen. Nicht weit von hier, nur 1,5 Stunden Fußweg zeigt mir das System. Ich steckte den Laptop in den Rucksack, vielleicht würde ich zwischendrin Internet brauchen, füllte etwas fertig angerührte Welpenmilch in die leere Dose eine Multivitaminbrausetablettenverpackung, nahm das Hundekind in die Hand und machte mich auf den Weg.
Leider führte mich die Wegbeschreibung überall hin, nur nicht dorthin wo ich hin wollte. Menschen die ich nach dem Weg fragte indem ich ihnen die abfotografierte Adresse zeigte zuckten unwissend mit den Schultern. Ich fasste den Entschluss nach jungen, englischsprachigen Menschen Ausschau zu halten die ich darum bitten würde die angegebene Telefonnummer anzurufen. Kaum hatte ich diesen Gedanken gefasst, lief ich an zwei jungen und übrigens bildhübschen Frauen vorbei die sichtlich in Verzückung gerieten als sie mein Hundekind erblickten. „You are young, so I think you speak englisch. And I see you like dogs. Pleace help me,” sprach ich die beiden an. “Nein wir wollen den nicht, wir haben schon einen Hund,” sagten die Beiden ohne mich weiter anzuhören. „Ich will euch den ja gar nicht aufschwatzen. Hier muss irgendwo ein Tierheim sein, aber ich finde das nicht. Hier ist die Telefonnummer, könnt ihr da mal anrufen und nach dem Weg fragen?“ Eins der Mädels kramte in ihrem Portemonnaie und zog eine Visitenkarte hervor. Die Visitenkarte des Tierschutzvereins. Dann wurde rund 10 Minuten lang telefoniert. Nach dem Telefonat sagte eins der Mädels: „Come on, we show you where it is.“ Hatte ich ein Glück. Ich folgte den Beiden rund 40 Minuten quer durch die Stadt. Auch sie fanden den Block M5A nicht auf Anhieb. Rumänische Adressen sind etwas kompliziert. Sie bestehen nicht aus Straße, Hausnummer und Namen, sondern aus Straße, Hausnummer, Blocknummer, Apartmentnummer und Namen. Ich habe es jedenfalls nicht kapiert, und irgendwie hatte ich den Eindruck dass meine einheimischen Führer auch nicht so wirklich den Durchblick hatten. Ungezählte Male fragten sie nach dem Weg. Dann betraten wir einen der typischen Plattenbauten. Im ersten Stock stoppten meine Guides vor einer Türe mit 3 schweren Sicherheitsschlössern. Ein Hund bellte, kurz darauf öffnete ein Mann die Türe. Die Mädels sprachen einige Worte denen ich mangels Sprachkenntnis nicht folgen konnte, dann telefonierte der Mann. Wieder wurde auf rumänisch gesprochen. Die Türe schloss sich. Es käme gleich jemand der das Tier holen würde bekam ich erklärt. Sie zeigten mir noch wo. Abermals liefen wir rund 10 Minuten durch die Gegend, dann erreichten wir eine Bushaltestelle. Hier sei der Treffpunkt. Die Mädels verabschiedeten sich mit Küsschen links und Küsschen rechts und ließen mich alleine zurück. Da stand ich nun, irgendwo an einer Bushaltestelle, mit einem Welpen in der Hand.
Lange musste ich nicht warten bis ein weißer Dacia Transporter mit der Beschriftung „Asociatia Ajutati-L Pe Labus“ neben mir hielt. Am Steuer eine junge Frau die sich mir als Corinna, der Tierheimleitung vorstellte. Ihr Englisch war gebrochen, aber ehe ich mich versehen konnte saßen ich, mein Scheki und das Welpentier auf dem Beifahrersitz des klapprigen Transporters. Erst während der Fahrt wurde ich gefragt: „You like to see my shelter?“ Natürlich wollte ich wissen wo das Tier hinkommt, und wenn ich es nicht hätte wissen wollen, wozu bin ich dann eingestiegen? Nach kurzer Fahrt bogen wir in einen schlaglochreichen Feldweg ein. „Dou Kilometrie“ sagte Corinna, vollkommen vergessend, dass ich ihre eigenartige Landessprache nicht verstehe. Aber das verstand ich dennoch. Schließlich ging es links durch ein großes Blechtor. Überall Hunde. Hunde, Hunde und noch mehr Hunde. Wir stoppten neben einer etwas übergewichtigen Dame. Mein Welpentier wurde aus dem Fenster gereicht und die Frau verschwand damit in einem Gehege. Ich protestierte, und gab zu verstehen, dass ich gerne sehen möchte wo mein Kleiner hinkommt. „Dann lauf halt hinterher,“ meinte Corinna. Ich wies Scheki an im Wagen zu warten, stieg selbst aus, bahnte mir meinen Weg durch rund 20 laut bellende und neugierige Hunde, öffnete die Türe des Geheges in dem die Pflegerin verschwunden war, wurde von mindestens 40 ebenso laut bellenden und teilweise auch beißenden Hunden begrüßt, schaute mich um, erblickte die Dame in einem weiteren Verschlag, bewegte mich in diese Richtung, wurde nur ein Mal gebissen … äh gezwackt, schrie auf „Du alter Drecksack, ich reiß dir die Eier raus wenn du das noch mal machst!“ ging ansonsten unbeeindruckt weiter, öffnete die Pforte zu dem Verschlag aus welchem gerade die Pflegerin heraustrat und stand vor der neuen Adoptivmama meines Schützlings.

Zufrieden lag mein Welpenkind mit 8 Weiteren in einem Körbchen. Die Mama, ein Schäferhundverschnitt, blickte gutmütig aus ihrer Hütte und freute sich hinter dem Ohr gestreichelt zu werden.
Ich bekräftigte noch einmal mein Angebot hier eine Weile auszuhelfen wenn es erwünscht währe. Ich bin mir nicht sicher, ich glaube akustisch und rein inhaltlich verstand Corinna meine Worte. Aber sie müssen in ihren Ohren wohl so unwahrscheinlich geklungen haben, das sie es einfach nicht glauben konnte was sie hörte und deswegen immer wieder nachfragte. Am Ende einigten wir uns darauf, dass ich am kommenden Tag mit meinem Truck vorbeikommen würde. Ich half noch einige Schlachtabfälle auszuladen die auf der Ladefläche des Dacia lagen und als Futter dienten, dann wurde ich zurück in die Stadt gefahren. Ich erhielt noch eine detaillierte, aufgemalte Wegbeschreibung Richtung Bila die ich mit keinem Blick würdigte und mich statt dessen lieber auf mein GPS verlies, welches mich an einem rumänischen „Sozialbau“ vorbeiführte.

Ja, kein Scheiß. In diesem auf dem Bürgersteig errichteten Verschlag wohnt eine Familie mit mindestens zwei Kindern und 3 Hühnern. Im Hintergrund erkennt man deutlich das teure Kupferdach eines Gotteshauses. Fassungslos gehe ich weiter und bin Minuten später erneut schockiert. Was wächst den hier?

Siebenblättriger Glücksklee. Mitten in der Stadt. Leider finde ich keine Blüten. Ohne weitere Zwischenfälle erreiche ich meinen Bus, räume ihn fahrfähig und wische durch um morgen, nach dem Frühstück aufbrechen zu können.


Weiter geht es im Tierheim Rumänien.

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