oder: Diebe und Einbrecher

Rumänien, das Land von Dracula und Peter Mafay. So beginnt mein Reisebericht von meinem ersten Rumänienaufenthalt. Diesen Reisebericht möchte ich gerne mit anderen Worten beginnen:
"Rumänien, das Land von Dieben und Einbrechern!"
Es tut mir wirklich Leid für die netten Rumänen. Glücklicherweise sind diese ja auch in der Überzahl. Aber Fakt ist das ich bereits während meines letzen Aufenthaltes 2 Mal bestohlen wurde. Einmal davon war es sogar ein Einbruch! Diese Erinnerungen setzen sich fest und wenn man dann zum zweiten Mal in ein Land kommt und keine 10 Stunden nach Einreise wieder Opfer von Einbrechern wird und wenige Tage später ein weiteres Mal von Dieben, dann ist es nahe liegend und verständlich einen Reisebericht mit diesen unfreundlichen Worten beginnen zu lassen.

Über tadellose Landstrassen gleitet mein Fahrzeug erschütterungsfrei Iasi entgegen. Solche Straßen war ich nicht mehr gewohnt. In einer Ortschaft parkt ein Polizeifahrzeug und erinnert mich daran einen Blick auf den Tacho zu werfen. 75 km/h; 50 sind erlaubt. Aber bei den Strassen ist es mir einfach nicht aufgefallen.
Ich zügele meine Freude über die gute Straßenbeschaffenheit und fahre langsamer. In ausladenden Kurven bahnt sich die Strasse ihren Weg durch ein leicht hügeliges Gebiet. Sonneblumen strecken mir ihre grellgelben Köpfe entgegen - die Strasse wird schmaler, es geht bergan. "Iasi rechts", weist ein Schild, für "LKW durchfahrt verboten!" Ich habe keinen LKW und biege rechts ab. Schon bald erreiche ich belebte Strassen, kurz darauf befinde ich mich in einem Baustellenbereich. Umleitung! Die Gasse ist schmal, die Gasse ist sehr schmal. Links ein geparkter Opel, rechts ein Peugeot. Ich steige aus und klappe die Außenspiegel dieser Fahrzeuge ein. Es passt nicht! Ich lege den Rückwertsgang ein um den Engpass, welcher sich unmittelbar hinter einer Kurve befindet, nicht auch noch im Winkel durchfahren zu müssen. Hinter mir steht ein Auto, hinter diesem steht ein weiteres. Ich weiß nicht wie viele Fahrzeuge den Rückwertsgang einlegen mussten um es mir zu ermöglichen eine halbe Fahrzeuglänge zurückzusetzen, aber es waren bestimmt mehr als 3 oder 4. Dann ist die Gefahrenzone unfallfrei überwunden und ich drehe auf Parkplatzsuche meine Bahnen. Hinter einem Kreisverkehr eine weitere Baustelle, kurz dahinter ein großer, unbefestigter Platz welchen ich als Wohnort auswähle. GPS Daten speichern und auf in die Stadt. Eine Stadt in der Leben herrscht, eine Stadt, die den Namen Stadt tatsächlich verdient. Parks und öffentliche Plätze sind belebt und nicht so ausgestorben wie in Balti, der zweitgrößten Stadt Moldawiens und die Menschen sprechen Englisch. Ich war noch keine 10 Minuten unterwegs als ich es erfreut feststellte. "It´s a girl!" rief ich einem anderen Hundehalter entgegen und er fragte postwendend: "Where are you from." Ein kleiner Smaltalk am Wegesrand, so leicht und unbeschwert als wäre ich daheim. Nur das die Menschen hier aufgeschlossener und freundlicher sind.
Auch die Frau in der Wechselstube versteht meine Frage: "Can you change?" und antwortet: "We have a rate from 4.42." Ein Herr der mich nach der Uhrzeit fragen wollte erwidert meine Gegenfrage: "Sorry, you speak englisch or german? Mit den Worten: "Can you tell me the time?" Wie habe ich das vermisst. Ich kann wieder sprechen. Klar, nicht in der Landessprache aber in einer überregional verständlichen Weltsprache, einer Sprache die ich spreche und nicht in einer in der ich einfache Sachverhalte unter Zurrhilfenahme von Händen und Füßen artikulieren kann. Auch architektonisch scheint Iasi was zu bieten zu haben.

Außerdem gibt es hier Geschäfte. Richtige Geschäfte. Schon auf meinem Ersten Rundgang passiere ich sie alle: Lidl, Bila, Kaufland! Klar sind sie teurer als die Magazina Alimentare in Moldawien. Aber man kann dort wenigstens das kaufen was man benötigt. Neues Soja zum Beispiel. Das war in Rumänien immer sehr billig und ich habe es gerne gegessen. In Moldawien war es jedes Mal eine kleine Herausforderung so etwas Primitives wie Suppenwürfel zu erwerben. Hier liegen sie in einem riesigen Regal nebeneinander. Von 8 verschiedenen Herstellern und in 20 verschiedenen Geschmacksrichtungen. Mit Einbruch der Abenddämmerung begebe ich mich Heimwerts. Schnell eine Kleinigkeit Essen und dann noch einmal auf und schauen was hier in der Nacht so los ist.
Als mein Wagen in Sichtweite kommt sehe ich dass die Beifahrertüre offen steht. Ein Kerl steht hinter dem Fahrerhaus und durchwühlt meine Mülltüten die ich extra für den Grenzübergang angesammelt hatte. In ihrem Inneren befand sich nicht nur normaler Hausmüll sondern auch besondere "Schmankerln" für die Grenzbeamten wie gebrauchtes Toilettenpapier. Ich beginne zu rennen. Vor dem Haus neben welchem ich geparkt hatte sitzt eine Gruppe Menschen. Als diese sehen dass ich in den Laufschritt wechsele rufen sie Worte von denen ich nur "Atentione" und "Onkel" verstand. Genau in diesem Augenblick beginnen zwei Gestallten hinter meinem Wagen die Flucht zu ergreifen. Sie verschwinden einen Abhang hinab, irgendwo im nirgendwo. Mein Campingtisch liegt neben dem Fahrzeug, der Inhalt einer Mülltüte liegt daneben. Mein Werkzeugkasten liegt unangetastet unter der Zweiten Tüte und einigen eingetrockneten Lackdosen die wohl den letzten Winter nicht überlebt hatten. Ich hatte sie bei meiner Tankreparatur aussortiert und sie zum Müll ins Fahrerhaus geräumt. Müll schützt Besitz, hätte er dort nicht gelegen wäre mein Werkzeugkoffer jetzt wohl nicht mehr MEIN Werkzeugkoffer. Ich mache eine Bestandsaufnahme. Es scheint nichts zu fehlen. Die Gruppe Leute welche vor dem Haus gesessen haben betrachten mich neugierig. "You know this peopel?! I call police! You steal from the wrong one!" Niemand versteht mich, niemand schenkt meinen Worten Beachtung. Glücklicherweise bin ich noch im Fahrmodus, so dass ich erst einmal den Hund einpacke und das Weite suche. Als ich ins Fahrzeuginnere klettere bemerke ich dass es sich irgendwie anders klettert als sonst. Die hatten doch tatsächlich ein rund 1,5 Meter langes Eisenrohr gestohlen welches ich mit Kordel an meinem Unterfahrschutz befestigt hatte und das dazu diente als Verlängerung auf mein Radkreuz aufgesteckt zu werden.
Nach ca. 30 minütiger Suche fand ich einen neuen Parkplatz am anderen Ende der Stadt. Geparkte Reisebusse suggerierten Sicherheit. Ich vergewisserte mich zwei Mal alle Türen verriegelt und die Alarmanlage scharf gestellt zu haben, und dann zog ich los. Schnell war ich wieder im Stadtzentrum. Auf der Einfassung eines Springbrunnens saßen Zwei sympathisch dreinschauende Gestalten. Ein Typ mit langen Rasterzöpfen und ein Mädel mit zerrissenen Jeans die nicht von einem Designer kaputt gemacht wurden sondern im Laufe der Zeit von alleine diesen chicen Look angenommen hatten. Ich setzte mich auf die gleiche Einfassung und warf einen Blick über die nächtliche Coulisse.

"Schau mal Scheki, Wasser!" *Schnips, spritz, plansch
Schon war ich im Gespräch und Scheki nicht mehr durstig. Die Zwei waren Stundenten an einer der zahlreichen Universitäten welche in Iasi zu finden sind. "Wie mir Rumänien gefalle?" Wollten die Beiden wissen. "I come today from Moldowa. Not 5 houers here and some burglers open my truck. What du you think?"
Ich erzählte die Geschichte von dem Einbruch und den Röntgenbildern an der Grenze, ließ es aber auch nicht unerwähnt dass ich bereits zum zweiten Mal hier bin und beim ersten Mal innerhalb von 9 Monaten nur zwei Mal bestohlen worden sei. "Gipsys! This fucking asholes! They make a bad view to us rumäniens!" Antworteten die Beiden.
Ich war geschockt. Die sahen aus wie Punks und nicht wie irgendwelche Menschen mit einem fremdenfeindlichen Weltbild. Aber ich musste ihnen Recht geben, die Leute die mich bestohlen hatten waren ganz eindeutig "Gipsys".
"Come whith us, we show you Iasi!" Schon hatte ich Stadtführer. Als erstes sollte es zu einem leerstehenden Haus gehen. An dessen Innenwänden sollen zahlreiche sehr schöne Graffitis zu finden sein. Unter anderem auch welche von meinen neuen Freunden. Leider hatte die Stadtverwaltung mittlerweile den Eingang versperrt so dass wir weiter Richtung "Palas" zogen.
Angeblich ist die Übersetzung "Palas = Palast" verkehrt. Aber ich glaube hier handelt es sich um ein Missverständnis. Denn vor dem Palastartigen Gebäude von welchem ich bereits ein Foto gezeigt habe reitet Stefan cel Mare; in einer Statue verewigt. "Stefan cel Mare? I think that ist the king of Moldowa and not from Rumänia." "Wir sind hier in Moldowa." Bekam ich erklärt. "Beim letzten Krieg wurden lediglich die Grenzen falsch gezogen und die Moldowen hätten Pech gehabt unter russischer Besatzung zu landen. Moldawien sei ein Teil von Rumänien. Ähnlich wie Bayern ein Teil von Deutschland sei." Stimmt, davon das Moldawien sowohl ein eigenständiges Land, als auch ein Teil von Rumänien ist, davon hatte auch ich schon gehört.
Eine Weile beobachten wir eine Gruppe Skateboardfahrer. Dann ziehen wir weiter.
Unser Weg führt uns quer durch die Stadt. Zum angeblich größten Park von Iasi. Unter einem alten Baum mit Krückstöcken nahmen wir Platz.

Dies sei ein ganz besonderer Baum bekam ich erzählt. Vor rund 130 Jahren diente er "Mihai Eminescu", dem rumänischen Goethe, als Inspiration. Dieser Mann wohnte hier in Iasi und muss wohl ganz tolle rumänische Poesie geschrieben haben. Jeder kennt ihn und jeder kennt seinen Baum und empfiehlt in mir als Sehenswürdigkeit. Gut anderthalb Stunden verbrachten wir in dem Park, dann zogen wir gemeinsam los einen kleinen Racheakt bei den stehlenden Zigeunern zu verüben.
(Mehr dazu HIER im VIP Bereich)
Ich kannte die Täte bzw. deren Familien. Ich wusste dass die Familienmitglieder die Tat der Täter unterstützten. Schließlich hatte ich deutlich gehört wie diese von ihnen gewarnt wurden also beschloss ich bereits während meiner Flucht die Angelegenheit ohne Polizei zu regeln. Die Hilfe von meinen Freunden kam mir da wie gerufen. Leider hatten die Beiden am nächsten Tag ein Bahnticket zu ihrem rund 150 Kilometer entfernte Heimatort. Ihre Semesterferien begannen und so traf ich die Zwei nie wieder.
Gegen 4 Uhr in der Früh erreichte ich meinen Wagen und gegen 10 Uhr am Morgen wachte ich schweißgebadet auf.
Ich hatte das Stadtzentrum noch nicht ganz erreicht als ich einen kleinen Jungen bemerkte. Mit einem Welpen auf dem Arm zog er bettelnd an den Kraftfahrzeugkolonnen vorbei welche sich vor einer roten Ampel gebildet hatten. Ich hatte sie schon gestern bemerkt, die unzähligen Bettler und Straßenkinder. Die 8 jährigen welche nachts um 2 mit einer Plastiktüte vor dem Mund durch die Straßen ziehen, die alten Frauen welche vor nahezu jedem Geschäft oder Kiosk anzutreffen sind, einem ihre Hand mit ein paar Münzen entgegenstrecken und in einem gleichmäßig monotonen Singsang ihr Klagelied herunterbeten. Die aggressiv bettelnden Penner welche mit allen Möglichkeiten versuchen sich ihre nächste Flasche Bier oder Wein zu ergammeln und natürlich die schmutzig und ungepflegt wirkenden drei- und vierjährigen. Meist treten sie zu Zweit auf. Ein "großes" Geschwisterchen hat den kleinen Nachwuchs, der noch nicht einmal richtig laufen kann, an der Hand und so ziehen sie durch ihr Revier und strecken einem ihre schmierigen Patschepfötchen entgegen. Einige können sogar "money" sagen. Unweit von den Miniaturbettlern entfernt sitzen die Mütter. In bunte Gewänder gehüllte Zigeunerinnen mit einer Zigarette im Mundwinkel und einem Bier in der Hand. Von ihrer Körpergestallt sind sie hart an der Grenze zwischen vollschlank und fettleibig einzuordnen. Für ihre Kinder interessieren sie sich nur dann wenn diese einen erbettelten Lei vorbeibringen.
Wahrscheinlich denken sie mehr an die Produktion neuer Kinder. Denn wie bereits erwähnt haben die Eltern nicht lange Freude an den Einnahmen der Kleinen. Spätestens wenn sie das achte Lebensjahr vollendet haben betteln diese nämlich für ihre eigenen Zigaretten, ihr eigenes Bier und vor allem für ihren eigenen Klebstoff den sie unaufhörlich aus Plastiktüten inhalieren. Ich schämte mich diese alltäglichen Bilder fotografisch festzuhalten. Ein Bild habe ich dennoch:

Ich saß im Schatten einer Häuserwand und beobachtete das Treiben. Scheki lag ein Stück weit abseits von mir. Ich hatte mir genau das Revier dieser beiden bettelnden Kinder ausgesucht deren Mütter in einer Gruppe aus vier Personen versteckt hinter der Telefonzelle saßen welche man angeschnitten im hinteren, rechten Bildrand erkennt.
So konnte ich genau beobachten wie jede erbettelte Münze, jeder erbettelte ein Leu Schein bei der rauchenden und trinkenden Erwachsenengruppe abgeliefert wurde. Irgendwann vergaßen die Kleinen ihr Bettelhandwerk und Scheki weckte ihr Interesse. Der Kleine Junge, rechts im Bild mit Schnuller um den Hals und ohne Schuhwerk hatte einen angesabberten Keks in den Händen welchen er Scheki entgegenstreckte. Das ließ sich mein Hund natürlich nicht zwei Mal sagen. Liebevoll und vorsichtig wie Scheki nun einmal ist knabberte auch er an dem Keks. Das was mein Hund übrig ließ wanderte danach wieder in den Mund des Kleinen. Die Eltern scherten sich einen Dreck um mögliche Infektionsrisiken durch Würmer und andere Parasiten.
Als ich zum gehen aufbrach wurde auch ich angebettelt. Ich hatte allerdings kein Interesse den Alkoholismus der Erwachsenen zu sponsern also kaufte ich ein Sandwich am nahe gelegenen Fast Food Tempel. Schinken, Käse, Tomaten, Gurken, Ketchup und Majo. Alles in ein pappiges Sandwichbaguette gestopft und liebevoll in der Mikrowelle erwärmt.
Umgerechnet eineneurozwanzig kostete mich die Delikatesse welche ich selber gern gegessen hätte. Ich übereichte den kleinen die Köstlichkeit und als ich mich im Weggehen noch einmal umdrehte sah ich wie mein Baguette bei den Erwachsenen abgeliefert und von diesen in die Ecke gelegt wurde.
Ein oder Zwei Tage später, ich saß in der Abenddämmerung im Stadtzentrum und hatte eine Flasche Bier in den Händen wurde ich dann Opfer so eines aggressiv bettelnden Alkoholikers. Er wollte einen Schluck von meinem Bier wie er mir durch Gestiken unmissverständlich zu verstehen gab. Jetzt bin ich ja nicht so und ich teile mein Bier im Grunde gerne. Aber der Typ war so widerlich und ungepflegt, dass ich nicht mehr aus derselben Flasche getrunken hätte wie dieser Kerl. Also stand ich auf und setzte mich mit meinem Bier auf eine andere Bank. Das hat funktioniert.
Bei meinem ersten Rumänienaufenthalt hatte ich sie nie gesehen. Bettler, Straßenkinder, Klebstoffschnüffler. Klar, hier und da ein vereinzelter Bettler am Straßenrand. Aber diese Allgegenwärtigkeit war mir nicht aufgefallen. Vor allem keine Kinder! Aber wie ich schon in Istanbul feststellte bringt es überhaupt nichts ihnen etwas zu geben. Die Finanzen werden augenblicklich in Drogen umgesetzt. Nur die alten Frauen mit ihrem monotonen Klagelied vor den Geschäften erhielten regelmäßig mein Wechselgeld. Sie trinken nicht, sie rauchen nicht, sie wirken gepflegt. Wahrscheinlich haben sie keine Angehörigen welche sich um sie kümmern und das rumänische Sozialsystem ist nicht in der Lage ihnen zu helfen. Ich denke bei ihnen sind die wenigen Cent Wechselgeld die ich erhalte wenn ich mir ein Brot oder ein Bier kaufe gut aufgehoben.
Aber es gibt noch eine vierte Art von Bettlern in Iasi. Auch sie wirken gepflegt, tragen schwarze Kutten und haben lange Bärte. Wenn man sie fotografieren möchte verbergen sie ihr Gesicht schamvoll hinter einem Blatt Papier.

Die gesammelten Spenden werden dann, ungeachtet der allgegenwärtigen Armut und der Missstände, für die Einrüstung und Renovierung eines Gotteshauses ausgegeben.

Auch diese Menschen erhielten von mir keinen einzigen Cent sondern ausschließlich Verachtung.
Am Abend passierte ich dann eine Gruppe Menschen welche sich vor einem Antiquitätengeschäft versammelt hatte. Einige Wasserschälchen standen für Straßenhunde bereit und ich fragte Scheki ob er nicht durst habe. Schon war ich im Gespräch und bekam einen Sitzplatz angeboten. Was ich mir den in Iasi unbedingt anschauen müsse fragte ich. "Zunächst einmal diese Geschäft, dann die tolle Kirche, jenes Museum, das Theater …" Schnell bemerkte ich das ich von diesen Menschen keine brauchbaren Informationen bekommen würde. Den Antiquitätenladen schaute ich mir dennoch an. Pure Höflichkeit! Erstaunlich, mitten in Rumänien ein sehenswerter Antiquitätenladen welcher grob geschätzt an die 150 Wanderorden vergangener Tage im Angebot hat welche mit mir verständlichen Worten wie "Schweizer Seniorenmarsch 1913" beschriftet waren. Das Sehenswerteste waren die 3 kleinen Katzenbabys welche in einem Leergeräumten Regal im Ladeninneren von ihrer Mama gesäugt wurden.
Den Vormittag des 4. Julis 2012 verbrachte ich fast vollständig auf einer schattigen Bank im Park vor dem "Teatrul national"

um den Reisebericht meiner letzten Tage in Moldawien fertig zu stellen und die Geschichte des nervenaufreibenden Grenzübertrittes niederzuschreiben. Als ich am Morgen alles wichtige für diese Arbeit zusammensuchte bemerkte ich das mir doch etwas mehr gestohlen wurde als ein Eisenrohr. Mein Diktiergerät war verschwunden. Ich hatte es auf dem Beifahrersitz liegen lassen und die Einbrecher müssen es wohl mitgenommen haben. Weg! Gut dass ich mich gerächt habe, davon habe ich das Diktiergerät (und vor allem die Aufzeichnungen darauf) zwar nicht zurück, aber vielleicht schützt meine Aktion nachfolgende Reisende vor ähnlichen Übergriffen.
Am Nachmittag des 5. Juli betrat ich dann eine "Veterinarie Farmazie". Scheki hatte sich irgendwo Flöhe eingefangen. Seine letzte, gleichzeitig mit der Impfung in Jalta, durchgeführte Frontlinebehandlung schien nicht mehr zu wirken. Ich brauchte neues Frontline, neues Flohschutzmittel für meinen Hund. Bis vor kurzem hatte ich noch Bolfo aus Albanien. Dieses veralterte Flohschutzpulver hat mein eigener Hund zwar nie bekommen, da ich mit Atemnot auf das Zeug reagiere, aber ich konnte es immer für Straßenhunde einsetzen und sie so von ihren lästigen Parasiten befreien. In Albanien hatte ich Unmengen davon erworben. Die Dose kostete unter 2 Euro und das waren mir meine vierbeinigen Freunde wert. Jetzt war das Zeug alle und in Rumänien gibt es kein preisgünstiges Bolfo. Nur teures Frontlein. Ich stand also vor dem Arzneimittelregal und überlegte. Die für eine Anwendung ausreichende Menge für 8 Euro, eine kleine Sprühflasche für 14 Euro, oder eine große Sprühflasche für 30 Euro.
Ich bin ja Sparfuchs, und so überschlug ich den Medizinpreis pro Milliliter. Das Zeug in der großen Flasche ist weit über 100% billiger als die Einmalanwendung.
30 Euro ärmer verließ ich das Geschäft, sprühte meinen Hund ein und kurz danach 3 kleine Welpen denen ich jetzt endlich wieder helfen konnte.

Den Abend des 6. Junis, einem Freitag, verbrachte ich in der Parkanlage hinter den Studentenwohnheimen. Es herrschte Hochbetrieb.
Am Morgen hatten viele Studenten ihre Examensarbeit geschrieben und jetzt, jetzt wurde gefeiert. Das die Jungs und Mädels noch gar nicht das Resultat ihres Examens kannten war ihnen dabei völlig gleichgültig. Die Prüfung war vorüber und der Prüfungsstress vorbei.
Hunderte junge Menschen tummelten sich in der Stadt und es wurde an allen Ecken und Kanten gefeiert. Es dämmerte bereits als ich auf meinem Heimweg das "Grand Hotel Traian" passierte welches übrigens vom gleichen Architekten konstruiert worden sein soll wie der Eifelturm.

Als ich um 10 Nach 5 mein Fahrzeug erreichte bemerkte ich mehr aus Zufall das Diebe den Spangurt meines verbliebenen Unterflurkoffers zertrennt hatten um sich an dessen Inhalt zu schaffen zu machen. Glücklicherweise war der Unterflurkoffer leer. Mit Kordel fixierte ich die gebrochenen Teile des Koffers so weit das sie wohl am Fahrzeug verbleiben würden bis ich einen Parkplatz in der Natur gefunden hatte wo ich den Koffer vollständig demontieren wollte.
Nach dem Erwachen lernte ich dann Georega kennen. Georega sprach gebrochenes Deutsch.
Jedes Jahr im November und Dezember reißt er nach Deutschland um dort auf dem Würzburger Weihnachtsmarkt zu arbeiten. In Rumänien arbeit er als Elektriker, aber am heutigen Samstag saß er bei einem kalten Bier in einer kleinen Eckkneipe und lockte meinen Hund als ich dort vorüber lief. Ich gesellte mich auf eine Gerstenkaltschale zu ihm. Georega war 38 Jahre jung. Während er in Deutschland arbeitete suchte sich seine Frau, mit der er zusammen eine 5 jährige Tochter hat, einen neuen Mann. Jetzt lebt Georega wieder mit seinen Eltern zusammen in einer kleinen drei Zimmer Wohnung in einer Hochhausanlage. Und genau in diese Wohnung wurde ich zum Essen eingeladen.

Die rundliche Mama verliebte sich augenblicklich in meinen Hund und fütterte ihn mit Wiskas, welches eigentlich für die Katze der Familie bestimmt war, und Borsch.
Borsch erhielten auch wir Menschen zu essen. Borsch ist ein typisch rumänisches Essen wie ich erklärt bekam und bedeutet nichts anderes als Suppe. Es gab wohlschmeckende Hühnersuppe mit selbst gemachten Nudeln wie mir die Frau Mama stolz durch das schnelle Herbeiholen der noch ungespülten Pastamaschine zu verstehen gab.
Auch der Vater mit seinen schiefstehenden und teils abgebrochenen Schneidezähnen, dem freien Oberkörper und der überall reparierten und geflickten Bundfaltenhose, welche so wirkte als sei sie noch ein Überbleibsel der Konfirmation, war ein ausgesprochener Tierfreund. Er teilte sogar einen Schluck seines Bieres mit meinem Hund.
Auch wenn die Temperaturen innerhalb der Wohnung wohl um die 40 Grad lagen und ich somit froh war sie wieder verlassen zu können würde ich dieses kleine gemeinsame Mittagessen als einen meiner Höhepunkte in Iasi bezeichnen.
Anschließend betätigte sich Georega als angagierter Stadtführer. Als erstes führe er mich in ein Kloster, die "Golia Monastery".
Neben seinen umständlichen, und vor allem überflüssigen Bemühungen, mir die rumänische Informationstafel mit Baudaten und historischen hintergründen zu übersetzen, nebenan hing die Gleiche Tafel in Englischer Sprache, regte er sich vor allem darüber auf das diese blöden Mönche noch nicht einmal ein Schälchen Wasser für meinen Hund anzubieten hatten.
Anschließend ging es in ein Museum welches in einem kirchenartigen Bau in unmittelbarer Nähe des "Pals" untergebracht war. Dort waren alte Bücher und handschriftliche Bibelübersetzungen ausgestellt.

Während ich, aus reiner Höflichkeit, die alten Bücher betrachtete wunderte ich mich darüber dass wir keinen Eintritt zu bezahlen brauchten. Doch als wir das Museum verlassen wollten wurden wir von einem Mitarbeiter aufgefordert Austritt zu bezahlen. 3 Lei, 75 Cent pro Person um ein gutes Dutzend, in Glasvitrinen eingeschlossene, Bücher zu betrachten die ich noch nicht einmal lesen konnte. Selbst wenn ich sie hätte lesen können, wie um alles in der Welt soll ich umblättern? Ich bezahlte nur damit mein Freund, der ja in dieser Stadt wohnt, keinen Ärger bekommt. "Entrance free, Exit 3 lay. I feel riped off. I yust want that you know this!" Sprach ich überlaut und sehr verärgert während ich das Geld übereichte.
Draußen übersetzte ich für meinen Freund und er gab mir recht.
Auf eine Besichtigung des Innenlebens vom "Palas" verzichtete ich. "Ne Georega! Hinterher müssen wir da wieder bezahlen. 3 Lai, wahrscheinlich mehr! Lass uns lieber von dem Geld ein Bier trinken und ein wenig quatschen. Da haben wir mehr von."
Wir zogen noch gemeinsam durch die Parkanlage hinter dem Palas. Sie ist Privateigentum wie ein Schild erklärt. Ich war dort schon alleine aber ein Securitymitarbeiter verscheuchte mich wegen meines Hundes. Georgea meinte nur: "Keine Problem, kommen mit." Und als uns so ein Securitymensch verscheuchen wollte diskutierte er die Sache Wortreich in rumänisch aus. Erfolgreich, wir durften bleiben und so kann ich euch auch ein Bild von der Rückseite des palastartigen Gebäudes zeigen welches angeblich kein Palast ist.

Nur als Georgia mir die Sopping Mall mit dem Namen "MallDova" zeigen wollte und abermals meinte der Hund sei kein Problem irrte er sich. Es dauerte keine 30 Sekunden bis wir mit dem Tier aus dem angenehm klimatisierten Gebäude verscheucht wurden.
Nach einem Abschiedsbier in der Eckkneipe trennten sich unsre Wege. Georgia hatte eine Verabredung mit irgendeinem Kollegen und ich zog in die Stadt. Dort traf ich auf eine recht kleine Gruppe Demonstranten. Sie hielten DinA4 Blatt große Transparente in die Luft und hatten einen Kreis um einen liebenswürdigen Straßenhund gebildet den ich bereits kannte.

"Ihr schaut so aus als ob ihr Englisch könnt, jetzt hab ich schon ein Bild von euch, mögt ihr mir noch erklären für oder gegen was ihr hier demonstriert?"
Die ganze Gruppe sprach Englisch und so erfuhr ich was ich wissen wollte. Die politische Lage in Rumänien sei mehr als besorgniserregend. Das Land habe keinen Präsidenten. Polizei, Gerichte, Politik, Medien, alle diese Machtorgane befänden sich in der Hand einer einzelnen politischen Organisation. Unabhängige Informationen könne man im Land ausschließlich über das Internet beziehen. Berichterstattungen in Funk, Fernsehen und Printmedien seinen durch diese eine politische Partei, deren Namen ich leider vergessen habe, kontrolliert. Das Internet würde aber von nur wenigen Menschen in Rumänien für solche Dinge genutzt. Mit ihrer Demonstration versuchen sie die Menschen über diesen Zustand zu informieren.
"Schaut ein bisschen arm aus, ihr seid nur knapp 30 Leute hätte ich mal geschätzt." Ja, aber sie seien jeden Tag hier und in Bukarest gingen wohl mehrere Tausend Menschen wegen der Gleichen Sache auf die Strasse. Nur in den Medien höre man nichts davon.
Gegen 21 Uhr löste sich die Versammlung auf und ich zog mit 3 jungen Demonstranten in den Park nahe der Universität wo sich diese noch mit weiteren Freunden trafen. Bei Bier und Kartoffelchips unterhielten wir uns über Gott und die Welt. Gegen Mitternacht begab ich mich auf den Heimweg. Ich war einfach hundemüde.
Am Sonntag den 8. Juni spazierte ich erst in Richtung Botanischer Garten.

Ihn hatten mir die jungen Demonstranten als sehenswert empfohlen. Leider vergaßen sie mir mitzuteilen das Hunde dort verboten sind.
Am Nachmittag machte ich mich dann auf das Stadtzentrum in die andere Richtung zu verlassen. Schon von meinem ersten Parkplatz, dort wo ich Opfer der Einbrecher wurde, hatte ich eine mystisch wirkende Kirche oder Burg auf einem entfernten Berggipfel gesehen welche ich unbedingt besuchen wollte. Ich hatte diese Exkursion immer auf einen bewölkten und somit kühleren Tag verschoben, aber einen solchen sollte ich in Iasi nicht erleben. Also, jetzt oder nie!
Mein Weg führte mich über die Fußgängerbrücke am Hauptbahnhof

vorbei an einem kanalisiert wirkenden Bach,

dem überfüllten Schwimmbad von Iasi entgegen.
Zwei Stunden später warf ich einen Blick über die Klostermauern auf die von nahem gar nicht mehr mystisch wirkende Monastery

und natürlich von dem Berg hinab über die Stadt hinweg.

Gegen 20 Uhr erreichte ich meinen Wagen. Lüften und dann aufräumen. Nach dem wach werden soll es weitergehen.
Noch ein letztes Mal mit einem voll geladenen Laptop Richtung Internet und gegen 13 Uhr des 9. Juni startete ich den Motor. Mein erster Weg führte mich nach Kaufland. Meine Vorratsschränke waren zwar noch reich gefüllt, aber wie bereits erwähnt wollte ich einige Dinge einkaufen die man in Moldawien einfach nicht erwerben kann.
Gegen 15 Uhr passierte ich dann das Ortsausgangschild Iasi. Wo sind sie? Die Kaparten? Ich sehe nur eintöniges Ackerland. Bis Targu Frumos nutzte ich die E58. Von dort folgte ich einer kleinen Nebenstrasse Richtung Pascanie und von dort weiter Richtung Targu Neamt. Irgendwo zwischen Pascanie und Targu Neamt führte mich die Strasse über eine Brücke. Unter ihr ein kleiner Bach in welchem einige Menschen ein Bad nahmen.
Ich sichtete unzählige Parkmöglichkeiten. Die Landschaft war zwar nicht das was ich mir erhofft hatte, aber immerhin gab es Wasser zum Waschen. Ich hatte kein einziges sauberes T-Shirt mehr im Schrank und schwimmen, schwimmen kann man dort auch. Ich wendete also den Wagen und fuhr hinunter zum Bach. Auf einer weiten Schotterfläche setzte ich zu einem Wendemanöver an. Schließlich wollte ich Türe und Fenster Richtung Wasser ausrichten.
Kaum hatten die Räder meiner Antriebsachse die festgefahrene Piste verlassen gruben sie sich bis zum Differential im Treibsand ein. Scheiße! Das Heck meines Wagens ragte noch einen guten Meter in die Piste hinein, das Differential hatte bereits Bodenberührung und die Karre stand schief wie sau.
Schon beim reinen Anblick meines Wagenhebers lief mir der Schweiß in Strömen die Stirne hinunter. Erst einmal schwimmen gehen! Dann versuchte ich es mit Schaufeln kleiner Auffahrten welchen ich mit dünnen Zweigen kleiner Sträucher ein wenig Gripp verleihen wollte.

Ergebnislos! Die Räder versanken noch tiefer im Dreck und mein Wagen stand quasi auf seiner Achse.

Da hilft nur eins, der Wagenheber! Ein dickes Buchenbrett, ein Überbleibsel meines winterlichen Brennholzes, diente dazu den Wagenheber vor dem einsinken in den weichen Untergrund zu schützen. 15 cm Hub, und keinen Millimeter mehr schafft mein Wagenheber in einem Arbeitsgang. Also, Wagen Hochpumpen und Erdreich und vor allem mehr oder weniger dicke Steine in das Loch schaufeln welches das Rad gebuddelt hatte. Dann den Wagen ablassen. Einige Zentimeter versinkt er wieder da das Gewicht des Wagens das Erdreich verdichtet. Aber immerhin steht er höher als zuvor. Wagenheber unterfüttern und das Ganze Spiel von vorne.
Im Schweiße meines Angesichtes hebe ich jedes Rad in 5 Arbeitsgängen einige cm über das Bodenniveau heraus und schaufle die Löcher unter den Rädern liebevoll zu.

Bevor ich das Fahrzeug wieder ablasse lege ich ein Brett, eigentlich meinen Tisch welchen ich an der rechten Außenwand meines Wagens anbringen kann bzw. konnte, unter die Reifen.

Beide Räder stehen zu ebener Erde, beide Räder stehen auf Brettern. Die Vorderräder sind nicht eingesunken. Ich starte den Motor, lege den Rückwertsgang ein und lasse die Kupplung kommen. Der Wagen bewegt sich. Ich gebe Gas, Schwung holen! Mein Wohnmobil legt genau die Strecke zurück welche ich mit Brettern ausgelegt hatte, dann versank es wieder im Treibsand. Meine Unterlegbretter waren in Teile gebrochen und krumm wie eine Banane. Noch um Mitternacht war ich in Badehose bekleidet damit beschäftigt mein Fahrzeug auszubuddeln.

Das ganze Spiel noch einmal. Diesmal diente mir der Deckel meines Unterflurkoffers, welchen ich gleich zu Beginn meiner Bergungsaktion vom Fahrzeug entfernte, als Traktionsmatte.

Das andere Rad unterfütterte ich mit großen Asphaltstücken welche ich am Flussufer fand.

Beim Versuch meinen unfreiwillig eingenommenen Wohnort zu verlassen schleuderte die Antriebskraft meiner Hinterräder meine selbst gebastelte Traktionsmatte einfach unter den Rädern hindurch und zerlegte sie in unzählige scharfkantige Plastiksplitter. Der Wagen jedoch bewegte sich um keinen Zentimeter.
Nachdenklich setzte ich mich auf mein Sofa und verfiel in einen festen Schlaf. Aus diesem erwachte ich gegen 9 Uhr in der Früh. Um meinen Wagen herum verteilt lag verstreutes Werkzeug herum. Es sah aus wie auf einem Schlachtfeld. Geweckt wurde ich von dem Geräusch eines schweren Dieselmotors und dem knirschen von Kies unter den Reifen eines Allradfahrzeugs.
Ein schwerer Truck mit kleiner, aufgesetzter Baggervorrichtung bahnte sich seinen Weg an mir vorbei um ein wenig das verhängnisvollen Sand-Schotter Gemisches aufzuladen von dem hier wirklich mehr als genug herumlag.
Ohne ein Wort sprechen zu müssen erkannte der Fahrer meine missliche Lage, kletterte aus seinem Fahrerhaus und sagte halb Deutsch halb englisch: "10 Minuta arbeiten, dann help!" Unsanft aus dem Schlaff gerissen und ohne Frühstückskaffe räumte ich meinen Krempel zusammen und versetze mein Auto in einen fahrfähigen Zustand. Kaum hatte ich meine Arbeit beendet war auch mein Helfer fertig seine Ladung aufzubaggern. Ein schweres Stahlseil wurde um meine Stoßstange gewickelt und Minuten später stand ich auf festem Grund.
Von den 30 Lei die ich dem Fahrer als kleines Dankeschön für seine Hilfe zukommen lassen wollte gab er mir 20 Lei zurück und die verbleibenden 10 steckte er überdeutlich seinem Beifahrer in die Hemdentasche. "Nix Problem für mich! Ich Deutschland Problem, DU helfen!" Mit diesen Worten kletterte der Mann zurück in sein Fahrzeug und verschwand in einer großen Staubwolke. Ich fuhr hinunter zum Wasser wo ich 3 Tage mit Waschen verbrachte.
Schaut mal, so ein Theater für einen objektiv betrachtet eher weniger schönen Parkplatz.

Waschen, bis auf meine Wolldecken und meine Bettwäsche ist alles wieder sauber. Selbst meine Sturmhaube und meine dicke Wollmütze die noch vom Winter übrig geblieben waren und die bis heute noch nicht den Weg in eine Waschlauge gefunden hatten erstrahlen jetzt in "porentiefer Sauberkeit". Ich weiß gar nicht was alle gegen Handwäsche einzuwenden haben. Ich fand es mal wieder sehr entspannend. Man wird wach so gegen 10 und legt zunächst einmal die Solardusche in die Sonne. Dann kocht man einen Kaffe und bereitet sich ein kleines Frühstück. Anschließend wird ein kleines Verdauungsschwimmen absolviert. So gegen 13 Uhr ist das Wasser dann warm und man kann mit der Arbeit beginnen. Wäsche, Waschpulver und Warmwasser in einen Eimer und neues Wasser zum erhitzen in die Sonne legen. Dann die Wäsche ein paar Mal durchstampfen und darauf warten das das Waschmittel wirkt. Eventuell geht man in der Wartezeit noch einmal Schwimmen oder man näht ein Kleidungsstück das man bereits am Vortag gewaschen hat. Vielleicht tut man aber auch gar nichts und schaut den lustigen Bläschen zu wie sie fröhlich im Waschkübel aufsteigen. Irgendwann nach ca. 3 Stunden ist dann das Wasser für den nächsten Waschgang warm. Klar, zwischendrin kommt noch dieses anstrengende "Wäsche auf Bügel hängen" und ausspülen muss man den Kram ja auch noch. Dennoch, wenn die Fahrzeugbergung nicht auf dem Programm gestanden hätte, hätte ich nicht behauptet in diesen 3 Tagen sehr viel getan zu haben. In der Abenddämmerung noch ein kleiner Spaziergang und schon ist so ein Waschtag vorüber.
Bei einem dieser Spaziergänge fand ich dieses schöne Par Schuhe.

Neue Schuhe, das wurde aber auch höchste Zeit. Bereits in der Ukraine hatte ich mehr oder weniger panisch Secound Hand Geschäfte nach Schuhen abgesucht. In Moldawien und dann in Iasi habe ich diese Suche erfolglos fortgeführt. Schließlich habe ich mir dann für 6 Lei, also für Eineneurofünfzig ein Paar Sandalen gekauft um überhaupt wieder irgend etwas zu besitzen das meinen Fuß kleidet und kein Loch in der Sohle hat. Alle Schuhe die ich besaß waren ausnahmslos untragbar. (Was sehr vorteilhaft war als sich einer dieser aggressiven Bettler neben mich setzte und mir seine sich lösende Schuhsole zeigte. "Hör mir auf, meine sehen viel schlimmer aus!" Sagte ich zu dem Herrn und zeigte ihm die Unterseite meines Schuhs durch welche man meinen Socken sehen konnte. Danach sah der Kerl wohl ein dass es bei mir keinen Sinn macht und zog weiter.) Kein Laden führte Schuhe die mir gefielen. Beamtentreter, an jeder Ecke. Aber Schuhe … Fehlanzeige! Und jetzt, jetzt finde ich diese hübschen Stiefel. Achtlos am Flussufer zurückgelassen beheimateten sie einstmals wohl eine Mäusefamilie. Denn das was ich im rechten Schuh fand würde ich mehr oder weniger eindeutig als Mäusekobel identifizieren. Im Bach wurden die Schuhe kalt ausgespült und eine erste barfüßige Anprobe durchgeführt. Könnten passen.
Am nächsten Abend waren sie dann getrocknet und, als ich das Bild aufnahm hatte ich den rechten Schuh bereits mit Lederfett eingerieben das er gierig aufsaugte. Ein kleiner Testspaziergang endete viel versprechend.
Am späten Nachmittag des nächsten Tages zog ich dann weiter. Problemlos fuhr mein Wagen aus dem Treibsandgebiet heraus und schon bald erreichte ich Targu Neamt.
Mein Ziel hieß eigentlich Bicaz. Dort soll es eine in Canyons eingeschlossene Talsperre geben zu deren westlicher Seite sich ein über 1900 Meter hoher Berg erhebt. Diese Talsperre wollte ich besichtigen. Doch in Targu Neamt kam so ein Schild "durchfahrt für LKW verboten" ich wollte es umfahren und verlor sehr bald die Orientierung. Also nahm ich den erstbesten Parkplatz und ging den Weg zu Fuß suchen. Dabei sichtete ich eine alte, in großen Wäldern liegende Burgruine. Klar dass ich dort hinauflaufen musste. Nach rund 3 Stunden Marsch, mit meinen neuen Schuhen, erreichte ich die erst letztes Jahr restaurierte Ruine. Heute beträgt der Eintrittspreis 10 Lei und außerdem darf man das Teil nur bis 19 Uhr besichtigen. Ich war eine geschlagene Stunde zu spät. Also schoss ich ein Foto

(hab ich das nicht toll von der Informationstafel abfotografiert??) und begab mich auf den Rückweg.
Kaum hatte ich die innerstädtische Hauptstrasse erreicht, sah ich eine leicht bepackte Yamaha Enduro am Straßenrand stehen. Der Besitzer des Mopeds fragte eindeutig mit der Landkarte in seinen Händen einen Passanten nach dem Weg. Ein Blick auf das Nummernschild des zweirädrigen Vehikels verriet seine Herkunft: Wien!
Ich wechselte die Straßenseite.
"Servus. Ist das nicht ein bisserl wenig Gepäck um von Wien hier her zu fahren?" Ich klopfte gegen die mit unzähligen Spanngurten vertäute Reisetasche auf dem Soziussitz der Maschine.
"Nö, das reicht für 3 Wochen. Wo kommst den du her?" "Deutschland, und wo willst du noch hin?" "Hier, 40 Kilometer, da ist ein Campingplatz auf meiner Karte eingezeichnet." "Ich kann mit ner Couch im Wohnmobil helfen. Außerdem hab ich ne Dusche und du schaust aus als ob du eine brauchen könntest."
Viel Überredungskunst musste ich nicht anwenden um Ralf zu überzeugen das Weiterfahren um diese Uhrzeit eine Dumme Idee und ein kaltes Bier nebst Dusche eine viel bessere Idee sei. Außerdem kannte mich Ralf. Er selber jetzt eigentlich weniger, aber sein Bruder ist vor einigen Jahren mit dem Fahrrad nach China gefahren und gehört heute wohl zu den Stammlesern meiner HP. An dieser Stelle sende ich schöne Grüsse an Ralfs Bruder.
Gemeinsam zogen wir los einen 24 Stunden Laden zu suchen um ein Bier erwerben zu können. Die Suche gestaltete sich allerdings als schwierig. Eine Kneipe in die ich eingeladen wurde verließen wir fluchtartig da sich ein recht unfreundlicher Zeitgenosse laut schimpfend vor uns stellte und anfing seinen Hosenstall zu öffnen. Ralf und ich schauten uns nur an, tranken unser Bier auf und verließen das Lokal. Keine Ahnung was der Typ von uns wollte. Eins steht jedenfalls fest: Wir haben ihm nix getan.
Letzten Endes gelang es uns dann doch ein Bier zu kaufen und mit diesem machten wir es uns vor meinem Wagen gemütlich.
Der heutige Morgen begann dann mit Apfelpfannkuchen und Kaffe.

Ralf meinte trotz Hundeallergie auf meinem Sofa recht gut geschlafen zu haben und ich beobachtete ihn wie er umständlich sein Gepäck verzurrte. Auf der rechten Seite seines Mopeds hatte die Satteltasche das Plastikschild über dem Auspuffrohr an selbiges herangedrückt und war nebst Inhalt abgebrannt.
"Meinst du nicht dass ein vernünftiger Gepäckträger sinnvoll ist wenn du so was öfter machst?" "Ein anständiges Gepäcksystem mit Koffern für die Maschine kostet 600 Euro. Wenn ich das kaufe hab ich ja kein Geld mehr für Gepäck." Eine plausible Antwort, und eine sympathische Einstellung. Nach ca. 50 kräftigen Tritten auf den Kickstarter der Maschine, bei glühender Hitze und in voller Motorradbekleidung, hatte das Fahrzeug erbarmen und startete.
Ralf fuhr Heimwerts, in 2 Tagen muss er zurück in Wien sein. Aber es seien ja nur noch 600 Kilometer meinte er, eine Information welche ich schon seit Stunden zu verdrängen versuche. Ich war wieder alleine und setzte mich vor den PC. Mittlerweile ist es 16 Uhr und 20 Minuten. Einen Internetzugang muss ich auch noch suchen. Ich denke der Talsperre werde ich dann erst morgen entgegenfahren.

Weiter geht es mit einer Schlauchboottour und Wohnmobilstellplätzen am Lacul Izvoru

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