Basislager Wohnmobil - Wandern in Transsilvanien

Lacu Rosu, zu deutsch - der rote See.
Lacu Rosu heißt nicht nur der Tümpel, sondern auch die Ortschaft welche an ihn grenzt. Das sind nur 3 Kilometer Hauptstrasse, ich hatte ein Verkehrsschild gesehen.
Nach rund 40 Minuten hatte ich den Ort Lacu Rosu durchwandert und stand vor dem See Lacu Rosu.

Lacu Rosu ist ein reines Touristen Abzockkaff. Außer Hotels, Restaurants und nichtsehenswürdigen Sehenswürdigkeiten wie etwa einer Kapelle gibt es in Lacu Rosu nix weiter als Souvenirstände und einen Bootsverleih.
"Pleace do not take animals in the boat!" kann ich unter einem durchgestrichenen Hund am Verleih lesen. Ich bin schon jetzt auf das Theater gespannt das der Verleiher macht wenn ich meine Gummijolle auf seinem Steg aufpumpe. Selbst pinkeln kostet hier 2 Lei entnehme ich einem Schild. Ich piss denen in die Friteuse vom Langos Stand bevor ich das bezahle, da können die Gift drauf nehmen.
Dennoch gibt es hier Higlits. Zum einen 3 niedliche Welpentiere und zum anderen Wanderzeichen. Haufenweise neue Wanderzeichen. Dreiecke, Kreuze, Striche … Ich kenn die alle noch nicht die Wege, ich muss da lang!
Für 10 Eier bezahle ich 6 Lei im einzigen geöffneten Markt vor Ort. Für die letzten 10 Eier welche ich in Bicaz gekauft hatte, habe ich 2,5 Lei bezahlt. Aber wer viel wandert der braucht viele Pfannkuchen und mit Eiern schmecken sie dann doch ein bisschen besser. Man kann sich ja nicht nur von Mehl und Zucker ernähren.
Gegen 20 Uhr war ich zurück am Wagen. Noch ca. eine dreiviertel Stunde verbrachte ich vor dem PC, dann ging ich zu Bett.
Am nächsten Morgen startete ich um dem Weg mit dem roten Kreis zu folgen.
Virtuell mitwandern?
Ich schaue in den Himmel. Herrlicher Sonnenschein, ich bin bereits wieder trocken. Die Sonne steht noch hoch am Firmament, noch einige Stunden würde sie mir Tageslicht spenden. War da nicht dieser einstunden Weg um den roten See herum? Hatte ich da nicht am Vortag ein Wanderzeichen zu gesehen? Ich blättere durch die aufgenommenen Bilder auf meinem Fotoapparat. Ja, das war da. Schnell ist der Entschluss gefasst dass ich mich mit 16 Kilometern noch nicht zufrieden gebe. Statt links Richtung Heimat zu laufen, entscheide ich mich für rechts, Lacu Rosu Entgegen.
Wer noch keine Blasen an den Füssen hat, der darf gerne noch einmal mitkommen.

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Nach 24 Kilometern Gesamttagesleistung erreiche ich gegen halb acht wieder meinen Wagen.

Meine Brotzeit liegt noch immer unangetastet im Rucksack. Ich spare sie mir für den kommenden Tag auf und koche eine Suppe. Da war ja noch das rote Dreieck zu erwandern. Wollt Ihr etwa mitkommen?

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Es war noch früh an Tag nach dieser Wanderung. Ich kochte einen Kaffe und setzte mich vor den PC. Irgendwann gegen 4 Uhr in der Früh kochte ich eine weitere Kanne Kaffe. Gegen halb acht am Morgen, ich saß immer noch vor dem PC, beschloss ich den Motor zu starten um nach Lacu Rosu zu fahren. Das tat ich und traf dort ca. 10 Minuten später ein. Mein PC fand W lan und ich nutzte einen hässlichen Touristenparkplatz (46° 47.362N; 25° 47.313O) aber immerhin mit Netz im Auto. Ich schaltete den Rechner wieder an und schaute was es so neues gibt. Gegen 9 Uhr klopfte es dann an meiner Türe. Parkgebühren solle ich bezahlen. Also startete ich erneut den Motor. Jetzt stehe ich nicht mehr 3 Kilometer vor, sondern 3 Kilometer hinter Lacu Rosu linksseitig der Hauptstrasse und jetzt weiß ich auch was meine deutschen Freunde mit "nirgendwo kostenlos Parken" meinten. In Laco Rosu kann man tatsächlich nirgends kostenlos parken.
Ich schaltete den Computer wieder an und machte weiter die Bilder meiner Wanderungen so zu sortieren das ich ein virtuelles Mitwandern mit ihnen erstellen kann. Gegen 16 Uhr wurde mein Hund unruhig und ich lief zurück in die Stadt. Im Rucksack mein PC. Dort setzte ich mich 3 oder 4 Stunden mitten in die Touristenkirmes und schrieb Forenbeiträge. Auf dem Rückweg freundete sich mein Hund mit dem einer kleinen Gaststätte an, also beschloss ich mich auf ein Bier niederzulassen. Ich hingegen freundete mich mit der jungen Kellnerin an so dass das Zweite und das Dritte Bier für mich kostenlos waren. Als ich gegen 23 Uhr 30 wieder meinen Wagen erreichte viel ich total übermüdet ins Bett. Dort blieb ich bis 15 Uhr des heutigen Tages liegen. Jetzt haben wir 17 Uhr, die Berichte sind geschrieben, aber noch nicht programmiert. Es wird wohl noch eine lange Nacht vor mir liegen. Ich würde auch gerne noch einmal zu der hübschen Kellnerin … Mal sehen.

Scheiße! 4 Uhr in der Früh am nächsten Morgen. Ich war dann duschen und hab mich dazu entschieden doch noch einmal in den Ort zu laufen. Ich war ein wenig im Netz, mal die Nachrichten schauen und gucken was es so neues gibt in der Welt und dann, dann hab ich mich entschlossen noch mal bei der Kellnerin vorbeizuschauen. Ich kam pünktlich zum Feierabend, also Pünktlich zum Resteessen.
Dummerweise feierte ein anderer Mitarbeiter gerade Geburtstag so dass der Laden nach Geschäftsschluss nicht wirklich schloss. Tja, jetzt ist es 4 Uhr in der Früh und ich bin restlos besoffen. Aber restlos besoffen. Ich sollte echt nicht schreiben in dem Zustand, ich sollte einfach ins Bett gehen. Aber …. Nach so viel Wodka Bull kann ich ned pennen. Programmieren kann ich aber auch nicht. Sprich … ich kann nix anderes als Blödsinn zusammentippseln.
Vielleicht sollte ich auch damit aufhören und euch allen eine gute Nacht bzw. einen guten Morgen wünschen. Ich versuche es jetzt einmal mit Pennen.
Die wunderschöne Gegend erwandern ging ich erst wieder am Montag, den 6.8.2012. Am Sonntag hatte ich noch Besuch von der Polizei, ich saß natürlich vor dem PC, und diese hat mich dann aufgeklärt das Campen an der von mir gewählten Stelle verboten sei. Aber nur 500 Meter von hier gäbe es eine Stelle an der Campen erlaubt sei. So richtig, mit Feuer und allem drum und dran. Meinten die Polizisten. Die 500 Meter waren dann in Wirklichkeit 2300 Meter und bei der legalen Stelle handelte es sich um einen Campingplatz. Dort gibt es einen Schutzgelderpresser der mich, gegen eine geringe Gebühr von 25 Lei, vor der Polizei schützt. Ich wählte eine große Parkfläche schräg gegenüber des Campingplatzes. Auf der anderen Seite der Hauptstrasse. Eindeutig gehörte diese Stelle der Allgemeinheit und nicht dem Campingplatzbetreiber. Dennoch hatte ich den guten Herren nach etwa 1,5 Stunden auf der Pelle hängen. Ich solle doch auf seinen Platz kommen meinte der Herr. Zu diesem Zeitpunkt war ich das Campingplatzgelände aber schon zu Fuß abgeschritten und hatte von einer jungen Familie mit britischen Kennzeichen den Preis für die Übernachtung erfahren. Glücklicherweise kamen noch die Umstände hinzu dass es regnete, und zwar wie aus Eimern, und dass der Campingplatz über keine befestigten Strassen verfügte. Also erklärte ich dem Herren Schutzgelderpresser das ich bis zur Achse auf seinem Platz einsinken würde und ich Ihn unter keinerlei umständen befahren würde bevor er mir nicht zeige das er für solche Gelegenheiten ein adäquates Zugfahrzeug wie etwa einen großen Tracktor besitzt. Das hat er verstanden, und so hatte ich einen neuen Wohnort.
Ja, und am Montag traf ich dann punkt 11 Uhr auf der Gartenterrasse des Hauses meiner Kellnerin ein.

Mit Ihr, ihrer Tante und den 3 Hunden die irgendwie an diesem Ort lebten sollte es nämlich auf den Berg hinter der kleinen Pension gehen.
Vielleicht stelle ich euch meine reizende Wanderbegleitung erst einmal vor.

Rechts im Bild Casandra, meine Kellnerin. Links daneben ihre Tante, im Vordergrund, leicht verwackelt, Fizza (ja, fast wie Pizza) der Hund der Tante, im Hintergrund, groß und schwarz, kein Braunbär sondern La bus. Ich hatte ja schon einmal in einem Tierheim mit dem Namen "help la bus" gearbeitet, und jetzt hatte ich die Gelegenheit mir einmal übersetzen zu lassen was "la bus" den eigentlich bedeutet. Es heißt so viel wie "kleine Pfote" oder besser "Pfötchen". La bus war jedenfalls irgendwann da und ist nie wieder gegangen. Auf dem Bild leider nicht zu sehen ist Susi. Ein recht drahtiger Jagdhundeverschnitt welcher irgendwann einmal von der Tante mit Kopfverletzung aufgefunden, dann am Haus gesund gepflegt wurde und seit dem auch dort lebt. Die Wahrscheinlichkeit dass man von einem der Dreien begrüßt wird wenn man um den See wandert ist recht hoch. Bitte nicht mitnehmen, es handelt sich NICHT um Straßenhunde. Auch wenn es auf den ersten Blick so wirkt. Nach einem leckeren Tee ging es dann los. Ich schätze ihr wollt mitkommen.

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Ja, und aus ganz frischen Kräutern schmeckt der Tee dann noch viel Besser. Das konnte ich unmittelbar nach unserer Wanderung erschmecken. Bis ca. 18 Uhr saßen wir unter den Sonnenschirmen meiner Freunde, dann wechselten wir die Location und gingen hinunter zu dem kleinen Schnellimbiss. Pünktlich zum Restessen trafen wir ein. Gegen Mitternacht war ich wieder an meinem Bus.
Ich muss sagen: Ich habe viel gelernt an diesem Tag. Nicht nur was die Kräuterkunde angeht. Nein, auch das es sich bei dieser eigenartige Sprache mit den vielen Umlauten, die eindeutig nicht rumänisch ist, aber dennoch auf allen Wanderzeichen angebracht ist nicht etwa um türkisch handelt, wie ich ursprünglich angenommen hatte, nein es ist ungarisch! Extra für dumme Touristen werden die Wanderzeichen zweisprachig hergestellt. Als Zweitsprache wählt man nicht etwa so eine kleine Minnisprache die kaum ein Mensch spricht in der Welt wie etwa englisch, nein - man wählt die Weltsprache Ungarisch! Rein rechnerisch dürfte das ca. 98,4% aller hier wandernden Touristen weiterhelfen. Mir zum Beispiel denn ungarisch spreche ich schon seit meiner Kindheit.
Aber es ist wohl so das dieser Teil transsilvaniens (ja, ich bin wieder im Land von Dracula, hab es vorher gar nicht gewusst) einen ungarischen Background hat. In Brasov war ja auch jeder Zweite Hinweistafel auf Deutsch und Deutsch ist ja auch nicht unbedingt das was man eine Weltsprache nennt.
Am nächsten Morgen machte ich mich auf endlich einmal dem blauen Strich zu folgen welcher kurz hinter Lacu Rosu in einer Kehre linksseitig der Hauptstrasse abgeht. Er führte mich über eine schmale unbefestigte Nebenstrasse vorbei an unzähligen Ferienunterkünften (Cazare) und kleinen Bauernhäusern. Erst nach etwa 5 Kilometern sah er aus wie ein Wanderweg. Dieser führte über weiträumiges Weideland steil bergan. Bis auf das laute dröhnen eines Kampfflugzeuges, welches völlig nutzloser Weise Verbrennungsrückstände immer knapper werdender Erdölraffinate in die Atmosphäre blies, war es vollkommen Still.
Aber vielleicht sollte man das "nutzlos oder nicht" einmal aus der Sicht eines Staatsapparates betrachten der auf Erdölimporte angewiesen ist. Investiert er einen Teil seiner importierten Brennstoffe um Kampfpiloten zu schulen, dann kann er, dank seiner militärischen Überlegenheit, den Exportländern den Preis diktieren. So gesehen mag es vielleicht eine sinnvolle Investition sein.
Wie sprach schon der amerikanische Soldat? "Ich sterbe gern für billiges Öl!"
Ich glaube ich schweife ab. Wenn ich jetzt noch zu einer Definition von "Achse des bösen" ansetze, dann …. Ich lass es einfach.
Auch hier war der Weg noch befahrbar, aber nur noch von Geländefahrzeugen und Pferdefuhrwerken die ich beim Holztransport beobachten konnte. Irgendwann gelangte ich in den Schatten eines Waldgebietes und beschloss eine kleine Rast einzulegen. Das Kampfflugzeug war verschwunden und als ich wieder erwachte war es höchste Zeit für den Heimweg. Ich entdeckte noch ein eigenartiges Fell-Knochen Häufchen das ich irgendwie als das Erbrochene eines großen Tieres interpretiert hätte. Ein Bär?
Ich schaute noch in meiner Stammkneipe vorbei und irgendwann gegen Mitternacht zog ich los die rund 6 Kilometer Hauptstrasse zu meinem Wagen zurückzuwandern.
Am nächsten Tag startete ich den Motor. In der Nähe meines Parkplatzes hatte ich keine Wanderzeichen entdeckt, der Campingplatzbesitzer hing mir schon wieder auf der Pelle und wenn ich erst eine Stunde Annweg habe, um den Punkt zu erreichen den ich erreichen möchte, dann wird das nie was meinen blauen Strich zu erwandern.
Mein neuer Wohnort ist auch viel schöner.

Noch ein Kilometer weiter wäre noch schöner, aber ich muss das ja abends im Suff nach Hause laufen, und von Laco Rosu nach hier sind es immer noch 5000 Meter.
Am nächsten Morgen ging es dann tatsächlich los meinem blauen Strich bis zu dessen Ende zu folgen. Alles in allem, also mit Bierchen am Abend, lief ich an diesem Tag 34 Kilometer. Von Auto zu Auto wären es 10 Kilometer weniger, und wenn man nicht unbedingt noch das gelbe Dreieck erwandern wollen würde, sondern sich mit dem blauen- und dem roten Strich begnügen würde, dann könnte man die Tour sicherlich auf unter 20 Kilometer bringen. 20 Kilometer die sich lohnen. Wollt ihr mitkommen??

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Ich war erschöpft und hungrig als ich Lacu Rosu erreichte. Doch bevor es für mich ans allabendliche Resteessen gehen konnte musste ich erst einmal warten. Denn mein Hund war damit beschäftigt sich einen Langos einzuverleiben den er aus der Mülltonne gefischt hatte.

Anscheinend knurrte ihm nach dem Marsch auch der Magen. Dann gab es für mich eine Suppe und einige Mici mit kalten Pommes. Man stellt ja wenige Ansprüche wenn man nichts bezahlen muss.
Die nächsten Beiden Tage verbrachte ich vor dem PC. Also nicht die ganzen Tage. Schließlich war ich ja abends immer beim Resteessen und selten vor Mitternacht daheim. Dann schläft man am nächsten Morgen gerne mal ein bisschen länger und wenn man dann so gegen 1 Uhr fertig ist mit Kaffe trinken, na dann bleiben einem ja nur noch 5 Stunden vor dem Rechner bis man wieder los muss um pünktlich zum essen fassen zu erscheinen.
Am Samstag, den 11. August beschloss ich jedenfalls noch einmal die Wanderstiefel, oh verzeihung die Froschfotzenleder Secound Hand Halbschuhe die mir 3 Nummern zu groß sind, zu schnüren um einen weiteren Weg zu bewandern.
Wer noch keine Blasen am Zeigefinger vom ganzen Mausklicken hat, der kann ja gerne noch einmal mitkommen. Aber Achtung: Regenbekleidung nicht vergessen!

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Ich verzichtete darauf an diesem Abend noch einmal heimwärts zu laufen um mit meinem PC die wahnsinnig langsame W Lan Verbindung meines Stammlokales zu benutzen. Ich stand davor, ein wenig früher als gewohnt, aber ich war da wo ich gleich etwas zu essen bekommen sollte.
Der Laden war gerammelt voll, hoher Besuch hatte sich angekündigt. Der Vater meiner Kellnerin war eingetroffen und wollte hier das Wochenende verbringen. Der Kerl ist ein hohes Tier in Moldawien, um genauer zu sein - ein Ex hohes Tier. So etwas wie unser Helmut in Deutschland. Ja, kein scheiß, der hatte Diplomatenkennzeichen auf seiner Karre, den röntgt an der Grenze keiner. Wenn ich alles richtig verstanden habe, dann war er auch kein richtiger Helmut, mehr so ein Blüm, Genscher oder Weigel. Auf jeden Fall war er während des Transnistrienkonfliktes 3 Monate lang in Geiselhaft der Kriegsgegner.
Ich hab mich während meiner Reise ja schon mit verdammt vielen Leuten unterhalten, aber mit der direkten politischen Führungsebene eines von mir bereisten Landes noch nie. Noch nie mit jemandem dessen Namen in Wikipedia zu finden ist. Ich musste dem Kerl natürlich direkt auf´s Brot schmieren was mir an "seinem" Land alles nicht passt. Aber so viel war das gar nicht. Von den Polizisten mit Kalaschnikow und dem Grenzbeamten mit der Hand im Pass einmal abgesehen haben sich eigentlich alle Moldawischen Ordnungsbehörden mir gegenüber korrekt verhalten. (Wenn sich ein Grenzbeamter der meinen privaten Wohnraum durchsucht denn überhaupt korrekt verhalten kann) Der Kerl atmet jedenfalls auch nur Sauerstoff und Prost heißt in seiner Sprache Norok also konnte der Abend lang werden.
Am nächsten Tag war ich müde. Außerdem gab es einen Temperatursturz welcher mich am Morgen des 13 Augusts gegen 5 Uhr in der Früh erwachen lies. Es war sau kalt in meinem Wagen, nur noch 7 Grad. Ich hielt ein Streichholz an den Kamin und kochte mir einen Kaffee. So früh auf den Beinen nutzte ich den Tag natürlich für eine Wanderung.
Mein Weg führte mich nach Lacu Rosu. Hinter dem See, den ich ja bereits umwandert hatte, hatte ich noch ein weiteres Wanderzeichen entdeckt. Ein blaues Kreutz. Ihm wollte ich folgen. Dummerweise führte mich mein Weg an meiner Stammkneipe vorbei wo ich erst einmal auf einen Kaffe eingeladen wurde. Als ich den Laden wieder verließ war es nicht mehr früh, aber noch früh genug. Mitwandern??

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Heute ist Sonntag, der 19. August. Fragt mich bitte nicht was ich die letzten Tage getan hab. So ganz genau weiß ich es selber nicht. Viel war es jedenfalls nicht. Heute ist der Zweite Tag seit ich in Lacu Rosu bin an welchem ich nicht in meinem Stammlokal vorbeigeschaut habe. Ansonsten war ich jeden Abend dort. Ich habe jeden Abend 2 oder 3 Bier getrunken die ich meistens auch bezahlt habe. Zum absoluten Horrorpreis von 4 Lei. Normal bekomme ich eine Flasche Bier in Rumänien für 2,5 Lei. Aber normalerweise bekomme ich kein Abendbrot dazu. Auch kein Lunchpacket für den nächsten Tag. Die Tatsache dass ich den Laden immer hungrig betreten und satt verlassen habe, machte das Bier dann wieder erschwinglich. Ansonsten habe ich hier ja keinen Pfennig ausgegeben. Die Tatsache dass es außer dem Essen meist auch noch das ein oder andere Gläschen Selbstaufgesetzten gratis gab sorgte dafür das ich die Tage hab sehr ruhig angehen lassen. Es war eine schöne Zeit, wirklich schön. Ich habe viel vor dem PC gesessen und auch einige Hausarbeiten erledigt. Mein Wagen strahlt und selbst die Bettwäsche ist sauber. Endlich! Mittlerweile hat sich die Kältewelle wieder verzogen, es ist wieder richtig warm. Eine innere Stimme befiehlt mir weiter zu ziehen. Sonst werde ich hier noch Alkoholiker. Morgen früh werde ich ein letztes Mal zu meiner Stammkneipe laufen um mich zu verabschieden, und dann, dann werde ich den Motor starten und nach Gheorgheni fahren. Ich werde nicht mehr an dem rot markierten Wanderweg anhalten. Ich brauche eine Stadt, eine Stadt mit einer vernünftigen Internetanbindung und vor allem mit einem Geschäft. Lebensmittel habe ich noch, aber keinen Löffel Kaffeepulver und auch keinen Zucker mehr. Es kann ja auch nicht die Lebenserfüllung sein jeden Abend in einer Kneipe zu verbringen und am nächsten Morgen einen dicken Schädel zu haben. Nein, ich ziehe weiter. Gleich morgen Mittag nachdem ich mich verabschiedet habe.
In der späten Nacht des 15. Augusts, es muss so gegen 1 Uhr in der Früh gewesen sein und ich befand mich leicht angetrunken auf dem 5 Kilometer langen Heimweg begegnete ich einem jungen Typen mit großem Rucksack. Klar dass ich ihn ansprach so spät in der Nacht. Der Kerl kam aus Tschechien und war auf dem Weg zur rumänischen Küste. Mein Angebot die Nacht in meiner Karre zu verbringen fand er großartig. Er hatte Angst irgendwo sein Zelt aufzubauen, zu viele Bärengeschichten. Am Morgen nutzte ich dann die Gunst der Stunde neben meinem Russischsprachkurs und dem hier aufgezeichneten Reisewortschatz Rumänisch auch noch die 100 wichtigsten Worte in Tschechisch aufzuzeichnen. Danach gingen wir gemeinsam in die Stadt und versumpften in meiner Stammkneipe bei kostenlosem Frühstückskaffe und dem Malen von Schildern zum Trampen.

Mein Freund ging irgendwann und ich blieb sitzen. Die nächsten Zwei Tage verbrachte ich dann wohl damit die Sprachkurse so zu programmieren das ich sie online stellen kann. Der russische, der funktionierte schon eine ganze Weile offline auf meinem Rechner. Aber die anderen Beiden wollten geschnitten werden und ein Konzept wie das alles den nun letzten Endes aussehen soll, das musste ja auch noch her. Jetzt muss ich nur noch schauen wie ich an die ganzen Sonderzeichen komme. Diese C´s und t´s mit den Strichen obendrüber und untendrunter. Aber ich denke das mache ich per E Mail.
Heute war ich dann jedenfalls noch mal wandern. Den letzten Weg der hier ausgezeichnet ist und den ich noch nicht kannte. Ein gelbes Kreuz. Deutlich zeigt eine solche Markierung auf dem Weg zwischen Lacu Rosu und meinem Wagen nach rechts. Einige Kilometer kann man der Markierung auch nachwandern. Aber dann verschwindet sie genauso Plötzlich wie sie aufgetaucht ist. Ein schönes Mitwandern kann ich darüber nicht erstellen, da ich selber nicht so genau weiß wo ich hergelaufen bin. Ein paar Bilder hab ich dennoch.
Gegen 17 Uhr war ich wieder zuhause, seit dem sitze ich, mit einer kleinen Unterbrechung zwecks Nahrungsaufnahme, vor dem PC. Jetzt ist es kurz nach 9. Das letzte virtuelle Mitwandern will noch programmiert werden, dann kann ich ins Bett. Und morgen, morgen geht es weiter. Neuen Nationalparks entgegen. Nur 40 Kilometer, und der soll toll sein. 2000 Meter hohe Berge. Da werde ich wohl noch einmal für einige Zeit von der Bildfläche des Internets verschwinden.
Mit Gemischten Gefühlen ging ich am Morgen des 20. Augusts meiner Stammkneipe entgegen. Zum einen würde es weitergehen, neue Landschaften, neue Menschen. Zum anderen würde ich meine Freunde hier zurücklassen. "I came to say god bey." Begrüßte ich die Belegschaft des Ladens. "You go? When?" "Now, I cam yust to say good bey." "Eat something." Schon stand ein kleiner Grillteller vor mir. Ausnahmsweise keine Reste sondern frisch für mich zubereitet.
Für Low Budgetter kann ich den Laden im Grunde nicht empfehlen. Die Preise liegen, wie im gesamten Lacu Rosu, etwa 50% über dem rumänischen Durchschnitt. Das Essen ist nicht schlecht, aber auch nicht herausragend gut. Aber wenn man sich mit diesen Menschen anfreundet, dann entpuppt sich der Laden zum absoluten Low Budget Eldorado. Ich kann leider keine Tipps geben wie man das mit dem Anfreunden am Besten anstellt. Ich kann mir in keiner Weise erklären womit ich das verdient hatte. Aber ich könnte mir vorstellen dass ein lieber, vierbeiniger Begleiter eine sehr nützliche Hilfe beim Anfreunden ist. Hier verabschieden sich Chef und Chefin von meinem Schek.

Wer einmal mit seinem Hund nach Lacu Rosu kommt und wer dort gerne ein kaltes Bier trinken oder eine Kleinigkeit essen mag und wer in einer finanziellen Lage ist das ihm die Preise gleichgültig sind, dem kann ich den Laden allerdings guten Herzens empfehlen. Bevor ihr euch wo anders mit eurem Freund rausschmeißen lasst, geht gleich da hin und lebt damit das euer Hund danach 2 Kilo mehr auf die Wage bringt. Denn für die Hunde der Gäste, und die frei umherstreunenden die zufällig gerade vorbeikommen, gibt es grundsätzlich eine Gratismahlzeit. Das habe ich oft genug beobachten können. Den Laden findet ihr wenn ihr vom Bootsverleih auf den See blickt und dann nach links geht. Nach etwa 3 Fußminuten auf der Linken Seite, die letzte "Touristenattraktion" bevor die Einsamkeit beginnt.
Es war schon später Nachmittag als ich endgültig den Motor startete. Vorsichtig fuhr ich den Wanderweg mit schlechter Oberflächenbeschaffenheit zurück auf die Hauptstrasse. Nach links abbiegen, und dann konnte ich Gas geben. Vorbei an dem Campingplatz und vorbei an der Stelle an welcher ich eigentlich noch einmal anhalten wollte. Nach 30 Minuten lag Neuland vor mir. Abermals 15 Minuten später erreichte ich Gheorgheni. Meinen Wohnort wählte ich genau zwischen Penny und Kaufland. Beide hatten unverschlossene Müllcontainer und in meinem Fahrzeug konnte ich auf eine rasant arbeitende Internetverbindung zugreifen. Drei Nächte verweilte ich an dieser Stelle. Hauptsächlich saß ich vor dem PC. Auf der Suche nach neuen Schuhen klapperte ich aber auch alle Secound Hand Geschäfte ab die ich fand und erwarb letzten Endes 2 Paar Socken für 1 Leu und ein paar echte Crocs Nachbauten für ebenfalls nur einen Leu. Kennt Ihr Crocs? Das ist DIE Outdoorsandale. Sozusagen der absolut hippe Nachfolger von Birkenstock. So etwas muss man besitzen, das gehört einfach zum guten Ton. Na ja, da alle damit rumlaufen hab ich bei einem Preis von 25 Cent nicht nein sagen können. Aber wenn man in echten Crocs genauso Schweißfüße bekommt wie in diesen Nachbauten, dann kann ich mir nicht erklären warum diese Schuhe so beliebt geworden sind. Selbstverständlich warf ich auch regelmäßig einen Blick in die Abfallbehälter meiner Supermärkte. Die Ausbeute war mager. Rund 2 Kilo Chilischoten, 4 verbeulte Konserven mit roten Bohnen und eine 2 Liter Flasche Pflanzenöl.
Gheorgheni ist eine recht nichts sagende Kleinstadt. Sie liegt am Fuße der Berge in einem gigantischen Hochplateau welches Hauptsächlich zum Ackerbau genutzt wird. Eine Kirche, ein paar Häuser, ein recht kleiner, von Hauptstrassen eingeschlossener Stadtpark. Wirkliche Highlights fand ich erst am Tag meiner Abreise in form von 2 jungen Tschechen mit dicken Rucksäcken. Ich kam gerade mit einem Sack Kartoffeln in den Händen vom Gemüsemarkt als ich den Beiden begegnete. Sie hatten den Nationalpark durchwandert welcher mein Ziel war. Also konnten sie mir einige wertvolle Informationen geben. Bis ca. 19 Uhr saßen wir vor meinem Wagen. Dann zogen die Beiden los um ihren Zug in die Heimat zu erwischen und ich startete den Motor.
Eine Tadellose Asphaltdecke führte mich Toplita entgegen. Nach all den serpentinenreichen Bergstaraßen die ich befahren hatte gab es hier nicht den kleinsten Hügel. Aber der Bau von Serpentinen ist den Straßenbauarbeitern wohl in Fleisch und Blut übergegangen und so schlängelte sich meine Straße in weit ausladenden Kurven durch die Felder. Jede einzelne Kurve wurde von unzähligen Warnbarken gekennzeichnet die man in der ebenen Landschaft schon von weitem erkennen konnte. Mein Radio spielte "Lemon tree". " I´m driving to fast and I´m driving to far ... " Jäh, gib Gummi. Die Strasse schaut eh so aus wie die Strassen in dem uralten Computerspiel "Hang on". Kennt jemand dieses Motorradrennen für das Sega Master Sytem? Na ja, das war der Vorgänger der heutigen Playstation. Als Grundschüler war ich gut darin und jetzt steuerte ich mein eigenes Fahrzeug über ebensolche Strassen. Da konnte gar nichts schief gehen. Zumal in meinem Wagen schon echtes Rennfeeling aufkommt wenn man 10 km/h langsamer fährt als erlaubt.
Schon bald setzte die Dämmerung ein und in Toplita parkte ich am linken Fahrbahnrand. Über Toplita kann ich ähnliches sagen wie über Gheorgheni. Nur das es hier anstelle eines Penny und eines Kauflandes nur einen Lidl mit verschlossenen Tonnen gibt.
So schaut es dort aus.

Im Grunde kann man sich die Stadt wohl in unter 3 Stunden anschauen, dennoch verweilte ich einen ganzen Tag und besichtigte auch die Randbezirke.
Am 26. ging es dann endgültig weiter Richtung Nationalpark. Zwei Quellen passierte ich auf diesem Weg. Beide lagen auf der rechten Straßenseite und an der Zweiten füllte ich meine Wasserreserven auf. Es verwunderte mich wieder einmal wie viele Menschen hier den Weg in Kauf nehmen um, meist zu Fuß, einige Liter frisches Quellwasser zu ihren Häusern zu tragen. Selten konnte ich eine 6 Liter Kanne auffüllen ohne das ein altes Omachen mit einer leeren Sprudelflasche auftauchte die sie gerne befüllen wollte.

Weiter geht es mit Wanderungen im Nationalpark Calimani.

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