oder: Ein rumänischer Hundefänger

Oradea. Es waren wirklich nur wenige verbleibende Kilometer von Baila Felix bis zum Ortseingang Oradeas.
Ich glaube nicht dass ich viel länger als sieben oder acht Minuten hinter dem Steuer saß bis ich die ersten Gebäude der Stadt sah. Sie standen an einem Kreisverkehr. "Oradea Centrum geradeaus" deutete ein Schild. Doch es verbot auch die Durchfahrt für Fahrzeuge mit mehr als 5 Tonnen. Da ich mich für irgendeine Richtung entscheiden musste, entschied ich mich für Rechts. Das große Einkaufszentrum ließ ich somit links liegen und bereits nach wenigen hundert Metern erreichte ich einen weiteren Kreisverkehr. Dort bog ich links ab und folgte einer schmalen Strasse durch ein Industriegebiet. Nach drei oder vier Kilometern erreichte ich Wohnhäuser und ein Schild: "Durchfahrt für Fahrzeuge mit mehr als 5 Tonnen verboten!" Ein Polizeifahrzeug parkte am Straßenrand. Also wendete ich mein Wohnmobil und parkte kurz darauf auf einer großen Brachfläche.
Hinter mir ein Speditionshof - um mich herum die Gleise eines Gütebahnhofes.

Bild: kostenloser Wohnmobil Stellplatz in Oradea

Ich hatte gerade die Türe geöffnet um meinen Hund ins Freie zu entlassen als ich von einem Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes angesprochen wurde.
"Parkare! Caravan! Holiday! 10 dana?! Problema?"
"Nu Problema!" wurde ich nach einem kurzen Gespräch beruhigt. Der Privatpolizist wollte wohl nur wissen wer da vor dem Grundstück parkt auf das er aufpassen soll und nachdem er gesehen hatte das es wohl niemand ist der vor hat in der Nacht die Ladung der LKW´s umzuladen war es ihm recht.
Ich bekam noch eine schwer verständliche Wegbeschreibung zum Stadtzentrum und dann ging ich in diese Richtung.
Pracktisch! Ich hatte einen Parkplatz mit kostenloser Security gewählt.
Schnell erreichte ich den Bahnhof Ost Und die dort beginnenden Wohnhausanlagen. Ich bog nach links ab, als Fußgänger störte mich das Schild, welches mich als Autofahrer zum Wenden zwang, herzlich wenig. Rund 20 Minuten spazierte ich durch diesen Außenbezirk Oradeas bevor ich ein Schild mit der Beschriftung "Centrum" entdeckte dem ich folgte. Es führte mich vorbei an einem innerstädtischen Umspannwerk und dann zu einer großen Straßenbahnhaltestelle. Unmittelbar dahinter ein Bila Markt. Abermals 200 Meter weiter sichtete ich linksseitig eine große Parkanlage die ich mir anschauen ging.

Bild: Stadtpark mit Springbrunnen in Oradea

Große Schilder "Free Wi-Fi" informierten den internetsüchtigen Reisenden darüber sich in diesem Park ins world wide web einloggen zu können.
Nachdem ich alle darüber informiert hatte wohlbehalten in Oradea angekommen zu sein zog ich weiter. Vorbei an den Springbrunnen, deren Wasserpumpen pro Tag wohl mehr Strom verbrauchen als ich im ganzen Jahr, über die Hauptstrasse hinweg und weiter geradeaus.
Als ich die nächste Kreuzung erreichte sah die Stadt schon ziemlich städtisch aus.

Bild: Das Zentrum der rumänischen Stadt Oradea

Ich bog rechts ab, nutzte eine Brücke über den Fluss Crisul Repede und stand kurz darauf vor dem Stadttheater.

Bild: Das Stadttheater von Oradea

Hier beginnt auch die Fußgängerzone Oradeas.

Bild: Die Fußgängerzone Oradeas

Ich folgte dem rund einen Kilometer langen, verkehrsfreien Bereich und betrachtete die vielen Kaffeehäuser, Kneipen, die teils aufwendig restaurierten Bauten vergangener Tage und vor allem die, die noch nicht restauriert waren.

Bild: Nicht alle Häuser in Orade sind neu renoviert

Irgendwie gelangte ich zurück zur Crisul Repede. Ich nutzte eine Brücke und blickte den Fluss hinab auf das Rathaus Oradeas.

Bild: Die Crisul Repede durchfließt das Stadtzentrum von Oradea

Das es sich bei dem gelben Gebäude mit hohem Türmchen um das Rathaus handelt weiß ich nur, weil ich mich gegen Ende meines Aufenthaltes in diese Stadt dazu genötigt fühlte dieses Haus zu betreten um eine offizielle Beschwerde gegen die Stadtmitarbeiter einzureichen. Doch davon später mehr.
An diesem Tag, meinem ersten in Oradea, spazierte ich nämlich nur zurück durch die Parkanlage mit stromfressenden Springbrunnen, warf noch einen Blick über das Reiterstandbild auf die sich dahinter befindenden Häuser

Bild: Der Fuzzi auf dem Pferd heißt: Eminescu Mihai

und überquerte hinter dem Park die Hauptstrasse um in einen weiteren Park zu gelangen. Schon auf dem Hinweg hatte ich die roten Backsteinmauern und die sich dazwischen befindenden Grünflächen gesehen. Aber mein Entdeckungsdrang führte mich zunächst in die andere Richtung. Jetzt hatte ich die andere Richtung gesehen und Zeit nachschauen zu gehen was es mit diesen Mauern auf sich hat.
Zwischen meterhohen, restaurierungsbedürftigen Mauern befand sich ein breiter Grünstreifen.

Bild: Teilweise sind die Stadtmauern in Oradea noch erhalten

Die Gegend erinnerte mich sehr an Alba Luja. Nur das sich hier auf dem Plateau in der Mitte nicht der alte Stadtkern befand, sondern so etwas wie eine Kirche oder ein Kloster. Der Zugang war jedenfalls für die Öffentlichkeit gesperrt.
Dafür konnte man zwischen den Mauern prima spazieren gehen. Und genau das tat ich. Nach einem netten Plausch mit einigen Hundehaltern die hier ihre Tiere spielen ließen erklärte ich den Tag für beendet und folgte dem Pfeil auf meinem GPS Gerät zurück zu meinem Wohnmobil.
Als ich am nächsten Morgen aus meinem Fenster blickte

Bild: Blick aus dem Wohnmobilfenster bei Regen auf dem kostenlosen Wohnmobilstellplatz Oradeas

beschloss ich den PC anzuschalten und weitere Stadterkundungen auf einen Tag mit besserem Wetter zu verschieben.
Besseres Wetter konnte ich bereits am nächsten Tag genießen. Aber außer Stadterkundung stand auch noch etwas anderes, etwas sehr wichtiges auf meiner "to do" Liste. Ich brauchte einen Tierarzt. Oradea liegt nur wenige Kilometer vor der Landesgrenze zu Ungarn die ich in absehbarer Zeit passieren wollte. Und um eine Grenze zu passieren benötigt mein Hund Impfdokumente. Ich habe völlig versäumt auf dieser Seite zu erwähnen das ich seit sehr langer Zeit keine Impfdokumente für meinen Begleiter mehr mein eigen Nenne. Das liegt daran das ich es selber erst vor kurzer Zeit bemerkt habe. Nämlich da als ich alle Dinge für den Grenzübertritt zusammensuchte und die Impfpapiere meines Hundes nirgends fand. 100% sicher bin ich mir nicht, aber ich schätze dass mir diese Dokumente damals in Iasi gestohlen wurden als Einbrecher mein Fahrerhaus aufbrachen und auch mein Diktiergerät stahlen. Auch Iasi liegt nur wenige Kilometer vor bzw. hinter der Landesgrenze und die Impfdokumente meines Hundes lagen sicher noch auf meinem Armaturenbrett als sich die Diebe in meinem Fahrzeug zu schaffen machten.
Ich verließ meinen Wagen also mit dem Vorsatz einen Tierarzt zu finden. Das ist in einer großen Stadt wie Oradea jetzt nicht sonderlich schwierig. Es gibt hier viele Tierärzte so dass ich Preise vergleichen konnte. Einen Tierarzt hatte ich bereits am Vortag passiert und ich fragte nach dem Preis für eine Impfung und einen neuen Pass. "Chip hat sie!" Erklärte ich dem Doc.
Insgesamt betrat ich drei Tierarztpraxen bevor ich mich für einen Doc am Ufer der Crisul Repede entschied. Rund 10 Minuten dauerte die Prozedur. Danach war ich 80 Lei ärmer und um ein blödes blaues Papierheftchen reicher. Meinem Hund waren einige lebende Vieren injiziert worden was er allerdings prima verkraftete. Lange Zeit konnte ich ihn vor dieser Tourtour beschützen. Jetzt nötigten mich die Gesetze der Staatengemeinschaft dazu ihm eine Behandlung zukommen zu lassen die ich für mich selbst vehement ablehne.
Ich folgte dem Flussufer zurück in die Stadt und blickte diesmal von der anderen Seite auf das Rathaus.

Bild: Blick über die Crisul Repede auf das Rathaus in Oradea

Auf dem Weg zum Bila Markt, ich wollte mir etwas zu essen kaufen, betrachtete ich noch die als Denkmal aufgestellte Straßenbahn vergangener Tage.

Bild: Alte Straßenbahn in Oradea. Museeumsstück

Dann setzte ich mich in den Park der die Crisul Repede begleitet, blickte auf die Wohnhäuser am anderen Ufer

Bild: Wohnhäuser am Ufer der Crisul Repede

und begann mir Brote zu schmieren.
Dabei kam ich mit einigen Hundehaltern ins Gespräch die mich einluden ihnen zu folgen.
Hier am Flussufer sind eigenartige Schilder an den Bäumen angebracht.

Bild: Von rumänischen Bürgern gerettet. Bäume am Ufer der Crisul repede in Oradea.

Ich fragte nach deren Bedeutung.
Vor einigen Jahren wollte die Stadtverwaltung diese Bäume fällen, das Ufer asphaltieren und neue Bäume pflanzen. Dagegen protestierten viele Bewohner Oradeas erfolgreich. Letzten Endes liefen die Proteste darauf hinaus das Bürger die Bäume von der Stadt freikauften. Jetzt hängt an jedem Baum ein Schild das Auskunft über die Rasse des Baumes, sein Alter, seine tägliche Sauerstoffproduktion und seine "Adoptiveltern" gibt.
Da waren die Bürger Oradeas wohl erfolgreicher als die Bürger Stuttgarts die in einer recht ähnlichen Situation auf die Strasse gingen um einen Stadtpark zu retten und deren Volkswille brutal von Polizeiknüppeln und Wasserwerfern nieder geprügelt wurde.
Aus aktuellem Anlass wünsche ich in diesem Zusammenhang den Demonstranten die sich für den Erhalt des Istanbuler Taksim Parkes einsetzen viel Glück und vor allem körperliche Unversertheit.
Auch die Bedeutung eines weitern Schildes bekam ich übersetzt.

Bild: Schild in Oradea: Betteln verboten.

Da steht das wonach es ausschaut! Das ist eine offizielle Aufforderung kein Geld an Bettler zu geben.
Auch ich gebe Bettlern nichts. Zumindest dann nicht wenn sie mich aktiv ansprechen. Aber durch einen offiziellen Schilderwald dazu aufzufordern diese Menschen einfach verrecken zu lassen finde ich beschämend.
Mit Einbruch der Dunkelheit gehen die freundlichen Hundehalter heimwärts und ich bin wieder alleine. Es ist Wochenende und ich mag mich in das Nachtleben Oradeas stürzen. Kneipen und Kaffeehäuser sind gut besucht, die Parkanlagen hingegen nahezu menschenleer.

Bild: Der Stadtpark von oradea bei Nacht.

Bei einigen Kneipen suche ich nach den versteckt angebrachten Preislisten. Bei vielen finde ich sie überhaupt nicht, bei anderen erfahre ich nach längerer Suche was ich wissen will. Bier 7 Lei, Bier 10 Lei.
Mir wird schon schlecht wenn ich die Preise lese. Über Land, bei irgend so einem kleinen Magazina Alimentare, kann ich für 10 Lei nicht ein Bier trinken sondern mich restlos besaufen. Bei diesen Preisen habe ich keinen Durst und wandre ziellos durch die Nacht.

Bild: Fußgängerbrücke über die Crisul Repede in Ordea

Es ist ein lauer Sommerabend und das laufen macht Freude. Irgendwann so gegen 3 Uhr in der Früh, das Stadtzentrum habe ich bereits lange verlassen, sehe ich ein Verkehrsschild. "Baila Felix, 5 Kilometer" steht darauf geschrieben.
Hm, wozu habe ich meinen Motor gestartet? Ich hätte auch gleich von meinem alten Parkplatz hier her laufen können.
Ich schalte das GPS an und gehe Heimwärts.
Am nächsten Tag folge ich dem Hinweisschild zur "Manastirea Sfintei Cruci". Wenn ich in diese Richtung laufe - und mich dann irgendwo links halte, soll ich auf einen Berg gelangen von welchem aus ich die gesamte Stadt überblicken kann. Das erzählten mir die Hundehalter vom Vortag.
Nach rund 40 Minuten Fußweg erreichte ich die Manastirea.

Bild: Die Manastirea Sfintei Cruci in Oradea

Ich probierte einige Wege die von dort nach links führten. Aber den Berg von welchem meine Freunde gesprochen hatten, den fand ich nicht. Alle Wege endeten an irgendwelchen Häusern und ich kam nicht weiter.
Dafür erreichte ich die New Yorker Freiheitsstatue.

Bild: Auch in Oradea gibt es eine Freiheitsstatue

Ein Blick über die Stadt wäre mir allerdings lieber gewesen.
Auch in dieser Nacht schlenderte ich lange und ziellos durch die Stadt. Immer auf der erfolglosen Suche nach einem bevölkerten Stadtpark, einem Ort an dem sich Menschen treffen um zusammen zu feiern ohne das überteuerte Bier der örtlichen Kneipen konsumieren zu müssen.
Da meine Suche erfolglos war beschloss ich irgendwann so gegen Mitternacht meinen Computer zur Hilfe zu nehmen. Irgendwer muss mir mal die guten Stellen in der Stadt zeigen, alleine scheine ich sie nicht zu finden. Also schrieb ich in die Oradea Gruppe auf Couchsurfing das ich einen Guide benötige und schon am nächsten Tag traf ich mich mit Dalina.
Sie zeigte mir dann den Berg mit der Aussicht über die Stadt den ich alleine nicht gefunden hatte. Ich war viel zu weit gelaufen. Schräg gegenüber des Schwimmbades befindet sich ein weiterer Park. Ihn muss man durchkreuzen und dann gelangt man auf einen schmalen Weg mit Treppen.

Bild: Mit Couchsurfern unterwegs in Oradea

Diese Treppen führen einen direkt hinauf zu dem Berg mit Aussicht.

Bild: Aussicht von Aussichtspunkt (Berg) in Oradea

Von der anderen Seite gibt es eine Asphaltstrasse die zu dem Restaurant führt das sich hier befindet. Aber dieses Restaurant nutzen wir nicht. Wir hatten alles was wir brauchten in unsren Rucksäcken und machten es uns auf eine Rasenfläche gemütlich.
Lange blickten wir über die Stadt und unterhielten uns. Ob mir den aufgefallen sei was die Rumänen auf dem Land für durchgeknallte Sachen machen. Fragte mich Dalina.
"Durchgeknallte Sachen?" Hm, das verrückteste was ich so bemerkt habe das waren die alten Männer die sich einfach neben mich setzten und ein Gespräch begannen und denen es einfach nicht begreifbar zu machen war das ich sie nicht verstehe. Ohne in irgendeiner Form ihre Hände und Füße zur Hilfe zu nehmen redeten diese Männer einen immer schneller werdenden rumänischen Wortfluss und die einzige Möglichkeit der Sache zu entgehen sei es sich irgendwann freundlich zu verabschieden.
"Ja, zum Beispiel. Aber die machen noch anders blödes Zeug." Erzählte mir Dalina.
"Dann sag doch mal ein Beispiel, was anders wirklich Verrücktes ist mir nämlich nicht aufgefallen."
Daraufhin bekam ich den ländlich-rumänischen Schwangerschaftstest erklärt. Laut Dalina soll er so in einigen abgelegenen Regionen des Landes tatsächlich angewendet werden. Alles was man dazu benötigt ist eine zu testende Frau und eine Lauchzwiebel. Die Lauchzwiebel wird der Frau in den Geburtskanal eingeführt. Dort lässt man sie eine Zeit lang stecken. Wenn man sie hinauszieht, und der untere Teil ist abgebissen, dann ist die Frau schwanger. Ist die Zwiebel noch heile, dann ist kein Nachwuchs zu erwarten.
Ja, das ist wirklich blöde! Was ist wenn das Kind keine Lauchzwiebeln mag? Um sich sicher zu sein sollte man den Test auf jeden Fall noch einmal mit einer Salami, einer Gurke und einem Lutscher wiederholen konterte ich. Dalina lachte und wir wechselten das Gesprächsthema.
Ob sie das ernst gemeint hat?
Ich fragte nach Stadtparks, nach beliebten Outdortreffpunkten für junge Leute. So etwas gäbe es hier nicht. Vereinzelt würden sich schon Menschen unter freiem Himmel treffen, aber sehr versteckt da die Polizei recht empfindlich auf das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit reagiere. Ich bekam einige Kneipen empfohlen und dann trennten sich unsre Wege. Dalina hatte keine Lust zu laufen und an Sonntagen fahre ihr letzter Bus bereits um 19 Uhr 30. Ich war wieder alleine und tat das was ich immer tue. Ich lief mehr oder weniger Ziellos durch die Stadt. Dabei gelangte ich in einen Außenbezirk. Auch dort gab es eine große Parkanlage, doch auch sie war menschenleer.

Bild: Stadtpark mit altem Wasserturm in Oradea

Schaut euch das Ufer der Crisul Repede an. Es gibt unzählige Bänke, aber nirgendwo sitzt auch nur eine einzige Person.

Bild: Die Crisul Repede in oradea bei Nacht

Spät in der Nacht, ich war eigentlich auf dem Heimweg, passierte ich dann die kleine Bar die mir Dalina empfohlen hatte. Hunde seien dort willkommen sagte sie und das Bier koste "nur" 5 Lei. Ich entschied mich einen kleinen Absacker zu mir zu nehmen bevor ich endgültig heimwärts gehe.
In der Tat waren Hunde willkommen und in der tat kostetet Bier "nur" 5 Lei. Eine "Cocaine Line" kostet hingegen nur vierfünfzig. Wie ich einem aushängenden Schild entnehmen konnte.
Liebe Drogensüchtige, das ist jetzt leider nicht euer Tipp. Bei der Cocaine Line handelt es sich nämlich nur um einen zusammengemixten Schnaps und nicht um ein weißes Pulver. Ich habe nachgefragt.
Das Publikum in der Bar ist recht international. An zwei von grob geschätzten 15 Tischen wurde englisch gesprochen als ich den Laden betrat und so kam ich recht schnell mit einigen Menschen in Kontakt die mir weitere Tipps für meinen Aufenthalt gaben.
Wer diese Bar auch einmal besuchen will, sie befindet sich in der "Strada V. Alexandri". Diese Strasse erreicht man wenn man den Springbrunnen im Park folgt, dann den Park verlässt und geradeaus geht. Auf dieser Strasse gibt es unzählige Kneipen. Die Strada V. Alexandri ist in Oradea so etwas wie die Bolkerstrasse in Düsseldorf. Bei dem Laden von dem ich spreche handelt es sich um ein unscheinbares, braunes Gebäude das nach ca. 400 Metern auf der rechten Seite zu finden ist. Genau hier: 47° 03.238N; 21° 55.861O.
Irgendwann gegen 4 Uhr in der Früh erreichte ich leicht angetüddelt meinen Wagen. Am nächsten Tag war ich nicht nur müde, sondern es regnete auch mal wieder. Also blieb ich daheim.
Aber am dritten, am dritten war ich wieder mit Dalina verabredet.
Genau wie bei unserem ersten Treffen, trafen wir uns am Stadttheater. Diesmal erst um 18 Uhr. Ich war viel zu früh, also beschloss ich noch ein wenig durch die Gegend zu laufen. Am Stadttheater bog ich halb-schräg nach links ab und gelangte in diese Strasse.

Bild: Die Zufahrt zum kostenpflichtigen Wohnmobilstellplatz in Oradea

Nach wenigen Metern kann man von dort nach links auf einen kostenpflichtigen und kammaraüberwachten Parkplatz abbiegen. Anscheinend fungiert dieser Parkplatz auch als Campingplatz, denn dieses Wohnmobil stand dort einige Tage lang.

Bild: Der kostenpflichtige Wohnmobilstellplatz in Oradea

Die Parkgebühren betragen 2 Lei die Stunde. Wer 24 Stunden stehen bleiben will ist somit umgerechnet mit knapp 6 Euro dabei. Gratis W-Lan der Stadt inklusive, ich habe es extra für euch ausprobiert. Nur mal so als Tipp für alle Frührentner auf Tour die mit Finanzmitteln besser ausgestattet sind als mit körperlicher Fittnes für einen weiten Fußweg.
Strom gibt es dort allerdings nur dann wenn Ihr ein sehr sehr langes Kabel dabei habt und die Straßenlaterne gegenüber des Theaters anzapft.

Bild: Von hier kommt der Strom auf dem Wohnmobilstellplatz in Oradea

Außerdem entdeckte ich dieses Haus das sicherlich einem Maler- und Anstreicher gehört der einfach mal die Reste verschiedener Aufträge auf seiner Fassade verpinselt hat.

Bild: Kunst von Malermeister Klecksel. Kleckselei in Oradea

Um Punkt 18 Uhr traf ich dann Dalina. Da ich mich per E Mail bei ihr beschwert hatte das das Bier in ihrer Kneipe viel zu teuer sei zeigte sie mir diesmal das billigste Bier in der Stadt.
Das billigste Bier in Oradea gibt es laut Dalina im Hotel Transsilvania, gleich schräg gegenüber des Theaters und zentral im Bild.

Bild: Das Hotel Transsilvania in Oradea

Schon von außen wirkt dieses Hotel auf mich nicht wirklich einladend, aber was ich von innen sah schreckte mich irgendwie ab.

Bild: Das Restaurant im Hotel Transsilvania in Oradea

Da ganz hinten in der Ecke sitzen Dalina und ihre Freunde und trinken das Angebot des Hauses. Drei frisch gezapfte Bier für 6 Lei. Ein kleines Päckchen Salzstangen gibt es obendrein noch gratis dazu. Das ist wirklich sehr billig, da kann man über das "gemütliche" Ambiente schon mal hinwegsehen. Ein gewaltiger Nachteil des Ladens ist es, das Hunde dort verboten sind. Wer wie ich dennoch seinen Freund mit hinein nehmen will, dem kann ich folgende Vorgehensweise empfehlen:
Man betritt den Flur des Hotels und sagt zu seinem Hund "Du wartest hier fein!" Dann geht man selbst in das Innere der Gaststätte, setzt sich an einen Tisch und bestellt die 3 Bier. Wenn die Kellnerin die Biere hohlen geht, dann ruft man leise seinen Hund und sagt ihm er solle sich unter den Tisch legen. Wenn man so vorgeht, dann merkt niemand dass der Hund da ist und alle sind zufrieden.
"Früher war das hier ein gut gehendes Hotel. Aber die Besitzer haben schon längst ganz andere Jobs und betreiben das Hotel nur noch um vor dem rumänischen Finanzamt nicht in Erklärungsnot zu geraten wo sie das ganze Geld her haben. Die verkaufen hier vielleicht 10 Bier am Tag, der Laden ist immer so leer, aber auf der Steuererklärung steht sie hätten 200 Bier verkauft."
Erklärt mir einer von Dalinas Freunden.
Um 10 Uhr schließt der Laden und ich bekomme einen polizeifreien Outdoortreffpunkt gezeigt. Das Dach des Stadttheaters!

Bild: Das Dach des Stadttheaters ist ein beliebter Treffpunkt für junge Leute in Oradea

Um dort hinzugelangen muss man über einen kleinen Zaun klettern. Hinter diesem Zaun befindet sich eine Eisenleiter die es zu erklimmen gilt und die einen genau auf das Dach des Theaters führt. Wenn man diesen Weg einmal hinter sich gebracht hat, dann braucht man sich nicht mehr vor der Polizei zu fürchten und kann in Ruhe ein preisgünstiges Bier unter freiem Himmel genießen. Der Platz ist beliebt, denn während unsrer rund 2 stündigen Anwesenheit kam noch eine weitere Gruppe junger Leute die Leiter hinaufgeklettert.
Später zogen wir dann doch noch in einen Stadtpark und dort erzählen mir Dalina und Ihre Freunde in so einer Art Interview was wir den Tag über getrieben haben.

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Am frühen Nachmittag des 4. Juni ziehe ich dann mit einem schweren Rucksack auf dem Rücken los um Vlad zu treffen. Vlad hatte ich bereits am Vortag kennen gelernt. Vlad ist Buchhändler und ist auf einer Bank in der Fußgängerzone Oradeas anzutreffen. Dort sitzt er, mit einem schmuddeligen Jogginganzug bekleidet, neben einem kleinen Stapel Bücher und hofft darauf dass irgendjemand eins kauft.
"I am poor! - Ich bin arm!" Sagte er mir ganz unverblümt nach einigen Sätzen Smalltalk. Eine völlig überflüssige Information, denn das sah man eigentlich auf den Ersten Blick. Eigentlich habe gar nicht ich Vlad kennen gelernt, sondern Scheki.
Das war so:
Vlad saß neben seinen Büchern und löffelte einen Becher "Smantana". Smantana ist rumänisch und bedeutet übersetzt so etwas wie Dickmilch, Sauerrahm oder auch Joghurt. (Ich konnte diese Milchprodukte noch nie so gut auseinander halten) Jedenfalls fragte Schecki mit seinen treuen braunen Hundeaugen ganz liebenswürdig nach ob er vielleicht ein Löffelchen abbekommen könnte. Vlad mochte Hunde und so wanderte der ein oder andere Klecks Smantana für meinen Hund auf den Boden. Ich war gezwungen mein Tier einzufangen und kam so mit Vlad ins Gespräch. Als erstes fragte er mich wohl ob ich nicht ein Buch kaufen wolle. Denn diese Frage wiederholte er auf Englisch nachdem ich mich für meine fehlenden Sprachkenntnisse entschuldigt hatte.
"Hast Du auch deutsche Bücher? Das hier kann ich ja alles nicht lesen." Antwortete ich und Vlad erwiderte vor geraumer Zeit auch mal einige deutsche Bücher gehabt zu haben diese aber alle verkauft zu haben.
"Du verkaufst hier deutsche Bücher?!" Wer kauft die den? Touristen?" Nein, meinte Vlad, hier gäbe es viele deutschstämmige Leute die sich freuen würden ein deutsches Buch zu finden. Deutsche Bücher verkaufe er besser als rumänische.
"Wart ab mein Freund. Ein Buch kaufen tue ich nicht, aber ich bring dir welche zum verkaufen. Nen ganzen Rucksack voll. Biste morgen hier?" Vlad bejahte.
Deswegen verließ ich am frühen Nachmittag des 4. Juni meinen Wagen mit einem sehr schweren und sehr großen Wanderrucksack auf dem Rücken. Dem gleichen den ich auch verwende wen ich einen neuen Pass beantragen gehe, die Donau hinunter rudere oder auch durch das Apusenie Gebirge laufe.
"That´s not for you!" Sagte ich als ich meinen Rucksack neben Vlad auf die Bank stellte und meinen Laptop auf die Bank legte. "That we can chair." Sagt ich als ich meine Kaffeekanne daneben legte. "And that, that is for you."
Vlad´s Augen glänzten als ich gut und gerne 30 oder gar 40 Bücher neben ihn auf der Bank stapelte.
Bei einem Tässchen Kaffe aus meiner Thermoskanne saßen wir noch eine Weile beisammen und unterhielten uns. Früher habe Vlad an einer Tankstelle gearbeitet. Die Benzindämpfe hätten seine Lungen verätzt so dass ihm sein Arzt geraten habe den Job aufzugeben. Er stand also vor der Wahl: Leben als Arbeitsloser, oder sterben im Angestelltenverhältnis. Er habe sich für Leben entschieden und heute habe er nichts anderes mehr als seine Bücher. Er fände auch keinen Job, das sei ein Teufelskreis, meinte Vlad. Keine Wohnung = kein Job, kein Job = keine Wohnung. Und überhaupt, ihn wolle ja auch niemand. Bedingt durch seine Zuckerkrankheit sei er schwer übergewichtig und zusammen mit seinen verätzten Lungen sorge das dafür das er sich kaum noch bewegen könne. Was solle er schon anderes arbeiten als seine Bücher zu verkaufen? Am 5. säße er übrigens nicht auf seiner Bank. Da habe der blöde Polizist dienst und der verscheucht ihn immer. Erzählte mir Vlad.
Ja, der blöde Polizist. Ich sollte ihn noch kennen lernen.
Doch an diesem Tag verabschiedete ich mich von Vlad und lief meine Runden durch die Stadt. Ich spazierte noch einmal auf den Berg den mir Dalina gezeigt hatte. Eigentlich hatte ich vor ein schöneres Foto des Panoramas zu schießen, aber der Himmel war bedeckt.

Bild: Das Panorama Oradeas

So gegen 9 oder halb 10 am Abend passierte ich dann wieder Vlad. Er kam gerade mit einer großen Plastiktüte aus einer Pizzeria zurück und setzte sich wieder neben seine Bücher.
"Komm mit, ich mag dem Hund was geben, aber ich möchte nicht dass die das sehen." Sagte Vlad. Also half ich Vlad beim Tragen seiner Habseligkeiten und wir versteckten uns in einer Seitengasse. Vlad hatte Speisereste abgeholt. Angebissene Pizzaecken, Ränder … halt das was zahlungskräftige Kunden in einem Restaurant auf ihren Tellern zurückgehen lassen. Eine riesen Tüte voll! Nicht unbedingt appetitlich die leckeren Pizzen, so lieblos in eine Tüte geworfen, aber 1a Ware. Schekie schmeckte es und Vlad fragte mich ganz verschüchtert ob ich vielleicht auch eine Ecke abhaben wolle.
"Wenn du genug für uns beide hast?! Ich hab dir gesagt dass ich selbst ne arme Sau bin und froh bin so über die Runden zu kommen. Das schaut in meinen Augen lecker aus und hygienische Skrupel hab ich nicht." Ich griff nach einer Pizzaecke.
"They give me muche more then I can eat! Lock that are arround 3 Kilo of Pizza!"
"Ok Vlad, ich hab eine Idee! Von nun an tauschen wir Kaffe am Nachmittag gegen Pizza am Abend. Ist das ein Deal?"
"Jo!" Wir mampften beide.
Vollgefressen und mit einem großen Lunchpacket ausgestattet machte ich mich auf den Heimweg. Als ich die kleine Kneipe mit der Cocaine Line passierte die ich zwei Tage zuvor besucht hatte vernahm ich eine Stimme: "Hey Stefan! How are you?"
Einer meiner Freunde vom letzten besuch verließ gerade den Laden und lud mich ein ihn beim Kneipenwechsel zu begleiten.
So gelangte ich in Abyss Biker Bar.

Bild: Die Kneipe Abyys Biker Bar in Oradea

Der Preis für ein Bier beträgt an diesem Ort nur 3 Lei und ist mir somit entschieden symphatischer. Schekie war nicht nur willkommen, sondern wurde augenblicklich hinter die Theke gerufen wo er mit chinesischem Fast Food gefüttert wurde. Dieser Köter hat einen Magen wie eine Mülltonne, der hatte schon so viel Pizza das er eigentlich platzen müsste aber für ein bisschen Nasi Goreng scheint noch Platz zu sein.
Der Chef ist eigentlich Belgier. Die Liebe zog ihn irgendwann nach Rumänien und dort hat er sich überlegt wovon er den hier so leben könne. Das Ergebnis seiner Überlegungen ist die kleine Kneipe auf deren Barhockern ich gerade sitze.
"Today I have realy hart to work!" erzählt mir der junge Mann mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Dabei nimmt er einen tiefen Zug aus seiner elektrischen Zigarette, faltet die Styroporschachtel mit dem chinesischen Fast Food zusammen und sucht derweilen den nächsten Musiktitel auf YouTube aus.
"Ja, ist schon geil wenn man von etwas Leben kann das einem Freude bereitet. Ich kenne das!"
Nach rund 2 Stunden Aufenthalt zogen wir weiter. Das "Moskva" müsse ich unbedingt sehen meinte mein Freund.
In der Tat, ein Besuch in dem diskoähnlich ausgebauten Lokal welches sich im ersten Stock eines baufälligen Wohnhauses befindet lohnt alleine um einmal den verwinkelten Hausflur entlanglaufen zu können.

Bild: Eingang der Disko Moskva in Oradea

Große, runde, rot umrandete Schilder mit einem durchgestrichenen Hund begrüßen uns am Eingang.
"Ich denke da komme ich nicht mit!" Sage ich zu meinem Freund.
"Ah, give a shit! That is just because the law and not because the peopel. Your dog is welcome, belive me!"
Tatsächlich, mein Hund war willkommen und er fand sogar noch einen Kumpel zum spielen. Nach einem weitern Bier erklärten wir den Abend für beendet.
Am frühen Abend des nächsten Tages lernte ich dann den blöden Polizisten kennen. Er vertreibt nicht nur den armen Vlad, der wirklich niemandem etwas zu leide tut und lediglich mit seinem schmuddligen Jogginganzug bekleidet neben einem Stapel Bücher auf einer öffentlichen Bank sitzt, sondern auch deutsche Langzeitreisende die mit ihrem Hund durch die Stadt laufen.
Mein Tier war angeleint. Ich hatte viele Hundehalter getroffen die mir davon erzählten dass die Polizei in Oradea hohe Bußgelder verhänge wenn ein Hundehalter sein Tier im Stadtzentrum nicht anleine. Die Leinenpflicht, so wurde mir gesagt, gibt es allerdings nur im Zentrum der Stadt. Ich spazierte also mit meinem ordnungsgemäß angeleinten Vierbeiner die Fußgängerzone hinauf als mir der blöde Polizist entgegenkam und zielstrebig auf mich zuging. Der blöde Polizist sprach gebrochenes Englisch und erklärte mir jetzt dass ich eine Strafe zu zahlen habe da mein Hund nicht mit einem Maulkorb ausgestattet sei.
"No! I don´t have. You tell leys!" Erwiderte ich.
Es stimmt zwar das es in Oradea eine Maulkorbpflicht gibt aber, genau wie in Deutschland auch, nur für bestimmte Rassen.
Mich erinnern solche Gesetze ja immer an einen bekanten deutschen Politiker vergangener Tage (mit dem Rumänien übrigens gemeinsame Sache gemacht hat). Auch er wollte nur Menschen bestimmter Rassen und Abstammungen durch Massentötungen ausrotten.
Der blöde Polizist wollte jetzt jedenfalls meinen Ausweis und den meines Hundes sehen. Meinen eigenen hatte ich ja noch dabei, aber der vom Hund, der lag im Auto.
Genau das erklärte ich dem blöden Polizisten. Und jetzt, jetzt wurde es richtig lustig. Wenn ich die spärlichen Brocken Englisch des blöden Polizisten richtig gedeutet habe, dann erklärte mir dieser Mann jetzt dass er mein Tier beschlagnahmen müsse da ich nicht beweisen könne das es mein Tier sei.
"Oh yes, I can!" Antwortete ich. "Die hat einen Mikrochip, müssen Sie nur scannen!"
"I have no Scanner."
"That´s not my problem!"
Während ich diese Worte sprach griff ich nach der Leine meines Hundes, die ich, um Ausweißpapiere aus meinem Rucksack zu kramen, lose über einen Blumenkübel gelegt hatte und ging weiter.
Der blöde Polizist schaute mir etwas verdutzt hinterher.
Die nächsten Tage in Oradea verliefen mehr oder weniger nach einem gleichmäßigen Muster. Aufstehen gegen 11, Kaffeetrinken mit Vlad bis ca. 1 dann ein wenig durch die Stadt laufen, hier noch einige Impressionen:
Zwischen 9 und 10 am Abend ging ich zum gemeinschaftlichen Pizzaessen dann meistens wieder zu Vlad und anschließend entweder nach Hause oder noch auf einen kleinen Absacker zu Abyss. Am 10. beschloss ich dann das es Zeit sei abzureisen. Wie ich es eigentlich fast immer machen bevor ich meinen Motor starte nutzte ich die letzten Stunden an meinem alten Aufenthaltsort dazu um aufzuräumen. Man fühlt sich einfach wohler wenn man einen fremden Ort erreicht und es herrscht Ordnung. Diesmal würde ich ja zwischenzeitlich anhalten müssen und die Gefahr dass irgendwelche wildfremden Menschen meinen Wohnraum inspizieren war recht hoch. Deshalb putzte ich ganz besonders gründlich.
Da es sehr warm war öffnete ich dabei Tür und Fenster und ließ meinen Hund umherstreunen. Ich stand gerade in der Türe und schüttelte eine Wolldecke aus als Scheki angeschossen kam und sich unter das Auto verkrümelte. Ihm folgte ein Mann der freundlich auf ihn einredete. Da ich es immer mag wenn jemand freundlich zu meinem Hund ist hab ich erklärt das das der Scheki sei und er zu mir gehöre und keinen Hunger habe. Ich dachte ja es handle sich um einen Arbeiter aus dem abgelegenen Industriegebiet in dem ich parkte.
Der Typ bemerkte also dass der Hund einen Besitzer hat, griff in Richtung des Tieres und zog einen Pfeil aus seinem Hinterteil. Als ich das sah war ich dann nicht mehr so freundlich. Ich sprang aus dem Wagen und knipste als erstes ein Bild von dem Wagen in den sich alle fluchtartig zurückzogen.

Bild: Flüchtende Hundefängern in Oradea

Ich hatte kaum den Auslöser heruntergedrückt als das Fahrzeug mir rauchenden Pneus in der Landschaft verschwand. Ich rannte hinter her, aber mehr als mit meiner Faust gegen das Heck des Wagens zu schlagen konnte ich nicht mehr ausrichten.
Scheki schlief mittlerweile narkotisiert und völlig kraftlos unter meinem Wagen. Ich hatte es mal wieder mit Hundefängern zu tun.
Ich möchte an dieser Stelle festhalten das diese "Menschen", und ich kann in diesem Sinnzusammenhang das Wort Menschen wirklich nur noch in Anführungszeichen setzen, mich und meinen vierbeinigen Freund ohne ein Wort der Aufklärung darüber was sie mit meinem Tier angestellt haben zurückließen. Hätte ich Betäubungspfeile und deren Wirkungsweise nicht von diversen Tierheimaufenthalten gekannt, ich wäre wohl vor Angst um meinen Hund gestorben. Weiterhin möchte ich festhalten das diese "Menschen" einen Narkosepfeil auf einen Hund geschossen haben den jeder Dummkopf mit einigen wenigen freundlichen Worten und eventuell unter Zurrhilfenahme eines Wurstzipfels einfangen kann. Last but not least möchte ich festhalten dass die Stadt Oradea Fangkommandos entsendet die wahllos auf ihnen unbekannte Tiere schießen. Mittlerweile liegt mir ein offizielles Schreiben der Stadt Oradea als PDF Datei vor. Dieses Schreiben ist in rumänischer Sprache abgefasst. Aber ich habe es mir übersetzen lassen und darin heißt es das es für die Hundefänger nicht ersichtlich gewesen sei das dieser Hund einen Besitzer habe.
Mein Hund trug ein Halsband, daran war ein sehr auffälliger, roter Anhänger befestigt der jeden halbwegs intelligenten Menschen, der sich ein wenig auskennt, darüber informiert das mein Tier gegen Tollwut geimpft ist. Außerdem stand ich in einem abgelegenen Industriegebiet. Zu der Spedition hinter mir gehörten mindestens 3 Hunde. Ob diese Tiere nun wirklich zu der Spedition gehörten, das kann ich so natürlich nicht sagen. Aber diese Tiere leben zumindest in Symbiose mit den Firmeninhabern. Auf dem Firmengelände stehen Futter- und Wasserschüsseln und nachts sind die Hunde auf dem Betriebshof eingesperrt. Aber tagsüber, dann wenn die Tore der Firma offen stehen damit die großen LKW hindurchfahren können, dann laufen diese Hunde natürlich auch außerhalb des Betriebsgeländes herum. Ich stelle also fest das durch städtische Hundefänger Tiere eingefangen und in ein Tierheim gebracht werden (auch das steht in der PDF Datei) die eindeutig einem "Besitzer" zuzuordnen sind bzw. die zumindest einen Menschen haben der sich um sie kümmert.
Mein Zorn war unermäßlich, doch zunächst trug ich mein schlafendes Tier ins Fahrzeuginnere und drehte dieses kleine Video das zeigt wie aphatisch mein Hund auf dem Sofa liegt.


Am späten Abend, nach etwa 6 oder 7 Stunden Wartezeit hatte sich mein Hund soweit erholt das ich mich traute mit ihm zu fahren. Ich startete den Motor, tankte für einen Preis von 5,73 Lei/Liter meinen Wagen voll bis zum Überlaufen und parkte kurze Zeit später auf dem Parkplatz eines großen Supermarktes.
Zum Einkaufen war es an diesem Tag schon zu spät und am nächsten Morgen hatte ich anderes zu tun.
Ohne meinen Hund spazierte ich zielstrebig zum Rathaus der Stadt Oradea um ein offizielles Statement der Stadt zu den Vorgängen einzufordern. Meinen Eröffnungssatz hab ich vorher prima auswendig gelernt:
"Jesterday shot some gouverment peopel a narkotikom arrow to my dog. Now I like to have a official statment if this is the way here to act to tourists and their dogs!"
Übersetzt heißt das:
"Gestern haben Regierungsmitarbeiter einen Betäubungspfeil auf meinen Hund geschossen. Jetzt hätte ich gerne ein offizielles Statement ob das hier ein normaler weg ist mit Touristen und ihren Hunden umzugehen."
Erstaunlicherweise waren die Leute recht freundlich. Die Frau an der Info hat mich zu Schreibtisch Nr.12 geschickt, die Frau an Schreibtisch Nr.12 hat einen Dolmetscher geholt und dieser Dolmetscher ist dann mit mir zur Lokalpolizei.
Dort habe ich ein Schreiben aufgesetzt das meine Beschwerde bzw. meine Aufforderung zu einem Statement enthält

Bild: Beschwerdeschreiben an die Stadt Oradea. Beschwerde über das Agieren der Hundefänger

Wie bereits erwähnt habe ich dieses Statement mittlerweile als PDF Datei in rumänischer Sprache vorliegen. Abermals einen Tag später verließ ich dann endgültig die Gegend. Nach rund 20 Minuten Fahrzeit erreichte ich die Grenze zu Ungarn.

Bild: Mit dem Wohnmobil am Grenzübergang Rumänien - Ungarn

Im Hintergrund sieht man das Röntgengerät für LKW.
Ich hatte es mit einem ganz besonders fähigen Grenzbeamten zu tun der mein Herz kurzfristig bis hinab zu den Knien rutschen ließ.
Am Ende habe ich es dann doch geschafft und um zu zeigen wie man in einer solchen Situation reagiert habe ich mich dazu entschieden die Worte des Grenzbeamten zu zitieren und meine eigenen Worte als Liveaudio zu veröffentlich denn ich glaube in einem solchen Fall ist die Ruhe die man selber ausstrahlt und der Tonfall mit dem man sprich sehr entscheidend.
Ich erreichte also den Grenzpfosten, kurbelte das Fenster hinab und eröffnete das Gespräch.
Da hohe Hintergrundgeräusche die Worte des Grenzers ohnehin unverständlich machen, möchte ich am Anfang ein längeres, zusammenhängendes Audio einspielen. Der Grenzer fragt halt was ich geladen hätte und ich zeige ihm meinen Wagen. Ich denke das ist herauszuhören.

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Bild: Danke








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