Kurort Baila Felix

Am nächsten Tag zog ich mit immer noch leeren, aber immerhin ein wenig volleren Vorratsschränken weiter. Mein Ziel hieß Oradea bzw. Baila Felix. Dieser Ort liegt 10 Kilometer vor Oradea und es soll dort sehenswerte Thermalquellen geben.
Doch bereits nach wenigen Kilometern sah ich ein Schild. "Pestera Ursilor" - "Bärenhöhle" stand darauf geschrieben.
Ich erinnerte mich an die Worte meiner ungarischen Freunde. "Wenn du es nicht eilig hast Rumänien zu verlassen, dann würde ich dir auf jeden Fall empfehlen dort hin zu fahren, die Gegend ist ähnlich schön wie diese hier."
Also, Blinker rechts und den Bergen entgegen.

Bild: Zufahrtsstrasse zur Pestera Ursilor

17 Kilometer später parkte ich schon wieder mitten in der Pampa.

Bild: Wohnmobilstellplatz an der Pestera Ursilor

Als erstes Zog ich los zur Höhle zu laufen. Anders als im Sighesteltal wo man die Höhlen mühsam suchen muss gibt es hier große Hinweisschilder und einen Reisebusparkplatz vor dem Höhleneingang.
Höhleneingang! Ich habe ja so viele Bilder von Höhleneingängen gezeigt, ich möchte auch ein Bild des Höhleneingangs der Pestera Ursilor zeigen:

Bild: Haupteingang der Pestera Ursilor

Ja, das ist ein Höhleneingang. Das ist nicht etwa die Türe zum Rathaus von Chiscau (Chiscau heißt die kleine Ortschaft hinter welcher die Pestera Ursilor liegt) sondern der Eingang zu Höhle. Die Pestera Ursilor ist eine moderne Höhle mit Thermopenverglasung und Neonbeleuchtung. Ganz genau weiß ich das mit der Beleuchtung jetzt allerdings nicht denn ich habe mir das Innere der Höhle nicht angeschaut. 15 Lei Eintritt hätte ich berappen müssen und dann noch einmal eine Fotografiesteuer in Höhe von 20 Lei. Macht 35 Lei, rund 8 Euro um mir einen Ort anschauen zu dürfen dem jeglicher Flair und jegliches Abenteuer durch touristische Erschließung genommen wurde.
Wenn ich in eine Höhle gehe, dann möchte ich eine Taschenlampe benutzen müssen. Dann möchte ich das Risiko fühlen das ich mich in dem Ding verlaufe, die Ungewissheit ob ich auf eine Leiche, eine Kalaschnikow oder auf einen Koffer Gold stoße. Pestera Ursilor heißt wörtlich übersetzt Bärenhöhle. Wie um alles in der Welt soll der arme Bär durch die Türe kommen? Hat der einen Schlüssel?
Auch die unzähligen Souvenirstände die die letzen 300 Meter Weg, das Stück Strasse zwischen Reisebusparkplatz und Höhle, säumen das man dann doch zu Fuß gehen muss schreckten mich ab.

Bild: Souvenirlaeden vor der Pestera Ursilor

Der Bringer ist das ihren Plörren gar nicht wegräumen wenn sie die Stände schließen. Die legen da einfach nur eine Folie drüber. An den Rändern, da wo die Folie nicht ordentlich befestigt ist sieht man sie, die Gipsbären welche sich auf kleine Schilder mit der Beschriftung "Pestera Ursilor" stützen und den billigen Plastikramsch aus China und Taiwan den man wohl immer an Orten wie diesem erstehen kann.
Enttäuscht ging ich heim.
Am 15. folgte ich dann einem Wanderzeichen welches direkt hinter meinem Parkplatz vorbeiführte und gelangte nach 4.02 Kilometern zur Pestera Magura. Aber diese Wanderung habe ich ja schon in meinem interaktiven Mitwandern der Seite "Höhlen und Wanderwege in Sighestel - Rumänien" beschrieben. Wer sie nicht gefunden hat, HIER geht es los.
Als ich von dieser Tour zurückkam hockten einige Typen in dem Bach vor meinem Wagen. Helme mit Beleuchtung lagen im Gras neben Kletterseilen und Höhlenforscherequipment. Ich grüßte freundlich und ging einmal nachschauen was die Jungs da tun.
Es handelte sich um Höhlenforscher im offiziellen Auftrag. Die Pestera Ursilor hat 2 Ebenen. Für zahlende Besucher ist nur die obere Ebene geöffnet. In der unteren wurden vor einigen Jahren alte Bärenknochen gefunden. Daher auch der Name Bärenhöhle. Diese Forscher hatten nun einige dieser Gebeine geborgen und waren sie im Fluss von Schlamm und Schmutz am befreien um sie nach Bukarest in ein Museum zu befördern.
Rund 40000 Jahre sollen diese Knochen alt sein.

Bild: Bärenknochen aus der Pestera Ursilor

Interessant!
Auch am 18. war ich unterwegs die Gegend zu erwandern. Diesmal folgte ich nicht dem einzigen an dieser Stelle auffindbaren Wanderzeichen sondern ich ging auf eigene Kappe der Asphaltstrasse hinterher die schon nach wenigen endete. Mir als Fußgänger war das jetzt allerdings mehr als recht.
Ich folgte dem Weg durch die kleine Ortschaft und gelangte von dort hinaus in die Natur.
Irgendwann sah ich zu meiner rechten eine steile Felswand. Irgendwie war ich noch voll im Höhlensuchermodus und so entschied ich mich dort hinaufzuklettern. Eine Höhle fand ich allerdings nicht. Querfeldein erreichte ich den Grad des Berges dem ich folgte. Er führte mich auf einen weitern Gipfel und von dort ging es hinab auf eine sonnige Almwiese wo ich eine kleine Rast einlegte. Im großen Bogen ging es vorbei an blühenden Tannenbäumen zurück zu meinem Wagen.
22,4 Kilometer. Hier einige Impressionen des Tages:
Mit Ausnahme des Folgetages, an dem ich von einem freundlichen Bewohner Chiscau´s zum Essen eingeladen wurde (eigentlich wollte er mir am kommenden Feiertag die Gegend zeigen aber er musste dann leider arbeiten) verbrachte ich die restliche Zeit die ich an diesem Ort verweilte vor meinem PC. Rund 60 Stunden benötigte ich um meine Erlebnisse in Sighestel und den dazugehörigen Mitwandern Bericht zu schreiben, zu programmieren und online zu stellen. Da ich zwischendrin immer wieder von meiner Arbeit abgelenkt wurde dauerte das alles ein wenig. Schlimm war das jetzt allerdings nicht denn der 18. war eh der letzte Tag den ich mit durchgehendem Sonnenschein an der Pestera Ursilor erleben sollte. Danach regnete es sich ein und so hatte ich wenigstens etwas zu tun.
Am 24. startete ich dann den Motor. Ich schaltete ihn allerdings wieder ab noch bevor ich auch nur einen halben Meter gefahren war.
Da leuchtete ein rotes Kontrolllämpchen auf meinem Armaturenbrett das ich noch nie hab leuchten sehen. Rote Kontrolllämpchen die plötzlich leuchten verheißen im Algemeinen nichts gutes und dieses Lämpchen informierte mich eindeutig darüber das mein Wagen nach neuer Bremsflüssigkeit dürstet.
Verstehen konnte ich das jetzt nicht, ich hatte doch alle Betriebsflüssigkeiten bei Peter auf dem Gelände kontrolliert und für gut befunden. Aber der Ausgleichsbehälter der für die Hinterradbremse zuständig ist war eindeutig zu leer.
Rund anderthalb Stunden suchte ich ergebnislos meine Flasche DOT4. Ich habe irgendwo einen ganzen Liter Bremsflüssigkeit bei mir. Ich habe alle Betriebsflüssigkeiten für mein Fahrzeug in großer Menge als Reserve dabei. Motor, Getriebe und Differenzialöl und eben auch Bremsflüssigkeit. Aber die Bremsflüssigkeit konnte ich nicht finde. Ob sie bei irgendeiner Aufräumaktion unter den Wagen gerollt ist und ich vergessen habe sie wieder einzuräumen? Ich weiß es nicht, ich weiß nur dass sie irgendwie verschwunden ist. Da der Ausgleichbehälter zwar zu leer, aber nicht ganz leer war beschloss ich das rote Lämpchen zu ignorieren und bis zu einem Ort zu fahren an dem man Bremsflüssigkeit kaufen kann.
Mein Wagen bremste auch noch sehr gut. Das habe ich nicht nur in einigen Tests auf der nahezu verkehrsfreien Ausfallstrasse erprobt, sondern auch in der Praxis als mich ein Hochzeitsumzug zum Anhalten zwang.

Bild: Rumänische Hochzeit stoppt Wohnmobil

Rund 20 Kilometer später parkte ich dann auf dem Lidl Parkplatz in Beius. Lidl hatte geöffnet, so dass einem Großeinkauf nichts im Wege stand. Aber der kleine Laden der Bremsflüssigkeit führte, der hatte schon geschlossen. Auch am Folgetag, einem Sonntag, konnte ich keine Bremsflüssigkeit erwerben. Also hatte ich Zeit mir Beius anzuschauen.

Bild: Stadtpark Beius Rumänien

Montagmorgen investierte ich dann 40 Lei in eine Flasche DOT4, füllte davon rund 50ml in mein Bremssystem und dann ging es weiter.
Nach ca. 40 Kilometern erreichte ich Baila Felix. Ich folgte der Beschriftung "Zentrum" und bog, im Zentrum angekommen, links auf eine Strasse ab die, so konnte ich sehen, viele leere Parkflächen anzubieten hatte. Ich war kaum in diese Strasse eingebogen als ich neben den vielen Parkplätzen auch den Parkscheinautomaten wahrnahm. 2 Lei die Stunde, 10 Lei am Tag. Ich fuhr einen Bogen und parkte außerhalb der Stadtgrenze. Gebührenfrei!
Baila Felix ist ein Kurort. Hotels reihen sich zwischen Pensionen und Restaurants ein. Kaum ein Haus in diesem Ort das nicht mit Worten wie Casare oder Restaurant beschriftet wäre. Und wenn doch, dann steht sicherlich Club oder Villa daran. Obwohl es noch sehr zeitig im Jahr ist und die Hauptsaison noch nicht begonnen hat wimmelt es von Menschen die schon auf den ersten Blick nach Tourist ausschauen. Da es sich um einen Kurort mit Heilwasserbädern handelt liegt der Altersdurchschnitt der Anwesenden wohl weit jenseits der 60. Andenkenläden, aufblasbare Schwimmreifen, Badelatschen …
Ich fragte ein deutsches Touristenpaar wo den hier die Thermalquellen seien und sie deuteten auf das örtliche Schwimmbad. Um ein Schwimmbad zu sehen war ich allerdings nicht hier her gefahren. Ich wollte so einen Naturteich mit warmem Thermalwasser und ohne Bademeister der ein riesiges Geschrei veranstaltet wenn ich dort mit meinem vierbeinigen Kumpel reinhüpfe.
Ich lief im Kreis und betrachtete das deutschsprachige Schild am Schwimmbad. Jetzt fällt es mir etwas schwer die obersten Worte auf diesem Schild zu deuten. Ich zitiere mal:
"Kontraindikationen Spa-Behandlung"
Was sind Kontraindikationen? Und was ist Spa? Ich kann das klein schreiben und ein ren hinten dran hängen, dann kenne ich das Wort.
Na ja, wahrscheinlich habe ich noch nicht die nötige Lebensreife um diese Art von Worten zu kennen. Ich bin wohl einfach zu jung und mein Körper plagt mich noch nicht mit Atritis und Rheuma so dass ich mit dieser Art von Worten in Kontakt gekommen wäre. Ich schätze einfach mal das das soviel heißt wie: "Das Wasser hilft bei:"
Sollte das so sein würde ich das allerdings gerne mal hinterfragen. Denn im weitern Verlauf des deutschsprachigen Schildes steht:
- fieber
- infektionskrankheiten
- hautkrankheiten
- ischämischer herzkrankheit herzinsuffiziens
- bluthochdruck
- epilepsie
- neoplasmen
- renale und hepathitische
- zustand der schwangerschaft
- kinder zwischen 0 - 3
- TB
Ich weiß jetzt wirklich nicht ob es gesund für eine schwangere Frau sein kann mit Tuberkulosekranken ins gleiche Wasser zu hüpfen.
Aber vielleicht heißt Kontraindikationen Spa-Behandlung ja auch: "Nicht anzuwenden bei:" Interessant finde ich auch die Zusammensetzung des Wassers. Unter der dicken Überschrift: "Radioaktivitate" steht geschrieben:
- Alfa global 0,095Bq/l
- Beta global 0,556Bq/l
Nett! Warum funktionieren die nicht ihre alte Uranmine zum Kurort um. Mann muss schließlich nur ein Schild schreiben das es gesund ist und schon kommen Touristen und man kann mit der Altlast des Landes richtig Geld verdienen.
Schaut sie euch an, die Thermalquelle von Baila Felix, die touristische Sehenswürdigkeit:

Bild: Thermalquelle Baila Felix

Im Hintergrund nicht etwa eine Legebatterie für Käfighennen sondern dass 3 Sterne Hotel "Thermal".
Am nächsten Tag streifte ich durch das Umland von Baila Felix. Immer auf der Suche nach einer Thermalquelle die nicht so ausschaut wie ein Swimmingpool. Aber meine Suche war erfolglos. Highlite des Tages war ein Fuchs der einfach so vor mir den Weg kreuzte.

Bild: Fuchs in Baila Felix

Auf meinem Rückweg passierte ich einen Taxistand. Der junge Taxifahrer sprang aus seinem Fahrzeug und begrüßte mich mit den Worten: "Salut Stefan! Waht are you doing here?"
Es handelte sich um einen jungen Mann den ich auf dem Campingplatz in Sighistel getroffen hatte. Ich fragte ihn nach den Thermalquelle doch auch er konnte mir nur das Schwimmbad empfehlen. Die natürlichen Quellen gibt es wohl schon seit Jahren nicht mehr. Sie sind von Rohren angezapft und kommerzialisiert worden.
Ich zapfte mir noch einige Liter von dem warmen und radioaktiven Heilwasser am öffentlichen und kostenlosen Zapfhahn im Stadtpark mit denen ich am Abend duschte und am Folgetag verließ ich die Gegend um die wenigen verbleibenden Kilometer nach Oradea zu fahren.

Weiter geht es in Oradea.

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Bild: Danke
Bei den 2 Wagenbewohnenden Frauen von Oscarlotta. für die Verlinkung meiner dynamischen Linkliste . aus ihrer Blogroll.
Knitterfreie Fahrt!




Kleine Häuser auf Rädern, auf dem Wasser und in Bäumen.



Du hast meinen Reiseberichtericht über die Pestera Ursilor und Baila Felix bis an dessen Ende gelesen.
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