... über die Cabana Barcaciu Richtung Baela Lac

Montag, 12. November 2012.
Viel ist nicht passiert seit ich vor über 2 Wochen auf meinem Parkplatz in der Nähe von "Poiana Neamtului" quartier bezogen habe.

Bild: Wohnmobil Stellplatz Poina Neamtului

Wie man auf dem Bild klar erkennen kann hat es viel geregnet. Nicht immer und ununterbrochen, aber es verging kaum ein Tag der nicht von heftigen Regenschauern durchwachsen gewesen wäre.
Zwischen den Schauern lugte zwar immer mal wieder die Sonne hervor, und ich konnte kleiner Entdeckungswanderungen in der näheren Umgebung unternehmen. Aber ich traute mich nur selten weit von dem schützenden Dach meines Wagens zu entfernen.
Eigentlich schade, denn auch wenn die nähere Umgebung wirklich etwas zu bieten hat, wie zum Beispiel das Wildgehege direkt hinter der Poiana Neamtului, durch dessen Zaun man kostenlos neugieriges Dammwild beobachten kann.

Bild: Damwild im Wildgehege bei Poiana Neamtului

Auch ein Erforschen des kleinen Gebirgsbaches der unmittelbar vor meinem Wagen vorbeifließt

Bild: Gebirgsbach bei Poiana Neamtului

und ein Spaziergang durch die herbstlich bunten Buchenwälder

Bild: Herbstlicher Buchenwald

welche sich Kilometerweit hinter meinem Wagen erstrecken ist sehr lohnenswert. Aber ich hätte Freude daran gehabt die Gegend etwas weiträumiger zu entdecken. Aber was nicht ist, das ist nicht und völlig nass geregnet habe ich auch keine Lust durch die Berge zu klettern.
Na ja, ich hatte ja zu tun. Hausarbeit: Bei zwei meiner Lederhosen galt es eine Naht zu reparieren, ebenso an meiner Jacke. Nach so einer langen Standzeit in der Stadt hatte sich auch ansonsten recht viel aufgestaut. Spülkram, Toilette putzen, Fäkalien Tank leeren (wozu mir ein altes nicht mehr benutztes Plumpsklo das sich hier befindet nützliche Dienste erwies), Brennholz sammeln, schneiden und spalten. Schließlich beginnt der Winter. Der Umbau meines Wagens von dem Sommer in den Wintermodus. Sprich T-Shirts aussortieren und in einen Koffer packen und aus diesem Pullis und lange Unterhosen hervorkramen und dorthin legen wo vorher die T-Shirts lagen. Im Kleiderschrank kurze gegen Lange Hosen vertauschen und endlich einmal das Schlauchboot zusammenfalten und ordentlich verstauen. Es lag seit seinem letzten Einsatz auf meinem Beifahrersitz, dort muss aber im Winter Brennholz lagern. Auch meinen Campingtisch und die Faltstühle nehmen mir im Fahrerhaus den Platz weg den ich für Heizmaterial benötige.
All diese Aufgaben ging ich sehr ruhig und gewissenhaft an so dass ich die ersten Tage beschäftigt war. Danach glänzte es in meinem Wagen und ich fühlte mich so richtig wohl in meinen vier Wänden. Nicht nur die im Einkaufswagen gefundenen Köstlichkeiten sondern auch die von mir erworbenen Speisen sorgten für Hochgenüsse. Ich hatte selbst Milch für meinen Kaffe erworben. Normal ist mir dieser Luxus zu teuer, aber ich hatte mir mal 3 Liter gegönnt. Was liegt da näher als den Rechner einzuschalten, den neuen Internetstick auf mein Dach zu legen und mich mit einem Stückchen Kuchen und einem heißen Kaffe in der Hand daran zu erfreuen hier, mitten im nirgendwo, in die Tiefen des www abtauchen zu können. Skype Telefonate mit Eltern und Freunden, ein Paar Forenbeiträge im eigenen Board, einfach mal einen Film schauen oder einen deutschen Radiosender hören.
Internet im Wagen, nicht irgendwo an einem hektischen Ort mitten in der Stadt wo man in hast und Eile die Dinge tut die wichtig sind. Nein, hier, mitten im Wald und das noch bis Mitte Dezember. An den Abenden ließ ich jeweils 30 Minuten den Stromerzeuger knattern so dass der Rechner gut und gerne 10 - 14 Stunden täglich laufen kann ohne das ich mit Energieproblemen konfrontiert werde. Extra zu diesem Zweck hatte ich 10 Liter Benzin gekauft und mit zu diesem Ort gebracht. Schließlich wusste ich dass ich über einen Internetzugang verfügen und somit einen erhöhten Stromverbrauch haben würde. Eigentlich hatte ich daran gedacht zu arbeiten, sprich wichtige Dinge zu tun, doch die ersten Tage genoss ich es einfach einmal völlig ohne Zeitlimit, ohne Hast und Eile, die weite Welt des Internets für mich zu haben.
Das ging auch gut bis zum 2. November. Am Abend des 2. Novembers stellte ich, wie jeden Abend an diesem Ort, meinen Stromerzeuger vor die Türe um meine Batterie stets voll geladen zu halten und sie somit zu schonen. Zuverlässig startete das Gerät. Aber nach nur 10 Minuten Laufzeit verstummt plötzlich das vertraute geknattert und die Maschine ließ sich nicht dazu bewegen noch einmal zu starten. Scheiße! Ich war gerade erst angekommen, ich hatte noch nichts von der Gegend gesehen und auch noch nichts von dem im Netz getan was ich mir vorgenommen hatte und wenn mein Stromgenerator versagt würde mir in wenigen Tagen der Strom ausgehen. Ich betrachtete das Gerät ausgiebig. Grad eben ging er doch noch. Was hat er nur? Nach längerem Nachdenken kam ich zu dem Schluss dass es wohl an der Zündkerze liegen müsse. Dieses Problem hatte ich schon einige Male. Plötzlich versagt das Gerät, geht einfach aus und springt nicht mehr an. Wenn man eine neue Zündkerze einschraubt, dann läuft er wieder. Dummerweise hatte ich keine Reservezündkerze dabei. Bis nach Arvig, dem nächsten Ort, waren es nach meinem Tacho 14 Kilometer. Ich hatte bei der Anfahrt extra auf den Tacho geschaut da ich ja bereits zu diesem Zeitpunkt wusste das ich länger hier bleiben wollte und es mich interessierte wie weit es bis zum nächsten Bäcker ist.
Eigentlich hatte ich nicht vor die Strecke zu laufen. 14 Kilometer hin und 14 Kilometer zurück, das sind 28 Kilometer. Sehr weit für ein Brot oder ein kaltes Bier und alles andere hatte ich ja wohlweißlich mitgenommen. Aber jetzt standen die Dinge anders, ich brauchte eine Zündkerze und hatte wirklich keine Lust wegen so einer Kleinigkeit den Wagen zu starten.
Am nächsten Morgen regnete es Bindfäden. Erst gegen 14 Uhr klärte sich der Himmel auf und die Sonne kam zum Vorschein. Ich überlegte eine Weile ob ich so spät noch zu einem so weiten Weg aufbrechen sollte, aber da die Wetterlage in den letzen Tagen sehr ähnlich war und auch der Wetterbericht über den ich, dank Internet, verfügen konnte für die nächsten Tage nichts anderes voraussagte, entschied ich mich den Weg anzutreten. Schließlich führte er mehr oder weniger über eine Straße und es ist ein leichtes ihn auch im Dunkeln zu gehen.
Rund eine Stunde lief ich den Weg welchen ich bereits 3 Mal mit dem Auto gefahren war. 2 Mal mit dem Mietwagen meines Vaters, und einmal mit meiner Wohnung.
Ich hatte gerade den Teil des Weges hinter mich gebracht der unbefestigt war und mitten durch den herbstlich bunten Wald führte

Bild: Wohnmobilzufahrt Poiana Neamtului

als ich von hinten das Tuckern eines Tracktors vernahm. Hinter das Eisenross war ein Hänger gekuppelt der mit Brennholz beladen war. Auf dem Holzstapel saß ein junger Mann. Ich warf einen blick auf das Gespann und beschloss das auf dem Holzstapel noch Platz für einen weiteren jungen Man sowie für einen Hund ist. Also hielt ich den Daumen in die Höhe. Der Trecker stoppte und kurz darauf bewegte ich mich meinem Ziel nicht mehr in Schrittgeschwindigkeit, sondern mit knapp 20 km/h entgegen.

Bild: Tracktorfahren

Zu meiner Freude sprach mein Sitznachbar nahezu perfektes Englisch. Bereits einige Male war er nach Belgien oder Frankreich gereist um dort einige Monate als Erntehelfer zu arbeiten erzählte er mir. Nur das englische Wort für Zündkerze kannte weder er noch ich. Aber ich konnte den Grund meiner Reise ja durch das Vorzeigen selbiger erklären und bekam dann auch eine Wegbeschreibung zu einem Laden der Zündkerzen verkaufen soll. Außerdem befragte ich den netten jungen Man, der mit seinem Vater in den Wald gefahren war um Brennholz für den Winter zu schneiden, nach Wanderwegen in der Region. Ich hatte mir fest vorgenommen von meinem Wohnort einen Weg nach Balea Lac ausfindig zu machen, zu dem Ort am höchsten Punkt der Transalpina wo ich schon mit meinem Vater war. "Ja, das geht. Kein Problem." Meinte mein Gesprächspartner. Er sei das schon gelaufen. Ich müsse nur dem roten Kreuz zur Cabana Barcaciu folgen, und von dort sei der Weg ausgeschildert. Die Laufzeit betrüge von dort etwa 3 Stunden erzählte er mir auf meine Frage. Von meinem Wagen bis zur Cabana Barcaciu war der Weg mit 2,5 Stunden ausgezeichnet, macht 11 Stunden hin und zurück. Ein harter Marsch bei den kurzen Wintertagen. Aber meine Erfahrung sagt mir ja dass ich entschieden schneller bin als die auf den Wanderzeichen angegebenen Laufzeiten. Also würde es möglich sein und ich beschloss diesen Weg auf jeden Fall zu laufen.
Nach rund 40 Minuten Fahrzeit kletterte ich mitten im Ort von dem Hänger. Ich bekam noch einmal eine kurze Wegbeschreibung zum Zündkerzenladen und verabschiedete mich von meinen Taxifahrern. Der Erwerb der neuen Zündkerze war absolut Problemlos. 9 Lei, als rund 2 Euro zahlte ich für das Ersatzteil, dann machte ich mich auf den Rückweg. Vielleicht würde ich es ja noch im hellen schaffen. Majestätisch lag das Bergmassiv vor mir an dessen Fuße ich parkte.

Bild: Bergmassiv

Schon auf dem Bild kann man klar erkennen dass es ein weiter Weg ist bis zu dem Punkt wo das Flachland endet und die Wälder beginnen.
Auf eine erneute Mitfahrgelegenheit hoffte ich vergeblich. Die Strecke ist nicht gerade viel befahren und mich überholte nur ein alter Mann mit seinem Mofa. Pünktlich zum Sonnenuntergang erreichte ich den Punkt wo die Asphaltdecke der Strasse endet und sie in dichte Wälder führt. Ich musste an meine Bärenbegegnung denken und begann rein vorsorglich ein frohes Lied anzustimmen.

Lieber Braunbär hör mir zu
tue mir nix - lass mich in ruh.
Fress weder mich noch meinen Hund
Denn das ist für dich nicht gesund.


Ich muss schon sagen, seit damals im Calamanie Nationalpark, hab ich schiss wenn ich im Dunkeln durch rumänische Wälder wandern muss. Besser ist es wenn man vor Einbruch der Dunkelheit den sicheren Wagen erreicht.
Dann möchte ich allerdings gerne noch mal einen Bären sehen. Er darf gerne vor meinem Wagen umherlaufen und ich mache ein Paar nette Fotos aus dem Fenster. Er darf auch gerne seine Familie mitbringen, so wie damals. Wenn ich im, und der Bär vor dem Wagen ist, dann habe ich keine Angst. Selbst wenn der Bär mal anklopfen sollte, einen größeren Schaden als ukrainische Staatsbeamte beim Anklopfen verursachen wird er wohl auch nicht zu standen bringen. Aber bitte, Bär draußen - ich drinnen!
Ohne einen Bären zu sehen erreichte ich gegen halb acht den sichern Wagen. Ich schraubte die neue Zündkerze in den Generator, zog am Starterseil und … daran lag es nicht! Kein Bärenvertreibendes Knattergeräusch drang aus dem Motor, kein Strom kam aus der Steckdose. Scheiße! Der ist im Sack! Was kann er nur haben? Gestern lief er doch noch. Wenn auch nicht lange.
Ich entschied den Vergaser auszubauen.

Bild: Vergaser Stromerzeuger

Darin habe ich Erfahrung. Ich muss es jeden Winterbeginn tun. Denn während des Sommers setzt sich die Schwimmernadel fest. An Sie kommt man heran wenn man einen Haltesplint entfernt der den weißen Schwimmer hält. Dann kann man den Schwimmer einfach nach unten abziehen und die Schwimmernadel herausziehen. Ein paar Tropfen frisches Benzin in ihren Sitz geträufelt, alles wieder zusammengebaut und im Normalfall hat man dann den Winter über seine Ruhe. Ich schätze das dieses Problem nur deshalb auftritt weil während der langen Phase den Nichtbenutzens das Benzin verdunstet und das darin enthaltene Zweitaktöl die Nadel in ihrer Führung festpappen lässt. Aber diesmal musste ich die Nadel nicht mit den Fingern herausziehen, als ich den Schwimmer und die kleine Haltefeder entfernt hatte viel sie mir einfach entgegen und verschwand fast im Abfluss meines Spülbeckens. Daran liegt es also auch nicht. Ich überlegte weiter, schraubte noch einige Dinge auseinander die ich noch nie auseinandergeschraubt hatte, blies in den Benzinstutzen und stellte fest dass der Sprit ungehindert bis in den Vorratsbehälter fließen müsste. Am Ende fand ich den Fehler. Als ich die kleine Messingschraube (unten links im Bild) entfernte und versuchte durch ihre Düse hindurchzupusten stieß ich zunächst auf Widerstand. Dann plötzlich gab es ein "Plop" und ich konnte ungehindert hindurchblassen. Ich baute alles wieder zusammen, stellte den Generator vor die, Tür, zog am Startseil und das Gerät arbeitete.
Noch bis zum frühen Morgen des 8. Novembers verbrachte ich die Meiste Zeit vor dem PC. Für den 8. sagte der Wetterbericht allerdings Sonnenschein voraus so dass ich mir einen Wecker stellte und pünktlich um 8 Uhr in der Früh meinen Wagen verließ. Mein Ziel hieß Balea Lac. Die Wanderung die ich mir so fest vorgenommen habe.
Und um ein wenig die Spannung herauszunehmen, Nein - diesmal bin ich keinen Bären begegnet. Nur Wölfen!
Viel Spaß bei Mitwandern:
(VIP Leser sollten HIER mitwandern.)
Während ich mir einen warmen Tee zubereitete warf ich einen Blick auf die Uhr. Es war erst halb 5 und nicht halb 6. Ich hatte vergessen die Uhr meiner Kammara von Sommer auf Winterzeit umzustellen. Somit hatte ich für den Aufstieg eine Stunde weniger benötigt als ich errechnet hatte, und mir wäre noch Zeit für weitere Erkundungen geblieben.

Weiter geht es im Tierheim Sibiu.

Derzeit im Chat :



Bild: Danke








Du hast meinen Wanderbericht
"Poiana Neamtului und Cabana Barcaciu"
gelesen?
Pleace be social - share waht you like!
Mit einem klick auf diesen Link teilst du meinen Wanderbericht "Poiana Neamtului und Cabana Barcaciu" auf deiner Facebook Pinnwand und empfiehlst ihn so deinen Freunden.
Thank´s for your fairness :-)


© myhomeismycar Wohnmobil Reiseberichte
Empfehle mich
Bitte!

myhomeismycar.com - nonstop unterwegs seit: 10 Jahren, 7 Monaten und 5 Tagen