und Pestera Poarta lui lonele

Ich fuhr durch Scarisoara und kurz darauf erreichte ich die Ortschaft Girda de Sus. Im Zentrum dieser "Metropole" sichtete ich zwei Wegweiser die nach rechts deuteten. Sie waren mit den Worten "Pestera Ghetanul de la Scarisoara" und "Pestera Poarta lui lonele" beschriftet.
Diese Worte sagten mir nichts. Was mir aber etwas sagte, das war das kleine Bildchen das auf den Schildern angebracht war. Da stand ein Strichmännchen in einer Höhle.
Ich hatte keine Lust rechts abzubiegen und den Wegweisern mit meinem Fahrzeug zu folgen. Das kostet alles Diesel und wahrscheinlich würden mich die Hinweisschilder in die Berge führen und ich würde schon bald wieder über vereiste Feldwege fahren müssen. Also parkte ich am rechten Fahrbahnrand und beschloss der Sache zu Fuß auf den Grund zu gehen.
Bereits bei meinem ersten kleinen Erkundungsgang sah ich einige Informationstafeln. Unter anderem auch eine nicht abgegriffene Wanderkarte.

Bild: Wanderkarte Höhlen

Dieser blau und rot gekennzeichnete Rundweg von Girda de Sus Richtung Norden, dann nord-westlich ab, dem Bachlauf folgend durch eine Schlucht, vorbei an zwei Höhlen hinauf nach Dealul Ordincursii. Dort würde der Weg den Bach verlassen und in einem großen Bogen über Ocoale und Ghetar zurück nach Süden führen. Auch auf dem Rückweg würde er einige Höhlen passieren.
Da muss ich lang und ich schätze Ihr wollt mitkommen.
Nach 25,02 Kilometern erreiche ich meinen Wagen.
Da es mir über Nacht nicht gelang all meine Jacken und Regenhosen zu trocknen und das Einzige was meine letzte Tour trocken überlebt hat meine Socken waren beschloss ich am morgen des 5. Märzes nur zu einer kleinen Tour aufzubrechen.
Ich wollte der Hauptstrasse zurück nach Scarisoara folgen. Erstens bin ich schon seit Albac auf der Suche nach einer Bank oder Wechselstube denn ich habe nur noch 50 Lei in der Geldbörse und zweitens wollte ich mir die Felswände etwas genauer anschauen die ich mit meinem Auto so schnell hinter mir gelassen hatte.
Aber in Scarisoara gab es auch keine Bank.

Bild: Scarisoara, der Ort

Dafür sah ich eine interessante Idee zur Verwertung gebrauchter Autoreifen.

Bild: Brücke in Scarisoara

Klar, man baut da Brückenpfeiler draus. Find ich gut!
Am Ortsausgang von Scarisoara, kurz bevor ich den Canyon erreichen sollte traf ich auf eine Wanderkarte.

Bild: Wanderkarte Scarisoara

Es regnete nicht. Meine Jacke war am Körper getrocknet und wenn ich nicht jetzt und augenblicklich diesen Weg bewandern würde, ich würde wohl nie wieder Gelegenheit dazu finden.
Und wo der überall lang führt, wie viele Ortschaften! Pucalatesti, Radacesti, Salcii, Ivanesti, Campul cel Mare, cel Mare, das heißt "der Große" bis hinauf nach Vf Runcului. Lange überlegte ich nicht um eine Entscheidung zu treffen.
Ich glaube ihr könnt euch denken wie ich mich entschieden habe und ihr wollt mitkommen.

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Nach 20,35 Kilometern erreichte ich wieder meinen Bus. Es hatte diesen Tag nicht geregnet!

Nachdem ich einen Blick in meine Vorratsschränke geworfen hatte verging mir die Lust auf kochen. Ich war müde, hatte Hunger. Zwar hatte ich noch Vorräte ohne Ende, aber Kartoffel schälen und Zwiebel hacken, das war das Letzte wozu ich nach dieser Tour Lust verspürte. Dann doch lieber noch einmal die wenigen Meter zum Magazina Alimentare laufen und drei meiner verbleibenden 50 Lei in ein Brot investieren.
Honigbrote sind schließlich lecker und Honig sowie Margarine nannte ich noch mein Eigentum.
Mit den Worten "Auf Wiedersehen" verabschiedete sich ein Kunde im Geschäft von meiner Person. Anscheinend hört man meinem "una paine" an das ich deutscher bin.
"Ah, jemand der Deutsch kann. Hallo." Erwiderte ich auf den freundlichen Abschiedsgruß. Gemeinsam verließen wir den Laden.
Mein neuer Bekannter erklärte mir wie gut ich es habe. Ich sei Deutscher, in Deutschland würden vernünftige Löhne bezahlt. Hier in Rumänien könne man sich glücklich schätzen wenn man am Monatsende mit 200 Euro nach Hause ging.
Erzählte er im Schlag seines schweren BMW stehend mit einer Zigarette im Mundwinkel. "Ja, das haben mir schon andere erzählt. Ich kapier das aber nicht! Wie kann man von 200 Euro im Monat rauchen und sich so ein Auto leisten?" Ich zeigte auf das maximal 5 Jahre alte und auf Hochglanz polierte Fahrzeug das sicherlich gebraucht noch mehr kostet als ich in den letzten Jahren ausgegeben habe.
"Holz!" erwiderte mein Gegenüber. "Wir haben Glück hier, wir haben viel Holz."
"Ah, gehört Dir ein Stück Wald?"
"Nein, hole ich Holz hier aus dem Wald und verkaufe es. Ist nicht meine Wald."
"Das ist aber auch nicht ganz legal!"
"Doch! Kaufe ich von Regierung den Qubikmeter für 5 Euro, fälle ich, hole ich aus Wald und verkaufe ich für 10. Kann man im Sommer mehrere tausend mit machen. Wir haben Glück, wir haben Holz. Aber in ein Paar Jahren ist nix mehr da. Ich weiß auch nicht was wir dann machen."
"Ihr nehmt euch selbst die Lebensgrundlage. Kein Wald = kein Holz und = keine Touristen."
"Ich weiß, aber was sollen wir machen, wollen wir alle leben."
"Und dicken BMW fahren" hätte ich fast ergänzt. Aber ich hielt mich bedeckt.
Wir quatschten noch ein wenig über das Wetter und andere belanglose Dinge bevor wir uns voneinander verabschiedeten und ich endlich dazu kam meinen knurrenden Magen mit Honigbroten zu füllen. Aber die Quintessenz des von mir zitierten Gesprächsteiles stimmte mich sehr nachdenklich.

Die rumänische Regierung verhökert also den Wald ihrer Nationalparks für 5 Euro pro Qubikmeter!

Ich kann es ohnehin nicht ändern, ich betrachte die Nut- und Federpaneele mit der ich meinen Fahrzeuginnenraum ausgekleidet habe. Vielleicht habe ich dieses Holz zurück in seine rumänische Heimat gefahren.
"In Cluje ist deutsche Firma. Kauft alles und meldet nicht der Regierung wenn Preis stimmt. Kannst du Regierung sagen hast du geholt 500 Qubik und in Wirklichkeit holst du 1500."
Das hat er auch gesagt, mein Bekannter aus dem Magazine Alimentare.
Noch stehen ein Paar Bäume, noch macht es Freude hier zu wandern.
Doch am nächsten morgen regnet es mal wieder Bindfäden und ich beschließe den Tag vor dem PC zu verbringen um die Erlebnisse der vergangenen Wanderungen niederzuschreiben. Erst am späten Nachmittag verstummt das Prasseln auf meinem Dach. Nix wie los, da war doch noch diese Höhle, zu der zurückzukehren, ich mir vorgenommen hatte.
Badelatschen, eine Taschenlampe und ein altes Handtuch für meine Füße wandern in den Rucksack. Dann wandere ich die rund 4 Kilometer zurück zum Höhleneingang.
Ich klettere über das Geländer der Brücke um auf den Betonpfeiler zu gelangen, überquere den Fluss und kraxle zum Ufer hinunter. Dort wechsle ich das Schuhwerk, krempele meine Hose über die Knie und wate durch die Fluten.

Bild: Flußüberquerung beim wandern

Das Wasser ist eiskalt. Aber nach Sebastian Kneipp soll das ja gesund sein. Dennoch, würde ich nicht das Höhleninnere entdecken wollen, ich würde nie auf die Idee kommen um diese Jahreszeit unbekleidete Körperteile meines empfindlichen Organismuses in diese kalte Brühe zu tauchen.
Die Höhle selbst

Bild: Höhle

ist dann ohnehin sehr enttäuschend.
Keine 10 Meter lang das Teil, einfach nur ein blödes Loch im Felsen. Selbst die im Höhleninneren gelegene Quelle - in der der kleine Bach entspringt - welcher den Abhang vor dem Felsloch hinunterstürzt, um sich nach nur wenigen Metern eigenem Bett, in den großen Fluss zu ergießen - ist unspektakulär.

Bild: Höhlenquelle

Egal, ich habe gesehen was zu sehen ich mir vorgenommen hatte und begebe mich auf den fußkalten Rückweg.

Bild: Flußdurwatung

Am Morgen des 7. Aprils regnet es nicht. Jedoch hat mich der viele Kaffe, den ich am Vortag beim schreiben meiner Berichte konsumiert habe, nicht in den Schlaf kommen lassen. Es ist bereits nach 12 Uhr am Mittag als ich meine Augenlieder öffne und die Sonnenstrahlen wahrnehme die durch das Fenster auf meine Schlafstätte fallen.
Ich springe aus dem Bett, schnüre die Wanderstiefel, sattle den Rucksack und begebe mich auf den Weg.
An der Stelle an der sich mein bereits erwanderter Weg gabelt und an welcher die Höhlen ausgeschildert sind, sind außer den Höhlen auch noch 2 Wasserfälle ausgeschildert. Es wäre doch eine Schande diese Fälle nicht zu betrachten.
"Ist nur 3 Kilometer bis erste Wasserfall, zweite weiß ich nicht." Meinte mein holzverkaufender Gesprächpartner aus dem Magazina Alimentare.
Ich ging also zu der Weggabelung die ich schon drei Mal passiert hatte und folgte den Wegweisern und somit dem Lauf des kleinen Baches.
Ich schätze ihr wollt mitkommen.

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Um 21 Uhr und sechsundvierzig Minuten erreiche ich nach 32,24 Kilometern meinen völlig ausgekühlten Wagen.

Bild: GPS Daten

Während ich einheize veröffentliche ich 2 Panoramaansichten des Tages in meinem VIP Bereich und dann falle ich ins Bett.

Ich wäre ja weiter gefahren, hätte meinen Motor gestartet und Girda de Sus verlassen. Aber … da gibt es noch einen Froschtümpel zu umwandern wie sich Heinz ausdrücken würde. Seht selbst, direkt vor meiner Haustüre gibt es ein Wanderzeichen.

Bild: Wanderzeichen

Ich war da noch nicht! Mit meiner maßlosen Ignoranz habe ich diesem hübschen gelben Punkt vor meinem Wohnmobil noch keine Beachtung geschenkt. Und das wahrscheinlich nur weil er nicht in den Apuseni Naturpark führt. Nein, das tut er nicht. Die Hauptstrasse bildet die Grenze des Apuseni Naturparks. Alle Wege die ich bis her bewanderte führten mich auf dem Hinweg mehr oder weniger nach Norden und auf dem Rückweg nach Süden.
Diesmal würde es andersherum sein.
Mitkommen?

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Es ist bereits dunkel als ich meinen Wagen rund 3 Kilometer weiter auf einem kleinen Wanderparkplatz zum stehen bringe.
Als erstes werfe ich den Stromerzeuger an und stelle einen Liter Wasser auf den Herd um mir eine Kaffe zuzubereiten. Während sich das Kaffeewasser langsam erwärmt nutze ich die vorhandene Energie um mein Fahrzeug mit Hilfe eines Vakuumreinigungsgerätes zu säubern.
Als erstes wird der Verursacher des meisten Schmutzes vakuumgereinigt.

Bild: Hund wird gestaubsaugt

Der verliert Haare dieser Hund. Unfassbar! Wenn die nicht ständig nachwachsen würden, dann wäre sein hübscher Pelzmantel schon lange eine Lederjacke.
Im Gegensatz zu Bürsten, was mein Hund absolut nicht leiden kann, hat er gegen Staubsaugen nix einzuwenden. Er findet es zwar nicht unbedingt toll, aber er lässt die Prozedur zumindest angstfrei und ohne zu zappeln über sich ergehen. Leider habe ich nur selten die passende Elektrizität für derartige Reinigungsaktionen.
Dann kocht mein Kaffeewasser und ich verschanze mich geschlagene 3 Tage mit meinem PC im Wagen um die Mitwandern Berichte zu schreiben, zu erstellen und hochzuladen. Erst am 12. April verlasse ich meinen Wagen wieder. Ich komme gerade von einer kleinen Tour zurück, die ich eher "große Hunderunde" als "Wanderung" nennen würde und klettere in Girda de Sus eine Skipiste hinab

Bild: Skipiste in Gida de Sus

als ich auf zwei junge Menschen treffe die von einem Hund begleitet werden. Unsere Tiere freunden sich an und so kommen wir ins Gespräch. Die Beiden waren Polen und nutzten ihren Urlaub um Rumänien mit dem Rucksack unsicher zu machen. Der Hund gehörte gar nicht ihnen, er war ihnen in Ariseni zugelaufen und sei seitdem einfach nicht mehr weggegangen. Die Beiden hatten ihr Zelt auf einem kleinen Campingplatz aufgeschlagen. Eine große grüne Wiese auf der man kostenpflichtig Campen darf. Nebenan gibt es ungezählte große grüne Wiesen auf denen man kostenfrei nicht campen darf wo sich aber kein Mensch drum kümmert wenn man es dennoch tut.
"Darf ich mal fragen was ihr dafür zahlt?" fragte ich. Und prompt erhielt ich eine Antwort: "10 Lei für 2 Nächte." 10 Lei für 2 Nächte, das sind etwa 1,25Euro am Tag. Oder auch 62Cent pro Person und Nacht. Das ist wirklich nicht viel.
In meinem Kopf rotierte es, ich dachte an die Wettervorhersage die ich mir am Vorabend im Internet angeschaut hatte und die herrlichen Sonnenschein prophezeite und an meine bereits vor langem entstandene Idee hier einige Tage ohne mein Auto unterwegs zu sein.
"Ich geh die Mal fragen was es kostet da meinen Wagen für einige Tage abzustellen. Ich mag nämlich auch mit dem Rucksack los."
"Ja, mach das. Die Frau spricht englisch."
Ich hatte es dann mit einem Mann zu tun, aber auch er sprach Englisch. Schnell waren wir uns einig. Alles kein Problem, 5 Lei die Nacht.
Den nächsten Tag nutze ich dann dazu meinen Rucksack zu packen und am späten Nachmittag fuhr ich die wenigen Kilometer zurück auf den kleinen Campingplatz. Die Polen waren verschwunden, nur ihren Fundhund hatten sie zurückgelassen.
Die "Pensiona Restaurant Mama Uta" zu der der kleine Campingplatz gehört verfügt über zügiges W lan Internet so dass ich mir die GPS Daten der schönsten Stellen die ich ansteuern wollte bei einem Bier und Atomstrom aus dem Restaurant heraussuchen konnte.
Diese Stellen wollte ich ansteuern:

Pestera Fanate= GPS: N46° 30.13038 E22° 34.32247
Pestera Magura = GPS: N46° 32.45497 E22° 35.76097
Pestera Pisolca = GPS: N46° N46° 32.53998 E22° 35.26657
Pestera Dracocaia = GPS: N46° N46° 32.70997 E22° 34.8546
Pestera Ursilor = GPS: N46° 33.87157 E22° 34.07178
Poina Ponor = GPS: N46° 34.32473 E22° 42.72353
Pestera Colibra Mare = GPS: N46° 34.32473 E22° 42.72353
Cascada Schmidl= GPS: N46° 37.07077 E22° 40.2516
Cascada Bulbuci = GPS: N46° 36.27127 E22° 39.9684
Cabana Padis = GPS: N46° 36.09432 E22° 44.02477
Informationen zum Umrechnen von GPS Angaben im Forum.

Außerdem löste der freundliche Kellner mein Finanzproblem. Er wechselte mir 20 Euro privat so dass ich nicht völlig pleite zu meiner Tour antreten musste.
Gegen 23 Uhr lag ich im Bett und am nächsten morgen sattelte ich den Rucksack um tief ins innere des Apusenie Naturparks vorzudringen.

Bild: Aufbruch zur Rucksackwanderung



Weiter geht es mit einer Rucksackwanderung.

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Bild: Danke
Für den netten Blog Artikel über meine Reiseberichte auf Reisemobil-info.de



Kleine Häuser auf Rädern, auf dem Wasser und in Bäumen.



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