Sibiu, Transalpina und Salzburg

Sibiu, zu Deutsch Hermanstadt. Diese Stadt hat nicht nur einen Deutschen Bürgermeister (Klaus Johannis) sondern auch ihre Gründungsgeschichte ist auf deutsche Siedler zurückzuführen. Den Einfluss meiner Landsleute bemerkte ich bereits bevor ich den Motor meines Wohnmobiles ausgeschaltet hatte. Aus Sebes kommend folgte ich den Schildern Stadtzentrum und gelangte so auf das Einbahnstraßensystem das den Fluss Cibin begleitet. Deutlich erkannte ich die hohen Kirchtürme und die alten Häuser mit ihren undicht wirkenden Dächern. Das Zentrum konnte nicht weit von hier entfernt sein. Auf der anderen Uferseite entdeckte ich einen großen Parkplatz. Schnell hatte ich eine Brücke zum wenden gefunden und manövrierte meinen Wagen kurze Zeit später in eine Zusammenhängende Parklücke welche aus 4 Parktaschen bestand. 3 benötigt mein Wagen, und die vierte sollte mir Platz zum rangieren geben.
"Komm, komm … noch ein halber Meter." Wies mich ein Passant im besten Hochdeutsch ein. Ich hatte meinen Wohnort gefunden.

Die nahe Rompetrol Tankstelle warb mit einem kostenlosen W lan Hotspot, die Grünanlage links und rechts der Cibin würde mir und meinem Hund ein prima Naherholungsgebiet bieten und bis zum Stadtzentrum läuft man keine 10 Minuten.
Auf geht´s! Als erstes passiere ich den nur 2 Minuten entfernten Markt.

Hier gibt es nicht nur Kartoffeln und anders Gemüse zum Low Budgetter freundlichen Preis,

Sondern auch 2 Wasserstellen damit dem freundlichen Wohnmobilfahrer niemals das Kaffeewasser ausgeht. Hinter dem Markt, bei dem Hochhaus mit der großen Siemens Leuchtreklame biege ich rechts ab. Etwa 500 Meter folge ich dem Kopfsteinpflaster, dann bringt mich eine Treppe in die Oberstadt. Am oberen Ende führt sie durch einen Torbogen, dahinter erblickt man die Johanniskirche. Rechts neben dem Torbogen sitzt ein junger Mann auf einer Bank und ist am nähen. Ein anderer Mann betritt den Hauseingang und sagt wie selbstverständlich: "Na, immer noch nicht fertig?" "Alles Deutsche oder was? Ich bin erst seit 5 Minuten hier und ich höre nur Deutsch." Erwidere ich. Ich hatte das Haus des reisenden Handwerkergesellen gefunden.

Schon auf meiner Donautour bin ich zwei Zimmermannsleuten begegnet die den alten Brauch des "auf die Walz gehen" pflegten, hier gab es ein ganzes Haus mit diesen Menschen. 3 Jahre und einen Tag dürfen sie eine Bannzone von 50 Kilometern um ihren Heimatort nicht betreten wenn sie ihre Wanderjahre ehrenhaft absolvieren wollen. Wir unterhalten uns eine Weile bevor ich weiterziehe.
In der Innenstadt herrscht Hochbetrieb. Sibiu feiert gerade Oktoberfest. Auf dem Historischen Marktplatz im Stadtzentrum waren haufenweise Karussells und Snackbuden aufgebaut.

Selbst ein Bierzelt in dem original Paulaner Weizenbier verkauft wurde gab es. Ich verließ die Partymaile und ging ein wenig auf und ab. Am südlichen Rand der historischen Altstadt, in dem kleinen Park hinter der alten Stadtmaueranlage

sah ich zwei Rucksackreisende. "Ein Bier wäre jetzt gut" schnappte ich als Gesprächsfetzen auf. "Jo, ein Bier wäre wirklich gut!" Erwiderte ich. Schon war ich in Begleitung. Gemeinsam spazierten wir Richtung Billa Supermarkt im Stadtzentrum. Da meine neuen Freunde dicke Rucksäcke trugen war ich der Auserwählte der den Kauf des Bieres übernehmen sollte. Als ich das Geschäft wieder verließ plauschten die Rucksackreisenden mit einer jungen Familie. Schon wieder schnappte ich Wortfetzen auf. Diesmal lauteten sie: "Ist der berühmt?" "Prost Leute, ich hab ein Bier gekauft." Mischte ich mich in das Gespräch ein. "Ey, die kennen dich!" erhielt ich als Antwort. "Woher?" fragte ich verdutzt. "Von deiner HP, du machst myhomeismycar, wir dachten du wärest in Russland." "Jo, äh … war ich auch. Zumindest kurz. Aber die wollen so ein dummes Visa und das hatte ich nicht da hab ich halt meine Pläne geändert." "Bist du jetzt berühmt oder nicht?" "Na ja, in der alternativen Wohnmobilszene wohl ein bisschen. Wir haben übrigens für dich gevotet." "Danke!"
Jetzt waren wir zu fünft. Zwei Deutsche Rucksackreisenden die einige Wochen in einem rumänischen Kinderheim gearbeitet hatten und nun ihre letzten 7 Tage Jahresurlaub damit verbringen wollten das Land anzuschauen, Udo und Simona mit ihrem im Kinderwagen sitzenden Nachwuchs Keo und ich.
Udo und Simona waren im Februar mit ihrem VW Bus hier angekommen. Ihre Familie hatte in Hermanstadt ein kleines Häuschen geerbt welches meistens leer steht und nun von den beiden bezogen wurde. Über eine Anzeige auf mobile.de kauften die Zwei einen deutschen Mercedes 608 der hier in Sibiu zum verkauf angeboten wurde da sie bereits bei der Anreise bemerkten das ihr VW Bus ein wenig zu klein war. Mit diesem Mercedes erkundeten sie teile Bulgariens und ein Stück ihrer rumänischen Heimat. Jetzt stand der Bus wegen Ölverlustes in einer Werkstadt und die 3 bewohnten ihr Häuschen. Den Winter wollten sie aber in Portugal verbringen, schließlich gibt ihnen das deutsche "Elternjahr" eine mehr oder weniger bezahlte Auszeit von 12 Monaten.
Eine gute Stunde standen wir zu fünft vor dem Billa Markt im Stadtzentrum, dann wurden die beiden Rucksackreisenden von einer Bekannten abgeholt bei der sie die Nacht verbringen wollten.
Mittlerweile war es dunkel und ich ging mit meinen "Fans" zu meiner mobilen Bleibe. "Es ist schon eigenartig plötzlich in dem Bus zu sitzen den man sonst nur von Bildern im Internet kennt" schrieben die beiden einige Tage später in ihrem Internetblog.
Am nächsten Tag zog ich durch die Stadt und am Abend traf ich mich wieder mit Udo und Simona. Diesmal zeigten sie mir ihr Reich. Ich bekam angeboten die Waschmaschine der Beiden zu benutzen. Als Wohnmobilreisende scheinen die Zwei zu wissen wie schwer es ist unterwegs seine Klamotten sauber zu bekommen und auch ich konnte dieses Angebot nicht ausschlagen. Eine Waschmaschine, das wäre das erste Mal das ich seit meinem Aufenthalt im Tierheim Griechenland auf eine richtige Waschmaschine zugreifen könnte.
Somit stand am nächsten Tag das wieder finden der Wohnung meiner Freunde auf dem Programm. "Wenn ich mich nicht verlaufe bin ich in 20 Minuten bei euch." Mailte ich den beiden so gegen 1 Uhr am Mittag. So gegen 3 stand ich dann tatsächlich vor der Türe. Ich hatte mich verlaufen.
Wäsche wanderte aus meinem Rucksack in die Maschine und während sie wusch wurde gegessen. Dann war der Kram sauber und ich schmiss die nächste Ladung in die Waschtrommel. So verging der Tag.
Ich bekam Urlaubsfotos der Beiden gezeigt und die dazugehörigen Geschichten erzählt und revanchierte mich meinerseits mit unzähligen Anekdoten meiner Reise. Am Abend war dann Zähneputzen bei Keo angesagt. Ich beobachtete das Schauspiel fasziniert.

Keo mag Zähneputzen nicht sonderlich und damit sie brav still hält und die Notwendigkeit dieser Tortur einsieht darf sie in Mamas Mund herumputzen während Papa die Reinigung der Kinderzähnchen übernimmt.
Bin ich froh keine Kinder zu haben!
Anschließend wurde ich noch von Udo auf eine Kneipentour durch die Hermanstadter Altstadt eingeladen.
Am Morgen des 30. Septembers traf ich mich nicht mit meinen neuen Freunden. Am 2. Oktober bekomme ich besuch von meinem Vater, da muss ich noch ein Hotelzimmer für ihn finden. Ich hatte zwar schon an einigen Quartieren die ich zufällig passiert hatte nachgefragt, aber etwas brauchbares hatte ich nicht gefunden. Für ca. 100 Lei, also rund 25 Euro pro Nacht findet man überall Quartiere. Ich wollte aber etwas billigeres. Das Preisgünstigste Angebot das ich fand war eine private Unterkunft am östlichen Rand der Stadt. 50 Lei sollte hier die Übernachtung kosten. Allerdings gab es keine richtige Toilette, sondern nur so ein altertümliches Loch im Boden, ähnlich wie die Stillen Örtchen von denen ich in Moldawien eine Diashow erstellt habe. Dann ganz viele Hotels und Pensionen die, wie bereits erwähnt, alle um die 100 Lei kosten sollten. Letzten Endes entschied ich mich für ein kleines Zimmer das privat von einem älteren Herrn angeboten wurde. 70 Lei betrug hier der Preis und die Unterkunft lag nur 2 Fußminuten von meinem Aufenthaltsort entfernt.
Mein nächtlicher Heimweg führte mich wieder über den Gemüsemarkt.

Die Waren waren mit Bettlaken und anderen Stoffen abgedeckt, hinter den Verkaufsständen drangen Schnarchlaute unter dicken Decken hervor. Vereinzelt war noch ein Stand geöffnet. Securitywachmänner zogen ihre Bahnen über das verlassen wirkende Gelände. Eine Frau mittleren alters sprach mich an. "Sorry, englisch or german?" "Sex?" Erwiderte die Frau. "10 Euro!" "No, thanks!" "Wey not?" Die Frau tätschelte mir die Wange und ich machte mich schleunigst aus dem Staub. Zurück am Wagen wusch ich mir das Gesicht. Ekelig! Wer weiß welchen Schwanz die als letztes gewichst hatte.
Den 1. Oktober verbrachte ich dann wieder bei meinen Freunden. Ich erzählte von der Hotelsuche. "Warte mal, der Freund von dem Schwager deines Bruders, der hat doch .. da ist doch der Dings … Warte mal eben." Ein Computer wurde auf den Gartentisch gestellt kurz darauf wurden rumänische Worte in ein Telefon gesprochen. Pension Clara, bei 14 Übernachtungen 80 Lei die Nacht. Ich erkannte das Bild der Pension auf der Internetseite wieder. Da war ich doch! Die hatten mir was von 130 erzählt. Ich würde Vater die Entscheidung überlassen.
Am Nachmittag des nächsten Tages schritt Vater pünktlich aus dem Ankunftsgate. Neben mir wartete eine Frau die ein Schild mit der Beschriftung "Herr Hack" in die Höhe hielt. Die Vermieterin des Leihwagens. "Servus, schön dich zu sehen. Guten Flug gehabt?" "Ja, kein Problem, das war ein Maschienchen. Ganz klein, hatte noch Propeller. Uralte Kiste, ist aber ruhig geflogen. Bei dir alles klar?" "Ja, alles im Lot. Sag mal ist das dein ganzes Gepäck?" Ich deutete auf den kleinen Rolltrolly den Vater als Handgepäck mitführte. "Der Koffer! Wo bekomme ich den denn jetzt her?" "Na, da drinnen, auf dem Förderband, da müsste der ankommen." Schneller als ich gucken konnte ignorierte Vater das Durchgangsverbotszeichen auf der Schiebetür des Ankunftsgates und presste sich in die verbotene Richtung an einem Schwall herausgehender Menschen vorbei. Ich dachte noch "gleich haben wir die Flughafenpolizei am Arsch", aber nichts geschah. Kurz darauf saßen wir in dem Mietfahrzeug und fuhren Richtung Sibiu Zentrum.

Vater entschied sich für die teurere Pension ohne die preiswertere überhaupt zu betrachten. "Das ist gut, das nehme ich!" So sein kurzes Statement. Schnell hatte er eingecheckt und dann fuhren wir nebst seinem Gepäck zu meinem Wagen. "Das meiste ist eh für dich, ich habe kaum etwas dabei." Wie bereits erwähnt hatte ich in Deutschland ein Carepaket angefordert. Laptopakku, Lampendocht und Diktiergerät hatte ich bei Amazon bestellt, ein neues Reparaturkitt für meinen Hauptbremszylinder beim Händler meines Vertrauens in Deutschland. Die letzten Dichtungen aus dem alten hatte ich mit Arno ganz hier in der Gegend verbaut und diese Dichtungen sind eine Schwachstelle meines Wagens, besser man hat Reserve dabei. Das war eigentlich schon alles. Eigentlich, das Beste sollte aber noch kommen. Neue Schuhe! Richtig Geile neue Schuhe! Ich bin ja Low Budget unterwegs und habe mich immer davor gescheut knapp 300 Euro für ein Paar Schuhe auszugeben. 300 Euro, so viel gebe ich nicht in 6 Wochen aus. Ich habe mir immer gedacht dass 6 Wochen Urlaub besser sind als ein Paar hochwertige Wanderschuhe. Aber … ich hätte sie schon viel früher kaufen sollen. Was sind schon 6 Wochen Urlaub? Ich laufe so viel, ein Paar gute Schuhe, ich hätte sie wirklich früher kaufen sollen! Mittlerweile haben die Schühchen schon die ersten 200 Kilometer hinter sich, sie haben mich auf einen 2000er getragen und ich hatte sie teils über 12 Stunden ununterbrochen an meinen Füßen. Zum ersten Mal seit Jahren hatte ich abends nicht diese schwarzen Ränder zwischen den Zehen und brauchte mir nicht meine Füße zu waschen bevor ich ins Bett gehe. Ich meine das spart ja auch Wasser! Zum ersten Mal seit Jahren schwammen meine Füße nach ein paar Kilometern nicht im eigenen Schweiß. Der hohe Schaft gibt meinem Fuß halt und ein wasserdichtes Membran hält ihn selbst bei Wasserdurchwatungen trocken. Erwähnenswert finde ich auch die Griffigkeit der Sohle auf feuchten und bemoosten Steinen. Was so ein bisschen Qualität schon ausmacht!
Hinterher weiß man immer mehr, obgleich ich solche Schuhe schon einmal hatte und es hätte wissen müssen. Aber ich hätte bzw. habe dennoch die hohen Kosten gescheut. Diese Schuhe habe ich nicht bezahlt!
Das war so:
Rund zwei Wochen bevor mich mein Vater besuchen wollte erhielt ich eine E Mail. Die Betreffzeile lautete: "Deal?!". In dieser E Mail wurde mir das Angebot unterbreitet mir ein Paar Schuhe bei dem online Schuhshop backpacker-footware.de auszusuchen. Im Gegenzug wünschte sich der Betreiber des Shops ein paar Werbeeinblendungen auf meiner HP. Ich betrachtete den übersichtlich gestalteten Shop, fand augenblicklich das was ich mir schon immer wünschte, sendete einen Produktlink zurück und ein paar E Mails weiter hatten wir bei einem virtuellen Bier einen Handschlagvertrag abgeschlossen. Über den Shopinternen Schuhgrößenrechner ermittelte ich meine Größe und glaubte nicht an das was mir dort angezeigt wurde. Aber … die Schuhe passen wie angegossen, ganz ohne anprobieren. Mein ausdrückliches Lob! Keine 24 Stunden nach meiner Bestellung kam ein kleines Packet bei meinen Eltern an. Dann musste ich leider noch einmal 10 Tage warten bis dass das Päckchen auch bei mir war. Jetzt habe ich neue Schuhe, Vater hat sie Fotografiert.

Und wenn der Hersteller der Schlüpchen bereit ist mit mir eine Werbekooperation einzugehen, dann verrate ich euch auch von welcher Marke diese tollen Schuhe sind und nicht nur von welchem Händler *gg
Außerdem bekam ich noch einige alte Bücher, eine neue Klobürste und eine Currywurst, genau wie in Chisinau. Nur diesmal musste ich sie kalt essen, denn nur 3 Tage vor der Ankunft meines Vaters leerten sich meine Gasreserven. Welche Verschwendung seltener kulinarischer Köstlichkeiten. Kalt war nur halb so gut.
2 Wochen blieb mein Vater in Sibiu. An sieben Tagen unternahmen wir kleine und größere Rundfahrten mit dem Mietfahrzeug. Die restlichen 7 Tage stand der teure Leihwagen unbewegt auf meinem Parkplatz und wir gingen zu Fuß die Kaffeehäuser der Hermanstädter Altstadt abklappern. Ein normaler Tag in Sibiu sah etwa folgendermaßen aus:
Gegen 10 Uhr weckten mich zaghafte Klopflaute. Draußen stand Vater, in seinen Händen hielt er eine Tüte "Gogos branza" die er auf dem Markt erworben hatte. Das Gogos zu meinem rumänischen Lieblingsfastfood gehört dürfte ja bekannt sein. Normal esse ich Gogos Simpel. Wenn man ihn preiswert erwirbt kostet er 50 Bani. Hier in Sibiu gibt es aber nix preiswertes und so eine Mutze kostet 1,5 Lei. Der Gogos Branza kostet hier 2,5Lei. Dafür ist er aber auch mit Käse gefüllt und eine echte Köstlichkeit. Bis 12 widmeten wir uns dann dem Frühstück in meinem Wagen. Da uns nach ein paar Tagen der Gesprächsstoff ausging beschloss Vater sich einfach mit meinem Hund zu unterhalten *gg

Danach ging es in die Stadt. Kaum war der Marktplatz erreicht wurde ein Gastronomiebetrieb aufgesucht in welchem man sich bei einer Tasse Kaffe vom anstrengenden Weg erholen kann. Dort wurde ganz gemütlich darauf gewartet das die Zeit vorbeigeht um dann irgendwann, ich hatte schon Schwielen am Hintern vom Sitzen, Weiterzuziehen und ein wenig später auf der Bestuhlung des nächsten Kaffeehauses platz zu nehmen. Dokumentieren würde ich das gerne mit dem Bildmaterial das ich am 9. Oktober aufgenommen habe. Also, Frühstück bis etwa 12 Uhr in meinem Wagen.
Um 12 Uhr 26 sitzen wir bereits zur Darmentleerung und zur allgemeinen Entspannung auf den ersten Kneipensesseln.

Dort sitzen wir bis 13 Uhr 33. Ich weiß das so genau weil ich, als wir aufstanden um zu gehen, dieses Bild knipste das die Aussicht von unsrer Lokalterasse festhält.

Um 13 Uhr 51 sitzt Vater auf den Stufen vor dem Ratturm und bewacht meinen Hund. Ich hingegen bin nach dem Zahlen von 2 Lei Eintrittsgeld die Stufen im Ratturm empor geklettert und genieße die Aussicht über Sibiu.
Die Geschichte dieses viereckigen Turms mit Zwiebeldach und Turmuhr der einstmals ein Teil der alten Wehranlage um Hermanstadt herum war reicht übrigens bis ins Jahr 1494 zurück wie ich einem Schild im inneren des Turmes entnehmen konnte. So schaut er von außen aus:

Als ich den Turm wieder verlasse muss es etwa 10 Minuten nach 2 gewesen sein. Mit meinem Vater zusammen überqueren wir den Plata Mare, den großen Platz und nehmen auf der Außenbestuhlung des Haller Cafes Platz.

Es ist jetzt 14 Uhr 33.
Petrus Haller war übrigens von 1554-1556 Bürgermeister von Sibiu. Danach wurde er zum Sachsengraf befördert. Das steht auf so einem Messingschild das am heutigen Haller Caffe angebracht ist.
Weit kommen wir nicht nachdem wir das Haller verlassen. Grob geschätzt rund 150 Meter. Denn dann lässt sich mein Vater auf einer öffentlichen Bank nieder und blickt auf die frühere Jesuitenkirche. Heute ist es die römisch katholische heilige Dreifaltigkeitskirche. Heilige Dreifaltigkeit, das kenne ich vom Finanzamt. Die falten Ihre Mahnungen nämlich zwei Mal, so dass sie in drei heilige Teile unterteilt sind. "Dem Kaiser was des Kaisers ist", das steht schon in der Bibel.

Die Wartezeit vertreibe ich mir damit ein paar Bilder des Plata Mare zu schießen.
Irgendwann sind wir dann doch einmal die Fußgängerzone rauf und wieder herunter gelaufen. Dabei trafen wir Udo und Simona. Zeit um in eine Kneipe einzukehren.

Inzwischen haben wir 17 Uhr 34. Mit Einbruch der Dunkelheit brachte ich dann meinen Hund zum Wagen. Im Inneren von Gaststätten ist mein vierbeiniger Begleiter nicht willkommen und nach Sonnenuntergang ist es auf den Gartenterassen zu kalt.
Meist saßen wir dann noch bis 23 Uhr in irgendwelchen Kneipen herum. Ich habe Bilder, aber ich erspare mir ihre Veröffentlichung.
Nach diesem Muster verliefen alle Tage die ich mit meinem Vater in Sibiu verbracht habe. Von Kaffeehaus, zum Restaurant, vom Restaurant zum Kaffeehaus und am Abend in eine Kneipe.
Als finazkräftiger Pauschaltourist macht man ganz andere Erfahrungen als wenn man seine Getränke im Stadtpark konsumiert. Man wird zum Beispiel angebettelt. Ständig! Mir passiert das sonst nur sehr selten, aber wenn man in einer Gaststätte sitzt, dann muss man Geld haben und das wissen die Bettler. Ich möchte sie in 4 Kategorien aufteilen von denen ich hier gerne erzählen würde.
Da wären zum einen die Zigeunerfrauen mit ihrem Kleinkind auf dem Arm. "Das arme Kind hat den ganzen Tag noch nichts gegessen, bitte einen Leu." Ist die Kernaussage ihrer rumänischen Bettelworte.
Dann wären da die etwas älteren Kinder die schon alleine laufen können. Im Zick Zack rennen sie zwischen der Restaurantbestuhlung hin und her, halten ihr schmutziges Patschehändchen auf und jammern, wenn sie bemerken es mit einem Ausländer zu tun zu haben, ihr Mitleideregendes "Pleeeace".
Dann gibt es noch die alten Männer mit Alkoholfahne. Sie fragen entweder direkt nach Geld oder nach einer Zigarette oder auch nach einem Stück der Nahrung die man gerade am verspeisen ist.
Last but not least wären die Menschen zu erwähnen die es durch ehrliche Arbeit versuchen. Wenn man in Sibiu auf der Ausenterasse eines Lokals sitz muss man nicht lange warten bis irgendein Mensch einen kleinen Zettel und einige unbrauchbare Dinge wie Feuerzeuge, Taschenlampen, Souvenirs … auf den Tisch legt an dem man platz genommen hat. In mehrsprachiger Ausführung kann man auf dem Zettel die Krankheitsgeschichte der betreffenden Person nachlesen und findet die Bitte doch eine Kleinigkeit zu kaufen. Meist handelt es sich um taubstumme Personen die, wenn man sie außerhalb ihres Arbeitsplatzes trifft, gerne in Grüppchen zusammenstehen und sich angeregt unterhalten.
Ich möchte in meinen Reiseberichten nicht müde werden dazu aufzufordern all diesen Menschen nichts zu geben. In 90% aller Fälle handelt es sich um Betrüger! Ich habe diese Menschen oft genug beobachtet und ich kann ihr Einkommen abschätzen. Denen geht es gut! Ich beschreibe das auch in meinem Istanbul Reisebericht. Auch damals war mein Vater bei mir und damals hatte er noch Mitleid. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt als er die Bettlerin beim Geldschaufeln beobachtete. Wer etwas gutes tun möchte kann ja gerne einen Menschen unterstützen der auf passive Weise um eine milde Gabe bittet ohne die Passanten direkt anzusprechen.

Für die Zigeunerinnen mit Kind eignen sich auch ein paar Kondome als milde Gabe. Die fragen euch nie wieder.
Dann gibt es noch eine fünfte Gruppe von Bettlern. Ich möchte sie einmal Luxusbettler nennen. Ich weiß nicht ob es sich dabei wirklich um eine Gruppe handelt oder ob es Zufall war das wir von so einem Menschen angesprochen wurden. Ich halte die Geschichte jedenfalls für Erzählenswert.
Es war schon späte und wir wechselten vom Haller zum Atrium Classic Kaffe. Das Atrium Kaffe ist ein Laden in dem "die Jugend absteigt". So mein Vater. Ich würde eher sagen dass es sich um einen Treffpunkt für gut betuchte Mittdreißiger handelt denn die Preise sind gesalzen. Vaters Lieblingsgetränk, schwarzer Tee, kostet dort 7,9 Lei. Eine Pizza Salami 19 Lei. Ich machte Vater auf die hohen Preise aufmerksam worauf er meinte der Tee sei auch in einer sehr vornehmen Tasse. Wenn man Glück hat projiziert ein Beamer im inneren des Kaffees eine Bildershow vergangener Tage in Sibiu an die Wand. Diese Bildershow ist sehr sehenswert. Auch das Beobachten eines, nun wie soll ich sagen … eines sehr fettleibigen Mannes der das Publikum gelegentlich mit live Musik von einem … jetzt habe ich es schon wieder vergessen, wie heißt die blöde Orgel gleich noch einmal?? Klavier? Flügel? Piano? Na so ein Ding eben, unterhält ist ein Erlebnis. Der Typ spielt echt gut und ist dabei so Fett das man kaum seine Arme erkennen kann.
Wenn man Pech hat überträgt der Beamer aber auch ein live Konzert des Wiener Philamonika Orchesters. So wie am 15.Oktober, dem Tag an dem ich mit Vater in meinen 32. Geburtstag hineinfeierte. Ich dachte mir: Jetzt bist du wirklich alt, feierst deinen Geburtstag bei klassischer Musik mit Dirigenten und Geigen.
Das Atrium liegt jedenfalls an der Lügenbrücke.

Der Legende nach soll diese Brücke einstürzen wenn sie von einem Lügner überschritten wird. Ich habe es ausprobiert, kurz vor der Brücke sagte ich laut und deutlich: "Ich werde mindestens 120 Jahre alt." Dann schritt ich über die Brücke. Sie blieb stehen, ich habe also noch ein langes Leben vor mir.
Zurück zum Bettler:
Wir durchschritten also gerade den Tunnel unter dem Ratturm, er verbindet den großen mit dem kleinen Ring, als wir angesprochen wurden. Recht schüchtern nahm ein gut gekleideter Herr mit uns Kontakt auf. Nach einigen Worten gebrochenem Deutsch meinte er besser englisch zu sprechen. "English is also OK, what is your Problem?" Es folgten noch einige Füllwörter und dann konfrontierte uns der Herr mit seinem Anliegen. Er brauchte 8 Lei um seine Restaurantrechnung begleichen zu können. Ich schüttelte den Kopf und im fortgehen übersetzte ich für Vater. Ich hab echt schon viel Scheiß gehört, aber wenn ich mir ein Restaurant nicht leisten kann, dann koche ich Kartoffeln. Hat der keine Kreditkarte wenn er sich beim Preis verrechnet hat und nicht genügend Bargeld bei sich führt? Also irgendetwas stimmt da doch nicht. "Ey, haste mal 30tausend Euro damit ich mir den neuen Porsche kaufen kann? Ey bitte ey! Nur 30 tausend für nen Porsche!"
Ein weiteres Problem ist die Prostitution. In diesem Zusammenhang möchte ich gerne 2 Erlebnisse Schildern die ich mit meinem Vater zusammen hatte. Beide ereigneten sich nach Einbruch der Dunkelheit und beide begannen mit einem augenscheinlich ganz normalen Smalltalk. Wir gingen durch die Fußgängerzone und Vater entfachte sich eine Zigarette. Zwei junge Frauen kamen auf uns zu, hielten ebenfalls eine Zigarette in der Hand und fragten nach Feuer. Ich habe die Beiden zwar nicht verstanden, aber die Gestik war halt eindeutig. Selbstverständlich zeigte sich Vater hilfsbereit und gab der jungen Dame Feuer. Es folgte die Frage: "ficki ficki??" "Waht?" "Sex?" "No!" Die Frau griff mir in den Schritt und wiederholte die Frage "ficki ficki?" "I said No!" fuhr ich die Prostituierte an woraufhin sie sich an meinen Vater wendete und ihm in den Schritt griff. Ich zögerte nicht lange und verpasste der Dame eine gehörige Backpfeife. Ein lautes Handgemenge entstand welches mit Schubsen, Tritten und Beschimpfungen endete.
Ich weiß nicht ob ich richtig gehandelt habe, aber was hätte eine wildfremde Frau wohl mit mir getan wenn ich mich vor sie gestellt hätte "Sex?" gefragt und ihr in den Busen gekniffen hätte. Ich schätze etwas sehr ähnliches und das ist auch gut so.
Ich akzeptiere ja jede Art der Berufsausübung und irgendwie müssen die Frauen ja an Kunden kommen. Aber ein Nein, das müssen sie schon akzeptieren. Wenn sie das nicht tun, dann müssen sie eben mit einem blauen Schienbein leben. Zumindest dann wenn sie an mich geraten.
Letzten Endes ließen die Damen jedenfalls von uns ab und riefen uns nur üble Beschimpfungen hinterher als wir davongingen.
Die Zweite Begegnung mit Prostituierten begann sehr ähnlich. Wieder waren es zwei Frauen und diesmal war der Gesprächseröfner mein Hund den die beiden kraulten. Nach der Frage: "Welche Rasse?" Kam dann auch gleich die Frage: "Sex?" Ich antwortete "Nein", wir gingen davon und die Sache hatte sich erledigt.
Dann würde ich gerne noch von den kleinen Emalieschildern berichten die an vielen Häusern hier in Sibiu angebracht sind.

"Der Erhalt dieses Hauses wurde durch die deutsche Bundesregierung gefördert." Ich meine irgendjemand muss dem deutschen Steuerzahler ja einmal erzählen was sein Land mit dem Geld tut für das er über 60% seiner Arbeitsleistung investiert. Ja, 60%! Und das ist vorsichtig geschätzt. 19% Mehrwertsteuer auf jedes Produkt, 30% Einkommenssteuer. Da wären wir schon bei 49%. Dann kauft man ja noch ein Paar Hochversteuerte Produkte wie etwa Benzin. Es gibt Vergnügungssteuer, Luxussteuer, Versicherungssteuer, KFZ Steuer, Tabaksteuer, Grundbesitzsteuer, Erbschaftssteuer … in Holland soll es sogar so etwas wie Gardinensteuer geben.
Im Grunde finde ich das ja gut. Internationale Zusammenarbeit, ein Zeichen der Freundschaft zwischen 2 Ländern. Aber … ich fordere hiermit alle Leser meiner Worte auf mir ein in Deutschland aufgenommenes Bild zu schicken auf dem ich etwas lesen kann wie: "Der erhalt dieses Hauses wurde durch die rumänische Bundesregierung gefördert."
Warum bezahlt Deutschland die Renovierung von Häusern in Rumänien?? Ich kann das nicht nachvollziehen! Ich möchte dafür nicht arbeiten und Steuern zahlen. Für die Sanierung deutscher Schulen, ja. Aber doch nicht für die Renovierung rumänischer Verwaltungsgebäude.
Aber wahrscheinlich wurde der erhalt dieses Hauses gar nicht von deutschen Steuergeldern bezahlt sondern vom Solidaritätszuschlag. Schließlich macht die Regierung gar keinen Hel daraus dass dieses Geld zum "Wiederaufbau Ost" einkassiert wird und der Solidaritätszuschlag ist ja gar keine Steuer, sondern eben ein Zuschlag. Das der Bürger die Finanzmittel erarbeiten muss, das ist ja nebensächlich. Ein Zuschlag ist ein Zuschlag und keine Steuer. Fragen wir Frau Merkel, sie wird das bestätigen.
An diese Stelle passt auch sehr gut ein Bild der Kanaldeckel im historischen Stadtzentrum Sibius.

Bereits im Jahre 2004 wurde Sibiu zur europäischen Kulturhauptstadt 2007 gekürt. Warum so eine Auszeichnung 3 Jahre im Voraus vergeben wird erschließt sich mir nicht so ganz, aber es ist ein Faktum das ich nachgeprüft habe. Europäische Kulturhauptstadt zu werden scheint so ähnlich zu sein wie einen Blog Award zu gewinnen. Man bekommt dafür Geld. Geld der deutschen Bundesregierung zum Beispiel. Dieses Geld wurde nicht nur zum renovieren und sanieren der alten Häuser im Stadtkern ausgegeben, sondern auch für das "Prestigeprojekt Kanaldeckel". Im gesamten historischen Stadtkern findet man ausschließlich diese neuen Kanaldeckel. Was an den alten wohl verkehrt gewesen sein mag? Und was das wohl gekostet hat? In einer Stadt in der man als Restaurantbesucher im 10 Minuten Takt angebettelt wird! Da ist dem deutschen Bürgermeister bestimmt nichts sinnvolleres mit dem Geld eingefallen. Die unzähligen Bodenstrahler die ins Straßenpflaster eingelassen sind und von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang die historischen Bauwerke beleuchten wurden angeblich von der Firma Siemens gesponsert. Welche Vergünstigung oder Baugenehmigung diese Firma im Gegenzug erheilt, das müsste ein echter Journalist nachprüfen. Ich habe dazu keine Lust, vermute aber dass da irgendetwas gelaufen ist das dem Volk verschwiegen wurde. Vielleicht hat Siemens ja auch einen Handschlagvertrag mit dem örtlichen Stromanbieter abgeschlossen. Denn die Stromrechnung für diese sinnlose Beleuchtung wird wohl der rumänische Steuerzahler tragen. Oder halt der Deutsche, das weiß ich jetzt nicht so genau. Bevor ich beginne von unsren Tagesausflügen ins Umland von Sibiu zu erzählen gibt es noch 2 Dinge die ich erwähnen möchte. Zum einen habe ich Keo das Laufen beigebracht. Ja, ich! Und ich bin stolz auf mich. Wir befanden uns auf dem Plata Mare und waren mit Udo und Simona verabredet. Während wir Männer uns einem netten Plausch widmeten war Simona voll und ganz damit beschäftigt den kleinen Schreihals durch Laufübungen vom Schreien abzuhalten. Irgendwann griff das angesabberte Händchen nach meinem Zeigefinger und ich wünschte mir mal wieder Desinfektionsmittel. Nun gut, mein Finger war eh mit Babyspeichel überzogen, da kann ich auch mal Ersatzpapa spielen. "Komm wir gehen spazieren Keo!" Das kleine Kind folgte mir auf wackeligen Beinen und umklammerte meinen Finger der ihm half das Gleichgewicht zu halten. Ich entfernte mich rund 20 Meter von den schützenden Eltern und sagte dann: "Weißt du eigentlich das ich Kinder gar nicht leiden kann? Loslassen! … grrr lass meinen Finger los *zieh zerr, ich lass dich jetzt hier stehen. Tschüss!" Etwas verdattert stand das Kleinkind nun mutterselenallein auf dem großen Platz und wollte gerade beginnen um Hilfe zu rufen. Ich drehte mich um, ging in die Knie und rief das Kind. "Komm, bist alt genug. Du kannst alleine laufen. Laufen oder da stehen bleiben. Entscheide dich!" Die Worte geflüstert in einem leichten Singsang, ähnlich wie ich auch einem Welpen das Kommando "komm her" beibringen würde. Unsicher setzte der Winzling einen Fuß vor den anderen. "Ja, super. Und jetzt den anderen Fuß. Richtig, anheben, nach vorne bewegen, absetzen und wieder der erste." Keo lief! Gut und gerne 7 oder 8 Meter bis zu meiner Person. Und dieses Elternglück, sagenhaft! "Die läuft, guck mal Keo läuft. Ganz alleine, ohne Hand!" Ist es nicht normal das Kinder laufen lernen? Ich meine ich könnte auch einen Lichtschalter bedienen und mich darüber freuen das das Licht angeht. "Guck mal, es wird hell und ich hab nur auf diesen Schalter gedrückt. Wahnsinn!" Oder auch: "Schau mal, das Auto fährt wenn ich einen Gang einlege und die Kupplung kommen lasse." Oder: "Da kommt Wasser aus der Wand und ich hab bloß an diesem Hahn gedreht. Ein Wunder!"
Anscheinend hat die Natur aber auch in mir ein paar verkümmerte Vatergene eingebaut, schließlich schreibe ich über dieses "wundervolle Ereignis" und erwähne auch noch dass ich Stolz darauf bin. Vielleicht sollte ich mir auch ein Kind anschaffen. Schließlich wird Kindergeld bedingungslos bezahlt und von der Kohle kann man im Ausland prima leben.
Es sei den, es sei denn man nimmt seine Mahlzeiten in dem drei Sterne Restaurant "Casa Frieda" ein. Casa Frieda liegt am östlichen Rand der Hermanstädter Fußgängerzone und war nach einem verregneten Vormittag der einzigste Laden dessen Ausenterasse noch geöffnet war und uns somit mit meinem Hund willkommen hieß. Ich bestellte eine Pizza und erhielt ein Pizzchen. Den Vogel abgeschossen hat aber Vater mit seiner Bestellung. Er entschied sich für "Fish filet de Lux with cheese" Das konnte er auch ohne meine Hilfe von der englischsprachigen Speisekarte übersetzen. Fisch Filet de Lux mit Käse zum günstigen Preis von 25 Lei, also rund 6 Euro. Das klingt jetzt gar nicht sooo teuer, man muss aber bedenken dass wir dieses Gericht in Rumänien bestellt haben. Einem Land in dem das Gehalt des Kellners wohl unter 300 Euro liegen dürfte. Hätte Vater ein Fisch Filet de Lux mit Käse bekommen, ich würde es gar nicht erwähnen. Aber das was der Küchenchef von Casa Frieda da als Filet de Lux bezeichnet, das verdient meiner Meinung nach eher die Bezeichnung "fishfinger" also Fischstäbchen. Schaut selbst was man bei Casa Frieda für umgerechnet 6 Euro zu essen bekommt.

Iglu lässt grüßen! Die Dinger gibt es doch bei Lidl im 6er Pack für 1,99 oder?? Muss man nur noch in die Mikrowelle schieben. "Fisch Filet de Lux" ja, das könnte auf der Verpackung des Tiefkühlfutters stehen. Meine Pizza erinnerte mich übrigens stark an das was sich unter der Bezeichnung "Restaurante" in den Tiefkühltruhen großer Lebensmittelmärkte finden lässt.
Tagesausflüge! Wir hatten ja einen Leihwagen. Eigentlich hatte Vater einen Dacia Logan gemietet, aber der war wohl irgendwie kaputt als wir ihn hätten bekommen sollen und deswegen erhielten wir zum gleichen Preis einen Ford Focus. Der Piepst übrigens auch wenn man sich nicht anschnallt und außerdem, das hat Vater festgestellt, ist dieses Fahrzeug nicht mit einem Aschenbecher ausgerüstet. Dafür hört man wenigstens den Motor und weiß so wann man schalten muss. Genau wie bei dem VW Jetta sind auch hier die elektrischen Fensterheber nicht wirklich durchdacht. Normalerweise kann ich parken, den Motor ausschalten und dann das Fenster hochkurbeln. Nicht so bei elektrischen Fensterhebern. Die haben nämlich keinen Strom mehr wenn man die Zündung ausschaltet. Was sehr gewöhnungsbedürftig ist und irgendwie nervt.

Transalpina

Unsere erste Spritztour führte uns auf die Transalpina. Mit 2037 Höhenmetern soll die Transalpina die höchste Passstrasse Rumäniens sein, so die Aussage vieler Einheimischen die mir die Transalpina als absolute Sehenswürdigkeit ans Herz gelegt hatten. Mit Arno zusammen hatte ich schon einmal den Versuch unternommen die Transalpina zu befahren. Damals wusste ich allerdings noch nicht dass diese Passstrasse Transalpina heißt. Unser Versuch ist ja auch kläglich gescheitert da wir auf halber Höhe in einer Schneeverwehung stecken blieben die uns zum umkehren nötigte. Damals war es März, diesmal erst Oktober und bei der Abfahrt hofften wir darauf dass ein Überqueren der Transalpina noch möglich sein würde.
Nach einigem Suchen und viel Fragerei an ungezählten Tankstellen fand ich die Ausfallstraße Richtung Brasov. Laut Karte sollte es von dort irgendwo links ab Richtung Curtea de Arges und Pitesti gehen. Ich fragte noch einige Male bis wir uns auf der richtigen Strasse befanden. Es ging zwar ein wenig bergauf und bergab, aber von einem Pass konnte nicht die Rede sein. Damals, damals bin ich von Pitesti aus kommend Richtung Sibiu gefahren und ich dachte wenn ich mich nun von Sibiu Richtung Pitesti halten würde, dann käme ich wieder über den Pass.
Falsch gedacht, der Weg führte mich über eine Umgehungsstraße. Irgendwann, nach vielen Stunden hinter dem Steuer erreichte ich Curtea de Arges. Hier war ich schon einmal, von hier kannte ich den Weg und so rollten wir das Feld von hinten auf. Wir fuhren vorbei an dem Draculaschloss zu dem ich bereits mit Arno empor geklettert war und stoppten an genau der Gleichen Stelle an der ich damals mit Arno gehalten hatte um die imposante Brückenkonstruktion an der steilen Felswand zu fotografieren. Schnell erreichten wir den See. Auch an ihm war ich mit Arno vorbeigefahren und wir hatten an dessen Ufern sogar einige Tage verbracht. Nur diesmal waren große Teile der damals kaum befahrbaren Strasse neu geteert. Kurz danach passierten wir den Hotelparkplatz der Arno und mir zwei Tage lang eine Heimat bot. Wir fuhren vorbei ohne anzuhalten und stoppten erst an dem kleinen Wasserfall bei Altidunea auf 1690 Metern Höhe. Bis hier waren wir damals zu Fuß vorgedrungen und ich hatte den Fall in Eis und Schnee fotografiert. Diesmal gab es kein Eis, aber wir hatten die Baumgrenze passiert. Nackte Felsmassive lagen vor uns die sich imposant Richtung Himmel reckten und nur stellenweise von verdörrten Grasflächen bewachsen waren. Hier und da verschwanden die Felsen in dichtem Nebel, in die andere Richtung hatten wir hingegen freie Sicht. Wir fotografierten uns dumm und dämlich.
Wer jetzt glaubt wir wären für die vielen Bilder ausgestiegen, der irrt sich. Die Transalpina ist keine stark befahrene Strasse, man kann einfach auf der Fahrbahn anhalten und aus dem Fenster knipsen.

Kurz vor Balea Lac, einem kleinen Bergsee am höchsten Punkt der Transalpina wo viele Touristenbüdchen und einige Restaurants ansässig sind, führte uns die Strasse durch einen Tunnel. Dann war endlich Aussteigen angesagt. "Komm, jetzt gehen wir erst einmal einen Kaffe trinken!" Meinte mein Vater. "Wie Kaffe trinken?! Sind wir den ganzen Tag gefahren um einen Kaffe zu trinken? Lass mal ein Stück spazieren gehen!" "Mann muss ja mal etwas trinken, außerdem ist es ja schon spät." Erwiderte mein Vater. "Ok, Vorschlag: Du gehst einen Kaffe trinken und ich lauf da um den See."

"Aber es ist doch schon spät, so viel Zeit haben wir doch gar nicht mehr. Es wird doch gleich dunkel." "Der See ist doch nur ganz klein, da bin ich doch in 20 Minuten drum rum. Schließlich muss der Hund auch mal laufen." Wenn ein Argument bei meinem Vater zieht, dann ist es der Hund. Vater ging alleine einen Kaffe trinken und ich spazierte um den See. Leider führt kein Weg um den See. Aber ich brauche nicht unbedingt einen Weg, schließlich habe ich Schuhe die zum quer Feld ein Laufen gebaut sind und ich wunderte mich zum ersten Mal über die Griffigkeit der Sohle in den Steilen Felswänden. Wenn ich daran denke wie ich mich mit den alten Schlappen über die Geröllfelder im Calamanie Nationalpark oder auch über die steilen Pfade im Park hinter dem Bicac See gekämpft hatte und wie leicht mir jetzt das Laufen viel … verdammt, hätte ich mir doch schon viel früher ein Paar gute Schuhe gekauft.
Die Gegend war grandios und die Aussicht auf das im Nebel liegende Tal, in dessen Schwaden irgendwo, urplötzlich die Asphaltdecke der Transalpina verschwand, phantastisch.
Selbstverständlich Fotografierte ich.
Rund 40 Minuten später saß ich wieder am Steuer des Ford Focus. Der Nebel hatte sich verzogen und die Abfahrt ging so zügig das mir die Luftdruckunterschiede ein unangenehmes Ohrensausen bescherten. Dann kam das Ortsschild "Baelea Cascada". Cascada, das ist rumänisch und heißt Wasserfall. Ich steuerte auf einen Besucherparkplatz. "Hier waren wir essen, damals, als ich mit Stefan in die Ukraine bin und wir dich auf dem Rückweg in Galati besucht haben. Hier ist kein Wasserfall, nur ein ganz kleines Ding, das haben wir gesehen." Ich glaubte meinem Vater nicht. Da ich allerdings wusste das ich es schwer haben würde ihn zum laufen zu bewegen versuchte ich den Fall durch dummes hin und herfahren zu finden. Leider gelang es mir nicht. Eine dreiviertel Stunde später erreichten wir wieder Sibiu und gingen Essen.
Sechs Tage später, am 10. Oktober 2012 fuhren wir ein zweites Mal auf die Transalpina. Diesmal kannte ich die Strecke und wir sparten uns den "kleinen" Umweg über Curtea de Arges. Ich steuerte den Wagen bis Baelea Cascada. Dort stoppte ich am rechten Fahrbahnrand und Vater übernahm das Steuer. Ich wollte den Berg zu Fuß besteigen und Vater wollte in einem Kaffee am Gipfel auf mich warten. "In spätestens 4 Stunden bin ich oben. Bis Gleich!" Um halb 12 am Vormittag lag unberührte Natur vor mir. Zumindest glaubte ich das als ich den Mietwagen verließ und mit meinem Hund dem durch ein blaues Dreieck markierten Wanderweg in dichte Nadelwälder folgte.
Über schmale Pfade ging es steil bergan. Der Weg führte über wacklige Holzbrücken die entweder aus grob zusammengenagelten Baubohlen bestanden oder direkt aus Baumstämmen gefertigt wurden die einfach so gefällt wurden das sie eine Schlucht überbrücken. Bereits nach 20 Minuten Marsch gabelte sich der Weg. Mein blaues Dreieck, welches mit einer Laufdauer zum Pass mit 2 Stunden beschildert war und ein blaues Kreuz welches zum gleichen Ziel führte aber mit 3,5 - 4 Stunden Gehzeit ausgezeichnet war.
Ich entschied mich für das Dreieck, schließlich stand ich unter Zeitdruck und wollte meinen Vater nicht allzu lange warten lassen. In Serpentinen kreuzte der Weg immer wieder die Seilbahn welche zahlende Touristen von Baelea Cascada nach Balea Lac beförderte. Nach rund 40 Minuten Gehzeit sah ich den Wasserfall. Er war alles andere als klein. Er war gigantisch und durchaus mit Velica Slep, dem 78 Meter hohen Fall im kroatischen Nationalpark Pletvica Jezerra zu vergleichen den ich schon vor einigen Jahren staunend bewundert hatte. Leider sah ich den Fall nur aus der Ferne. Gerne wäre ich zu seinem Fuß hinabgeklettert um seine Gicht auf meiner Haut zu spüren und das Tosen der herabstürzenden Wassermassen in voller Lautstärke zu hören. Es hätte bestimmt einen Weg gegeben der dorthin führt. Aber wie gesagt, ich stand unter Zeitdruck.
Nach weitern 20 Minuten erreichte ich eine kleine Hütte die auch von der Hauptstrasse aus zu erreichen ist. Auf der schlichten Holzbank welche im Schatten der Hütte errichtet war lagen einige Zentimeter Schnee. Die Hütte war unverschlossen so dass ich sie besichtigen konnte. Auf ihrer rechten Seite gab es so eine Art Aufenthaltsraum mit einem Bett, einer Küchenzeile und einer offenen Feuerstelle über welcher ein riesiger Abzug angebracht war. Linksseitig gab es Viehställe. An einer Wand hing ein Bündel "Luftballons". Ich kann mich täuschen, aber ich hätte gesagt das waren getrocknete Schafsblasen.
Ich verließ die provisorische Unterkunft des Schäfers und mein Wanderzeichen führte mich auf die Hauptstrasse der es folgen sollte. Ich war enttäuscht und kürzte die Serpentinen der Strasse durch selbst entdeckte Querfeldeinstrecken ab. Einen Teil des Weges kletterte ich durch ein vereistes Bachbett. Eiszapfen bildeten sich aus dem klaren Quellwasser und boten mir ein kostenloses Wassereis.
Zwei Stunden und zwanzig Minuten brauchte ich um den Gipfel des Passes zu erreichen, hier einige Bilder.
Ich schaute durch die Fenster der Zwei Gaststätten an diesem Ort und suchte nach meinem Vater. Erfolglos! Ist der tatsächlich bis dahinten gegangen, zu der dritten Bude? Ich konnte es mir nicht vorstellen, ging aber dennoch nachschauen. Auf halbem Weg kam mir mein Vater entgegen. "Gut das du endlich da bist, hier ist ja überall Eis. Lass machen das wir hier runterkommen bevor das kalt wird und die Strasse gefriert." Es war jetzt 2 Uhr am Mittag, bis zum Einbruch der Dämmerung und somit zum Einzug der Kälte blieben uns noch gut und gerne Fünf Stunden Zeit. Eigentlich wollte ich vorschlagen das ich noch bis zum Gipfel empor klettere der eine Höhe von über 2500 Metern hat da ich ja entschieden schneller war als geplant und der Tag noch ausreichend Zeit bot. Aber was soll ich tun, wenn um zwanzig nach 2 am Mittag bereits die Kälte der Nacht die Strassen gefrieren lässt.
Ich steuerte den Wagen zurück und etwa 1,5 Stunde später saßen wir auf einer Restaurantterrasse im Stadtzentrum von Sibiu.
Auch am 12. Oktober widmeten wir uns unsrer Pilgerreise durch die Lokale. Spät am Abend, ich hatte mich gerade von Vater verabschiedet, viel mir ein das am Folgetag einer der reisenden Handwerker die Stadt verlassen wollte. Ihm hatte ich ein Buch über Hundeerziehung geliehen da er mit dem Gedanken spielte einen Straßenhund mit dem er sich angefreundet hatte mit auf seine Wanderjahre zu nehmen. Dieses Buch wollte ich gerne wieder haben. Also ging ich noch einmal zurück in die Stadt und klopfte zur späten Stunde am hell erleuchteten Haus der reisenden Handwerker.
Selbstverständlich wurde ich eingelassen, die Stimmung war feucht fröhlich. Es wurde gerade ein Geburtstag gefeiert. Ich erhielt mein Buch zurück und ließ mich an einer Bierzeltgarnitur im Aufenthaltsraum nieder. Kurz darauf wurde ich Zeuge eines alten Brauches, dem "Nageln". Nachdem sich das Geburtstagskind ausreichend Mut angetrunken hatte wurde ein selbst geschmiedeter Eisennagel mit einer Pfeile geschärft. "Das Opfer" legte seinen Kopf schief so dass das Ohrläppchen auf der Tischplatte zu liegen kam, der Nagel wurde angesetzt, ein kräftiger Hammerschlag und dann wurde der Nagel mit einer Rohrzange aus Tisch und Fleisch gezogen.
Voller Stolz nun ein echter Wandergeselle zu sein prostete der genagelte uns noch einmal mit der Wodkaflasche zu um kurz darauf in einen komaähnlichen Schlaf zu verfallen.

Ich war erstaunt darüber wie wenig Blut bei diesem "Nageln" fließt und irgendwie froh das ich auf eigene Kappe das Weite gesucht habe und mich keinen alten Bräuchen unterwerfen muss die sicherlich ein hohes Infektionsrisiko bergen.

Tagesausflüge: Salzburg

Am 6. Oktober, nur zwei Tage nach unsrem ersten Ausflug zur Transalpina fuhren wir mit Udo, Simona und Keo im Gepäck nach Salzburg. Die drei hatten wir zufällig im Stadtzentrum getroffen und so hatte ich die Möglichkeit sie meinem Vater vorzustellen. Schnell waren wir uns darüber einig einen gemeinsamen Tagesausflug zu unternehmen.

Salzburg liegt etwa 30 Kilometer nördlich von Siegen in der Bundesrepublik Deutschland. Auch in der Schweiz gibt es ein Salzburg, etwa 50 Kilometer östlich des Chimses. Aber auch in Rumänien findet sich eine Stadt namens Salzburg. Sie liegt nur rund 15 Kilometer vom Stadtzentrum Sibiu entfernt und heißt mit rumänischem Namen Ocna Sibiului.
Gegen 11 Uhr am Vormittag parkte ich den Mietwagen vor dem Haus meiner Freunde. Mit geübten Handgriffen montierte Udo den Kindersitz auf der Rückbank des Fords. Dann wurden wir noch auf einen Kaffe eingeladen und kurz darauf war ich stolzer Pilot eines Pampersbombers.
"Links, rechts, geradeaus …" diesmal musste ich nicht auf die Karte schauen, ich hatte ein Ortskundiges, lebendes, Navigationssystem namens Udo bei mir. Wenn gerade keine Fahrtrichtungsangaben von der Rückbank zu mir herüberschallten hörte ich die Geräusche des Baby Aps aus dem Iphone der beiden. "Die Kuh macht: Muhhh. Das Schwein macht: Oinks. Der Frosch macht: Quark." Das Kind lachte und war glücklich. Schnell erreichten wir Salzburg. Hier endete die Ortskundigkeit meines Navigationssystems. "Das hat sich hier alles verändert, das ist mindestens 5 Jahre her das ich zum letzten Mal hier war." Meinte Udo. Riesige Besucherparkplätze zu unsrer Rechten, ein digitales Leitsystem zeigte an auf welchem Parkplatz noch wie viele Parkflächen frei waren. Kein einziges Auto war auf den gigantischen, zubetonierten Flächen zu entdecken. Die Schranken zu den Parkflächen waren geschlossen. Wir parkten innerstädtisch und gingen zu Fuß. Ein kleiner Tümpel hinter einem Zaun. "De Vanzare" also zu verkaufen stand auf einem Schild das am Zaun befestigt war. Darunter eine Telefonnummer. Ein weiterer Tümpel. Uneingezäunt! Ein älterer Mann kletterte gerade in Badehose aus dem angeblich sehr gesunden Wasser.
"Das ist das nicht, hier sind ganz viele Seen, irgendwo dahinten." Sagte Udo, wir gingen weiter. Vorbei an einem geschlossenen Restaurant und dann folgten wir einem Zaun. Er führte durch ein fast ausgetrocknetes und vom Salz weiß gefärbtes Bachbett.

Wir umgingen das Bachbett und gelangten kurz danach an den Eingang zu dem Seen. Ein Drehkreuz war in den Zaun eingelassen, daneben ein geschlossenes Kassenhäuschen.
Die Seen mit ihrem salzigen Heilwasser, die einstmals von Mutter Natur zur kostenlosen Entspannung und Erholung aller Planetenbewohner geschaffen wurden, wurden in den letzten 5 Jahren von kapitalistisch veranlagten Investoren aufgekauft, eingezäunt, mit asphaltierten Wegen und energiefressender Straßenbeleuchtung sowie Besucherparkplätzen versehen und nun ist ein Bad im salzigen Wasser - für das ich extra eine Badehose mitgenommen hatte - kostenpflichtig und an Öffnungszeiten gebunden. Ich zeigte den Kapitalisten meinen Mittelfinger und beging Landfriedensbruch.

Was blieb mir auch anderes übrig? War ich doch extra angereist um mir die Seen anzuschauen und jetzt waren sie hinter einem Zaun verborgen und der Typ der Eintrittsgelder kassieren sollte hatte Feierabend.
Ich ging allerdings nur bis zum ersten See

hinter der Absperrung warteten schließlich mein Vater und eine Familie mit Kleinkind.
Im Ort selbst gibt es unzählige Hotels und Badehäuser die das Wasser der Seen in ihre Pools pumpen und Erholungssuchenden Gesundheitsfreaks gegen einen kleinen finanziellen Obolus ein Bad anbieten.
Ich frage mich immer wieder wie man es rechtfertigen kann natürlich geschaffene Lokalitäten einzuzäunen und für ihre Besichtigung ein Eintrittsgeld zu erheben. Das ist Unrecht! Für einen von Menschenhand geschaffenen Vergnügungspark darf man Eintritt verlangen, aber nicht für etwas das Mutter Natur ohne menschliches zutun geschaffen hat. Das ist ein Verbrechen! Mir persönlich gefallen solche Naturdenkmäler auch immer besser wenn sie noch nicht touristisch erschlossen und mit Parklätzen, Souvenirbuden und Straßenbeleuchtung ausgestattet sind. Schließlich haben Parkplätze, Souvenirbuden und Straßenbeleuchtungen nichts in der Natur verloren.
Am frühen Nachmittag erreichten wir wieder Sibiu und kehrten in ein Restaurant ein.

Medias

Unser nächster Ausflug führte uns am 8. Oktober nach Medias.

Gelangweilt saßen wir bei einer Tasse Kaffe in meinem Wagen und überlegten was wir tun könnten. "Lass uns doch noch mal irgendwo hin fahren." Meinte mein Vater. "Wohin den?" Ich kramte die Landkarte heraus. "Nach Medias das scheint eine große Stadt zu sein und das ist nicht so weit weg."
Rund 1,5 Stunden saßen wir im Wagen um unser Ziel zu erreichen. Um 12 Uhr und 14 Minuten fotografierte ich das Straßenschild der Straße in der wir parkten damit wir bei bedarf ihren Namen kennen und uns so zu unsrem Wagen durchfragen können. Wir gingen hinauf bis zu einer alten Festungsanlage deren Ursprung ich leider nicht herausfinden konnte.

Dort packte uns der Hunger und wir gingen zurück. Von einer alten Frau kauften wir einige Gebäckringe und dann gingen wir zurück zum Wagen. Um 13 Uhr und 55 Minuten schoss ich ein Foto aus dem fahrenden Fahrzeug über das Lenkrad hinweg. "Damit ich hinterher darüber schreiben kann für welche gigantisch lange Aufenthaltsdauer wir so weit gefahren sind." Informierte ich meinen Vater. "Ja hat dir das den hier gefallen? Das war doch schrecklich, überall die vergammelten Häuser und der Straßenlärm, dann lass lieber zurück nach Sibiu fahren, die Altstadt ist wenigstens schön."
Klar, die Altstadt ist ja auch nicht rumänisch, schließlich wurde sie mit deutschen Finanzmitteln restauriert.
Es muss so gegen 15 Uhr gewesen sein als wir begannen die uns altbekannten Kaffeehäuser in der Hermanstadter Altstadt abzuklappern.
Am 11. Oktober kauften wir in einer Touristeninformation eine Landkarte und ließen uns von der freundlichen Mitarbeiterin einige Ausflugsziele empfehlen.
Unsere nächste Tour, am 12. Oktober führte uns nach Paltinis.

Palatinis

Paltinis ist ein Skiresort auf 1422 Metern Höhe und liegt nur rund 30 Kilometer von Sibiu entfernt. Wir folgten dem bekannten Weg Richtung Flughafen und bogen einige Kilometer dahinter, in Cristian links ab Richtung Orlat. Von dort sollte es nach Poplaca weitergehen. Doch irgendwie verfehlte ich die Weggabelung und so fuhren wir durch Gura Raului und erreichten kurz darauf den gleichnamigen Stausee.

Damit wir nicht wieder Hunger bekommen hatte ich einige Brötchen und ein wenig Aufschnitt erworben, so das wir ein Picknick neben dem Fahrzeug einnehmen konnten. Dann ging es weiter. Nach einigem Suchen fanden wir die richtige Strasse. Schnell erreichten wir Paltinis das wir auf der Suche nach einem geöffneten Kaffeehaus durchquerten. Unsere Suche war allerdings nicht von Erfolg gekrönt. (Vielleicht hätte man mal aussteigen müssen) Kurz hinter Paltinis verlor die schmale Strasse ihre Asphaltdecke und wir kehrten um.
Da der Hund ja auch mal raus muss stoppten wir an einer Parkbucht rechtsseitig der Hauptstrasse, schossen dieses Foto,

aßen noch ein Brötchen und dann kehrten wie in die Stadt zurück in der die Gaststätten geöffnet hatten.
Unsere Tour am Folgetag führte uns rund 150 Kilometer über rumänische Nebenstrassen und wir verließen sogar für etwas über eine Stunde den Wagen um ein Stück spazieren zu gehen.
Wir folgten dem uns bekannten Weg nach Ocna Sibiului; Salzburg. Drehten einige Ehrenrunden durch den Ort um aus dem fahrenden Auto einen Blick auf die Badehäuser werfen zu können und dann folgten wir der schmalen B106 weiter nordwärts. Rund 20 Kilometer später stoppten wir in dem kleinen Ort Hasag und verließen das Fahrzeug. Ein im Dorf aufragender Kirchturm sollte unser Ziel sein. "Das muss ich fotografieren! Das muss ich Mutter zeigen! Wenn die noch mal sagt unsre Gartenbank sei nicht in Ordnung, das Dach müsse erneuert werden oder die Garage bräuchte einen neuen Anstrich. Vater Fotografierte wie ein Weltmeister.
Dann passierten wir ein kleines "Magazin Alimentare". Einige Gartenstühle standen auf der Terrasse und die Sonnenschirme, die heute wohl eher als Regenschirme dienen, waren aufgespannt. "Lass da mal einen Kaffe trinken!" Forderte mich Vater auf. "Da gibt es keinen Kaffee, das ist ein Tante Emma Laden." "Die haben doch Stühle!" Wir betraten die Gartenterrasse und nach einem kurzen Blick ins Ladeninnere sah Vater ein dass es hier keinen Kaffe gibt. "Dann trinken wir eben eine Cola." "Do Coca Cola." Bat ich an der Ladentheke. Die Verkäuferin ging mit mir hinaus zu dem sich im freien befindlichen Kühlschrank, entriegelte das Vorhängeschloss und entschuldigte sich nur eine Coca Cola im Angebot zu haben. "Pepsi ist auch OK." Nach dem Genuss des halben Liters koffeinhaltigen Erfrischungsgetränks stiegen wir wieder in den Mietwagen und fuhren weiter nordwärts. In der Höhe von Tapu bogen wir rechts auf die B 14 ab die uns nach Copsa Mica (Kleinköpisch) führte.
Hohe Schornsteinschlote und Kühltürme begrüßten uns am Ortseingang. Ich glaubte an ein Atomkraftwerk, doch dann kamen wir näher und passierten die riesigen Kohlehalden auf welchen große Bagger fleißig hin und herfuhren. Früher, so erzählte mir Udo später, sei die ganze Stadt schwarz vom Kohlenstaub gewesen und auch heute gäbe es noch einige pechschwarz eingestaubte Häuser welche noch nicht renoviert worden seien. Aber da wir es versäumten auszusteigen habe ich diese Häuser nicht gesehen.
Von Kohlenstaub geschwärzte Häuser, der Preis für eine verschwenderische Stadtbeleuchtung im Stadtzentrum von Sibiu!
Ohne ein weiteres Mal anzuhalten folgten wir der Hauptstrasse zurück nach Sibiu. Erst als wir am Ortseingang einen Obi Baumarkt passierten trat ich noch einmal auf die Bremse und kaufte neue Zweikomponentenknete.
Früh erreichten wir wieder das Stadtzentrum und schauten einem Holzschnitzer zu der hier, mitten auf dem Piata Mara eine kleine Ausstellung aufgebaut hatte.

Was macht dieser junge Künstler falsch?
Beim arbeiten mit einer Kettensäge braucht man einen Gehörschutz, eine schnittsichere Hose, eine Schutzbrille und Handschuhe. Der ist genauso leichtsinnig wie ich wenn ich Brennholz schneide.
Am Morgen des 15. Oktobers bestiegen wir Ziellos das Mietfahrzeug. Ein wenig "Rumfahren" hieß unser Plan. Der Zufall führte uns nach Cisnadie (Heltau). Der Ort wirkte hübsch, eine alte Wehrkirche zierte das Stadtzentrum. "Sollen wir uns mal den Ort anschauen?" Fragte ich. "Was sollen wir den hier? Findest du es hier so toll?" erwiderte mein Vater. Dann lass mich wenigstens mal kurz aussteigen und ein Foto knipsen.

Ziellos fuhren wir weiter. Einmal links, einmal rechts. Immer so wie wir es in dem Moment entschieden an dem die Entscheidung gefällt werden musste. Unser Weg führte uns über eine schmale Brücke, in Sichtweite vor uns: Das Bergmassiv der Karpaten.

In der Ortschaft Arvig (Freck) sahen wir einen Wegweiser: Poina Neamtului 14km. Stand darauf zu lesen. "Sollen wir da mal hinfahren? Poina das ist so eine Art Wanderlokal, meist recht hoch gelegen." Soviel wusste ich von meinen Wanderungen, schließlich hießen fast alle Wanderziele in den Bergen die mehr oder weniger bewirtschaftet waren Poina. "Ja, können wir machen." Ich bog ab und steuerte das Fahrzeug dem Bergmassiv entgegen. Nach rund 10 Kilometern verlor die Strasse ihre Asphaltdecke. Jetzt fuhr ich über so etwas wie einen Wanderweg. Tatsächlich erreichten wir bald darauf so eine Art Almhütte mit Zufahrtsweg. Leider hatte sie um diese Jahreszeit geschlossen. Hier endete auch der befahrbare Weg und einige Wanderzeichen versprachen herrliche Touren. Aber wir wendeten. Ohne Motorkraft ließ ich den Wagen den schmalen Waldweg hinunterrollen und stoppte an den Ruinen eines alten Hauses. Während ich mir alles anschaute wartete Vater am Wagen.

Ich sammelte noch ein wenig herumliegendes Brennholz ein, da es in den Nächten empfindlich kühl geworden ist und ich kein Heizmaterial mehr an Board hatte und dann fuhren wir zurück.
Um kurz nach 9 saßen wir, wie jeden Abend, im Haller Kaffe und widmeten uns einem Skype Telefonat mit meiner Mutter. Die kleine Katze die sich von der Strasse her ins Haller verirrt hatte war für Vater aber viel interessanter als das Gespräch mit seiner Ehefrau.

Gegen 10 Uhr zogen wir dann wie gewohnt weiter ins Atrium Kaffee wo ich, wie bereits berichtet, bei hübscher Geigenmusik in meinen 32 Geburtstag feierte.
Am nächsten Morgen stand die Reinigung des Mietfahrzeuges auf dem Programm. Hundehaare mussten entfernt werden und Vaters Gepäck wurde verstaut. Noch ein Letzter Capuccino im Atrium und dann fuhr ich Vater zum Flughafen. Die Rückgabe des Mietfahrzeugs war problemlos, wäre die komplette Beifahrerseite eingebeult gewesen, der Vermieter hätte es nicht gemerkt. Dann verabschiedeten wir uns voneinander und ich war wieder alleine.

Zurück am Wagen legte ich mich auf´s Sofa und verfiel erst einmal in einen erholsamen Schlaf. Hatte ich mich doch in den vergangenen zwei Wochen nicht einen einzigen Tag ausschlafen können da ich jeden Morgen durch Vaters Klopfen geweckt wurde. Gegen 19 Uhr erwachte ich, ging Duschen (auch dazu war ich während Vaters Anwesenheit nicht gekommen) und machte mich auf den Weg zu Udo und Simona. Mit ihnen wollte ich aus meinem Geburtstag herausfeiern.
Ich hatte eine gute gekühlte Flasche Bier in meinem Rucksack als ich an das Wohnzimmerfenster anklopfte, eine Klingel hatten die drei nicht. "Happy Birthday!" Wurde ich begrüßt. Dann erhielt ich mein Geburtstagsgeschenk. Ein kleines Holzkistchen von etwa 5 Mal 5 Zentimetern. Eigentlich handelte es sich um ein Kinderspielzeug von Keo das diese aber nicht leiden konnte. Einige Tage zuvor hatte ich dieses Kästchen in den Händen und sagte: "So etwas muss ich mir auch anschaffen, das ist der ideale Zöllnerschreck!" Das Kästchen ist von seiner Bauform ähnlich wie meine kleine Holztruhe in der einstmals Zigarren waren und in der ich heute mein Nähzeug aufbewahre. Diese kleine Truhe steht in meinem Regal, links neben meinem Bett. Bis zum heutigen Tage habe ich noch keine Grenze passiert bei der ein Zöllner in meinen Wagen geklettert wäre ohne einen Blick in diese Truhe zu werfen. Jetzt steht vor dieser Truhe ein weiteres kleines Holzkistchen. Nur das in diesem Holzkistchen kein Nähzeug ist, sondern eine Sprungfeder auf deren Ende ein kleiner Holzstern mit der Werbebeschriftung einer mir unbekannten Firma geklebt ist. Schiebt man den kleinen Beschlag zur Seite der den Deckel des Kistchens fixiert, und genau das wird der nächste Zollbeamte aller Wahrscheinlichkeit nach tun, so springt diese Feder nebst Holzstern aus der Kiste und man erschreckt sich. Ein lustiger Scherzartikel für meinen nächsten übereifrigen Zollbeamten.
Ich bedankte mich artig und danach widmeten wir uns dem Alkoholgenuss. Was heißt wir, Alkohol geht in die Muttermilch über so dass Simona Pech hatte. Da heißt es immer Männer und Frauen seien gleichberechtigt. Dabei liegt die Diskriminierung des weiblichen Geschlechts schon in der Natur der Dinge. Muttermilch, Kinder kriegen, die Tage … all das ist ja noch harmlos. So viele Kinder bekommt Frau nicht im Leben und die Tage hat Frau ja auch nicht alle Tage. Aber auch Frau muss alle Tage pissen und Männer können das problemlos und überall im stehen. Frauen brauchen immer eine Toilette. Ein klarer Konstruktionsfehler des weiblichen Geschlechtes. Ich bin froh ein Man zu sein!
Eigentlich wollten Udo und ich nach dem Bierchen in die Stadt um ordentlich einen Drauf zu machen. Aber aus dem Plan wurde nix da sich im Kühlschrank meiner Freunde noch eine Zweite, eine Dritte und sogar noch eine Vierte Bierflasche befand. Also zelebrierten wir bis spät in die Nacht eine Küchenparty

mit veganer Hausmannskost und rytmischen Klopflauten der Nachbarn die dadurch wahrscheinlich ihren Unmut über unsren Geräuschpegel äußern wollten. Am Sonntag so beschlossen wir, würden wir gemeinschaftlich Sibiu verlassen um mit unsren Fahrzeugen ein paar schöne Tage in den Bergen zu verbringen. Irgendwann gegen 4 Uhr in der Früh wurde ich dann überredet nicht mehr zu meinem Wagen zu laufen und die Nacht im Gästebett der dreien zu verbringen. Wahrscheinlich war das eine gute Idee, denn noch den gesamten Folgetag sollten mich schreckliche Kopfschmerzen plagen.
Die nächsten Tage verbrachte ich entweder vor meinem PC um die Erlebnisse mit meinem Vater niederzuschreiben oder ich spazierte durch Teile Sibius die ich mit Vater nicht zu Gesicht bekommen hatte.
Selbstverständlich verbrachte ich auch viel Zeit mit meinen Freunden. Sehr zur Freude von Keo die mit meinem Hund Freundschaft geschlossen hatte.

Am Donnerstag erfuhr ich dann dass aus unsrem Gemeinschaftlichen Ausflug in die Berge nichts wird. Meine Freunde zog es Richtung Deutschland wo sie den Geburtstag von Simona feiern wollten und dann weiter Richtung Portugal. Da sie noch ein paar bürokratische Schikanen zu erledigen hatten bevor sie ihre alte Heimat, die auf Zeit auch ihre neue Heimat geworden ist, verlassen konnten wurde ihnen die Zeit zu knapp.
Am Abend des 20. traf ich mich noch einmal mit Udo zum "Stadtleertrinken". Gemeinsam zogen wir von Kneipe zu Kneipe, fanden aber keinen wirklich empfehlenswerten Laden. Am 22. suchten wir dann rund 2,5 Stunden einen Lichtschalter.
"Scheiße, im ganzen Bus ist kein Strom mehr und wir wollen morgen los!" Berichtete mir Udo als ich zum Lebwohlsagen vorbeischaute. "Auf eurer Bulgarientour ging aber noch alles oder wie?" Fragte ich. "Ja, da war alles in Ordnung. Ich hab das grade eben erst bemerkt als ich das Licht anschalten wollte, der Typ von der Werkstadt muss wohl ein Kabel abgerissen haben." "Ja, wird schon nicht so schlimm sein. Hast du ein Multimeter?" "Nein!" "Geb mir anderthalb Stunden, ich hole rasch meines." Dann begann ein wildes Durchmessen der Kabel. 12,7 Volt auf den beiden Starterbatterien und 12,6 auf der Versorgerbatterie. Am Unterspannungsschutz kann es also nicht liegen. Wir kontrollierten die Sicherungen: Alles in Ordnung! "Schmeiß mal den Motor an, mal sehen was passiert." Udo startete, trat aufs Gaspedal und in dem Moment wo die Ladekontrollleuchte verlosch, sprich die Lichtmaschine Strom produzierte, entflammte im Wohnraum des Wagens eine Neonröhre.
Eigenartig, die Batterie ist nicht leer, dennoch kommt kein Strom in den Wohnraum. Wenn aber der Motor läuft und die LiMa lädt klappt alles ohne Probleme. Auch die Spannung an der Versorgerbatterie stieg an. Das Kabel kann doch nicht in die eine Richtung leiten und in die andere nicht. Wir waren ratlos, krabbelten beim verfolgen der uns unbekannten Verkabelung unter dem Fahrzeug her und holten uns ölige Finger, maßen hier und maßen dort. Letzten Endes, und mehr aus Zufall fanden wir den Fehler. Hinter dem Fahrersitz war so ein Knebelschalter verbaut. Normalerweise trennt dieser Knebel die Stromverbindung zwischen Starterbatterien und Anlasser und dient so als zusätzlicher Diebstahlschutz. In diesem Fahrzeug trennte er allerdings auf abenteuerliche Weise die gesamte Boardelektrik ab. Abenteuerlich deshalb weil bei laufendem Motor dennoch Strom im Wohnraum vorhanden war und auch die Solaranlage messbare Spannungen in den Wohnraum sendete. Der Typ aus der Werkstatt hatte diesen Schalter wohl umgelegt. Wahrscheinlich in dem Glauben jetzt die Batterien getrennt zu haben und so bedenkenlos Schweißarbeiten am Wagen vornehmen zu können. Da die Karre hinterher ansprang hatte er wohl das zurückschalten vergessen und da Udo von der Existenz dieses Schalters bis zu diesem Tage keine Kenntnis hatte, war die Fehlersuche recht problematisch.
Am späten Nachmittag des 23. parkten unsre Mobile dann kurzfristig nebeneinander.

Meine Freunde waren gekommen um mir meinen Entsafter zurückzubringen den ich ihnen zur Herstellung von leckerem Traubensaft aus garteneigenen Weintrauben geliehen hatte und, was noch viel besser war, um mir ihren Internetstick zu schenken.
Als die Beiden in Rumänien angekommen sind haben sie einen Vertrag mit dem Telefonanbieter "Orange", das ist so etwas Ähnliches wie E-Plus oder Vodavon, abgeschlossen um mobil ins Internett zu gelangen. Dieser Vertrag war für die Beiden im Ausland wertlos aber noch bis Mitte Dezember bezahlt. Deshalb bekam ich ihren Stick nebst SIM Karte geschenkt der mir angeblich bis Mitte Dezember Internet in meinem Wagen bescheren soll ganz ohne lästiges W lan suchen. Hier sitzen wir gemeinsam im 608 meiner Freunde und ich bekomme die Funktionsweise erklärt.

Dann war endgültig Abschiednehmen angesagt. Udo startete den Motor und meine Freunde traten den weiten Weg in unser gemeinsames Heimatland an. Ich hingegen testete den Surfstick der tadellos funktionierte.
Ein letztes Ziel hatte ich noch bevor ich Sibiu endgültig den Rücken kehren wollte. Einen großen Stadtpark der unweit des Zentrums beginnt und sich laut Landkarte bis zum Zoologischen Garten erstreckt.
Schnell hatte ich den Anfang des Parks, ganz in der Nähe des Stadions, gefunden und spazierte auf Entdeckungswanderschaft südwärts.

Die Freude über den schönen Park währte allerdings nicht lange, denn schon bald entpuppte sich das was auf meiner Karte als Park eingezeichnet war als tristes Überschwemmungsland für den, zu dieser Jahreszeit, winzigen Bach der durch die Mitte verläuft.

Es dauerte nicht lange bis mir das Weitergehen durch einen Zaun versperrt wurde. Hinter ihm lag ein See. Doch der See befand sich schon im Zoologischen Garten, und dieser war Eintritsgeldpflichtig. Und einen Tritt, einen Tritt können die haben. Ich zahle keinen Cent um Tiere in Gefangenschaft zu bewundern. Ich hab Bären gesehen, in freier Wildbahn. Das war völlig umsonst und einen Adrenalinkick gab es gratis dazu. Ich umwanderte den Zaun so dass er auf meiner Rechten Seite lag und warf einen Blick über den See mit Fontäne und auf das sich herbstlich verfärbende Laub.

Schon bald stand ich vor dem nächsten Zaun. Dahinter befand sich so eine Art Freilichtmuseum. Ebenfalls kostenpflichtig und obendrein geschlossen. In weitem Bogen ging ich Heim. In der Nacht marschierte ich dann 6 Mal zu der Wasserstelle auf dem nahen Gemüsemarkt und beförderte so knapp 250 Liter Trinkwasser in mein Fahrzeug.
Am nächsten morgen startete ich den Motor. Mein Weg führte mich Richtung Brasov, bis kurz hinter die Ortsgrenze Sibius. Hier gab es nicht nur einen Penny XXL auf dessen Parkplatz ich Quartier bezog, sondern auch einen Kaufland, einen Carefour und einen Real. Außerdem diverse Elektronikmärkte, einen Deichmann, einige Modebotiquen und ein Möbelhaus und, ganz wichtig einen Baumarkt. Großeinkauf!
Zuerst fertigte ich eine Einkaufsliste an und dann verglich ich die Preise der von mir benötigten Dinge in allen Drei Supermärkten. Anschließend klapperte ich alle Drei Märkte noch einmal ab um in ihnen jeweils die Dinge zu kaufen für die sie die Besten Angebote haben. Mein Testsieger in Sachen Schnäppchenjagt war mal wieder Kaufland. Zu Dumm das ich auf einem anderen Parkplatz parkte und so drei mal hin und herlaufen musste um alles benötigte zum Wagen zu tragen. Als die Lebensmitteleinkäufe beendet waren führte mich mein Weg zum Baumarkt. An meinem Wagen nagt der Zahn der Zeit. Das was einstmals nur Flugrost war beginnt mehr und mehr aufzublühen und wirft schon richtige Beulen. Da muss ich etwas gegen unternehmen, schließlich wollte ich mein Wägelchen noch einige Jahre lang fahren. Also erwarb ich je ein Kilo Grundierung und ein Kilo schwarze Lackfarbe sowie Zwei 4,2mm Bohrer um kleine Löcher für meine Universalreparaturmethode "Popnieten" zu bohren. Als ich mit all dem fertig war, war es dunkel.
Am nächsten Tag, ich kehrte gerade von einer Hunderunde heim und wollte eigentlich weiterziehen erblickte ich ein Einkaufswägelchen in der Nähe meines Wagens. Auf einem Supermarktparkplatz ist das eigentlich nichts ungewöhnliches, aber in diesem Wägelchen lagen noch die Einkäufe.

Tomaten, Bananen, Orangen, eine Packung Tiefkühlfisch … . Rund 10 Minuten verweilte ich neben dem Wägelchen und wartete darauf ob sich vielleicht ein Besitzer blicken lässt. Aber niemand kam. Also wanderten die Einkäufe in meinen Truck und die 50 Bani Wagenpfand in meine Hosentasche.
Dann ging es weiter.
Schemenhaft erhoben sich die Silueten des Bergmassives das ich zu meinem Ziel auserkoren hatte aus dem einheitlichen grau in grau des Tages. 30 Kilometer später parkte ich mein Fahrzeug neben den verlassenen Häusern die ich zusammen mit meinem Vater entdeckt hatte. Heute haben wir den 27. Oktober 2012. Es ist 23 Uhr und siebenundfünfzig Minuten. Seit 10 Uhr in der Früh sitze ich vor dem PC und schreibe, mit einigen Unterbrechungen, diesen Bericht. Jetzt werde ich noch die Bilder sortieren und, wenn mich nicht die Müdigkeit überkommt, dann werde ich den neuen Internetstick in meinen Rechner stecken und mich daran erfreuen hier, mitten in der Natur, meinen VIP Bereich upzudaten.
Gute Nacht euch allen.

Weiter geht es bei Poiana Neamtului.

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Kleine Häuser auf Rädern, auf dem Wasser und in Bäumen.



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