Höhlen und ein kostenloser Campingplatz

Sighistel, ein kleines Stück ursprüngliches und freundliches Rumänien. Wer hier darauf hofft eine Unterkunft zu finden, der hofft vergebens. Zumindest dann wenn er an so etwas wie eine Pension oder ein Hotel denkt. Die Wahrscheinlichkeit dass man von einem freundlichen Bewohner dieses Ortes einfach eingeladen wird, die schätze ich allerdings ziemlich hoch ein.
Sighistel ist mein Geheimtipp für alle Erholungssuchenden und/oder Abenteurer die ihre eigene Bleibe in form eines Zeltes oder eben auch eines Wohnmobiles bei sich haben. Mann erreicht das Sighisteltal wenn man von Nucet aus kommend Richtung Stei fährt und in der Ortschaft Campani dem Wegweiser "Sighistel" nach rechts folgt.
Schon nach der ersten Kurve sieht man die am Ortseingang gelegene Dorfkirche. Dort endet auch die Asphaltstrasse. Rund 1,5 Kilometer ist Sighistel lang. 1,5 Kilometer staubige, schlaglochreiche Naturstrasse durch die nur selten ein Kraftfahrzeug fährt. Dann liegen die letzten Häuser hinter einem und man erreicht eine große grüne Wiese durch die sich der Bach Sighistel schlängelt.

Bild: Campingplatz  hinter Sighistel

Dass es sich bei dieser Wiese um einen kostenlosen Campingplatz handelt, das sieht man erst auf den zweiten Blick. Das sieht man erst dann wenn man auf dem Platz ein wenig hin und her läuft und das versteckt angebrachte Schild mit den Platzregeln findet. Ausdrücklich steht dort das Campen erlaubt ist, ausdrücklich steht dort dass das entfachen eines Feuers erlaubt ist. Danach folgen ein Paar Verbote die mich allerdings nicht weiter einschränkten. Ganz im Gegenteil, ich finde es beschämend das man Dinge wie "Es ist verboten seinen Abfall zurückzulassen" als Platzregel niederschreiben muss.
Von der nahe gelegenen Wasserquelle führt ein oberirdisches Rohr auf den Platz und aus einem Hahn sprudelt pausenlos frisches und kühles Trinkwasser. Im weiteren Verlauf bildet dieses Rohr die Trinkwasserversorgung für die Orte Sighistel, Campani und Fanate. Dass man in Deutschland für sein Wasser bezahlen muss kann sich mein 17 jähriger Gesprächspartner, von dem ich diese Information habe, nicht vorstellen.
Darüber hinaus gibt es ein öffentliches Toilettenhäuschen von dessen Benutzung ich aus hygienischen Gründen allerdings abrate. Als "Entsorgungsstation ohne Reue" für Wohnmobilfahrer eignet sich dieses Häuschen allerdings prima. Vor einigen Jahren wurde es von Menschen aus der französischen Partnerstadt Sighistels gesponsert. Diese Menschen wollten hier investieren, doch ihre Bemühungen scheiterten am politischen Widerstand der Kreisverwaltung die der Sache einen Riegel vorgeschoben hat. Später wurde das Baumaterial des halbfertigen Toilettenhäuschens dann von Dorfbewohnern teilweise abgetragen um an anderer Stelle anderweitig verwendet zu werden.
In unter 3 Kilometern Fußweg, die auch von Rentnern problemlos gegangen werden können, erreicht man das Ende des Tales das sich in einem gewaltigen, aber sehr schmalen Canyon verläuft.

Bild: Canyon des Sighesteltals

Dabei sieht man die eine oder andere Höhle die man, wenn man will, besichtigen kann. So zum Beispiel die Pestera Dracoia.

Bild: Höhle Pestera Dracoia

Ihr gigantisches Eingangsportal, welches man zwangsläufig sieht wenn man dem, durch ein blaues Dreieck markierten, Wanderweg durch das Sighisteltal folgt, eignet sich auch für weniger ambitionierte Höhlenforscher mit klaustrophobischen Angstzuständen und ohne Taschenlampe.
Erst im hinteren Teil, in dem Teil in den kein Tageslicht mehr eindringen kann, wird die Höhle enger und man sieht und hört eine große Fledermauskolonie an der Höhlendecke.
Die Angabe über die Anzahl der sich in diesem Tal befindenden Höhlen variiert von Gefragtem zu Gefragtem und liegt irgendwo zwischen 120 und 400.
In meinem Bericht möchte ich die Anzahl der Höhlen die man hier entdecken kann auf "verdammt viele" beziffern.
Leider, bzw. glücklicherweise sind die wenigsten Ausgeschildert. Abgesehen von einigen kleineren, der bereits erwähnten Pestera Dracoia und der 1,8 Kilometer langen Pestera Magura, deren Zugang aus Gründen des Fledermausschutzes allerdings vor kurzer Zeit für Besucher gesperrt wurde

Bild: Höhle Pestera Magura

sind diese Höhlen schwer zu finden.
Ich habe während meines Aufenthaltes 17 Höhlen gefunden und habe von 13 das Innenleben besichtigt was nicht immer ganz einfach und häufig sehr abenteuerlich war.
Aber wer das Abenteuer liebt, der kommt auf seine Kosten und wird mit wunderschönen Anblicken von Stalagmiten, Stalaktiten, Stalagnaten und anderen Tropfsteinformationen belohnt.
Gelegentlich findet man in den selten besuchten Höhlen auch noch das ein oder andere Überbleibsel prähistorischer Zeiten.
Kein Scherz! Hier wohnte einstmals der Sighisteltaler. Den Namen habe ich dem Urzeitmenschen jetzt selbst verpasst, das ist halt so etwas Ähnliches wie der Neandertaler nur eben aus dem Sighisteltal.
OK, die Menschenknochen sind geborgen, die Höhlen mit alten Höhlenzeichnungen wie etwa die Pestera Ursilor oder auch die Pestera Coliboaia sind für Touristen nicht mehr zugänglich bzw. kostenpflichtig dennoch habe ich den Schädel eines Säbelzahntiegers gefunden.

Bild: Prähistorischer Schädel. Höhlenpfund

Oder ist das kein Säbelzahntiger? Also ein Hund ist es nicht und Katze ist es auch nicht. Ich halte es auch für möglich das man, wenn man nur lange genug sucht eine Höhle findet die bis zum heutigen Tage unbekannt ist. Man braucht nur Glück und es kommen häufig Teams von Hobbyforschern in das Tal um genau dieser Beschäftigung nachzugehen. Ich habe sie selbst getroffen und war mit Ihnen unterwegs.
Auch für Freunde des Klettersports ist das Sighisteltal eine Reise wert. Es gibt unzählige Felswände die sich mit der richtigen Ausrüstung erklimmen lassen.

Bild: Klettersport für Anfänger in Sighistel

Aber auch die Zahl der markierten Wanderwege ist hoch. Leider gibt es in Sighistel keine Informationstafel der man entnehmen könnte wo diese Wege hinführen. Das weiß man erst wenn man sie gelaufen ist oder eben meinen Bericht gelesen hat *gg
Nicht zu letzt kann man auf dem kostenlosen Campingplatz im Sighisteltal einfach ausspannen und die Seele baumeln lassen.

Bild: Campingplatz Sighistel

Mann kann ein Feuer entfachen und grillen. Wenn man ein wenig Kontaktfreudig ist, dann findet man unter den anderen Campern mit Sicherheit den ein oder anderen mit dem man sich zusammensetzt und am nächsten Tag eventuell auch gemeinsam loszieht um das Tal zu entdecken und/oder einen kostenlosen Kletterkurs zu erhalten.
Ein kleines, rund 15 Minuten Fußmarsch entferntes, "Magazina Alimentare" mit freundlichem Personal deckt die Grundbedürfnisse eines jeden Campers. Allerdings sollte man sich nicht darauf verlassen dort etwas anderes als Bier kaufen zu können. Zwar führt das Geschäft auch Brot, Wurst, Käse, Zigaretten und vieles mehr doch es ist mir, in meinem fast 3wöchigen Aufenthalt hier auf dem Campingplatz, häufig gesagt worden das dieses oder jenes Produkt gerade ausverkauft sei.
Dieses Geschäft nimmt übrigens Pfandflaschen an die man hier häufig findet. Sie wurden von verantwortungslosen Menschen zurückgelassen die mit ihren Familien anreisten um hier zu picknicken.

Bild: Pfandflaschen in Sighistel

Wenn man in der Dämmerung, dann wenn man den Platz wieder für sich alleine hat, einmal eine Runde dreht und fleißig sammelt, dann findet man häufig genug Geld um sich am nächsten Tag ein Brot kaufen zu können. Wenn man darüber hinaus noch den Fluss abgeht in den die Tagesbesucher ihre Getränke und Lebensmittel zum kühlen legen, dann findet man auch das ein oder andere Getränk, bzw. die ein oder andere Packung Grillgut die man sich für das Wochenende aufheben kann um sie dann mit den angereisten Gruppen aus Arad, Oradea oder Timisoara, die hier ihre Freizeit verbringen wollen, zu tauschen bzw. zu teilen.
Somit eignet sich der Campingplatz im Sighisteltal vorzüglich auch für Menschen mit abgezählten Finanzmitteln.
Ich erreichte den Campingplatz am frühen Nachmittag des 24.Aprils 2013. Die ersten Tage an diesem Ort widmete ich mich dem Ausspannen. Na ja, nicht ganz. "I am not a tourist, I live here." Ich hatte einiges zu tun. Nach dem Winter stand natürlich Waschen auf dem Programm. Die Sighistel spendete mir Wasser, die Sonne schien schon stark genug um dieses durch Sonnenlicht zu erhitzen und Bäume zum spannen einer Wäscheleine waren auch vorhanden.
Im Grunde trocknet Wäsche ja von alleine. Aber hier, auf dem kostenlosen Campingplatz muss man seine Wäsche beim trocknen bewachen. Sonst wird sie gestohlen bzw. gegessen.

Bild: Ziege ist Wäsche in Sighistel

Drei Pferde sind dauerhafte Bewohner der grünen Weidefläche die zum campen freigegeben ist. Sie sind immer hier, auch nachts. Wer sich mit Pferden auskennt, der kann darauf springen und ein Stück reiten. Das habe ich selbst gesehen. Ich kenne mich allerdings nicht mit Pferden aus und mir ist es ein Rätsel wie ich ohne Leiter auf den Rücken eines unbesattelten Pferdes kommen soll.
Während des Tages ist es nicht unwahrscheinlich das "Onkel George", von dem ich schon ein Bild in meinem Bericht "Atommüllendlager Rumänien" gezeigt habe, mit seiner Kuhherde hier vorbei kommt. Die Kühe sind sehr freundlich, aber auch sehr verfressen. Man sollte alles was irgendwie die Größe hat das es in einen Kuhmund passt Kuhsicher unterbringen. Ich habe selbst gesehen wie ein halber Brotleib meiner Nachbarn nebst Plastiktüte im Maul eines Tieres verschwand. Eine zum trocknen in den Baum gehängte Sandale konnte ein Freund von mir durch selbstlosen Einsatz noch im letzten Moment retten.
Manchmal kommt halt auch eine Ziegenherde vorbei und auch wenn ich Schafe nicht selber gesehen habe, so halte ich es für durchaus wahrscheinlich das hier gelegentlich mal welche vorbeikommen.
Nach zwei Tagen war dann ein Großteil meiner Wäsche wieder sauber und ich hatte die Trockenzeiten dazu verwendet meine Berichte über meine 4tägige Wanderung im Apuseni Naturpark zu schreiben.
Es ist ein großer Nachteil dieses Platzes dass es hier kein Handynetz gibt. An verschiedenen Stellen gibt es punktuelles Netzwerk und an den Wochenenden, dann wenn es hier voll wird, liegen an diesen Stellen dutzendweise Mobiltelefone herum. Um mittels des Mobilfunknetzes in die Weiten des www einzutauchen reicht die Signalstärke allerdings nicht aus. Deswegen machte ich mich am späten Nachmittag des 26. auf ins "Zentrum" von Sighistel zu laufen um dort, auf den Stühlen des kleinen Geschäftes das auch als Kneipe fungiert, zu sitzen, ein Bier zu trinken, und meine Berichte zu veröffentlichen.
Es gelang mir an diesem Tag allerdings nicht bis zu diesem Geschäft zu laufen um feststellen zu können dass es auch dort kein Internet gibt.
Nur wenige hundert Meter davor passierte ich eine Menschenansammlung die vor einer Holzbaracke herumstand. Alle hielten einen kleinen Plastikbecher in der Hand, in einer Ecke schmorten Slanina Streifen über glühender Kohle.
"Komme, Komme, Palinka!" Riefen mir die Männer zu. Ich kam und wurde augenblicklich eingeladen die dorfeigene Palinkadestillation zu besichtigen die ich zufällig gefunden hatte.

Bild: Palinkadestillation, eine Palinkafabrik

Zwei Destillationsöfen brannten und im Inneren der Palinkafabrik war es unerträglich heiß. Derzeit destillieren sie aus Äpfeln bekam ich erklärt. Große Metallfässer standen herum. Ihr Inhalt schaute ein wenig so aus wie das, was einem aus dem Mund fällt wenn man zu viel Palinka trinkt. In Wirklichkeit handelte es sich aber um zerstampfte und halb vergorene Äpfel aus dem letzten Jahr die hier in Fässern von Pferdefuhrwerken angeliefert wurden.
Zuerst wird dieses Zeug zu Wodka Destilliert. Diese Aufgabe übernimmt der vordere; der große Ofen.
Mann kann auf dem Bild deutlich erkennen wie eine Kupferleitung von dem Ofen in ein großes Metallfass führt. Dieses Metallfass ist mit Wasser gefüllt. Mit fließendem Wasser -damit es auch gut kühlt. Im inneren, unter Wasser, verläuft die Kupferleitung dann spiralförmig um letzten Endes ihr Destillationsergebnis, 52%igen Wodka, durch ein kleines Röhrchen in ein Holzfass tröpfeln zu lassen. Auf dem Holzfass liegt ein Lappen durch den der Wodka tröpfeln muss. So wird er gefiltert.
Immer wieder werden in einem Reagenzglas Proben entnommen. In diese Proben wird ein Gerät gesteckt das ein wenig an einen Frostschutzprüfer oder auch an einen Säureheber aus dem KFZ Bereich erinnert. Jedenfalls kann man den Alkoholgehalt auf einer Skala des Gerätes ablesen. Je nachdem wie tief es in den Wodka eintaucht hat der Wodka halt mehr oder weniger Prozente. Anschließend wird der Inhalt des Reagenzglases getrunken.

Bild: Palinkatrinken

Igitt! Aber das darf man natürlich nicht laut sagen. Schließlich sind die Menschen dort sehr Stolz auf ihre Destillationsergebnisse und es handelt sich um den besten Palinka weit und breit.
Egal wo man hier in Rumänien Palinka aus eigener Herstellung trinkt, es handelt sich immer um den besten Palinka weit und breit. Daran habe ich mich schon gewöhnt.
Ein Teil des Wodkas wird dann in 30 Liter Kunststoffkanister gefüllt. Das ist eben Wodka. Ein anderer Teil kommt, wenn ich alles richtig verstanden habe, in den zweiten Destillationsofen. Er wird ein weiteres mal "gebrannt" und ist anschließend Palinka, rumänischer Nationalalkohol.
Diesen Umfüllvorgang konnte ich leider nicht beobachten. Dafür war ich beim Nachfüllen von vergorener Apfelmasse zugegen.

Bild: Palinkafabrik in Sighistel

Während ein Mann die Apfelmatsche mit einem Eimer aus den Fässern schöpft und mit Hilfe eines Trichters in den Offen kippt dreht ein Zweiter wie blöde an einer Kurbel um den Krempel im Offeninneren ordentlich durchzurühren. Während des ganzen Destillationsprozesses muss diese Kurbel gedreht werden. Aber diese Aufgabe übernimmt ein abenteuerlich zusammen gebastelter Elektromotor. Anscheinend kann er aber nur eine Geschwindigkeit und beim Nachfüllen muss man halt per Hand ein wenig schneller drehen.
Ich weiß nicht wie viel Zeit ich bei den freundlichen Palinkabrauern verbrachte und ich kann mich auch nicht mehr erinnern wie viele Reagenzgläschen Wodka bzw. Palinka ich verkostet habe. Ich weiß nur eines: Es war schon dunkel als ich diesen Ort verließ und das Laufen viel mir schwer.
Als mein Wohnmobil dann endlich in Sichtweite kam sah ich ein Feuer. Während meiner Abwesenheit waren neue Nachbarn angereist die Ihr Camp genau gegenüber meines Wohnmobils auf der anderen Bachseite errichtet hatten.
Ich gesellte mich auf ein oder zwei Bierchen zu ihnen und irgendwo an dieser Stelle setzen meine Erinnerungen gänzlich aus.
Ich muss aber nett und freundlich geblieben sein bekam ich am Folgetag erzählt.
Zwei weitere Tage verbracht ich mit netten Gesprächen bei meinen neuen Freunden.
Bei Ungarn!
Ungaren sind hier in Sighistel nicht sonderlich beliebt. Erzählte mir der 17 jährige Junge aus dem Dorf. Im laufe der Geschichte wurde Sighistel 2 Mal von der ungarischen Armee niedergebrannt.
"Ah, und weil der Großvater von den Leuten irgendwann man Scheiße gebaut hat empfindest du heute so etwas wie einen Hass auf diese Menschen? Überleg man was die Deutschen so alles gemacht haben und mit mir redest du." Antworte ich.
Nein, die Deutschen seien auch hier gewesen, das seien aber zivilisierte Leute. Ganz im Gegensatz zu den Russen die auch hier durchmarschiert sind. Bekomme ich erzählt. Ich bekomme auch den Unterschied erklärt. Das muss wohl so gewesen sein:
Der deutsche Soldat hat bei einer Bauernfamilie geklopft, dem Bauern das Maschinengewehr an den Kopf gehalten und gesagt: "Ich bekomme ein Schwein, 2 Hühner und 20 Eier." Der Bauer hatte Angst vor dem Gewehr und hat dem deutschen Soldaten gegeben was er wollte.
Der russische Soldat hingegen hat sich ganz anders verhalten. Er hat die Türe des Bauern aufgetreten, ist auf den Hinterhof marschiert, hat alles abgeknallt was irgendwie wackelt und hat dann der Bäuerin das Maschinengewehr an den Kopf gehalten und gesagt: "Du kochst das jetzt für uns!"
Ich schlussfolgere aus diesen Worten jetzt das man durchaus Verbrechen an einem Volk begehen kann. Wenn danach jemand kommt der sich noch schlimmer aufführt, dann bleibt man als zivilisiertes und ordentliches Volk in der Erinnerung des unterdrückten Volkes zurück.
Ich selbst habe keine Probleme mit Ungarn, Rumänen oder mit sonst irgendwelchen Menschen. Ich betrachte immer den Mensch als Individuum und nicht das Volk in welchem er zufällig geboren wurde. Deswegen genoss ich die Zeit mit meinen ungarischen Freunden und ließ mir die ein oder andere Besonderheit meines nächsten Reiselandes erzählen. Außerdem nahm mich die Gruppe mit nach Stei um ein wenig einzukaufen und übersetzte mir, wie bereits auf meiner Seite "Atommüllendlager Rumänien" erwähnt, die Worte von Onkel George mit dem ich mich trotz fehlender Sprache angefreundet hatte.
Am 28. reisten meine Freunde dann ab und ich lief noch einmal nach Nucet um ins Internet zu gehen. Leider war auch diese Verbindung zu langsam und all die vielen Bilder meiner Rucksackwanderung Hochzuladen.
Als ich von dieser Tour zurückkam hatte ich schon wieder neue Nachbarn. Mit ihnen baute ich einen kleinen Staudamm vor meinem Fahrzeug um so etwas wie einen Badesee zu basteln. Augenblicklich sammelten sich unzählige kleine Fische in dem künstlich angelegten Gewässer und ich baute eine Fischfalle.
Ich schnitt das Oberteil einer 6 Liter Wasserflasche ab, füllte die Flasche mit Brot und Steinen und steckte das Oberteil falsch herum wieder in die Flasche so das es einen Trichter bildet, ähnlich wie ich es während meiner Küstenaufenthalten an Reusen gesehen hatte.
Es dauerte nicht lange und ich hatte Fische gefangen.

Bild: Fischfalle in Sighistel

Jetzt bin ich kein Fachmann, aber ich hätte gesagt dass das junge Regenbogenforellen sind. Lecker! Allerdings sind diese Exemplare wohl noch ein wenig klein und deshalb entließ ich sie, nachdem sie von allen eingehend betrachtet wurden, wieder in ihren natürlichen Lebensraum. Ich wollte ja nur mal ausprobieren ob das mit der Fischfalle klappt.
Am ersten Mai lief ich dann nach Stei. Es hat alles keinen Sinn, ich brauche Internet und als ich mit meinen ungarischen Freunden dort war wollte ich die Gruppe nicht stundenlang damit aufhalten vor dem PC zu sitzen. 18 Kilometer Hauptstrasse, nur um in die Weiten des www abtauchen zu können.
Den Abend verbrachte ich dann am Lagerfeuer meiner Freunde.

Bild: Lagerfeuer in Sighistel

Am Morgen des 2. Mai war ich dann wieder alleine. Nein, nicht alleine, es gab noch das ein oder andere vereinzelte Camp auf dem Platz, aber zu diesen Leuten hatte ich keinen Kontakt. Also beschloss ich endlich einmal in das Tal zu wandern von dem ich so viel Tolles erzählt bekommen hatte.
Laut meines GPS Gerätes legte ich an diesem Tag nur 7,5 Kilometer zurück. Dennoch war ich einen vollen Tag unterwegs. Es gab einfach zu viel zu entdecken. Höhlen, Canyons, Landschaft, Felswände …
Wie immer möchte ich von dieser Wanderung ein virtuelles Mitwandern erstellen. Aber noch nicht hier und an dieser Stelle.
Denn die nächsten Tage verbrachte ich vornehmlich damit die steilen Felswände und Parallelschluchten entlang zuklettern um weitere Höhlen zu suchen.
Meistens war meine Suche erfolglos, doch wie bereits erwähnt habe ich über 15 Höhlen entdeckt. Außerdem bin ich natürlich noch andere Wege gelaufen als den Weg der die Sighistel begleitet. Deswegen möchte ich mein virtuelles Mitwandern diesmal interaktiv gestallten. Ihr werdet euch an Weggabelungen also entscheiden können ob ihr links oder rechts abbiegen möchtet. Deswegen mache ich an dieser Stelle erst einmal weiter mit den Dingen die so auf dem Campingplatz passiert sind und verschiebe den Mitwandern Bericht auf das Ende dieser Seite.
In der Nacht vom 4. auf den 5. Mai fand in Sighistel ein großes, traditionelles Osterfeuer vor der Dorfkirche statt. Da ich zu diesem Zeitpunkt schon einige Tage in der Gegend weilte und mich mit einigen Menschen des Ortes angefreundet hatte, war ich natürlich eingeladen und da ließ ich mich auch nicht 2 Mal bitten.
Also verabschiedete ich mich um 11 Uhr in der Nacht bei den freundlichen Campern aus Arad, mit denen ich dann doch noch in Kontakt gekommen war, sperrte meinen Hund ausnahmsweise in meinem Wohnmobil ein und machte mich auf den Ort der Feierlichkeiten aufzusuchen.
Etwa 20 Minuten vor Mitternacht traf ich ein.
Ein gigantischer Scheiterhaufen war wenige Meter neben der Kirche aufgeschichtet, mein junger, englischsprachiger Freund war eifrig damit beschäftigt die Kirchturmglocke zu läuten.
Nein, Kirchturmglocke ist das falsche Wort. Viele Dinge werden in Rumänien ja etwas einfacher, preisgünstiger und primitiver gelöst als in meinem Heimatland Deutschland. So ist auch die Lösung des akustischen Gebetsrufes hier sehr einfach gehalten. In einem Bogen des Eingangsportals der Kirche gibt es eine Stange. An ihr hängen zwei Drähte hinunter an denen ein schlichtes Holzbrett befestigt ist. Auf dieses Holzbrett wird einfach mit einem Hammer rhythmisch eingeschlagen.

Bild: Kirchturmglocken in Sighistel

Das macht einen ganz schönen Krach. Ähnlich wie eine Kirchturmglocke einen ganz schönen Krach macht.
Mir fällt gerade auf, und darauf möchte ich an dieser Stelle kurz eingehen, dass der Datumsstempel auf meinen Bildern nicht stimmt. Ich bin Reisender, für mich ist es unwichtig das richtige Datum zu kennen. Es ist mir nie aufgefallen. Wahrscheinlich stimmen die Daten auf den Bildern seit dem Tag nicht, an dem ich die Kamera gekauft habe. Das Bild wurde nicht am 3. April, sondern am 4. April aufgenommen.
Bis um Mitternacht wird die "Glocke" geläutet. Dann wird das Feuer entzündet und die Gläubigen pilgern mit einer Kerze in der Hand 3 Mal um die Kirche.
Anschließend versammeln sie sich um der halb gesungenen Predigt des Priesters zu lauschen. Im Hintergrund brennt das gigantische Feuer und ich befürchtete schon das Sighistel ein drittes mal niedergebrannt werden würde. Diesmal nicht von der ungarischen Armee sondern von den Dorfbewohnern selber.

Bild: Maifeuer in Sighistel

Eine gigantische Hitze ging von dem Feuer aus. Ein Holzpfeiler eines rund 15 Meter entfernten Weidezaunes ging unter dem Gelächter der Dorfjugend in Flammen auf.
Während ich meine Anwesenheit nutze um einige Fotos dieses Festes zu knipsen sprach mich eine junge Frau an. "You are the tourist from the campside?"
So lernte ich die Leute von Speowest Arad kennen mit denen ich am Folgetag aufbrechen sollte um einige Höhlen zu erforschen.
Als die Feierlichkeiten beendet waren, bzw. zu dem Zeitpunkt an dem die Bewohner des Ortes aufbrechen um auf dem, neben der Kirche gelegenen Friedhof, Kerzen auf die Gräber ihrer Angehörigen zu stellen machte ich mich mit den freundlichen Höhlenforschern auf den Heimweg zu unsrem Camp.
Am Lagerfeuer lästerten wir noch ein wenig über die "polution" im Namen Gottes und dann war Zeit zum schlafen gehen.
Am nächsten Morgen, ich saß mit einer Tasse Kaffe und meinem Laptop vor dem Wagen, kletterten den meine Freunde vom Vorabend, ausgerüstet mit langen Seilen, Helmen und schweren Rucksäcken, unmittelbar vor meinem Wagen über die Sighistel.
"You go caving?" "Yes we do!"
"Hey, nehmt ihr mich mit? Ich such schon seit Tagen das Tal nach Höhlen ab, ein Guide wäre klasse."
Ich zeigte die Bilder die ohnehin auf dem Bildschirm meines Rechners flimmerten.
Meine Freunde waren sichtlich beeindruckt von all dem was ich schon alleine gefunden hatte und fragten mich ob ich klettern könne. "Nein! Klettern kann ich nicht. Ab der Stelle wo ich ein Seil benötige ist es bei mir vorbei." Antwortete ich. Dann müsse ich auf sie warten, sie seien am Vortag unterwegs gewesen und hätten eine neue Höhle entdeckt, heute haben sie die passende Ausrüstung dabei und wollten dort hinein. Aber auf dem Weg lägen einige andere Höhlen die sie mir zeigen könnten.
"5 Minuten Jungs! Ich muss nur eben den Rechner ausschalten und mir Schuhe anziehen."
Gemeinsam zogen wir los. Wir folgten nicht dem Bett der Sighistel sondern kletterten den Berg hinter dem Campingplatz empor und von dort hatten wir nicht nur eine tolle Aussicht über unser Camp

Bild: Campingplatz in Sighistel, Panoramaansicht

sondern gelangten auch recht bald auf einen durch einen blauen Punkt markierten Weg dem wir folgten. Wir liefen rund 30 Minuten als meine Freunde auf einen schmalen Eingang zeigten aus dem die mir bereits bekannte "kühle der Höhle" strömte.
"It´s a cave, you wanne see ist?" Blöde Frage, natürlich wollte ich. Ich kletterte ins Innere des Berges und niemand folgte mir. So konnte ich all die vielen Stalagmiten, Stalaktiten und Stalagnaten ganz in Ruhe betrachten.

Bild: Das Höhleninnere einer Höhle im Sighesteltal

Rund 10 Minuten verbrachte ich in der sehr schönen, aber auch recht kleinen Höhle. In meinem VIP Bereich findet Ihr HIER GPS Daten zu ihrem Eingang und im virtuellen Mitwandern am Ende der Seite gibt es rund 20 weitere Bilder dieses Ortes.
Noch einige Hundert Meter folgten wir dem markierten Wanderweg. Dann schalteten meine Freunde Ihr GPS Gerät ein und es ging durch dichtes Unterholz querfeldein. Irgendwann waren wir dann nur noch wenige Meter vom Höhleneingang entfernt. Die Gruppe wartete und ein einzelner ging mit Hilfe seines Navigationscomputers den Eingang suchen. "Here it is!" Ertönte sein Ruf. Dann folgten wir anderen.
Ich war der Erste der einen Blick in das senkrecht abfallende Loch werfen durfte. "Da ist eine kleine Plattform, etwa 70cm unterhalb des Höhleneingangs. Da kannst du drauf stehen, da kann nicht viel passieren. Aber sei vorsichtig, von dort geht es steil abwärts. Wir wissen nicht wie tief, wir waren da selber noch nicht drin."
Es geht wirklich sehr steil abwärts

Bild: Höhle im Sighesteltal

und ich ließ den erfahrenen Kletterern den Vortritt. Was heißt Vortritt? Ich verzichtete darauf in das Höhleninnere hinab zu steigen. Ich habe keine Ahnung wie man eine Kletterausrüstung verwendet und um ehrlich zu sein mag ich mein Leben.
Während ich meinen Hobbyforschungen nachging wechselten meine Freunde die Bekleidung. Sie legten Ihre Kletterausrüstung an und setzten Ihre Helme auf. Nachdem ich den Schlund der Höhle verlassen hatte, seilten sich die zwei Jungs ab um das Innere zu erforschen.

Bild: Höhlenforschung in Sighistel

Ich schaute hinterher die Bilder auf der Kamera der Beiden. Hübsch! Wer klettern kann und auch dort hinab will, der findet auch zu dieser Höhle GPS Angaben in meinem VIP Bereich.
Nach ca. 30 Minuten hatten die Jungs die Höhle mit Sextanten und Lasermeter vermessen und eine kleine Skizze angefertigt. Sie hatten das getan was sie an diesem Tag tun wollten. Und jetzt begann für mich so eine Art Privatführung durch die Höhlenwelt des Sighisteltals.
Wir folgten einer steilen Felskante, nur wenige Minuten lang. Dann deuteten meine Freunde nach rechts und meinten: "A cave! Going in?"
Ich betrachtete den Eingang,

Bild: Höhleneingang bei Sighistel

legte mich auf den Boden und leuchtete hinein. "Wie soll ich den da rein kommen? Ich bin viel zu fett!" "Nein, die öffnet sich nach oben. Ich zeigs dir!" Schon war mein Kumpel in dem schmalen Loch verschwunden und verbog seinen Körper wie ein Schlangenmensch um die Enge Kurve im Höhleninneren zu meistern.

Bild: Hinter dem Höhleneingang bei Sighistel

Stalagmiten und Stagtiten gab es in der kleinen Höhle nicht. Dennoch sehr interessant wie ich finde. GPS Angaben zum Höhleneingang wie immer in meinem VIP Bereich.
Wir gingen weiter, immer vorbei an der senkrechten Felswand

Bild: Felswand bei Sighistel

und erreichten so etwas wie eine Grotte.
"Kommt dein Hund da hoch? Wir müssen durch das Loch da im Felsen."

Bild: Felsspalte bei Sighistel

"Klar, Scheki kann das!" Hier ein Bild von unsrem Rückweg.

Bild: Hundearsch Felsspalte bei Sighistel

Hundehinterteil in Felsspalte :-)
Das ist die Gleiche Spalte wie auf dem anderen Bild. Wirklich, nur von der anderen Seite.
Dann erreichten wir die Höhle die mir die Jungs eigentlich zeigen wollten. Sehr schön finde ich dieses Schattenbild von Ihrem Eingangsbereich.

Bild: Höhleneingang bei Sighistel

Nachdem man das breite Eingangsportal hinter sich gelassen hat muss man durch eine schmale Öffnung kriechen.

Bild: Höhlenöffnung bei Sighistel

Danach öffnet sich die Höhle wieder.

Bild: Höhlenraum bei Sighistel

Ein schmaler Weg

Bild: Höhlenspalte bei Sighistel

führt zu einem Balkon, einem zweiten Eingang in luftiger Höhe.

Bild: Felsbalkon bei Sighistel

"Look, a bat!" "Yes, I saw." "You don´t like to take a picture?" "Nein, ich hab gehört dass die sich vor dem Blitzlicht so erschrecken das sie Ihre Babys fallen lassen. Mag denen nicht auf den Sack gehen." "Ja, das stimmt. Aber nur wenn die in großen Gruppen an einer Stelle hängen. Die, die einzeln hängen sind Männchen. Die erschrecken sich zwar auch aber die erholen sich auch rasch wieder von dem Schock." "OK!"

Bild: Fledermaus, hängend

Noch eine Weile kletterten wir kreuz und quer im Höhleninneren herum. Dann verließen wir schlammig und schmutzig das kühle Erdloch,

Bild: schmutzig nach Höhlenforschung

und machten uns auf den Rückweg. "Und, was war das jetzt für eine Fledermaus die ich da fotografiert habe?" Fragte ich die Jungs als wir die Infotafel im Sighisteltal passierten. "Die da, glaube ich."

Bild: Fledermaus Rhinolophus hipposideros

Erhielt ich postwendend als Antwort.
"Thanks for guiding me around! It was a nice day. I like to invite you for a beer. So I go to the shop and buy one. Give me half an houer." Sagte ich zu den Jungs und Mädels als wir das Camp erreichten. "Here, take the bicycel." Schon saß ich auf einem brandneuen, sehr leichtgängigen Mountainbike und radelte dem Geschäft entgegen.
Auf den Stühlen vor dem Geschäft traf ich dann auf die Freunde meiner Freunde. "Hey, can you give us the bike? The shop is out of cigarets and we want to go to Campani to buy some."
"Äh, das ist nicht mein Rad, hab mir das selber nur geliehen." "Wissen wir, das gehört nem Kumpel von uns, kein Problem!" "Ne Freunde! Ich kenn euch nicht, wir reden jetzt das erste mal miteinander. Das Rad ist mir geliehen worden und ich verleih das nicht weiter!
Vorschlag: Gebt mir Kohle und ich radle rasch und kauf euch Kippen."
Den Vorschlag fanden alle prima und als ich mit den erwünschten Sargnägeln zurückkam war nicht ich es der irgendjemanden auf ein Bier einlud, sondern ich wurde eingeladen. Nur eine kleine Flasche, ich wollte endlich das Rad zurückgeben. Der Typ macht sich bestimmt schon sorgen.
Aber der Besitzer des Rades machte sich keine Sorgen. Er war bereits telefonisch über die verspätete Rückgabe seines Verkehrsmittels informiert worden und freute sich das ich auch für Ihn Zigaretten mitgebracht hatte.
"You friends are climbing. They wan´t to show you how it works!" Begrüßte mich der Fahrradbesitzer. Cool, ein Kletterkurs! Schnellstmöglich machte ich mich auf ins Tal.
Meine Freunde waren eigentlich gerade am Einpacken. Durch meine ungeplante Fahrradtour war es schon spät geworden, aber als sie mich sahen packten sie ihren Krempel einfach noch einmal aus.
Ich bekam dieses Klettergeschirr angelegt, der Karabinerhacken mit dem Seil wurde darin eingehackt und dann bekam ich die sehr einfache Anweisung: "Klettere da mal rauf!"
"You know what you are doing?" "Yes, we know. The rop holds 2000 kilo, so nothing can happen. You have just to climbe!"
Ich griff in eine Felsspalte, setze meinen Fuß in eine weitere und gewann langsam aber sicher an Höhe.

Bild: Klettern in Sighistel

Sehr zu meiner Verwunderung, und zur Verwunderung meiner Lehrer, kam ich in der senkrechten Wand gut voran. Vielleicht sollte ich mir mal Kletterausrüstung kaufen, ich scheine ein Naturtalent zu sein. Ich hab das echt noch nie gemacht und ich schaffte es bis etwa 2 Meter unterhalb des Gipfels. An dieser Stelle machte ich den fatalen Fehler nach unten zu schauen. Danach fühlte ich mich als hätte ich 20 Bier getrunken und nicht eines. Mir war von einer Sekunde auf die andere speiübel und ich hatte Angst.
"That´s the End!" Rief ich meinen Freunden zu. "Ok, then let you go!"
Let you go, lass dich gehen. Die haben gut reden! Kein Schwein hat mir erklärt wie ich den verdammten Berg wieder runter kommen soll. Was meint der damit? Einfach springen?
Ich spürte wie mir die Kraft aus den Muskeln wich. Mir war spei übel, ich zitterte.
"Füße an die Wand, Hände ans Seil und dann langsam nach hinten fallen lassen und einfach rückwärts runter laufen. Keine Angst, ich hab dich!" Erhielt ich Anweisung.
Es kostete mich einiges an Überwindungskraft voll und ganz auf das Seil zu vertrauen und auf den Typ, da unten, am Fuße des Felsens, der mein Leben in Form eines Seiles in seinen Händen hält. Doch wenn man einmal in der richtigen Position ist, dann ist der Abstieg in der Tat sehr einfach. Mann muss nur Vertrauen in das Seil und den Typ haben der es hält. Ein Bild meines Abstieges habe ich ja bereits zu beginn dieses Berichtes gezeigt.
Den Abend verbrachten wir dann gemeinsam mit Bier und Grillwurst am Lagerfeuer meiner neuen Freunde. Ich bekam noch einige Tipps an welchen Stellen ich nach Höhlen suchen solle die sich allesamt als sehr nützlich erwiesen.
Am nächsten Tag reisten meine Fremdenführer dann auch schon ab, ich war wieder alleine und widmete mich meiner Lieblingsbeschäftigung: Höhlensuchen im Sighisteltal.
Schnell war eine Woche vorüber und am Wochenende füllte sich der Campingplatz wieder mit Menschen. Diesmal waren meine Nachbarn nicht von Speowest Arad, sondern von Speowest Timisorana. Eine riesen Gruppe, 49 Mann!
Ein einzelnes Motorrad das am Freitagabend so gegen 22 Uhr auf dem Platz erschien und mich von meiner Arbeit am Bildschirm aufscheuchte war der Vorbote. Schnell hatte ich mit dem Fahrer des Moppeds Freundschaft geschlossen und so verbrachte ich das Wochenende in der Gesellschaft dieser Gruppe. Neue Höhlen konnten sie mir leider nicht mehr zeigen. Ich kannte mehr als sie und die Gruppe war mehr als interessiert an meinen Geschichten und meinen Geokoordinaten die ich gesammelt hatte. Im Gegenzug erhielt ich leckern Eintopf

Bild: Eintopf

und eine Führung durch die einheimische Flora der Gegend, hier haben wir 2 junge Sighistelvipern:

Bild: Kreuzotterbaby

In diesem Alter sind die Schlangen noch nicht gefährlich, aber später, so im Alter von etwa einem halben Jahr, sind ihre Giftdrüsen voll entwickelt und ihr Gift kann auch für einen erwachsenen Menschen tödlich sein.
Ja, wer Ahnung von Schlangen hat, der hat wahrscheinlich gleich erkannt dass es sich um ganz harmlose Kreuzottern handelt. Aber die Jungs haben mich verarscht und ich wollte diesen kleinen Scherz einfach mal so weitergeben.
Ein interessantes Gefühl die Jungen Schlangen in der Hand zu halten und zu spüren wie sich ihre glatten, und überhaupt gar nicht glitschigen Körper um deine Finger winden.
Das hier, das ist eine junge Smaragdeidechse:

Bild: Smaragdeidechse

Und das, das ist ein Feuersalamander:

Bild: Feuersalamander

Feuersalamander sollte man übrigens nicht anfassen. Ihre Haut sondert ein leicht giftiges Sekret ab das brennende Hautrötungen verursacht. Das ist kein Scherz!
Neben der Höhlenforschung widmete sich auch diese Gruppe dem Klettersport und so kam es das ich ein weiteres Mal Gelegenheit hatte die Felswand hinaufzuklettern. Dummerweise habe ich kein Fotomaterial da ich zum klettern in Boxershorts erschienen war. Meine Jeanshose mit ihrem Gürtel und all den daran hängenden Taschen und Fotoapparaten hatte sich bei meiner letzten Klettertour als sehr unvorteilhaft herausgestellt da das Klettergeschirr auf all diese Ausrüstungsgegenstände drückt und so blaue Flecken verursacht.
Aber die Jungs kletterten mit einer andern Technik und deshalb mag ich das mal kurz beschreiben.
Schon meine Freunde von Speowest Arad sagten mir das sie in den Höhlen eine andere Klettertechnik anwenden als hier am Felsen. Meine Freunde von Speowest Timisoara sagten mir: "That is what we use in the caves." Und in der Tat, es war ein gänzlich anderes System zu klettern.
Die Jungs aus Arad hatten mich mit einem Seil gesichert und ich musste im Felsen Spalten und Vorsprünge finden in denen ich mich festkrallen und emporziehen konnte. All das brauchte ich bei der, von den Leuten aus Timisoara angewandten Technik nicht. Ich hätte mal gesagt: "Auf diese Art und Weise kann man auch eine glatte Glaswand empor klettern." Es gibt auch niemanden der einen Sichert, die Sicherung übernimmt man selbst.
Die einzige Gemeinsamkeit zwischen den Klettersystemen ist der Sicherheitsgurt den man über die Hose angezogen bekommt. Bei diesem System gibt es zusätzlich noch eine "Weste". Ein weiteres Gurtsystem das einem über die Schultern gelegt wird. Dann wird das Seil durch ein Ratschensystem gefädelt das am Sicherungsgurt befestigt ist. Zieht man sich nach oben, kann das Seil frei durch das System gleiten. Rückwerts rutschen kann es aufgrund von kleinen Widerhacken die sich im Seil festbohren allerdings nicht. Dann erhält man einen Handgriff mit einem ähnlichen System. Man kann ihn einfach am Seil nach oben schieben, zurückgleiten kann das Seil darin allerdings nicht. Der rechte Fuß wird in eine Schlaufe gesteckt, ähnliches eines Steigbügels an einem Pferdesattel. Durch einen Tritt in die Schlaufe schiebt man seinen Körper nun ein Stück weit in die Höhe, das Seil gleitet durch das Ratschesystem am Sicherheitsgurt und man kommt nicht mehr zurück. Nun hängt man am Seil und kann in Ruhe den Haltegriff nach oben schieben um sich daran emporzuziehen. Wieder gleitet das Seil durch das Ratschensystem und wieder ist man ein Stückchen höher. Ob es Felsspalten in der Wand gibt in die man greifen kann oder nicht, ist dabei völlig gleichgültig.
Irgendwann erreicht man auf diese Art und Weise den Gipfel - bzw. in unsrem Fall - den sich in etwa 4 Meter Höhe befindenden Hacken an dem das Seil befestigt ist.
An dieser Stelle fängt es an richtig kompliziert zu werden. Jetzt nämlich befestigt man einen weitern Gurt an dem Haken. Wenn das Gewicht des Körpers auf diesem Gurt ruht, dann kann man das Ratschensystem an seinem Sicherungsgurt mit dem Daumen lösen und sich so ausklinken. Das Seil an dem man empor geklettert ist baumelt nun ungenutzt zwischen den Beinen des Kletterers. Man "baumelt" ausschließlich an dem kurzen Seilstück das man zuvor in den Ring einhakte an dem auch das Kletterseil befestigt ist. Selbstverständlich stützt man sich dabei ein wenig mit den Füßen an der Felswand ab so dass das Wort "baumeln" eigentlich verkehrt ist. In dieser Position fädelt man das Kletterseil S-förmig durch einen Aluminiumapparat mit zwei Gleitrollen den man anschließend verschließen und sichern muss. Dieser Aluminiumapparat wird mittels eines Karabinerhakens am Klettergeschirr befestigt. Jetzt wickelt man das Seil in einer bestimmten Art und Weise (ich kann das leider nicht genau beschreiben da ich es nur 2 Mal gemacht habe und es mir einfach nicht merken konnte) um den Apparat mit den zwei Gleitrollen. Dann ist man gesichert und man kann das kurze Seil wieder ausklinken. Nun löst man langsam wieder den Knoten um den Apparat, hält ein Seilende in der Rechten Hand und Seilt sich somit selber ab.
Ich war und bin fasziniert von dieser Technik. Vor allem weil man keine zweite Person braucht. Mann kann das in der Theorie ganz alleine. Auch wenn einem alle davon abraten so etwas alleine zu machen. Aber theoretisch würde es gehen!
Aber keine Angst, ich werde mich nicht damit umbringen. Ich hab das mit dem Knoten vorne und hinten nicht verstanden und wenn da oben nicht ein Typ gewesen wäre der mir liebevoll jeden Handgriff erklärt hätte, ein Typ der aller Wahrscheinlichkeit nach seinen Lebensunterhalt damit verdient andern Leuten das Klettern beizubringen, ich wäre da nie wieder runter gekommen. Dennoch habe ich ein wenig Spaß am Klettern gefunden und ich hoffe das sich schon bald eine Möglichkeit findet noch einmal einen Fels zu erklimmen.
Egal mit welcher Technik. Das macht Spaß!
Als ich meinen Freunden half Ihre Habseligkeiten einzupacken begann es heftig zu regnen. Pitschnass erreichte ich mein Heim. Meine Freunde, die Ihr Camp bereits am frühen Vormittag abgebrochen hatten, starteten die Motoren ihrer Fahrzeuge und fuhren Ihrer Heimat entgegen.
Auch ich packte meinen Krempel zusammen um am nächsten Tag Sighistel und seinen kostenlosen Campingplatz verlassen zu können.
Doch bevor ich euch erzähle wo ich hingefahren bin, hier noch das versprochene Mitwandern. Wie bereits erwähnt ist es interaktiv. Ihr werdet einige Male das Sighisteltal entlang wandern müssen um alle Seitenwege, Höhlen und Attraktionen dieses Ortes kennen zu lernen. Aber auch ich musste einige Male das Sighisteltal abwandern um all diese Orte zu finden. Da es sich um viele einzelne Berichte handelt die ich lediglich untereinander verlinkt habe, gibt es diesmal nicht - wie gewohnt - eine Vorschau in Form einer Bildergalerie, sondern nur einen Link zum ersten Bild.

Wandern und caving im Sighisteltal Rumänien



Viel Spaß mit über 300 Bildern!
Ach, und bitte: Passt auf euch auf! Die Gegend birgt einige Gefahren. Wenn ihr zu mutig und neugierig seid kann es euch passieren einen virtuellen tot zu sterben. Wenn ihr allerdings nur auf der sichern Seite bleibt, dann verpasst ihr das Beste.
P.S. GPS Daten zu den Eingängen aller beschriebenen Höhlen HIER in meinem VIP Bereich.
Gegen Mittag des 12. 5. 2013 startete ich den Motor. Mehrfach drückte ich im Zentrum Sighestels auf die Hupe. Einwohner winkten zum Abschied und ich winkte zurück. Irgendwie cool. Ich kannte jeden und wen ich nicht kannte, der kannte mich.
Dann erreichte ich den Asphalt und steuerte Stei entgegen. An der Tankstelle am Ortseingang ließ ich noch einmal meine Gasflasche befüllen. Das diese Tankstelle füllt, das hatte mir ein Vögelchen in Sighestel gezwitschert. Dann ging es weiter. Etwa 300 Meter weit, denn dann kam die rote Kelle zweier Verkehrspolizisten.
Pass, Papiere - wo ich herkomme, wo ich hin will, was ich geladen hätte. Ich gab den Freiheitsberaubern was sie sehen wollten, erklärte ich käme aus Sighestel und öffnete die Türe meines Wohnraums um den Kerlen zu zeigen das ich gar nix geladen habe. Gewissenhaft wurden alle möglichen Daten aus meinem Pass in ein kleines Notizbüchlein übertragen und nach rund 10 Minuten Zwangspause durfte ich weiterfahren.
Ich parkte kurz vor dem Ortsausgangsschild Steis und machte mich augenblicklich auf den Weg so etwas wie ein Geschäft zu suchen. Doch meine Suche war vergeblich. Der größte Markt den es hier zu geben scheint ist dieser eigenartige, rumänische Lidl Verschnitt im Stadtzentrum den ich bereits kannte. Ich hab ja gar nichts gegen rumänische Lidlverschnitte. Aber, dieses Geschäft liegt erstens in einem Gebiet das für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen nicht zu befahren ist, zweitens gibt es dort weder Soja noch Paniermehl und drittens kostet dort ein halbes Kilo Haferflocken über 8 Lei! Da ist so in etwa das Dreifache von dem was ich bei einem echten Lidl bezahle.
War wohl nix mit Großeinkauf. Dennoch, ein wenig musste ich kaufen. Meine Schränke waren leergefressen wie noch nie auf dieser Tour. Ich hatte noch nicht mal mehr ein Päckchen Nudeln. Das letzte Richtige Geschäft das ich betreten hatte, das war der Penny in Huedin. Das ist jetzt ziemlich genau 3 Monate her.
3 Monate! Was die Zeit vergeht. Wenn ich Peter nicht getroffen hätte, dann hätte ich Rumänien wohl schon lange verlassen.
Es war aber auch wie verhext mit der Einkauferei. Nur diese kleinen Geschäfte. Eier, Kartoffeln, Zwiebeln und Brot kann man da ja normal auch ganz gut kaufen. Das kommt aus lokalem Anbau, ist nicht teurer als im Supermarkt und gerade Eier kaufe ich eigentlich immer in den kleinen Geschäften anstatt beim Discounter aus Käfighaltung.
Aber … die neuen Frühkartoffeln waren noch nicht geerntet, das Eingelagerte Zeugs vom letzten Herbst sah so schlimm aus das ich es noch nicht einmal für umsonst genommen hätte und Importware, na ja, die gibt es dann doch nur beim Discounter. Hinzu kam das ich, mangels Wechselstuben, lange Zeit ohne Geld in der Tasche unterwegs war und mich somit nur aus meinen Schränken ernähren konnte.
Meine Schränke waren leer, ich brauchte Nahrung und genau die kaufte ich bei diesem eigenartigen rumänischen Lidl Verschnitt in Stei. Nur recht spärlich, Lebensmittel für 5 Tage. Mehr nicht! Der Laden war mir zu teuer und außerdem musste ich ja alles tragen. Mit einem Brot und einer erworbenen Fleischwurst setzte ich mich auf eine Bank in unmittelbarer Nähe des Geschäftes und begann zu essen.
Ich hätte es wissen müsse. Essen ist in der rumänischen Öffentlichkeit verboten. Genau wie damals in Galati saß ich auch diesmal nicht lange bis die Polizei neben mir stand. Zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Stunden wurden alle möglichen Daten aus meinem Ausweißpapier in so ein kleines Notizbuch übertragen. Im Gegensatz zu den Polizisten aus Galati ließen mich diese Herren dann aber weiter essen und sie hatten auch nichts gegen mein gefährliches Brotmesser einzuwenden.


Weiter geht es an der Pestera Ursilor.

Derzeit im Chat :



Bild: Danke








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