Tierheim Rumänien - Tierheim Galati

Nach einem Großeinkauf bei Kaufland erreich ich gegen 2 Uhr das Tierheim Galats (Asociatia Ajutati-L Pe Labus). Das Eintreffen meines Trucks sorgt für Aufsehen. Mir wird die Pforte geöffnet. Kurz darauf parke ich auf dem Gelände des Tierschutzvereins. Ich klappe die Treppe, öffne die Türe und Scheki flüchtet sich ängstlich unter das Auto. Das wird schon! Ohne jemanden zu fragen werfe ich zunächst einen Blick auf meinen Schützling. Was soll ich mir auch ne Erlaubnis abholen, ich bin da ja gestern auch so rein gelaufen. Als ich einen Blick durch die Einzäunung werfe hängt mein Kleiner glücklich an Adoptivmamas Zitze. Ich beschließe das Familienglück nicht zu stören und mache mich ungesehen aus dem Staub. Ich habe Glück. Ich erscheine auf den Punkt genau zur Mittagspause und werde erst einmal zum Essen eingeladen. Mit mir sitzen 6 Personen an einer schmuddelig wirkenden Bierzeltgarnitur.

Außer der Chefin, die gebrochenes englisch spricht, verstehe ich keine Menschenseele. Ich werfe einen Blick auf die angebotenen Speisen und denke daran was ich gestern unverpackt von der Ladefläche des Vereinsautos geladen habe. Irgendwie vergeht mir der Appetit. Ich gehe containern, und habe da kein Problem mit; aber unverpacktes Fleisch mit unterbrochener Kühlkette? Vom Schlachthaus entsorgt, von Fliegen bevölkert. Das ist mir eigentlich zuwider. Da esse ich lieber Kartoffeln pur. Aber alle langen kräftig zu und ich möchte nicht unhöflich sein. Dabei liegt gleich nebenan ein riesiger Berg Croissants und Muffins.

Klar, alles über dem Verfallsdatum. Aber original in Folie eingeschweißt. Egal wo das Zeug lag, der Inhalt ist entweder verschimmelt oder bedenkenlos verzehrbar. Die nächsten Wochen werde ich mich hauptsächlich von Croissants und Muffins ernähren.
Wie bereits erwähnt verstehe ich nicht was am Tisch gesprochen wird. Ein paar Mal vernehme ich meinen Namen und ein Wort das nach „Volontär“ klingt. Der Rest ist für mich absoluter Bahnhof.
Irgendwann fragt mich Corinna wild gestikulierend ob ich Malern und Anstreichen könnte. Ich bejahe. Sie führt mich in einen Raum und erklärt er solle als Kastrationsraum hergerichtet werden. Ob ich Lust hätte den ein bisschen weiß zu machen. Aber klar doch, kein Problem. Ich deute auf Stellen, wo handtellergroß der Putz von der Wand fällt und erzähle etwas von „Zement“. „White, White“ Erhalte ich als Antwort. „No money, no time!“ Also irgendwie schnell und billig zusammenschustern, ich verstehe. In meinem kranken deutschen Kopf dachte ich wenigstens an weiße Wandfarbe. Augeblicke später habe ich ein Päckchen Kalk und einen Tapezierquasten in den Händen.
„Ne, Moment mal Leute, dass muss mir wer zusammenrühren. Ich bin Deutscher, da gibt es keinen Kalk, da gibt es nur Farbe. Mit Farbe kenn ich mich aus, Kalk hab ich noch nie benutzt.“
Der Kalk wird einfach mit Wasser vermischt, das Ergebnis nennt sich in Rumänien dann Farbe. Noch am gleichen Tag beginne ich zu arbeiten.

Die flüssige Brühe tropft und kleckert, aber Deckfähigkeit besitzt sie nicht. Immer und immer wieder streiche ich die Wände, mit jedem Mal werden sie ein wenig weißer, aber von weiß sind sie noch weit entfernt. In regelmäßigen Abständen kommt ein freundlicher Mitarbeiter vorbei und bringt mir einen Becher kaltes Bier, oder eine anderswo entsorgte Mettwurst für meinen Hund. Irgendwann ist dann der Feierabend nahe. Erst jetzt realisiert Corinna das ich tatsächlich vor habe morgen wieder zu kommen. Ja, dann wäre es aber besser wenn ich draußen parke, sonst würden ja die ganze Nacht die Hunde bellen. „Ja wozu frag ich euch denn wo ich parken soll?“ Zum vierten Mal an diesem Tag starte ich den Motor und fahre das Fahrzeug zu meinem endgültigen Wohnort für die nächste Zeit.

Am nächsten Tag mache ich weiter. Für die zwei Türen des Raumes wurde mir doch tatsächlich eine Büchse richtige Lackfarbe nebst Verdünnung gegeben. Ich war begeistert. Leider fehlt ein Pinsel. Wer meine Wohnmobil Graffiti – Neulackierungsgeschichte gelesen hat, weiß aber das ich da improvisieren kann. Bei der Lackdose handelt es sich um ein großes 2,5 Liter Gebinde. Die Büchse ist ein wenig verrostet und verbeult, außerdem fehlt bereits die Hälfte. Ich entfernte die eingetrocknete Haut auf der Farbe und begann mit der Arbeit. Anfänglich ließ sich die Soße noch recht gut verstreichen, aber je leerer die Dose wurde, um so mehr hatte ich das Gefühl das mal jemand einen halben Sandkasten hineingeschüttete hatte. Ich fragte nach einer alten Strumpfhose um die Brühe filtern zu können. Gar nicht so einfach ohne Sprachkenntnis. Erst mal einen passenden Ansprechpartner raussuchen und ihm auf die Schulter klopfen. „Hello, sorry. Nylon! Girls!“ Ich zeigte auf meinen Socken. Jetzt muss ich dem natürlich auch noch erklären was ich damit will, sonst denkt der noch ich sei pervers. Also, universalrumänisch. deutsches Wort, und nen Vokal ans Ende packen. Klappt öfter als man denkt. „Lack“ Ich pinselte wie wild in der Luft. „Filtri, Filtro, Filtra, Filtru …“ Ich schüttete etwas imaginäres von einem gedachten Gefäß in das Zweite und sprach dabei die Worte: „Lack, colore, colori, colore“ Mein Gegenüber nickte, verschwand, sprach mit einigen Leuten unverständliches Kauderwelsch und hatte 5 Minuten später tatsächlich nen alten Nylonsocken in den Händen. Am frühen Nachmittag war ich zwar nicht fertig, hatte aber das mir zur Verfügung stehende Material verbraucht. Also war ich fertig.

Nicht unbedingt das was man schattenfrei weiß nennet, aber ich denke für die gegebenen Umstände ganz gut geworden.
Am Abend, ich war gerade dabei mein schmutziges Geschirr abzuspülen hielt ein Wagen hinter meinem Truck. 3 Typen, 2 Männer und eine Frau bewegten sich auf meine Eingangstüre zu. „Hello?!“ „Galati Police!“ erhielt ich als Antwort. Langsam aber sicher fühle ich mich wirklich verfolgt. Erst wird mir das Essen verboten und die Jungs wissen wo ich parke, dann spionieren sie mir nach und wissen wann ich wo mit wem an meinem Wagen war und jetzt, jetzt steh ich am Arsch der Welt. Ein Feldweg, Schlagloch neben Schlagloch. Dieser Weg führt nirgendwo hin, was machen die hier? Sind die zufällig hier vorbeigekommen? Ich glaube nicht! Schließlich wussten die wo ich hin wollte, die haben mich ja mit dem Welpenkind gesehen und ich hab die gefragt ob es hier ein Tierheim gibt. Die haben zwar „Nein“ gesagt aber vielleicht haben sie sich schlau gemacht nachdem mein Wagen dann verschwunden war? Jetzt standen sie jedenfalls vor mir; 2 Männer und eine Frau in Zivil zeigten mir grade ihre Polizeiausweise.
„Polizei seid ihr?! Oh, ich hab nix falsch gemacht. Ich hab so ein Welpenkind gefunden, ganz verängstigt und alleine. Lange hab ich gewartet ob es nicht vielleicht jemand abholen kommt dem es gehört, aber niemand kam. Dann hab ich es mitgenommen und stundenlang recherchiert wo hier ein Tierheim ist. Eigentlich bin ich ganz normaler Tourist, also nein … eher Travler. Ich hab viel Zeit. Moment, ich mach mal die Musik aus… (das wird dann ne bessere Audio Qualität für den VIP Bereich) Na ja, dann hab ich das Tierheim gefunden und als ich es gesehen habe, hab ich denen spontan meine Hilfe angeboten. Ich hab Zeit und mag Hunde. Guckt mal, das ist mein eigener, der Scheki. 800 Hunde haben die da drin, ich glaub ich tue was Gutes wenn ich da helfe ….“
Im deutschen Volksmund würde man wohl sagen ich hab der Polizei ein Kotelett an die Backe gequatscht. Die Polizei ging auf das Spiel ein, die Frau erzählte mir das sie, genau wie die Chefin des Tierheims, Corinna hieße, dass alles nur `ne Routinekontrolle sei und sie fragte mich ob ich nicht mal `ne Taschenlampe hätte damit sie in der einsetzenden Dämmerung besser mein Ausweispapier lesen können. Dann wurde mir noch erklärt, dass ich, um hier ehrenamtlich zu helfen, irgendein Papier bräuchte das ich vom Tierheim ausgestellt bekommen würde. Ich wurde noch gebeten den Namen des Tierheimes in Pitest niederzuschreiben, nachdem ich erzählte dort ebenfalls geholfen zu haben, was ich bereitwillig tat. Wenn mich irgendjemand fragt was hier vor sich geht, würde ich sagen hier ist ganz und gar nichts Routine. Die sind wegen mir hier. Die wussten was ich vorhatte, und haben nachgeschaut ob ich das tatsächlich getan habe. Für einen Touristen hatte ich in zu kurzer Zeit einfach zu viele Freunde und Bekannte. Gleich wenige Stunden nach der Ankunft mit `nem Typen vor dem Wagen sitzen und schon am nächsten Tag gleich mit `ner ganzen Truppe Leute antanzen von denen keiner angepasst und normal ausschaut. Solche Menschen sind keine Touristen sondern Drogendealer. Vielleicht bin ich krank, aber ich hätte gesagt die beobachten mich.
Nach 8 Minuten war der Spuk vorbei. Die Polizei verabschiedete sich freundlich und ich war wieder alleine.
Am nächsten Morgen erzählte ich Corinna von dem Vorfall und der Tatsache irgend so ein dummes Papier zu brauchen. Sie versprach mir am Folgetag eines mitzubringen. Ich habe das Papier bis heute (26.07.2011) noch nicht und es hat auch nie wieder jemand danach gefragt. Ich glaube die Polizei hat überprüft ob ich in Pitest war, hat dann festgestellt, dass das bereits einige Monate her ist und die Schlussfolgerung gefasst, dass ich nicht regelmäßig über die Grenze fahre um zu schmuggeln sondern einfach nur ein Reisender mit Hundetick bin.
In dem Raum den ich gestern noch renoviert hatte wurde heute pausenlos kastriert. Ich musste an meinen Infarkt in Pitest denken. Deshalb hielt ich mich fern. Ich glaubte mich anderweitig nützlicher machen zu können.
Das Erste was mir auffiel war typisch rumänisch bzw. absolut undeutsch.

Mensch Leute, das ist ja lebensgefährlich. Knipst wenigstens den Stecker ab und verwendet ne Lüsterklemme. Ich bin ja auch für billig, aber nicht unbedingt für tödlich.
Was kann ich tun? Ah, da steht ne Schubkarre voll Hundescheiße und da hinten ist ein Container. Da hab ich schon wen Scheiße reinschaufeln sehen. Also, nix wie rein damit

Und die leere Karre wieder da hinstellen wo ich sie herhabe. Und jetzt? „Ape Ape!“ Spricht eine Mitarbeiterin. Sie fast mich am Arm, und zieht mich hinter sich her zu 3 großen, mit Wasser gefüllten Fässern. Eine Pumpe fördert ununterbrochen Grundwasser hinein und die Mitarbeiter sind eifrig damit beschäftigt es mit Eimern hinauszuschöpfen und an die Tiere zu verteilen. Meine „Vorarbeiterin“ schöpft 2 Eimer voll und deutet auf mich, dann schöpft sie 2 Weitere voll deutet mir an ihr zu folgen und läuft damit weg. Nach ca. 70 Metern entriegelt sie eine Pforte und stellt die Eimer hinein. „Okto“ spricht sie und hält 8 Finger in die Luft. Dann wiederholt sie „Okto“ deutet auf den Boden vor sich und drückt mir 2 leere Eimer in die Hand. Alles klar, 80 Liter Wasser vor diese Türe. Kaum bin ich fertig, sagt sie „Chince“ hält 5 Finger in die Luft und deutet auf die Türe nebenan. Auf diese Weise lerne ich langsam aber sicher das Zählen auf rumänisch. Bis 2 Uhr Nachmittags trage ich grob geschätzt 700 Liter Wasser durch die Gegend. Dann ist Mittagspause. Genau wie die Tage zuvor gab es hauptsächlich Fleisch und ich wurde den Gedanken nicht los, dass es sich eigentlich um Hundefutter handelte. Krampfhaft versuchten sich die Mitarbeiter mit mir zu unterhalten. „Nice Lady“ schnappte ich auf. Danach zeigte ein Finger von Frau zu Frau und es wurde ein Wort wiederholt das irgendwie nach „Single“ klang. Verängstigt schaute ich mich um. Mir ist ja letztes Jahr im Oktober schmerzhaft bewusst geworden das ich schon 30 bin. Aber bitte, doch noch keine 50! Nach einer knappen halben Stunde ist das „Menschenessen“ vorbei und alle beginnen damit, nun auch den Hunden ein wenig Futter zukommen zu lassen. Hundefutter wird hier, genau wie im Tierheim Pitest, auf offenem Feuer gekocht.

Das Stationsfahrzeug fährt täglich seine Runden und holt, von mir unbekannten Quellen, Schlacht- und Großküchenabfälle. Es gibt ständig etwas anderes, meistens hat es Augen.

Diese Schädel oder auch Hüftknochen sind zu groß für Kochtopf und Hundeschnauze. Deshalb werden sie mit einer Axt in handliche Stücke zerteilt.

Es gibt genau 3 Äxte auf dem Gelände des Tierheims Galts. Bei zweien ist der Stiel abgebrochen und bei der Dritten wurde er mal erneuert und jetzt löst sich ständig die Metallklinge vom Griff und fliegt unkontrolliert durch die Gegend.
Aber auch große Fleischstücke wie Schwarte oder Speck müssen in schnauzengerechte Größe zerteilt werden. Nur das man hierfür besser ein Messer nimmt. Von Räucherwaren wie Fischen oder Schinken müssen die Aufhängebändchen entfernt werden, und Ware im SB Pack muss halt ausgepackt werden. Täglich sind 2 Personen mehrere Stunden mit dieser Arbeit beschäftigt. Wenn die Nahrung vorbereitet wurde, wird sie gekocht. Nach einem mir unverständlichen Prinzip entscheidet irgendwann irgendwer, dass das Zeug nun gar ist und schöpft es mit einem selbst gebastelten Schaumlöffel von den Töpfen in Eimer.

Diese werden in 5 große Badewannen geschüttet. Jetzt wird dem Futter der vegetarische Anteil beigefügt. In 80 Liter-Kunststofffässern werden täglich Großküchenabfälle angeliefert. Von angegorenen Bratkartoffeln über Pasta, Eintöpfe bis hin zu Pfannkuchen, Omeletts und Suppen ist es jedes Mal eine Überraschung was in dem Fass drin ist wenn man es öffnet. Das Problem ist nur, dass es sich um Abfälle handelt und diejenigen die den Kram entsorgen nicht gerade zimperlich damit umgehen. Es ist durchaus möglich in den Fässern Gummihandschuhe, Milchtüten, Teebeutel, Plastikteller oder ähnliches zu finden. Auch dieser Krempel wird von Hand aussortiert. Anschließend werden dem Futter noch große Mengen Altbrot, Eier oder was halt grad so da ist beigemischt. Jetzt kann es von den Wannen in Eimer umgefüllt werden um es den Hunden zu bringen. Da sich die großen Stücke immer unten absetzen, wird mit nackten Armen in die eklig dreinschauende und noch widerlicher riechende Brühe gegriffen um immer erst etwas „Dickes“ in den Eimer zu befördern.

Ich habe mich bis heute immer erfolgreich um diese Arbeit gedrückt. Dafür mache ich mich beim Verfüttern nützlich, trage Eimer hin und her und fülle auch den ein oder anderen Napf.

Und was denkt sich der kleine Kerl nachdem er seiner Adoptivmama das Futter geklaut hat und ich meine Kamera auf ihn halte? Richtig: „Lach nicht! Wenn ich groß bin fresse ich den in unter 5 Minuten. Wetten!“
Da es den wenigen Leuten hier, viele sind ehrenamtliche Helfer, meist Frauen die offiziell die Rente durch haben, unmöglich ist täglich für ca. 800 Hunde,

wie viele Tiere es hier gibt weiß niemand so genau, zu kochen und für Trockenfutter einfach kein Geld vorhanden ist werden die Tiere abwechselnd einmal mit gekochtem und einmal mit rohem Futter gefüttert.

Dieser Kollege genießt gerade seine Sparrips.
Irgendwann ist der Tag vorbei. Auf die Ladefläche des kleinen Dacia Transporters werden einige Hocker gestellt und Menschen drängen sich hinein. Nur noch der Stromgenerator blubbert monoton neben den Futterwannen. An das öffentliche Stromnetz ist das Tierheim Galats nicht angeschlossen. Zwar führen Stromleitungen über das Gelände, ja auf ihm steht sogar ein Strommast, aber ein Anschluss ans öffentliche Netz würde weit über 10 tausend Euro kosten, wird mir erzählt, und liegt somit weit oberhalb von dem was sich die kleine Organisation erlauben kann. Vor dem Raum den ich kürzlich noch gestrichen habe parkt der hübsche Kleinwagen der Tierärzte die drinnen immer noch fleißig kastrieren. Ansonsten bin ich alleine. Da ich nicht so genau weiß was ich tun soll, beschließe ich anzuklopfen um mich zu verabschieden.
„Ne, bleib mal hier und erzähl nen Witz. Das ist ganz schön langweilig den ganzen Tag zu kastrieren. Ich glaub das ist mein dreißigster Hund heute,“ sagt die junge Tierärztin in einem perfekten Englisch während sie einen Hundebauch zunäht.

„Incoming call by German coastguard: „Mayday! Mayday! We are sinking!“ A few seconds later the answer: „Here geram coastguard. What do you thinking about?””
Mein Gegenüber lacht, auch die zweite Ärztin muss grinsen. Nur Corinna, die gerade damit beschäftigt ist einige abrasierte Hundehaare aufzukehren kann unsern Scherzereien nicht folgen. Der Bauch ist zugenäht und Corinna hebt das Tier vom Tisch um es zum Aufwachen in den Nebenraum zu bringen. „This one?“ Frage ich und deute auf einen narkotisierten Hund. Die Ärztin nickt und ich hebe das Tier auf den OP Tisch. „Siehst du so etwas zum ersten Mal?“ Fragt mich die Ärztin. „Nein, zum ersten Mal hab ich in einem Tierheim in Griechenland assistiert, danach noch ein paar Mal in Pitest. Aber dabei wurde mir irgendwie schwarz vor Augen und ich bin umgekippt. Deswegen hab ich mich hier heute ein wenig fern gehalten. Ich kann scheinbar kein Blut sehen.“ Erzähle ich während ich die Pfötchen des Tieres mit den bereitgelegten Schnüren fixiere, so dass es während der OP sicher auf seinem Rücken liegen bleibt. „Das blutet doch kaum,“ warf meine Gesprächspartnerin ein, und im Grunde muss ich ihr recht geben. Keine Ahnung warum es mich in Pitest umgehauen hat, aber es war halt so.
„Pitest, da warst du auch? Wie hat es dir gefallen? Arbeiten die genauso wie hier? Ich war auch mal da mir war es um ehrlich zu sein entschieden zu groß.“
Bis etwa halb 10 in der Nacht erzähle ich von meinen Erlebnissen in Pitest und Griechenland. Im Großen und Ganzen nichts anderes als das was ich auf dieser Homepage berichte. Dann flackert das Licht, der Generator verstummt. Der letzte Hundebauch wird im Schein meiner Taschenlampe zugenäht. Feierabend!
Am nächsten Morgen finde ich mich direkt in der neu geschaffenen Kastrationsstation ein. Hier gibt es Menschen die eine Sprache sprechend, der auch ich mächtig bin, und ich habe etwas zu tun. Ich bin ja gestern auch nicht in Ohnmacht gefallen. Ich bekomme einen Fotoapparat in die Hand gedrückt. „Mach mal ein paar Bilder!“ werde ich aufgefordert. „Wir arbeiten für einen Schweizer Sponsor und ziehen von Tierheim zu Tierheim. Für ihn müssen wir unsere Arbeit dokumentieren. Mach mal ein paar Bilder vom Gelände
und von uns, wie wir arbeiten. (Wer keine aufgeschnittenen Hunde- und Katzenbäuche mit außen liegenden Gebärmüttern von trächtigen und nicht trächtigen Tieren sehen mag, bitte nicht auf die Miniaturansichten klicken und sich mit dem Gruppenbild begnügen) Ganz rechts im Bild, die beiden Tierärzte. Daneben Corinna, die Tierheimleitung und links, der Typ, ich glaube das bin ich.
Neben der fotografischen Dokumentation, welche sich hauptsächlich mit der fremden Kamera abspielte, rasierte ich Hundebäuche, hob Tiere vom Tisch und trug sie zum wach werden in den Nebenraum, hob neue Tiere auf den Operationstisch, fixierte sie mit den Bändern, entfernte Zecken aus den schlafenden Tieren, sterilisierte Zangen, Skalpelle und die eigentliche Operationsoberfläche, brachte Müll zum Container (Hauptsächlich Gebärmütter und Hoden), fegte den Fußboden, erzählte Witze und Reiseanekdoten, zog Spritzen auf, füllte neues Benzin in den Stromerzeuger wenn dieser zu stottern begann und wurde regelmäßig mit dem Arbeitsauftrag: „Alt Krine“ nach draußen geschickt. Krine heißt Hund und Alt Krine heißt neuer Hund wurde mir erzählt. Also heißt neu auf Rumänisch alt?! Nein! Ich erklärte das Phänomen und bekam eine bessere, wörtlichere Übersetzung angeboten. Alt Krine bedeutet dann wohl soviel wie nächster Hund. Jedenfalls immer wenn ich mit dem Auftrag „Alt Krine“ nach draußen geschickt wurde suchte ich mir irgendjemanden, zupfte ihm am Ärmel und sprach die Worte: „Alt Krine“ Danach folgte ich dem Menschen welcher zügigen Schrittes auf irgendein Gehege zuging, scheinbar willkürlich einen Hund auswählte und ihn mir in den Arm drückte. Dann trug ich das Tier in den Kastrationsraum. Ein Pfleger folgte mir und hielt mir die rund zwei dutzend, frei auf dem Hof lebenden Vierbeiner vom Leib, die natürlich alle sehr neugierig waren warum ich da einen ihrer Artgenossen durch die Gegend trug.
Sehr interessant fand ich die unterschiedliche Vorgehensweise bei den Kastrationen. Während ich es in Griechenland so gelernt hatte, dass das Tier erst gewogen, und anhand seines Gewichtes die entsprechende Menge Narkotikum berechnet wird, so hatten die zwei Mädels das hier auch vollkommen ohne Waage im Griff. Auch Zungen wurden nicht aus den Hälsen gezogen und dennoch ist kein Tier an seiner Zunge erstickt. Die Knotentechnik, mit der die Geburtskanäle abgeschnürt wurden, war allerdings exakt die Gleiche. Auch die dreischichtigen Entlastungsnähte beim Zunähen des Bauches wurden hier genauso angelegt. Danach wurde sich allerdings das Desinfektionsmittel gespart welches in Griechenland auf die Wunde gesprüht wurde. Dafür erhielten die Tiere eine Ohrmarke, das Zeichen das sie zeugungsunfähig sind und, sollten sie diese Marke verlieren, ein kleines grünes Tattoo in Form eines länglichen Striches in unmittelbare Nähe der eigentlichen Bauchöffnung damit niemand auf die Idee kommt sie ein zweites Mal aufzuschneiden.
Interessant finde ich auch, dass die Tiere nach ungefähr 4 Stunden zurück in ihren gewohnten Lebensraum gebracht werden. Nicht 3 Tage zur Beobachtung in einem 12m² großen, tristen Fliesenraum. Selbst meine säugende Adoptivmama wurde kastriert und gab trotz frischer Wunde nur wenige Stunden später wieder Milch für ihre Kinder.
Schauen wir uns doch einmal an wie so eine Kastrationswunde bei einer säugenden Hündin nach knapp 2 Wochen ausschaut:

Seht Ihr was? Wahnsinn oder? Ich meine das ist doch ein großer Eingriff. Ich erinnere mich noch an den Aufstand mit dem weißen Trichter als die Hündin meiner Eltern kastriert wurde. Hier wird das Organ rausgerupft, die Wunde zugenäht, dann kommen über 20 Welpen von insgesamt 3 Müttern und einige Adoptivkinder, rammen ihre Welpenzähnchen in die Zitzen, ziehen, zerren,

treten gegen die Bauchdecke und nach zwei Wochen sieht man so gut wie nix mehr davon.
Eine der Tierärztinnen nahm mich beiseite als Corinna kurzfristig nach draußen verschwand. „Du, Corinna hat Angst, dass du Geld für deine Arbeit haben willst. So weit ich weiß zahlt die das hier größtenteils privat von ihrem Gehalt. Die kann sich keinen mehr leisten.“ „Sag ihr sie soll sich keine Sorgen machen. Ich will kein Geld! Hin und wieder ein Karton von den abgelaufenen Croissants dahinten ist klasse. Erstens steh ich auf den Kram und zweitens bin ich auch so gut wie pleite. Aber Geld für Arbeit im Tierschutz?! Nie! Ach ja, sag ihr noch, dass ich mit meinem Schlauchboot das Donaudelta hinunter will und noch nach einer sichern Bleibe für meinen Wagen suche. Hier wäre ideal! Das hilft mir und kostet sie keinen Cent.“
Wie im Flug vergeht der Tag. Ich habe nicht mitgezählt, aber es sind bestimmt 60 oder gar 70 Tiere kastriert wurden. Gegen 9 Uhr am Abend packen die Ärzte ihre Ausrüstung zurück in die großen Transportkoffer und diese in ihr Auto. Ihre Zeit hier ist vorbei, noch heute Nacht fahren sie zurück in ihre Heimatstadt Bukarest.
Am nächsten Morgen komme ich mir sehr verloren vor in der Tierstation Galats mit ihren rund 800 Hunden. Corinna setzt die Leute ab und verschwindet wenige Augenblicke später. Es gibt hier niemanden mit dem ich auch nur ansatzweise sprechen könnte. Wenn ich eine rumänisch wortlose Handzeichenkonversation richtig interpretiert habe arbeitet sie im Stadtparlament. Aber meine Interpretation kann auch vollkommen daneben liegen. Fakt ist auf jeden Fall, dass sie unter der Woche nur morgens vorbeischaut um die Leute vorbeizubringen, dann mit einem Mitarbeiter wieder verschwindet der rund 90 Minuten später mit dem Stationsfahrzeug, aber ohne Corinna, wieder auftaucht und einige Behälter Großküchenabfälle geladen hat. Ich trage Wasser, schaufle Schubkarren leer, zerhacke Knochen und Feuerholz und, zugegebener Maßen stehe ich viel wie Falschgeld in der Gegend rum. Mit den Tagen lernte ich vom Zuschauen, und schon bald konnte ich mehr oder weniger alle Arbeiten eigenständig durchführen die auch die Anderen tun.
Mit Eimer, Handfeger und Kehrblech zog ich durch die Zwingerreihen. Der Arbeitsablauf ist einfach. Haufen auffegen und entsorgen. Futterreste entsorgen. Dann das nicht verbrauchte Trinkwasser sparsam in die Näpfe geben, sie mit einem alten Lappen ausreiben und sauber in der Ecke stapeln. Dann das restliche Wasser auf Urinpfützen verteilen und, so gut es geht, mit dem Handfeger hinauskehren. Zu guter Letzt neues Wasser einfüllen. Bis etwa 14 Uhr wiederholen sich diese Arbeitsschritte immer und immer wieder. Danach steht die Zubereitung des Futters auf dem Programm. Ich habe das ja schon ausführlich beschrieben. Viel Zeit um sich persönlich mit den Tieren zu befassen bleibt einem nicht. Es sind einfach zu viele Hunde und zu wenig Menschen. Es fehlt an allem. Riegel und Schließmechanismen der einzelnen Türen sind verzogen und klemmen. Teilweise können Türen nur durch Bindedraht verriegelt werden welcher jedes Mal umständlich auseinander und hinterher wieder zusammengezwirbelt werden muss. Einen brauchbaren Besen und ein Kehrblech mit Griff zu finden grenzt an eine Herausforderung. Wenn man es dann noch geschafft hat sich 4 oder 5 Eimer zum Trinkwassertransport zu sichern kann man stolz auf sich sein. Von einer anständigen Wasserverteilung mit Zapfanlagen in jedem Gehege will ich erst gar nicht sprechen. Handschuhe ohne Löcher zur Futterzubereitung gibt es auch nicht. Ich habe meine privaten mitgenommen weil ich vor dem Scheiß echt fies bin. Aber den Hunden schmeckt es. Es ist auch schon vorgekommen, dass mir umständlich erklärt wurde den Tieren ihr altes Futter zu lassen weil es heute nicht genug für alle gibt. Dabei sind die Wünsche der Mitarbeiter und Tiere bescheiden. Diese Hunde zum Beispiel wünschen sich einen Sonnenschirm.

Und der hier, ich hab ihn Greyhound getauft, ist ein wenig anspruchsvoller. Er wünscht sich einen Swimmingpool.

Er wird wohl lange warten können.
Eine stärkere Wasserpumpe, die genügend Druck aufbaut um das Wasser durch einen langen Schlauch über das ganze Gelände zu fördern währe meiner Meinung nach sehr nützlich. Dann könnte man die 3 Wasserfässer verteilen und müsste nicht jeden Liter ganz so weit tragen. Leicht gleitende Türriegel, Eimer, Besen, Handschuhe. Flohschutzmittel und Entwurmungstabletten für alle Bewohner. Ein paar Sack Trockenfutter für Notzeiten. Oh Mann verdammt! In Griechenland gibt’s ein riesen „Bonbonlager“ und du darfst den Tieren die Leckerein nicht geben weil sie da zu dick von werden oder Durchfall von bekommen. Die bekommen Durchfall von Pedigree Kaustreifen und Rask Knochen. Und was fressen die hier? Am 23. Juni brachte das Stationsfahrzeug keine Schlachtabfälle. Dafür kam ein Kühllastwagen der stiegenweise gebratene Hühnchen anlieferte.

Jetzt ist es ja so, dass Huhn wegen seiner scharfkantigen Knochen eh nicht so gut ist für Hunde. Meine treue Reisebegleiterin Flitsch ist höchst wahrscheinlich an einem Hühnchenknochen gestorben. OK, ich sehe was wild lebende Hunde fressen. Auch mein Schek frisst Hühnchen. Ich stell mich da nicht so an. Zu 99,999% sterben die da nicht dran. Tennisbälle sind ja auch schädlich.
Am Nachmittag standen wir vor den Stiegen und zerrissen die Hühnchen in Portionsgröße. Kaum eines das nicht verschimmelt gewesen wäre. Ungläubig zeigte ich auf den Schimmel. Eine Ehrenamtliche schaute mich an, zuckte mit den Schultern und meinte: „Penicillin!“
Es gibt halt grade nix anderes! Ein wild lebender Straßenhund frisst das auch. Manchmal frisst er auch gar nix weil er nix findet und verreckt im Straßengraben. Dagegen haben es die Kerle hier echt gut.
Hütten, die brauchen hier Hundehütten! Die Hütten die vernünftig isoliert sind und den Tieren auch im Winter einen einigermaßen angemessenen Schutz bieten kann ich an zwei Händen abzählen. Die meisten Hunde wohnen in alten Schränken, oder in aus Holzplatten zusammengenagelten Verschlägen ohne jede Isolationswirkung. Die Tiere deren Lebensraum in einen Innen-

und einen Außenbereich unterteilt ist verfügen über gar keinen höhlenartigen Unterschlupf.
Ich weiß, dass hier vieles falsch läuft. Aber ich war auch bei anderen Vereinen, bei reichen Vereinen. Ich habe mitbekommen wie 200 Euro Spendengelder für einen Frühstückstisch investiert wurden oder wöchentlich 5 neue Schrubber in den Müll gewandert sind, mir ist ins Gesicht gesagt worden, dass ehrenamtliche Hilfe unerwünscht ist. Ich habe sie gesehen, die todkranken, hoffnungslosen Tiere die als Prestigeobjekte am Leben erhalten werden. Vergleichen wir doch einmal das Monster von Galati

mit dem Monster von Pitest. Dieses hier darf sich frei bewegen. Wird es von seinen Artgenossen getötet, was bis heute ja noch nicht vorgekommen ist, so handelt es sich um Pech, um Natur. Je nachdem wie man es interpretiert.
Ich möchte an dieser Stelle gerne meine Stimme erheben. Meine Stimme die die Sprache der Länder spricht aus denen die anderen Vereine ihre Gelder beziehen. Ich weiß, dass ich unter meinen Lesern Hundefreunde habe. Ich weiß sogar, dass ich unter meinen Lesern Hundefreunde habe die für den ein- oder anderen Verein spenden. Ich weiß, dass dieser Bericht von noch viel mehr Hundefreunden gelesen werden wird als ich sie unter meinen Stammlesern habe weil ich ihn aus entsprechenden Foren verlinken werde. Wenn mich irgendjemand als unabhängigen Bedürftigkeitstester anerkennt, bitte helft hier! Von allem was ich bis jetzt gesehen habe bin ich mir ziemlich sicher, dass hier am meisten von eurem Geld in effektiven Tierschutz und am wenigsten in Nobelkarossen, defekte Maschinen, professionelle Tierhändler oder andere Dinge fließt, die zumindest ich nicht für gut heiße. Das hier ist die Rumänische Homepage des Vereins. Sie verfügt über eine Übersetzungsfunktion. Das Deutsch bzw. das Englisch dieser Übersetzung ist katastrophal. Aber es reicht aus um sich einen Überblick zu verschaffen. Einen Pay Pal Butten findet ihr links oben auf jeder Unterseite und hier findet man die englischsprachigen Kontoangaben. Danke!
Ok, das musste raus. Was ist sonst noch passiert von dem es sich zu erzählen lohnt? Im Grunde nicht viel. Der Arbeitsablauf ist halt täglich der Gleiche. Interessant ist vielleicht noch der Tag des 18. Juni 2011. Als erstes entdeckte ich rein zufällig den Kühlschrank des Tierheims. Ich hatte mich schon gefragt wie die es ohne Strom schaffen ständig verhältnismäßig kalte Getränke vorrätig zu haben. Am 18. sah ich es.

Links neben dem Pausenraum befindet sich ein alter ungenutzter Brunnen. Wahrscheinlich heute noch die Notlösung, sollte einmal die Wasserpumpe kaputt gehen. Ganz nach simplem rumänischem Erfindungsreichtum wird dieser Brunnen derzeit zur Getränkekühlung verwendet.
Außerdem wurde aus Türblättern, Blechen, Brettern, Paletten alten Schränken und vergleichbarem Unrat ein neues Gehege errichtet. Alle drei hier lebenden Mütter zogen nun mit ihren Kindern zusammen.

Da es an einer dritten Hundehütte mangelte wurde kurzerhand ein Pappkarton mit einer Mülltüte beklebt, ein Türchen hinein geschnitten und die kleinsten der Hundekinder hineingesetzt. Augenblicklich akzeptierte die Mama diesen Karton als ihr neues Zuhause.

So gut es ging wurden Hütten, Körbchen

und Lebensräume mit dünnen Schrankrückwandplatten beschattet und die Ritzen des Auslaufes teilweise mit Grasbüscheln, teilweise mit Lappen und alter Bekleidung Welpenausbruchssicher gestaltet. Die Elterntiere hingegen können mit einem Sprung hinaus und über den ganzen Hof spazieren.
In der Mittagspause machte mir eine Mitarbeiterin klar, dass sie morgen umziehe und Hilfe benötige. Wenn ich wolle, hätte ich für einen Tag eine bezahlte Arbeit. Natürlich wollte ich.
Um zu erfahren wo ich anzutreten hätte fuhr ich am Abend mit dem Stationsfahrzeug mit. Wer glaubt, dieses bringe die Mitarbeiter auf dem direkten Weg nach Hause, der hat sich getäuscht. Erst einmal fährt es einige nahe liegende Industriegebiete ab. Auf der Ladefläche sitzen nicht nur 4, diesmal sogar 5 Personen, nein dort stehen auch noch zwei große Säcke roher Knochen. Corinna drückt auf die Hupe. Aus allen möglichen und unmöglichen Ecken rennen Straßenhunde auf das Fahrzeug zu. Die Hecktüren werden von innen geöffnet und Händeweise werden Knochen aus dem fahrenden Wagen geworfen. In Deutschland wirft man Kamellen und ruft dabei „Helau“ (ja Kölner, ihr habt verschissen „Alaaf“ wird nicht gerufen :-) und hier wirft man Knochen und denkt sich: „Guten Appetit!“ Manchmal wird auch angehalten um die Tiere etwas liebevoller zu füttern.

Danach geht es im Zick Zack quer durch die Stadt um alle nach Hause zu bringen. Hätte ich mit jemandem reden können, hätte ich mir das Mitfahren sparen können, denn den Treffpunkt an welchem ich mich für morgen früh um 9 Uhr verabrede kenne ich bereits. Es ist der Park oberhalb des Freibades mit seinem Funkturm und der hübschen Aussicht auf die Donau.

Pünktlich erreiche ich das Ziel. Die Frau wartet schon auf mich und führt mich zu ihrem Mann und einem weitern Helfer. Die beiden warten neben zwei am Straßenrand stehenden Schränken und begrüßen mich mit dem hier obligatorischen Plastikbecher Bier. Insgesamt drei Mal ziehen bzw. schieben wir einen schwer beladenen Bollerwagen eine Distanz von ca. 500 Metern. 300 davon allerdings über die holprige Wiese des Parks.

Dann stehen die wenigen zu transportierenden Möbelstücke im Schrebergarten der Familie, werden mit Plastik abgedeckt und der Grill wird angeworfen. Gegen 14 Uhr verabschiede ich mich und erhalte 20 Lai, (5 Euro) für meine Mithilfe. Immerhin mehr, als ich die letzte Woche ausgegeben habe.
Am nächsten Morgen betrete ich die Tierstation als reicher Mann. Nach etwa 2 Stunden gewohntem Tagesablauf stirbt unerwartet der Motor des Stromerzeugers ab. Mit ihm versagt die permanent arbeitende Wasserpumpe. Drei Mann stehen ratlos davor. Auch ich habe keine Ahnung, unterbreite aber den Vorschlag einmal die Zündkerze hinauszudrehen um den Zündfunken zu überprüfen. Aus Erfahrung weiß ich, dass das bei nicht arbeitenden Benzinmotoren immer eine leicht zu realisierende Idee ist. „Kein Werkzeug“ wird mir klargemacht. Ich hole mein eigenes. Daran liegt es nicht. Irgendwann kommt jemand auf den Gedanken den Ölstand zu kontrollieren. Eine gute Idee, von Ölmangelsicherungen habe auch ich schon einmal etwas gehört. Auch wenn ich selbst einen 2Tackt Generator besitze. Der Ölstand ist zu gering. Aber woher bekommen wir neues Öl? Ein freundlicher Mann eilt zu seinem Wagen und zaubert eine Flasche Öl mit der Aufschrift „10W40 Diesel“ hervor. Alle freuen sich. „Nein! No! Na! Das ist ein Benzinmotor, ihr könnt doch da kein Dieselöl reinkippen. Ihr kippt doch auch kein Salatöl in euer Auto!“ Schon fließt die Brühe in die Ölwanne. Der Generator rennt, Wasser wird gefördert, die Tiere sind nicht mehr durstig. Als Corinna am Spätnachmittag eine Ladung neue Futtermittel vorbeibringt erzähle ich ihr den Sachverhalt. Sie schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und bringt eine kleine Flasche Synthetiköl. Minuten später bin ich mit einem Ölwechsel beschäftigt.
Sie ist hart die Arbeit im Tierheim Galats. Es gibt immer etwas zu tun, kaum ist man hinten fertig, kann man vorne wieder anfangen. Als besonders hart empfinde ich den fast täglichen Tot von ein oder zwei Tieren. Meistens sind es keine langjährigen Heimbewohner sondern Neuzugänge. Hunde die von tierlieben Menschen todkrank auf der Straße gefunden wurden und dann im Tierheim abgegeben worden sind. Diese Tiere kommen in den Raum in welchem vor kurzem noch kastriert wurde. Eine Trennung nach Rassen oder gar so etwas wie Quarantäne ist hier einfach nicht durchführbar.

Fest angestellte Tierärzte gibt es nicht. Einen freiberuflichen Arzt kann niemand bezahlen. Deswegen führen Laien die medizinische Versorgung durch. Desinfektionsspray auf offene Wunden und Injektionen. Jeden Abend geht eine Mitarbeiterin durch die Gehege und verteilt Spritzen an die kränkelnden Bewohner. Egal welche Krankheit, jeder bekommt das Gleiche. Wenn ich die Rumänische Beschriftung der Medizinflaschen richtig interpretiere, ein Breitbandantibiotikum und Vitamin B. Tote Tiere werden einfach in den Container geschmissen, dann kommen ehrenamtliche deutsche Fahrzeugbewohner und begraben sie in den Exkrementen ihrer Artgenossen. Bei alten Tieren, die ihr Leben gelebt haben, eine schwere, aber durchführbare Arbeit. Doch am 28. Juni fand ich ein totes Welpentier als ich mich ein wenig mit den Kleinen beschäftigen und ihnen neues Wasser bringen wollte.

Todesursache unbekannt! Vorsichtig legte ich das junge ex-Leben in den Abfallcontainer. Als ich kurze Zeit später mit einer Karre voll Kot ankam und sie mehr oder weniger notgedrungen auf das tote Welpi schaufeln musste stiegen mir Tränen in die Augen.
Das ist eigentlich alles was ich berichten kann bevor ich am frühen Abend des 1. Juli 2011 eine deutsche Stimme neben meinem Wagen vernahm. „Hallo Kollege, Du hast Besuch!“
Draußen standen zwei junge Kerle. „Salut, ich bin Benedikt, der Typ mit dem Kajak.“ Wurde ich begrüßt. Klar, mir fiel es wie Schuppen von den Augen. Der hatte mir geschrieben. Über Couchsurfing. Betreffzeile: „On the way to the delta“ Er suchte nen Pennplatz in Galats und hatte mein Profil gefunden. Ich antwortete ihm er sei willkommen, und dass ich auch vor hätte die Donau hinunterzufahren. Außerdem schrieb ich, glücklicherweise, dass ich im Tierheim arbeite. Ich hätte nicht gedacht das der so schnell hier ist, und vor allem nicht, dass er mich ohne weitere Wegbeschreibung findet. Jetzt stand er vor mir, mit einem einheimischen Führer den er in einer Kneipe kennen gelernt hatte und der stundenlang vor seinem PC saß um herauszufinden wo um alles in der Welt in seiner Heimatstadt ein Tierheim ist. Dann hatte er dort angerufen um zu erfahren ob dort ein deutscher mit einem Wohnmobil arbeite und wie er am besten dort hingelange. Rund eine Stunde quatschten wir miteinander, dann verschwanden die beiden. Doch in rund 90 Minuten wollte Benedikt mit seinem Hund Zappa zurück sein. Ich hatte einen Gast und eine Reisebegleitung für meine Donautour.
Aufräumen! Dann stand er schon vor mir, mit einer Flasche Bier in den Händen, einem Rucksack auf dem Rücken und einer mittelgroßen schwarzen Promenadenmischung neben sich.
Wir setzten uns. „Pass auf, ich will auch das Delta runter. Mit einem Schlauchboot. Meins wurde mir aber gestohlen, ich muss erst ein neues kaufen. Außerdem bist Du ziemlich überraschend hier aufgetaucht. Ich muss erst 2 oder 3 Tage an meinem PC arbeiten bevor ich los kann. Meine HP läuft aus.“ Jo, kein Problem. Ich hab Zeit,“ antwortete Benedikt.
Am nächsten Morgen gingen wir gemeinsam ins Tierheim. Benedikt war neugierig. Corinna begrüßte mich mit den Worten: „Your friend is in Galats.“ Und ich zeigte auf meinen Kollegen. Ich erklärte ihr mit ihm zusammen das Delta unsicher machen zu wollen, und dass ich dann wohl die nächsten 3 oder 4 Wochen nicht hier wäre. Aber danach wollte ich noch einmal für eine Weile aushelfen da es mir gut gefalle.“ „Aber klar, alles kein Problem.“ Gab sie mir zu verstehen. Gemeinsam reinigten wir noch eine Zwingerreihe bevor wir zurück zum Wagen gingen und ich mich vor den PC setzte.
Einen Tag darauf traf eine Gruppe Schweizer im Tierheim ein. Die Sponsoren der jungen Tierärzte. Sie arbeiteten für eine Organisation mit dem Namen „susy utzinger, stiftung für tierschutz“ und reisten derzeit quer durch Rumänien um kleine Tierheime medizinisch zu versorgen. Ich ärgerte mich richtig nicht anwesend zu sein. Deutschsprachige Helfer, eine einmalige Chance etwas mehr über den Laden zu erfahren für welchen ich mich die letzten Wochen engagiert habe. Endlich bekamen alle Hunde ein Flohschutzmittel und eine Wurmkur. Ich glaube die Gruppe war mit nichts Anderem beschäftigt. Aber ich weiß es nicht. Außer, dass ich ihnen meine Bilder auf ihren USB Stick kopierte hatte ich verhältnismäßig wenig Kontakt. Ich war damit beschäftigt mich darauf vorzubereiten in wenigen Tagen ins Delta aufbrechen zu können.

Weiter geht es mit Schlauchboot und Kajak auf der Donau.

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