Tierheim Pitesti "Smeura"

Nach nur wenigen Stunden Schlaf werde ich durch Klopfen geweckt. Draußen steht die Polizei. „Parken verboten! Taxistand! 10 Euro Strafe!“ Erklärt mir der Polizist. Ich erwidere hier kein Parkverbotschild zu sehen, und dass ich 10 Euro jetzt ein wenig unangemessen finden würde. Der Polizist kommt mir entgegen und meint 5 Euro seien auch genug. Ich erkläre, dass der Diesel hier schon scheiße teuer sei, und ich in 10 Minuten verschwunden wäre. Ohne Strafe komme ich davon. Total übermüdet fahre ich einige Kilometer bis zu einer Parkmöglichkeit. Gegen 15 Uhr erwache ich, und siehe da, ich hab Internet im Auto.
Geschlagene 3 Tage sitze ich vor dem PC um E Mails zu bearbeiten. Während Franziskas Aufenthalt war ich nur 2 Mal im Netz und habe auch nur das Allernotwendigste getan. Da hat sich ganz schön was angesammelt. Egal, das Wetter lädt eh nicht dazu ein vor die Türe zu gehen. Am 22. Februar habe ich mein Postfach durchgearbeitet, Forenbeiträge beantwortet und meine Eltern beruhigt die schon fast einen Hubschrauber gemietet hätten um mich zu suchen. Ja, das nenne ich eine gute Idee. Eine SMS zu schreiben wäre ja auch echt zu kompliziert. Ich starte den Wagen und fahre zurück zur Tierstation. Mal sehen ob Frau Langenkamp mittlerweile eingetroffen ist.
Genau wie bei meiner Wanderung sehe ich auch diesmal wieder ungezählte Hunde die sich frei im Wald bewegen. Nur, dass sie diesmal mit Schnee und Kälte zu kämpfen haben.

Wenigstens liegt Futter oberhalb der Schneedecke und die Wasserschälchen sind vom Eis befreit. Es ist schon spät als ich meine Wohnung unweit der Tierstation parke. Die Pforten haben geschlossen, kein Mensch ist in Sichtweite. Ich heize ein und setze mich vor den PC. 80 GB Bilder, in diesem schrecklichen RAW Format das ich so nicht verwenden kann, wollen gesichtet und umgewandelt werden. Ich habe mir extra ein kostenloses Programm aus dem Internet geladen das das kann. Schon bald klopft es an meiner Türe. Draußen steht ein freundlicher Mann. Der Nachtwächter der Station wie ich später erfahre. In seinen Händen trägt er eine Plastiktüte mit Kuchen, belegten Broten, einem Apfel und einer Flasche Cola. Ich bitte ihn herein. Die Verständigung ist schwer bis nicht vorhanden. So weit ich seinen Worten folgen kann soll die „Chefin“ wohl erst am Sonntagabend zurückerwartet werden. Nicht schlimm, ich habe zu tun und der Parkplatz hier gefällt mir ausgezeichnet.

Kurz nachdem der Herr gegangen ist klopft es schon wieder. Diesmal bringt er eine Schubkarre vol Feuerholz und einen Eimer heißes Wasser. Dann verabschiedet er sich. Ich schalte den Rechner wieder aus und verwende das Wasser zum Abspülen, bevor es kalt wird.
Geschlagene 5 Tage verbringe ich damit Fotos umzuwandeln. Wenn ich einen ganzen Ordner mit 200 oder mehr Bildern in das Konvertierungsprogramm lade, stürzt mein Computer ab. Dem kleinen Ding fehlt es einfach an Arbeitsspeicher oder sonst irgendetwas. Ich sichere alle Daten und formatiere die Kiste neu. Außer Windows XP und dem Konvertionsprogramm befinden sich jetzt keine weiteren Daten auf dem Rechner. Jetzt kann ich in Schritten mit etwa 50 Bildern arbeiten. Dennoch weiß ich nicht wie oft das System abstürzte und ich den Rechner neu starten musste um weitermachen zu können. Glücklicherweise kann ich Scheki einfach vor die Türe lassen, schnell findet er Freunde denen er das reichlich vorhandene Futter stehlen kann. Ich unterbreche das vor dem PC sitzen eigentlich nur zum schlafen, essen um meine Solarzellen freizuschaufeln oder um mein Rauchrohr zu reinigen. Der schöne Konvektor, den ich in Bulgarien gekauft habe, ist dann wohl doch nicht so gut wie ich anfänglich dachte. Er ist vollkommen versottet, Rauch kann nicht mehr durchdringen und qualmt nun ungehindert in meinen Wohnraum. Also baue ich das Teil aus, trage es nach draußen und reinige es mit einem auseinander gebogenen Drahtkleiderbügel.

Am späten Nachmittag des 27. Februars klopft es an meiner Türe. Draußen steht Frau Langenkamp. Eine alte Dame in weiten, wallenden Gewändern. Begleitet wird sie von einem guten Dutzend Hunden. Ich bitte sie hinein, doch sie fordert mich auf ihr zu folgen. Sie habe eine Suppe fertig. Wir bewegen uns Richtung Station, kurz vor dem Haupttor geht es links in eine Gartenpforte. Überall stehen Hundehütten, es kläfft und bellt aus allen Ecken. Da Scheki sich in Begleitung von ungezählten seiner Freunde befindet die einfach mit uns durch das Tor gekommen sind, ist er verhältnismäßig angstfrei. In dem türlosen Vorbau den wir durchschreiten liegt ein großer wuscheliger Hund. „Fass den nicht an, der spinnt ein bisschen. Mach einfach nen Schritt drüber, dann tut er nix.“ Frau Langenkamp öffnet die Wohnungstüre, 10 oder 15 Hunde rennen ins Freie, 7 oder 8 andere folgen uns in die beheizte Stube. Einfach überall sind Hunde, ich kann sie nicht zählen.

Wir nehmen auf der hölzernen Sitzgruppe Platz. Ute reicht mir einen Teller Kartoffelsuppe. Ein kleiner Rüde hebt sein Beinchen am Türrahmen. Ein anderes Tier klettert mir fast auf den Schoß und möchte mal nachschauen was ich da esse. Ute fängt an zu erzählen. Wie sie zum Tierschutz kam, es war vor rund 40 Jahren, sie war mit ihrem Posaunenchor in einer Turnhalle untergebracht und war ein wenig nachdenklich. Sie hob die Hände gen Himmel und sagte: „Gott sag mir was ich tun soll und ich will Dein Werkzeug sein. Aber sag es mir so dass ich es auch verstehe.“ Kurz darauf lief sie an einem Infostand gegen Tierversuche vorbei und betrachtete dies als Zeichen. Viele Jahre engagierte sie sich in Deutschland gegen Tierversuche vor allem gegen die Experimente an der Universität Tübingen. Anfang 2001 erfuhr sie von befreundeten Tierschützern, dass der Bürgermeister der rumänischen Stadt Pitestis, Tudur Pendiuc, über 4000 Hunde hatte töten lassen indem er ihnen Formalin injizierte oder ihnen mit Stahlnadeln ins Herz stach. Bildlich schilderte sie, wie die Tiere tot, oder auch halb tot, da das Herz verfehlt wurde oder die Giftdosis zu gering war, in ausgehobene Massengräber geschmissen wurden. Sie erzählte mir von den über 300 Hunden die in den Fuchskäfigen, ursprünglich war die Smeura, so der Name der heutigen Tierstation, als Fuchsfarm erbaut worden um den Bedarf an Fellen zu decken, dann war sie Tötungsstation für Straßenhunde und seit 2001 ist sie das größte Tierheim der Welt unter der Leitung von Frau Langenkamp, vegetierten und auf ihre Hinrichtung warteten als sie die Station anmietete um das Schicksal der Tiere erträglicher zu gestalten. Sie erzählte mir von einem Erlebnis das sie nie vergessen könne. Es war in der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober 2007. Ute Langenkamp erwachte da Sie das Gefühl hatte irgendetwas sei anders als sonst. Es herrschte völlige Ruhe. Plötzlich und wie aus dem Nichts setzte ein Konzert ein. Staccato meinte Frau Langenkamp, auch wenn ich mit diesem musikalischen Fachbegriff genauso viel anfangen kann wie mit einer Gleichung mit drei Unbekannten. Meine Gesprächspartnerin war davon überzeugt dass dieses Konzert von den Hunden „gespielt“ wurde. Sozusagen als Dankeschön für ihre Arbeit. Sie griff zum Telefonhörer und rief eine Freundin in Deutschland an. Nachts um 3 Uhr. Sie erreichte nur den Anrufbeantworter, aber noch Wochen später habe man das Konzert auf Tonband hören können. Ich glaube ja nicht an paranormale Phänomene, und so fragte ich, ob es sich denn um Bellen gehandelt habe. Aber Frau Langenkamp verneinte, ein Konzert in Staccato beteuerte Sie. Auch ich erzählte ein wenig von mir, und weit nach Mitternacht ging ich heim. Ich war davon überzeugt es mit einer gläubigen und tierlieben Person zu tun zu haben die völlig uneigennützig aus Liebe zu Sache handelt. Ich freute mich regelrecht hier ein wenig zu helfen.
Pünktlich um 11 Uhr am nächsten Morgen war ich wieder in der Station. Nach einem Kaffee erhielt ich eine Privatführung. Zuerst in die Krankenstation. Hunderte von gelähmten Tieren wurden hier mit homöopathischen Mitteln aufgepäppelt. „Die Meisten von denen schaffen es, nach einigen Monaten können die wieder laufen.“ meinte Ute. Ich konnte mir das beim Anblick der armen Gestalten, die ihre Hinterläufe nachziehen und mehr vorwärts robben als das sie laufen, kaum vorstellen. Aber hier und da waren tatsächlich Tiere dabei die annähernd gehen konnten, und Ute beteuerte, dass die vor wenigen Monaten noch genauso ausgeschaut hätten. Dann ging es eine Etage tiefer. In einer großen Halle standen dutzende von kleinen Käfigen.

Hier warteten frisch operierte Hunde darauf zu genesen um in größere Ausläufe mit anderen Hunden entlassen werden zu können. Box Nr.5 ist der derzeitige Wohnort von meinem speziellen Liebling. Ich habe ihn Monster getauft, da er genauso ausschaut.

Bei einem Kampf mit einem anderen Hund wurde ihm die Nase abgebissen. Ihn mit den Anderen zusammenzulassen traut sich Frau Langenkamp nicht da sich der Kleine ja nicht wehren könne. Jetzt vegetiert er auf rund 1,5 m² und wartet auf eine bessere Zukunft. Ich stecke meine Hand durch die Gitter und bekomme Küsschen. Der arme Kerl. Direkt nebenan wohnt ein Leidensgenosse. Er kuriert die Blessuren die er bei einem Verkehrsunfall abbekommen hat.

Das blaue Zeugs ist Desinfektionsmittel.
Wir gehen weiter und betreten eine riesige Halle. Hier steht ein rund 30 m langes Förderband. Es führt durch große Maschinen und Öfen. „Das hab ich in Polen gekauft und hier aufbauen lassen, das ist eine Maschine zu Herstellung von Trockenfutter. Leider funktioniert es nicht.“ Lässt mich Frau Langenkamp wissen. Wir verlassen die Halle am anderen Ende und begeben uns zu den gigantischen Zwingeranlagen. Die alten Fuchskäfige wurden zu Hundezwingern umgebaut. Wenn ich mich nicht verzählt habe gibt es 4 Blöcke a 28 Reihen mit je 110m Länge.
Von irgendwoher dringt klägliches Hundegeschrei. Ute wird schneller. Ein Hund hatte seinen Kopf durch die viereckigen Löcher der Baueisen gesteckt die als Einfriedung verwendet wurden und bekam ihn nicht mehr heraus. Wir halfen ihm. „Da müsste unbedingt ein feinmaschigerer Zaun hin.“ meinte Ute. „Jo, geb mir Zaun und Draht und ich fang sofort an. Da bin ich wochenlang beschäftigt und hab keine Sprachschwierigkeiten weil ich mich bei dem Job wohl mit niemandem unterhalten muss.“ „Wir haben derzeit keinen Zaun.“ ließ mich Frau Langenkamp wissen. Wir passierten das hauseigene Krematorium, das Gehege für die zwei in der Station lebenden Esel und das für Gänse. Dann besichtigten wir den zum Tierheim gehörenden Second Hand Laden. Häufig bekämen sie Sachspenden die sie so gar nicht brauchen könnten, erklärte mir die Tierheimleitung, diese Dinge würden dann hier preisgünstig an die Mitarbeiter und deren Freunde veräußert und der Erlös käme halt den Tieren zugute. Ich schaue mich um und entdecke vom Backofen über Fahrräder bis hin zum Kinderwagen und Bekleidung wirklich ne ganze Menge Dinge die ein Tierheim nicht direkt verwenden kann. Danach geht es in die Tierarztpraxis. In einem Raum stehen 3 OP Tische nebeneinander. Auf jedem liegt ein Hund und 3 Tierärzte kastrieren gleichzeitig. Im 15 Minuten-Takt wird ein neues Tier narkotisiert, auf den Tisch gehoben und kastriert. 8 Stunden am Tag. Ich erfahre, dass 80 Menschen in der Station beschäftigt sind.
Der Rundgang ist beendet, bei einem gemütlichen Abendessen besprechen wir, dass ich mich am kommenden Tag erst einmal in der Behindertenstation mit der Sozialisierung der Tiere beschäftige.
Früh reißt mich der Wecker aus den Federn. In meinen Händen trage ich einen großen Beutel Dinge die ich dem Second Hand Laden spenden möchte.

Danach finde ich mich in der Behindertenstation ein. Auch ohne Worte erhalte ich eine Hundebürste und einen Eimer für ausgekämmte Haare von der hier arbeitenden Pflegerin. Stundenlang beschäftige ich mich damit die Tiere zu streicheln und zu bürsten.

Aus dem Fenster werfe ich einen Blick auf die outdoor- Futterküche. Auf offenem Feuer werden hier Schlachtabfälle, Nudeln, Eier, Reis und ähnliches zu Hundefutter verkocht.

Täglich fährt ein Stationsfahrzeug Supermärkte im Umkreis von rund 50 km ab und karrt tonnenweise abgelaufene Lebensmittel heran. Dinge die ich normalerweise container. Am Nachmittag kommt Ute vorbei. Sie bringt mich in die Tierarztpraxis und bittet die Tierärzte mir ein wenig über Tiermedizin und Kastration beizubringen. Genau wie in Griechenland bin ich wieder einmal überrascht mit welcher Leichtigkeit die Tierärzte Kastrationen vornehmen. Im Viertelstunden-Takt kommt ein neues Tier auf den Operationstisch. Die angehenden „Kastrationsopfer“ warten in kleinen Transportboxen im Vorraum. In diese Boxen kommen sie auch zurück um von der Narkose zu erwachen. Sobald sie wieder fitt sind, etwa nach 4 Stunden, holt sie ein Pfleger und bringt sie zurück zu ihren Freunden. Ich assistiere bei 6 Operationen. Dann geschieht etwas mit mir, dass ich selber nicht für möglich gehalten hätte. Mir wird schwarz vor Augen und ich kippe um. Als ich wieder zu Bewusstsein komme sitze ich auf der Couch im Vorraum, und jemand reicht mir ein Glas Wasser. Anscheinend kann ich kein Blut sehen, oder zumindest nicht 6 Mal hintereinander. Augenblicklich ist mein Traum Kastrationen auf eigene Faust durchzuführen für mich gestorben. Mann muss sich einfach eingestehen wenn man etwas nicht kann, und das scheine ich verdammt noch einmal nicht zu können. Es ist mir unerklärlich und eigentlich auch peinlich, aber ich bin ohne Vorwarnung einfach umgekippt. Würde mir das passieren wenn ich alleine wäre, ich hätte das Tier und vielleicht auch mich selber auf dem Gewissen. Ute erzählt mir etwas von falscher Einstellung, Seele, Geist und Körper, und sie gibt mir ein spirituell angehauchtes Heftchen zum lesen. Wenn ich einmal verinnerlicht hätte, dass es sich nur um einen Körper, eine Hülle handele käme ich da besser mit klar, meinte sie. Alles eine Einstellungssache, aber für mich gibt es Leben und Tot. Geister und Seelen gibt es nicht. Selbst wenn ich mit meiner Einstellung falsch liegen sollte, möchte ich sie überhaupt gar nicht ändern. Der Gedanke nach dem Tot von Würmern gefressen zu werden gefällt mir ganz gut, der Gedanke nach dem Tot als Geist oder Seele in eine ungewisse Zukunft zu reisen macht mir hingegen Angst. Ich bin ein moderner, aufgeklärter Mensch an so einen Schwachsinn glaube ich nicht und da möchte ich auch nicht dran glauben. So, oder so ähnlich, erkläre ich das auch Ute. Ich bitte Sie mir Zaun und Draht zu geben, oder eine Schüppe zum Häufchen sammeln oder eben sonst eine sinnvolle Aufgabe. Ute erwidert sie könne mich hier keine Haufen sammeln lassen, da ihre Mitarbeiter dann Angst hätten ihren Job zu verlieren. Wir einigten uns darauf, dass ich mich erst einmal um Büroarbeit kümmere.
Die nächsten Tage verbrachte ich an einem Schreibtisch. Ute stellte mit ordnerweise Papierkram vor die Nase den es zu sortieren galt. Außer ihr bin ich hier der Einzige der der Deutschen Sprache mächtig ist, also der Einzige der diese Aufgabe übernehmen kann. Es handelte sich um Texte, Sprüche und Gedichte. Vorlagen für die Vereinszeitschrift „Das kleine Licht“ welche es zu sortieren galt. Gedichte zu Gedichte, Weihnachten zu Weihnachten und Ostern zu Ostern. Doppelte in den Abfalleimer und sachliche Artikel von Tränendrüsentexten trennen. Ich blätterte, las und sortierte. Die Papierberge wurden kaum weniger.
Abwechslung gab es für mich erst am 6. März, einem Sonntag. Ich hatte mich gerade den Papierbergen gewidmet, als mich Ute einlud mit ihr und einer weiteren Mitarbeiterin zum nahen Tiermarkt zu fahren. Schon mehrere Male habe sie dort Tiere gekauft um sie von ihrem Leid zu erlösen erzählte mir die 70 jährige. Das letzte Mal ein Pferd das der Besitzer angekettet hatte und mit der Peitsche antrieb um die Arbeitswilligkeit seines Tieres unter Beweis zu stellen bis es in die Knie ging und sich die Läufe blutig wetzte. Ich brachte es nicht über das Herz der alten Dame mitzuteilen was ich davon halte. Kauf kein Tier auf Tiermärkten, das erzählt einem doch so ziemlich jeder Tierschutzverein. Aber hier wird öffentlich mit diesen Aktionen geworben. Zum Beispiel in der Zeitschrift „Das kleine Licht“ oder auch in Interviews wie ich gesehen hatte.

Aber diesmal gab es keine wirklich leidenden Tiere auf dem Markt.
Es ist schon erstaunlich, während in Pitesti keine Flocke Schnee anzutreffen ist, ist es hier an der Station, keine 10 km weit entfernt noch weiß verschneit.

Als ich die Station betrat beschwerte sich Ute sie habe kein Internet mehr. Ich überprüfte den Rechner. „Ein Netzwerkkabel ist nicht angeschlossen.“ Gab er als Fehlermeldung aus. Der Stecker des Kabels steckte aber im Gerät. Ich folgte dem Kabel und fand schnell den Fehler. Ein Hund hatte wohl das Datenkabel mit einem Kauknochen verwechselt.

Ich schnitt das angeknabberte Kabelstück heraus, legte die unzähligen Kabelenden blank und vertüderte rot mit rot und grün mit grün. Anschließend isolierte ich das ganze mit Tesafilm und siehe da, das Internet ging wieder.
Kaum war diese Arbeit erledigt versammelten wir uns auf dem Hof der Station. Alle abkömmlichen Mitarbeiter waren aufgerufen nach Bukarest zu fahren. Die Obrigkeit des rumänischen Staates beratschlagte an diesem Nachmittag über ein neues Gesetz das es den Bürgermeistern der einzelnen Städte gestatten sollte Tötungsstationen für Hunde zu erbauen. Nun fuhren wir zu einer Demonstration die dies verhindern sollte. Schon in den vergangenen Tagen unterbrach ich meine Aktensortiererei häufig damit einen Petitionstext über Facebook zu verbreiten. Die Tierhilfe Hoffnung hat dort weit über 1500 Freunde. Vielen davon schrieb ich auf ihre Pinnwand. Leider schaffte ich es nicht bei allen, da ich meine Arbeit regelmäßig unterbrechen musste da Facebook mir so eine Warnmeldung anzeigte ich würde spammen, was ich ja irgendwie auch tat.
Es herrschte Unruhe auf dem Hof. Nur rund 10 Mitarbeiter hatten sich versammelt um an der Demonstration teilzunehmen. Ute telefoniert wie dumm: „Wenn man nicht alles selber macht,“ ihr Statement. Eine dreiviertel Stunde später waren 29 Mann organisiert. Scheki reinigte derweilen die Schubkarren in welchen das selbst gekochte Futter transportiert wird.

Holzbänke und Gartenstühle wurden auf die Ladeflächen der Vereinstransporter gestellt und dann ging es los. Auf halbem Weg stoppten die Fahrer auf dem Seitestreifen der Autobahn. Eine alte Frau stand dort, in meinen Augen recht ungünstig positioniert, und verkaufte selbst gepflückte Schneeglöckchen. Irgendein Schlauberger kam auf die Idee einen solchen Strauß für die Chefin zu erwerben. Der Kauf war noch nicht ganz abgeschlossen als hinter uns ein Polizeifahrzeug hielt. Die alte Dame wurde plötzlich ganz schnell und verschwand in den Tiefen des Waldes. Das Gespräch das der Fahrer unsres Wagens mit der Polizei führte kann ich leider nicht wiedergeben, es war halt ein rumänisches Gespräch. Auf jeden Fall kamen wir davon ohne Strafe zu zahlen.
Um 3 Uhr parkten wir in der Nähe des Regierungsgebäudes vor welchem die Demonstration stattfand. Transparente und Trommeln wurden entladen, dann ging es gemeinsam zur Veranstaltung. Wir waren nicht die Ersten. Alles in allem waren wohl knapp 1000 Menschen versammelt. Transparente wurden entfaltet, ein Klapphöckerchen für die in die Jahre gekommene Tierheimleitung aufgestellt, ein Tierarzt der Station begann die Trommel zu spielen.
Ein Sprecher stand vor der Menge und hielt mir unverständliche Reden. Menschen bliesen auf Trillerpfeifen und riefen Sprechchöre. Ich lief so durch die Mengen, Scheki dicht hinter mir. Auch wenn mein Schek nicht der einzige Hund auf dieser Demo war, so sorgte er dennoch für Aufsehen. Viele Menschen sprachen mich an, und mit einigen konnte ich mich sogar unterhalten. So auch mit einer englischsprachigen Veranstalterin der Demonstration. Als Deutscher müsse ich unbedingt ein paar Worte ins Mikrofon sprechen. Ich bin es ja gewohnt auf politischen Veranstaltungen an der Front mitzukämpfen, und so hielt ich nur wenige Minuten später eine Rede. Kaum hatte ich diese beendet sprach mich eine junge Frau an. „Was machst du den hier?“ Akzent freies Deutsch! „Demonstrieren.“ Die Frau war eine Deutsche. Bunt gefärbte Haare, Piercings an jeder möglichen und unmöglichen Stelle aber ansonsten gar nicht mal so hässlich. Sie ist vor einigen Jahren nach Rumänien gezogen und betreibt nun ein Gothik Kaffee. „Ein Gothik Kaffee in Transsilvanien, das ist doch der absolute Brüller.“ Meint sie. Die Gruppe Demonstranten kniet nieder. „Jetzt beten die schon wieder, verdammt wir sind hier auf ´ner Demo und nicht in der Kirche!“ sagt meine neue Bekannte. Sympathisch! „Ja, das ist hier alles sehr religiös angehaucht. Was glaubst du warum ich Gott in meine Ansprache hab mit einfließen lassen. Ich hab da sonst auch nicht viel mit zu tun.“
Scheki verhalf mir nicht nur zu einem Mikrofon, sondern er war auch der Shootingstar für einige Zeitungsfotografen. Extra für ein Bild wurde er medienwirksam in einem Kerzenherz vor einigen Transparenten positioniert. Wenn mich Frau Langenkamp nicht ständig angeschissen hätte wenn ich meinem Tier etwas mehr Bewegungsspielraum gönnte als es ihm die Leine erlaubt, wäre dieses Bild auch ohne die Geißelung des Stricks entstanden.
Ich unterhielt mich noch mit einigen Vertretern anderer Tierschutzorganisationen und bekam Horrorgeschichten über die Tierhilfe Hoffnung erzählt. Ich nahm mir fest vor den Wahrheitsgehalt dieser Gerüchte zu überprüfen. Gegen 8 Uhr am Abend fuhren wir Richtung Heimat, und so gegen 20 nach 9 erreichten wir die Station.
Am nächsten Morgen traf ein Paket ein. Darin befand sich ein neuer Laptop. Der Alte sei kaputt sagte Ute, und sie bat mich den Neuen so zu konfigurieren, dass sie ihn benutzen könne. Einige Stunden verbrachte ich damit erforderliche Programme zu installieren, Passwörter zu speichern und das Gerät so einzurichten das es benutzt werden konnte. Der schwierigste Teil war allerdings Ute das Gerät zu erklären. Das neue Betriebssystem sah ein kleines bisschen anders aus als das Alte. Die Original CD des E Mail Programms „Outlook“ das sie vorher benutzt hatte war nicht auffindbar, also installierte ich ein frei verfügbares Programm von Mozilla. Das war auch für mich Neuland, ich verwende kein Programm um meine Mails zu lesen, ich lese sie gleich online. Aber Google hilft.
Am nächsten Morgen war Ute ganz aufgelöst. Das neue Gerät sei schon kaputt. Da hätte gestanden, dass irgendetwas aufgeladen werden müsse, und dann sei es einfach ausgegangen. Nachdem ich den Rechner mit Netzstrom verbunden hatte ging er wieder. Dann versuchte ich die Daten zu retten die auf dem alten Laptop gespeichert waren. Nachdem ich das integrierte Recovery Programm verwendet hatte, welches sich aus dem Bios starten ließ, ging der Rechner wieder als sei er nie kaputt gewesen. Völlig ohne Datenverlust.
Ich verbrachte noch ungezählte Stunden vor dem PC um Änderungsvorschläge an der verbesserungswürdigen Homepage der Tierhilfe Hoffnung zu erarbeiten und um ein Hundevermittlungsforum ins Leben zu rufen um schneller neue Halter für die Tiere zu finden. Die Idee kam mir als ich mit Ute zusammen einige Welpen fütterte die jemand hier abgegeben hatte.

Ute beschwerte sich, dass so viele Tiere abgegeben werden, und ich warf ein, dass man die Kleinen doch vermitteln könne noch bevor sie überhaupt bemerkten, dass sie je in einem Tierheim waren. Das ginge nicht, erwiderte Ute. Welpen könne sie nicht in ihrer Zeitung vorstellen, bis die erscheine, seien die Welpen ja keine Welpen mehr. „Internet Ute! Das geht schneller!“ Ich setze mich vor den PC und erstellte ein kleines Forum. Damit kenne ich mich aus, schließlich wählte ich den gleichen Anbieter der auch mein Forum betreibt. Nach nur wenigen Stunden zeigte ich Ute das Resultat.
„Besucher heute 2, Beiträge insgesamt 7. Was soll das sein?“ Ich erklärte, dass das die Forenstatistik sei und klickte in einen Beitrag in welchem ich einen Hund vorstellte. Ich hatte einige Bilder die ich geknipst hatte verwendet und absolut fiktive Texte dazu geschrieben um die Funktionsweise zu erläutern. „Das ist gar kein Rüde, das ist eine Hündin,“ funkte mir Ute dazwischen. Ich versuchte die Sache zu erklären, dass es sich um Beispiele handle und ich nur die Funktionsweise verdeutlichen wolle. Nachdem in einer Skype Gruppenkonferenz gleich zwei weitere Menschen auf Ute einredeten dass das eine gute Idee sei, stimmte sie zu. „Wenn ich grünes Licht von dir bekomme, können morgen Abend die ersten 50 oder 100 Tiere online sein.“ Ute bekam einen Ausraster. „So viele! Du bist immer so schnell! 10 reichen doch wohl auch.“ Ich erwiderte, dass es hier 3500 Hunde gäbe und etwa 50 die Woche davon nach Deutschland gebracht würden. Die Wenigsten zu ihren neuen Menschen sondern in Pflegestellen oder in andere Tierheime. Ich rechnete ihr vor, dass jedes Tier rein rechnerisch knapp 6 Jahre warten müsse bis es neue Menschen findet. Etwas weniger als ein halbes Hundeleben. Ich zeigte ihr das Photo von meinem kleinen Monster. „Der Kerl hat 1,5m² um sich zu bewegen, wenn der da 6 Jahre drinne sitzt, halte ich mit der Schüppe draufschlagen für die bessere Art des Tierschutzes.
In dem Moment hatte ich die Freundschaft mit Frau Langenkamp verwirkt. Wut entbrannt ging sie hinunter in ihre Privatwohnung. Auch ich ging Heim. Noch zwei weitere Tage fand ich mich in dem Büro der Tierstation ein und arbeitete hauptsächlich privat da ich Ute nicht zu Gesicht bekam. Dann verfasste ich eine E Mail und ging nach Hause. Kurz darauf klopfte eine Mitarbeiterin und überreichte mir einen Zettel auf dem stand, dass Frau Langenkamp es für besser halte wenn ich abreisen würde.
Bei einem langen Spaziergang dachte ich über diese Worte nach. Unweit der Station entdeckte ich Anlagen zur Ölförderung

welche nach ökologisch einwandfreien Gesichtspunkten das schwarze Gold ans Tageslicht pumpten.

Wieder Zuhause setzte ich mich abermals vor den PC und verfasste einen Brief über mehrere Seiten in welchem ich meinen Standpunkt darlegte. Dazu benötigte ich eine ganze Nacht. Als ich wieder halbwegs fitt war, ging ich ihn versenden. Einen Tag später wanderte ich abermals Richtung Internet um nachzusehen ob ich eine Antwort erhalten habe. Diese Antwort habe ich im VIP Bereich vorgelesen. Ich startete den Motor und fuhr davon.


Weiter geht es mit Arno.

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