Ein Wohnmobilfenster im Eigenbau

Es war kurz nach Mitternacht als ich die Zeilen meines Reiseberichtes Cluje mit dem dort geschehenen Einbruch in mein Wohnmobil, wir erinnern uns:

Bild: eingeschlagenes Wohnmobilfenster

niedergeschrieben hatte und mich zu Bett legte.
Es war kurz vor Zwei als ich von Gedanken und Überlegungen getrieben wieder aufstand. Ich hatte doch noch … Mein Reservewerkzeug! So ein alter Blechkoffer den ich seinerzeit vom Sperrmüll gegeiert hatte und im Laufe dar Zeit mit allerhand Krimskrams angefüllt hatte den ich doppelt besaß. Irgendwelchen Schrott den ich von diversen Entrümpelungen hatte. Werkzeug aus Urgroßvaters Zeiten dass ich einfach nicht fortwerfen konnte.
Ich zog mich an und verließ mit meiner Stirnlampe bewaffnet den Wagen um diesen Kasten zu hohlen.
Ratschen, Nüsse, Schraubendreher, Zangen. Ich hatte noch eine ganze Menge! Ich stapelte saubere Reihen auf meinen Tisch. Nüsse, in allen gängigen Größen. Es fehlte bloß eine 19er. Ratschen in diversen Ausführungen, Verlängerungen … ja, selbst ein Kreuzgelenk nannte ich noch mein Eigen.
In meinem gestohlenen Werkzeugkoffer war alles sauber sortiert. Meine Ratsche war von Proxon, meine Zangen von Knippex. Jetzt lag alles kreuz und quer durcheinander. Jeder Schlüssel, jede Nuss und jede Zange von einem anderen Hersteller. Es befindet sich wenig Qualitätswerkzeug unter dem was ich jetzt noch besitze. Aber immerhin ist es Werkzeug, das Wichtigste ist vorhanden.
Ich sortierte die ganze Nacht, sprühte Öl auf die eingerosteten Zangengelenke und Ratschenmechaniken, rieb Schlüssel, Schraubendreher und anderes Werkzeug mit einem öligen Lappen ab und vor allem überlegte ich daran wie um alles in der Welt ich meine Seitenscheibe reparieren soll.
Woher bekommt man in einem fremden Land dessen Sprache man nicht spricht innerhalb von Minuten eine neue Seitenscheibe für ein 30 Jahre altes Wohnmobil? Vor allem dann wenn die finanziellen Möglichkeiten sehr begrenzt sind?
Ich meine ein Brot, das kaufe ich in jedem Laden. Aber eine Seitenscheibe für einen Iveco 80-13a Baujahr 1984 ?
Eine Seitenscheibe würde ich wohl nicht so ohne weiteres aufgetrieben bekommen. Aber ein Ersatzteil!
Pünktlich um 8 Uhr in der Früh parkte ich meinen Wagen auf dem Parkplatz des Bau Max Bauhauses. Bau Max war nur rund 3 Kilometer von meinem ursprünglichen Aufenthaltsort entfernt und auch wenn es eigentlich nicht das Wetter war um mit geöffneter Seitenscheibe zu fahren blieb mir an diesem Morgen nichts anderes übrig.
Nach längerer Suche fand ich das was ich brauchte. Plexiglas in der richtigen Stärke! Die Plexiglasplatten gibt es hier in den Größen 2,5 mal 1,5 Meter, 1 mal 1 Meter und 0,5 mal 1 Meter. Leider ist meine Seitenscheibe 54 cm Breit so dass ich die große Platte erwerben musste. 90 Lei. Rund 20 Euro!
Leider hatte ich nur noch 70 Lei in der Tasche. Also war zunächst einmal Geldwechseln angesagt.
Meinen Wagen, der sich ohne Seitenscheibe ja nicht verriegeln ließ, hatte ich sinniger Weise so geparkt das eine Überwachungskammara des Bauhauses auf ihn gerichtet war. Dennoch ließ ich ihn mit einem mulmigen Gefühl zurück als ich mich gegen halb neun am Morgen aufmachte eine Wechselstube zu suchen. Was heißt suchen? Ich wusste wo eine war. Nur rund 20 Minuten zu Fuß vom BauMax entfernt und die hatte noch nicht einmal einen so schlechten Kurs. Leider öffnete sie erst um 10 Uhr.
Ich erwarb ein Frühstück, setze mich mit meinen Fressalien in die Kälte (mit Hund wird man ja überall herausgeschmissen) und wartete. Wenige Minuten vor 10 erschien dann eine Frau die den Laden aufsperrte. Sie griff zum Telefon, führte ein Telefonat und verschwand in dem Frühstücksladen dessen Kunde auch ich vor noch nicht all zu langer Zeit gewesen war. Wahrscheinlich hat sie ihren Chef angerufen und ihm gesagt das sie pünktlich am Arbeitsplatz erschienen ist, denn es wurde viertel vor 11 bis sie tatsächlich aufsperrte.
Um halb 12 stand ich dann mit einem Quadratmeter Plexiglas in den Händen neben meinem Wohnmobil. Im Gegensatz zu richtigem Glas, das man mit diesen kleinen Diamanträdchen die sich Glasschneider schimpfen zwar rechtwinklig zuschneiden kann, kann man Plexiglas mit der Stichsäge bearbeiten und so die exakte Form des Originalfensters herausschneiden. Als erstes benötigte ich eine Schablone. Schon in der Nacht hatte ich mir Gedanken darüber gemacht ob ich eine solche aus Pappe herstellen sollte oder wie sich das Problem am besten lösen lasse. Das Ergebnis meines Denkens war die Erkenntnis das Fahrer- und Beifahrerscheibe wohl identisch seien. Nur spiegelverkehrt eben. Aber das ist bei einer transparenten Scheibe ja wohl egal da man sie einfach umdrehen kann. Also demontiere ich zunächst die Fensterkurbel auf der Fahrerseite und dann die Innenverkleidung. Ich steckte die Kurbel wieder auf den Zahnsplint und kurbelte das Fenster herauf und herunter um mich mit der Funktionsweise der Mechanik vertraut zu machen. Auf die Unterseite der Scheibe ist eine Laufschiene gepresst. In Ihr gleiten zwei kleine Rädchen auf und ab die mit einem von Zahnrädern angetriebenen Scherensystem verbunden sind. Kurbelt man fährt die Schere auseinander und hebt bzw. sängt das Fenster auf diese Weise. Entfernt man die Drei Schrauben mit denen diese Mechanik in der Türverkleidung befestigt ist kann man die Laufrädchen aus ihrer Führung schieben.
Gesagt getan, schon bald konnte ich die Scheibe mit meinen Fingern hoch und runter schieben.

Bild: Fensterkurbel Mechanik

Doch wie bekomme ich das blöde Glas aus seiner Führung? Links und rechts sitzt es in einer Laufschiene, da ist kein halber Millimeter Platz um es dort herauszuziehen. Ich leuchtete zwischen die Türbleche und erblickte einen Winkel der diese Laufschienen fixiert. Dieser Winkel war von innen abschraubbar. Ich löste die Schrauben und dann konnte ich das Fenster aus seiner Führung ziehen.
Der endgültige Ausbau erwies sich dann noch einmal als schwierig da die Öffnung doch sehr knapp bemessen ist und es einiges an Geschick erfordert das Fenster durch geschicktes Wackeln und Verkanten nach unten herauszuziehen. Nach einer dreiviertel Stunde war die Arbeit getan und das Fenster meiner Fahrerseite lag als Schablone auf dem Plexiglas.

Bild: Fenster Schablone

Mit einem Filzstift zeichnete ich die Maße für mein neues Beifahrerfenster an und dann baute ich erst einmal die Scheibe der Fahrerseite wieder ein.
Bei der Gelegenheit kann man auch gleich ein wenig Fett in die Laufschiene schmieren.

Bild: Seitenfenster Wohnmobil Mechanik

Unten rechts im Bild erkennt man übrigens die Zwei Schrauben mit denen der Winkel fixiert ist der die Fensterführung hält.
Dann wurde das neue Fenster zugeschnitten. Praktischerweise hatte BauMax für einen kleinen Pfandbetrag gleich die passende Werkbank im Angebot.

Bild: Seitenfenster Herstellung Werkbank

Was ich bei meinen Überlegungen nicht bedachte das war dass das Plastik gleich nach dem zerschneiden mit der Stichsäge wieder miteinander verschmilzt. Ich musste rechtwinklig zur gewollten Schnittkante kleine Hilfsschnitte einsägen und erst dann konnte ich das Glas an der gewünschten Stelle brechen. Um die Schmelzkannte zu entgraten erwarb ich eine neue Feile. Eine Feile befand sich leider nicht in meinem Reserverwerkzeug. Schlussendlich konnte ich die Führungsschiene des eingeschlagenen Fensters mit einem Schraubenzieher auseinanderhebeln, die Glassplitter entfernen und sie mit einer Pumpenzange auf dem Plexiglas verpressen.
Den Winkel der die Fensterführung hält lösen, Fenster einsetzen, hochschieben, Hebemechanik verschrauben, Türverkleidung wieder montieren und siehe da, ich habe ein neues Seitenfenster.

Bild: Neues Seitenfenster

Es lässt sich sogar hoch- und runterkurbeln und, das ist der größte Vorteil zu dem Originalen: Es ist sauber!
Ich bin ja schon ein kleines bisschen Stolz auf mich. Ich meine während dieser Reise bin ich eine faule Sau geworden. Wenn ich Zeit habe brauche ich für Dinge die man in 3 Stunden erledigen könnte einen ganzen Tag. Je nachdem wie mir die Lust steht auch Zwei. Wahrscheinlich bewege ich mich schon zu lange in Ländern in denen eine solche Arbeitsmoral an der Tagesordnung ist und habe mich an diesen sehr stressfreien Rhythmus gewöhnt. Aber wenn es hart auf hart kommt, dann kann ich immer noch meinen Arsch drehen. Ich meine das muss mir erst mal einer Nachmachen.
Mitten in Rumänien wird dir die Scheibe eingeschlagen und keine 15 Stunden später hast du ne neue drin. Das Beste ist das du es hinbekommen hast das dich der ganze Spaß nur 20 Euro kostet.
So etwas können nur Russen und Ich. Jeder normale Mensch ruft den ADAC oder bricht seinen Urlaub ab und fährt ohne Scheibe heim. Ich hingegen hab nachgedacht und das ganze "mal eben" repariert. Entschuldigt die Überheblichkeit aber wie bereits erwähnt bin ich recht stolz auf meine Leistung. Das ist zwar ein Provisorium, aber ein dauerhaftes. Ich brauch nicht mehr nach einer Scheibe vom Schrott Ausschau zu halten. Das kann so bleiben. Das ist Tuning! Schließlich ist Plastik leichter als Glas und auf die nächsten Dreimillionen Kilometer spare ich die 20 Euro die mich der Spaß gekostet hat an Diesel wieder ein. Damit komme ich sogar über den deutschen TÜV. Den wenn der TÜV Prüfer nicht zufällig die Seite: "Seitenscheibe beim Wohnmobil reparieren" auf myhomeismycar gelesen hat, dann wird er gar nicht bemerken das die Scheibe nicht original ist.
Ich kehrte meinen Dreck zusammen (hauptsächlich Glassplitter), nutzte die Kundentoilette des Baumarktes um meine Hände zu waschen und erwarb noch eine 19er Nuss. Dann startete ich den Motor und parkte Minuten später auf dem Lidelparkplatz.
Der nächste Tag war für mich Zu Ende noch bevor er begonnen hatte. Schließlich hatte ich in der vergangenen Nacht kein Auge zu getan und den Tag dazu genutzt meine Seitenscheibe zu reparieren.
Aber ich habe ja Zeit und so zog ich dann doch noch einmal los den botanischen Garten zu suchen. Erfolgreich! Aber er hatte nicht nur geschlossen, sondern kostete auch Eintrittsgeld.

Bild: Botanischer Garten Cluje

Einmal aufgebrochen lief ich noch ein wenig die Stadt rauf und runter. Ich fotografierte das Werbehaus mit seiner davor angelegten Vernichtungsstelle für fossilen Brennstoff

Bild: Ennergieverschwendung

und den Blick von diesem Haus zurück in Richtung Stadt.

Bild: Cluje Napoca

Am Abend erwarb ich dann neues Hundefutter und einige Eier im Lidl und am nächsten Morgen zog ich dann weiter zu dieser einsamen Stelle deren genaue Lokalität ich noch immer nicht auf der Landkarte zeigen könnte.
Jetzt ist es viertel nach 10 am Abend. Bereits während ich diese Worte niederschrieb versuchte ich mich in die Weiten des www einzuloggen. Ich kann zwar eine Verbindung herstellen, aber sie ist so langsam das es mir unmöglich sein wird die zu diesem Bericht gehörenden Bilder ins Netz zu stellen.
Schade!

Mein Wohnmobil schaut (fast) aus wie ein Neuwagen. Nein, ich habe nicht geputzt. Also doch, das auch. Schon an meinem alten Standort in der nähe von Türe. Ich habe dann doch herausbekommen wie die Ortschaft in der Nähe meines einsamen Wohnortes an dem Sportplatz heißt. Und sie heißt Türe.

Bild: Türe in Rumänien

Die Nachbarorte heißen übersetzt wahrscheinlich Fenster und Wand. Aber sicher bin ich mir da nicht, denn im Gegensatz zu Türe steht keine deutsche Übersetzung auf ihren Ortsschildern. Im rumänischen heißen sie "Magyarvista" und "Garabau".
An diesem Ort habe ich viel geputzt. Ausschauen wie neu tut mein Wagen aber weil ich geschraubt habe. Ich habe geschraubt, geflext, geschweißt, gebohrt, lackiert und repariert. Jetzt wurde ich einfach heraus geworfen. "Es wäre nett wenn du gehst!" Wurde mir gesagt. Was soll man da machen? Da bin ich abgehauen. Aber ich darf ja wiederkommen. Noch mehr schrauben, flexen, schweißen und lackieren und von diesem freundlichen Angebot werde ich in 10 Tagen gebrauch machen.
Aber ich würde gerne vorne anfangen zu erzählen. Meine vieles Geschraube, die Möglichkeit ein Schweißgerät und eine voll ausgestattete Werkstatt zur Verfügung zu haben, haben mich davon abgehalten meine Erlebnisse niederzuschreiben. Nach 8 oder auch 9 Stunden rumgekrabbel unter einem Auto hat man nicht unbedingt noch Lust dazu sich vor den PC zu setzen. Vor allem dann nicht wenn man den Abend in gemütlicher Runde hat ausklingen lassen und man häufig erst gegen Mitternacht oder auch noch später wieder daheim ist. Vorne, das wäre am 9. Februar, denn meine Aufzeichnungen enden am 8. Februar mit der Reparatur meines Generatorauspuffes.
Genau wie in den vorausgegangenen Tagen war es auch am 9. diesig und Wolkenverhangen. Die Temperaturen lagen so um den Gefrierpunkt und ich zog es vor meine Sofakissen mit ein wenig Lederfett zu verwöhnen anstatt vor die Türe zu gehen. Am 10. ignorierte ich das Wetter und schnürte die Wanderstiefel. Die tief hängenden Regenwolken ignorierend führte mich mein Weg durch die noch weiß verschneite Landschaft.

Bild: verschneite Landschaft

Ich erreichte sogar ein Gipfelkreuz.

Bild: Gipfelkreuz

Die Aussicht von diesem Punkt war dann allerdings mehr grau in grau als irgendwie imposant. Immerhin gelangte ich trockenen Fußes zurück zu meinem Wagen.
Erst am morgen des 12. drangen zaghafte Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke. Nichts wie los!
Als erstes bestieg ich noch einmal den Hügel mit dem Gipfelkreuz und genoss die Aussicht.

Bild: Bergpanorama

Dann folgte ich dem Bergkamm. Immer der Sonne entgegen. Nahezu unberührt lag die weiß verschneite Landschaft zu meinen Füßen. Nur die Fahrstreifen eines einzelnen Wagens die sich in den Schnee gedrückt hatten verrieten mir wo sich der Weg befindet und ich frage mich noch heute wie der Fahrer dieses Fahrzeugs das hat wissen können. Ich folgte den Fahrspuren und gelangte gegen Mittag in eine kleine, im Tal liegende Ortschaft in welcher ich ein Brot erwarb. Von dort erklomm ich den Hügel jenseits des Ortes. Er war vom Sonnenlicht beschienen und bereits nahezu schneefrei.
Mein Rückweg führte mich dann durch (die) Türe und Garabau zu meinem Truck den ich gegen 17 Uhr erreichte.
Auch am nächsten Tag machte das Wetter einen beständigen Eindruck so dass ich beschloss in die andere Richtung zu wandern. Hatte ich am Vortag die Hauptstrasse überquert um zu dem Gipfelkreuz zu gelangen so spazierte ich heute über den Sportplatz hinweg und folgte dem kleinen Trampelpfad talwärts.
Mein erstes nennenswertes Erlebnis während dieser Wanderung war die Sichtung eines Rehs. Friedlich äste das Tier an ein paar grünen Blättern und störte sich herzlich wenig an dem erscheinen von mir und meinem Hund. Glücklicherweise sah ich das Reh als erstes so dass ich Scheki an die Leine nehmen konnte. Vorsichtig schlich ich mich an und es gelang mir mich auf rund 30 Meter zu nähern. Als ich dann meinen Fotoapparat einschaltete um das Tier abzulichten ertönte dieses übliche "Pling" Geräusch das Fotoapparate beim Einschalten nun einmal von sich geben. Das Reh blickte in meine Richtung und sprang mit einem Satz ins Unterholz. Mir ist dennoch ein Foto gelungen.

Bild: flüchtendes Reh

Ein wenig zahmer als Rehe sind rumänische Schäfer. Sie erschrecken sich nicht wenn man seinen Fotoapparat einschaltet und halten brav still. Hier in Rumänien eignen sich Schäfer auch prima als Motiv für ein Tierportrait, denn in Rumänien schauen Schäfer aus wie ihre Schafe.

Bild: rumänischer Schäfer

Um ehrlich zu sein finde ich diese Schafsverkleidung cool. Das ist sicherlich schön warm. Ich möchte auch so etwas haben. Besonders cool ist es sicherlich wenn man als unbescholtener Tourist in diesem Aufzug eine winterliche Großstadt besichtigt. Ich wette die Polizei kommt dann nicht auf den Gedanken 1000 Euro Backschich wegen angeblichem falsch Parken von einem einzufordern.
Ansonsten verlief der Tag recht ereignislos. Ich spazierte halt durch dieses waldlose Hügelgebiet und betrachtete die Gegend. Erwähnenswert wäre vielleicht nur noch das ich ganz Magyarvista erfolglos nach so etwas wie einem Geschäft absuchte um mir ein Mittagessen zu kaufen. In Magyarvista gibt es kein Geschäft. Zumindest keines das ich gefunden hätte. Von dort ließ ich mich dann von meinem GPS Heimwärts führen.
Leider war dieser Tag der letzte Tag den ich an diesem Ort mit Sonnenschein erlebte. Am 14. regnete es fast ununterbrochen. Gut das ich noch am Vorabend meine Brennholzreserven aufgefüllt hatte. Ich räumte noch einige Schränke aus, sortierte ihren Inhalt, wischte über ihre Böden und räumte sie wieder ein und am 15. zog ich dann weiter.
Ich war keine 5 Kilometer gefahren als sich die Sicht aufklärte. Herrlicher Sonnenschein und eine Strasse welche sich Kurvenreich durch eine wunderbare Landschaft schlängelte. Irgendwann hupte es hinter mir. Ein Blick auf den Tacho verriet den Grund. Ich fuhr bloß 15 km/h. Bei all dem "Landschaft gucken" hatte ich völlig vergessen auf das Gaspedal zu treten. Ich trat auf den Stempel und erreichte kurze Zeit später die Hauptstrasse. Mein Radio spielte "Du Hure". Das ist ein rumänischer Superhit dessen Melodie ins Ohr geht. Rumänische Radiostationen spielen ihn mindestens einmal pro Stunde. Deswegen kann ich den Song mitsingen. Nein, natürlich kann ich das nicht. Ich habe keine Ahnung worum es in dem Song geht und ich könnte mir glatt vorstellen das das was ich als "Du Hure" mitsinge in Wirklichkeit eine ganz andere Bedeutung hat als "Du Prostituierte". Es ist ja auch völlig gleichgültig ob ich richtig oder falsch mitsinge. Wenn ich in meinem Wagen sitze und ihn der Freiheit entgegensteuere, dann hört mich ja niemand. Wichtig ist nur das es Spaß macht und Spaß gemacht hat es.

Viel zu schnell erreichte ich Huedin. In Huedin sichtete ich einen Penny Markt und da sich meine Vorräte vom vielen in der Natur stehen dem Ende neigten beschloss ich anzuhalten.
Das Erste was dem Besucher in Huedin auffallen wird das sind die unzähligen, knallbunten Zigeunervillen.

Bild: Zigeunervilla Huedin

Aus irgendeinem mir nicht bekannten Grund haben sie fast alle Mercedessterne auf ihren Dächern verbaut. Also keine echten die die Villenbesitzer von irgendwelchen Kraftfahrzeugen abgebrochen und auf ihrem Dach montiert haben, sondern übergroße Nachbildungen dieser Sterne die als Monumente auf den Dächern der Häuser thronen. Ich fragte einige Leute nach dem Grund, aber niemand konnte mir eine befriedigende Antwort geben. Eher war es so dass mich alle schief anschauten und sich wunderten was dieser Tourist da für komische Dinge wissen will. Ich habe auch die Besitzer dieser Häuser selbst gefragt. Die müssen es ja wissen. Aber diese Häuser gehören nun einmal Zigeunern und einen Zigeuner zu finden der englisch spricht, das ist ein recht aussichtsloses Unterfangen. Ich hätte mir einen Dolmetscher mitnehmen müssen.
Mein Zweiter Eindruck wurde von kommunistisch anmutenden Plattenbauten geprägt. Diesen Anblick bin ich ja aus den Randbezirken rumänischer Städte gewohnt, aber Huedin scheint ausschließlich aus Plattenbauten und Zigeunervillen zu bestehen. Außerdem finde ich es immer wieder faszinierend wie ländliche Idylle und Großstadtflair nahtlos ineinander übergehen.

Bild: Hühner vor Hochhaus

Auch vor deutschen Wohnhausblocks gibt es Grünflächen. Aber dort würden niemals Hühner scharren. Dort würden noch nicht einmal Kinder Fußball spielen weil der Hausmeister ein Schild aufgestellt hat das Fußballspielen auf dem englischen Zierrasen verbietet.
Das Beste an Huedin war meine Sichtung eines selbstgebauten Kraftfahrzeuges. Ich spazierte so auf Entdeckungsgang durch die Hinterhöfe einiger Wohnhausblocks und da sah ich sie. Die selbstfahrende Kreissäge Marke Eigenbau.

Bild: selbstfahrende Kreissäge

Ist das nicht ein geiles Gerät? Damit möchte ich mal zum deutschen TÜV. „Können sie mir das bitte eintragen! So. KFZ. Selbstfahrende Kreissäge. Hersteller: Eigenbau! Ach ja, das hat mein Urgroßvater 1973 in Rumänien gebaut, das ist im Originalzustand also H Eintragung bitte!“ „Wie Blinker?! Bremslicht?! Das muss so! Das ist original! Historischer Wert!“
Neugierig betrachtete ich das Gerät von allen Seiten. Ich schoss Fotos, wackelte vorsichtig am Lenkrad, überprüfte mit meinem Daumen die Spannung der freiliegenden Keilriemen, bückte mich und schaute von unten um die Technik zu ergründen die dafür verantwortlich ist das es zwei gegeneinander drehende Kreissägenblätter gibt. Ich war voll und ganz in die Technik des mich faszinierenden Gerätes vertieft als sich der stolze Besitzer mit seiner kleinen Tochter näherte und mich ansprach. Leider fanden wir mal wieder keine gemeinsame Sprache, aber ich bekam das Fahrzeug dennoch bis ins Detail erklärt.
Mit einem Hebel kann man ein federbelastetes Keilriemenrad nach unten drücken. Anschließend lässt sich der bestimmt 2 cm breite Keilriemen zwischen Motor und Getriebe problemlos entfernen. Anschließend hebelt mal ein zweites Keilriemenrad nach unten und schon kann man den Riemen, der auf dem Bild über dem Sägetisch hängt, zwischen Motor und Sägeantrieb spannen. Dort hat man gleich 3 Riemenscheiben in verschiedenen Größen zur Auswahl. Eine Achse führt von den Riemenscheiben in ein kompliziertes Zahnradgetriebe das dafür sorgt das sich die zwei, mit unter einem Millimeter abstand zueinander angeordneten Sägeblätter, gegenläufig drehen. Starten tut man den Dieselmotor mit einer Kurbel die, wenn ich meinen Gesprächspartner richtig verstanden habe, aber gerade in seiner Wohnung liegt. Getriebe und Differenzial stammen aus einem alten PKW. Der Motor gehörte einstmals wohl zu einem Tracktor. Rahmen, Lenkung sowie der ganze Rest ist völliger Eigenbau.
Der Besitzer war sichtlich Stolz auf seine Schöpfung und freute sich das ein deutscher Tourist Gefallen an seinem Fahrzeug gefunden hatte. Dementsprechend wortreich und laut waren seine Ausführungen. Warum immer wieder versucht wird mangelnde Sprachkenntnisse durch Lautstärke auszugleichen bleibt mir ein Rätsel. Nach einer guten halben Stunde trennten sich dann unsre Wege. Zu Schade das der Stolz des Kreissägenbesitzers dann nicht ausgereicht hat die Kurbel zu hohlen und mal den Motor anzuwerfen. Ich hätte wirklich gerne eine Probefahrt gemacht. Huedin selbst hat ansonsten nicht viel zu bieten. Der Grund meines dennoch recht langen Aufenthalts war a) die gut funktionierende Internetanbindung und b) das Umland. Und Umland hat es rund um Huedin massig. Genau wie an meinem alten Standort wird das Landschaftsbild von unbewaldeter Hügellandschaft geprägt.

Bild: Umland Huedin

Richtung Norden blickt man auf Hügel so weit das Auge reicht und Richtung Süden erkennt man sogar richtige Berge. Schon in Huedin überlegte ich daran in diese Richtung weiter zu ziehen da diese Berge für einen Fußmarsch zu weit entfernt waren. Heute stehe ich mitten drin, mitten in den Bergen, mitten im Naturpark Apuseni.
In Huedin erwanderte ich aber eher die Nordseite und entdeckte dabei die Mülldeponie. Inmitten wunderschöner Natur, nur rund 15 Minuten zuvor hatte ich noch einen Schäfer und seine Herde passiert, wehten mir auf einmal unzählige Plastiktüten, Flaschen, Jogurtbecher und anderer Unrat entgegen. Verärgert über den Dreck ging ich weiter, und dann sah ich sie. Die Städtische Mülldeponie von Huedin. In einer kleinen Sänke zwischen grünen Bergen wurde der Dreck der menschlichen Zivilisation abgekippt. Kein Zaun trennte Müllkippe von Weideland und so kam es das das Weidevieh nicht unbedingt wusste wo es sich aufhalten sollte.

Bild: Mülldeponie mit Schweinen

Das da, inmitten des Drecks, das sind zwei Schweine. Die fressen das was die Menschen übrig gelassen haben. Ich wollte nicht näher herangehen. Mein Hund ist schließlich auch ein Schwein und frisst alles was ihm vor die Schnauze kommt. Deswegen machte ich einen großen Bogen um diese menschliche Entsorgungsstätte.
Am Abend, es war bereits dunkel, beschloss ich noch einmal in die Stadt zu laufen. Ich hatte zwar bereits an den vergangenen Tagen vergeblich nach so etwas wie einem Nachtleben Ausschau gehalten, aber vielleicht hatte ich ja etwas übersehen.
Ich passierte zwei schwere Jeeps. Einer davon hatte einen Anhänger und Schweizer Kennzeichen. Ich ging langsamer und lauschte den Worten die da gesprochen werden. Ganz eindeutig, Schweizer Dialekt!
„Servus, kommt´s Ihr aus der Schweiz?“ Sprach ich die beiden Männer an. „Jo, und du bist Österreicher?“
„Ne, Deutscher. War aber mal ein halbes Jahr in Wien.“
„Ah, was treibt dich her?“
„Wollt mir mal Rumänien anschauen. Tourist, Dauerreisender, Aussteiger. So was in der Richtung. Könnt´s Ihr interpretieren wie ihr wollt. Kennt Ihr euch hier aus?“
„Ich wohne hier.“ Erhielt ich als Antwort. Doch auf meine Frage mit den Mercedessternen konnte mir auch der hier einheimische Schweizer keine Antwort geben. Nach einigem Smaltalk verabschiedeten sich die Zwei Männer und ich blieb mit dem Schweizer Auswanderer alleine zurück. Abermals einige Sätze später saß ich in dessen Jeep und wir fuhren zu meinem Bus damit ich meinen Hund heimbringen kann. Danach ging es noch auf ein Bier bzw. Glühwein in eine kleine Eckkneipe.

Weiter geht es mit Auspuff schweißen und Stauraum bauen bei Peter.

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Bild: Danke
Bei mamaleone für die Verlinkung meiner Reiseberichte. Sie schreibt im Forum zur HP und Blogt auf leben-in-italien über ihre Erfahrungen als Italienauswanderer.



Kleine Häuser auf Rädern, auf dem Wasser und in Bäumen.



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"Fenstereinbau im Wohnmobil"
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