Schlauchboottour und Wohnmobilstellplätze

Kurz vor 12 Uhr Mittag erreichte ich Polana Largululi.
Ich folgte der Hauptstrasse auf der Ostseite des Sees "Lacul Izvoru Muntelui" Richtung Bicaz. Serpentinenreich führt sie mich durch dichtes Waldgebiet. Nur hin und wieder gibt eine kleine Lichtung den Blick auf die Talsperre frei. Rund 10 oder 15 Kilometer folge ich der Strasse bevor ich beschließe dass ich so nie einen hübschen Wohnort finde und mein Fahrzeug auf einer kleinen Parkbucht abstelle und die Gegend zu Fuß erkunden gehe.
Eine sehr steile Schotterpiste führt bergab. Von unten höre ich fröhliches Gebrüll von Kindern welche anscheinend gerade ein Bad nehmen. Wenn es sein muss ist diese Route wohl befahrbar. Nach wenigen Minuten erreiche ich das Seeufer.
Ein Motorboot ist an einer kleinen Schwimminsel vertäut von welcher tatsächlich eine Scharr Kinder vergnügt ins Wasser hüpft. Nach rechts versperren tief hängende Äste eines Baumes die Weiterfahrt, also gehe ich nach links. Schon bald sehe ich einen breiten Schotterstrand. Zu ihm führt eine leicht zu befahrende Route direkt von der Ortschaft Hangu hinunter. Nichts wie zurück und den Wagen holen.
Gegen halb 3 Parke ich am Seeufer.
Der idyllisch gelegene, einsame Wohnort nach dem ich gesucht hatte ist das zwar nicht, aber ein gutes Basislager um einen solchen zu finden. Diese Suche wollte ich mit meinem Boot absolvieren. Aufpumpen und ab auf den See. Hangu liegt am Ende einer großen Bucht. Gegen 19 Uhr bin ich bis zu deren anderem Ende gerudert und Blicke über ein Teilstück des 35 Kilometer langen Lacul Izvoru Muntelui.

Schon nach wenigen Ruderschlägen bemerkte ich dass der Winter meinem Boot nicht wirklich gut bekommen ist. Irgendwie wird meine Aufblasjolle immer weicher. Sie verliert Luft, es ist wohl eine Reparatur angesagt.
Als ich zurückkehre sichte ich schon vom Wasser einige Zelte welche in dem kleinen Wäldchen hinter meinem Wagen aufgeschlagen wurden. Drei Hunde streunen durch das Camp. Sie gehören eindeutig den Zeltbesitzern. Ein Lächeln breitet sich in meinem Gesicht aus. Wie oft schon hatten mir irgendwelche Camper erzählt selber einen Hund zu besitzen den sie allerdings zuhause gelassen hatten. Diese Menschen hatten ihre vierbeinigen Freunde dabei.
Ich kam nicht dazu die undichten Stellen meines Bootes zu suchen, sie mit Filzstift zu markieren und kleine Flicken darauf zu kleben. Kaum hatte ich das Boot an Land gezogen kam die Gruppe Camper auf mich zu. Fünf Personen, 3 Frauen, 2 Männer. Einer der Männer hatte mal eine Zeit lang in Deutschland gearbeitet und war meiner Muttersprache mächtig. Die Frauen sprachen Englisch und für den verbleibenden Kerl fand sich ein Dolmetscher. Ob ich einen Schnaps wolle wurde ich gefragt.
Nein, ich will keinen Schnaps! Schnaps schmeckt scheiße. Aber ich find dass ne klasse Idee mit euch zusammen zu sitzen und ein bisschen zu quatschen. Also Antwortete ich: "Aber nur nen kleinen."
Meine neuen Freunde waren Rumänen. Der deutschsprachige Kerl arbeitete für eine Dänische Spedition welche regelmäßig die Strecke Dänemark - Rumänien abfährt. Früher habe er für eine Deutsche Spedition gearbeitet, aber die Dänen bezahlen wohl besser. Jetzt verbrachte der kleine Freundeskreis seinen Jahresurlaub gemeinsam mit einer Campingtour im eigenen Land. Mit Deutschland assoziiere mein Freund vor allem Herscharen von Motorradfahren. Rund 30% aller Verkehrsteilnehmer in Deutschland seien auf Zwei Rädern unterwegs weiß er zu berichten.
Glücklicherweise hatte die Gruppe nicht nur Schnaps sondern auch Bier. Leider nur warmes. Ein Lagerfeuer wurde entfacht und routiniert rollten die Männer einen dicken Baumstamm heran den sie hinter das Feuer legten. Ein weiterer massiver Ast wurde über den Stamm gelehnt und sein Ende mit einem dicken Stein beschwert. Dann hingen die Frauen einen großen Kessel an den Ast und eine halbe Stunde später gab es Spagetti Bolognese für alle. Ich erzählte dass so etwas in Deutschland unmöglich sei. Bereits nach 5 Minuten käme die Polizei und würde einem erklären das offenes Feuer verboten sei.
"Nein, gelogen!" Viel mir der Mann ins Wort. "Das dauert bei euch keine 2 Minuten bis man ärger bekommt."
In Deutschland müsse man für alles und jedes bezahlen bekomme ich erzählt. Mein Freund sei mal mit einer Panne auf der Autobahn stehen geblieben. Er hätte auf dem Seitenstreifen gestanden und niemanden gestört. Er kannte das Problem seines Wagens und in unter einer Stunde hätte er es reparieren können. Doch schon nach wenigen Minuten sei die Polizei vor Ort gewesen und hätte ein Abschleppunternehmen angerufen. Über 1000 Euro hätte ihn der Spaß gekostet. Wäre das gleiche in Rumänien oder sonst wo auf der Welt geschehen, hätte er das Problem völlig kostenfrei alleine beheben können. Ich gebe ihm Recht und erzähle von meinem unfreiwilligen Aufenthalt auf einer ukrainischen Schellstrasse.
Bis kurz vor Mitternacht sitzen wir zusammen. Dann erhellen grelle Blitze den Nachthimmel und laute Donnerschläge beenden die friedliche Stille dieses Ortes. Meine Freunde räumen panisch ihr Hab und Gut zusammen und verkrümeln sich in ihre Zelte. Ich hingegen setze mich vor meinen Wagen und beobachte noch eine gute Stunde lang das Trockengewitter.

Am nächsten Morgen revanchiere ich mich für die Einladung mit frischem Filterkaffe.

Gegen 11 Uhr ziehen meine Freunde Richtung Brasov weiter. Sie sind überrascht welch gute Tipps ihnen ein Tourist für ihr eigenes Land geben kann. Ich flicke mein Boot und steche gegen 15 Uhr in See.
Am Ende der Bucht biege ich nach rechts ab. Aus dieser Richtung bin ich zwar gekommen, und ich habe kein Interesse für einen schönen Parkplatz zurückzufahren, aber es spricht wohl nichts dagegen den See in diese Richtung zu erkunden. Schon nach wenigen Kilometern sichte ich einen Platz welcher mir gefallen würde. Leider sind dort schon andere.

Ist ja auch egal, ich will ja eh nicht zurückfahren.
Ich rudere weiter. Nur eine halbe Stunde später der nächste potenzielle Campingplatz.
An diesem Ort sind keine anderen Menschen. Ich lege an und beschließe die GPS Koordinaten der Stelle zu ermitteln an welcher der Stichweg von der Hauptstrasse abführt um so anderen Reisenden diesen Ort empfehlen zu können.

Man braucht übrigens kein geländetaugliches Fahrzeug um diese Stelle erreichen zu können und eine nette Sitzgelegenheit mit hübscher Aussicht ist auch vorhanden.

Auf der gegenüberliegenden Seeseite gibt es einen kleinen Ort den ich allerdings nicht besichtigt habe.
Nach knapp einer Stunde Landgang geht es weiter nordwärts. Eine dichte Wolkendecke zieht sich über dem See zusammen. Ich will nur noch um die Kurve schauen. Wenn ich jetzt nicht nachschaue was hinter der Seebiegung kommt, werde ich es wohl in meinem ganzen Leben nicht mehr erfahren. Nur noch wenige Kilometer, dann rudre ich heimwärts. Auf dem Berg, welchen der See umspült liegt eine idyllische kleine Kirche. Dahinter erstreckt sich der See nicht mehr Richtung Süd-Westen sondern Richtung Norden. Gegen 18 Uhr blicke ich in diese Richtung und sehe die Brücke welche ich in Poiana Largululi nicht genutzt hatte. Dort beginnt der See!
Ich wende mein Boot und rudre zurück. Schon bald beginnt es zu regnen. Erst nur einige Tropfen, dann wird der Regen immer stärker. Schon bald bildet sich eine kleine Pfütze in meinem Verkehrsmittel und es wäre wohl die Beste Idee die Lenzpumpe anzuschalten. Aber hat schon einmal jemand ein Schlauchboot mit Lenzpumpe gesehen? Also hole ich mir ein nasses Hinterteil. Da kommt es ohnehin nicht mehr drauf an denn binnen von Minuten bin ich vollständig durchnässt. Das größte Problem ist aber das ich zum flicken eines Bootes einen wasserlöslichen Klebstoff verwendet hatte. Bereits nach einer halben Stunde Platzregen zischt es wie wild unter meinen Flicken. Ich habe für diese Aufgabe immer UHU verwendet und mit UHU kann man wirklich prima Schlauchboote Flicken. Alles was man braucht ist ein Stück altes Boot um daraus die Flicken zu schneiden, ein Stück Schmirgelpapier zum anrauen der Klebestellen und eben UHU. Dann den Klebstoff sowohl auf den Flicken als auch auf das Boot auftragen, beide Teile zusammendrücken und ein wenig hin und herschieben, dann den Flicken wieder abreißen und den Klebstoff an der Luft 5 bis 10 Minuten antrocknen lassen. Wenn er staubtrocken ist und man glaubt jetzt sei es für eine Verklebung bereits viel zu spät presst man die Teile einfach aufeinander und schon ist das Boot, oder eben auch die Luftmatratze oder was auch immer repariert werden soll wieder dicht. Und zwar auf immer und ewig. Leider hatte ich keinen UHU mehr und verwendete irgendeinen rumänischen Klebstoff. Ich hab alles genauso gemacht wie immer, hat auch prima funktioniert. Nur jetzt, wo der Kram nass wird fallen die Flicken einfach ab.
Mehrfach pumpe ich während der Fahrt nach. Gegen 20 Uhr gebe ich mein Boot auf. Ich verstecke es am Seeufer und klettere pitschnass in 1,5Euro Sandalen über die Gerölllandschaft der Uferböschung. Irgendwann finde ich einen schmalen Pfad welcher mich auf die Hauptstrasse führt. Durchgefroren und durchnässt bis auf die Knochen erreiche ich gegen 22 Uhr meinen Wagen. Wie gut das ich eine kleine, verschließbare Plastikdose für GPS und Fotoapparat mitgenommen hatte um diese teure Technik trocken transportieren zu können.
Gegen Mittag des nächsten Tages machte ich mich auf mein Boot zu holen. Ich ging extra einen kleinen Umweg um an der sich in Hagul befindenden Touristeninformation vorbeizukommen und nach einigen schönen Wanderwegen zu fragen. Doch die Information hatte geschlossen. Ein Schild mit Öffnungszeiten fand ich nicht. Dafür fotografierte ich eine öffentlich aushängende Landkarte in die ich mal die von mir zurückgelegten Wege eingezeichnet habe.

Zu Fuß hatte ich auch Zeit den Ausblick von der Landstrasse über den See hinweg abzulichten.

Nach etwa 3 Stunden Ruderrei und viermaligem anlegen zum Bootaufpumpen hatte ich meinen Wagen erreichte und machte mich an die Arbeit die Flicken neu anzukleben. Ich werde es wohl noch einmal tun müssen, denn wasserfesten Klebstoff hatte ich leider immer noch nicht.
Am nächsten Tag brach ich dann zu einer dieser, für mich typischen, Gewalttouren auf. Wenn ich wenigstens am frühen Morgen gestartet wäre und nicht erst am Mittag, der Weg wäre davon sicherlich nicht kürzer geworden, aber ich hätte ihn wenigstens im Tageslicht zurücklegen können. Aber nein, der Mensch muss ja lange schlafen, erst einmal nen Kaffe trinken und etwas Frühstücken. Eine Runde Schwimmen muss ja auch sein bevor man aufbricht. Wenn man schon am Wasser parkt.
Gegen 1 hatte ich dann meine Bucht verlassen und ruderte auf Stellplatzsuche gen Süden. Kurz darauf war schon Anlegen angesagt. Ich passierte einen herrlichen Strand zu dem ein befahrbarer Weg herabzuführen schien.

Doch der Eindruck täuschte, dieser Weg war nicht befahrbar.
Durch scheinbar unberührte Natur ging es weiter. Ein breiter Streifen von einem Lehmigen Berg war nebst Baumbestand abgerutscht und gut 2 Meter in die Tiefe gestürzt. Die Bäume hatten es überlebt und standen noch.

Die Zweite Bucht des Sees, an deren Ende die Ortschaft Buhalnita liegt und die einen ähnlichen Parkplatz wie den, auf welchem ich mein Wohnmobil geparkt hatte versprach, ruderte ich nicht aus, sondern kürzte quer über das Wasser ab. Kaum war ich wieder in Landnähe sah ich dann eine Fläche die einladend ausschaute. Ein gut zu befahrender Wirtschaftsweg endete in einem Nadelwald. Die Bäume hatten genügend Abstand zueinander das mein Wohnmobil dazwischen passen würde. Sie spenden herrlichen Schatten und hinab bis zum See sind es nur wenige Schritte. Die GPS Daten beziehen sich wieder auf den Punkt an welchem der Wirtschaftsweg von der Hauptstrasse abgeht.

Ein wirklich hübscher Fleck.

Doch sollte dieser Punkt das Ende meiner heutigen Bootstour sein? Dafür hatte ich Frikadellen gebraten und Kaffe gekocht? Beides befand sich noch unangetastet in meinem Rucksack. Nein, es kommt bestimmt noch ein anderer schöner Platz. Ich ruderte also weiter. Zu meiner Rechten erhob sich der 1907 Meter hohe Berg im Ceahlau Nationalpark.

Jedes Mal wenn ich ihn sah, steigerte sich mein Wunsch ihn zu besteigen. Gegen 18 Uhr erreichte ich eine Stelle an welcher sich der See verjüngte. Ähnlich eines breiten Flusses schlängelte er sich kurvenreich zwischen Steil zum See hin abfallenden Bergen hindurch. Einige Minuten verweilte ich vor der Einfahrt zum Engpass und dachte nach.

Es war schon spät. Einen weitern Wohnort hatte ich nicht ausfindig machen können. Von dem gefundenen Wohnmobil Stellplatz bis hier her war ich über 2 Stunden gerudert. Ich hatte keine Lust ein und die Gleiche Strecke 2 Mal zu rudern.
"Scheiß drauf, ich will da rein. Jetzt oder Nie!" Sagte ich zu mir selbst und steuerte das Boot in den Engpass. Rückenwind trieb mich voran und nach einer knappen Stunde hatte ich die flussartige Passage mit ihren sich links und rechts steil erhebenden Nadelwäldern verlassen und blickte auf einen sich perfekt in die Natur einfügenden Hotelkomplex.

Zoomen wir einmal:

Selbst auf diese Entfernung hörte ich laute Diskomusik herüberwehen. Ich steuerte diesem Komplex entgegen und schon nach kurzer Zeit sah ich sie, die Staumauer des Sees.

Ich hatte das Ende erreicht. Hier würde ich mein Boot verstecken und zu Fuß den Rückweg antreten. Je näher ich der Staumauer kam desto mehr Unrat trieb im Wasser. Kleine Buchten waren hier mit Baumstämmen abgesperrt und hinter diesen Stämmen wurde Treibgut gesammelt.

Ich liebe Flaschenpfand, und das nicht nur weil es mir eine Einnahmequelle ohne Arbeitserlaubnis, Arbeitgeber und bei freier Zeiteinteilung ermöglicht. Zugegeben, das Internet tut das auch, aber Pfandflaschen schreiben keine E Mails. In Kroatien, oder auch in Deutschland würde es eine solche Stelle nicht geben. Und wenn es sie doch geben würde, so gäbe es sicherlich einen Freiwilligen der sich liebend gerne um deren Beseitigung kümmern würde.
Um halb acht liegt das Boot luftentleert hinter der Werbetafel eines Restaurants versteckt und ich wandere über die Staumauer heimwärts. Ein Schild verbietet das Fotografieren. Ich halte mich genauso wenig daran wie alle anderen Touristen die hier von Reisebussen abgesetzt werden um eine Bootsfahrt zu buchen, den Restaurantbesitzer zu bereichern oder eben ein paar Fotos zu knipsen.

In einem weiten Bogen umwandere ich den See. Es wäre entschieden intelligenter gewesen am anderen Seeufer anzulegen. Aber ich musste ja unbedingt bis zur Staumauer. Dafür ist die Aussicht toll.

Mein Kaffe ist alle, meine Frikadellen verspeist, die "neuen" Schuhe passen dann wohl doch nicht so gut, denn ich spüre deutlich wie sich an meinen Füßen Blasen bilden, und zu allem Überfluss setzt auch noch die Dämmerung ein.

Gegen 22 Uhr, ich habe mittlerweile nicht nur Durst und schmerzende Füße sondern auch wirklichen Hunger, passiere ich ein kleines Geschäft. Es verkauft preisgünstige Schokoladenkekse und isotonischen Durstlöscher aus der eigenen Schankanlage. Der halbe Liter für umgerechnet knapp 50 Cent. Nach 2 Bier und einigen Keksen fällt der weitere Weg viel leichter. Um kurz vor 1 in der Nacht erreiche ich meinen Wagen und falle todmüde ins Bett.
Der nächste Tag beginnt für mich so gegen 13 Uhr. Ein Kaffe, eine Runde schwimmen und schnell noch die Klamotten waschen die schon wieder dreckig geworden sind. Dann starte ich den Motor um mein Boot zu bergen. Unterwegs halte ich an 2 Parkplätzen mit Aussichtsplattform um ein wenig zu fotografieren.
Von meinem Parkplatz bis zu meinem Boot zeigt mir mein Tacho eine Distanz von 31 Kilometern an. Noch ca. 3 weitere Kilometer steuere ich mein Wohnmobil an diesem Tag. Serpentinen führen steil bergab und wenige hundert Meter hinter der Abzweigung Richtung Izvorul Muntelui, dem Weg zum Nationalpark, dem Weg um den 1907 Meter hohen Berg "Vf. Ocolasul Mare" zu besteigen, parke ich auf einem Rastplatz mit Picknickbänken.
Augenblicklich ziehe ich los um nach Bicaz zu laufen. Bicaz ist ein reines Touristenkaff. Hotels und Pensionen streiten sich mit Restaurants und Kneipen um einen unbebauten Fleck in Zentrumsnähe.
Prädikat: Nicht sehenswert!
Immerhin hatte ich die bettelnden Straßenkinder und diese aggressiven Penner hinter mir gelassen. Hier kann man sich in Ruhe auf eine Bank setzen und sein Mittagessen zu sich nehmen ohne dabei angebettelt zu werden.

Na ja, fast. Aber der Kollege mit seinen treuen braunen Augen stört mich nicht im Geringsten und ich muss auch nicht mein Bier wegschütten wenn er mal dran probiert. *überleg, nachdenk … ich hatte gar kein Bier. Aber wenn ich eines gehabt hätte.
Am nächsten Morgen taten mir die Füße weh. Die Blasen an meinen Zehen waren geplatzt und schmerzten und auch meine Fußsohle brannte wie Hölle. Es war wohl keine gute Idee die Schuhe mit den durchgelaufenen Sohlen anzuziehen um die 5 Kilometer nach Bicaz zu laufen. Ich tat nichts. Also fast nichts. Ich dachte nach. Ich wollte unbedingt auf diesen Berg. Hatte aber kein Schuhwerk mit dem das möglich gewesen wäre. Was bleibt mir also anderes übrig als irgendwo neue Schuhe zu erwerben? Am späten Nachmittag gehe … äh, humple ich mit Sandalen in den Ort. Es gibt 3 Secound Hand Läden und ich fand 2 weitere Geschäfte welche Schuhe führen. Ich bin hier in den Kaparten, einem überregional bekannten Wandergebiet. Es kann doch nicht sein das keiner von den verdammten Läden einen Schuh im Angebot hat der überknöchelhoch ist. Sagen wir einmal ich hätte Geld wie Heu und wäre bereit für ein solches Paar Schuhe 500 Euro zu bezahlen. HIER kann ich es nicht kaufen. Es gibt hier einfach keine Wanderschuhe. Lackschühchen, diese Hip Hop Skaterlatschen wo man sich Spülschwämme reinklemmen muss damit sie nicht vom Fuß fallen. Ja, so etwas gibt es. Hat ein Kumpel von mir gehabt. Wir müssen so 12 oder 13 Jahre alt gewesen sein und hielten uns in einer Tiefgarage auf. (Es war Winter und in der Tiefgarage war es warm) Irgendwann kam die Polizei und obgleich wir nix böses gemacht hatten sind wir stiften gegangen. Meinen Kumpel haben sie gekriegt. Der hat seine Schuhe verloren weil die Spülschwämmchen raus gefallen sind. Na ja, wir andern haben uns dann auch gestellt, man hält ja schließlich zusammen, und nachdem die Polizei uns 20 Minuten in Gewahrsam nahm um zu überprüfen ob wir irgendwelche Autos zerkratzt hatten ließen sie uns dann wieder laufen. Es wurden noch nicht einmal die Eltern benachrichtigt. Egal, darum geht es ja hier nicht. Aber Hauptsache modische Schuhe, egal wie dämlich die Mode ist.
Am Ende hab ich dann für 5 Euro ein Paar Halbschuhe Größe 46 (normal hab ich 43) aus echtem Froschfotzenleder, also Plastik, gekauft. Hab sie auch gleich angezogen, in den riesen Dingern berühren meine Zehen wenigstens nicht den Schuh und somit tut es auch nicht weh.
Am nächsten Tag zog ich dann ganz enthusiastisch los den Berg zu suchen.
Die wenigen Hundert Meter Hauptstrasse zurück und in der Kehre links Richtung Izvorul Muntelui. Eine schmale Nebenstrasse führt mich meinem Ziel entgegen das schon sehr bald in Sichtweite kommt.

Schon wenige Kilometer weiter eine rot-weiß-rote Banderole um einen Baum. Das Wanderzeichen! Ich biege rechts ab. Eine sehr steile Schotterpiste führt bergan. Schon bald muss ich über die Einzäunung einer Weidefläche klettern.

Das soll richtig sein? Aber da war eindeutig das Wanderzeichen, und einen anderen Weg gibt es hier nicht. Ich gehe weiter und genieße die Aussicht.

Schon bald gabelt sich der Weg und ein neues Wanderzeichen ist nicht Sicht. Ich probiere erst den linken Weg. Er endet nach wenigen hundert Metern im Nirgendwo. Dann eben rechts. Ah, da ist ja auch ein neues Wanderzeichen. Genau so stelle ich mir einen schönen Wanderweg vor.

Leider verlief sich auch dieser Weg im Nirgendwo. Wenige Kilometer weiter hatte ich den Gipfel eines Vorberges erreicht. Es gab weder eine hübsche Aussicht, da ich mich mitten im Wald befand, noch einen Weg der irgendwie weitergeführt hätte. Selbst Quer-Feld-Ein erschien aufgrund der dichten Vegetation aussichtslos. Mir blieb nichts anderes übrig als umzukehren. Und alle die mich jetzt für sau blöde halten, ist das auf dem Baum nicht eindeutig das Wanderzeichen von der Karte?

Wenn das nicht der Wanderweg war, dann muss er halt irgendwo anders sein. Rein optisch führt die Asphaltstraße ohnehin in die richtige Richtung. Langsam aber sicher kommt mein Ziel immer näher.

Eine halbe Stunde später habe ich ihn erreicht, den Eingang zum Nationalpark. Er ist unübersehbar, ein Ausflugslokal, ein Hotel, ein riesiger Parkplatz. Ein Schild warnt in englischer Sprache: "Attentione, vipers. Do not leave the trail!" Auf einem weiteren ist ein Braunbär abgebildet. Verhaltensregeln in Englisch finde ich auf diesem Schild nicht. Ich studiere die aushängende Landkarte. Ich muss dem blauen Strich folgen. Angeblich benötigt man 3 Stunden um auf den Gipfel zu gelangen. Jetzt war es kurz vor 5. 3 Stunden hin und 3 zurück, dann wäre es kurz vor 11. Die knapp 10 Kilometer Asphalt muss ich auch noch laufen. Das macht heute keinen Sinn mehr, da muss ich früher los. Aber mal ein Stückchen gucken gehen, dass könnte ich ja Mal. "Taxa Parcul National Chince Lei!" hält mich eine Stimme auf als ich das Tor passiere durch welches das Wanderzeichen deutet. Eintritt!
Die wollen Eintritt damit ich auf einen Berg wandern darf! "Heute nicht mehr, wollte eh nur mal kurz gucken. Ist schon spät. Ich komme morgen wieder." Erkläre ich dem Parkranger mit Händen und Füßen. Hier spricht jeder englisch, nur nicht die Leute die Eintrittsgelder von Touristen kassieren sollen. Ich kehre um und spaziere noch weitere 300 Meter über die Asphaltstrasse, dann sehe ich das rot-weiße Wanderzeichen. Der Weg geht rechts ab und wenn man sich entscheidet diesen Weg zu gehen ist das betreten des Nationalparks anscheinend umsonst. Zumindest wanderte ich noch eine gute halbe Stunde unbehelligt durch die schattigen Wälder bevor mich ein einsetzendes Gewitter zum umkehren zwang.
Für den Rückweg brauchte ich nur 20 Minuten. Denn als ich wieder den Touristentreffpunkt am Nationalparkeingang erreichte kam ich mit einer österreichischen Familie ins Gespräche welche mit ihrem Defender (kleiner Geländewagen) angereist war. Nach einem kurzen Smaltalk boten mir die 3 eine Mitfahrgelegenheit zu meinem Wagen an. Sie wollten ohnehin in die Stadt um nach einer Bleibe für die Nacht Ausschau zu halten und mein Wohnort lag ja auf dem Weg. Ich bin noch nie Defender gefahren, aber nach Aussage von den Beiden schluckt die Karre um die 12 Liter auf 100 Kilometer. Das Dachzelt dürfte eine Wohnfläche von kaum mehr als 3m³ bieten. Somit braucht der Wagen 4 Liter pro Quadtratmeter Wohnraum. Der Verbraucht liegt also in etwa 4Mal so hoch wie bei meinem Fahrzeug und dabei bietet der Wagen noch nicht einmal Stehhöhe. Schaut lustig aus, ist aber unwirtschaftlich. Am nächsten Morgen schlief ich zu lange um einen neuen Anlauf zu wagen. Es war ohnehin eine gute Idee meinen geschundenen Füßen noch einen Ruhetag zu gönnen. Auf gerader Strecke oder auch Bergauf konnte ich in den neuen Schuhen zwar recht gut laufen, doch beim Bergabgehen, wenn der Fuß in den viel zu weiten Schuhen nach vorne rutscht und die mit Blasen übersäten Zehen gegen das Plastikleder gepresst werden, dann verursacht Laufen doch immer noch Schmerzen.
Am Späten Nachmittag startete ich den Motor und fuhr die 8 Kilometer bis zur Cabana Izvorul Muntelui, die 8 Kilometer bis zum Eingang des Nationalparks. Ich parkte auf dem großen Touristenparkplatz, keine 300 Meter vom offiziellen Campingplatz entfernt. Die freundliche Kellnerin der Cabana meinte das seihe überhaupt gar kein Problem.
Gegen 8 Uhr am Abend ging ich zu Bett. Für den nächsten Tag hatte ich mir viel vorgenommen.

Weiter geht es mit Wanderwegen in Rumänien.

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