Camping und Wandern im Tatragebirge

Vier Tage parke ich mein Wohnmobil nun schon auf einem kleinen Stellplatz in der Nähe der Ortschaft Stary Smokovec, am Fuße des Tatragebirges. Mit Sonnenschein und gutem Wetter hat mich Tatra bisher noch nicht verwöhnt. Aber am Morgen des 27. Dezembers 2013, wie immer an diesem Ort erwachte ich früh durch das Leuten meines Weckers, lagen die Tatra Berge nicht im Nebel verborgen. Herrlicher Sonnenschein bestimmte das Wetterbild und ließ darauf hoffen von den Gipfeln der Hohen Tatra eine tolle Aussicht genießen zu können.
Anders als an den vorangegangenen Tagen schaltete ich meinen Wecker nicht einfach aus und drehte mich noch einmal um. Nein, nach einem Blick aus dem Fenster auf die nebelfreien, im Sonnenlicht daliegenden Gipfel des Tatra, sprang ich aus dem Bett, stürzte einen Kaffe hinunter, schulterte den Rucksack, verließ mein Wohnmobil und machte mich auf den Weg.
Wollt ihr mitkommen??
Leider war der 27. der einzige Tag der mich vorerst, hier am Fuße des Tatra Gebirges, mit Sonnenschein verwöhnen sollte. An den nächsten Tagen wurden die Gipfel der Hohen Tatra wieder durch dichte Nebelschwaden verhüllt.
Am Morgen des 30. weckte mich nicht mein Wecker. Nein, ich wurde durch das Bellen meines Hundes und eigenartige Schaukelbewegungen meines Wohnmobils geweckt. Es muss so gegen 7 Uhr in der Früh gewesen sein als mein Hund plötzlich anschlug und ich bemerkte dass mein Wagen wackelt. Ich war recht verschlafen und noch nicht ganz Herr meiner Sinne, aber als ich die Augen öffnete sah ich ein Gesicht. Ein Gesicht, in meinem Auto!
In meinem Auto haben Gesichter die nicht mir gehören und die ich nicht eingeladen habe nix zu suchen. Wie gesagt, ich war noch recht verschlafen und noch nicht ganz bei mir aber eins steht fest: Wenn du morgens wach wirst und ein Gesicht dich anschaut, dann ist es wohl das Beste du haust dem Gesicht erst mal derbe in die Fresse.

Bild: Blick auf das vernebelte Tatragebirge durch eingeschlagenes Wohnmobilfenster

Dummerweise hatte ich in meinem verschlafenen Zustand nicht realisiert dass das Gesicht das mich da anschaute nicht in, sondern vor meinem Auto war und zwischen meiner Faust und dem Gesicht, das eine Polizeimütze auf dem Kopf trug, befand sich eine Fensterscheibe.
Meine Fensterscheibe! Einstmals ein doppelt verglastes Thermophenfenster.
Ich habe es ausgemessen. Wenn man vor meinem Wohnmobil steht, dann befindet sich das Fenster auf einer Höhe von rund 2,7 Metern. Da kann unter normalen Umständen niemand reinschauen. Das dieses Gesicht mit Polizeimütze es dennoch konnte, das liegt daran das ich den Deckel meines Staukoffers für Brennholz nicht verschlossen hatte und der, zu dem Gesicht gehörende Körper, diesen Staukoffer nun als Leiter verwendete. Deshalb wackelte auch mein Auto als ich so jäh aus dem Schlaf gerissen wurde. Ich öffnete also die Augen und blickte in dieses Gesicht. Ohne zu überlegen setzte ich mich auf und schlug zu; was zur Folge hatte das a) meine Scheibe kaputt ging b) meine Hand kaputt ging und c) der Polizist ohne Benehmen (man klettert halt nicht auf dem Eigentum anderer Leute herum um in deren Fenster zu blicken sondern man klopft mal an) erschrocken von meinem Fahrzeug sprang und wie ein Schwerverbrecher, der Angst vor der Polizei hat in seinen Dienstwagen flüchtete und mit diesem das Weite suchte.
Immerhin hat er mich nicht verhaftet. Die Nacht war gelaufen! Ich wischte das Blut von meiner Hand, betrachtete den Schaden an meinem Fenster, stufte ihn als ireperabel ein und begann meinen Wagen aufzuräumen um diesen Stellplatz zu verlassen.
Ich war gerade dabei die Türe von meinem Brennholzkoffer zu verschließen als ein grüner Landrover auf meinen Stellplatz einbog. Darin ein super wichtiger Parkranger der Kategorie: „Sie können hier nicht parken. Das ist kein Campingplatz. Ich bin wahrscheinlich von dem Polizisten hierher geschickt worden wegen dem sie ihre Fensterscheibe eingeschlagen haben und der sich selbst nicht mehr hier her traut. Verschwinden sie Sofort!“
Ich wollte eh fahren und das tat ich dann auch. Ich hielt mich westwärts, Strbske Pleso entgegen. Ich durchfuhr Tatranska Polianka und parkte wenige Kilometer hinter Vysne Hagy auf einem zugeschneiten Hauptstrassenrastplatz.

Bild: Wohnmobil Stellplatz Tatra, Tatranska Polianka

Dort sollte ich bis zum Morgen des 2. Januars 2014 Ruhe vor der Polizei haben.
Da wieder Nebel aufgezogen war beschloss ich am letzten Tag des Jahres einen kleinen Spaziergang in tieferen Gefilden zu unternehmen. Mein Weg führte mich in die Ortschaft Stola.

Bild: Ortschaft Stola - Tatra

Die Informationstafel, die mich darüber informierte das Stola auf dem Gebiet des Tatra Nationalparkes liegt und seine Geschichte bis auf das Jahr 1330 zurückreicht las ich zwar, viel faszinierender fand ich allerdings die Verhaltensmaßregeln die man im Falle einer Bärenbegegnung beachten sollte.

Bild: Warnhinweis vor Bären im Tatragebirge

Ich übersetze mal: „Im seltenen Fall einer Bärenbegegnung vermeide Augenkontakt und weiche schnell zurück.
Bleibe ruhig, vermeide plötzliche Bewegungen und Gestiken.
Halte dich von Bärenbabys fern, die Mutter ist definitiv in der Nähe“
Jetzt bin ich schlauer! Vor allem weiß ich jetzt dass es hier Bären gibt. Die Rumänen konnten nur Warnschilder aufstellen, Verhaltensregeln hatten sie für den Fall der Fälle keine im Angebot. Mich würde ja interessieren wie die Tiere auf das Blitzlicht eines Fotoapparates reagieren. Ich ärgere mich ja immer noch dass ich kein Foto von meiner Bärenbegegnung habe. Ansonsten erinnert mich das Schild stark an die Verhaltensregeln die man gelegentlich auf den Warnschildern vor Wachhunden lesen kann:
„Warnung vor dem Hunde. Wenn Hund kommt flach auf den Boden legen und auf Hilfe warten. Wenn keine Hilfe kommt – Viel Glück!“
„Warnung vor dem Bär. Wenn Bär kommt schnell wegrennen aber hastige Bewegungen vermeiden!“ ist ähnlich intelligent.
Die Silvesternacht verbrachte ich dann ganz für mich alleine. Versuche um Mitternacht einen Blick auf das Feuerwerk in Poprad zu werfen scheiterten aufgrund von Nebelbänken. Man hörte nur gelegentlich ein dumpfes Knallen.
Da es auch am Neujahrestag Nebelverhangen war folgte ich den Schienen der kleinen Schmalspurbahn nach Strbske Pleso. Ich hätte auch die Hauptstrasse bewandern können, aber auf der Hauptstrasse kommt alle 2 Minuten ein Auto, auf den Gleisen nur alle 20 Minuten ein Zug.
Der Ortskern Strbske Plesos hat diesen Namen im Grunde nicht verdient. Mann findet Bettenburgen, Restaurants, Sportausrüster, (da kann man ein Paar Skier für über 1000 Euro kaufen) Souvenirmärkte mit ganz tollen Dingen wie etwa Kaffeetassen mit dem aufgedruckten Bergpanorama von Strbske Pleso, billige Wanderstöcke mit Taschenlampe, Schaffelle und natürlich die obligatorischen Kühlschrankmagnete. Was man dort nicht findet ist ein Lebensmittelmarkt mit landesüblichen Preisen, ein Haus das so ausschaut als ob es nicht auf dem Reißbrett entworfen worden sei oder einen Menschen der so ausschaut als ob er hier wohnt. Ich schätze dass in Strbske Pleso niemand wohnt. Dort arbeiten nur Menschen in Hotels und Restaurants, in Sportgeschäften und an Souvenirbuden.
Ich machte dass ich Land gewann und errichte bald darauf den Strbske Pleso, den See der dem Ort seinen Namen gegeben hat. Um diese Jahreszeit ist der See von einer geschlossenen Eisdecke bedeckt die tragfähig genug ist das man darauf herumlaufen kann. Der Blick über den See hinweg Richtung Tatragebirge ist auch sehr eindrucksvoll.
Panoramaufnahme Strbske Pleso
Der Blick zurück auf den Ort erinnert mich dann allerdings an die Fernsehsoap „Ein Schloss am Wörtersee“

Bild: See Strbske Pleso - Tatra

Am Morgen des 2. Januars schien die Sonne. Brilliante Sicht auf die Tatraberge hinter mir. Ich stand gerade mit einer Tasse Kaffe vor meinem Wagen und beobachtete die Wetterlage

Bild: Tatra Gebirge bei Strbske Pleso - Tatra

als ein Polizeifahrzeug neben mir hielt.
„Führerschein, Fahrzeugpapiere. Wie lange sind sie schon hier??“
„Ja so 2 oder 3 Tage, hab auf gutes Wetter gewartet. Heute mag ich da auf den Berg wandern.“
„Hier ist kein Campingplatz, hier dürfen sie nicht übernachten!“
„Och?! Nein?! Aber … jetzt mag ich ja nur parken. Ist es ausreichend wenn ich nach meiner Wanderung weiterziehe?“
„Ja!“
Die Bullen zogen Leine und ich sattelte den Rucksack um eine 30 Kilometer Wanderung anzutreten, die mich bei herrlicher Sicht erst hinauf zum 1884 Meter hoch gelegenen Batizovske Pleso und von dort über Sliezky Dom bis hinauf auf den 2200Meter hohen Berg Polsky Hreben führen sollte.
Aber ich schätze da wollt ihr mitkommen.

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Gegen 22 Uhr war ich daheim. An diesem Abend startete ich meinen Motor nicht mehr.
Aber am nächsten Morgen zog ich, wie ich es den Gesetzeshütern versprochen hatte, weiter.
Da alle Zufahrten in den Wald durch verschlossene Schranken verbarrikadiert waren beschloss ich in Höhe von Strabske Pleso links auf die 538 Richtung Poprad abzubiegen um einen Stellplatz einige Kilometer vom touristischen Mainstream entfernt zu finden. Noch 2 oder 3 Kilometer weiter und mein Wagen parkte mitten im Nirgendwo.
Auf in die Stadt! Vielleicht habe ich bei meinem Letzten Besuch ja etwas verpasst? Auf alle Fälle gab es dort ganz viele Wanderschilder die ich mir einmal genauer anschauen wollte.
In Strabske Pleso selbst kann man nicht mit einem Wohnmobil parken. Jede auch noch so kleine Parkfläche ist kostenpflichtig. Diese hier

Bild: Pakplatz in Strbske Pleso - Tatra

kostet für PKW und/oder Mottoräder z.B. 2 Euro/Stunde. Die freundlichen Herren die die Preistafel aufgestellt haben ersparen es dem geplagten Touristen auch zu rechnen. Eine Stunde 2 Euro, 2 Stunden 4 Euro, 3 Stunden 6 Euro. Das kann man auf der Preisauszeichnung lesen. Von 24 Stunden steht dort allerdings nichts.
Na ja, länger als 2 Stunden kann es sich dann wahrscheinlich eh niemand leisten in Strbske Pleso Ski zu fahren.

Bild: Skipiste in Strbske Pleso - Tatra

Das betrachten der Wanderkarten war hingegen kostenlos. Hinter der Skipiste beginnt ein rot markierter Wanderweg. In knapp 3 Stunden soll er einen zu einem Ort Namens Popradske Pleso führen. Dort kann man dann auf einen blau markierten Weg wechseln und gelangt so wieder zurück in den Ort. Eine schöne Tour für den kommenden Tag. Dachte ich!
Auf meinem Rückweg wurde ich dann noch von der Polizei angesaugt. „Hunde gehören an die Leine“ belehrte mich der Unterdrücker meiner Persönlichkeitsentfaltung. „Ja, und deine Frau an die Kette!“ hätte ich fast erwidert aber ich hielt mich bedeckt und leinte mein Tier für geschlagene 3 Minuten an.
Gegen 18 Uhr, ich war gerade dabei einige Pfannkuchen für meine geplante Wanderung zuzubereiten, klopften dann zwei Polizeibeamte an meine Haustüre. Hier könne ich nicht stehen bleiben, hier sei kein Campingplatz. Erklärten sie mir. „Hier gibt es keinen Campingplatz.“ Erwiderte ich. „Doch“ meinte der Polizist „Unten, in der Stadt.“ „Ja, 10 Kilometer von hier.“ „15“ belehrte mich der Staatsdiener. „Ich will morgen da auf den Berg laufen, wenn ich erst 15 Kilometer zum Anfang des Weges laufe, dann kann ich die Tour knicken. Dann muss ich zurückgehen bis ich da bin wo es schön wird.“
„Sie können ja auf dem Campingplatz übernachten und dann morgen früh mit ihrem Wagen kommen. Parken dürfen sie hier, nur nicht übernachten.“
„Klar, hier lebt eh kaum noch ein Baum. Blasen wir noch ein paar mehr Abgase in die Natur. Warum kann ich hier nicht schlafen?? Weil das Hotel dahinten dann nix an mir verdient?? Ist doch bescheuert! Aber ich hab eh die Schnauze voll von Tatra. Muss ich jetzt sofort fahren? In der Dunkelheit? Oder kann ich vielleicht doch eine Nacht hier stehen bleiben?“
Der Polizist schluckte. Wahrscheinlich musste er mir ganz klammheimlich Recht geben. Jedenfalls durfte ich über Nacht bleiben und am nächsten Morgen startete ich meinen Motor und fuhr nach Poprad.
Dort parkte ich nicht auf dem Campingplatz sondern auf dem Privatgelände von Kaufland.

Bild: Wohnmobil Stellplatz Poprad - Tatra

Zwei Nächte blieb ich diesem Parkplatz treu. 2 Tage schlenderte ich durch die Gassen von Poprad ohne irgendetwas erlebt zu haben von dem es sich zu berichten lohnen würde. Das Highlite von Poprad ist dort auf dem Schild an der Laterne ausgeschildert.

Bild: Stadtzentrum Poprad

Gratis Internet! Aber ich hätte sicher auch ohne diesen Hinweis irgendwo einen Zugang gefunden.
Am Morgen des 7. Januars verließ ich Poprad. Es hatte sich Besuch angesagt und da dieser Besuch kein gesteigertes Interesse hatte mit der Polizeigewalt in Kontakt zu kommen musste ich einen richtigen Campingplatz auftreiben auf den ich eingeladen werden sollte. Aber wie finde ich hier einen Campingplatz? Ich bin an 2 oder 3 vorbeigefahren, aber die hatten alle geschlossen. Na ja, wird schon nicht so schwer sein schließlich gibt es hier Internet.
„Campingplatz Hohe Tatra Slowakei“ fütterte ich eine Suchmaschine mit zwei O. Super, gleich das erste Ergebnis ein tolles Verzeichnis. Unten auf der Seite so eine Karte das man gleich sieht wo die Plätze sind. Toll gemacht. Ich klicke auf den nächstliegenden Platz um weitere Informationen zu erhalten und wechsele von dort auf die Seite des Anbieters:

Prices per day:
Person 90,- Sk
Child 50,- Sk ... und so weiter und so weiter.

Wollen die mich verarschen?? Wat is den Sk für ne Währung?? Hier zahlt man in Euro und 50 Euro für ein Kind, das können die doch nicht meinen, oder?
Der Zweite Campingplatz den ich mir anschaue hat gar keine Webseite. Nur ne Telefonnummer. Klar, ich kauf mir jetzt ein Telefon damit ich mein Wohnmobil gesetzeskonform parken kann. Oder ich fahre einfach mal vorbei und lasse noch ein Paar Bäume sterben.
Auch die Informationen die ich zu Platz 3 und Platz 4 erhalte sind so minderwertig das ich hoffe das jeder Verständnis dafür hat das ich die Seite rentocamp.de nicht verlinke. Auch Suchergebnis 2, 3 und 4 helfen mir nicht weiter und ich frage mich ob es so schwer ist ein Verzeichnis mit Campingplätzen zu erstellen dem man a) eine Ortsangabe entnehmen kann b) Preisangaben in einer gültigen Währung findet c) eine Info ob das Ding überhaupt geöffnet hat angegeben ist und d) eine Information darüber niedergeschrieben ist ob Hunde erlaubt sind oder ob nicht. Die einzige Information die ich dem Internet entlocken kann ist die das ich auf dem Weg nach Tatranska Lomnica 4 Campingplätze passiere.
Auf geht’s!
Platz 1 und Platz 2 haben um diese Jahreszeit geschlossen. Platz Nummer 3 ist zwar auf der Karte verzeichnet, lässt sich im realen Leben aber nicht finden. Nummer vier im Bunde war der drei Sterne Campingplatz „Intercamp Tatranec“ rund 2 Kilometer vom Stadtzentrum Tatranska Lomnica entfernt.
Ich parkte am rechten Fahrbahnrand und ging den Platz zu Fuß suchen. Das war auch nicht sehr schwer, schließlich ist er ausgeschildert. Die Türe zur Rezeption war nicht verschlossen, allerdings war auch niemand anzutreffen. Ich wartete eine Weile. Dann kam eine junge Frau.
„Excuse me, you speack german or englisch?“ Die Frau sprach Deutsch und ich erklärte dass ich für zwei oder drei Tage Stellplätze für 2 Wohnmobile, einen Hund und 3 Personen benötige. „Ja, kein Problem. Wir haben geöffnet.“ Ich bekam die Preisliste gezeigt. Der Stellplatz für ein Wohnmobil kostet 3,5Euro. Das finde ich jetzt OK! Dummerweise kommt so ein Wohnmobil selten alleine. Da sitzt meistens auch noch ein Fahrer drin und der muss, weil er ja die grüne Wiese des Platzes niedertrampelt, noch einmal 3,5 Euro bezahlen. Hm! Ein Hund ist leichter, der schadet dem Rasen weniger. Deshalb kostet er nur 2 Euro. Wären wir bei 9 Euro pro Nacht für Mensch, Hund und Auto. 9 Euro Schutzgebühr vor der Polizei. Aber jetzt kommt der Hammer. Um legal in seinem Eigentum schlafen zu dürfen muss man noch einmal einen Euro Kurtaxe bezahlen. Kurtaxe, also Atemluftsteuer. Wahrscheinlich wird dieses Geld dazu verwendet die Polizeigehälter zu bezahlen. Ich weiß es aber nicht, ich vermute nur.
Würde ich mir an jedem Ort den ich besuche einen Campingplatz suchen müssen, ich hätte die Freude an meinem Wohnmobil schon lange verloren. Der Stress den Platz zu suchen und dann die Kosten. Für 15 Euro bekomme ich auch ein billiges Zimmer und da brauch ich mein WC nicht selber putzen. Außerdem verbraucht so ein PKW ja auch viel weniger Kraftstoff bei der Anreise.
Ach so, wer in den Genuss einer Steckdose kommen möchte, der muss noch einmal 3,5 Euro bezahlen.
Am nächsten Tag war dann warten angesagt. Holger kam mit seiner Freundin so gegen 19 Uhr am Abend an. Er ist die Strecke Deutschland – Slowakei nonstop durchgefahren. Hier sitzen wir gemeinsam in Holgers Bürstner und frühstücken Wiener Würstchen mit Brot und Eiern.

Bild: Bürstner Wohnmobil Innen

Holger kennt ihr jetzt nicht. Aber ich hab schon so einige Mails mit ihm hin- und hergeschrieben. Es ist schon eine ganze Weile her dass er mich wegen einer Werbekooperation kontaktierte. Wir schrieben damals ein wenig hin und her, wurden uns einig und seit dem gibt es auf meiner Homepage Werbebanner für den Stellplatz-Blume.
Eigentlich hat Holger mit dem Stellplatz gar nix zu tun. Er gehört einem alten Mann der seine Rente aufbessern will und Holger ist mit diesem Mann befreundet und hatte die Idee mich mal zu fragen. Bereits 2 Kunden habe ich Holgers Freund vermittelt wie er mich wissen läst. Das freut mich natürlich, den nur zufriedene Werbekunden sind treue Werbekunden und Werbekunden tragen dazu bei das ich meine nächste Tankrechnung begleichen kann.
Jetzt war ich aber erst einmal eingeladen.
Nach einem kurzen „Hallo“ starten wir die Motoren und fahren hinab zu dem Campingplatz. Der Platz ist riesig. Mindesten 100 Wohnmobile können hier parken aber derzeit sind wir die einzigen Gäste und werden von dem Platzbetreiber direkt vor sein Hotel gelotzt. Mir wäre ein abgelegner Stellplatz irgendwo am Ende des Geländes ja lieber gewesen, aber na ja.
Einer meiner ersten Amtshandlungen ist das Ausrollen der Kabeltrommel. Strom! Jetzt weiß ich auch warum ich Kurtaxe bezahlen muss. Meine Versorgerbatterie geht in Kur! Eine „RichtigVollladenKur!“
Als ich in Deutschland mal Strom von einem Wohnmobilstellplatz benutzen wollte, da fehlte mir dieser eigenartige blaue Adapter und ich habe die Kabel einfach vom Stecker abgeschraubt und lose in die Steckdose gesteckt. Jetzt dachte ich immer diese blauen Stecker seien das Standartsystem für Campingplätze und wenn man so einen Stecker besitzt, dann könnte man problemlos auf jedem Stellplatz bzw. Campingplatz in den Genuß von Landstrom kommen. Gut dass ich mir nie so einen blöden Stecker gekauft habe denn hier gibt es ganz gewöhnliche Steckdosen. Allerdings gewöhnliche slowakische Steckdosen und in die passt kein deutscher Stecker. Aber was solls? Mann kann den Stecker ja abschrauben und die Kabel lose in die Dose stecken. Die paar Watt die mein Ladegerät zieht, da geht das schon.
Kaum hab ich mich verkabelt werde ich zum Essen eingeladen. 5 Euro kostet ein Essen in der Campingplatzeigenen Gaststätte. Die Auswahl an Gerichten ist genauso klein wie die Portionen, aber was will man für 5 Euro inkl. Vorsuppe auch erwarten. Lecker war es. Anschließend machen wir es uns bei echtem Altbier, das Holger für mich importiert hatte, in meinem Bus gemütlich.

Bild: Selbstbau Wohnmobil Innen

Der Folgetag verlief ähnlich. Frühstücken bei Holger, dann Kaffeetrinken in der wunderbaren Wintersonne vor den Fahrzeugen, dann mal durch den Ort schlendern, in einer Kneipe ein Bier trinken weil uns kalt geworden ist, am Abend wieder Essen auf dem Camping und dann Party in meinem Truck.
Am frühen Nachmittag des 1. Januars wurde ich dann auch schon wieder verlassen. Holger musste zurück nach Deutschland, die Arbeit ruft. Und was tat ich??

Bild: Wanderrucksack

Richtig! Ich packte meinen Rucksack. Ich hatte mit den Campingplatzbetreibern gesprochen. Ein Stellplatz für ein Wohnmobil kostet 3,5Euro/Tag und wenn weder Fahrer noch Hund anwesend sind und man das Kabel aus der Steckdose zieht, dann bleibt es auch dabei. 3,5 Euro pro Tag, das ist zwar viel Geld, aber es war es mir wert. Auf ins Tatragebirge, auf in die Einsamkeit der Natur. Nur ich, mein Hund, der Rucksack und Nächte mit -13 Grad.
Ja, es war so schönes Wetter, doch just in der Nacht vom 10. auf den 11. Januar 2014 gab es einen Wetterumschwung so dass ich am Morgen bei diesiger Sicht, eisiger Kälte und einigen Zentimetern frischem Neuschnee losziehen musste.

Bild: Wanderung Tatra, Aufbruch

Aber ich war fest entschlossen. Ich hatte mir vorgenommen den grün markierten Weg bis zur Seilbahnstation Stanica Start emporzusteigen und von dort weiter bis hinauf zum Skalnate Pleso. Dort wollte ich auf den roten Weg wechseln und mich über den 2038 Meter hohen Velka Svist Ovka bis nach Kopske sedlo vorkämpfen. Dort wollte ich abermals den Weg wechseln um Richtung Tatranska Javorina weiterzugehen. Einige Kilometer vor diesem Ort wollte ich links auf einen grünen Weg abbiegen und bis zum Sedlo Sedielko aufsteigen um von dort über die Teryho chata den Rückweg zu meinem Wagen anzutreten.
Aber ich schätze ihr wollt mitkommen :-)

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Als ich nach 3 Tagen mein Auto erreiche ist das Wasser im Hundenapf genauso steif gefroren wie das in meinem Wassertank. Ich heize ein, schmeiße den Rucksack in die Ecke, esse etwas Vernünftiges und dann, als es schön warm in meinem Wagen ist, lege ich mich pennen.
Ist es schön ein Wohnmobil zu haben! Eine Heizung, eine weiche Matratze, kein Wind der einem um die Ohren weht, keine Schneeflocken die einem ins Gesichtfallen, WARM, hatte ich das schon erwähnt? Ja, warm! Mann kann nach Einbruch der Dunkelheit einfach eine Lampe anschalten und wenn man mal pinkeln muss, dann kann man das tun ohne den gefrorenen Urinstrahl vorne abbrechen zu müssen. Oh ja, so ein Wohnmobil ist warm. Aber ich glaube das hatte ich schon erwähnt.
Um 9 Uhr weckt mich mein Wecker. Noch parkt mein Wohnmobil auf einem Campingplatz und ich weiß nicht bis wie viel Uhr ich abgereist sein muss damit die mir nicht noch einen Tag mehr berechnen. Doch die Rezeption des Platzes ist geschlossen. Kein Mensch weit und breit zu sehen. Ich versuche es noch einmal um 10, dann um halb 11. Um 11 beschließe ich dass ich um 12 Uhr fahre wenn bis dahin niemand auftaucht. Aber es tauchte jemand auf. 3 Tage a 3,5 Euro und ein Tag a 10 Euro berechnen mir die Lumpen. Wäre ich doch abgehauen. Ich wollte ja gleich am Vorabend gefahren sein, aber da war hier auch kein Mensch zum bezahlen.
Bei leichtem Schneefall steuere ich der polnischen Grenze entgegen. Ich halte Ausschau nach so etwas wie einem Stellplatz, eine Parkfläche wo ich in Ruhe den Rucksack auspacken kann und vielleicht schon einmal beginnen könnte das ein oder andere Foto für meinen späteren Bericht zu sortieren. Doch einen solchen Parkplatz finde ich nicht.
Nach ca. 1 Stunde Fahrt sehe ich ein Schild: „Polen 1km“ steht darauf geschrieben. Ich wende mein Fahrzeug und parke kurze Zeit später auf dem Parkplatz einer wegen Schneemangel geschlossenen Skiliftanlage im „Zentrum“ der Ortschaft Tatranska Javorina. Viel tue ich an diesem Tag nicht mehr. Um ehrlich zu sein, ich tue gar nix. Mir tut mein Arsch weh.
Am nächsten Tag räume ich den Rucksack aus und hänge den ganzen Plunder zum trocknen in mein Auto. Jetzt herrscht Chaos im Fahrzeug und ich tue gut daran den Wagen zu verlassen.

Bild: Tatragebirge bei Tatranska Javorina

Eine gute Idee, denn das Wetter ist schön und so ohne diesen schweren Rucksack macht Laufen auch viel mehr Freude.
Am Abend, eigentlich wollte ich nur noch mal kurz mit Scheki vor die Türe, treffe ich dann auf eine Gruppe junger Menschen. Begleitet werden sie von einem quirligen Foxterrierverschnitt der sich mit Scheki anfreundet und so kommen wir ins Gespräch. Gemeinsam gehen wir eine Hunderunde und dann werde ich in das Institut für Hochgebirgsbiologie der Universität Zilina eingeladen.
Meine neuen Freunde, die hier WG ähnlich in einem komfortablen Haus untergebracht sind, sind allesamt Doktoren und Professoren. Sie Unterrichten Hochgebirgsbiologie. Darunter kann ich mir jetzt recht wenig vorstellen deswegen frage ich nach. Heute, so antwortet mir meine Gesprächspartnerin, habe sie über Schafsrassen unterrichtet. Herkunft, Zucht usw. Aber hier würden auch Forschungsarbeiten durchgeführt.
Forschungsarbeiten zum Thema Schafsrassen – A Ha!
Jetzt bin ich ein sehr einfach gestrickter und dabei auch noch sehr praktisch veranlagter Mensch und so gebe ich mich mit dieser Antwort nicht zufrieden.
„Und was ist so ein praktisch anwendbares Resultat das ihr hier so hervorgebracht habt?“ Hier ist doch kein Mensch über 30. Das sind doch keine Forscher sondern ein paar junge Leute die hier mit einem Bier beisammen sitzen und die Musik vielleicht ein kleines wenig über Zimmerlautstärke aufgedreht haben.
„Praktisches Ergebnis?! Nö, wir beschreiben nur ganz viel Papier.“ Antwortet die Frau und prostet mir zu.
Auf einem Laptop mit Surfstik zeige ich einige Fotos meiner Reise. „Was zahlt ihr für das mobile Internet??“ „Das hier kostet 10 Euro im Monat und ich hab 3GB Datenvolumen.“ Erhalte ich als Antwort. „Ja, so was brauch ich auch, ist gar nicht so teuer. Hab mich in Ungarn schon erkundet, da war das auch nicht teurer. In Rumänien hatte ich es eine Zeit lang. Aber man muss ja immer so einen neuen Surfstik kaufen weil die blöden Dinger nen SIM lock haben und das ist dann doch teuer wenn man es in jedem Land neu kaufen muss.“
„Kannste doch entsperren!“ „Ja, irgendwie an so einem Laden, kostet auch wieder Geld. Muss ich mich mal schlau machen.“ „Quatsch Laden! Haste das Ding hier? Geb mal her ich entsperre es dir.“ „Liegt im Wagen, aber ich kann es rasch hohlen.“ „Ja, mach mal und bring deinen Rechner mit damit wir es gleich ausprobieren können.“
In Begleitung von 3 Leuten, die alle mal das Innenleben meines Fahrzeugs in live gucken wollten, ging ich also meinen alten, rumänischen Surfstick hohlen. Zurück im Institut für Hochgebirgsbiologie der Universität Zilina wurde dann die Webseite http://a-zgsm.com/freecode/ auf dem Rechner meiner Freunde aufgerufen. In das Eingabefeld auf der Seite schrieben die schlauen Professoren eine Zahlenkombination die hinter der Buchstabenkombination „IMEI“ auf meinen Surfstick aufgedruckt war. Dann drückten sie auf „Calculator“. Anschließend legten sie ihre SIM Karte in mein Gerät, ich verband es mit meinem Laptop und schaltete diesen ein. Ein Fenster sprang auf als der Bootvorgang abgeschlossen war. „Entsperrcode eingeben!“ Jetzt übertrugen die schlauen Leute die Zahlenkombination, die die Webseite errechnet hatte, in das Eingabefeld meiner Software und drückten auf OK. 10 Sekunden später war mein, mit einem rumänischen Surfstick ausgerüsteter Computer, mit einer slowakischen SIM Karte online. Ich staunte nicht schlecht, das hatte keine 5 Minuten gedauert!
Bis kurz vor Mitternacht saßen wir beisammen, dann war Abschiednehmen angesagt.
Am 16. machte ich mich auf einmal zu schauen wie der Grenzübergang ausschaut. Aber zwischen der Slowakei und Polen gibt es keinen Grenzübergang. Nur ein Schild „Willkommen in Polen“ und eine Überwachungskammara die wohl irgendwie den Transitverkehr zwischen den Ländern elektronisch überwacht.
Am 17. startete ich dann den Motor um die Slowakei zu verlassen.

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Bild: Danke








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