Wohnmobil Reiseberichte Türkei

Wohnmobil Reisebericht Türkei

Ich sitze auf einer Bank in Istanbul und schaue über den Bosporus nach Asien. Bosporus! Asien! Das hört sich alles so verdammt weit weg an und doch ist es in greifbarer Nähe. Wenn ich das Steinchen vor mir aufhebe und kräftig nach vorne schleudere, dann werfe ich es hinein in den Bosporus, hinein in den Kanal der das Schwarze Meer mit dem Rest der Welt verbindet, hinein in den Kanal der Europa von Asien trennt. Asien! Vor 2 Tagen war ich noch in Griechenland, konnte mit meinem Euro bezahlen und nun, nun trennt mich nur noch ein kräftiger Steinwurf von Asien. Als ich Anfang 2007 zu dieser Reise aufbrach hätte ich selbst nicht daran geglaubt, dass ich es so weit schaffen würde. Ich hätte nicht gedacht dass mein mittlerweile 26 Jahre alter Wagen die Strecke mehr oder weniger problemlos bewältigt, hätte noch nicht einmal gedacht das ich mit dem mir zur Verfügung stehenden Kapital Kroatien erreichen werde. Jetzt sitze ich hier und blicke auf Asien. Wow! Zugegeben, Istanbul klingt weit weniger spektakulär als Asien. Ich bin nicht in China oder Pakistan ich bin „bloß“ in Istanbul. Und dennoch, da drüben, da drüben ist Asien. Das rote Auto am anderen Ufer, es fährt nicht in Europa. Es fährt auf einem anderen Kontinent. Vor 2 Tagen bin ich in die Türkei eingereist. Der Grenzübertritt war bürokratisch, aber problemlos. Das Erste, was ich hinter der griechischen Zollstation sah, war eine Tankstelle. Ein großes Schild suggerierte: „Duty Free“. Der Preis für Diesel betrug 70 Cent und ich hatte in Griechenland voll getankt: für 1,16 Euro! Dann folgten wenige km Niemandsland. Eine gute Asphaltstrasse führte über ein Sumpfgebiet. Links und rechts dieser Strasse standen im regelmäßigen Abstand schwer bewaffnete Soldaten. Dann erreichte ich das erste türkische Zollhaus. Papiere wurden kontrolliert, ich bekam einen Stempel in den Pass, der Zöllner hieß mich freundlich in seinem Land willkommen und ich durfte weiterfahren. Dann der zweite Checkpoint. Erneute Ausweiskontrolle, ein Blick ins Fahrzeuginnere und ich durfte weiterfahren. An der dritten türkischen Zollstation wurde ich auf eine Parkfläche gelotst. Rund 20 Minuten Wartezeit, ein weiterer Stempel und türkische Strassen lagen vor mir.

Rund 3 Stunden fuhr ich Istanbul entgegen. Vorbei an Malkara und Tekirdag. Vorbei an ungezählten Ortschaften, Polizeifahrzeugen und roten Fahnen auf welchen der türkische Halbmond mit dem sich darin befindenden Stern abgebildet ist. Die Straßenbeschaffenheit ist gut! Hier und da gerate ich in einen Militärkonvoi und warte mit Zivilfahrzeugen zwischen Panzern und anderem Kriegsgerät auf Grünlicht.

In einer kleinen Ortschaft verbringe ich die Nacht. Ein schmaler Weg führt mich in eine Sackgasse. Rechts von mir das Meer und links von mir eine Felswand. Um mich herum Abfälle der menschlichen Zivilisation. Anscheinend wird dieser abgelegene Weg zur Müllentsorgung genutzt. Ich schnappe mir meine Hunde und gehe in den Ort. Aus den Schornsteinen quillt tiefschwarzer Rauch, es riecht nach verbranntem Gummi. Ein Mann kommt mir entgegen, er deutet auf meine Tiere und beginnt ein Gespräch. „Sorry Tourist, you speack German or English? Deutsch oder Englisch?“ 3 Worte Deutsch meines Gegenübers ermöglichen ein notdürftiges Gespräch. Fazit: Ich habe schöne und liebe Hunde. Ich bin überrascht. Ich hatte wirklich Angst mit meinen Tieren in die Türkei einzureisen. Zu viele schlechte Erfahrungen hatte ich mit Türken in meinem Heimatland gemacht. Ein Hund sei unrein, das stehe im Koran. So ihre Aussage. Ihr Verhalten: Äußerst unfreundlich bis aggressiv. Doch der erste Mensch, den ich hier treffe, krault meine Tiere, gibt ihnen Küsschen und freut sich darüber wie lieb die sind. Das hätte ich nicht erwartet. Ich gehe weiter. Das Kreditinstitut bei dem ich Geld wechseln möchte hatte bereits geschlossen. Dafür treffe ich einige Hunde und ihre Halter. Während wir Menschen versuchen uns mit Händen und Füssen zu verständigen widmen sich unsere Tiere einem ausgelassenen Spiel auf dem Dorfplatz. Niemand nimmt Anstoß daran. Gut dass ich hergefahren bin um meine Vorurteile durch Erfahrungen zu revidieren.
Am nächsten Morgen ging ich Geld wechseln für 100 Euro erhielt ich 204,3 türkische Lira (kurz TL). Die Strasse über die ich gestern hergefahren bin, war heute durch Marktstände versperrt. Ich verschaffte mir einen ersten Überblick über die Preise. 15 Eier = 3 türkische Lira, 1kg Äpfel oder Möhren = 1TL, 5 Kilo Kartoffeln 3 TL, ein Brot ab 50 Kursu, einem halben türkischen Lira. Weichkäse ab 7 TL pro Kilogramm. Hosen, Hemden, Socken – es ist Markt, und wie in Albanien kann man hier auf dem Markt einfach alles kaufen. Ich erkunde eine Umgehungsstrasse und starte am frühen Nachmittag den Motor.
Auf der Strasse, die auf meiner Karte als Autobahn eingezeichnet ist, trifft man nicht nur Fußgänger und Fahrradfahrer, sondern auch Ochsenkarren und Pferdefuhrwerke. Fahrbahn und Gegenfahrbahn werden nicht durch eine Leitplanke voneinander getrennt sondern durch einen betonierten Graben welcher sich bei Regenwetter sicherlich in einen Fluss verwandelt. Kurz vor Istanbul ändert sich das Straßenbild. Plötzlich gibt es wieder Fahrbahnmarkierungen und Leitplanken. Eselskarren und Radfahrer sind von der Strasse verbannt und nur noch gelegentlich überqueren Fußgänger den Highway und klettern in abenteuerlichen Aktionen über die Mittelleitplanke. Kurz darauf erreiche ich die erste Mautstation. Die Beschilderung dazu konnte ich nicht lesen und zum Wenden war es nun zu spät. Die Strasse teilte sich in gut ein Dutzend Fahrspuren an deren Enden Kassenhäuschen standen. Davor eine Maschine an der man sich sein Ticket ziehen konnte.

Die Kassenhäuschen waren nicht besetzt. Ich drückte auf einen der Knöpfe um, genau wie mein Vordermann, so einen Zettel zu erhalten. Doch nichts tat sich. Hinter mir setzte ein Hupkonzert ein. Ich drückte auf einen weiteren Knopf. Nichts! Jetzt wurde das Hupen von lautem Fluchen unterstrichen. Hecktisch drückte ich auf alle am Gerät angebrachten Knöpfe und Schalter – nichts geschah! Also entschloss ich mich nicht mehr auf Knöpfe sondern auf mein Gaspedal zu drücken. Ich hatte schon einmal eine mautpflichtige Autobahn befahren ohne dieses Papier zu besitzen. Vor vielen Jahren, irgendwo in Südfrankreich oder gar schon in Spanien? Genau wie damals sorgte ich dafür dass sich in meiner Geldbörse nichts Bares befand. Alle Scheine räumte ich heraus und auch das Kleingeldfach wurde bis auf ein 2 Euro Stück und einige 10 und 20 Cent Stücke gelehrt. 10 oder 15 Kilometer weiter dann die „Abfahrt“. Eigentlich handelte es sich nicht um eine Abfahrt, es handelte sich lediglich um das Ende des mautpflichtigen Autobahnteils. Wieder teilten sich die Fahrspuren, diesmal waren die Kassenhäuschen besetzt. Der Mitarbeiter wollte mein Papierchen sehen und ich zuckte mit den Schultern: „Maschin diden´t work, everybody gave sound signal, so I drive!“ „5 Euro“ erhielt ich als Antwort. Ich zeigte mein leeres Portemonnaie, kippte die verbliebenen Münzen in meine Handfläche und übereichte voller Stolz meine EC Karte. Der Kassierer gab sich mit den Münzen zufrieden, warf diese in ein Döschen und ich durfte weiterfahren. Ich bin mir ziemlich sicher, dass 5 Euro sein selbst ausgedachtes Bestechungsgeld waren um mich durchzulassen. Wie es in südlichen Ländern üblich ist habe ich nur ein bisschen gehandelt. Abermals einige km weiter wurde erneut eine Mautstation angekündigt. Diesmal war ich schlauer und konnte die Schilder deuten. Noch rechtzeitig verließ ich die Autobahn. Glück gehabt, ich erwischte die letzte Ausfahrt vor der Bosporusbrücke. Nach einer kurzen Irrfahrt durch die überfüllte Stadt fand ich einen recht hübschen Parkplatz genau unter dieser Brücke.
Weiter geht es mit meinen Berichten aus Istanbul.

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Bei dem hoffentlich bald werdenden Fahrzeugbewohner von "mein-haus-hat-raeder" für die Verlinkung meiner Reiseberichte aus seiner Blogroll. Herzlichen Dank und gutes Gelingen beim Ausbau.


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