Sind Türken Hundefeindlich? - Mein Reisebericht Istanbul3

Aufgrund einer durchgemachten Nacht war ich am morgen des 31.3 früh auf den Beinen. Mein Weg führte mich über die Märkte vorbei an Grand Bazar ins Zentrum der alten Stadt. Hier durften sich erst einmal meine Hunde nach Herzenslust austoben.

Kurze Zeit später erreichte ich die Küste des Marmarameeres und blickte auf die Schiffe, die darauf warteten den Bosporus passieren zu dürfen.

Ich kletterte über die Steine der Uferbefestigung und gelangte zu einer abgelegenen Stelle mit einer glatten Betonplattform auf welcher ich einige Stunden schlief. Anschließend folgte ich weiter der Küste um dann irgendwo links abzubiegen. In einem Supermarkt kaufte ich eine Flasche Cola (2,5Liter=0,99Lira) und zwei dem bekannten Twix ähnelnde Schokoriegel für je 0,25 Lire. Einen aß ich sofort, den zweiten steckte ich in die Netztasche meines Rucksacks um ihn an einer schöneren Stelle zu verzehren. Gegen 4 Uhr erreichte ich die alte Stadtmauer.

Dieses doppelwandige Bauwerk ist mit Erdreich aufgefüllt, parkartig angelegt und auf kleinen Teilstücken zu begehen. Genau der richtige Platz um meine Hunde spielen zu lassen und selber noch mal ein wenig zu dösen. Leider wurde meine Ruhepause von einer Gruppe Kindern unterbrochen die sich mit meinen Tieren anfreundeten. Auf Grund von fehlenden Verständigungsmöglichkeiten weiß ich nicht so genau was die Jungs alles von mir wissen wollten, aber ich hab ihnen erzählt, dass die Hunde ganz lieb sind, sie sie ruhig streicheln können und dass ich sie aus Griechenland mitgebracht habe. Irgendwann bin ich die kleinen Quälgeister dann losgeworden. Ich setze mich hin und wollte meinen Schokoriegel verspeisen. Aber wo ist er hin? Entweder ich habe ihn verloren, was ich mir nicht vorstellen kann oder diese kleinen Gangster haben mich beklaut. Das sind sie die Bösewichte!

Kann man ihnen das übel nehmen? Guten Appetit Jungs, ich kauf mir `nen Neuen. Dennoch, wenn ich euch erwischt hätte, hätte ich euch den Arsch versohlt und zwar gehörig!
Außer Moscheen gibt es hier auch noch Kirchen und zwar gar nicht so wenig. Die müssen noch aus der Zeit stammen als Istanbul zu Griechenland gehörte. Einige habe ich für euch fotografiert.

Eine sehr schöne Aussicht über die Stadt hat man von hier:

Auch in der Nacht zum 3. April habe ich nicht geschlafen. Grundsätzlich bin ich schon fast froh nicht dauernd Internet in meinem Wagen zu haben, es verursacht Schlafstörungen. An diesem Tag beschloss ich, in eine andere Richtung spazieren zu gehen. Als erstes besichtigte ich einen Flohmarkt. Türkischer Flohmarkt ist so ähnlich wie deutscher Sperrmüll, nur dass man bezahlen muss. Anschließend traf ich eine ältere Frau in einer mir bis dato unbekannten Parkanlage. Sie stritt sich gerade lautstark mit einem Mann als meine Hunde von den im Park lebenden Artgenossen kräftig verbellt wurden und sie diesen zur Hilfe eilte. Schnell kam ich mit der tierlieben Dame, die ein sehr gutes English sprach, ins Gespräch. Sie gab mir die Internetadresse eines Istanbuler Tierheimes da ich ihr erzählte in Griechenland in einer solchen Einrichtung gearbeitet zu haben. Nach rund zwei Stunden Smalltalk verabschiedeten wir uns voneinander. Ich folgte dem Weg in der Parkanlage und erreichte diesen Platz.

Dort saßen einige Studenten, eine junge Frau hatte, genau wie ich, einen Hund dabei. Ich erzählte von meiner Reise und dieser HP, schwups holte sie ihr W-Lan fähiges Mobiletelefon aus der Tasche, wählte sich in das Netzwerk Guest ein, und ich beschäftigte mich stundenlang damit den jungen Leuten Bilder dieser HP zu zeigen und die dazugehörigen Geschichten zu erzählen. Irgendwann versagte der Akku des Gerätes und wir verabschiedeten uns voneinander. Ich machte die große Parkanlage unsicher über welche eine Seilbahn führt.

In diesem Park lebt ein gutes Dutzend Straßen- oder besser gesagt Parkhunde. Der Kunststoffohring, den hier so gut wie jeder Wildhund trägt, bedeutet dass er bereits kastriert wurde. Jungs bekommen einen gelben, Mädchen einen roten „Ring“, erzählten mir die Studenten. In einem abgelegenen Teil des Parks besitzt jedes Tier seine eigene Hütte.

Später wanderte ich noch ein Stück entlang des Bosporus. Hier noch ein Bild von einer „Schießbude“ und einige andere.

Am Ende des Tages besuchte ich noch den Park in welchem sich das Antike Museum befindet.

Am Morgen des 4. April schlafe ich aus. Es ist Ostern, da darf man das. Ich beschließe noch einmal Richtung Grand Bazar und Blaue Moschee zu laufen. Beim überqueren der Galata Brücke werde ich angesprochen. Mein Gesprächspartner kann deutsch. Wie eigentlich immer sind die Hunde Gesprächsthema. Und wie eigentlich fast immer hier in der Türkei wechselt mein Gegenüber nach einigen Minuten Smalltalk auf den geschäftlichen Teil. Ob ich nicht `nen Stadtplan bräuchte. Ich lehne ab und lüge, dass es mein letzter Tag sei. Mein neuer Freund versteht die Situation und kommt wieder auf nicht geschäftliches zu sprechen. Frau, Kinder, die politische Lage in Deutschland. Ich gestehe nicht mitreden zu können weil ich seit 3 Jahren nicht mehr da war. Wir unterhalten uns über das Reisen. Irgendwann werde ich gefragt ob ich ihm nicht einen Gefallen tun könnte. So viele Touristen hätten seine Landkarten in Euromünzen bezahlt. Die könne er ja nirgendwo umtauschen. Münzen werden von den Wechselstuben ja nicht akzeptiert. Ob ich ihm nicht 50 Euro in 100 Lira wechseln könnte. Da mir der Kerl recht sympathisch war und ich sein Anliegen verstand willigte ich ein. Deutlich nachvollziehbar zählte er das Kleingeld. 50 Euro. Daran bestand kein Zweifel. Ich steckte die Münzen in meine Tasche und gab ihm eine 100 Lire Note. Wir quatschten noch einige Minuten bevor wir uns voneinander verabschiedeten. Ich ging weiter. Keine 2 Minuten später wollte mir jemand einen Stadtplan andrehen. Ich lehnte ab. Er fragte ob ich Ihm nicht einen Gefallen tun könnte indem ich ihm 50 Euro wechselte. Ich wurde misstrauisch, machte mich ohne viele Worte davon und zählte die Münzen. 22 Euro, der Drecksack hat mich beschissen. Von wegen Freund und Gefallen. Ein Verbrecher, ein elender Lump. Zornig und mit hochrotem Kopf ging ich zurück. Da stand er mein Freund und zeigte gerade einigen Touristen seine Stadtpläne. Ich wechselte in den Laufschritt. „Don´t make Buisness whith this criminel. My 100 Lire you fucking Bustard!“ Schrie ich in einer Lautstärke, dass sich alle nach mir umdrehten die im Umkreis von 50 m um uns herumstanden. Ich zeigte auf den Verbrecher und schrie weiter: „Das ist ein Dieb, ein elender Trickbetrüger. Ruft jemand die Polizei. Call Police, this man is criminal he steel from me! Place help and call Police!” In allen mir bekannten Sprachen verbreitete ich die Nachricht, dass ich diesem kriminellen aufgesessen war, und das in einer Lautstärke das es einfach jeder hören musste. Ganz kleinlaut sagte mein „Freund“: „Nicht böse sein, bekommst du wieder.“ „Nicht böse sein! Du gibst es auch noch zu! Du hast mich bestohlen du Drecksack! Meine 100 Lira sofort du elender Wichser!“ Ich schrie noch immer, wenn auch nur noch auf deutsch. „Gebst Du mir meine Münzen bekommst Du Dein Geld zurück“ „Das die auch noch weg sind! Meine 100 Lira! Sofort.“ Der Mann der mich vor wenigen Minuten betrogen hatte überreichte mir recht kleinlaut meinen 100 Lira Schein. „Fuck You Bustard, fucking criminal!“ Ich zeigte ihm meinen Mittelfinger und ging. “Meine Münzen” kam er hinter mir her. “You get nothing, you criminal bustard, steal from somebody other.” Ich zeigte erneut meinen Mittelfinger und ging, von ihm unbehelligt, davon. Jetzt hatte ich mein Geld zurück, und obendrein noch 22 Euro mehr als vorher. Ich hatte einen Betrüger betrogen und fühlte mich so richtig Klasse. Augenblicklich investierte ich einen Teil der Einnahmen in eine Eiscreme. Doch als der Verkäufer 7 Lira zu mir sagte, wusste ich, dass ich schon wieder betrogen worden war. In meinem Enthusiasmus hatte ich das Eis bestellt ohne vorher nach dem Preis zu fragen. Ich hielt mich geschlossen und zahlte.
Die Eiscreme schmeckte gut. Von ihrer Konsistenz her lag sie irgendwo zwischen Softeis und dem bekannten deutschen Speiseeis. Eigenartig aber lecker. Ein wenig wie kaltes Gummi. Diese zähe Beschaffenheit erlaubt es den Eisverkäufern wohl auch ihre lustigen Späße beim Verkauf ihrer kalten Erfrischung zu machen. Wer in Istanbul ein Eis kauft, bekommt eine akrobatische Zirkusaufführung dazu. Das Fallenlassen und geschickte Widerauffangen des Hörnchens gehört genauso zu ihrer Show wie das Herumschleudern von gut 5 Kilo Eis direkt aus der Gefriertruhe an einem rund 1,5m langen Löffel mit dem normalerweise die Bällchen abgestochen werden.
Etwas später traf ich dann auf einen Straßenverkäufer der seinen Verkaufstand mit 2 Kaninchen verschönerte.

Erst dachte ich es hätte etwas mit Ostern zu tun. Schließlich gibt es hier auch Kirchen, also scheint die christliche Kultur zu existieren. Aber solche "Hasenverkäufer" erblickte ich auch später noch einige Male. Was die da verkaufen konnte ich allerdings nicht herausfinden. Die Häschen?
Noch später, ich saß gerade vor dem Galata Tower und genoss mein Leben, brachte mir ein schmuddelig wirkender Schuhputzerjunge meinen Schecki zurück. Ich hatte noch gar nicht bemerkt dass dieser weg war. Von den vielen Worten die er zu mir sprach verstand ich nur das er mir gerne meine Schuhe putzen würde. Da ich mich für das zurückbringen des Tieres irgendwie revanchieren wollte rieb ich Daumen und Zeigefinger aneinander und fragte so nach dem Preis. Mein Gegenüber rieb diese Finger nicht aneinander sondern Streckte sie kerzengrade von seiner ansonsten zur Faust geballten Hand weg und suggerierte mir somit 2 Lira. Ich willigte ein. Schnell war ein zweiter Schuhputzer zur Stelle der dem jüngeren anscheinend erklärte, dass er das nicht gut mache.

Mit einer Bürste wurde Staub entfernt und danach wurde Lederfett über Leder und Matschverkrustungen verteilt. Nach 3 Minuten waren die Schuhe "geputzt". Ich übereichte die 2 Lira und wollte gehen. Auf einmal konnten die zwei English. "20 Lira, not 2!" Wurde mir erklärt. Ich versuchte es erneut mit Lautstärke. "20 Lira, this are 10 Euro! I Can buy new shoes for 10 Euro! You told me 2!" Ein Herr im vornehm wirkenden Anzug wurde auf uns aufmerksam. Er sprach einige Worte türkisch zu den Schuhputzern, drohte mit seinem Mobiltelefon und diese nahmen reiß aus ohne von mir auch nur einen halben Lira erhalten zu haben. "Lass dich nicht auf so Leute ein, das sind alles kriminelle." sagte er zu mir und ich fragte mich mal wieder ob es mir auf der Stirn geschrieben steht das ich Deutscher bin.
Abermals später begegnete ich einem Straßenverkäufer der augenscheinlich verdammt viel zu tun hatte. 3 Kunden gleichzeitig drängten sich um seinen fahrenden Zeitungsladen. Was er da für Zeitungen verkauft kann man hoffentlich in meiner kleinen Ausschnittsvergrößerung erkennen, mit der ich dann auch gleich mal die Gesichter der Kunden verdeckt habe.

Am frühen Abend des 6.4.2010 trafen meine Hunde einen Spielkameraden mitten auf Taxim. Ich hab mal die Kamera drauf gehalten, und obwohl das Video ziemlich nichts sagend ist habe ich mich dazu entschlossen es zu veröffentlichen, weil es doch zeigt, dass die Türken nicht so hundefeindlich sind wie ich es immer vermutet hatte.


Weiter geht´s mit meinem Reisebericht Istanbul 4.

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Bild: Danke







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