Mit dem Schlauchboot über den Bosporus

Ich war wieder alleine. Lange wollte ich nicht mehr bleiben. Ein paar kleinere Besorgungen, ich brauche dringend Socken und Chili-Pulver, das Niederschreiben einiger GPS Daten für diese HP und dann sollte es weiter gehen. Immerhin hetzt mich der Ablauftermin meines Visa und ich möchte noch ein bisschen mehr von der Türkei sehen als Istanbul City. Aber es kam anders. Es kam unschön!
Auf dem Weg zur "Socken Omi" meines Vertrauens freundeten sich meine vierbeinigen Begleiter mit einem Artgenossen an. Schnüffelnd standen die 3 nun in der Fußgängerzone. Ich stand daneben und redete mehr oder weniger sinnvoll auf die 3 ein: "Das ist ein feiner Kumpel Scheki, sag mal guten Tag." Als eine Kamera auf mich gerichtet wurde.

"What do you think about Street dogs in Istanbul?" Fragte mich die Reporterin und überrumpelte mich total. "I can not help them all." So mein kurzes Statement. Viel mehr fiel mir nicht ein. Nachdem mein Fernsehauftritt beendet war setzte ich meinen Weg zur "Socken Omi" fort. Zwischen Grand Bazar und Fischmarkt habe ich sie sitzen sehen. Dort verkaufte sie ihre selbstgehäkelten Socken und ein Preisschild suggerierte 50 Kursu. Also 25 Cent pro Paar. Nach kurzer Suche fand ich die Stelle wieder. Häkelnd saß sie da und vor ihr, auf ihrer Decke lagen die Objekte meiner Begierde. Ich betrachtete die Socken: "That´s price?" Ich deutete auf das Preisschild. Die Omi nickte. Für 10 Lira kaufte ich 20 Paar und hatte das Gefühl eine alte Frau richtig glücklich gemacht zu haben. Aber nicht nur ich hatte sie glücklich gemacht, sie mich auch. So gute Socken hatte ich noch nie!
Mittlerweile ist es wärmer geworden. Die Strassen füllen sich mit Touristen und Straßenmusikanten machen Stimmung.


Den Abend des 21. verbrachte ich bei meinem Freund dem Kellner. Zum ersten Mal betrat ich eine original Istanbuler Wohnung. Umgerechnet knapp 400 Euro zahlt er für die rund 30m² Wohnfläche mit seinem Mitbewohner zusammen. Strom und Wasser inklusive. Ganz schön teuer finde ich. Aber OK, die Wohnung ist auch noch näher am Zentrum als mein Auto und von der Bausubstanz absolut mit deutschem Niveau vergleichbar.
Am 22. kaufte ich Chili und notierte die ersten GPS Angaben. Am 24. sollte es weitergehen. Doch es kam anders, es kam unschön! Auf einem Platz freundete ich mich mit ein paar Jungs an. Wir unterhielten uns und meine Freunde hatten sichtlich Spaß mit meinen Hunden.

Bis zum Einbruch der Dämmerung verbrachten wir unsre Zeit mit Gesprächen und Cola - Dosen - Fußball. Dann nahm ich meine Tiere an die Leine und verabschiedete mich. Rund eine halbe Stunde brauchte ich bis in den Taxim Park. Hier leinte ich meine Hunde ab und wollte sie noch einmal spielen lassen bevor für uns alle die Nacht hereinbrechen sollte. Ich setzte mich auf eine Bank und blätterte durch den Prospekt eines Lebensmittelladens. Als ich von meiner Lektüre aufblickte war Möff verschwunden.
Scheki schnüffelte nur wenige Meter von mir entfernt aber Möff war nirgends zu erblicken. Ich rief sie, doch niemand kam. Ich wartete und rief ein zweites Mal. Nichts! Rund 2 Stunden wartete ich auf der Bank auf die Rückkehr meines Hundes, dann machte ich mich auf die Suche. Bis 3 Uhr in der Früh lief ich planlos durch die Gegend und kehrte im 30 Minuten Takt zu der Stelle zurück an der wir uns verloren hatten. Dann ging ich zum Wagen. Vielleicht ist sie ja dort hin gelaufen. Aber nein! Ich gehe zurück in die Stadt und suche weiter. Vergeblich! Gegen 10 Uhr am Vormittag bin ich wieder zu Hause. Ich schreibe eine E Mail an das Tierheim welche, genau wie die Anfrage ob meine Hilfe benötigt wird, bis heute unbeantwortet blieb. Ich entwarf einen Such - Flyer

den ich auf USB Stick speicherte und nur wenige Minuten nach Fertigstellung 50 Mal ausdrucken lies, und augenblicklich begann ich, ihn zu verteilen. Bis 4 Uhr am Nachmittag hatte ich meine Suchmeldungen an diverse Bäume und Mauern geklebt. Ich checkte meine E Mails, nichts! Dann übermannte mich der Schlaf. Ein wimmerndes Bellen weckte mich gegen 10 am Abend. Ich riss die Türe auf doch kein Möffchen weit und breit. Ich machte mich erneut auf die Suche und musste voller Entsetzen feststellen, dass die meisten meiner Flyer entfernt worden waren. Um halb neun am nächsten Morgen stand ich erneut im Copyshop und lies 50 Neue anfertigen. Bis Mittag waren sie verteilt. Eine erneute Polizeiversammlung am frühen Abend interessierte mich nur wenig.

Irgendetwas ging hier vor sich aber mir waren die Hintergründe egal. Ich suchte meinen Hund. Obgleich ich mich schon fast schäme zuzugeben das mich der Verlust von Möff weit weniger mitnimmt als der von Flitsch. Keine Einzige Träne habe ich vergossen. Sicherlich hab ich mein Möffchen lieb gehabt, sehr lieb sogar. Aber die Bindung war wohl noch nicht so eng wie die zu Flitsch. Möff war ein Hund, ein lieber Hund, mein Hund! Aber Flitsch war ein Kumpel, ein richtiger Kumpel auf den ich mich immer und in jeder Situation habe verlassen können.
Jedem Hundehalter den ich traf zeigte ich das Bild meines Tieres und gab ihm meine E Mail. Die Geschichten die mir diese Menschen erzählten waren Teils mehr als abenteuerlich. Betreiber von Dönerbuden würden Straßenhunde einfangen um sie zu Döner zu verarbeiten erzählten mir die Einen. Andere wiederum dementierten diese Aussage und glaubten dass wohl eher Kinder meinen Hund "gestohlen" hätten. "Vielleicht haben sie Mitarbeiter des Tierheims zur Kastration eingefangen." meinten die Dritten. Ich ließ mir die Mail ans Tierheim auf Türkisch übersetzen und versandte sie ein zweites Mal. Keine Antwort!
Bis zum Morgen des 25. April 2010 erneuerte ich jeden Morgen meine Suchplakate. Dann gab ich auf! Klar würde ich noch eine Weile auf Sie warten, Sie würde es sicher auch für mich tun, aber innerlich hatte ich mich damit abgefunden dass das Tier weg ist. Weg! Ich hoffe, es geht ihr gut, auch wenn ich es nicht glaube. Weg! Zwei Hunde innerhalb eines halben Jahres. Ganz schön hoher "Verschleiß"! Sollten die Tierheimmitarbeiter Recht haben? Sollte ich nicht in der Lage sein einen Hund zu halten? Zu verantwortungslos? Diese Vorwürfe durfte ich mir schließlich auch von meinen Eltern während eines Telefonates anhören: "Du lässt die ja auch immer frei laufen und achtest da nicht drauf. Ich hab`s Dir tausendmal gesagt!" Ja, das stimmt. Meine Hunde dürfen frei laufen! Fast immer! Und ich achte da auch nicht so drauf. Der Hund muss auf mich achten, nicht umgekehrt!
Die Lebenserwartung eines griechischen Straßenhundes liegt bei etwa 2 Jahren. Scheki wäre ohne mich heute wahrscheinlich vergiftet und von Möffis Geschwistern hab ich kein einziges gesehen als ich Aspervalta zum 2. Mal besuchte. Mein Hund bzw. meine Hunde sind freie Wesen. Ich geißele sie nicht mit einem Strick um ihren Hals. Was nicht bedeutet dass ich sie an einer stark befahrenen Strasse nicht mal für einige Augenblicke anleine. Aber wenn ich sie nicht mehr im Park spielen lassen kann, dann kann ich sie auch gleich erschießen. Wahrscheinlich muss ich mich damit abfinden den ein oder anderen Hund mehr zu "verbrauchen" als Otto Normal-Bürger dessen 4Beiner nur im eingezäunten Garten frei herumtollen darf. Nach anfänglichen Panik Attacken ist auch Scheki wieder frei. Wenn er auch wegläuft? Wenn er einen Knochen oder Gift frisst? Wenn ich ihn auch verliere? Ja, dann werde ich wohl wieder eine Weile brauchen um mich zu erholen. Aber ich kann mich immer damit trösten dem Tier ein schönes Leben geboten zu haben. Armes Möffchen, Du hast es einfach nicht kapiert!
Am Abend des 25. lernte ich Leopold und seine Freunde kennen

und wechselte somit wieder zur normalen Tagesordnung. Leopold (rechts im Bild) und sein kurzhaariger Kumpel sind mit ihren Fahrrädern auf dem Weg von Frankreich nach Japan. Wie man im Bild erkennen kann finanzieren sich die beiden durch Jonglage. Wer französisch kann, oder wem Bildchen gucken reicht kann sich ja mal auf deren Internetseite verirren. Das Mädel, (links im Bild) ist mit dem Flugzeug aus Frankreich angereist um ihre Freunde während deren 3- wöchigen Istanbul Aufenthalts zu besuchen. Da ich mir die Show der Drei angeschaut habe, mir aber das Kleingeld fehlt um mich mit einem finanziellen Obulus an deren Reisekosten zu beteiligen lud ich das Trio einfach auf eine warme Dusche und einen überdachten Pennplatz ein. Ich denke da haben die auch mehr davon als wenn ich ihnen 2 Lira in den Hut werfe. Die nächsten 3 Tage hatte ich also volles Haus oder besser volles Wohnmobil.

Wir waren viel unterwegs. Meine neuen Freunde jonglierten in jeder freien Minute und ich betätigte mich als "Geldeintreiber". Jeder der ein Foto der 3 geschossen hat und sich von dannen machen wollte ohne "zu zahlen" wurde von mir angesprochen: "Pleace, make a small donation for a beer, my friends are thirsdey." Die Masche zog, kaum ein Angesprochener widersetzte sich meiner Bitte. Mit Ausnahme eines jungen Mannes mit dread locks und kaputter Jens. "Donation?! … wait …. no money …. but …. here!" Der Mann warf eine überlange selbstgedrehte Zigarette in Tütenform in meinen Hut. Ich zeigte dieses eigenartige Rauchutensil meinen Freunden, doch auch sie wussten nichts damit anzufangen.
Ich habe hier mal ein kleines Video erstellt. Wer es anschaut sieht was man so auf dem Kasten haben muss wenn man ohne Geld nach Japan will.


In den Künstlerpausen vertrieben wir uns die Zeit mit Schach

oder ich hielt im nahen Park Ausschau nach Möff. Mit diesen Jungs begegnete ich auch Istanbuls wahrscheinlich ältester Rohstoffsammlerin.

Diese alte Frau ist ein wenig zu klein um ihre Sackkarre selbstständig hinunterzudrücken. Jedes Mal wenn Sie sie abgestellt hat muss sie jemanden bitten, sie für sie nach unten zu drücken. So fragte sie auch mich. Selbstverständlich war ich hilfsbereit. Im Gegenzug fragte ich ob ich ein Bild machen dürfe. Die Dame war einverstanden. Da ich kurz zuvor meinen Anteil der Straßenkunst Einnahmen ausgezahlt bekommen hatte, hatte ich nun 5 Lira übrig die ich gerne bei der Frau losgeworden wäre. Doch wie ich es bereits erwähnte, sind die wirklich bedürftigen viel zu stolz um Geld von Touristen anzunehmen.
Am Morgen des 28. wurde ich dann verlassen. Ich machte mich auf in einen anderen Stadtteil von Istanbul.

Möff fand ich auch hier nicht. Als ich am Abend noch einmal im Park nach ihr sah entdeckte ich die Kulisse eine Fernsehtalkshow.

Am 30. sah ich ein Kettenkarussell mit Muskelkraftantrieb

und am 1. Mai besuchte mich Craig. Bis Armenien hatte er es nicht geschafft, dafür war er der Schwarzmeerküste bis Samsun gefolgt, von dort quer durchs Land bis Adana geradelt um den Rückweg entlang der Mediteran Sea anzutreten. Sein Fahrrad bekam ich dann leider nicht weil sein treues Velo rund 100km vor Istanbul einen Rahmenbruch erlitt, er es zurückließ und mit dem Bus angereist ist. Als Entschädigung, und zum Feiern des Wiedersehens brachte er eine Flasche Raki mit. Eine dumme Idee:

An den darauf folgenden Tagen zeigte ich Craig die Stadt und speicherte die fehlenden GPS Daten. Bei dieser Gelegenheit zeige ich euch gleich dieses Bild:

für alle denen mein kostenloser Parkplatz nicht gefällt. Dieser hier kostet 20 Lira am Tag, ist dafür aber auch bewacht. Ich empfehle aber eher ein altes und hässliches Fahrzeug zu fahren als einen Wachmann zu bezahlen. Strom, Wasser und Internet gibt es hier übrigens nicht. Am 4. Mai beschließe ich dann, dass es Zeit wird Asien zu besuchen.

Mit Craig habe ich einen Partner der meine Idee genauso bescheuert findet wie ich. Wir tragen das Boot Richtung Wasser und unterhalten uns: "With an inflatabel Boot to asia, that´s craze." "Yes it is." "I think we get trouble with police." "You are afraid? What will thy do? 2 Idiots and a dog!" "Yes, 2 idiots and a dog, they only kick us out of water." "Maybe, lets try."
Um 13 Uhr und 20 Minuten stechen wir in See. Craig rudert, Scheki verhält sich ausgesprochen artig für seine erste Schlauchbootfahrt. Die Strömung des Bosporus bereitet uns keine Schwierigkeiten. Nach ca. 15 Minuten erreichen wir die Mitte des Kanals. Wir warten und lassen einen großen Frachter passieren. Dann schießt ein Schnellboot mit der Aufschrift "Coast Guard" an uns vorbei. Es wendet und kommt auf uns zu. Die Besatzung versucht durch rufen mit uns in Kontakt zu treten. Sie wirken nicht gerade freundlich. "Sorry, you speak English?" Der Vorgesetzte wird geholt. Er spricht einige Brocken englisch. "What is your problem?" "We have no Problem, we want to cross!" "In this?!" Der Big Boss zeigt auf unser Boot und muss lachen. "No, vorbidden! Go back!" Ein Arbeitsboot wird abkommandiert uns sicher zum Ufer zu geleiten.

Dessen Besatzung spricht kein English und unternimmt mehrfach den Versuch uns zu retten. Immer wieder bekommen wir den Rettungsring gezeigt und immer wieder bitten wir höflich darum uns nicht mit diesem Teil zu erschlagen. Weitere 10 Minuten später erreichen wir das Land etwa 200m unterhalb der Stelle an der wir abgelegt hatten. Schade eigentlich, Experiment Bosporusquerung gescheitert. Dafür kann die Besatzung des Coast Guard Bootes und die des Arbeitsschiffes heute Abend ihren Frauen erzählen: "Wir haben heute 2 Idioten und `nen Hund aus dem Bosporus gefischt."
Der 5. Mai ist der letzte Tag den ich mit Craig gemeinsam verbringe. Wir wandern ziellos durch die Gegend.

Am Mittag des 6. geht sein Flieger nach London. 10 Tage bleibt er dort, besucht seine Freunde und holt seinen Laptop bevor er mit der nächsten Maschine nach Nepal fliegt. 180 Euro hat er so ca. wenn er dort ankommt. Aber alles nicht so schlimm, Google zahlt ja meint er optimistisch.
Auch ich packe meine 7 Sachen zusammen, schaue ein letztes Mal nach Möff und werde noch Zeuge einer Demonstration


bevor ich aufbreche um Asien mit dem Auto zu erreichen.

Weiter geht es mit meinem Reisebericht Asien.

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für die Verlinkung meiner Reiseberichte aus seiner Blogroll. Er ist im Jahr 2011 6 Monate lang mit Tracktor, Bauwagen und Ehefrau von Deutschland zum Nordkap gefahren und hat darüber einen sehr netten Reisebericht geschrieben. Er wurde auch im Forum vorgestellt. Zum Forenbeitrag.



Kleine Häuser auf Rädern, auf dem Wasser und in Bäumen.



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"Mit dem Schlauchboot über den Bosporus"
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