Wohnmobil Reisebericht Istabul; Asien

Es ist Samstag der 8. Mai 2010. Es ist etwa halb zwei in der Nacht. Langsam zuckelt mein Fahrzeug im stopp and go - Verkehr über die Autobahnbrücke der E 80. Ich befinde mich hoch über Istanbul, hoch über dem Bosporus, genau in der Mitte zwischen Europa und Asien. Es ist Samstag, es ist halb 2 in der Nacht und ich stehe im Stau, im permanenten Stau einer Millionen Metropole. Die Aussicht ist grandios! Die Batterien meines Fotoapparates sind leer. Rechts neben mir befindet sich ein Fußgängerweg und mir haben alle erzählt man könne da nicht rüber laufen. Aber dort, etwa 1m tiefer als die Kraftfahrzeugspuren, dort ist ein Fußweg. Ich sehe es klar und deutlich. Morgen, morgen bei Tageslicht. Gut 30 Minuten brauche ich für die Kanalüberquerung. Gut 30 Minuten befinde ich mich zwischen den Kontinenten. Irgendwo zwischen Europa und Asien. Ist der Bosporuskanal eigentlich die Kontinentgrenze weil es auf der Landkarte so schön aussieht? Oder stoßen unter ihm tatsächlich zwei Kontinentalplatten aufeinander? Hilfe! Ich will hier weg! Das ist Erdbebengebiet! Ich fahre eh ungern über Brücken. Tunnel mag ich übrigens auch nicht. Aber bei dem Gedanken, dass tief unter mir zwei dicke Steine auf einem Brei aus glühender Lava schwimmen auf denen diese Brücke erbaut ist, wird mir anders.
Ohne Erdbeben erreiche ich das andere Ufer. Die Fahrspuren teilen sich, ich halte mich rechts. Ich will so schnell wie möglich von der Autobahn abfahren. Doch da ist es schon, das Mauthäuschen. Ich betrachte die Apparaturen. Das Ding kann gar keine Zettel ausdrucken! Es handelt sich um einen Magnetkartenleser! Ich steige aus und nehme einige dieser Karten an mich die auf dem Boden verteilt liegen. Anscheinend muss man erst so eine Karte kaufen bevor man auf die Autobahn auffahren darf. Ich habe keine, die gefundenen werden nicht akzeptiert. Hinter mir dröhnt ein Hup - Konzert, vor mir zeigt eine Ampel Rotlicht. Ich gebe Gas, niemand hält mich auf.
Ich halte mich rechts und nehme die Ausfahrt. Der Stau liegt hinter mir. Vor mir liegt Asien! Ich bin da, ich hab`s geschafft. Noch nicht endgültig, aber immerhin! Mein Kilometerzähler zeigt: 476280; 7010 km seit meiner Abreise. 7010 km in über 3 Jahren! Das ist Weltrekord! Ich bin der langsamste Kraftfahrzeugreisende der Welt. Ich schreibe an den Guinness Verlag, mal sehen ob die mir das Gegenteil beweisen können. Ich fädele mich durch das Gewühl von Zubringern und Auffahrten. Grade eben stand ich noch im Stau, jetzt sehe ich kein einziges Auto. Am Bosporus biege ich links ab, rechts liegt das Zentrum, da werde ich wohl kaum `nen Parkplatz finden. Einige Minuten später parke ich am rechten Fahrbahnrand. Mehr aus Spaß und Neugier als aus einer Notwendigkeit heraus schalte ich den Computer an. Ich habe Internet!
Nach dem Erwachen mache ich mich auf den Weg. Es ist grün, überall sind Bäume, Parks und Natur. Ich habe die Großstadt verlassen. Klar, ich bin in einer Stadt, aber das Ganze hat mehr Vorstadtcharakter. Der Verkehr ist ruhig, nur hin und wieder fährt ein Auto über die Uferpromenade. Ich will zurück nach Europa; und zwar zu Fuß! Schnell finde ich den Weg den ich vor wenigen Stunden gefahren bin. Ich kann die Brücke schon sehen, erkenne den Fußgängerweg. Der Stau ist verschwunden. Ich durchquere eine Grünanlage und folge der Ausschilderung „Busbahnhof“ (die Bildchen sind international), ich laufe vorbei an der Polizeistation die sich unmittelbar vor bzw. hinter der Brücke befindet und begebe mich auf den Fußweg von Asien nach Europa. Ich komme nicht weit. Kaum beginnt die eigentliche Brücke werde ich von einem Polizisten aufgehalten. Dieser hat dort ein kleines Wachhäuschen und scheint den ganzen Tag darüber zu wachen dass kein Fußgänger den Fußgängerweg benutzt.

„Only a few steps for a picture.“ Mein Gegenüber bleibt hartnäckig, außerdem spricht er weder englisch noch deutsch. Es scheint mir nicht vergönnt den Bosporus mit Muskelkraft zu überqueren. Ich betrete die Polizeistation: „Excuse me, how to cross the Bosporus with a dog? The very don´t accept my friend, I am not allowed to drive the bus and now a Officer told me it´s forbidden to go by foot.” Eine ganze Polizeistation, und angeblich spricht niemand englisch oder deutsch. Ich kann es nicht glauben!
Ich folge dem Wasser weiter südwärts. Nach etwas mehr als einer Stunde erreiche ich das asiatische Zentrum Istanbuls. Zentrum ist gut, wie ich es schon sagte, es handelt sich mehr um eine Kleinstadt. Zumindest empfinde ich so nachdem ich das Getümmel des europäischen Teils so lange besucht habe. Dennoch gibt es hier Bazare, Moscheen und natürlich eine grandiose Aussicht in die andere Richtung.

Auch am nächsten Tag spazierte ich in die „City“. Wirklich viel erlebt habe ich dabei nicht. Ich schwebte auf meinem Endorphinausstoß – Asien – ich bin da! Zu schade dass ich noch einmal zurück muss. Erwähnenswert halte ich lediglich die Begegnung mit einigen Kindern. Diese Kid´s setzten sich im Stau auf die Motorhauben diverser Luxuskarossen oder fuhren einige Meter auf den Trittbrettern von Geländewagen mit und schaukelten diese, durch Auf- und Abhüpfen kräftig durch. Die Fahrer wirkten genervt bis überfordert. Ich weiß nicht genau was das Ziel der Kleinen war, aber ich schätze sie betreiben eine äußerst aggressive Form des Bettelns. Ich habe mal die Kamera draufgehalten und ein kleines Video gedreht so dass Ihr euch selbst ein Bild machen könnt.

Am Morgen des 10. Mai, ich hatte mal wieder nicht geschlafen und die Nacht in den Weiten des world wide web verbracht, weckte mich die Polizei. „Parken verboten“ Sieh mal einer an, die Jungs konnten Englisch! Was ich hier mache? Wurde ich gefragt. „Nun ja, ich bin Tourist und will mir die Stadt anschauen,“ antwortete ich. Der Ordnungshüter bot mir an, ihm ein Stück weit hinterherzufahren. Unweit von hier wolle er mir eine Stelle zeigen an der ich parken könne. Ich lehnte ab. „I was here 2 days, if I start my engine I go up to the Black See! I need a quiet point.” Ich erhandelte 20 Minuten Bleiberecht um meinen Wagen fahrfähig zu räumen und verließ kurz darauf meinen Parkplatz.

Ich fuhr Richtung Norden, Richtung Schwarzes Meer. Eine knappe Stunde später war ich im nirgendwo.

Abermals 20 Minuten später sah ich es zum ersten Mal.

Leider befindet sich dieser schöne Strand in einem militärischen Sperrgebiet. Ich folgte einer Piste entlang des Zaunes um mich nach wenigen km vor einem bewaffneten Kontrollposten wieder zu finden. Ich wechselte in den Rückwertsgang und leitete ein Wendemanöver ein. So entkam ich den Jungs ohne mit ihnen sprechen zu müssen. Eigentlich kann ich eh noch nicht zum Strand fahren. Mein Wasser ist alle. Und zwar schon ungefähr zwei Wochen. Seit 2 Wochen versorge ich mich aus Cola Flaschen und tragbaren Kanistern die ich immer wieder mit dem Rucksack befüllen gegangen bin. Ich müsste dringend einmal duschen und ein wenig waschen wäre auch nicht übel. Aber irgendwie bin ich an keinem Wasserhahn vorbeigekommen. Also folgte ich der Schwarzmeerküste nordwärts und hielt die Augen offen nach einem Wasserhahn oder nach einem Parkplatz. Schließlich habe ich rund 40 Liter in Flaschen bei mir und duschen kann man zur Not auch mit Salzwasser. In einer kleinen Ortschaft erblickte ich einen Wasserschlauch. Ich hielt an und betrachtete ihn. Ein alter Mann kam auf mich zu. Verständigung gleich null. Ich zeigte auf den Schlauch und auf mein Auto. Der Mann nickte und öffnete den Hahn. Ein wenig früh, denn jetzt musste ich die Schläuche unter Druck miteinander verbinden. Ich wurde ein wenig nass, aber es ist ja Sommer. Während mein Tank vollief standen wir beieinander und kommunizierten mit Händen und Füßen. Plötzlich rief mein Wassergeber türkische Worte über die Strasse. Ein weiterer Mann gesellte sich zu uns: „Du bist ein bisschen früh für `nen Touristen. Der Sommer hat ja noch gar nicht angefangen,“ sagte er im besten Deutsch zu mir. Kurz darauf kehrten wir gemeinsam in eine türkische Teestube ein um einen Caj, wie hier der Tee aus Miniaturgläschen genannt wird, zu trinken. Im Sommer sei hier alles voll mit deutschen Touristen wurde mir erzählt, überhaupt könne der halbe Ort deutsch. Und tatsächlich, schon recht bald saßen an unsrem Tisch mindestens 4 oder 5 deutschsprachige Türken und jeder wollte mich auf `nen Tee, `ne Banane, oder was er sonst so gerade anzubieten hatte einladen. Mir war’s ein bisschen peinlich, eigentlich hätte ich meinem Wassermann gerne einen ausgegeben. Son Caj kostet 50 Kursu, da bin ich großzügig; aber da kam es nicht zu. „Da fährt Takan, der Sänger! Der wohnt hier vorne. Kennste den?“ Klar kenne ich Takan, „schikedim, schikedim“ ist ja wohl auch in Deutschland an keinem vorbeigegangen. Ich bekomme den Weg zu einem schönen Strand erklärt wo ich einige Tage ungestört verbringen könne und verabschiedete mich nach rund 2 Stunden von meinen neuen Freunden.
Gegen 15 Uhr parkte ich meine Wohnung auf diesem Gelände.

Wie ich es beschrieben bekommen habe, war ich hier nicht alleine. Das Gelände gehört wohl irgendeinem Grundstücksspekulanten den niemand kennt. Aber seit Jahren wird es von Einheimischen als Naherholungsgebiet genutzt. Ähnlich wie an Orange Beach bauen sich hier Leute ihre Sommerresidenz auf um selbige in jeder freien Minute zu bewohnen. Da das Gelände ein eingezäuntes Privatgrundstück ist kann auch die Polizei nicht viel gegen die Wildcamper tun. Es gibt noch Paradiese.
Zunächst parkte ich außerhalb des Zauns und ging mit Schecki die Gegend erkunden. Den Erstbesten den ich traf fragte ich ob ich hier wohl parken könne. Leider verstand er mich nicht. „Otto“, ich zeigte auf mein Fahrzeug, „park hehre?“, Ich zeigte auf ein Plateau das ich mir als Standplatz ausgeguckt hatte, „problema?“ „No problema! Achmed,“ mein Gesprächspartner zeigte auf sich. „Stefan“ auch ich zeigte auf mich. „Bira?“ Schon hielt ich eine kalte Büchse Effes in der Hand. „Brumm, brumm.“ Ich machte Lenkbewegungen „later first otto park“ „Tamam“ sagt mein Gegenüber. Tamam ist türkisch und bedeutet soviel wie gut, oder OK.
Schnell hatte ich geparkt, schnell war ein Feuer entzündet und etwas langsamer rann das kühle Blonde unsre Kehlen hinunter. Wir redeten viel an diesem Abend. Aber bitte, fragt mich nicht über was, ich weiß es selber nicht. Mein neuer Freund hatte 3 Büchsen Bier im Angebot, anderthalb für jeden. Ich steuerte Kartoffelchips und die Endstufe meines Autoradios bei, die wir mit dem MP3 Player meines Bekannten koppelten.
Die nächsten Tage ging ich viel spazieren. Haselnusssträucher wuchsen so dicht beieinander dass sie ein undurchdringliches Dickicht bildeten, schmale Viehpfade führten durch schattige Täler oder über sonnige Weiden. Ich ging der Nase nach, mal links mal rechts. Immer in die Richtung die mir interessanter aussah. Dabei verließ ich mich voll und ganz darauf dass mein GPS mir den Heimweg weisen würde. Das tat es auch, eine tolle Erfindung. Dabei entdeckte ich herrliche Strände an welchen man auch vollkommen alleine parken könnte.

Aber ich genoss die Gesellschaft, auch wenn ich niemanden verstand. War Achmed bei meiner Ankunft der Einzige der an seinem „Häuschen“ werkelte, wurde es schon bald richtig voll. Kleintransporter und ausgewachsene LKW brachten Baumaterial, alte Sofas, Kühlschränke, Matratzen und alles was man für einen angenehmen Aufenthalt in der Natur benötigt und ich half hier und da beim Ausladen, sägte Latten zurecht oder spannte eine Plane, während sie von einem Weiteren festgetackert wurde. Immer wieder unterbrachen wir die Arbeit für einen Tee oder einen Lunch. Binnen kürzester Zeit standen auf dem Gelände unzählige Häuser also eigentlich mehr mit Plane umspannte Lattenkonstruktionen.

Das sind sie, meine Freunde.

Ständig brannte irgendwo ein kleines Kochfeuer, ständig werkelte irgendwo irgendwer an seinem Urlaubsort, und ständig saßen Menschen beisammen. Ich saß nur allzu oft dabei. Leider konnte ich mich mit niemandem unterhalten. Das ist auch für mich recht ungewohnt, bisher hatte ich noch immer irgendwen gefunden mit dem ich zumindest ansatzweise kommunizieren konnte. Aber hier war ich voll und ganz auf die Körpersprache angewiesen. Aber „Alemannia Christmas Biskuites“ das verstanden alle, und so konnte ich meine Spekulatius teilen die ich noch vom vorletzten Besuch meiner Eltern übrig hatte.
Sprache hin oder her, die türkische Gastfreundschaft ist sprichwörtlich. Nicht nur auf diesem Platz, der ja irgendwie besetzten Charakter hat, - und auf besetztem Gelände sind Menschen ja immer zwei Stufen freundlicher als normal - auch während meiner Wanderungen. Kaum ein Tag vergeht wo ich nicht auf einen Tee eingeladen werde. Im nahen Dorf habe ich einen Freund. Er kann „What is your name?“ sagen und setzte dieses Wissen auch prachtvoll ein um mit mir ins Gespräch zu kommen. Leider waren das seine einzigen englischen Worte. Aber nicht schlimm, wir unterrichteten uns gegenseitig. Er mich in Türkisch und ich ihn in Englisch. Damit es keine Missverständnisse gibt brachten wir uns nur solche Wörter bei die man eindeutig zeigen kann. „Hose, Schuhe, Nase, Ohren …“ Außer T-Shirt, was auf türkisch T-Shirt heißt, hab ich mir leider mal wieder nix gemerkt. Ein alter Mann sprach sogar deutsch und lud mich für den Folgetag zum Frühstück ein. Leider habe ich sein Haus nicht wieder gefunden.
Nach exakt einer Woche Aufenthalt reiste ich ab. Mein Weg führt mich zurück Richtung Istanbul City. Leider läuft mein Visa in etwas mehr als einem Monat ab und ich möchte mir noch ein bisschen mehr vom Land anschauen. Ursprünglich hatte ich geplant irgendwo zwischen Küste und City ein oder zwei Tage im Wald zu verbringen. Aber kurz nachdem ich aufgebrochen war traf ich auf einen Anhalter. Er wollte zur Autobahnauffahrt, also fuhr ich durch. Ich beschloss, dass es noch zu früh sei um nach Europa zurückzukehren also parkte ich vor einem Supermarkt. Ich brauche Kaffee! Ganz schön teuer hier, das Pulver das zur Zubereitung des türkischen Nationalgetränkes benötigt wird. 100 Gramm über 2 Lira. In Griechenland hatte ich 500g für umgerechnet 5,5 Lira gekauft. Ich entschied mich für Instandkaffee. 18g im Portionsbeutel für 15 Kursu. Daneben der „Großpack“ 200g für 4,6 TL. Da spart man richtig, aber wie das hier mit dem Mengenrabatt läuft kenne ich ja schon von Vaters Zigarettenkäufen. Gut das ich nachgerechnet habe.
Nach meinem Einkauf gehe ich das Umland entdecken. Im Rucksack sucht der Computer nach W-Lan. Doch bevor er Internet findet, finde ich ein Kaffee. Da ich nur ein kurzes Lebenszeichen an meine Eltern senden und nachschauen möchte, ob vielleicht doch noch jemand mein Möffchen gefunden hat, beschließe ich das Geschäft zu betreten. „Das sich mal ein Deutscher in unsre Gegend verirrt.“ Begrüßt mich Attila. Nein, nicht Attila der Hunnenkönig sondern Attila der Internetcafebesitzer. Schnell beginne ich einen Smalltalk, wir reden über dies und das, und dann gehe ich online. „Nur ganz schnell, brauch nicht länger als 10 Minuten.“ „Lass dir Zeit.“ Schecki liegt unangeleint vor dem Laden, da lasse ich mir bestimmt keine Zeit. E – Mail Eingang - nichts wichtiges, kurze Mail an meine Eltern: „Mir geht’s gut, bin wieder in Istanbul fahre morgen weiter Richtung Bulgarien. Grüsse Stefan.“ AdScence Konto: „Heutige Einnahmen 2,4 Euro; Einnahmen der letzten 7 Tage 10 Euro 64.“ Wow, das ist Rekord, soviel habe ich mit der HP noch nie verdient. Online Banking, jawohl es ist da, mein erstes Geld. 77 Euro seit Oktober. Mehr als die Hostingkosten für 2 Jahre. Von dem Rest kauf ich mir 3 Liter Diesel. Es geht bergauf, ich glaub an mich. Sollen die Anderen doch lachen. Ich schalte den Rechner aus und freue mich. Über 10 Euro in den letzten 7 Tagen. Mehr als 10 Euro, während ich mein Leben an der Schwarzmeerküste genossen habe. Dazu die Gewissheit dass das Geld auch tatsächlich ausgezahlt wird. Das Erste ist auf meinem Konto. Ich kann es fast anpacken, sehe nicht nur auf dem PC Bildschirm wie es mehr wird, nein, jetzt kann ich es auch ausgeben.
Mit Attila stehe ich vor dem Laden: „Seit 3 Jahren bist du unterwegs, und wovon lebst du?“ Ich erzähle von den jüngsten Erlebnissen gestehe aber, es eigentlich immer durch normale Arbeit geschafft zu haben. „Mein Bruder arbeitet bei `ner Telefonhotline die suchen immer Leute die gutes Deutsch können. Haste Zeit? Der kommt jetzt gleich.“ Wenn es um `nen anständigen Job geht habe ich natürlich immer Zeit. Rund 2 Stunden warteten wir bei einigen Tee und Kaffee auf Attilas Bruder. Als dieser eintraf war die Sache schnell besprochen. Morgen fragt er seinen Chef und ruft um 12 im Laden an. Ich solle dann da sein. Ein Deal! Ich verabschiedete mich und ging mir die Gegend anschauen.
Habe ich eigentlich schon von den Wachhäuschen erzählt die es in so ziemlich jeder Istanbuler Parkanlage gibt? Nach Einbruch der Dämmerung sitzt dort ein Wachmann und passt auf, dass keiner den Park klaut.

Auch das nächtliche Panorama auf eine alte Burganlage ist nicht zu verachten.

Gegen 11 Uhr des nächsten Morgens klopft die Polizei. Wir finden keine gemeinsame Sprache aber die Jungs sind äußerst unfreundlich. „Passport!“ Parken verboten geben sie mir zu verstehen, dabei steht mein Wagen auf einem Parkplatz. Ein Beamter klettert in mein Fahrzeug. Er deutet auf meinen Küchenschrank und gibt mir zu verstehen ich solle ihn öffnen. Nudeln, Zucker, Reis … alles räumt er aus und stapelt es auf meiner Küche. Danach nimmt er sich den Schrank mit den Putzmitteln vor. Schwämmchen, Lappen, Schuhputzzeug … alles wandert auf den Boden. Ich habe schon öfters beobachtet, wie vor allem junge Autofahrer von der Polizei gestoppt und vollkommen auseinander genommen worden sind. Aber ich hätte eigentlich gedacht als Tourist bliebe mir dieses Schicksal erspart. Da habe ich mich geirrt! Nach ungefähr einer Stunde ist die Durchsuchung beendet und das Innenleben meines Wohnmobils gleicht einem Schlachtfeld. Ich müsse fahren, und zwar sofort erklärt mir der Bulle. Ich deute auf das Schlachtfeld, schüttele den Kopf und beginne die Dinge wieder an ihren Platz zu räumen. Argwöhnisch werde ich bei dieser Arbeit bewacht, das Schließen der Türe, damit wenigstens der Hund nicht raus rennt wird mir verboten. Nach 10 oder 15 Minuten ist das Chaos so weit beseitigt, dass ich zumindest fahren kann. Ich schließe die Türe von außen und starte den Motor. Mittlerweile ist es halb 1. Eine gute weitere halbe Stunde benötige ich; bis ich vor Attilas Internetcafe parke. Zu Fuß hatte ich keine 10 Minuten gebraucht, aber mit dem Auto ist alles umständlicher. „Wo bleibst Du?“ begrüßt mich mein Freund. Ich erzähle was vorgefallen war und entschuldige mich für die Verspätung. „Die hat bestimmt einer angerufen, von alleine kommen die nicht. Hast Du Dich irgendwie auffällig benommen?“ „Ich war gar nicht draußen, war gerade dabei `nen Kaffee zu trinken.“ Ich zeigte auf mein Fahrzeug. „Na bei der Karre ist ja alles klar, da denken die gleich an `nen Drogenkurier. Das mit dem Job klappt übrigens nicht, der Chef hat nein gesagt. Aber ich hab meinen Schwager angerufen, der arbeitet auch in `nem Cal Shop.“
Also war Warten angesagt. `Nen Job kann man ja nicht laufen lassen. Erstmal wurde ich auf `nen Kaffee eingeladen. Ich betrete die Küche und erhasche einen Blick auf die Gasflasche. Ich hab sie ja schon in Geschäften stehen sehen, die türkischen Propangasbuddeln. Aber so live hab ich mir den Kram bis dato noch nicht beschaut. Es ist wieder mal ein anderes System. Diesmal ist es ganz anders.

Ich hoffe dass mein Fläschlein bis Bulgarien hält. So ein Quatsch, dass die das nicht einfach mal normen können. Jedes Land hat seine eigenen Anschlüsse, ganz schön nervig. Nach dem Kaffee gehe ich spazieren. Ganz schön grün hier für `ne Stadt, aber das sagte ich ja bereits. Am Abend bin ich wieder im I-Net-cafe, schließlich ist es Mittwoch. Danach erhalte ich eine nächtliche Stadtführung von meinem neuen Freund. Attila war recht enttäuscht als ich an jeder Stelle die er mir zeigte sagte: „Hier war ich schon“ und ihm obendrein auch noch Fotos zeigen konnte, die meine Worte bestätigten. Dafür erfuhr ich an diesem Abend `ne Menge interessantes über mein Gastland. Attila ist Türke, ziemlich cool drauf und spricht dabei ein perfektes Deutsch. Ihn kann ich alles fragen: „Sag mal was heißt das eigentlich übersetzt was der Muezzin ruft?“ „Das ist kein türkisch, das ist arabisch. Aber ich weiß es trotzdem.“ „und?“ „Gott ist groß, Gott ist mächtig, kommt beten, kommt beten, betet zu Gott!“ So simpel! Und für diese 13 Worte braucht der so lange. Wow! Außerdem erfahre ich, dass ich mit meinem Wagen nicht über die 80 hätte fahren dürfen. Diese Brücke ist für LKW gesperrt. Mautkarten gibt es an jedem Kiosk, und man muss in der Tat eine erwerben bevor man auf die Autobahn auffährt. Der Fußgängerweg über den Bosporus wurde vor einigen Jahren wegen der hohen Selbstmordrate gesperrt, und der Konsum alkoholhaltiger Getränke sei auf öffentlichen Plätzen polizeilich verboten. Das erzählt er mir während wir in einem Park ein Bier zu uns nehmen. „Und warum läst sich youtube nicht aufrufen?“ „Die sind verrückt, die türkische Regierung glaubt auf youtube könne man Propagandavideos der kurdischen Arbeiterpartei PKK betrachten. Deshalb kommst du nur auf eine Seite die dir anzeigt, dass diese Seite nicht zu erreichen ist. Du kannst aber trotzdem auf youtube, mit einem Proxy.“ (Ich habe diese Seite mal kopiert und auf meinen Webspace geladen.) Aber in den letzten Jahren sei alles besser geworden. Wir sprechen viel über Religion und sind uns mehr oder weniger einig, dass es kaum Unterschiede zwischen dem Islam und dem Christentum gibt. „Warst du schon mal an `nem deutschen Kloster? Die richtig gläubigen Nonnen sind genauso schwarz verhüllt wie eure Mädels die das noch so richtig ernst nehmen.“ „Ja, ich weiß, wir haben auch die 10 Gebote, bei uns gibt’s auch ne Sintflut und unsren Jesus haben wir Mohamed getauft. Im Grunde ist das das Gleiche.“
An den beiden darauf folgenden Tagen laufe ich mehr oder weniger ziellos durch die Gegend. Diese Klingel

dient Ladeninhabern dazu einen Tee zu bestellen. Die Gegensprechanlage ist direkt mit der nächsten Teestube verbunden.
Am morgen des 21. Mai habe ich dann meinen ersten und letzten Arbeitstag. Ich hätte die Stelle tatsächlich bekommen, habe aber selber abgelehnt. Wen interessiert, welcher Teufel mich geritten hat einen gar nicht mal so schlecht bezahlten Job auszuschlagen, dem empfehle ich meinen Bericht: Arbeiten für Flexstrom.
Am späten Nachmittag möchte ich abreisen. Aber meine neuen Freunde überreden mich noch zu bleiben. „Es ist Wochenende, wir wollen heute Abend ein paar Videos gucken, wir haben auch viele deutsche, bleib doch noch ne Nacht.“ Ich ließ mich überreden. Erst schauten wir einen Gruselstreifen, dann ein Since Fiction Movie und zu guter Letzt – Das Boot!

Diesen zweite Weltkriegsepos habe ich bereits vor geraumer Zeit einmal gesehen. Ich würde ja viel lieber über die Soldaten lästern, aber ich denke meine Kritik sollte ich lieber an die Regisseure des Films stellen. Da ist die Crew also mit ihrem U-Boot abgesoffen. In einer Tiefe von 260 m sprengt der Wasserdruck einige Verschraubungen aus ihren Löchern, und was machen die tapfern deutschen Soldaten? Richtig, sie spitzen einen Holzpflock an und stopfen ihn in die undichte Stelle. In 260 m Tiefe! Bei 26 bar Wasserdruck! Danach melden sie gehorsamst: „Alle Wassereinbrüche sind abgedichtet.“ Das ist ja mal dermaßen realistisch, hat mal wer versucht `nen Finger auf `nen Wasserhahn zu halten? Und eins kann ich versichern, da kommen keine 26 bar raus.
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Bei den Miet-Wohnmobilfahrern von reisen-aus-leidenschaft.de für die Aufnahme meiner Reiseberichte in ihre Blogroll. Die 4 sind regelässig mit Mietmobilen oder dem eigenen Kastenwagen unterwegs und berichten über ihre Reisen.


Kleine Häuser auf Rädern, auf dem Wasser und in Bäumen.



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