Wohnmobil Reisebericht Kijiköy - Türkei

Nach dem Wachwerden verabschiede ich mich von Attila und fahre ohne Magnetkarte auf die Autobahnbrücke.

Was 3 Mal klappt, klappt auch ein viertes Mal. Ich hatte Recht. Freie Fahrt für dumme Touristen. Ich bleibe auf der Autobahn, wenn ich ohne Ticket auf die mautpflichtige Strecke auffahre ist es ja auch egal wie weit ich sie befahre. Kurz hinter Silivri fahre ich ab und folge der Beschilderung Sinekli. An der Mautstation reihe ich mich in die mit „cash“ beschriftete Fahrspur ein. „Ticket“ sagt der Mautkasierer. Ich zucke unwissend mit den Schultern. „No Tiket“ „Istanbul?“ fragt er. „No, no Istanbul!“ Ich krame nach meiner Karte und deute auf die Ortschaft Catalaca. “Cat .. alaka” stottere ich. Der Mautmensch fordert 6 Lira und ich bezahle anstandslos. Ich folge der kleinen Nebenstrasse nordwärts Richtung Schwarzmeerküste. Kilometerweit fahre ich durch Wälder, Ortschaften liegen nur selten am Wegesrand. Herrlich. Die Straßenbeschaffenheit ist zufrieden stellend, nur hier und da taucht plötzlich und unerwartet ein vereinzeltes Schlagloch auf. Nach ungefähr 30 km erreiche ich Karacaköy. Der letzte Ort vorm Schwarzen Meer. Am Ortseingang hat die Jandarma, die Überlandversion, der türkischen Polizei, eine Straßensperre errichtet. Der erste Officer winkt mich durch, ich umfahre den Wagen der vor mir kontrolliert wird. Der zweite Posten stellt sich mir in den Weg. Der mit einem Maschinengewehr bewaffnete Staatsdiener ist keiner Fremdsprache mächtig und fordert mich auf ihm zu folgen. Ich sage: „Moment“ und klettere zurück in mein Fahrerhaus. Der Maschinengewehrträger wird sichtlich nervös. Diese Nervosität legt sich allerdings rasch, als er bemerkt, dass ich nur den Zündschlüssel abgezogen habe um meine Türe zu verriegeln. Schließlich steht auf dem Beifahrersitz mein PC. Sein Vorgesetzter spricht englisch: „Where do you want to go?“ „To a beautiful Beach, I have holiday!“ Freundlich klärt mich der Gendarm darüber auf, dass ich in diese Richtung keinen „beautiful Beach“ finden werde. Außerdem sei es im Winter verboten diese Strasse mit einem Caravan zu befahren, unterstreicht er seine Worte. Ich solle nach Kiyiköy fahren, dort sei es viel schöner. Ich werde zum Wenden genötigt und ärger mich rund 60 km hin und her fahren zu müssen. 20 Minuten nach meinem Wendemanöver parke ich meinen Truck in der Nähe eines kleinen Bächleins. Es ist schon spät, und ich beschließe heute nicht mehr weiter zu fahren.
Am nächsten Morgen mache ich mich auf nach Karacaköy. Wenn ich mit dem Auto nicht bis ans Meer darf, dann gehe ich eben zu Fuß.

Donnerstag, 27. Mai 2010 23 Uhr und 9 Minuten
Bis gerade eben hatte ich Internet in meinem Wagen. Heute Nachmittag habe ich meinen Parkplatz am Bach verlassen. Die Hitze flimmerte auf den schmalen Asphaltstraßen der türkischen Einsamkeit. Es ist Ende Mai und mein Thermometer zeigt Temperaturen jenseits der 35 Grad Marke. Irgendwo auf dem Weg habe ich getankt. Für 100 Lira erhielt ich 34 Liter Kraftstoff. Ganz schön teuer, aber das müsste bis Bulgarien reichen und dort soll es billiger sein. Ich fuhr bis Saray, hier fand mein Computer W-Lan. Ich parkte hinter einem Lieferwagen und ging mir zunächst die Stadt anschauen. „Yarim Döner 1 Lira“ stand auf einem Schild. Ich beschloss mir ein solches Brötchen zu gönnen. Keine Verständigung mit dem Ladeninhaber. Aber „1 Yarim Döner“ ist international verständlich, vor allem wenn man die 1 mit seinem Daumen anzeigt. Nach kurzer Wartezeit erhielt ich mein Essen und überreichte eine 20 Lira Note. „no money“ lächelte mich der Verkäufer an. Er schenkte mir `nen Döner, warum das weiß ich nicht. Eine Gruppe Kinder folgte mir quer durch die Stadt. Ich musste alle ihre Fahrräder Probe fahren. Mit Einbruch der Dunkelheit ging ich Heim um die Internetverbindung zu nutzen. Ich telefonierte mit meinen Eltern und lud die ersten Türkei Berichte auf meinen Server. Nach rund 2 Stunden wackelte meine Türklinke. Kurz darauf klopfte es. Ich machte einen Fehler und öffnete. Draußen stand die Polizei in Zivil. Keine Verständigungsebene! Nach Ausweispapieren wurde ich nicht gefragt, aber irgendein Problem schien es zu geben. Ein Ziviler telefonierte, den anderen unterhielt ich mit meiner Landkarte. „Caj, Caj“ Der Polizist deutete mir an ihm zu folgen. 20 Sekunden später saß ich in einer Teestube und bekam einen Tee gebracht. Kurz darauf traf ein junger Mann ein. Er war kein Polizist, sprach aber akzentfreies Deutsch. Dort sei parken verboten, übersetzte er und das, wo ich noch kurz zuvor die Erfahrung gemacht hatte, das man hier überall parken kann wenn man keine Scheibenwischer besitzt unter die jemand ein Knöllchen stecken könnte.

Außerdem sei es hier viel zu gefährlich, ließ er mich wissen. Die zwei Polizisten wollten mich zur Tankstelle geleiten, dort gäbe es Kameras und ich könne dort sicher und ungestört die Nacht verbringen. Was soll man darauf erwidern? „Ich nutz aber gerade `ne unverschlüsselte W-Lan Verbindung, ich würde gern hier stehen bleiben!“ Wohl eher nicht. Ich log etwas von Alkohol. Aber das sei alles kein Problem, ich käme in keine Kontrolle. Nach einem weiteren Gläschen Tee eskortierten mich zwei Polizeifahrzeuge zu meinem derzeitigen Aufenthaltsort.
Samstag, 29 Mai 2010 14 Uhr und 2 Minuten
Ich bin gerade aufgestanden. Die erste Tasse Kaffee ist getrunken. Jetzt sitze ich vor meinem Wagen. Ich parke unmittelbar neben dem Hafen von Kiyiköy. Ein Fluss trennt die Hafenanlage von dem sich dahinter befindlichen Strand. Die Brücke die einstmals existierte ist letztes Jahr bei einem Hochwasser zerstört worden erfuhr ich. 70 Meter von mir entfernt stehen ein rostiges Förderband und irgendetwas dass wie das Rad eines Raddampfers aussieht das man in einer übergroßen Badewanne montiert hat. Am Strand, auf der anderen Flussseite, stehen Kühe. Es weht eine angenehm kühle Briese und Schecki amüsiert sich mit den hier lebenden Straßenhunden.
Aber ich sollte vorne anfangen. Als ich gestern aufgewacht bin führte mich mein erster Weg von der Tankstelle zum Sok Supermarkt. Ursprünglich parkte ich direkt davor, aber jetzt habe ich 10 Minuten Anweg. Nicht schlimm, ich habe meine Kartoffeln schon weiter getragen. Ich kaufe Zwiebeln, Kartoffeln, 30 Eier aus dem Angebot, eine Flasche Ketchup und neuen Pfeffer. Die Registrierkasse zeigt 7,10 Lira. Ich mag Supermärkte, die Scannerkassen können einen einfach nicht bescheißen. Dachte ich zumindest! Ich zahlte mit einer 20 Lira Note. Der Kassierer kramte in seiner Kasse herum und eine junge Frau stopfte meine Einkäufe in Plastiktüten. Ein Mädchen hinter mir sprach mich an: „Tourist?“ „Yes, Alemannia“ antworte ich. Das Gespräch war beendet. Der Kassierer bedient das Mädchen. „Excuse me, my change! Ich bekomme noch Wechselgeld!“ Niemand verstand mich. Ich redete deutsch und englisch und mein Gegenüber türkisch. Die Frau die meine Einkäufe verstaut hatte kramte in meinen Tüten herum und suchte mein Problem. Eine ältere Dame gesellte sich dazu. Auch sie sprach keine Sprache die ich auch spreche. Ich deutete auf den Kassenbon. Erst auf die 20 Lira mit denen ich bezahlt hatte, dann auf die 7,10 die ich zu bezahlen hatte und danach auf die 12,90 die ich zurückbekommen sollte. Dabei zuckte ich mit den Schultern und sagte: „my money!“ So ging es ein paar mal hin und her. Niemand verstand mich, oder besser gesagt niemand wollte mich verstehen. Schließlich wurde ich aufgefordert zu gehen. Meine Tüten wurden vor den Laden getragen und ich wurde an meinem Arm herausgezogen. Mir platzte der Kragen: „You ripp me of! Ihr habt mich beschissen ihr Schweine!“ Mit Wucht trat ich gegen das Holzbein eines selbstgezimmerten Verkaufstisches für Gemüse. Der Tisch brach zusammen und unzählige Tomaten rollten über die Straße. Zügigen Schrittes verließ ich den „Tatort“. Ob die noch mal `nen Touristen abzocken? Ich hoffe nicht.
Samstag, 29 Mai 2010 19 Uhr und 40 Minuten
Kaum hatte ich den Laptop aufgeklappt kam mein Freund vom Vorabend vorbeigeradelt. Ich klappte den Laptop wieder zu und kochte erst einmal zwei Tassen Tee. Wie wir den so tranken bemerkte ich, dass an der Bremse seines Fahrrades eine Schraube fehlt. Mein Schraubenkästchen hatte ich erst kürzlich benötigt, und so stand es noch auf meiner Fußmatte. Ich suchte eine entsprechende Mutter und schraubte sie auf die Bremsanlage. Mein Freund freute sich. „Hier fehlt noch eine,“ deutete er mir an, indem er an seinem Schutzblech klapperte. Aber klar, die hab ich auch noch. Vielleicht noch ein paar Tropfen Öl? Craig hatte mir das Seinige geschenkt, seit dem besitze ich Fahrradöl aber kein Fahrrad. Nach der Veloreparatur gab mir mein Freund zu verstehen, dass er mir die Gegend zeigen wolle. Ich folgte ihm bereitwillig. Wir gingen einige Meter bis neben uns ein Pick Up hielt. Einsteigen, wir fahren! Ich hob Schecki auf die Ladefläche und nahm neben ihm auf einem leeren Dieselkanister Platz. Anscheinend kam das Fahrzeug gerade davon zurück ein Boot zu betanken. Schnell verstanden mein Freund und der Fahrer des brandneuen Pick Up, dass ich gerne bei meinem Tier fahren möchte. Der Wagen setzte sich in Bewegung und ich schaltete meine Kammara in den Videomodus.

Nach kurzer Fahrt war aussteigen angesagt. Wir gingen Zu Fuß weiter. Bal darauf standen wir vor der ST. Nicholas Monastery, einer etwa 500 nach Christus in den Fels geschlagenen Kirche.

Die alten Gemäuer sind kostenlos zu begehen. Davor steht ein Mann der mit seiner Trommel mystische Klänge erzeugt und eine Taschenlampe vermietet. Wir gingen noch zu einigen anderen Orten mit hübscher Aussicht bevor mir mein Freund sein Fischerboot zeigte. Nach einem weiteren Tee verabschiedeten wir uns voneinander. Ich aß erst einmal eine Kleinigkeit bevor ich erneut den Computer anschaltete um diese Worte niederzuschreiben.
Samstag, 29 Mai 2010 22 Uhr und 13 Minuten
Ich komme hier nicht dazu mal einige Worte niederzuschreiben. Gerade wurde ich schon wieder gestört. Mit den Worten: „Alles klar? Brauchst Du etwas?“ Wurde ich angesprochen. „Nö, wunschlos glücklich, hab Urlaub.“ Antwortete ich. „Kann ich nur kleine deutsch, kommst du Fisch essen.“ Ich zögerte, hatte ich doch erst kürzlich angebratene Zwiebeln mit Rührei gespeist. „Fisch essen, Fisch essen – Caj, Bira.“ Wiederholte sich mein neuer Freund. Hat der Bira gesagt? So eine Einladung auszuschlagen wäre ja auch unhöflich. Ich klappte den Rechner zu und folgte meinem Bekanten zu seinem nahe gelegenen Restaurant. Es gab panierte Fische, ich glaube man nennt sie Sprotten, und tatsächlich eine Flasche gut gekühltes Zuckerbier. Auch diesmal brauchte ich die Gastfreundschaft nicht ungezahlt auf mir sitzen lassen. Als ich die Toilette des Restaurants besuchte bemerkte ich dass der Spülkasten durchläuft. Als gelernter Installateur wusste ich was zu tun ist, ein wenig an der Einstellschraube des Füllventils drehen und das Teil war wieder OK.
Aber ich wollte doch vorne anfangen. Vorne wäre ja eigentlich da wo ich mich auf den Fußweg nach Karacaköy machte. Aber ich glaube, ich erzähle euch erst einmal wie ich meinen Freund, den Fischer, kennen gelernt habe und was mit ihm so alles passiert ist.
Nachdem ich meine Einkäufe im Wagen verstaut hatte startete ich wutentbrannt den Motor. Ohne weitere Zwischenfälle erreichte ich etwa 1,5 Stunden später Kiyiköy. Der Ort ist einseitig von einer alten Stadtmauer umgeben. Durch dieses Tor musste ich mich durchquetschen.

Manchmal träume ich ja von einem größeren Wagen. Aber im Grunde bin ich mir darüber im Klaren, dass größer nicht unbedingt auch besser ist. 2 freundliche Kleinbusfahrer mussten ihre Fahrzeuge versetzen damit ich durch die engen Gassen des Ortes passte. Einer von ihnen wies mir den Weg zur Küste. So gelangte ich an meinen Wohnort, mit dem ich ursprünglich nicht sonderlich zufrieden war, weil ich eigentlich eine einsame Stelle suchte. Dies wollte ich nun zu Fuß in Angriff nehmen. Ich folgte dem Bachlauf um eine intakte Brücke zu finden. Kurz vor der Hauptstrasse glommen die Reste eines Lagerfeuers. Eine selbst gebastelte Holzbank lud zum Verweilen ein. Ich setzte mich. Kurz darauf kam der Besitzer der Bank. Wenn ich ihn richtig verstanden habe wohnte er in einem Mitsubishi Canter der unweit der Lagerstelle parkte. Anstatt mich von seiner Bank zu vertreiben lud er mich auf einen Tee ein. Eine halbe Stunde später war ich wieder unterwegs. Ich überquerte den Bach und suchte nach einer Zufahrt zur Küste. Diese fand ich nicht, aber die Gegend ist schön.

Gegen halb 7 sah ich mein Wohnmobil. Nur zwischen mir und meiner mobilen Behausung lag der Bach. Ich hatte keine Lust mich Noch einmahl durch Gebüsch und dichte Vegetation zu pressen. Also zog ich Schuhe und Socken aus, krempelte die Hose hoch und ging einfach durch den Fluss. Wer hätte das gedacht? Schecki kann schwimmen! Zurück am Wagen schnappte ich mir ein Päckchen Kekse und ging weiter in die Stadt. Da, im roten Kringel, da parkt mein Wagen.

Auf dem Rückweg traf ich dann meinen Freund, den Fischer. Erst wechselten wir nur wenige Worte, sein Deutsch ist eher mäßig, und wir verabschiedeten uns schnell. Ich ging nach Hause, setzte mich vor den Wagen und klappte den Rechner auf. Er war gerade hochgefahren als ich Rufe vernahm. „Stefan – Stefan.“ Mein Freund, der Fischer (warum kann ich mir bloß einfach keine Namen merken?) bewohnt eine kleine Hütte auf die ich von meinem Wagen aus blicke. Rund 6 m² nebst elektrischem Strom nennt er sein Eigentum. Zur öffentlichen Trinkwasserstelle läuft er nur rund 30 Sekunden. Ähnlich weit entfernt befindet sich ein öffentliches WC. Jetzt saß er dort mit einigen Freunden und brutschelte auf einem einflammigen Gaskocher die Fische die zum verkaufen zu klein sind. Ich war eingeladen und ließ mir das nicht zweimal sagen. Also schaltete ich den Rechner wieder aus und gesellte mich zu der Gruppe. Ein Mann sprach sogar nahezu perfektes Deutsch. Wir tranken viel Caj, aßen viel Fisch und sprachen über Deutschland, ein Land in welches zur Wirtschafswunderzeit viele Türken gereist sind um zu arbeiten. Heute befindet sich Deutschland auf dem absterbenden Ast und in der Türkei geht es bergauf. Deshalb kommen viele wieder zurück um hier ihr Glück zu versuchen. Gegen Mitternacht verabschiedeten sich die Freunde des Fischers und ich zeigte ihm meinen Wagen. Gegen 3 Uhr am Morgen gingen wir schlafen.
So, mittlerweile ist es bereits weit nach Mitternacht und ich bin so weit, dass ich euch erzählen kann was mir bei meiner Wanderung nach Karacaköy und in den Tagen danach widerfahren ist. Am frühen Morgen machte ich mich auf den Weg. Ich folgte dem Bachlauf und überquerte ihn über einen Baumstamm den jemand dort als Brücke hingelegt, und ein Drahtseil als Handlauf gespannt hatte. 2 Stunden später endete der Weg und ich wollte wieder zurück Richtung Hauptstrasse. Hier gab es aber keine Brücke. Ich suchte nach einer seichten Stelle die mir das überqueren trockenen Fußes erlaubt hätte. Vergeblich! Dann hörte ich die Motorengeräusche eines Traktors. Ich begann zu rennen und erreichte nur kurz vor ihm die Furt. Ich hob meinen Daumen und fuhr auf dem Trittbrett der Agrarmaschine über den Fluss. Kurz darauf machte ich Mittagspause an einem herrlichen See. Frösche quaken, Libellen schwirren über der Wasseroberfläche und Stechmücken verwechseln meine unbekleideten Körperstellen mit einem Fast Food Restaurant. Rund eine Stunde später erreichte ich ein Gelände auf welchem Köhler die Holzkohle für die Region produzieren. Gegen 3 war ich dann im Ort. Ich passierte ein Geschäft, davor eine Gruppe Menschen. Ein junger Mann sprach mich an. „Bist du Deutscher?“ Ich bejahte. „One Minute“ meine neue Bekanntschaft rannte davon. Kurze Zeit später war er wieder da. In seinen Händen hielt er ein Phrasebook Türkisch – Deutsch. Ich wurde auf einen Kaffee eingeladen und wir unterhielten uns indem wir auf die entsprechenden Redewendungen im Buch zeigten. „Wo wohnen sie? Was glauben sie wie wird das Wetter morgen? Was ist ihr Beruf?“ Es war lustig. Eine Schar Kinder umringte uns und ich erneuerte meine Fähigkeiten im Sonnenblumenkern essen. Auf dem Rückweg nahm ich die Hauptstrasse und war kurz nach Einbruch der Dunkelheit zurück an meinem Wagen. Hier ein paar Bilder des Tages:

Am nächsten Tag überraschte mich während meiner Wanderung ein Regenschauer.

Pitschnass erreichte ich meinen Wagen. Am 25. schien wieder die Sonne und ich beschloss die Unmengen reinen Bachwassers zum waschen zu nutzen. Da ich immer wieder gefragt werde wie ich denn wasche, möchte ich diese Gelegenheit dazu nutzen eine Sonderseite „waschen im Wohnmobil“ zu erstellen. Auch am 26. widmete ich mich dieser Beschäftigung. Während die Wäsche trocknet erkunde ich die Umgebung und hoffte darauf dass mir niemand meine Hosen und Hemden klaut. Ich hoffte nicht vergeblich. Weil die Gegend so schön ist, hier noch einige Bilder von der Landschaft, dem Fluss, kleinen Lagerplätzen die sich Feldarbeiter für die Mittagspause angelegt haben und so weiter.

Am 27. brach ich dann auf zu neuen Ufern, aber das sagte ich ja bereits. Ihr kennt auch schon meinen Freund den Fischer und wisst dass ich in Kiyiköy bin/war. Aber ich will nicht wieder so ein riesiges Durcheinander reinbringen. Am 30. folgte ich der Küste westwärts. Irgendwo muss es ja `nen schönen, einsamen Wohnmobil Stellplatz geben. Grundsätzlich hab ich zwar gar kein Interesse daran in dieser Gegend noch einmal umzuparken, aber hier am Meer keine hübsche Stelle zum Parken zu finden geht gegen mein Ego. Bereits nach wenigen Minuten Lauf sah ich einen herrlichen Strand.

Ich hätte mit meinem Wagen in Kiyiköy einfach nach Westen und nicht nach Osten abbiegen sollen. Aber nun gut, dann hätte ich den Fischer nicht kennen gelernt und wer weiß ob mir die Campingplatzbetreiber nicht Ärger gemacht hätten.
Eine gute halbe Stunde später erreichte ich eine kleine Strandbar. Strandbar ist beim Anblick dieser Bruchbude wohl ein bisschen viel gesagt aber immerhin wird das Teil noch bewirtschaftet und es hatte sogar geöffnet. Schwups war ich auf `nen Tee eingeladen.

Wovon der arme Mann leben will wenn er die Touristen einlädt anstatt ihnen ihr Getränk zu berechnen weiß ich nicht. Aber so ist das halt hier in der Türkei. Wenn man nicht gerade an einen Betrüger gerät sind die Menschen dermaßen freundlich, das habe ich noch nie erlebt. Die Gegend ist herrlich, und auch hier könnte ich Parken. Im Sommer habe er auch kleine Speisen übersetzt mir ein andere „Kunde“.
Ich laufe weiter westwärts und vergesse die Zeit. Zu schön ist die Natur. Erst als es beginnt zu dämmern, dämmert es auch mir, dass es Zeit für den Heimweg ist. Ich schalte das GPS ein. Ein Blick darauf verrät mir die Entfernung zu meinem Wagen. 17,4km Luftlinie. Ich mache mich auf den Weg. Meine Taschenlampe benötige ich in der mondhellen Nacht nur selten. Eine gute Stunde folge ich einer gut befestigten Piste. Dann überholt mich ein Auto. Kurz vor mir bremst es mit quietschenden Reifen. Der Fahrer steigt aus und spricht mich an. „Ah, anything fine. Tourist, forgot the time, but I like walking.“ Mein Gegenüber versteht nix außer dass ich ihn nicht verstehe. „Kiyiköy?“ Fragt er. Ich nicke. Er deutet mir an einzusteigen. „Köpeck“ sage ich und deute auf Schecki. Köpeck ist türkisch und heißt Hund, und es ist eines der wenigen Worte die ich mir merken konnte. Der Autofahrer öffnet die Türe seines Wagens und sagt etwas wie: „Köpeck no Problem!“ Ich steige ein und Schecki hüpft auf die Rückbank. Der Wagen setzt sich in Bewegung und brettert mit, wie ich finde, total überhöhter Geschwindigkeit über den holprigen Feldweg. Nach 20 Minuten Fahrt biegt er links ab auf einen noch kleineren Weg. Was soll das? Hier will ich aber nicht hin! Der Fahrer lässt mir irgendwelche Informationen auf türkisch zukommen und ich verstehe kein Wort. 2 Minuten später hält er an. Am Rande eines Feldes brannte ein Feuer, Drumherum saßen Bauern und Bäuerinnen die ihren Feierabend feierten. Schneller als ich gucken konnte hatte ich einen Teller mit gegrillten Hähnchenflügeln auf meinem Schoß stehen und ein Glas Raki in der Hand.

Schecki freundete sich derweilen mit Aischa, dem Hund der Landarbeiter an. Etwa 2 Stunden und 4 Raki später pressten wir uns mit 8 Personen und zwei Hunden in den Combo ähnlichen Lieferwagen meines neuen Freundes. Wir fuhren kreuz und quer durch die Landschaft um jeden vor seinem Haus rauszulassen. Ich deutete mehrfach an dass ich problemlos hier aussteigen könne um die letzten Meter zu Fuß zu gehen. Aber meine Andeutungen wurden überhört. Als ich mit dem Fahrer und dessen Frau alleine im Wagen saß wurde ich gefragt wo ich hin muss. Ich erklärte den Weg indem ich mit meinen Händen nach links bzw. rechts deutete. Gegen 11 Uhr setzte ich einen Topf Wasser auf um meinen Fahrer auf einen Tee einladen zu können. Doch noch ehe das Wasser kochte verabschiedete sich dieser.
Am nächsten Tag ging ich nicht wandern, sondern Schlauchboot fahren. Unweit meines Stellplatzes ist ein Bach. Eigentlich handelt es sich mehr um einen langgezogenen See denn Strömung habe ich nicht feststellen können. Ich pumpte also das Boot auf und ruderte los. Mal gucken wie weit ich komme. Leider kam ich nicht sehr weiter. Kurz hinter der Stelle die ich schon zu Fuß erreicht hatte verjüngte sich der Bachsee, die Vegetation wurde üppiger und immer öfter verhedderten sich meine Ruder in Seerosen. Umgestürzte und im Wasser liegende Bäume machten das Passieren mit einem Gummiboot zur Herausforderung. Frösche die sich auf Seerosenblättern sonnten, Wasserläufer, Libellen, Schlangen, und die kleinen Fische die man sieht, machten die Tour zu einem Naturerlebnis. Ich wendete und stoppte auf der anderen Uferseite. Dort hatte ich schon während meiner Wanderung eine Höhle entdeckt die ich erkunden wollte. Rund 50 m kann man hier durch einen Berg laufen um an der anderen Seite im Dschungel wieder das Tageslicht zu erblicken. Am Abend versorgte ich noch ein letztes Mal meine Straßenhunde bevor ich einen Tag später aufbrach um weiterzuziehen. Hier noch ein paar Bilder des Tages:

Weiter geht es in Kirklareli.


Bild: Danke







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