Wohnmobil Reisebericht Kirklareli; Türkei

Samstag, 5. Juni 2010 19 Uhr 48 Minuten
Auf meiner Küche stapeln sich rund 2 Dutzend gegrillte Frikadellen, Hähnchenflügel und Kotelette. Daneben liegen 3 Brote, 1,5 Wassermelonen einige Pfirsiche, Erdbeeren und Pflaumen. Ich bin betrunken! Vielleicht sehe ich das Ein oder Andere doppelt.
Am 1.6 bin ich weitergefahren, mein Ziel hieß eigentlich Limanköy. Eine kleine türkische Ortschaft rund 20 km vor der bulgarischen Grenze direkt am Schwarzen Meer. Ich entschloss mich nicht die Hauptstraße zu benutzen. Sie hätte einen Umweg von rund 50 km bedeutet. Stattdessen entschied ich mich für eine kleine, nicht ausgezeichnete, Nebenstrasse. Sie führte mich durch dichte Wälder und kleine Ortschaften mit unaussprechlichen Namen. 3 Mal musste ich nach dem Weg fragen und 3 Mal konnte ich mich nur mit Händen und Füßen verständlich machen. Kurz hinter Sivriler, 13 km vor Demirköy passierte ich einen Parkplatz mit unzähligen Bänken und Tischen. Ein kleiner Bach plätscherte in unmittelbarer Nähe, es gab eine Trinkwasserstelle und einen gemauerten Holzbackofen. Auf einem Schild stand: „Picknick Alani“ Ich bremste, legte den Rückwertsgang ein und parkte dort.

Eigentlich ist in den 5 Tagen meines Aufenthaltes hier so gut wie nichts passiert über das ich schreiben könnte. Ich ging halt viel spazieren in den weitläufigen Buchenwäldern. Eine Ausnahme bildet da vielleicht der 2. Juni. Da verlässt man sich auf einen elektronischen Kompass, geht aufs Geradewohl, mal links und mal rechts, und dann sind die Batterien leer und man bemerkt dass man die Ersatzbatterien zu Hause hat liegenlassen. Ich irrte bis 2 Uhr in der Früh durch die Gegend und hatte wirklich Mühe einem freundlichen Türken begreiflich zu machen dass ich nicht in seinem Auto mitgenommen werden wollte. Eigentlich hätte ich mich über eine Mitfahrgelegenheit gefreut, denn ich war hungrig und müde, aber ich hielt es für eine dumme Idee in ein Auto einzusteigen wenn ich nicht so genau weiß ob ich der Straße nach links oder rechts folgen muss.
Eine weitere Ausnahme ist der heutige Tag. Ich war rund 3 Stunden unterwegs als sich der Himmel plötzlich verdunkelte. Kurz darauf erste Tropfen und nur kurze zeit später eine Sintflut. Ich war ausgestattet mit einem T-Shirt und einer dünnen Tuchhose. In eine mitgeführte Plastiktüte schnitt ich ein Loch für meinen Kopf und stülpte das Teil über meinen Oberkörper. Meinen Rucksack trug ich auf dem Bauch da ich anders die Tüte nicht darüber bekommen hätte. So ausgerüstet machte ich mich auf den Heimweg. Pitschnass, aber wirklich pitschnass erreichte ich mein Fahrzeug. Unweit meiner Wohnung feierte gerade eine größere Gruppe Menschen irgendein Fest. Über 2 Tische hatten sie eine Plane gespannt und einen Grill aufgebaut. Als ich so triefend nass aus dem Wald spaziert kam wurde ich augenblicklich eingeladen. Dass ich mich vorher allerdings trocken anziehen wollte verstand die Gruppe auch ohne Worte. Schnell stand ich bei meinen neuen Freunden und wurde mit allerlei Grillgut voll gestopft.

Ein 12 Jähriger Junge dolmetschte. Er sprach einige Brocken Schulenglisch. Eigentlich gar nicht mal so übel für `nen 12 Jährigen. Also ich hätte das mit 12 nicht gekonnt. Sein Papa war stolz wie Oskar als ich die Sprachkenntnisse seines Zöglings lobte und schwups war mein Glas Raki wieder voll. Gegen 19 Uhr brach die Gruppe auf und ich erhielt alle, aber wirklich alle Reste. Eine Ausnahme bildet da der Raki, den haben sie wieder mitgenommen. Aber alles was essbar ist liegt jetzt auf meiner Küche. Ich teile es mit Schecki.
Morgen werde ich weiterziehen. Hier noch einige Bilder meines Aufenthalts:

Dienstag, 8.Juni 2010. ca. 21 Uhr
Ich will mal kurz die Erlebnisse der vergangenen 48 Stunden schildern. Es ist unglaublich!
Ich bin dann nicht am 6. sondern erst am 7. Juni aufgebrochen. Schnell erreichte ich Demirköy. Hier fand mein PC W-Lan und ich parkte am rechten Fahrbahnrand. Rasch stellte sich heraus, dass die Verbindung dermaßen schlecht war, dass ich sie nicht nutzen konnte. Einmal geparkt ging ich mir den Ort anschauen. Rund 2 Stunden schlenderte ich durch die Ortschaft, dann brachte ich Schecki nach Hause und ging ohne ihn zurück zu einem Internetcafe das ich entdeckt hatte. Als ich es verließ umzingelte mich eine Gruppe Kinder. Wie üblich konnten sie „What is your Name“ sagen aber mit der Antwort „Stefan, and what is your one?“ waren sie überfordert. Ich wollte weitergehen doch die Gruppe folgte mir. Auf türkisch redeten sie auf mich ein, zupften an meiner Kleidung, meinem Rucksack und umringten mich. Jede Flucht schien aussichtslos. Ich bin ein Typ der Kinder eigentlich von Natur aus nicht sonderlich mag, und wenn sie in solchen Massen auftreten bin ich recht schnell überfordert. Lässig steckte ich meinen Daumen in die rechte Gesäßtasche und schütze so mein Portemonnaie vor Diebstahl. Meinen Rucksack trug ich in der anderen Hand und versuchte derweilen die Kids durch einen unaufhörlichen Redeschwall in deutsch und english zu verunsichern. Dann hielt neben uns ein Polizeifahrzeug. Ein Polizist stieg aus, kam auf mich zu, packte mich am Arm, sprach: „help, help!“ und buchsierte mich in sein Fahrzeug. Nun saß ich in einem Polizeiwagen, einer dieser Sorte wo man die Hecktüren nicht selbstständig öffnen kann. Ich fühlte mich noch unwohler als zwischen den Kindern. „I did something wrong?“ „No English, help help!“ Der Polizeiwagen wendete! „I must go home, I have a dog! Home, Köpeck! Wrong way!” Ich zeigte in die andere Richtung. In diesem Moment hielten wir vor einem Haus. Der Fahrer stieg aus, klingelt und kam kurz darauf mit einer deutschsprachigen Frau zurück. Ich wurde aus meiner Gefangenschaft befreit und die Frau ließ mich wissen, dass ich so hilflos zwischen den Kindern ausgesehen hätte, dass die Polizei mir helfen wollte. Sie könne da ja auch nicht viel machen, das seien Kinder. Aber keine Türken, betont sie, das seien Kurden. Nebst Dolmetscherin wurde ich zu meinem Wagen gefahren. Die Polizisten schüttelten den Kopf. Hier könne ich nicht bleiben, zu viele Kurden, zu gefährlich! Also jedem seinen Rassismus, aber ich finde die Polizei übertreibt. Jedenfalls musste ich noch einmal meinen Motor starten um rund 500 m weiter vor dem Haus meiner Dolmetscherin zu parken. Widerrede zwecklos! Ich setzte mich ins Fahrzeug und startete. Der Motor sprang nicht an. Nach einigem Orgeln wollte er dann doch, nahm aber nur sehr zögerlich Gas an. Ich machte mir Sorgen. Ich trat einige Male das Gaspedal ganz durch, dann mochte der Motor plötzlich. Als ich auf die mir zugewiesene Stellfläche fuhr starb die Maschine ab. Ein Blick in den Tank verriet mir die Ursache, anscheinend reichten 34 Liter Kraftstoff dann doch nicht bis Bulgarien. Die Polizei verabschiedete sich und ich folgte der Frau in ihren Garten. Dort saßen ihr Schwager, ihr Bruder ihre Tante - na, die ganze Familie eben. Rund 15 Mann. Es gab Tee und Erdbeerkuchen, Kaffee und Kirschtorte, oder wahlweise Limo, Cola oder Wasser mit Blätterteigtaschen. Eins leckerer als das Andere. Ich lobte die angebotenen Speisen, im Gegensatz zu meinem Raki Loblied brauchte ich noch nicht einmal lügen, dabei erwähnte ich, dass der türkische Schwarze Tee aus den eigens dafür gebauten Kannen irgendwie besser schmeckt als wenn ich ihn in einem Topf koche. Kaum hatte ich diese Worte artikuliert stand meine Gastgeberin auf und kehrte kurz danach mit einer dieser Teekannen zurück die ich als Geschenk erhielt. Wir saßen bis etwa 1 Uhr in der Nacht zusammen.
Am nächsten Morgen war ich zum Frühstück eingeladen. Ich stellte mir den Wecker um vorher noch Geld zu wechseln und einen Reservekanister Diesel zu kaufen. Da ich etwas früh dran war und die Bank noch nicht geöffnet hatte setze ich mich auf die Bordsteinkante und wartete. Kaum hatte ich mich niedergelassen wurde ich von einem Mann angesprochen. Kein Deutsch kein English, aber er wollte mich unbedingt auf einen Caj einladen. Also wartete ich in einer Teestube darauf dass die Bank öffnete. Die Mitarbeiterin einer nahen Bäckerei sprach englisch. Sie gesellte sich zu uns und übersetzte. Auf Ihrer Theke stand ein Laptop. „Here is WiFi? A free one whitout password?“ fragte ich und die junge Dame bestätigte diese Aussage. „Oh, perfekt! I change money, buy Petrol, have breakfast and then I come back.“ Die Bankangestellte brauchte für den Wechselvorgang meine Telefonnummer. Als ich ihr erklärte keine zu besitzen, führte sie ein kurzes Telefonat und tippte danach eine wilde Zahlenkombination in Ihren Computer. Der Tankstellenpächter lud mich nicht auf einen Kanister Diesel ein, ich musste bezahlen. Schade eigentlich. Dafür enttäuschte ich auf dem Rückweg einen deutschsprachigen Türken als ich seine Einladung in eine Teestube ablehnte. Als ich zurückkehrte gab es Frühstück.

Es war ebenso gut wie das Abendessen und dauerte auch ebenso lange. Gegen Mittag brach ich dann auf um die Internetverbindung zu nutzen. Der Besitzer der Teestube der mich am Morgen eingeladen hatte servierte mir jetzt nicht nur einen Tee sondern obendrein noch eine Suppe. Spargelcreme oder so etwas ähnliches. Sehr lecker, ich war nur satt. Dafür fand mein PC kein offenes WiFi. Die Bäckereimitarbeiterin hatte sich derweilen zu mir gesetzt und löste das Problem. Zwar kannte sie kein Passwort aber sie kannte den Mitarbeiter eines Schuhgeschäftes. Dort gab es eine www Verbindung über Kabel und mit genau diesem Kabel verband ich wenige Augeblicke später meinen Computer. Ich drückte auf den Knopf „Website upload“ und war nach 5 Minuten fertig. Ich lud meine Freunde auf einen Tee ein. Dann auf einen Weiteren. Nach lustigen Gesprächen verabschiedete ich mich und wollte zahlen. Der Shopinhaber winkte ab. Keine 5 Minuten später traf ich auf den Kerl dessen Einladung ich am morgen ausgeschlagen hatte. Er saß in einem Teehaus und rief über die Strasse ich solle mal hinüber kommen. Diesmal hatte ich keine Ausrede und erfuhr dass er 28 Jahre lang eine Metzgerei in Dortmund besessen habe und Ende des Monats nach Deutschland fliegt um seine Kinder zu besuchen. Auch mit ihm trank ich 3 oder 4 Tee. Als ich endlich meinen Wagen erreichte saßen meine Dolmetscherin und ihre Familie bei Kaffee und Kuchen. Meine Abreise musste somit um 3 weitere Tee einen Erdbeerkuchen und ein Stück Kirschtorte verschoben werden. Ich erhielt noch die Telefonnummer der Familie, in einigen Wochen bekommen sie neue Türrahmen danach müsse die Wohnung wohl renoviert werden. Wenn ich wolle könne ich diesen Auftrag übernehmen.
Aufgrund meiner Kraftstoffprobleme, und meiner ablaufenden Aufenthaltserlaubnis, entschied ich mich nicht noch einmal an die türkische Küste zu fahren. Ich folgte der Beschilderung Kirklareli. Nachdem ich meinen Wagen eine recht steile Strasse hinaufgefahren hatte änderte sich die Landschaft. Nur noch wenige Kilometer würde ich durch hübsche Bergwälder fahren, danach erreiche ich eine Ebene mit Feldern und Weideland.

Am späten Nachmittag erreiche ich Pinarhisar. Mein Laptop findet Internet und da morgen ein Mittwoch ist beschließe ich zu bleiben. Auch hier finde ich sehr schnell Freunde. Auch wenn sie viel süßer gucken können als meine Letzten.

Ich verweile lange bei ihnen. Die wahrscheinlich einzige Attraktion in dieser recht hässlichen Plattenbausiedlung. Neben dem kostenlosen Internet, kurz vor der Shell Tankstelle auf 41° 37.691N; 27° 30.728O. Mittlerweile ist es Mitternacht, ich werde noch eine Runde mit Schecki drehen und mich dann ins Bett begeben. Gute Nacht.
Meine Pläne änderten sich in der Nacht vom 8. auf den 9. Juni. Kaum hatte ich den Wagen verlassen passierte ich ein kleines Restaurant. Der Ladeninhaber war gerade mit Aufräumarbeiten beschäftigt als Schecki neugierig seine Nase zur Tür hineinstreckte. „Wir wohnen da nicht, komm Schecki!“ forderte ich meinen Hund auf mir zu folgen. „Du bist deutscher? Komm rein, trinken wir ein Bier!“ Wurde ich eingeladen. Hussein hatte lange Zeit ein Restaurant in der Nähe von Antalya. Dort habe er fast ausschließlich für deutsche Touristen gekocht und so auch Deutsch gelernt. Mittlerweile buchen die Deutschen aber nur noch „All inklusiv“ und essen in den Hotels. Also ist er in seine Heimatstadt zurückgekehrt. Während ich die Reste des Tages vorgesetzt bekomme fragt er mich: „Du, sag mal ganz ehrlich, ist es krank wenn man jeden Abend 6 oder 7 Flaschen Bier trinkt?“ Ich verschlucke mich fast an den mir angebotenen Speisen und antworte wahrheitsgemäß dass das dann wohl doch an Alkoholismus grenzt. „Ach was solls, jedem sein Laster. Kommst du mit in Kneipe, trinken wir noch ein Bier.“ Ich folgte und befand mich Augenblicke später in der Gesellschaft von 3 Alkoholkranken Türken um die 50. Mit jeder Flasche wurde das Deutsch meines Gesprächspartners undeutlicher und ich war recht froh als uns der Wirt gegen 2 Uhr hinausschmiss.
Donnerstag fuhr ich dann weiter und erreichte recht schnell Kirklareli. Ein hübsches Städtchen mit geräumiger Fußgängerzone und unzähligen Frauen die ihre selbst geernteten Kirschen anbieten.

Am 12. Juni verließ ich diese Stadt und fuhr weiter Richtung Grenze. Rund 20 km vor ihr sah ich einen Fluss der einen herrlichen Bergsee bildete.

Ich bog rechts ab und parkte kurz darauf an dessen Ufer. Hier wollte ich meine restliche Aufenthaltszeit in der Türkei verbringen. Ein herrliches Stück Erde. Ich parkte in einem kleinen Wäldchen, nur 1 Minute vom Ufer entfernt. Ich spannte die Hängematte, stellte Tisch und Stühle hinaus und machte es mir gemütlich. Nach dem Mittagessen ging ich schwimmen den Rest des Tages verbrachte ich mit Müßiggang. Nicht eine einzige Person begegnete mir an diesem Ort. Am nächsten morgen, es muss so gegen 9 gewesen sein, wurde ich durch ein Klopfen geweckt. Ich schaute aus dem Fenster. Vor meiner Türe standen 2 Soldaten, hinter zwei Bäumen standen zwei weitere Uniformierte die ihren Kollegen mit ihren Maschinengewehren Feuerschutz gaben. Ich öffnete das Fenster. „Hey put the guns away. I am peaceful!“ „Militarien Zone, no Camping“ wurde ich belehrt. Mit Argusaugen bewachten mich die Kriegsspieler während ich meine Sachen zusammenpackte. Immerhin senkten sie ihre todbringenden Bleispritzen und ließen sie am Riemen vor ihrem Bauch baumeln. Dann folgten sie mir mit ihrem Jeep bis zur Hauptstrasse. Rund 40 Minuten später erreichte ich die Grenze. Klein und unscheinbar lag sie vor mir. 3 Kontrollpunkte. 2 Stempel in den Pass, ein flüchtiger Blick ins Fahrzeuginnere. Und 10 Minuten später war ich in Bulgarien. Weshalb habe ich nur 15 Euro für ein Amtstierärztliches Attest meines Hundes bezahlt? Keiner interessiert sich dafür. Die wollen noch nicht einmal die Impfpapiere sehen.

Weiter geht es in Bulgarien.


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