Mit dem Wohnmobil: Mykolaiv - Odessa - Grenze Ukraine

In Mykolaiv parkte ich auf einer großen Brachfläche. Ganz am anderen Ende der Stadt als beim letzten Mal. Es war als sei ich noch nie dort gewesen. Ich umwanderte einen großen, immer noch zugefrorenen See und schaute mir ein wenig das Umland an.

Heute Morgen bin ich dann weiter gezogen. Mein Ziel hieß Internet. Das fand ich nur rund 4 Kilometer weiter auf einen Supermarktparkplatz. Sage und schreibe über 300 Mails habe ich seit meinem letzten Internetbesuch bekommen. Zugegeben, das meiste Facebook Müll den ich ohne zu lesen gelöscht habe. Aber es bleiben immer noch über 50 Mails von echten Menschen. Ich werde selektieren müssen wem ich antworte und wem nicht. Ich brauche eine Sekretärin.

2 Weitere Tage verbrachte ich mehr oder weniger vor dem PC. Es war aber auch wirklich kein Wetter um vor die Türe zu gehen und ich hatte viel zu tun. Von den Kältebedingten Veränderungen einmal abgesehen hatte sich Mykolaiv auch nicht viel verändert. Nur der Fluss oder die Flussähnliche Einmündung die hier an einer Art Hafen endet war vollständig zugefroren. Noch vor wenigen Wochen schlugen dort Wellen gegen die Kaimauer.
Auf der großen Eisfläche spielten ein paar Jungs Fußball. Scheki jagte den Ball und so fand ich neue Freunde mit denen ich ein wenig Eiskicker spielte. Hier unser Abschiedsfoto:

Am Morgen des 10 März fuhr ich weiter. Herrlicher Sonnenschein. Mit ein wenig Warmluftunterstützung aus der Gebläseheizung meines Fahrzeugs konnte man fast glauben es sei Sommer. Die Strasse war hervorragend und ich steuerte mein Fahrzeug mit Geschwindigkeiten zwischen 80 und 100 km/h die Strecke zurück die ich eigentlich schon kannte. Zurück Richtung Odessa, zurück Richtung Moldova.
Nach einer knappen Stunde Fahrzeit sichtete ich linkerhand einen großen See. Eine Schlaglochreiche, aber immerhin befestigte Strasse führte in diese Richtung. Ich bog ab. Drei oder 4 Kilometer weiter, meine Federblätter hatten tapfer durchgehalten, war für mich dann das Ende der Strasse erreicht.

Kleinere Fahrzeuge hätten problemlos weiterfahren können, aber ich eben nicht. Ein freundlicher Herr kam ganz aufgeregt angelaufen als ich meinen Wagen vorsichtig unter die Absperrung steuerte um obiges Bild aufzunehmen. Er wollte mich wohl vor dem warnen was ich schon selber gesehen hatte. Aber mein Fotoapparat erklärte die Situation auch ohne Worte.
Ich parkte unmittelbar vor der Absperrung und suchte eine Umgehungsstrasse zu Fuß. Schnell hatte ich sie gefunden und rund eine Stunde später parkte ich hinter der Ruine eines Hauses. Nur rund 300 Meter vom See entfernt.

Näher heranzufahren traute ich mich nicht. Der Boden war aufgeweicht und matschig, ich wollte auf einem befestigten Weg bleiben.
Ein kurzer Erkundungsspaziergang und schon neigte sich der Tag seinem Ende.
Am nächsten Morgen spazierte ich von meinem Parkplatz aus gesehen nach rechts. Hindurch durch die schlammige Nebenstrasse des kleinen Ortes mit unaussprechlichem Namen hinter welchem ich Quartier bezogen hatte und dann hinaus ins nirgendwo. Trotz sommerlichem Sonnenschein und Temperaturen welche mich nach kurzer Zeit dazu bewegten meinen Pulli in den Rucksack zu packen anstatt ihn am Körper zu tragen war der See größtenteils noch von einer tragenden Eisfläche bedeckt. Irgendwann hatte ich das Ende des Sees erreicht. In kurvenreichen Mäandern schlängelte sich ein kleines Flüsschen durch eine hübsche Sumpflandschaft. Auf der anderen Seite eine Ortschaft. Ich beschloss dieses Sumpfland zu durchqueren um den Ort zu erreichen was mir auch gelang, allerdings nicht ohne nasse Füße zu bekommen, denn ganz so tragfähig war das Eis dann wohl doch nicht mehr. Der Ort bestand aus einer langen staubigen Strasse. Kinder spielten am Fahrbahnrand, Hühner, Ziegen und auch Schweine liefen frei durch die Gegend. Ansonsten gab es in dem Ort nichts, aber rein gar nichts. Ich fand noch nicht einmal ein Geschäft in welchem ich mir ein Mittagessen hätte kaufen können. Dafür eine Statur von Lenin oder irgendeinem anderen Volksheld. Heldenstatuen die braucht man ja auch, Lebensmittelgeschäfte sind weniger wichtig. Ich machte mich auf den Rückweg, folgte der Staubstrasse bis zur Asphaltierten Hauptroute, nutzte die Brücke und bewanderte den Weg welchen ich am Vortag mit dem Wagen befahren hatte.
Am nächsten Tag nutze ich das Wasser des Sees welches ich aus einem Loch im Eis schöpfte zum waschen und am übernächsten Tag machte ich mich auf durch dichten Schilfbewuchs in die andere Richtung zu wandern.
Am 14. zog ich weiter. Schnell erreichte ich Klobeve. Die Ortschaft wo ich schon auf dem Hinweg pausiert hatte, die Ortschaft welche hinter dem Deich liegt auf welchen die Hauptsrasse eine so phantastische Aussicht bietet. Von meiner damaligen Wanderung wusste ich das ich die Küstenlinie linksseitig des Ausläufers aus dem Tylihul´s´kyj lyman noch nicht betrachtet hatte. Schon damals wollte ich das tun, aber damals hetzte mich eine ablaufende Aufenthaltserlaubnis. Diesmal hatte ich Zeit. Also fuhr ich von Klobeve Richtung Küste. Schnell erreichte ich ein nahezu menschenleeres und verfallen wirkendes Touristenressort. Alle Zufahrten zum Strand waren gesperrt. Ich parkte auf einem schmutzigen, heruntergekommenen Platz zwischen einem Hotelkomplex und einem vergammelten Schwimmbad

und betrachtete die Gegend zu Fuß. Kein brauchbarer Parkplatz in Reichweite, also blieb ich dort wo ich war.
Auch mein Entdeckungsspaziergang am Folgetag war mehr als enttäuschend. Der Strand ist zugebaut mit Touristischen Attraktionen wie Strandcafes und Liegestuhlvermietungen. Im Grunde ist er aber sehr hübsch und um diese Jahreszeit auch frei von Pauschaltouristen.

Leider ist er aber auch sehr kurz. Nach einer guten Stunde Marsch endete er an einer Klippe. Über das Gelände eines Hotelkomplexes ging ich bergan und blickte kurz darauf über das gesamte Ressort.

Im Zick Zack lief ich durch die Anlage zurück. Gelände von Campingplätzen, Hotelanlagen und Bungalowvermietungen waren von der "Hauptstrasse" mit hohen Zäunen, Mauern und Toren verbarrikadiert. Der Zugang vom Strand war allerdings meinst uneingeschränkt möglich. Meistens gab es irgendwo auf den Geländen einen bewohnten Bau- oder Wohnwagen. Dort lebten Securitymitarbeiter welche mir ausnahmslos sehr freundlich den Weg zum Ausgang erklärten.
Alles was irgendwie abschraubbar ist war gestohlen. Steckdosen, Lampen, Schalter. Einfach alles. Genau wie in Rumänien war auch hier der Übergang zwischen "noch nicht fertig gestellt und bereits vergammelt" fließend.
Ich fand eine große Plastikplatte, einstmals das Sonnendach eines Strandcafes oder ähnliches. Diese Platte trug ich bis zum Wagen und bastelte am nächsten Tag ein neues Innenteil für meinen Bilderrahmen an der linken Fahrzeugsaußenseite daraus. Dann fuhr ich weiter.
Ich stoppte wenige Kilometer weiter exakt an der Stelle an welcher ich schon einmal geparkt hatte. Eine wunderschöne Stelle. Strand vor dem Wagen, ein herrlicher Ausblick, Ruhe! Den spärlichen Rest des Tages nutze ich dazu mein Fahrerhaus aufzuräumen und mein Werkzeug zu sortieren. Nach all der Schrauberrei war es sehr schwierig geworden einen ganz ordinären Schraubenzieher zu finden. Außerdem trägt eine Reinigung der Windschutzscheibe sicherlich auch zur Verkehrssicherheit bei.
Die linke Seite des Tylihul´s´kyj lyman war herrlich. Nicht nur das Wetter spielte mit, auch die Landschaft war toll. Ich folgte dem Wasser und erreichte kurz darauf eine der hier typischen Ortschaften ohne Asphaltierte Strasse. Ich bahnte mir meinen Weg durch frei laufende Haus- und Nutztiere und erreichte bald darauf wieder das Seeufer. Über eine rostige Eisentreppe ging es hinunter. Die ersten zwei Meter des Sees waren Eisfrei, dahinter eine geschlossene Eisdecke auf welcher sich Wasservögel entspannten. Scheki nutzte die Gelegenheit für ein Bad und ich dachte mir nur: "Bekloppter Köter, der Tümpel ist noch zugefroren".
Ein gut zu bewandernder Landwirtschaftsweg führte mich am Ufer entlang. Ein unterbrochener Damm teilte den See. Bald befand ich mich in so etwas wie einer Schrebergartenanlage. Hütten, Häuser, Bauwagen. Nur das ich den Eindruck hatte diese Behausungen dienen nicht nur der Freizeitgestaltung, sondern sie sind ganzjährig bewohnt.
Immer wieder kommen mir Menschen mit Wasserkanistern entgegen was mich den Rückschluss ziehen lässt das es hier kein fließendes Wasser gibt. Die einzelnen Gebäude und Gehöfte liegen weit auseinander und ich bekomme mal wieder Gedanken die irgendwie in die Richtung sesshaft werden tendieren. Was mag hier so ein Grundstück kosten? Eins mit nem verfallenen Bauernkoten drauf? Wagen hinstellen, ein paar Hühner, Gänse und Ziegen anschaffen. Wer braucht da noch Geld? Ein Leben als Selbstversorger. Das wovon viele Deutsche alternative träumen scheint hier ein Zeichen von Armut zu sein. Ich bin gerne arm! Dennoch erkundige ich mich nicht nach Preisen und setze meinen Weg fort. Was nützt mir ein Grundstück in einem Land das mich alle 60 Tage rausschmeißt?
Lustige finde ich dass die scheinbar einzige Zufahrtsrasse in dieses weiträumige Gelände mit einem Tor geschlossen werden kann. Glücklicherweise stand es offen so dass ich hinausgehen konnte. Bald darauf passierte ich ein kleines Geschäft. Tische standen in einem unvollendeten Vorbau. Zwei Männer saßen bei einem Wein zusammen. Alles sah sehr einladend aus und ich beschloss hier meine Mittagspause zu verbringen. Ein Leib Brot kostete mich umgerechnet 30 Cent. Eine Flasche Bier dazu abermals 60. Ich setzte mich an einen freien Tisch. Dieses handeln scheint hier allerdings unüblich zu sein, denn die zwei Herren protestierten lautstark. Ich hatte mich gefälligst zu ihnen zu gesellen. Nicht schlimm, Gesellschaft kann nie schaden und die beiden waren nett auch wenn wir keine gemeinsame Sprache fanden.
Die kommenden beiden Tage saß ich in der Frühjahrsonne auf einem Stuhl vor meinem Wagen und schaute dem Eis bei seinem kontinuierlichen Rückzug zu. Mann konnte wirklich zuschauen wie das Eis zurückging. Mit jeder Stunde wurde die eisfreie Zone breiter. Als ich abreiste trieb nur noch eine vereinzelte Scholle auf der Seemitte. Da der Vorgang dann doch recht langsam von statten geht, schaute ich zwischenzeitlich viel auf den Bildschirm meines Computers.

Dabei kam mir der Verdacht dass irgendetwas mit meiner Solaranlage nicht stimmen kann. Die Sonne schien, zugegeben, sie stand noch sehr flach am Himmel, aber sie schien. Der Himmel war wolkenlos und meine Batterie wurde leerer und nicht voller. Eigenartig! Ich half mit dem Stromerzeuger nach.
Am 20. März zog es mich weiter. Bevor ich Odessa erreichte passierte ich einen Flächenbrand. Ich hielt an und schoss ein Foto.

Unzählige, breit verstreut liegende, Brandherde ließen darauf schließen dass dieses Feuer mit Absicht gelegt wurde. Ich sah niemanden der die Sache beaufsichtigte. Auf einer Fläche von einigen Quadratkilometern schwelte ein Bodenbrand welcher sich an großen Grasbüscheln oder Gestrüpp unkontrolliert in emporlodernde Flammen entfaltete.
Dann erreichte ich Odessa. Mein Ziel hieß Fozzy, der große Supermarkt dem ich schon auf meinem Hinweg einen Besuch abstattete. Aber ich fand ihn nicht wieder. Also quälte ich mich durch den Berufsverkehr und fand schließlich einen Parkplatz in der Nähe des Hauptbahnhofs. Fozzy suchen! Nicht das ich nicht auch in einem anderen Laden einkaufen könnte, aber unweit von Fozzy gibt es diese Trinkwasserstelle. Abgesehen von dem Wasser aus Jalta, das einzige Wasser das ich in der Ukraine fand welches ich für trinkbar erachte. Bald würde ich wieder in Moldova sein und meine Erfahrung sagt mir dass auch das dortige Wasser meistens ungenießbar ist. Also wollte ich bunkern.
Bei meiner Suche bemerkte ich dass sich Odessa nicht verändert hatte.
Gegen 11 Uhr nachts startete ich den Motor und parkte kurz darauf auf dem Fozzy Parkplatz. Ein herrlicher Sonnentag den ich mit Wassertragen verbrachte. Mit Einbruch der Dunkelheit schaute ich auf meine Boardspannung. 12,68 Volt. Da stimmt was nicht! Die müsste mindestens 12,8 eher 12,9 oder gar 13 Volt betragen. Am nächsten Tag maß ich die Spannung die von den Solarzellen kommt. Knapp über 9 Volt. Da stimmt was nicht. Wie sollen 9 Volt eine 12 Volt Batterie laden?
Jetzt und hier meine Deckenverkleidung abzuschrauben um dem Fehler auf den Grund zu gehen hielt ich für eine dumme Idee. Nur noch wenige Tage und ich muss eine Grenze überqueren. Wenn die Wandverkleidung dann so ausschaut als sei sie kürzlich abgebaut worden, dann wollen die Zöllner da bestimmt hinterschauen. Also setzte ich mich mit einem Kaffe auf die Couch und beschloss gar nichts zu tun. Aber das Problem quälte mich. Kein Solarstrom, das ist ja fast so schlimm wie ein Motorschaden. Dann ist ja Stromtechnisch ewiger Winter und ich hatte mich so auf unbegrenzte Energie für Laptop und Radio gefreut.
Schon bald stand ich auf, räumte den Küchenschrank aus und steckte meine Finger in den kleinen Spalt der hier zwischen der Deckenverkleidung des Badezimmers und der Deckenverkleidung des Wohnraumes existiert. Ah, da ist es. Das Kabel das von den Solarzellen kommt.
Da muss mann … ja, genau, dieses kleine Brett. Schraubenzieher! Ah, die Styreporplatte. Zieh, zerr, da ist sie abgebrochen. Ja, da ist der Schaltkasten. Noch ein Brett! Da komm ich so nicht dran, da muss erst der Spiegelschrank weg. Spiegelschrank! Drei kleine Schrauben. Ich hab den Schraubenzieher eh grad in den Händen.
Kurz und knapp: Ich verursachte in kürzester Zeit ein Heiden Chaos und tat exakt das was ich mir vorgenommen hatte nicht zu tun. Ich demontierte einen Teil der Deckenverkleidung meines Badezimmers.

Ich löste die Verschraubung der Trennwand zwischen Dusche und Waschbecken, bog diese Beiseite und verkeilte sie mit einem Stock den ich auf dem Parkplatz gefunden und kurzerhand auf die passende Länge abgeschnitten hatte. Genau unterhalb der Trennwand zersägte ich zwei Bretter der Deckenverkleidung um diese überhaupt entfernen zu können. Ich nummerierte die Holzlatten um sie hinterher wieder in der richtigen Reihenfolge einsetzen zu können, ich riss Isolierung heraus und irgendwann hatte ich alle Schaltkästen an der Unterseite der Solarzellen freigelegt und aufgeschraubt.
Kein Wunder das das nicht klappt. Kondensfeuchtigkeit hatte einen Anschluss so stakt oxidieren lassen das er sich gelöst hatte.

Ich reparierte dieses Manko und setze mich mit einem Kaffe in das Chaos. Dann bemerkte ich dass es draußen bereits hell wurde. Ich wartete auf die ersten kräftigen Sonnenstrahlen und hielt voller Vorfreude das Messgerät auf die Anschlusskabel. Was? 70 Volt! Das kann nicht sein. Da ist wohl die Batterie des Messgerätes leer. Ich hatte nach den letzten Messungen vergessen es auszuschalten. Nicht schlimm, in wenigen Minuten öffnet Fozzy, da kann ich eine neue erwerben.
Hatte ich noch beim letzten Mal das reichhaltige Angebot von Fozzy gelobt, so musste ich diesmal feststellen dass schon der Erweb eines herkömmlichen 9Volt Blocks in diesem Markt unmöglich ist. Einige Stunden irrte ich durch die Randbezirke Odessas bevor ich die passende Batterie gefunden hatte. Mittlerweile war es Mittag, aber ich konnte Messen.
Leerlaufspannung = 18,4 Volt. Prima! Kurzschlussstrom = 3,2 Ampere. Ebenfalls prima. Ich baute alles wieder zusammen und legte mich ins Bett.
Was heißt ich baute alles wieder zusammen? Ich stellte die elektrischen Verbindungen her, meine Decke sah immer noch aus als hätte ich sehr dringend Brennholz benötigt.
Ich schlief bis zum Einbruch der Dunkelheit. Dann begann ich das von mir herangeschaffte Wasser, immerhin über 80 Liter, in meinen Tank umzufüllen. Eigens zu diesem Zweck erwarb ich bei Fozzy einen Trichter. Ich wollte schon lange einen Trichter kaufen um nicht immer irgend etwas aus alten Flaschen basteln zu müssen um meinen Wassertank aus Kanistern zu befüllen, aber wie das so ist … wen ich einen solchen Trichter benötigte war gerade kein Geschäft in der Nähe und wenn ich in einem Geschäft war das Trichter führte, dann hab ich einfach nicht dran gedacht einen solchen zu kaufen. Jetzt benötigte ich einen Trichter und parkte direkt auf einem Supermarktparkplatz. Eine gute Gelegenheit 40 Cent in einen wichtigen Ausrüstungsgegenstand zu investieren.
Kurz vor Schließung der öffentlichen und kostenlosen Wasserstelle um 20 Uhr am Abend reihte ich mich noch einmal in die Schlange der dort wartenden Menschen ein um weitere 36 Liter Trinkwasser zu meinem Fahrzeug zu tragen.

Dann ging ich wieder ins Bett.
Den Tag des 23. März verbrachte ich damit meinen Spiegelschrank zu reinigen, die Wandverkleidungen im Badezimmer wieder anzubringen und bei der Gelegenheit auch gleich abzuwaschen und natürlich ging ich noch einige Male Wasser holen.
Am Abend kamen dann die Jungs von Odessa drift zurück. Sie hatten sich irgendwie vermehrt. Grob geschätzt 200 Wagen standen in einem großen Kreis um den Ort des Geschehens versammelt. Kaum jemand hatte sein Fahrzeug so unter Kontrolle das er auch nur eine einzige Runde im drift um den Laternenpfahl in der Mitte des Platzes geschafft hätte. Immer wieder drehten die Fahrzeuge Prioretten und der Drift war vorüber. Irgendwann fuhr dann ein neuer Wagen auf den zum driften vorgesehenen Platz, blieb mitten darauf stehen und schaltete sein Blaulicht ein. Eine Lautsprecherdurchsage erklang und langsam aber sicher leerte sich der Platz. Ein Fahrer, einer der sein Fahrzeug beherrschte, fuhr neben das Polizeifahrzeug, lies die Räder qualmen wie ein blöder und drehte anschließend mindestens 6 oder 7 Runden um den Wagen der Ordnungshüter. Nicht ein einziges Mal brach sein Wagen aus, nicht einmal kam er aus dem drift. Am Ende seiner Darbietung drehte er das Lenkrad in die andere Richtung, der Wagen beschrieb eine 360 Grad Wendung und mit qualmenden Pneus verließ er den Platz. Die Polizei folgte ihm nicht. Ich stand am Rand des Geschehens und konnte mich vor Lachen kaum noch halten.
Heute haben wir den 24 März 2012. Es ist 15 Uhr und 44 Minuten. Ich sitze seit etwa 5 Stunden vor dem PC und schreibe diese Worte. Jetzt werde ich eine kleine Runde mit meinem Hund spazieren und mich anschießend ins Skaf begeben. Meiner Internetkneipe die ich noch von meinem letzten Aufenthalt kenne. Morgen werde ich dann noch einige Dinge einkaufen bevor ich wieder in ein Land ohne Supermärkte einreise und dann geht es wohl wieder über die Grenze. Mein Visa läuft ab.

"Wenn Frauen nichts können werden sie Prostituierte. Wenn Männer nichts können werden sie Zollbeamter!"
Diesen, in der Ukraine wohl sehr bekannten Witz, erzählte mir ein freundlicher, englischsprachiger Verkäufer aus einem Secound Hand Schuhgeschäft in Bilhorod-Dnistrovs´kyj.
Am 25. März tätigte ich meinen Großeinkauf bei Fozzy. Ich wusste ja dass es in Moldova schwierig bis unmöglich ist ein großes Geschäft zu finden, darum deckte ich mich mit industriell gefertigten Gütern ein. Suppenwürfel, neue Kekse, Hundefutter, Tomatenmark und Ketchup, Instandnudeln, Toilettenpapier …. Dann ging es ein letztes Mal zum Wasserhahn. Vom Fozzy Parkplatz runter, rechts und nach 50 Metern an der Ampel links. Dann rund 200 Meter geradeaus und ich reihte mich in die Schlange der Wartenden Wasserholer ein. Gegen 10 Uhr am Abend, um eine Uhrzeit die erwarten ließ das die Straßen verhältnismäßig leer sind, startete ich den Wagen. Den Wegweiser Richtung M15 und Majaki hatte ich schon zu Fuß entdeckt. Also auf in diese Richtung. Nach dem Verlassen Odessas wurde die Strasse schmaler und schmaler. Es schaute nicht so aus als sei ich dort auf dem Hinweg lang gefahren. Laut Kompass ging es aber in die richtige Richtung. Vorerst zumindest. Nach ca. 15 Kilometern wurde auch die Richtung falsch. Ich fuhr einen viel zu südlichen Kurs, aber eine Strasse zum Abbiegen gab es nirgendwo. Trickreich umfuhr ich die unzähligen Schlaglöcher und nur gelegentlich zerriss es fast mein Fahrgestell weil ich ein Loch übersehen hatte und mein Fahrzeug in ein solches hineingefallen war. Irgendwann gab es wieder Schilder. Ich fuhr Richtung Bilhorod-Dnistrovs´kyj. Auch gut, dann fahre ich halt auf der anderen Seite des Denistru Deltas zurück.
Nach der Überquerung einer abenteuerlichen Brückenkonstruktion mit nur einer Fahrspur welche grob geschätzt nur 10 Zentimeter breiter ist als mein Wohnkoffer erreichte ich Zatoka. Im Sommer sicherlich ein belebtes Touristenkaff. Immerhin begrüßten mich schon am Ortseingang aus Neonröhren gefertigte Sonnenschirmchen und Liegestühle welche als Stromfressende Leuchtreklame die Nacht erhellten.
Ein Parkplatz war schnell gefunden, und am nächsten Morgen ging es auf den Strand zu suchen. Er lag hinter einer verlassenen Promenade welche rechtwinklig vom Strand weg, zu dem führte was man hier so Stadt nennt.

So weit ich sehen konnte Strand. Richtig schöner Sandstrand. Sowohl in die rechte als auch in die linke Richtung. Ich überlegte kurz, dann entschied ich mich für den rechten Weg.
Rund 2 Stunden folgte ich dem Strand. Anfänglich gab es noch einen befestigten Weg welcher häufig von Treibsand zugeweht war. Hotelbauten und geschlossene Restaurants säumten das Wasser. Dann lag die Zivilisation hinter mir und ich wanderte im Spülsaum des Meeres. Dort fand ich einen eigenartigen Tierschädel. Reißzähne denen ich wirklich nicht am lebenden Tier begegnen möchte und dabei eigenartige, nach vorne gerichtete Schneidezähne die eigentlich so ausschauen als gehörten sie zu einem Vegetarier und seinen dazu gebaut Blattwerk von Bäumen zu rupfen. Um ihn besser Fotografieren zu können trug ich ihn zu einer verlassenen Fischerhütte. Dabei bemerkte ich dass sich nicht nur links von mir Wasser befindet, sondern auch rechts. Der hübsche Strand an welchem ich entlang spazierte war in Wirklichkeit ein Damm. Auf der zweiten Seite bildete er ein Schilfufer zu dem Mündungssee der Denister. In einiger Entfernung sichtete ich eine Brücke zum Festland die ich nutze. Sie führt mich in eine ausgestorben wirkende Ortschaft. Dichte Schilfgürtel säumen das Ufer. Stellenweise sind sie frisch niedergebrannt. So frisch dass ich schon von weitem einige Rauchfahnen aufsteigen sehe. Als ich näher komme richt es penetrant nach verbranntem Gummi. Bei genauerer Betrachtung bemerke ich das das Schilf schon vollkommen abgebrannt ist und nur noch vereinzelt giftige Rauchschwaden von einigen in der Natur entsorgten Autoreifen aufsteigen deren Gummi noch immer lodert.
Eine schmale Fußgängerbrücke führt mich auf die andere Uferseite und somit in ein weiteres Dorf. Ein junger Mann spricht mich an. Keine Ahnung was er wollte, ich habe ihn nicht verstanden. Ich habe ihm einfach mal erzählt dass ich deutscher Tourist bin, meinen Wagen in Zatoka geparkt hätte und eine kleine Wanderung unternähme. Ungefragt begleitet mich der Junge. Es war bestimmt ein netter Kerl, aber er war leider sehr ungeschickt in der Handzeichenkonversation so das ich nicht genau weiß was sein Anliegen war. Ich kann es nur vermuten. Wahrscheinlich wollte er mir erzählen das ich in die Richtung in welche ich laufe nicht zurück nach Zatoka komme. Ich sah die Stadt aber und schenkte den unverständlichen Worten des freundlichen Kerls deswegen keine Beachtung. Irgendwann jedoch verlief der Uferverlauf in einer Kurve und ich erkannte dass ich die Stadt zwar sah, dass aber einige hundert Meter Wasser zwischen mir und ihr lagen.
"Ist nur 20 cm hoch, da kann man durchwaten." Erklärte mir mein Freund indem er auf seine Waden und dann auf das Wasser zeigte. Ich dachte an das Thermometer welches ich kürzlich passiert hatte und welches angenehme 4 Grad anzeigte. Und dabei war es in Odessa so schön warm. Ich schüttelte den Kopf, bibberte ein wenig und beschrieb mit meinen Händen einen großen Bogen um das Wasser herum. "Njet, milizia!" Arme überkreuzten sich. A ha! Militärgebiet. Wie überall in der Ukraine. Überall wo es hier schön ist und wo man mal ein Stück spazieren gehen möchte trifft man entweder auf ein Militärgebiet oder auf ein Touristenressort welches militärisch bewacht wird. Wir gehen zurück und an dem Haus meines Freundes trennen sich unsre Wege. Ich nutze den Weg den ich schon einmal gelaufen war, aber im zurückgehen, bzw. zurückfahren bin ich ja schon geübt. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit erreichte ich mein Fahrzeug.
Bereits am nächsten Morgen ging es weiter. Ablaufende Visa, ich hasse so etwas! Schnell erreichte ich Bilhorod-Dnistrovs´kyj. Dort fand ich aber trotz ausgiebiger Suche kein Schild welches Richtung Grenzübergang gedeutet hätte. Dafür fand ich eine hübsche Burg mit Parkplatz davor.

Ich war am 29. Januar aus Russland zurück in die Ukraine eingereist. 60 Tage Aufenthaltsrecht … das wäre Pie mal Auge der 29. März. Es war ja erst der 27. Und außerdem ist der Februar ja auch ein kurzer Monat. Zeit mir die Burg anzuschauen.
Die Tür stand offen. Ungehindert spazierte ich auf den Burghof. Leider waren die wirklich interessanten Dinge verschlossen. Jeder Eingang der ins innere der alten Gemäuer führte war mit einem Eisentor verschlossen. Fast jeder:
Leider führte der Gang nur in ein modrig feuchtes Verließ. Nicht sonderlich interessant. Leicht enttäuscht ging ich noch ein wenig in dem riesigen Innenhof hin und her, kletterte auf einige Mauern um einen Blick auf das dahinter liegende Binnenmeer oder eben auch auf die Stadt zu werfen. Plötzlich stand so ein Typ mit Militäruniform neben mir. Der konnte sogar "entry, police" und "out!" auf Englisch sagen. Irgendwie kostet es dann wohl Eintritt die Burg zu besichtigen. Ich zuckte mit den Schultern und erklärte in einem ausführlichen Redeschwall mein letztes Geld schon ausgegeben zu haben da ich eigentlich vor gehabt hätte das Land zu verlassen. Meine leere Geldbörse unterstrich den Wahrheitsgehalt meiner Worte. Dann quatschte der Kerl noch was von Police und zu guter letzt komplimentierte er mich mit dem Worten "out!" vor die Tür.
Nicht schlimm, ich hatte ohnehin alles gesehen.
In der Nacht nutze ich noch den Kanal welcher mehr oder weniger unmittelbar neben meinem Parkplatz lag und aus welchem es erbärmlich nach Fäkalien duftete um meinen Abwassertank zu entleeren und am nächsten Morgen drehte ich dann eine Runde durch den Ort. Dabei fand ich das bereits erwähnte Secound Hand Schuhgeschäft das trotz gigantischer Auswahl und akzeptablen Preisen keine Schuhe hatte die mir passten bzw. gefielen.
Am Nachmittag war dann auch schon wieder die Weiterfahrt angesagt. Der Schuhverkäufer hatte mir den Weg erklärt. Aber er war sehr abenteuerlich.

Irgendwann bekam die Strasse dann wieder eine Asphaltdecke. Aber sie war von Schlaglöchern dermaßen übersäht das sie kaum jemand benutzte. Die Fahrzeuge fuhren auf einer parallel zur Asphaltroute verlaufenden Naturstrasse welche das Gewicht der Fahrzeuge einfach in den Acker gedrückt hatte. Auch ich fuhr dort und ich muss sagen dass es im Großen und Ganzen entschieden erschütterungsfreier war als die eigentliche Straße. Dann erreichte ich eine Kreuzung. Wo lang? Das war die Hauptstrasse, das konnte ich am guten Fahrbahnbelag erkennen. Aber in welche Richtung muss ich sie befahren? Ich fragte einen Polizisten welcher mir schräg gegenüber seine Radarfalle aufgebaut hatte und mir sehr freundlich weiterhalf.
Noch ein letzter Stopp an einer Tankstelle, mit vollem Tank ausreisen ist sicher sinnvoll, und kurz darauf kam die Grenze in Sichtweite. Es war bereits nach 17 Uhr und ich hatte Erfahrung wie lange so ein Grenzübertritt dauern kann. Außerdem hatte ich ja auch noch für 24 Stunden ein Visa. Also parkte ich in einem Seitenweg und wartete auf den nächsten Morgen.
Nach einer mehrstündigen Runde mit meinem Hund fuhr ich dem Grenzposten entgegen. Insgesamt hat die Prozedur viereinhalb Stunden gedauert. Es war mal wieder lustig, auch wenn sich die Grenzer korrekt verhalten haben (wenn sich ein Grenzbeamter überhaupt korrekt verhalten kann) und mich Ausnahmsweise nicht um eine kleine Spende baten. Aber ich möchte davon nicht schreiben. Denn ich habe den viereinhalbstündigen Grenzübertritt zu einem 30minütigen Liveaudio verarbeitet. Da könnt ihr hören was der Grenzer so gesagt hat und was ich ihm geantwortet habe. Wie wir das Problem mit dem fehlenden Einreisestempel lösten und warum ich keine Waffen und Drogen an Board habe. Wenn ich es aufschreibe, dann glaubt es mir eh keiner.

Audioplayer für VIP Leser

Die Frau der ich eine Mitfahrgelegenheit angeboten hatte war spurlos verschwunden und ich war wieder in Moldowa.

Weiter geht es mit einem neuen Design für meine HP.

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Bild: Danke
Für die Verlinkung meiner Reiseberichte aus den Umbaugeschichten von gertenbach.info/big_foot.



Kleine Häuser auf Rädern, auf dem Wasser und in Bäumen.



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