Ukraine; Wohnmobil Reisebericht

Schnell hatte ich mit meinem Wohnmobil die Grenze zur Ukraine gefunden. Sowohl die Menschen die nach links, als auch die Menschen die nach rechts gezeigt haben als ich sie nach dem Weg Richtung Odessa fragte hatten Recht. Wenn man die Hauptstrasse befährt kommt irgendwann ein Schild welches Richtung Stefan Voda deutet. Dort bin ich rechts abgebogen. Wenn man der Straße durch Stefan Voda hindurch folgt, führt sie in einem Ring zurück auf die Hauptstrasse. Man kann also sowohl links als auch rechts abbiegen wenn man von Stefan Voda nach Odessa fahren möchte.
Nach etwa 10 Kilometern Fahrt erreichte ich dann auch ein Hinweisschild welches nach Slobozia deutete. Laut meiner Karte kann das nicht sein! Ich bin immer in südöstliche Richtung gefahren, laut meiner Karte muss Slobozia weit vor Stefan Voda kommen.

Aber auf meiner Karte ist auch nicht die Grenze zu Transnistrien eingezeichnet. Wahrscheinlich dachten die Kartenersteller aus dem Hause Marco Polo: "So genau kommt das nicht, da fährt eh keiner lang." Und eine Grenze zu einem diplomatisch nicht anerkannten Staat, die muss man ja auch nicht einzeichnen. Für den Reisenden der die Karte nutzt ist es ja auch überhaupt nicht von Interesse, dass sich dort eine von schwerem Kriegsgerät bewachte Grenze befindet.
Um 12 Uhr und dreißig Minuten erreichte ich den moldawischen Grenzposten. 40 Minuten später war ich im Stau so weit vorgedrungen das mein Wagen vor dem Zollhäuschen parkte.

Aufgrund meiner Erfahrungen an der Transnistrischen Grenze, mit den psychologischen Tricks und der "Angst-mach-Strategie" ließ ich das Diktiergerät im Schrank. Ich hatte schlicht und einfach Angst mit dem Ding erwischt zu werden.
Es folgte die übliche Grenzprozedur. Ein Blick in meinen Pass und die blöde Frage wie lange ich in Moldova war. Na, das sieht der doch ganz eindeutig am Einreisestempel. Ich antworte: "Knapp 90 Tage." Die nächste Frage lautete: "Was haben sie geladen? Cargo?" "No Cargo, Tourist - motorhome. Take a look!" Ich öffnete die Wohnungstüre und ein Beamter kletterte in mein Fahrzeuginneres. Er war sichtlich beeindruckt, zückte sein Mobiltelefon und machte, ohne mich um Erlaubnis zu fragen, ein Foto von meinem Innenraum. Mir war es egal. Dann durfte ich die Türe wieder verschließen. Dann wurde ich aufgefordert den kleinen weißen Zettel vorzuzeigen welcher bestätigt, dass ich bei der Einreise 5 Euro Eintrittsgeld bezahlt hatte. Diesen Zettel musste ich suchen, was glücklicherweise nur wenige Minuten Zeit in Anspruch genommen hat. Ich zeigte dem Beamten das Dokument und dieser erklärte mir, dass ich nun abermals 40 Euro zu bezahlen hätte. Die 5 Euro seien lediglich die "ökologik taxe" jetzt müsse ich noch einmal 40 Euro Transitgebühren berappen.
Ausreisegebühren! Eintritt zahle ich ja noch, aber Austritt, Austritt zahle ich nicht! Ich erklärte nur 20 Euro zu besitzen und zeigte meine Geldbörse welche, bis auf einen einzelnen 20 Euroschein vollkommen leer war. Und jetzt, jetzt fing es an lustig zu werden. Der Zöllner bat mich in sein Zollhäuschen und malte komplizierte Bilder. 40 Euro schrieb er auf einen Zettel und schrieb "Bank" daneben. Dann strich er seine Zeichnung mehrfach durch und schrieb sehr groß und deutlich 20 Euro auf den Zettel. Ich schaute ihn fragend an. Er nahm meinen Pass, klappte ihn auf, deutete auf meinen Wagen, legte seine Hand zwischen den Pass, zeigte abermals auf die niedergeschriebenen Worte "20 Euro", dann klappte er den Pass mit seiner Hand dazwischen wieder zu, reichte mir mein Ausweißpapier zurück, klopfte mir freundschaftlich auf die Schulter und deutete nochmals auf mein Auto.
Spinnt der? Das ist Bestechung! Ich verließ das Wachhäuschen, deutete auf das große Plakat auf welchem ein durchgestrichener Pass zu sehen ist zwischen welchem einige Geldscheine hervorquellen, sprach das Wort: "Bank" und zückte freudestrahlend eine EC Karte. Dem Zöllner klappte die Kinnlade nach unten. Er schien ratlos zu sein. Nach einigen Minuten des Überlegens musste ich noch einmal meinen Wagen öffnen. 2 Beamte kletterten hinein, öffneten einige Schranktüren, schauten hier und schauten da, überprüften die Fahrgestellnummer und dann bekam ich einen Ausreisestempel in meinen Pass und durfte weiterreisen.
Mittlerweile war es kurz nach zwei. Eine sehr schmale und sehr schlechte Straße führte mich dem ukrainischen Grenzposten entgegen. Nach ca. 3 Minuten Fahrt reihte ich mein mobiles Eigenheim in eine Schlange aus von mir ungezählten LKW ein. Dort wartete ich etwas über eine Stunde bis ich erneut den Motor starten konnte weil die Kolonne wenige hundert Meter vorrückte. Bis zum Einbruch der Dunkelheit startete ich 3 oder vier Mal den Wagen um jeweils einige hundert Meter näher an den ukrainischen Grenzposten heranzufahren.
Mit der Dunkelheit kam die Kälte. Bis ca. 18 Uhr harrte ich in meinem Fahrerhaus aus. Dann bat ich den LKW Fahrer hinter mir doch kurz auf die Hupe zu drücken wenn es weitergeht und verkrümelte mich in meinen Wohnraum.
Um 20 Minuten nach acht, nach knapp 8 Stunden Wartezeit forderte mich ein Grenzbeamter auf mich zur "custom controll" zu begeben. Ich verriegelte mein Fahrzeug und begab mich, mit allen Dokumenten in meinen Händen, zu einem kleinen mit "custom controll" beschrifteten Wachhäuschen. Dort standen schon ein gutes Dutzend Trucker vor mir. Nach etwa 20 Minuten war ich an der Reihe und reichte dem Zöllner meine Papiere. Dieser deutete auf ein weiteres Wachhäuschen, und zwar auf genau jenes in welchem ich den Zöllner wieder fand der mich vor ca. 20 Minuten zu diesem Häuschen geschickt hatte. "Dokument" sprach der Zöllner. Ich ging also zurück und erhielt, nahezu ohne Wartezeit einen kleinen Zettel mit einem roten Stempel. Mit diesem Zettel musste ich jetzt zurück zur "custom controll". Dummerweise war ich jetzt nicht mehr der Erste, sondern wieder der Letzte in der Reihe. Nach abermals 20 Minuten Wartezeit wurde ich mit einigen weiteren Zetteln in ein Bürogebäude geschickt. Dort wurde mein Pass gestempelt. Ich erhielt all die hübschen Zettel zurück und wurde in einen Bürocontainer gesandt. Dort begannen die ersten Probleme! Mit einem Fahrzeug bis zu 6 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht, sei alles kein Problem. Bei schwereren Fahrzeugen benötige man allerdings eine Transitgenehmigung welche ich nun vorzeigen sollte. Selbstverständlich besaß ich keine solche Transitgenehmigung und zuckte unwissend mit den Schultern. Ich bekam ein hochoffiziell wirkendes Dokument gezeigt welches sogar in deutscher Sprache abgefasst war. Leider erinnere ich mich nicht mehr an den genauen Wortlaut des Dokumentes. Aber dort stand sinngemäß das Fahrzeuge des Güterkraftverkehrs mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 6000 Kilogramm dieses Dokument benötigen. Fahrzeuge des Güterkraftverkehrs! Ich zeigte auf die entsprechende Stelle in der englischen Abfassung und erklärte: "No Cargo! Holliday! Tourist! Don´t need!" Der Zöllner beratschlagte sich mit seinem Kollegen, Aktenordner wurden gewälzt, es wurde telefoniert. Dann wurde ich gefragt wo ich hin will in der Ukraine. Ich antwortete: "Odessa - Krim - Russia" Ich wurde aufgefordert mein Visa für Russland vorzuzeigen. Als nicht planender, und wenig vorausschauender Mensch hatte ich ein solches Visa natürlich auch nicht vorzuweisen. Ich erklärte den hilfsbereiten Grenzbeamten einfach mal ausprobieren zu wollen ob die Russen mich reinlassen und wenn sie es nicht tun, na, dann könne ich ja immer noch zurückfahren. So viel Naivität hatten die Zwei anscheinend noch nie erlebt. Es wurden abermals Ordner gewälzt und gewendet, es wurde abermals telefoniert, dann bekam ich ein Formular mit welchem ich zur Bank geschickt wurde. 20 Euro und 28 Cent solle ich bezahlen. Für dieses Geld erhielt ich diesen hübschen, grünen Zettel.

Leider konnte die Bankangestellte meinen 50 Euro Schein nicht wechseln welchen ich aus einen "Geheimfach" hervorgekramt hatte. 25 Euro bekam ich in meiner Landeswährung zurück, und dann erhielt ich noch 24 ukrainische Irgendetwas. Leider habe ich noch keine Ahnung wie das Geld hier heißt, ich kann es nämlich nicht lesen. Das steht da in kyrillisch drauf! Aber was ich bereits weiß, das ist wie viel dieses Geld wert ist. Für einen Euro erhält man 10,6 rumänische Irgendetwas. Ich hatte noch 4 Euro und zweiundsiebzig Cent zu erhalten. 24 Rumänische Irgendetwas sind aber nur 2 Euro fünfundzwanzig. Sprich ich wurde um knapp 2 Euro fünfzig betrogen! Dummerweise kannte ich zu diesem Zeitpunkt den Wechselkurs noch nicht, so dass ich mich bedeckt hielt.
Wie dem auch sei, ich erhielt jedenfalls ein Dokument mit dem ich zurück in den Bürocontainer musste und dort erhielt ich diesen hübschen grünen Zettel.
Jetzt wurde es noch lustiger. Ein Beamter verglich nämlich im Licht seines Telefondisplays meine Fahrgestellnummer. Leider verwechselte er in der schlechten Beleuchtung eine Drei mit einer Acht. Tja, mein Wagen muss dann wohl gestohlen sein. "No OK" meinte der Zöllner vorwurfsvoll. "Ok, not stolen" entgegnete ich und leuchtete mit meiner eigenen Lampe. Schnell war das Problem geklärt.
Jetzt wollten auch die ukrainischen Zöllner einen Blick in mein Fahrzeuginneres werfen also entriegelte ich die Türe. Ein Zöllner trat ein, warf einen flüchtigen Blick in meine Küchenschränke, begutachtete mein Brennholz und dann, dann fiel sein Blick auf ein großes Haumesser welches an meiner Wand hinter dem Kamin hing. Er begutachtete das Messer ausgiebig und stammelte immer wieder etwas von "Problem, Problem!" Dann steckte er das Messer in seine Jackentasche, hielt seine Hand auf und sprach: "100 Euro!" Ich hingegen sprach: "Your Name! Passport Officer! No Backschisch!"
Enttäuscht verließ der Beamte meinen Wagen und verzog sich in sein Wachhäuschen. Ich erhielt meine Dokumente zurück und mir wurde klar gemacht, dass ich nun einreisen dürfe. Aber ich dachte nicht im Traum daran ohne mein Messer weiterzureisen. Ich stellte mich wortlos neben das Wachhäuschen. Dann forderte mich ein anderer Beamter auf die Fahrspur zu räumen. Also fuhr ich meinen Wagen auf einen nahen Parkplatz und ging zurück zu dem Wachhäuschen. "My Knife!" "Go, go, go!" Wurde ich vertrieben.
Ich erklärte, dass es sich bei dem Messer um ein Erbstück handle, und dass es auf keinen Fall hier bleibe da es für mich einen emotionalen Wert hat. Leider wusste ich weder was Erbstück noch was emotionaler Wert auf Englisch heißt, und selbst wenn ich es gewusste hätte, der Grenzer hätte mich sicher nicht versanden. Also beschloss ich ihm die Sache mit Hilfe eines Fotos begreiflich zu machen. Das Foto zeigte mich in einem Alter von, ich weiß es nicht mehr so genau, aber ca. 7 oder 8 Jahren wie ich mit just diesem Messer und meinem Großvater zusammen kleine Rindenboote schnitzte. Und als ich zu meinem Wagen ging um dieses Bild zu holen, kam ich zu dem Entschluss, dass es jetzt nun wirklich an der Zeit sei das Diktiergerät einzuschalten.

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Eine Stunde und 17 Minuten dauerte meine live Aufzeichnung. Eine Stunde und 17 Minuten verhandele ich mit den Grenzbeamten. Wenn ich ihren Worten Glauben schenken darf befand ich mich 1 Stunde und 17 Minuten mit einem Bein in einem ukrainischen Gefängnis. Dann hatte ich den letzten Schlagbaum hinter mir und ukrainische Strassen lagen vor mir.

Ukraine

Es war stockdunkel als ich die rund 11stündige Grenzprozedur überstanden hatte und mein Wohnmobil endgültig auf dem Territorium der Ukraine steuerte.
Die Straßen waren schlecht, ich war übermüdet. In der vergangenen Nacht hatte ich sehr schlecht geschlafen. Ich war aufgeregt, ja, ich hatte Angst. Angst vor der Grenze. Jetzt lag die Grenze hinter mir und die Ukraine vor mir. Die Angst war nicht ganz unberechtigt. Ok, ich hab´s geschafft. Ohne Bestechungsgeld. Ich bin in der Ukraine. Mein Wagen wurde nicht vollständig in seine Bestandteile zerlegt. Ich wanderte nicht wegen illegalen Waffenbesitzes ins Gefängnis. Aber Nerven hat es gekostet. Nerven, verdammt noch einmal! Ich suchte nur noch einen Platz zum Schlafen. Eine Parkmöglichkeit, egal wo. Doch die schmale Straße bot eine solche nicht. Glücklicherweise war wenigstens Odessa ausgeschildert und zwar, im Gegensatz zu allen anderen Orten auch in lateinischen Schriftzeichen.
Rund 20 Minuten fuhr ich der Beschilderung nach. Dann glaubte ich einen Ort zu sehen. Vor mir tauchten Bauwerke auf, es gab eine Straßenbeleuchtung. Doch ein Ort, ein Ort war das nicht. Die Strasse war mit einer Schranke versperrt. Eine weitere Zollstation?! Ich dachte ich hätte es geschafft. Eine soldatenähnliche Gestallt reichte mir einen kleinen Zettel, dann wurde die Schranke geöffnet. "Custom?" fragte ich. Der Soldat schüttelte den Kopf. "Paying Streat?" Der Soldat nickte. Scheiße! Ich war anscheinend auf eine mautpflichtige Strasse gekommen. Nach all dem Grenzstress war es mir egal, ich würde die Maut einfach bezahlen. Hauptsache nen Pennplatz und ne Tankstelle. Noch 20, oder 30 Kilometer. Dann bleibt mein Wagen stehen. Ich weiß es nicht mehr, aber es müssen so 6 oder 7 Kilometer gewesen sein bis ich die nächste Schranke erreichte. Zwischenzeitlich passierte ich einige mit "duty free" beschriftete, hell erleuchtete Geschäfte. Parkmöglichkeiten gab es. Aber hier? Berechnen die die Maut nach Kilometern oder nach Zeit? Ich hatte keine Lust für meinen wohl verdienten Schönheitsschlaf Straßenmaut zu bezahlen. Ich wollte hier weg.
Jedenfalls erreichte ich eine weitere Schranke. Wieder stand dort ein Soldat. Ich überreichte den Zettel den ich bekommen hatte und kramte schon nach meinem Geld. Aber ohne Geld von mir haben zu wollen wünschte mir der Soldat eine gute Fahrt. Ich habe keine Ahnung was das war, ich weiß nur, dass ich kurz darauf die "Denister" überquerte. Den Fluss welcher ein großes Stück die Grenze zu Transnistrien bildet.
Scheki! Der arme Kerl war mehr oder weniger den ganzen Tag im Auto eingesperrt und wenn ich noch so müde bin, erst mal muss ich ne Runde mit dem Hund raus. Eine Tankstelle, die ich auserkoren hatte um mir eine Flasche Bier zu kaufen schloss direkt vor meinen Augen. Am nächsten Tag schaute ich mir den kleinen Ort an, dessen Namen ich aufgrund von kyrillischer Beschriftung leider nicht wiedergeben kann. Ich wanderte zurück auf die Brücke und warf einen Blick über die Denister.

Dann suchte ich eine Wechselstube um später ein wenig Kraftstoff erwerben zu können und dann, dann startete ich den Wagen und fuhr Odessa entgegen.
Heute hatte die Tankstelle geöffnet welche mir gestern kein Bier verkaufen wollte. Für einen Liter Diesel zahlte ich umgerechnet 86 Cent.

Weiter geht es in Odessa.

Derzeit im Chat :



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