Jalta Ukraine - Wohnmobil Reisebericht, Krim

Grüsse aus Jalta

Ich kenne die halbe Stadt und ich bin erst 4 Tage hier. Was kann ich dran ändern? Ich bin halt kontaktfreudig.
Jalta erreichte ich am Nachmittag des 8. Januars 2012. Kurz hinter dem Ortseingangschild sichtete ich einen großen Supermarkt. Ich fuhr in eine kleine Seitenstrasse um dort zu parken. Als mein Einkauf beendet war machte die Verkehrssituation ein gefahrloses Wenden in der engen Gasse für mich unmöglich. Also fuhr ich die kleine Strasse hinab. Ich hatte ja eh mein Ziel erreicht und war auf der Suche nach einem Parkplatz. Etwa eine viertel Stunde kurvte ich so durch die engen Gassen als ich vor ein geschlossenes Hoftor gelangte. Sackgasse! Einige Wachhunde begrüßten mich lautstark und riefen den Besitzer des Geländes auf den Plan. Dieser freundliche Mensch, der einige sehr wenige Brocken Deutsch sprach, öffnete mir die Pforte so dass ich wenden konnte. Er erklärte mir noch den Weg zu einem Parkplatz den ich allerdings nicht fand.
Abermals kurvte ich orientierungslos durch die engen Gassen Jaltas. Irgendwann fand ich meinen Stellplatz.

Eine durch eine schmale Verkehrsinsel abgetrennte Parkfläche. Hinter dem Wagen ein kleiner Park, neben dem Wagen, 24 Stunden geöffnete und vor allem kostenlose, öffentliche Toiletten der Plumpskloart. Aber wer eine Zange besitzt um den Wasserhahn zu bedienen dessen Handrad fehlt, der kann dort seine Wasservorräte erneuern. Vor dem Wagen ein kleines Geschäft mit den hier üblichen kundenfreundlichen Öffnungszeiten von 7 - 23 Uhr. Um den Wagen herum, das offene W Lan Netzwerk "ASUS". Das einzige Manko dieses Ortes ist, dass er nicht unbedingt ebenerdig ist. Aber ich bin schlimmeres gewohnt.
Ich öffnete die Türe und lies Scheki umher streunern. Derweilen trug ich einige Dinge zwischen Fahrerhaus und Wohnkoffer hin und her. Eine junge Frau sprach mich an. Sie war von meinem Truck sichtlich fasziniert und, wenn ich sie richtig verstanden habe, fragte sie mich ob sie sich mal hinter das Lenkrad setzen dürfe. Ich hatte nichts dagegen einzuwenden und lies sie gewähren. Anscheinend hatte ich sie aber falsch verstanden denn sie kletterte über den Schalthebel hinweg auf meinen Beifahrersitz. Das Aus für 3 meiner 10 eben erst erworbenen Eier die dort in ihrer Originalverpackung, einem Plastiksack, herumlagen.
Eier in Säcken! Ich bin das ja schon gewohnt, aber verstehen kann ich das nicht so recht. Bis ich diese Reise angetreten habe, hatte ich immer gedacht der einzige der den Konstruktionsfehler begangen hätte Eier in Säcken zu verpacken sei der liebe Gott gewesen. Aber na ja.
Dann wurde es für mich ein wenig schwierig die junge Frau wieder aus meinem Auto herauszubekommen. Eine gemeinsame Sprache hatten wir nicht und ich hatte den Eindruck, dass die Dame in so etwas wie einen Sitzstreik trat bis ich mit ihr eine Probefahrt unternommen hatte. Dazu hatte ich aber keine gesteigerte Lust. Ich gestikulierte und redete. Ich zeigte auf die Strasse. Doch alles hatte keinen Erfolg. "Langsam gehste mir auf den Sack Mädel!" platze es etwas lautstark aus mir heraus. Die Frau blieb sitzen. Ich packte sie an ihrer Jacke und zerrte sie mehr oder weniger auf die Strasse. Das half. Dann zog ich los mir die Stadt anzuschauen.
Gegenüber meines Wohnortes führt eine schmale Strasse im steilen Winkel von der verhältnismäßig breiten Hauptsrasse ab. Sie nutze ich bergab. Bald führte mich der Weg über eine rostige Fußgängerbrücke. Ich folgte dem kleinen Bach der hier floss stromabwärts und hielt mich nach einigen hundert Metern an einem kombinierten Markt- Busbahnhof rechts. Ich folgte der Hauptstrasse. 5 Minuten später erreichte ich eine sehr belebte Gegend. Abermals gab es einen kleinen, kanalisierten Fluss. Rechtsseitig dieses Flusses eine Autostrasse, linksseitig eine Fußgängerzone. Ungezählte Künstler stellten hier ihre Gemälde unter freiem Himmel aus. Kaffeehäuser, Restaurants und Hotelanlagen säumten die Strasse. Ich bog rechts ab und befand mich 5 Minuten später an der Uferpromenade.
Eine Jazzband hatte nicht nur ihre Blechblasinstrumente mitgebracht, sondern gleich ein ganzes Schlagzeug aufgebaut. Die Jungs machten Stimmung. Vor allem ältere Damen schienen Gefallen an den erzeugten Klängen zu finden und tanzten ausgelassen auf der Strasse. Einige Hundert Meter weiter hatte ein junger Mann seine Stereoanlage aufgebaut. Sein Soundsystem wurde mittels Autobatterie und Wechselrichter versorgt. Aus den Lautsprechern drang beruhigende Panflötenmusik. Vor dem aufgebauten Mikrofon einige CD´s, hinter dem Mikrofon ein Mensch der glatt als Double von Jonny Deep in dem Film "Fluch der Karibik" durchgehen würde. Ich folge der Strandpromenade bis an ihr Ende. Schaue einige Minuten hinaus auf die See und begebe mich auf den Rückweg. Ein Pärchen schiebt einen Kinderwagen. Der Kleine im Wägelchen beginnt zu grinsen und streckt seine Hände nach meinem vierbeinigen Begleiter aus. Zwangspause! Mein Hund wird mit Donats gefüttert und fungiert als Alleinunterhalter für ein Kleinkind.
Gegen 8 Uhr am Abend erreichte ich mein Fahrzeug, schaltete den PC an und begann zu arbeiten.
Bei dieser Gelegenheit fällt mir auf, dass ich auf dieser Homepage noch gar nicht in Jalta bin. Ich bin dort wo ich in Sevastopol mit einer zerschlagenen Türe aufgebrochen bin. Also, von Anfang an:
Es muss so gegen Mittag gewesen sein als ich endgültig meinen Motor startete um Sevastopol zu verlassen. Auf meiner Landkarte schaute es so aus als ob mich die M18, die Landstrasse zwischen Sevastopol und Jalta direkt am Meer vorbeiführen würde. Doch der Eindruck täuschte. Sie führte mich erst einmal ein ganzes Stück landeinwärts um erst dort rechts abzuknicken. Nachdem ich die Betonwüste Sevastopols hinter mir gelassen hatte, hatte ich endlich einmal ein abwechslungsreiches Landschaftsbild zu beobachten während ich mein Fahrzeug bei herrlichem Sonnenschein und Temperaturen um die 18 Grad ostwärts steuerte. Die tadellose Strasse führte durch eine hügelige Landschaft. Teilweise waren die Bergkuppen von Nebelschwaden verdeckt.

Nach ca. 30 Kilometern sichtete ich ein Schild: "Deutscher Soldatenfriedhof" stand darauf geschrieben. Es deutete eine schmale und steile Strasse den Berg hinauf. Ich bog links ab und parkte kurz darauf vor dem Soldatenfriedhof. Ein militärisch gekleideter Friedhofswächter verwehrte mir allerdings den Zutritt mit meinem vierbeinigen Begleiter. Also beschloss ich weiter zu ziehen. In der Nähe dieses Menschen wollte ich nicht meinen Wohnort errichten. Einem Schild entnahm ich, dass es auf der Krim 370 Soldatenfriedhöfe gibt von welchen über 600000 deutsche Kriegsverbrecher in die Hölle gefahren sind. Seit 1993 betreibt der "Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge" eine von Spendengeldern finanzierte Umbettungsaktion der Mör … nein, das darf ich ja nicht schreiben. Ich frage mich wer da spendet und möchte an dieser Stelle gerne noch einmal auf meinen Bericht als ehrenamtlicher Helfer im Tierheim Rumänien aufmerksam machen. Im Gegensatz zu den Soldaten haben die Hunde mit Sicherheit keine Menschenleben auf dem Gewissen.
Ich fuhr also weiter.

Schon bald wechselte das Landschaftsbild. Die hübschen Hügel verschwanden zu Gunsten von schroffen Felsformationen. Meterhohe Felswände erhoben sich linksseitig meines Trucks. Bald erreichte ich eine kleine Kapelle. Vor ihr ein großer Parkplatz. Ich hielt an. Fliegende Händler und kleine Geschäfte verkauften die typischen Touristenandenken. Ein hinter einem Grill stehender Mann tat so als wolle er mich auf ein Essen einladen. Glücklicherweise erkannte ich den Trick rechtzeitig. Denn nachdem ich ihm meine leere Geldbörse gezeigt hatte und die Worte "No money" gesprochen hatte verschwand sein Interesse mich einzuladen sehr schnell. Ich kann nur immer wieder betonen wie wichtig es ist kein Geld in der Tasche zu haben. Auf Reisen gehört Geld an einen sicheren Ort. In die Geldbörse gehören nicht mehr als 5 Euro!
Sehr ausgedehnt war meine Erkundung der Gegend nicht. Außer Touristennepp, der Kapelle (die mich nicht interessierte) und einer Aussichtsplattform welche ich besuchte, gab es dort nichts zu entdecken. Leider hatte sich die Sonne verzogen. Ich hatte mit meinem Wagen einige Höhenmeter hinter mich gebracht und befand mich an diesem Ort in einer dichten Wolkendecke, so dass ich das aufgenommene Fotomaterial für nicht zeigenswürdig erachte. Bei Sonnenschein ist die Aussicht aber sicherlich atemberaubend.
Ich fuhr weiter. Um kurz vor 15 Uhr parkte ich meinen Wagen auf einem Schnellstrassenrastplatz. Laut GPS Gerät 700 Meter über mir befand sich eine Kirche auf einem nackten Felsen. Augenblicklich machte ich mich auf den Weg und stand kurze Zeit später vor dem Gotteshaus.

Von der anderen Seite kann man sich den mühsamen Aufstieg über wunderschöne schmale Pfade sparen. Es gibt eine Strasse. Neben der Kirche eine Gaststätte und natürliche ein Andenkengeschäft. Ich würde euch wirklich gerne ein paar Bilder zeigen, aber schaut selber:

In diesem Nebel fotografiert man nicht viel, außer den Nebel an sich. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit war ich wieder daheim. 6,3 Kilometer zeigte mir mein GPS. Nach dem Abendbrot machte ich mich daran meine Türe zu reparieren. Sie hatte noch immer ein Loch welches hilfsbereite ukrainische Staatsbedienstete durch freundliches Anklopfen verursacht hatten.
Ein passendes Stück Aluminiumblech welches ich über das Loch drüber nieten wollte hatte ich noch bei mir. Also: Pappschablone anfertigen, Stromgenerator und Stichsäge herauskramen, die Umrisse für das Reparaturblech sowie die Aussparungen für Türklinke und Schlösser übertragen, den ganzen Krempel aussägen und dann konnte ich mich mit meinem Blech ins beheizte und beleuchtete Wohnmobilinnere begeben. Der nächste Arbeitschritt hieß Feilen. Kanten entgraten, die auf 12mm aufgebohrten Aussparungen für die Schlösser so weit auffeilen bis es passt und natürlich immer wieder Anhalten und Maßnehmen.
Irgendwann ging ich zu Bett. Am nächsten Vormittag beendete ich meine Arbeit. Mein neues Blech verdeckte nun beide Schlösser. Mit billigem Baumarktsilikon habe ich es vollflächig auf der durchlöcherten Türe verklebt. Da haut so schnell kein Staatsbediensteter mehr mit der Spitzhacke durch!

Schloss repariert, Alarmanlage funktionsfähig. Guten Gewissens verlasse ich mein Wohnmobil und nutze den spärlichen Rest des Tages um noch ein wenig in den Felsen herumzuklettern.

Den 6. Januar nutzte ich um zum Meer hinunterzuwandern. Einen dem Küstenverlauf folgenden Weg fand ich nicht. Einmal glaubte ich einen solchen gefunden zu haben, doch nachdem ich einige Kilometer auf ihm gewandert war erreichte ich eine Schranke. Dahinter ein mit Stacheldraht eingezäuntes Touristenressort und davor ein mit einer Kalaschnikow (oder einem anderen Schnellfeuergewehr) bewaffneter Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes. Dass es sich bei der von mir verwendeten Straße um eine Sackgasse handelt war durch kein von mir deutbares Schild gekennzeichnet. Glücklicherweise führte ein Trampelpfad um die gefängnisartige Einfriedung herum und der bewaffnete Aufpasser hatte nichts dagegen einzuwenden, dass ich ihn nutzte. Kurz darauf gelangte ich auf eine weitere Asphaltstrasse. Diese begann an dem Zaun und endete an einem weiteren, nicht so gut bewachten und obendrein sehr löchrigen Zaun. Ich überlegte was zu tun sei als ein sehr seriös wirkendes Pärchen durch ein Loch im Zaun kletterte. Ich fragte "City? Centre?" und deutete in die Richtung aus der die beiden kamen. Ein freundliches Kopfnicken erhielt ich als Antwort. Mein Weg führte mich durch ein parkartig angelegtes Areal. Schon bald erreichte ich die ersten, um diese Jahreszeit verlassenen, Hotelbauten. Einheimische promenierten an der im Sommer sicherlich sehr belebten Strandpromenade oder schlenderten durch den Park. Eines hatten sie alle gemeinsam: Sie waren, um hier her zu gelangen, über bzw. durch irgendeinen Zaun geklettert.
Auch der 6. Januar war ein sehr nebeliger Tag. Aber ich hielt mich in tieferen Gefilden auf, so dass ich euch einige Bilder zeigen kann.
Am 7. regnette es mehr oder weniger den ganzen Tag ohne Unterbrechung und am 8., am 8. erreichte ich Jalta. Während der Fahrt sichtete ich den ein oder anderen schönen Wohnort an welchem ich gerne verweilt hätte aber mein ablaufendes Visa nötigte mich zur Weiterfahrt. 2 Monate für ein so großes Land wie die Ukraine, wenn Ihr mich fragt: Das ist kriminell! Was gibt diesen Menschen das Recht, mich in der Zeit zu budgetieren in welcher ich meinen Garten erkunde. Die Ukraine ist, genau wie Russland auch, ein Teil meines Heimatplaneten und den will ich verdammt noch einmal anschauen! So lange wie ich will. Ich hatte ja auf die neue Weltordnung im Jahre 2012 gehofft aber Scheiße, wir leben noch, der Weltuntergang lässt auf sich warten.
So, jetzt haben wir auch in meinen Reiseberichten den 8. Januar. Ich saß also vor meinem Rechner und lud einige Stunden Audiomaterial auf meinen Webspace als ich von draußen eigenartige Laute vernahm. Um ehrlich zu sein hatte ich ein wenig Angst, dass jemand anklopft und ich danach wieder mein Auto zusammenflicken kann. Also öffnete ich das Fenster und schaute hinaus. Draußen stand eine Gruppe junger Leute. Eine gemeinsame Sprache hatten wir nicht, aber eine Flasche Bier wurde mir ans Fenster gereicht und dies ist eine Sprache der Gastfreundschaft welche ich augenblicklich verstand. Also schaltete ich den Rechner aus und begab mich in die Gesellschaft dieser jungen Clique welche ihren Abend in dem kleinen Park vor meinem Wagen zu verbringen gedachte. Prädikat: Feucht fröhlich ohne Sprache.
Es dämmerte bereits als ich gut angetrunken ins Bett fiel. Somit war der 9. Januar für mich sozusagen gelaufen. Dennoch zog ich am späten Nachmittag los um ins Zentrum zu gelangen. Als ich es erreichte und auf das Hafenbecken hinausschaute sichtete ich mindestens 3 Delphine welche vergnügt auf und abtauchten.
Dort wo Gestern noch eine Jazzband spielte befand sich heute der Infostand einer Tierschutzorganisation.

Leider konnte ich nichts über den Verein in Erfahrung bringen da ich mich nicht verständlich machen konnte. Ich spazierte in einem großen Bogen um das Stadtzentrum herum, gelangte auf einen Berg und von dort wieder hinunter ins Stadtzentrum. Eine Gruppe von gut und gerne 30 Leuten hatte sich neben einem Straßenmusikanten versammelt. Scheki ließ sich von einem dieser Menschen füttern. Ich wurde angesprochen. "German? Englisch? Tourist!" Ein Dolmetscher wurde geholt. So fand ich die Leute mit welchen ich meinen zweiten Abend in Jalta verbrachte. Am Morgen des 10. Januars schien die Sonne. Herrliches Wetter und klare Sicht. Nichts wie frische Batterien in den Fotoapparat und los.
Ich folgte der Uferpromenade bis an deren Ende. Dort versuchte ich dem Küstenverlauf weiter ostwärts zu folgen. Irgendwann führte mich die Strasse bergan, vorbei an einer verschwenderischen Kirche mit Golddach neben welcher eine Gondelbahn verkehrte. Ich beschloss herauszufinden wo diese Gondelbahn hinführt. Mein Weg führte mich in eine Baustelle. Dort verlor ich die Seilbahn und somit mein eigentliches Ziel. In einem unkoordinierten Zick-Zack-Kurs steuerte ich durch die schmalen und verbauten Gassen Jaltas mit ihrem exotisch anmutenden Bewuchs und den teils aufwendig restaurierten und teils halb verfallenen Wohnhäusern. Dann erreichte ich wieder das Zentrum und folgte der Küste in die andere Richtung. Ich durchschritt eine lang gezogene Parkanlage. Palmen säumten den Weg. Auf einem Platz befindet sich eine Trinkwasserstelle. Ein englischsprachiges Schild gibt Auskunft über die Zusammensetzung des Wassers. Dann endet der Park und ich laufe durch so etwas wie ein Industriegebiet. Nur wenige hundert Meter. Dann beginnen wieder Hotelbauten und eine betonierte Liegefläche für sonnenhungrige Touristen. Irgendwann entpuppt sich der Weg als Sackgasse. Ich gehe zurück. An der Uferpromenade angekommen ist es bereits dunkel. Ich beschließe noch einmal die Promenade auf- und abzuschlendern bevor ich den Heimweg antreten wollte. Auf einer Bank saß ein Typ mit einigen Freunden. War das nicht mein Dolmetscher von gestern Abend? Doch, das ist er! "Hey men, how are you?" begrüßte ich meinen Freund. Er schaute ein wenig ungläubig. "Haben wir uns nicht gestern Abend bei dem Typ mit der Gitarre kennen gelernt?" "No." "Verdammt, sorry! Der Kerl sah dir ähnlich." "Nicht schlimm, wo kommst du her? Wo willst du hin? Komm mit ich zeige dir die Stadt!" Schon war ich wieder in Begleitung. Wir besichtigten einige Outdoor Treffpunkte junger Leute und ich wurde einem guten Dutzend Kumpels vorgestellt. "You know couchsurfing?" Wurde ich gefragt. Ich bejahte und kurz darauf tauschten wir unsre Namen auf dieser, Facebook um einiges überlegenden, Gastfreundschaftsseite. Als ich nach Hause kam war ich sturznüchtern. Dennoch war es 2 Uhr in der Früh. Am nächsten Tag, ich war gerade auf dem Weg in die City hörte ich ganz aufgeregte weibliche Rufe. "Scheki! Scheki! Come here!" Come here ist übrigens kein englisch sondern russisch. Minuten später saß ich zwischen 4 ukrainischen Frauen welche mir irgendwann am gestrigen Abend vorgestellt worden waren und hatte einen Plastikbecher echten Krimsekt in den Händen. Leider sprach keine dieser Frauen eine Sprache die ich auch spreche, doch nach einem kurzen Telefonat traf mein Freund und Couchsurfing Mitglied vom Vorabend ein um zu übersetzen. Mein 4. Tag in Jalta. Gesehen hab ich nichts was ich nicht schon gesehen hätte. Mit der Dunkelheit setzte Regen ein. Also gingen wir zu meinem Bus.
Heute Morgen, es war so gegen halb 9 in der Früh, klopfte es dann an meiner Fahrzeugtüre. Nicht mit der Spitzhacke sondern ganz zärtlich mit den Fingern. Draußen stand mein Couchsurfing Freund, eine junge Frau und ein weiterer Typ. "Du wolltest doch was vom Umland sehen. Komm mit wir wandern auf den Berg da drüben. Da hat es eine super Aussicht und der Weg ist toll. 3 Stationen mit dem Bus, ich hab ein Ticket, da kann ich dich drauf mitnehmen und dann geht es zu Fuß weiter." Ich fand die Idee hervorragend, räumte aber ein, vorher noch Frühstücken zu wollen. Mit Apfelpfannkuchen und deutschem Filterkaffee brachte ich ein wenig deutsche Kultur in die Ukraine. Kaum war das Frühstück beendet setzte heftiger Regen ein. Der schöne Plan war gestorben. Zu viert verbrachten wir den Tag in meinem Bus. Das Regelwerk von "Mensch ärger dich nicht" verstanden sogar diejenigen die der englischen Sprache nicht mächtig waren ohne auf die Hilfe eines Dolmetschers angewiesen zu sein. In der Ukraine scheint dieses in Deutschland jedem Kleinkind bekannte Gesellschaftsspiel niemand zu kennen und so konnte ich noch ein wenig mehr "Kulturgut" aus meinem Heimatland verbreiten. Im Gegenzug wurde ich stundenlang mit ukrainischem Kulturgut unterhalten.

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Gegen 18 Uhr verabschiedeten sich meine Freunde. Mein Dolmetscher muss einige Tage beruflich verreisen. Ich werde ihn wohl nie wieder sehen. Schade! Ich schaltete den Computer an und schrieb diese Zeilen.
Noch zwei weitere Tage blieb ich Jalta treu. Viel sah ich allerdings nicht mehr. Es regnete mehr oder weniger ununterbrochen. Ich habe keine Ahnung wo die Seilbahn hinführt und auch ansonsten habe ich das Gefühl viel verpasst zu haben. Bei all den Leuten hier bräuchte ich mindestens noch zwei Wochen. Aber in zwei Wochen muss ich in Russland sein. Am Abend des 13. Januars traf ich noch einmal meine Freunde von der Straßenband. Sie hatten wieder ihr Mikrofon und ihren Gitarrenverstärker aufgebaut und hofften wohl auf einen trockenen Abend. Aber da hofften sie vergebens. Schon bald fing es an zu regnen. Der Verstärker wurde abgedeckt, die Gitarre weggepackt und es wurde Playback Musik aus dem MP3 Player eingespielt. Im strömenden Regen feierten wir eine Party. Mit Pfützenhüpfen, einer Polonaise und allem was dazu gehört. Trotz Regen harrten wir bis 22 Uhr aus und auch noch ganz zum Schluss zählte ich 18 Anwesende.
Am nächsten Tag wurde dann wieder Scheki gerufen. Eine Frau vom Vorabend. Ich passierte ihren Arbeitsplatz. Sie arbeitet an einem Outdoorverkaufsstand für Handykarten.

Ich leistete ihr etwas Gesellschaft, lud meinen Laptop an ihrem Arbeitsplatz und erfuhr ihr Gehalt. 60 Griwna, 6 Euro pro Tag bei einer Arbeitszeit von 8 bis 18 Uhr. Ich mag Deutschland nicht, aber ich bin echt froh Deutscher zu sein.
Am Morgen des 15. Januars, ich hatte die Nacht vor dem PC verbracht und Forenbeiträge geschrieben, brach dann plötzlich meine Internetverbindung ab. Ein Blick aus dem Fenster verriet den Grund. Es hatte zu schneien begonnen. Gegen Mittag war die weiße Pracht dann auch schon wieder getaut, so dass ich den Motor starten konnte um neuen Zielen entgegenzufahren.

Weiter geht es bei einem Indianer auf der Krim.

Derzeit im Chat :



Bild: Danke








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