Kobleve Ukraine - Wohnmobil Reisebericht

Kobleve selbst besteht aus 4 Häusern, einer Busstation und einer Kirche. Aber der Weg entlang des Damms war sehr schön. Zumindest der Hinweg, auf welchem ich die Hauptstrasse rechts von mir hatte. Auf dem Rückweg wollte ich die andere Dammseite nutzen und versank mehr als einmal knöcheltief im sumpfigen Morast eines breiten Schilfgürtels.
Am nächsten Morgen schien die Sonne. Auf einer kleinen Landkarte, die in Kobleve aufgestellt war, hatte ich gesehen dass es nicht weit bis zum schwarzen Meer sein kann. Diesen Weg wollte ich laufen.
Ich folgte also ein Stück weit dem Strand den ich schon am Vortag entlang gelaufen war, unterquerte die Hauptstrasse an der Stelle wo sie eine kleine Brücke bildet und folgte von dort an dem Wasser. Sumpfgebiete, Schilfgürtel. Eine kleine befestigte Schotterstrasse führt mich meinem Ziel entgegen. Nach einer knappen Stunde Marsch stehe ich vor so etwas wie einem Zaun. Dahinter, eindeutig die Schwarzmeerküste. Ein Wachhund verbellt mich lautstark. Ein Mann klettert aus einem Bürocontainer. „Beach?“ frage ich, und der Herr deutet hinter seinen Zaun. Ich passiere und stehe kurz darauf an der Küste. Links von mir ergießen sich die Wasser der Tylihul´s´kyj lyman ins schwarze Meer, rechts von mir ein schier endloser Sandstrand. Ich folge ihm, schieße ein paar Bilder von einem Bademeisterwachturm welchen ich erklimme und wandre weiter westwärts.
Bald erreiche ich eine Siedlung. Nein, Siedlung ist das falsche Wort. Ich erreiche so eine Art Schrebergartenkolonie ohne Schrebergärten dafür mit Fischerbötchen und Strandparzelle. Alles wirkt verlassen. Einsam stehen die liebevoll errichteten Wochenendhäuschen in der Gegend herum. Teilweise handelt es sich um richtige Häuser, aber größtenteils um recht abenteuerliche Konstruktionen welche irgendwo zwischen Bauwagen und Baumhaus anzusiedeln sind. Hier endet der Sandstrand. Eine Steilküste beginnt. Anfänglich klettre ich auf den Felsen in Meeresnähe herum, doch dann bemerke ich, dass dieser Versuch aussichtslos ist und erklimme das Hochland. Eine phantastische Aussicht. Zum Einen der Steilküste entlang, und zum Anderen auf die Hochhäuser einer noch weit entfernten Stadt welche sich wie Fremdkörper aus der Landschaft erheben. Mehrfach sichte ich verlassenen Camps welche einfach in den Klippen zurückgelassen wurden. Mehrfach klettre ich hinab, doch etwas Brauchbares konnte ich nicht finden.
In Stadtnähe ist der Strand bevölkert. Ich komme mir fast vor wie auf einem Jahrmarkt. Ich bahne mir meinen Weg durch die Menschen, gelange ins Stadtzentrum, kaufe mir ein Mittagessen und verlasse die Stadt auf der Hauptstrasse. Dabei kommt mir ein eigenartiges Stoppschild in die Quere. Anhaltepflicht ist hier zwischen 7 Uhr und 7 Uhr 10, sowie zwischen 7 Uhr 30 und 7 Uhr 40. Ansonsten darf man durchfahren. Oder was soll das Schild bedeuten?
Gegen 17 Uhr bin ich wieder daheim.

Bereits am nächsten Morgen startete ich den Motor. Diese durch ablaufende Visa bedingte Hektik ist ein Graus. 603.700 Quadratkilometer Ukraine und nur 2 Monate Zeit. Das ist doch ein Verbrechen! Wie will man sich 603.700 Quadratkilometer in nur 60 Tagen anschauen?
Glücklicherweise war die Landschaft welche ich passierte ohnehin nicht sonderlich sehenswert. Rechts umgepflügte Felder, und links umgepflügte Felder. Da lädt kein Ort zum Verweilen ein, so dass ich nach etwas über 2 Stunden Fahrzeit Mykolajiv erreichte.
Drei volle Tage besichtigte ich Mykolajiv. Ich erwanderte große Teile des Dniprovskyj lyman Ufers, und eine gut und gerne 50 Kilometer lange Bucht welche hier in Mykolajiv ihr Ende an einer Hafenanlage findet. Ich betrachtete die imposante Drehbrücke welche über das Wasser führt und deren Straßenteil sich einfach um 90 Grad verdrehen lässt um Platz für hohe Schiffe zu schaffen. Leider sah ich sie nicht in Aktion. Viel gesehen habe ich ohnehin nicht, denn während meines gesamten Aufenthaltes war die Sicht sehr diesig und die Trockenheit wurde immer wieder von Regenschauern unterbrochen. Oder umgekehrt, je nach dem, ob man es aus der Sicht eines Optimisten, oder der eines Pessimisten sehen möchte. Was es hier jedenfalls auch gibt, ist so eine Gedenkstätte für Massenmör…, äh … Soldaten meine ich natürlich, an welcher permanent Erdgas abgefackelt wird. Fossilen Brennstoff scheint es hier genug zu geben. Genau wie in Odessa holte ich auch hier meinen Magneten an der Schnur welchen ich eigentlich zum Geldfischen in den klaren Bächen des Plitvicer Nationalparks in Kroatien gebastelt hatte und sammelte so das Geld ein welches Menschen in das „Wunschfeuer“ geworfen hatten. Genau wie in Odessa reichte mein Verdienst auch hier locker für eine üppige Mahlzeit nebst kaltem Bier. Und das obwohl die Münzen die etwas Wert sind, nämlich die 25 und 50 Griwna Cent Stücke nicht magnetisch sind.
Obligatorisch sind auch hier die zum Mahnmahl aufgestellten Panzer. Eigenartig dass sie häufig in der Nähe christlicher Bauwerke anzutreffen sind.
Wo wir gerade einmal bei Mahnmalen sind, da habe ich noch ein sehr eigenartiges entdeckt. Es besteht aus 8 großen Metalltafeln welche an eine Betonwand geschraubt sind. Ich möchte diese Tafeln gerne einmal zeigen, da ich ihren Stiel, bzw. deren Machart doch irgendwie zeigenswert finde.
Was mir an Mykolajiv sehr positiv aufgefallen ist, das ist die Tatsache dass die Fußgängerzone von einem einheitlichen Soundsystem beschallt wird. In Odessa hatte jedes Geschäft seine eigenen Außenlautsprecher und überall gab es andere Musik. Hier läuft überall dieselbe Musik. Egal wo man ist. Ich frag mich ja ob es überhaupt nötig ist eine Fußgängerzone musikalisch zu beschallen. Aber wenn es schon nötig ist, dann bitte einheitlich. Sonst wird man ja ganz bescheuert.
Dann bin ich immer noch fasziniert von diesem Überangebot an Geschäften und Megastores. Alle 2 Kilometer kommt hier so ein riesiger Konsumtempel. Man kann da überall rein laufen und die Preise vergleichen. Man kann auch um die Märkte schleichen in der stillen Hoffnung ihre Container zu finden. Allerdings hofft man da vergebens.
Jedenfalls lässt sich hier in der Ukraine auch recht billig leben. Meinen anfänglichen Schock hab ich überwunden. Man muss halt nur wissen was man kauft, die Grundnahrungsmittel sind sehr billig und Schmierkäse auch. Welch ein Luxus!
Viel zu früh brach ich auf. Bis Simferopol, der Hauptstadt der Krim wenn ich das mal so unfachmännisch sagen darf, waren es noch etwa 240 Kilometer. Als erstes stand Tanken auf dem Programm. Im Grunde erwähne ich Tankstops ja nur recht selten. Sie erscheinen mir zu ordinär, zu alltäglich um darüber zu berichten. Aber über diesen möchte ich erzählen. Ich erlernte nämlich wie man in der Ukraine tankt, und das unterscheidet sich von dem, was man so kennt. Ich fuhr also vor die Zapfsäule und steckte den Tankstutzen in meinen Tank. Dann betätigte ich den Hebel zur Kraftstoffförderung. Aber nichts geschah. Da kam kein Diesel aus der Leitung! Es kam auch niemand um mir zu helfen. Ich drückte auf den Hebel, schüttelte die Zapfpistole und suchte an der Zapfsäule nach irgendwelchen Knöpfen die ich eventuell betätigen muss. Aber nein. Dann ging ich das Kassenhäuschen suchen um nach Hilfe Ausschau zu halten. Gar nicht mal so einfach. Es handelte sich um eine recht kleine Tankstelle, einen angeschlossenen Shop gab es hier nicht. Nur ein winzig kleines Fensterchen durch welches der finanzielle Teil abgewickelt wurde. Nach einigem Suchen fand ich das Fensterchen und der Typ dahinter wollte Geld von mir. Dabei hatte ich doch gar nicht getankt. Die Zapfsäule funktionierte ja nicht. Nach einigem Hin und Her war die Sache geklärt. In der Ukraine bezahlt man zuerst und bekommt dann Benzin. Jeder weitere Tankstopp den ich später in diesem Land tätigte verlief nach dem gleichen Prinzip. 500 oder auch 800 Griwna über die Theke reichen, und dann wird die Säule frei geschaltet und man erhält exakt so viel Kraftstoff wie man bezahlt hat.
Mit vollem Tank ging es weiter. Die Strassen waren gut. Großteils waren sie neu gemacht, Schlaglochfrei und gut zu befahren. Die Landschaft hingegen war eintönig. Umgepflügte Felder so weit das Auge reicht. Nur in Xepcoh bzw. an der Brücke über die Dinipro nur wenige Kilometer hinter dieser Stadt hätte ich gerne gehalten. Aber mein Visa läuft ja ab. Keine Zeit und ich hatte noch keine 100 Kilometer Wegstrecke hinter mich gebracht.
Als ich dann in der Höhe von Armjan´s endgültig auf die Halbinsel Krim fuhr, neigte sich der Tag bereits seinem Ende. Von der Hauptstrasse aus sah ich das Meer, und ich sah einen Feldweg welcher in diese Richtung führte. Also setzte ich den Blinker und parkte kurz darauf auf einer Klippe oberhalb des Schwarzen Meeres.

Auch hier ist die Landschaft eintönig. Auf meiner Wanderung am nächsten Tag hatte ich linkerhand ungepflügte Felder und rechterhand das Meer. Es gab noch nicht einmal so etwas wie einen Strand. Der Übergang zwischen Land und Wasser war fließend und sumpfig. Die einzigen zwei Highlights waren eine alte Festungsanlage welche verlassen am Meeresufer herumstand, die jedoch so zerfallen war das man sie auch nicht wirklich Highlight nennen kann und ein verrostetes Wasserrohr welches einfach aus einer Wiese emporragte und an drei einzelnen Armen unaufhörlich Wasser in eine recht große Pfütze plätschern ließ die sich um das Rohr herum gebildet hatte.
Auch die kleine Ortschaft die ich erreichte war nicht unbedingt sehenswert. Allerdings machte sie mich ein wenig nachdenklich. Nicht nur wegen des hässlichen Panzers der dort herumstand und dem Schild ?Hundeanleinen verboten? welches dem dortigen ATG Markt Umsatzeinbußen an meiner Person von mindestens 70 Cent beschert hat, sondern vor allem die oberirdisch verlaufenden Trinkwasserleitungen welche bei Kälte einfach einfrieren müssen. Aber vielleicht verhindert dies ja das eigenartige Eisenrohr. Denn wenn man das Wasser ständig in Bewegung hält, zum Beispiel indem man es nutzlos auf einer grünen Wiese entweichen lässt, dann gefriert es später oder eben auch gar nicht.
Als ich am Abend den Computer anschaltete und einen Blick auf das aktuelle Datum warf staunte ich nicht schlecht. Der 24. Dezember. Weihnachten. Am nächsten Morgen lag Schnee.
Dennoch startete ich den Wagen und erreichte nach dreieinhalb Stunden Fahrt über vereiste ukrainische Strassen Simferopol.

Weiter geht es in Simferopol.

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Bild: Danke
Bei dem hoffentlich bald werdenden Fahrzeugbewohner von "mein-haus-hat-raeder" für die Verlinkung meiner Reiseberichte aus seiner Blogroll. Herzlichen Dank und gutes Gelingen beim Ausbau.



Kleine Häuser auf Rädern, auf dem Wasser und in Bäumen.



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