Odessa Ukraine; Wohnmobil Reisebericht

Eine knappe Stunde später erreichte ich Odessa. Nach einer weiteren halben Stunde parkte ich mein Wohnmobil neben einem Park. Über ein Monument hinweg blickt man auf das Schwarze Meer. Ein riesiger Industriehafen befindet sich hier. Oberhalb meines Parkplatzes eine kleine Kirmes mit Autoskooter und Riesenrad.
Augenblicklich zog ich los die Stadt zu erkunden. Am Monument bog ich links ab und spazierte durch die riesige Parkanlage. Es ist hier überhaupt nicht kalt. Noch gestern brauchte ich Jacke und Pullover, aber hier reicht fast ein T-Shirt. Problemlos und sehr schnell fand ich die Innenstadt. Imposante Gebäude im Barockstiel. (Vielleicht ist es auch Jugendstiel oder Gotik, ich kenne mich da echt nicht aus) Geschäfte, das Nobelste vom noblen. Alles was es in Moldova nicht gab, scheint es hier zu geben. Dafür sind Lebensmittel gut und gerne 30% teurer.
Ich spaziere ein bisschen auf und ab, schon bald wird es dunkel. Ich passiere zwei Straßenmusikanten welche mich um eine kleine Spende baten. Hilfsbereit wie ich nun einmal bin brach ich ein Stück von dem trockenen Brot ab das ich kurz zu vor erworben hatte und nun aß und verschenkte es. "No money by myself, poor Tourist!" sprach ich. Die Musikanten konnten es nicht fassen, ein Tourist der trockenes Brot futtert und keinen BigMac. Schon hatte ich neue Freunde. Eine Flasche Wodka (igitt) machte die Runde. Dann hatte ein Passant einen speziellen Musikwunsch welcher von meinen neuen Freunden gespielt wurde. Als sie ihre Darbietung beendet hatten, warf der gute Herr eine 100 ukrainische irgendwas Note und einige weitere kleinere Banknoten in den Gitarrenkoffer. Weit über 10 Euro, meine Freunde machten Feierabend.
Gemeinsam zogen wir durch die Stadt. Ich bekam einige Dinge über die Ukraine erzählt. Im Westen wird ukrainisch gesprochen. Das ist der Teil der Ukraine der vor langer Zeit einmal zu Polen gehörte. Im Osten hingegen spricht man russisch. Dieser Teil war ehemals russisches Territorium. Überhaupt gäbe es in der Ukraine nur zwei sehenswerte Regionen. Einmal die ukrainischen Karpaten, ganz im Westen des Landes und die Krim. Alles andere sei Ackerland. Klar, die Städte. Odessa, Kiev bestätigte mein Freund auf meine Frage. Dann wurde mir noch eine wichtige Verhaltensregel erklärt: "Wenn du die Polizei siehst, sei einfach still. Wenn die merken dass du Ausländer bist wollen die Geld." Dann wurde ich in eine kleine Kneipe eingeladen. "Da muss ich erst den Hund wegbringen." Ich zeigte ein Bild von meinem Parkplatz. Einer meiner neuen Freunde beschloss mich nach Hause zu begleiten. Er kenne den Weg. Bald darauf kletterte mein Freund selbstsicher über einen Zaun. "You are sure?" Ich kletterte hinterher. Ein weiterer Zaun. "That is jungle!" lachte mein Freund. Er kannte die Richtung zu meinem Wagen, aber den Weg kannte er mit Sicherheit nicht. Irgendwann waren wir wieder auf einem festen Weg, dort kannte ich mich aus, denn dort war ich schon auf dem Hinweg hergelaufen. Wir erreichten meinen Wagen und machten bei einem weiteren Gläschen Wodka Rast welches ich aus meinen Schränken zauberte. Dann ging es zurück in die Stadt. Mein Freund erwarb zwei Flaschen Bier an einem 24 Stunden Laden, da ich ihm erzählte als Deutscher viel lieber Bier zu trinken als Wodka. Mit einem Bier in den Händen liefen wir weiter. Direkt in die Arme einer Polizeistreife.
"Passport!" Die Polizisten deuteten auf unser Bier. Mein Freund wechselte einige Worte auf russisch mit den Schwerverbrechern in Uniform. Dann nahm er mich beiseite. "Hast du 20 Euro?" Ich wendete mich direkt an die Polizisten: "I don´t pay Bakschisch!" Mein Freund zupfte mir am Ärmel. Mach keinen Scheiß, das sind keine schlechten Cop´s. Zahlen wir einfach." "I am not!" Mein Freund wühlte in seinen Hosentaschen und überreichte 100 ukrainische Irgendwas. Dann erhielten wir unsre Ausweise zurück.
Als wir außer Sichtweite der Cop´s waren gab ich meinem Freund das Geld mit den Worten: "ashohl, ACAB!" zurück.
Ein gutes Stündchen verbrachten wir in einer Gaststätte, dann gingen wir zurück zu meinem Wagen.

Irgendwann schlief mein Freund auf meiner Couch ein und auch ich ging zu Bett. Gegen 9 Uhr am nächsten Morgen erwachten wir. Bei einer großen Portion Bratkartoffeln ohne Kartoffeln widmeten wir uns dem russischen Sprachtraining. Wenn ich mich für all die kleinen Sprachen wie Kroatisch, Rumänisch oder auch Griechisch nicht interessiert habe, aber russisch, russisch das lerne ich. Wenn ich hier raus bin spreche ich die Sprache zumindest ansatzweise. Das habe ich mir fest vorgenommen.
Nach dem Frühstück verschleppte mich mein Freund zu einer Fußgängerunterführung in der Nähe des Hauptbahnhofs. Dort traf er sich mit vielen seiner anderen Freunde um gemeinsam zu musizieren. Es war lustig. Viele alternative Leute, die Meisten sprachen englisch. Viele Stunden verbrachte ich dort, dann verabschiedete ich mich um mir noch ein wenig die Stadt anzuschauen. Gegen 19 Uhr war ich wieder am Wagen und verfiel augenblicklich in einen festen Schlaf.
Auch heute, am 5. Dezember 2011 war ich nicht in Odessa. Ich habe diesen Bericht geschrieben und das Audio geschnitten. Schließlich erhebe ich den Anspruch dass mein VIP Bereich topaktuell ist. Drei Tage im Land und immer noch kein Update ist allerdings alles andere als topaktuell.
Na ja, jetzt sind schon wieder ein paar Tage vergangen. Topaktuell bin ich immer noch nicht, aber was nicht ist, das ist nicht. So schnell bin ich nicht, bzw. so viel Strom habe ich im Dezember einfach nicht. Dafür hier noch ein paar Bilder von Odessa:

Bilergallerie Odessa


Griwna, das ukrainische Geld heißt Griwna.
Ich hatte gerade diese Zeilen niedergeschrieben als ich von draußen meinen Namen vernahm. Da stand er, mein Freund. Da konnte ich ihn auch gleich fragen mit welcher Währung ich hier bezahle. "Heute Abend spielt ne super Band in der Stadt. Kommste mit?" wurde ich gefragt. "Was soll der Spaß den kosten?" "80 Griwna Eintritt." "Ne Danke, ohne mich. Radio ist umsonst."
Gemeinsam gingen wir Richtung Stadt. Es war bereits dunkel. Dort trennten sich unsre Wege, ich lief ein wenig hin und her und mein Freund ging auf das Konzert.
Als erstes kam ich mit einer Hundehalterin ins Gespräch. Man hört ja viel Schlimmes über staatlichen Tötungen wegen der im nächsten Jahr anstehenden Fußballweltmeisterschaft. Der ukrainische Staat will die Straßen "sauber haben" für dieses Event. Keine Straßenhunde mehr. Deswegen werden die Tiere jetzt gefangen und getötet. So oder so ähnlich liest man es auf deutschsprachigen Tierschutzseiten.
Ich frage einmal nach wie hoch denn die Gefahr sei, dass mein freilaufender Scheki Opfer dieser ethnischen Säuberungsaktion wird. "Bei nahezu Null," erhalte ich als Antwort. Meine Gesprächspartnerin zählt einige Städte auf in welchen die Hundefänger unterwegs seien. Aber es handle sich um recht große und brutal vorgehende Truppen. Man würde sie wohl von weitem erkennen und hätte Zeit zu reagieren.
Laut meiner Gesprächspartnerin soll es diese ethnischen Säuberungen überhaupt nur deshalb geben, weil sich der ukrainische Staat europäische Fördergelder erhofft wenn er das Problem der Straßenhunde in den Griff bekommt. Ich schüttle den Kopf und muss an Subventionen für Tiertransporte denken.
Meine nächsten Gesprächspartner sind ein paar Jahre jünger. Eine Gruppe von 3 Frauen steigt die vom Hafen zur Innenstadt hinaufführende Treppe empor. Eine jede hat ne Büchse Bier in der Hand. Ich stehe am oberen Ende der Treppe und werfe einen Blick hinunter in den Hafen und auf das Hotel Odessa.

Als die drei an mir vorüber laufen höre ich deutsche Worte. Ganz eindeutig meine Muttersprache. "Seid vorsichtig! Ich hab deswegen vorgestern 5 Euro bezahlt!" "DEUTSCH! Da kann einer deutsch." Erhalte ich als Antwort auf meinen gut gemeinten Ratschlag.
Das übliche "woher? wohin?" wird ausgetauscht. Meine neuen Bekannten kamen eigentlich aus Bayern und waren gerade im Urlaub. Um 6 Uhr am Morgen waren sie mit dem Nachtzug aus Kiev angekommen und in 2 Stunden ging ihr Nachtzug zurück zu ihrem Hotel in der ukrainischen Hauptstadt. Dort solle alles noch pompöser und versnobter sein als hier in Odessa, bekomme ich erzählt. Meine Warnung mit dem Bier verstehen die Frauen gar nicht. Es sei schon peinlich meinen Sie, auf jedem Urlaubsbild hätten sie ein Bier in der Hand. Sie laufen immer so rum und hätten nie Probleme gehabt. Gemeinsam einigen wir uns darauf dass unsre unterschiedlichen Erfahrungen wahrscheinlich auf die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau in diesem Land zurückzuführen seien.
Meine Mädels zogen Richtung Bahnhof und ich folgte der nächtlichen Küstenlinie. Schon bald erreichte ich eine Brücke deren Geländer von ungezählten Vorhängeschlössern verziert wurde.

Ich begutachtete die Schlösser um herauszufinden was es damit auf sich hat. Sie können ja wohl kaum alle dazu dienen ein Fahrrad zu sichern.
Die meisten dieser Schlösser haben Gravuren. "Michaela und Paul - 1994", "Klaus und Ingrid" in einem hübsche Herzchen oder so etwas ähnliches. Es scheint hier Brauch zu sein ein Vorhängeschloss an diese Brücke zu schließen wenn man heiratet. Ein eigens zu diesem Zweck aufgestelltes Metallherz findet nur wenig Verwendung. Ich überlege ob ich ein preisgünstiges Vorhängeschloss erwerben soll um es dort zu befestigen. Zwar habe ich nicht vor zu heiraten, aber gesellschaftlich hebt es mit Sicherheit meinen Stellenwert wenn ich behaupten kann: "Ich habe ein Schloss in Odessa!"
Am 7. Dezember gehe ich nicht ins Stadtzentrum. Ich beschließe der Schwarzmeerküste in die andere Richtung zu folgen. Nur rund 5 Minuten Fußweg von meinem Wagen soll der Strand von Odessa beginnen wurde mir gesagt.
Strand ist gut. Alles ist zugebaut und touristisch erschlossen. Aber ok, was will man erwarten von dem Strand einer Millionenstadt wie Odessa?

Von meinem Wagen folge ich der kraftfahrzeuglosen Asphaltstrasse hinunter Richtung Delphinarium. Eine Frau mit Kind steht vor einem Baum und verhält sich auffallend. Ich beobachte ihr Handeln und stelle fest, dass sie keinen Gehirnschaden hat wie ich ursprünglich annahm. Sie füttert Eichhörnchen und Vögel. Und zwar aus der Hand! So süß die zahmen Tiere. Eine Weile beobachte ich das Treiben.

Ich folge der Küste bis zur Genuezkaya. Eine mit Hotels zugebauten Strasse welche mich zurück Richtung Wohnmobil führen sollte. Unterwegs entdeckte ich den Eingang zu einem Katakombensystem welches ich natürlich erforschen musste. Ich nahm mir fest vor besser ausgerüstet zurück zu kommen.
Am darauf folgenden Abend zog ich los endlich einmal das Internet aufzusuchen. An einer Kellerbar hatte ich einen Wi-Fi Aufkleber gesichtet. Die Stadt dürfte zwar voll mit Wi-Fi sein, aber was nütz mir eine Internetanbindung wenn ich keine Elektrizität habe? Die Bar gefiel mir. 10 Griwna für 0,5 Liter Bier, Steckdose und W Lan gratis. Ich hatte kaum die wichtigsten Arbeiten beendet als plötzlich mein Freund der Straßenmusikant und ein weiterer Kumpel von ihm vor mir standen. Ich hatte zu Ende gearbeitet, von nun an wurde gefeiert. Dabei hatte ich wirklich nur das Allernotwendigste getan. In meinem E Mail Postfach stapelten sich immer noch unbeantwortete Mails und wie teuer die Fähre von der Ukraine nach Russland sein würde, das wusste ich auch noch nicht. Gegen 5 Uhr am Morgen kehrte ich heim. Ein billiger Abend, er hat mich exakt einen Euro gekostet.
Ich spazierte durch das Stadtzentrum und verließ es auf der anderen Seite als der von der ich es betreten hatte. Diesmal folgte ich nicht der Küstenlinie sondern suchte mir einen Weg durch die Gassen der Stadt. Ich erreichte einen Markt. Alles wirkte kultiviert, aufgeräumt und sauber. Ganz anders als ich es auf den Märkten in Rumänien, Bulgarien oder auch Moldawien erlebt hatte.

Am Abend betrat ich wieder das Shkaf, meine Internetkneipe. (46° 28.938N 30° 44.333O) E Mail Eingang von Couchsurfing: "like to meet you!" Ich antworte: "Bin im Shkaf, kennste das?" 5 Minuten später hatte ich bereits Antwort. "Klar kenne ich das, bin in 10 Minuten da!" Wollte ich nicht was im Internet machen? Hm, jetzt hab ich erst einmal so etwas wie ein blind date mit nem Typen von Couchsurfing. Gemeinsam verlassen wir das Shkaf und bewegen uns zu einem anderen Laden. Hier treffen wir einen jungen Franzosen der bereits einige Monate in Odessa lebt und einen Typen aus London. Auch er residiert hier schon eine Weile. Beide Herren hatten sich mittlerweile Wohnungen in Odessa gemietet. Und genau zu so einer Wohnung zogen wir nachdem noch einige weitere Freunde eingetroffen waren. Vor der Wohnungstüre angekommen bemerkte der Besitzer, dass er keinen Schlüssel hatte. Dieser war noch bei seinem Mitbewohner und der war noch in der Kneipe. Also gingen wir zurück den Schlüssel holen. Wir verließen gerade den Hinterhof in welchem die Wohnung lag als wir von der Polizei kontrolliert wurden. Es wurden Worte auf russisch gewechselt. Einer meiner neuen Freunde zeigte seinen Ausweis, dann war die Sache geklärt. "Was war los?" Wollte ich wissen. "Die Polizei hat uns gefragt warum wir in den Hinterhof gepinkelt hätten und wir haben den Herren erklärt, dass wir dort nicht hingepinkelt hätten, sondern dass wir dort wohnen." Ich frage mich jetzt was geschehen wäre wenn der Wohnungsbesitzer nicht mit anwesend gewesen wäre? Was wenn ein Schwall von Leuten einen Hinterhof verlässt die nicht im Ausweispapier stehen haben das sie dort wohnen. Gerade zu Weihnachten oder Silvester soll so etwas ja sehr häufig passieren. Muss man dann den Gastgeber herausklingeln damit er die Sache klärt? Und was wenn ich diesen Hinterhof nun alleine verlassen hätte. Zum Beispiel weil ich nach Hause gehen wollte. Ich hätte gar nicht gewusst wo ich hätte klingeln müssen damit ein Gastgeber die Sache klären kann.
Jedenfalls feierten wir bis zum Sonnenaufgang in der kleinen internationalen WG. Am Nachmittag des nächsten Tages, ich schaute mir gerade die Stadt an,

lies ich mich kurz auf einer mit Wi-Fi beschrifteten Bank vor einem Elektronikgeschäft nieder. Auf der Strasse tanzte eine Gruppe Frauen in weiten Gewändern. Einige Männer sangen den sehr geistreichen Text: "Krischna - Harry Krischna - Krischna - Krischna - Harry - Harry." Oder so ähnlich. Ich versuchte das Schauspiel aus meinem Kopf auszublenden und mich auf den Monitor meines Rechners zu konzentrieren. Ein unbekannter Couchsurfer lud mich zu einer Party bei einem Franzosen ein. Franzose? Den kenn ich doch. Ich antwortete nicht anrufen zu können da ich kein Telefon besitze aber schon vorbeischauen würde wenn ich einen Treffpunkt und ne Zeit per Mail erhalte. Dann wurde ich von einem Harry Krischna Jünger angesprochen. "Sorry, Englisch German?" Er sei Mönch erklärt mir der junge Mann auf Englisch. Ob ich schon einmal was von Harry Krischna gehört hätte. "Aber klar!" Antworte ich. "Das sind die Leute die ganz freundlich ein Gespräch beginnen und dann anfangen um Geld zu betteln."
Ohne sich in irgendeiner Weise zu verteidigen oder zu rechtfertigen verabschiedete sich mein Mönch. Ich ging weiter. Noch ein paar Mal schaltete ich den Rechner ein um nachzusehen ob ich eine neue Nachricht hätte, aber jedes Mal wurde ich enttäuscht.
Gegen 19 Uhr trieb mich der Hunger heimwärts. Im Park, den ich passierte, sichtete ich einen Mann mit englischer Flagge auf dem Pulli. "The Britisch men!" rief ich ihm entgegen. Auch er informierte mich über die Party bei dem Franzosen. Wir vereinbarten, dass wir uns um 8 Uhr am Hauptbahnhof treffen um gemeinsam dort hin zu gehen. Ha, ganz ohne Telefon!
Gegen halb acht erreichte ich den Hauptbahnhof. Gegen 10 vor acht traf ich dort dann den Franzosen. Dieser lud mich wieder aus. Die Wohnung sei bereits überfüllt erklärte er mir. So ein Scheiß! Dafür verplempere ich mehr oder weniger nen ganzen Tag.
Als ich nach Hause komme stelle ich fest, dass sich irgendwie das optische Erscheinungsbild meines Wohnmobils gewandelt hatte. Als ich es verlassen hatte, war ich mir sicher, dass es irgendwie noch anders dreinschaute aber jetzt, jetzt sah es so aus:

Ne, da hab ich mich vertan! Das war das falsche Bild! Als ich nach Hause kam sah mein Wohnmobil so aus:

Ist das nicht hässlich? Also diese blöden Graffiti Heinis die nix anderes auf die Reihe kriegen als hässliche Tags.
Jeder andere Wohnmobilfahrer wäre wahrscheinlich stock sauer gewesen und hätte an die hohen Reinigungskosten gedacht. Ich war gar nicht so sauer, und ich dachte auch nicht an hohe Reinigungskosten. Ich dachte viel eher an eine kostenlose Neulackierung. Also beschriftete ich einen Zettel mit den Worten:
"So ugly! I would shame! If you have friends which can do graffiti, tell them they are welcome!"
Dabei unterstrich ich das "can do" doppelt. Dann ging ich zu Bett und am nächsten morgen in die Stadt.
Mein Weg führte mich am Hauptbahnhof vorbei.

Einige hundert Meter dahinter beginnt ein großen open Air Markt. Das hat mir der Engländer erzählt welcher nach eigenen Angaben einfach seinen Pass weggeworfen habe um der Sache mit dem ablaufenden Visa aus dem Weg zu gehen. Jetzt müsse er bei jeder Polizeikontrolle halt ein paar Griwna Trinkgeld für die Polizisten bereithalten damit diese das Fehlen seines Ausweisdokumentes nicht bemerken. 100 Griwna, also 10 Euro reichen in der Regel wenn man noch einen gültigen Personalausweis vorzeigen kann und angibt den Pass einfach nur vergessen zu haben, erzählte mir mein Freund auf Nachfrage.
Jetzt war ich jedenfalls auf dem open Air Markt, und dieser hier war so wie ich Märkte aus dem osteuropäischen Raum kenne. Sehr interessant! Ich futterte mich durch die großzügig angebotenen Probierhäppchen der Trockenfrüchtehändler

und erreichte kurz darauf die Region in welcher mit Gewürzen gehandelt wird. Auch hier durfte man probieren. Im Gegensatz zu Trockenfrüchten eignen sich Gewürze jetzt weniger um sich satt zu essen, aber wenn man Paprika sucht und keine Ahnung hat was Paprika heißt, dann ist es sehr vorteilhaft probieren zu können. Für eine Tüte mit gut und gerne 500 Gramm Paprikapulver bezahlte ich 40 Griwna. Auch auf dem Fischmarkt durfte man probieren.

Ich passierte ihn zügigen Schrittes, ich steh nicht so auf Sushi und habe keine Lust dem Verkäufer, der sicherlich sehr stolz auf seine Ware ist, zu erklären, dass ich kotzen muss wenn ich seinen rohen Fisch probiere.
Als ich den Markt verließ befand ich mich in einem Teil der Stadt den ich noch nie zuvor betreten hatte. Bald passierte ich eine Kirche mit goldenem Dach. Leider ist das goldene Dach nur für ausgewählte Menschen, die Menschen welche auch mit einem einfachen Teerpappendach zufrieden wären, diese Menschen dürfen es anscheinend nicht nutzen.

Nein, der Kerl vorne links im Bild ist nicht tot, nur obdachlos und unter dem goldenen Dach scheint kein Platz mehr für ihn zu sein. Da wohnt ja schon Gott. Der allmächtige König, und welcher König würde schon mit einem obdachlosen zusammenleben wollen?
Kurze Zeit später war schon wieder Geld ausgeben angesagt. Denn ich traf auf FOZZY. Nein, nicht was ihr schon wieder denkt. FOZZY ist keine billige Straßennutte, FOZZY ist ein Konsumtempel. Und zwar einer der Größten den ich seit Griechenland betreten habe. Ich kaufte eine Flasche Speiseöl für umgerechnet einen Euro, 1 Liter Ketchup für 60 Cent und ein großes Puddingteilchen zum Sofortverzehr für umgerechnet 55 Cent. Dann zog ich weiter. An einem Hochhaus war eine Außentreppe angebracht.

Schaut mal genau hin, wenn man die benutzen will, muss man durch ein vergittertes Fenster klettern.
Irgendwann gelangte ich in eine Gegend in der ich mich wieder auskannte. Ich schlenderte noch ein wenig durch die Innenstadt und mit Einbruch der Dunkelheit erreichte ich mein Fahrzeug. An meiner Haustüre hing ein Zettel:
"I can, but you r not at home. I will wait for your message on 0038XXXXXXX and I can come to paint today. 1 question only I can paint whole backside or only cross this black stuff? Write when you ll read this and if you wan t that I ll paint here. If you ll not write I ll come arround 20.00 - 21.00 and knock to door :)"
Der kommt zwischen 8 und 9, auch wenn ich nicht anrufe. Wie praktisch! Als es endlich an meiner Türe klopfte war es fast 23 Uhr. 2 junge Männer. Die Verhandlungen waren sehr einfach. "Natürlich kannst du das ganze Heck sprühen. Schaut ja Scheiße aus! Mach was du willst, nur zahlen kann ich nix. Hab mir letzten Monat neue Reifen gekauft, jetzt hängt für so außer der Reihe Sachen nix mehr drin."
Mein neuer Freund wollte schon immer mal einen LKW gestalten. Morgen Abend, so gegen 6 Uhr kommt er vorbei und sprüht. Jetzt müsse er nach Hause da er morgen früh aufstehen muss. Aber sein Freund, sein Freund hatte Zeit und lud mich in sein Studio ein.
Auch der Freund meines Fahrzeuggestalters, nennen wir ihn einmal APL F3C, so signiert er nämlich seine Werke

ist Graffiti Künstler. In den Hochhäusern genau meinem Wohnmobil gegenüber

hat er sein Atelier. Wir passieren einen Sicherheitsbeamten und betreten den Hausflur. Marmorböden, verspiegelte Decken. Wir steigen in einen Lift und fahren in den 11. Stock. "I rent my studio under contruktion. So it is cheaper." APL F3C entriegelte eine Wohnungstüre und forderte mich auf einzutreten. Zwei nackte Glühbirnen entflammen in einem riesigen Raum. Nackter Estrichboden, Rigipsplatten an den Wänden, davor halbvollendete Kunstwerke welche APL F3C auf Kunstausstellungen zu verkaufen gedenkt. Mit Vorhängen ist diese riesige Halle in einzelne Räume unterteilt. Badezimmer, Schlafzimmer, Atelier. Wir nehmen an einem großen Tisch Platz welcher am Ende des Raumes auf einigen Styroporplatten vor einem riesigen Panoramafenster steht.

"Look outside, it´s fantastic!"

Lange sitzen wir zusammen und tauschen Reise Erfahrungen aus. Auch APL F3C ist viel unterwegs. Die Hälfte seiner Einkünfte investiert er in Tickets zum Reisen. Ein Viertel in Lebensmittel und das Vierte Viertel in Farbe für seine Kunst. Ich werde gefragt was ich in Odessa denn schon alles gesehen hätte und ich zeige Bilder. "Bist schon ganz schön rumgekommen hier." Meint mein Freund. "Aber das was du mir da gezeigt hast

das ist nicht der Eingang zu den Katakomben von Odessa. Das ist ein nichts! Odessa hat das weltweit größte Katakombensystem unter der Stadt. Als die Stadt erbaut wurde, wurden dort die Steine zum Aufbau der Häuser gebrochen. Wenn du willst kann ich dir das zeigen."
Und wie ich wollte! "Der Eingang liegt auf Privatgrund, wir müssen da über einen Zaun klettern. Deswegen geht das nur Nachts. Das Tunnelsystem ist aber so groß, ich war da schon ne ganze Woche unten. Der Weg führt durch ein Regenwasserrohr, da brauchen wir Gummistiefel. Von dort kann man in die eigentlichen Katakomben klettern. Dort ist es trocken. Morgen? Nachdem dein Graffiti fertig gestellt ist?" Ich stimmte zu.
Recht aufgeregt zog ich am nächsten Tag durch die Stadt. Am Abend würde mein Heck neu lackiert und anschließend ging es in die Katakomben. Welches Motiv würde ich wohl spazieren fahren? Als ich ein Geschäft für Messer passierte, regte ich mich auf:

Aber mein Messer ist verboten. Deswegen machen die an der Grenze so ein Geschisse! Das kann mir doch keiner erzählen, dass das mit rechten Dingen zugehet, die Grenzbeamten wollten doch nur mein Messer und ein bisschen von meinem Geld.
Mein Künstler kommt mit guten 2 Stunden Verspätung. Ich starte den Motor und fahre knapp 100 Meter vor damit die Straßenlaterne Licht zum Arbeiten spendet. Mein Freund hatte eine Leiter mitgebracht. Loser Lack wird grob entfernt, dann bekomme ich den Entwurf gezeigt

und mein Freund beginnt mit der Arbeit. 3 Stunden später ist er fertig. Jetzt fahre ich zwar schon wieder ein Tag spazieren, aber wenigstens ein schönes. Mir gefällts, hübsch bunt!
Den Besuch der Katakomben verschoben wir um einen Tag da APL F3C einen anstrengenden Tag hinter sich hatte. Er war ein Visa für Frankreich beantragen und die Bürokratie habe ihn einfach geschafft erklärt er mir.
Den 13. Dezember verbrachte ich vollständig mit APL F3C. Er zeigte mir die Stadt und in der Nacht besichtigten wir tatsächlich die Katakomben.

Weiter geht es in den Katakomben Odessas.

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Bild: Danke
Bei Kilian von www.finds-besser-raus.de für die Verlinkung meiner Reiseberichte auf seiner Infoseite über Dumpster diving und Containern .



Kleine Häuser auf Rädern, auf dem Wasser und in Bäumen.



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"Wohnmobil Reisebericht Ukraine, Odessa"
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