Katakomben Odessa - Besichtigungstour

Odessa soll das größte unterirdische Katakombensystem der Welt haben erzählt mir mein Freund und Graffitikünstler den ich für diese Reiseberichte APL F3C genant habe. Vor vielen Jahren, als Odessa erbaut wurde, sollen hier die vielen Sandsteine gebrochen worden sein aus welchen die reich mit Monumenten und Fresken verzierten Gebäude Odessas erbaut wurden.
Offiziell ist der Zutritt verboten. Der Eingang zum Katakombensystem befindet sich auf Privatgrund. Man muss über einen kleinen Zaun klettern,

sich dann rechts halten und in einen mannshohen Regenwasserabflusskanal einbiegen welcher sich abermals auf der rechten Seite befindet und welcher nicht, wie alle anderen verschlossen ist. Nach ca. 30 Metern befindet sich auf der rechten Seite dieses Kanals so eine Art Arbeitsraum wo man sich in Ruhe umziehen kann.
Gegen 21 Uhr treffe ich mich mit APL F3C in seinem Atelier. Ich habe eine ausreichende Menge Taschenlampen in meinem Gepäck und obendrein noch einige Pfannkuchen als Wegzehrung. Wir nehmen noch einen Snack zu uns, besprechen den Ablauf unsrer kleinen Exkursion und dann stattet mich APL F3C mit Gummistiefeln aus. Diese hat er in ausreichender Menge und in verschiedenen Größen vorrätig. Nach eigenen Angaben zeigt er häufiger irgendwelchen Besuchern Odessas die Katakomben.
Gegen Mitternacht betreten wir das Regenrohr. Anfänglich handelt es sich um eine saubere, runde Röhre welche aus Betonfertigteilen erbaut wurde. Auf dem Boden befindet sich ein Schienenstrang, einstmals, beim Erbau dieser Kanalisationsschächte, wurde mit dessen Hilfe wohl Aushub ans Tageslicht gefördert. Zwischen den Gleisen fließt nur wenig Wasser.

Bald gabeln sich die Gänge. Der Wasserstand am Boden des Rohres steigt. Eine alte Lore liegt umgestürzt und verrostet an einer Weggabelung. Teilweise wurde die Röhre mit Backsteinen zugemauert. Doch gut ausgerüstete Hobbyabenteurer zerstörten diese hinderliche Zugangssperre wieder.
Nach ca. 30 Minuten Marsch durch teils knietiefes, aber klares Wasser erreichten wir eine verrostete Leiter.

Wasser tropfte von oben herab. Kalkablagerungen hatten sich auf den Sprossen abgesetzt. Im Schein meiner Taschenlampe konnte ich nicht das Ende des senkrecht nach oben führenden Schachtes erkennen. „Dort müssen wir hoch!“ Meinte APL F3C. Ich folgte ihm in gebührendem Sicherheitsabstand. Grob geschätzt 50 Meter kletterten wir über verrostete Eisenleitern in die Höhe. Stirnlampen boten uns eine spärliche Beleuchtung auf den wackeligen Eisengittern mit durchgerosteten Geländern welche von einer Leiter auf die nächste führten. Auf einem dieser Eisengitter bog APL F3C links ab. Wir betraten einen Vorraum, hinter ihm lagen die Katakomben.
Erdbrauner Sandstein. An den Wänden ungezählte Graffitis. Aber auch alte „Höhlenzeichnungen“. Neben einer steht ein Datum. 1884 ist dort zu lesen. Aber glauben wir es nicht unbedingt. Hier unten scheinen die Uhren anders zu gehen. Denn an anderer Stelle lese ich 2022 und das ist ja wohl unmöglich. Sauber ausgesägte Steine sind an den Wänden gestapelt und scheinen die Decke abstützen zu wollen. Schmale Gänge; an anderer Stelle findet man sich in großen Räumen wieder. Ein rostiges Rohr führt senkrecht durch einen Gang. Die Abwasserleitung eines darüber erbauten Hauses? Ein Stückchen weiter ist der Gang mit Holzstämmen abgestützt. Wasser tropft vom fauligen Holz. Fingerdicke Pilzkulturen leben in der absoluten Dunkelheit unterhalb der Millionenstadt Odessa. Noch ein Stück weiter endet die Stehhöhe des Ganges. Ein schmaler Tunnel muss durchkrochen werden. Dahinter: Ein weiterer Raum.
Teilweise sind die Decken halb eingestürzt oder die lose aufgestapelten Steinmauern umgefallen. Wege und Gänge in dem unterirdischen Labyrinth wurden stellenweise zugemauert, aber ich sah keine Mauer welche nicht von einem Hobbyforscher mit ein Loch versehen worden wäre welches Platz genug bot um hindurchzuklettern.
APL F3C sprühte ein neues Graffiti und auch ich übte mich in dieser Kunst. „I think I am the first german here.“ Sagte ich zu APL F3C. Doch ich irrte mich. An einer Wand stand der Name “Richard Schwarz”. An einer weiteren - die Worte “Berlin-Odessa”. Der Weg Richtung Ausgang wurde von meinem Freund schon in der Vergangenheit markiert. Überall findet sich die Zahlenfolge 315 und ein Pfeil darunter welcher Richtung Tageslicht deutet.
Lange streifen wir durch die Katakomben. APL F3C zeigt mir den alten Treffpunkt seiner Freunde. Ein großer Raum mit aufgestapelten Kalksteinen als Sitzgelegenheit und einem aus ebensolchen Steinen aufgeschichteten Tisch. Früher seien sie fast jedes Wochenende hier gewesen, hätten Partys gefeiert oder einfach nur gequatscht. Dann seien alle älter geworden, und heute habe niemand mehr Interesse daran sich in den alten Katakomben zu treffen. „Schade!“ meint APL F3C, es sei eine schöne Zeit gewesen.
Dann streifen wir uns wieder die überlangen Gummistiefel über, welche wir am Katakombeneingang versteckt hatten, klettern die rostige Leiter hinab, lassen das Wasser auf uns drauf tröpfeln und begeben uns durch die Kanalisationsschächte zurück Richtung Ausgang. Gegen 6 Uhr in der Früh schnuppern wir frische Odessaluft. Es dämmert bereits. Schnell zurück über den Zaun klettern, keiner hat es gesehen, und nichts wie weg hier.
Ein Abenteuer! Auch wenn ich nicht der erste Deutsche in den Katakomben war weil Richard Schwarz mir zuvorgekommen ist. Immerhin, sollte noch einmal ein Deutscher in diese Katakomben klettern, so wird es ihm nicht entgehen das auch ich schon dort war.
Odessa, eine Stadt mit 1 Mio. Einwohnern. Erbaut auf einem Tunnelsystem aus welchem einstmals das Baumaterial für diese Stadt entnommen wurde. Heute faulen die Jahrhunderte alten Stützbalken im Untergrund. Wie lange faulen sie noch bis sie unter dem Gewicht eines modernen Hochhauses nachgeben? Was passiert bei einem Erdbeben? An welcher Stelle muss ich ein Loch nach oben buddeln um in den Tresorraum der ukrainischen Zentralbank zu gelangen? Wie viel Sprengstoff brauche ich um große Teile Odessas zum Einsturz zu bringen? Und vor allem, brauche ich überhaupt Sprengstoff dazu? Oder reicht die Propangasflasche meines Küchenherdes und ein Feuerzeug? Bumm! Wie angreifbar ist doch unsere Zivilisation. Ich bin froh, dass ich im Auto wohne und so ein kleines Bisschen weniger gefährdet bin.
Noch einen weiteren Tag verbrachte ich in meiner Heimat auf Zeit, auf meinem Parkplatz in Odessa. Dann zog ich weiter. Ich darf nur 60 Tage in der Ukraine bleiben. 2 Wochen davon sind schon vergangen und der Weg bis Russland ist noch weit.
Recht orientierungslos kurvte ich durch die mir immer noch recht fremde Stadt. Dann passierte ich Fozzy. Der riesige Supermarkt dem ich schon auf einem meiner Spaziergänge einen Besuch abstattete. Großeinkauf!
So ein Großeinkauf in einem neuen Land ist für einen Low Budget Reisenden eine langwierige Sache. Zuerst betrachtete ich die angebotenen Waren und verglich die Preise. Dann kaufte ich einige Dinge die mir günstig erschienen. Teilweise wusste ich aber gar nicht was ich dort kaufe. Ich wusste nur, dass es nicht viel kostet. Also kaufte ich in Probemengen und verkostete in meinem Wagen. Schmierkäse! Lecker! In dem anderen Päckchen war Frischhefe. Pech gehabt! 1,5 Kilo Kekse für nur 2 Euro das Paket. Klar, dass ich das probieren muss bevor ich mehrere Päckchen kaufe. Auch der Erwerb von Mehl, Haferflocken, Reis oder auch Zucker erwies sich als schwierig. Anders als in Deutschland sind diese Waren hier nicht original verpackt. Nein, sie werden in riesigen Kisten oder Säcken zum Verkauf angeboten. In den Kisten oder Säcken liegen kleine Schäufelchen die so ausschauen als hätte sie der Supermarktbesitzer einem kleinen Kind aus seinem Sandkastenspielset geklaut. Auch Gewürze, Tiefkühlwaren und Nudeln werden hier „lose“ angeboten. Man schaufelt sich das Produkt seiner Begierde also in kleine ausliegende Plastiktüten und dann geht man damit zur Waage. Die Waage funktioniert so ähnlich wie man es von deutschen Gemüsetheken kennt. Nur dass sie, aufgrund des größeren Warenangebotes, viel mehr Knöpfe hat. Man kann halt nicht nur zwischen Bananen, Äpfeln, Möhren und Sellerie auswählen, sondern findet obendrein noch Tasten für Pfeffer, Fischstäbchen, Pommes, Schokolade, Linsen … . Kurz und knapp, die Waage hat so viele Tasten dass sie kein Mensch bedienen kann. Zumindest kein Mensch der den kyrillischen Schriftzeichen nicht mächtig ist. In der Nähe der Waage treibt sich zwar ein hilfsbereiter Verkäufer herum, aber durch die zugeknotete Plastiktüte kann der auch nicht unbedingt erkennen ob sich in deren Inneren Zucker oder Salz befindet.
Fazit: Der Einkauf war sehr abenteuerlich und hat einen ganzen Tag in Anspruch genommen. Geschlagene 3 Mal betrat ich das Geschäft, geschlagene 3 Mal wartete ich an der Kasse. Dann stapelten sich auf meiner Küche unzählige Köstlichkeiten und ich war einige hundert Griwna ärmer.

Es war jedenfalls schon dunkel als ich meine Einkäufe in den Schränken verstaut hatte, und deshalb beschloss ich, Odessa noch einen weiteren Tag lang treu zu bleiben.
Spät in der Nacht, ich lag eigentlich schon im Bett wurde ich dann von lautem Reifenquietschen geweckt. Eine Gruppe junger Tuningjünger hatte sich hier zum Driften getroffen. Klar dass ich noch einmal aufstand um mir die getunten Ladas und gebrauchten BMWs anzuschauen.

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Am nächsten Morgen ging es noch ein paar Mal kurz zur nahe gelegenen Trinkwasserstelle um meine tragbaren Wasserreserven aufzufüllen und dann ging es weiter: Mykolajiv entgegen.
Von Odessa bis Mykolajiv sind es etwa 140 Kilometer. Klar, dass ich eine soooo weite Distanz nicht in einem Tag fahren kann. Ich hatte das eigentlich vor, aber nach rund 50 Kilometern kam ich in der Höhe von Kobleve einen Berg hinunter. Es hatte begonnen zu regnen und im Regen macht Autofahren eh keinen besonderen Spaß und die Aussicht die ich von der kleinen Anhöhe über die Bucht des Tylihul´s´kyj lyman (kein Scheiß, das steht so echt auf meiner Landkarte) und den über sie hinwegführenden Damm hatte, war so phantastisch, dass ich einfach anhalten musste. Hier ein Bild das ich während meiner Entdeckungswanderung am nächsten Tag bei besserem Wetter aufgenommen habe. Wer genau hinschaut sieht links neben dem Damm meinen Wagen.

Rechts Wasser, links Wasser. Dazwischen die Schnellstrasse und ein wenige Meter breiter Sandstrand auf welchem ich mein Fahrzeug parkte. Der Regen hatte aufgehört, so dass ich noch am gleichen Tag dem parallel zum Damm verlaufenden Strand bis Kobleve folgen konnte.

Weiter geht es in Kobleve.

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Bild: Danke
Bei meinem Freund EbsEls mit dem ich leider viel zu wenig Zeit in Kroatien verbringen konnte für die Verlinkung meiner Reiseberichte aus seinem Blog Lebensreise.



Kleine Häuser auf Rädern, auf dem Wasser und in Bäumen.



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"Katakomben Odessa, Ukraine"
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