Wohnmobil Panne in der Ukraine

Bereits zu Fuß hatte ich den Wegweiser Richtung Xepco entdeckt, und so fuhr ich in diese Richtung. Das Tauwetter und der leichte Schneeregen der niederging, sorgten für überflutete Fahrbahnverhältnisse. Teilweise standen die Strassen gut und gerne 10 cm tief unter Wasser. Eigentlich nicht weiter tragisch, meine Luftansaugung liegt mindestens 30 cm über der Fahrbahnoberfläche aber unter einer geschlossenen Wasserfläche fehlende Kanaldeckel und ähnliche Hindernisse zu erkennen die hier nun einmal gang und gäbe sind, das ist sehr schwierig. Ich hängte mich also hinter einen anderen Truck und beobachtete dessen Hinterachse. Bewegten sich dessen Federblätter aufgrund von unerkannten Unterwasserhindernissen besonders stark, so versuchte ich rechts bzw. links diesem Hindernis auszuweichen. Diese Technik klappte erstaunlich gut. Schon bald befand ich mich auf einer nicht überfluteten Ausfallstrasse. Dummerweise auf der Falschen. Ich schenkte meine ganze Aufmerksamkeit der hässlichen Hinterachse meines Vordermannes und vergaß dabei vollkommen auf den Weg zu achten. Ich fuhr da hin, wo der Kerl vor mir hin fuhr. Leider war das nicht meine Richtung. Also war Wenden angesagt und nach einigem Hin und Her fand ich den richtigen Weg. Bis zum Einbruch der Dunkelheit fuhr ich den Weg zurück den ich vor noch nicht allzu langer Zeit hergefahren war. Dann parkte ich auf einem kleinen Rastplatz fern ab jeglicher Zivilisation. Unterwegs stoppte ich an mindestens 10 oder 12 verschiedenen Tankstellen mit der Beschriftung "Taß". Nein, "Taß" steht nicht an diesen Tankstellen. Aber "Taß" schaut so ähnlich aus wie das, was an diesen Tankstellen steht. Buchstaben die der Sache ähnlicher kämen finde ich nicht auf meiner Tastatur. Dieses Wort das so ähnlich ausschaut wie Taß bedeutet jedenfalls dass diese Tankstelle Gas führt. Leider erhielt ich immer ein "Njet" zu Antwort wenn ich meine leere Gasflasche vom Beifahrersitz hob und sie dem Tankwart zeigte. Ob Gas jetzt gerade ausverkauft war, wie ich es kürzlich bei Diesel erlebt hatte, oder ob ukrainische Tankstellen grundsätzlich keine Gasflaschen befüllen, konnte ich leider nicht ermitteln.
Glücklicherweise hatte ich Kartoffeln und einen Becher Jogurt bei mir, und unweit meines neuen Aufenthaltsortes gab es eine umgestürzte Pappel welche mir bald nicht nur wohlige Wärme spendete sondern auch zur Zubereitung meiner Folienkartoffeln herhalten musste. Draußen knatterte der Stromerzeuger und ich erklärte den Tag für beendet. Am nächsten Morgen ging ich die Gegend erkunden. Felder! Wie ich es aus der Ukraine gewohnt war, befand ich mich in einer Gegend in welcher es weit und breit nichts anderes gab als abgeerntete Felder und schmale, unbefestigte Landwirtschaftswege dazwischen. Der lange Frost, der sich nun verzog, und der schmelzende Schnee ließen die Wege matschig werden. Eine schöne Wanderung ist anders, diese sorgte lediglich sehr schnell für nasse Füße. In weiter Ferne sichtete ich eine menschliche Ansiedlung. In der Hoffnung dort ein frisches Brot erwerben zu können spazierte ich in diese Richtung. Aber meine Hoffnung wurde nicht erfüllt. Ein Geschäft gab es in dieser Ortschaft nicht. Überhaupt wirkte der Ort wie ausgestorben. Ich hatte den Eindruck, dass alle Einwohner aufgrund der Wetterbedingungen zu irgendwelchen Verwandten in die Stadt geflohen waren und nicht in ihrem Dorf geblieben sind zu dem keine befestigte Strasse führte, dafür aber eine oberirdische Wasserleitung welche vermuten läst, dass es hier die letzten Wochen kein fließendes Wasser gab. Dieser Gedanke ist gar nicht so abwegig. Schon meine Couchsurfer aus Simferopol erzählten mir, dass ihnen ein anderer potenzieller Gastgeber kurzfristig abgesagt habe da die Fernwärmeleitung in seinen Ort eingefroren war und somit die gesamte Ortschaft ohne Heizung dastand. Er hätte zu seinen Eltern flüchten müssen erzählten mir meine Gäste.
Auf dem Rückweg rutschte ich auf dem matschigen Weg aus und legte mich der Länge nach in den Dreck.
Gegen halb neun am Abend, ich hatte gerade eine Dusche genommen und saß nur mit einer Unterhose bekleidet auf meinem Sofa und widmete mich mit Lederfett, Lappen und Bürste bewaffnet der Reinigung meiner Lederjeans, vernahm ich von außen eigenartige Laute. Ein Blick aus dem Fenster verriet die Ursache. Die Besatzung eines Fahrzeuges hatte hier angehalten und nutzte den Sichtschutz meines Trucks für eine Pinkelpause. Ich wollte mich gerade wieder setzen als es klopfte. Halb nackt wie ich war öffnete ich das Fenster und grüßte mit einem freundlichen "privjet". "Milizia" erhielt ich als Antwort und deutlich angetrunkene Männer hielten mir irgendetwas entgegen das sie mir als Polizeiausweis verkaufen wollten. Ich lachte. "Milizia, open the door!" rief es von draußen und mein Fahrzeug erbebte von Tritten gegen seine Karoserie. Die Jungs waren alles andere als freundlich, und Polizei war das bestimmt nicht. In einer Blitzaktion zog ich mich an. Der Wagen erzitterte immer noch von den Tritten, und die Worte der außen Stehenden ließen ein deutlich ansteigendes Aggressivitätspotenzial erahnen.
Während ich noch überlegte ob ich mit Axt oder mit Feuerlöscher bewaffnet aus meinem Auto springe um dieses zu verteidigen hörte ich einen Motor starten. Dann war der Spuck vorüber.
Ich packte meine sieben Sachen zusammen und startete ebenfalls den Motor. Wer weiß, vielleicht kommen die ja zurück. Zwanzig Minuten Fahrzeit später parkte ich in dem Industriegebiet einer kleinen Ortschaft.
Am nächsten Morgen wollte ich einmal schauen wo ich den überhaupt bin und bewegte mich in die Richtung in der ich das Stadtzentrum vermutete. Auf dem Weg passierte ich eine mit "Taß" beschriftete Tankstelle. Fülladapter lagen auf der Gaszapfsäule und ich ging erst einmal zurück um eine meiner leeren Gasflaschen zu holen. Als ich diese vor den Wagen gehoben hatte, öffnete ich das Ventil um eventuell vorhandenes Restgas entweichen zu lassen. Und siehe da, es zischte und sprudelte wie verrückt. Meine Gasflasche war überhaupt nicht leer. Lediglich die niedrigen Temperaturen hatten den Inhalt einfrieren lassen. Jetzt, wo es wärmer war, kam auch wieder Gas aus der Flasche. Und ich esse Ewigkeiten nur Folienkartoffeln und Knoblauchbaguettes. Eingefrorene Gasflaschen, so etwas habe ich noch nie erlebt. Es muss wirklich sehr kalt gewesen sein. Einem Buch entnahm ich das sich Propangas bis zu einer Temperatur von -40 Grad verwenden lässt. Dennoch ließ ich eine Flasche auffüllen. Umgerechnet 8 Euro kostete mich der Spaß.

Das Stadtzentrum war wenig sehenswert. Deshalb startete ich am nächsten Morgen mein Fahrzeug und fuhr weiter. Ich nutzte die gleiche Strasse die ich schon auf dem Hinweg benutzt hatte, und an exakt der gleichen Stelle an der ich auf dem Hinweg in eine Polizeikontrolle geriet, wurde ich auch jetzt wieder aufgehalten.
Dort befindet sich eine Polizeistation an der Hauptstrasse. Es wirkt ein kleines bisschen wie eine Grenzstation und ich glaube, dass es sich hier um die Grenze zwischen der Ukraine und der Krim handelt. Offiziell ist das zwar ein und das gleiche Land, aber offiziell gibt es ja auch Transnistrien nicht. Die Einwohner der Krim bezeichnen sich jedenfalls durchweg als Russen. Mit der Ukraine wollen sie nix zu tun haben. So wurde es mir jedenfalls immer wieder erzählt.
Die Grenzkontrolle war dann allerdings sehr oberflächlich. Mein fehlender Einreisestempel bereitete mir keine Probleme und nach einem flüchtigen Blick in den Wohnraum meines Fahrzeugs durfte ich passieren.
Etwa 80 Kilometer weiter durchquerte ich das Waldgebiet wo ich auf dem Hinweg aufgrund von ablaufenden Visa nicht angehalten hatte. Ich stoppte am rechten Fahrbahnrand und suchte einen Weg ins Innere des Waldes welcher den Eindruck erweckt für meinen Truck ausreichend tragfähig zu sein. Die Suche erwies sich als schwierig. Es handelte sich größtenteils um Sandwege welche von Frost und Tauwasser doch recht aufgeweicht waren. Schließlich fand ich eine asphaltierte Stichstrasse an deren Ende ich parkte.

Brennholz, Brennholz ohne Ende. Kleine Nadelbäume, einige waren abgestorben und ihre Stämme ragten in den Himmel. Auf diese Weise waren sie bei Schnee, Eis und Tauwetter trocken geblieben und jetzt verarbeitete sie meine Kettensäge zu Heizmaterial.
Ich heizte ein. Schließlich hatte ich in der Vergangenheit genug gefroren. Schon bald erreichte ich Innenraumtemperaturen von über 30 Grad, und ich erklärte meinen Wagen zur FKK Zone. Mit neuem Gas, bzw. mit der Erkenntnis, dass mein Gas niemals wirklich leer war, machte ich es mir gemütlich. Endlich wieder was Gescheites zu essen. Eine nahe Pfütze lieferte Wasser zum putzen und duschen. Durchwischen, Bett neu beziehen, Decken auf der Couch wechseln. Ja, so kann man sich wohl fühlen.
In den nächsten Tagen erwanderte ich das Gebiet.

Ein riesiges, heideartiges Areal. Der Boden war sandig und große Brachflächen wurden von zusammenhängenden Tannenwäldern unterbrochen. Die Aussicht von einem Feuerwachturm lässt die Größe erahnen.

Viel Erzählenswertes ist allerdings nicht passiert. Die Gegend mit ihren kleinen Sandhügeln war zwar sehr schön, aber auch einsam und absolute Highlights wie zum Beispiel einen See suchte ich vergebens. Für 4 X 4 Fahrer ist diese Gegend jedenfalls eine absolut perfekte Spielwiese. Irgendwo in den Tiefen dieses Waldes entdeckte ich einen bewohnten Wagen.

Rauch quoll aus dem Schornstein und der Typ hatte das gleiche Schlauchboot wie das, mit dem ich die Donau befahren hatte. Leider war niemand zu Hause.
Nach 5 Nächten an dieser herrlichen Stelle bunkerte ich noch einmal Brennholz und startete den Motor. Nur ca. 15 Kilometer von hier befindet sich die Ortschaft Xepcoh. Diese wollte ich nach kurzer Fahrt ohne Zwischenfälle erreichen um mir einen Parkplatz mit Internetanbindung zu suchen.
Wollte ich nach kurzer Fahrt ohne Zwischenfälle … genau hier unterscheidet sich das Wunschdenken von der Realität. Problemlos startete mein Wagen in dem leichten Schneeregen der über Nacht eingesetzt hatte. Problemlos erreichte ich die nahe Hauptstrasse und problemlos befuhr ich sie ca. 6 oder 7 Kilometer weit. Nur wenige hundert Meter nachdem ich so etwas wie einen Vorort passiert hatte änderte sich das Straßenbild. Der durchgehende Seitenstreifen endete zu Gunsten einer zweiten Fahrspur. Die kleine Landstrasse war plötzlich Autobahn-ähnlich ausgebaut. Und genau wenige hundert Meter nach der Veränderung des Straßenbildes, wenige hundert Meter nach dem Ende eines durchgehenden Pannenstreifens starb plötzlich mein Motor ab. Anders als in Tschechien ließ er sich nicht wieder starten. Mit einem bewegungsunfähigen Fahrzeug stand ich auf dem rechten Fahrsteifen einer Autobah-ähnlichen Schnellstrasse und stellte erst einmal ein Warndreieck hinter mein Wohnmobil.

Als erstes überprüfte ich das Naheliegendste: Meine Kraftstoffreserven. Meine Tankanzeige ist ja funktionslos und so kann ich die Kraftstoffmenge in meinem Tank nur mit einem Stöckchen ermitteln das ich dort hineinstecke. Ca. 2 cm Diesel im Tank. Wirklich leer ist er nicht. Also legte ich mich auf die schmutzige Strasse und demontierte den Vorfilter meiner Dieselpumpe. Seit Tschechien kenne ich ja dieses Bauteil. Er war sauber, allerdings auch trocken. Ich beschloss dass es wohl das Sinnvollste ist erst einmal Diesel in den Tank zu kippen bevor ich an dieser äußerst ungünstigen Stelle beginne mein Fahrzeug auseinanderzuschrauben. Also begab ich mich mit einem Reservekanister bewaffnet zur nahen Tankstelle. Nur etwa 1,5 Kilometer bis zur Tanke. Nur etwa 500 Meter rückwärts und ich hätte einen Pannenstreifen. Aber wie soll ich die 500 Meter rückwärts fahren wenn mein Wagen nicht anspringt? Ich rannte zur Tankstelle und mit 5 Liter Sprit in meinen Händen rannte ich zurück. Sprit in den Tank, das ist sehr umständlich da mein Tank so angeordnet ist, dass man nicht mit einem Reservekanister hineinschütten kann. Der Einfüllstutzen ist einfach zu kurz. Also füllte ich denn Diesel erst in eine leere Bierflasche und mit deren Hilfe in den Tank. Dann betätigte ich die Handpumpe zur Kraftstoffförderung und versuchte zu starten. Nichts! Allzu lange versuchte ich es nicht, denn leere Starterbatterien wären wirklich das Letzte was ich an dieser Stelle gebrauchen könnte. Was tun? Abermals baute ich den Vorfilter in der Dieselpumpe aus. Trocken! Ich demontierte die Kraftstoffleitung und pustete hindurch. Deutlich vernahm ich Blubbern im Tank. Diesel, ich brauch Diesel um ihn manuell in das Kraftstoffsystem einzufüllen. Abermals lief ich zur Tankstelle. Als ich zurückkam war mein Warndreieck platt wie eine Briefmarke. Irgendjemand war darüber gefahren. Ich stellte ein neues auf, glücklicherweise habe ich 3 Stück dabei. Wie bekomme ich den Diesel jetzt in die kleine Öffnung eines Benzinschlauches gekippt? Ich überlegte lange, dann baute ich mir ein Werkzeug aus einer leeren Getränkeflasche und dem Unterteil eines Kugelschreibers.

Ich demontierte die Dieselleitung welche vom Kraftstofffilter zur Einspritzanlage führt, band sie nach oben, und befüllte sie mit Diesel. Dann drehte ich am Zündschlüssel. Der Wagen startete und starb 20 Sekunden später wieder ab. Klar, für mehr als 20 Sekunden passt kein Diesel in die Einspritzanlage. Ich wiederholte diesen Arbeitsschritt, baute alles wieder zusammen und hoffte so mein Kraftstoffsystem auf recht unkonventionelle Weise entlüftet zu haben. Falsch gehofft, nach nur wenigen Sekunden starb der Motor wieder ab.
Ich muss hier weg, egal wie! Wenn die Bullen kommen, dann rufen die einen Abschleppdienst. Damit haben sie verdammt noch einmal sogar recht. Aber billig, billig wird das bestimmt nicht. Wenn ich alle Filter umgehe startet der Wagen. Also schnitzte ich einen Benzinschlauch, den ich als Ersatzteil mitführe so zurecht, dass ich ihn in das Gewinde der Einspritzanlage stopfen kann in welches normalerweise die vom Tank kommende Dieselleitung geschraubt wird. Mit Klebeband fixierte ich den Schlauch am Fahrzeugrahmen, reinigte die "Einsteckstelle" großflächig mit Bremsenreiniger und versuchte das Ganze mit Plastik Fermit, einem kneteartigen Werkstoff, den man normalerweise verwendet um das Stopfenventil eines Spül- oder Handwaschbeckens einzubauen, abzudichten. In die andere Seite des Schlauches steckte ich die Spitze meiner selbstgebauten Kugelschreibereinspritzung. Dann führte ich Schlauch nebst Flasche durch das geöffnete Beifahrerfenster in die Fahrerkabine, drückte ein wenig auf die Flasche um die Dieselpumpe zu simulieren und startete das Fahrzeug. Der Motor stotterte wie wild, aber er lief. Ich legte einen Gang ein und versuchte abzufahren. Unter Last starb die Maschine aber ab. Nach wenigen Minuten des Herumprobierens war meine Dieselflasche leer und der Motor somit wieder aus. Laut fluchend kletterte ich wieder unter den Wagen und sann über Lösungsmöglichkeiten nach. Unter meiner Einspritzanlange hatte sich eine bunt schillernde Dieselpfütze gebildet. Mittlerweile war es dunkel. Die Warnblinkanlage einzuschalten traute ich mich nicht. Jedes vorhandene Millieampere würde ich für Startversuche benötigen und nicht für meine Warnblinkanlage. Also klemmte ich ein rot blinkendes, batteriebetriebenes Fahrradrücklicht an das Heck meines Wagens und stellte eine ebenfalls batteriebetriebene Warnblinkanlage auf, deren Mitführung in Fahrzeugen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen in Deutschland Pflicht ist. Ich demontierte die Dieselvorlaufleitung am Tank, befüllte sie manuell mit Kraftstoff, blies in die ölige Leitung um den Kraftstoff durch eventuell verstopfte Filter zu pressen und startete. Der Wagen sprang an. Natürlich lief er nicht für lange Zeit. Ich wiederholte diesen Vorgang, baute alles wieder zusammen und versuchte es erneut. Abermals lief der Wagen nur für wenige Sekunden. Dann hatte ich eine Idee. Ich löste die Kraftstoffleitung aus ihren Schellen um ein wenig Bewegungsfreiheit in ihrer Verlegung zu erreichen. Dann füllte ich die Leitung wieder manuell, steckte sie in den Krafftstoffkanister und startete. Der Motor lief! 5 Minuten, 10 Minuten. Vollgas, Standgas. So geht es, so komme ich hier weg. Ein drittes Mal ging ich zur Tankstelle. Dann stellte ich den vollen Kanister zwischen Fahrerhaus und Wohnkoffer, verkeilte ihn mit einem Stück Brennholz, führte die Kraftstoffleitung in einem weiten Bogen an diesen Ort, füllte sie von Hand, blies hinein, füllte nach und stopfte sie in den Kanister.

Dann fuhr ich sehr langsam und mit eingeschalteter Warnblinkanlage ab. Wie weit würden mich 5 Liter bringen? Rein rechnerisch etwa 25 Kilometer weit. Aber diese Rechnung ist falsch da ich nur den Vorlauf in den Kanister umgeleitet hatte, der unverbrauchte Sprit floss durch die Rücklaufleitung in den eigentlichen Tank zurück. Sehr weit würde ich wohl nicht kommen. Ich war froh als ich nach ca. 3 Kilometern auf einen großen Parkplatz unmittelbar vor der Brücke über die Dinipro fuhr. Mein Auto war zwar noch nicht repariert, doch hatte ich eine Parkfläche erreicht welche mir Zeit für die Problemlösung zur Verfügung stellte. Ich stand auf einem richtigen Parkplatz und brauchte keine Angst mehr vor teuren Abschleppwagen zu haben. Um ehrlich zu sein war der Parkplatz noch nicht einmal übel. Die Dinipro spendete mir leicht salziges Duschwasser und das Stadtzentrum von Xepcoh kann auch nicht sehr weit entfernt sein. Nachdem mein Hund zu seinem Recht gekommen war, ich endlich einmal etwas gegessen hatte und auch die Dusche hinter mir lag war es 3 Uhr in der Früh. Woran kann es bloß liegen? Am nächsten Morgen betrachtete ich den Schlamassel mit einer Tasse Kaffee in den Händen. Fehlenden Sprit schloss ich als Ursache aus. Schließlich war der Tank nicht vollständig leer als ich liegen blieb und außerdem sind mittlerweile knapp 15 Liter Kraftstoff aus Kanistern in den Tank geflossen. Ein sehr großer Fehler kann es nicht sein. Schließlich fährt der Wagen wenn ich ihn aus dem Reservekanister befeuere. Der Sprit fließt dann durch alle Filter und Leitungen durch die er auch fließen würde wenn er direkt aus dem Tank käme. Einziger Unterschied: Der Tank liegt tiefer als der Motor, der Kanister liegt höher. Andererseits lief die Kiste bei einem Testlauf auch als der Kanister auf dem Boden stand. Aus der Dieselpumpe tropft Öl. Ich überprüfte die Sache und stellte fest das vom vielen auf- und zuschrauben die Dichtung gerissen war. Ok, jetzt zieht die Pumpe da Luft. Vielleicht schafft sie es den Kraftstoff zu fördern wenn er ein natürliches Gefälle hat, aber sie ist so zu schwach ihn aus dem Tank zu fördern. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Aber man klammert sich ja an jeden Strohalm. Ich baute noch den Dieselfilter aus und machte mich auf die Suche nach einem Ersatzteilhändler.
Über die Diniprobrücke ging es Xepcoh entgegen. Ohne lange suchen zu müssen passierte ich einen KFZ-Zubehör Händler. Ein ganz kleines Geschäft welches ich unter normalen Bedingungen nie betreten hätte. Ich zeigte dem freundlichen Verkäufer meinen Filter und die defekte Dichtung. Er nickte mit dem Kopf, hob den Zeigefinger in die Luft, drehte sich um und begann in einer großen Kiste zu wühlen. Nach einigen Minuten des Wühlens zauberte er einen Dieselfilter hervor der tatsächlich genauso ausschaute wie der Meinige. Fachmännisch verglich er die Größe des Filters und der Anschlussverschraubung. Dann reichte er mir beide Teile. Ja, das ist der Gleiche. Gekauft! Dann wühlte der Mann in einem etwas kleineren Karton den er unter der Theke hervorzog. Der Karton war voll mit Dichtungen, aber eine in der passenden Größe war nicht dabei. Aber alles kein Problem, schließlich bin ich in der Ukraine und hier werden Probleme auf einfache Art und Weise gelöst. Der Verkäufer holte einen bogen Dichtpapier und fragte mich mit Stift und Schere bewaffnet ob er mir eine neue schnitzen soll. Ich lehnte ab, Dichtpapier habe ich selber. Aber ich war dem Mann dankbar für seine tolle Idee. 64 Grifna, also 6,4 Euro ärmer, aber um einen Dieselfilter reicher, verließ ich das Geschäft. Einmal unterwegs schaute ich mir die Stadt an. Nicht sehenswert. Zumindest nicht dann wenn man ein kaputtes Auto hat. Dennoch spazierte ich durch einige Stadtparks und kletterte ein wenig an der Uferböschung der Dinipro herum.

Leider fand sich dort kein Weg, so dass ich für den Rückweg die Hauptstrasse nutzen musste. Am nächsten Tag schnitzte ich meine Dichtung

Dann schraubte ich den neuen Dieselfilter ein und baute alles wieder zusammen. Als ich unter dem Wagen hervor kroch und um das Führerhaus herumging sagte ich etwas von dem ich nicht weiß ob ich es Fluch oder Stoßgebet nennen soll. Ich sagte: "Jetzt spring schon an du scheiß Kiste!" Ich kletterte gerade auf den Fahrersitz als mir ein Mann wild gestikulierend entgegengelaufen kam. Wörtlich verstanden habe ich ihn nicht, aber er wollte mitgenommen werden, das war klar zu erkennen. "Maschina njet rabotti." Ich bin stolz auf mein russisch. Ich hab dem Kerl gerade in seiner Landessprache gesagt dass mein Auto kaputt ist. Ok, eigentlich habe ich gesagt: "Auto nein arbeiten!" Aber der Kerl hats verstanden und zwar auf Anhieb. Ich hatte noch nicht einmal gelogen, denn nach 20 Sekunden Lauf war mein Motor wieder aus. Ich war verzweifelt. Woran kann es denn noch liegen? Ich wanderte noch einmal über die Brück und kaufte 5 Liter Diesel im Kanister. Dann verklemmte ich diesen Kanister wieder mit einem Scheit Brennholz, stopfte die Saugleitung hinein und startete den Wagen. Langsam und vorsichtig fuhr ich über die Brücke bis hin zur Tanke. "Volltanken bitte. Randvoll!" Mit den Händen deutete ich dem Tankwart er möge meinen Tank bitte bis zum überlaufen befüllen. Doch in der Ukraine kann man nicht voll tanken. In der Ukraine tankt man für XY viele Griwna. Mann muss zuerst bezahlen und erhält dann so viel Sprit wie man bezahlt hat. Genau das versuchte mir der Tankwart nun zu erklären. "How many Griwna?" stammelte er mit seinem wenigen Englisch. Keine Ahnung verdammt, voll halt. Randvoll! Ich betrat das Kassenhaus, knallte 1000 Griwna auf die Theke und sagte: "three - Diesel." Als ich zurück zu meinem Wagen kam floss bereits Lebenssaft in meinen Tank. Irgendwann bei 700 und ein paar zerquetschten Griwna klackte die Zapfpistole. Der Tankwart machte Anstallten sie aus meinem Tank herauszuziehen. "Njet!" Ich deutete noch einmal den Tank bis zum Überlaufen zu befüllen. Die Luftblase in der in den Tank hineinreichenden Saugleitung sollte so klein wie irgend möglich gehalten werden. Der Tankwart tat das worum ich ihn bat. Bei 864 Griwna war es dann so weit. Nicht ein einziger Tropfen passte mehr hinein in meinen Tank. Ich ging zurück zum Kassenhäuschen und erhielt anstandslos mein Geld zurück. So tankt man also in der Ukraine voll, mal wieder was gelernt. Von der Zapfsäule fuhr ich bis zum Staubsauger. Dort zog ich die Dieselleitung aus dem Kanister und verschraubte sie mit meinem Tank. 200 Mal betätigte ich den Handpumpenhebel meiner Dieselpumpe. Dann startete ich den Wagen. 10 Sekunden, 20 Sekunden, 30 Sekunden. Vollgas. Der Motor lief. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Er läuft! Bei laufendem Motor kletterte ich in die Wohnkabine um mir meine Hände zu waschen. Scheki lag auf der Couch und schaute mich leicht verwirrt an. "Er läuft wieder Scheki! Ist das nicht toll?" Mein Hund kam auf mich zu und begrüßte mich durch Anhüpfen. Ich wischte meine öligen Finger im Fell meines Hundes sauber und sprach die Worte: "Herrchen hat das Auto repariert Scheki. Du hast nen ganz tollen Mechaniker als Menschen. Der hat nur geschlagene 3 Tage gebraucht um voll zu tanken." Ich musste über mich selber lachen. Die Worte die ich da so spontan zu meinem Hund sprach treffen die Sache ziemlich präzise. 3 Tage nervenaufreibende Fehlersuche und Tanken behebt das Problem. Dennoch hätte ich gerne gewusst woran es lag. Mein Tank fast 120 Liter. 88 Liter habe ich an der Tankstelle getankt, hinzukommen etwa 15 Liter aus dem Kanister. Macht zusammen 103 Liter. Sprich, rein rechnerisch waren noch 17 Liter in der Kiste als ich liegen geblieben bin. Keine Ahnung woran es lag. Fakt ist, heute bin ich in Mykolajiv. Ich bin also ca. 70 Kilometer gefahren. 70 Kilometer, ohne dass mir mein Wagen Probleme gemacht hätte. Eventuell ist die Saugleitung im Tank an irgendeiner Stelle durchgerostet und man kann den Tank jetzt nur noch bis zur der Stelle leer fahren an der das Loch ist. Ich bin gespannt ob das Problem in Zukunft noch einmal auftritt. Rein vorsorglich habe ich einen gefüllten Reservekanister an Bord. Jetzt kenne ich ja das Problem und weiß wie man es provisorisch so lösen kann das man wenigstens bis auf einen Parkplatz kommt.

Weiter geht es bis zur Grenze.

Derzeit im Chat : 0 User.



Bild: Danke
Bei den 2 Wagenbewohnenden Frauen von Oscarlotta. für die Verlinkung meiner dynamischen Linkliste . aus ihrer Blogroll.
Knitterfreie Fahrt!




Kleine Häuser auf Rädern, auf dem Wasser und in Bäumen.



Du hast meinen Wohnmobil Reisebericht
"Panne Ukraine"
bis an dessen Ende gelesen.
Pleace be social - share waht you like!
Mit einem klick auf diesen Linkteilst du meinen Wohnmobil Reisebericht "Panne Ukraine" auf deiner Facebook Pinnwand und empfiehlst ihn so deinen Freunden.
Thank´s for your fairness :-)

© myhomeismycar Wohnmobil Reiseberichte
Empfehle mich
Bitte!

myhomeismycar.com - nonstop unterwegs seit: 10 Jahren, 2 Monaten und 6 Tagen

Support a great live!
Denk an mich wenn du bei
Amazon
einkaufen möchtest.




Tue es über
DIESEN LINK
und 5% deines Einkaufswerts fließen in meine Reisekasse und ermöglichen es mir auch morgen und übermorgen noch unterwegs zu sein.
Danke!